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Zur historischen Entwicklung des Renarrativs im Bulgarischen.

1. Einen der interessantesten Charakterzuge der bulgarischen Gegenwartssprache stellt der sogenannte Renarrativ dar, der auch als Wiedererzahlmodus oder indirekte Erlebnisformen bezeichnet wird und nach wie vor das Interesse der Forschung findet. Hierbei ist jedoch im wesentlichen nicht (mehr) so interessant, wie der Renarrativ in der bulgarischen Literatursprache oder auch der Umgangssprache Verwendung findet, diese Dinge sind weitestgehend durchleuchtet und bekannt gemacht worden. Vielmehr Bedeutung und Interesse hat die historische Dimension des Problems Renarrativ, denn bis heute ist die Genesis dieses Modus von der Wissenschaft noch nicht eindeutig geklart, weil es weder fur die eine noch die andere Hypothese der Entstehung des Renarrativs eindeutige Beweise gibt. Zu unterschiedlich sind die Positionen der Gelehrten, wobei sicherlich auch politische und historische Empfindlichkeiten eine Rolle spielen.

Vereinfacht dargestellt handelt es sich bei dieser Verbalkategorie um ein Flexionsparadigma, das nicht dem Indikativ angehort und immer dann Verwendung findet, wenn der Sprecher Handlungen und Geschehnisse beschreibt, denen er nicht selbst beiwohnte und somit nicht unmittelbarer Zeuge dieser Handlungen war, sondern sie nur aufgrund des Informationsaustausches mit anderen ausdruckt. Man kann diese Bedeutung mit der der indirekten Rede vergleichen, muss aber dabei berucksichtigen, dass die Renarrativformen allein (ohne dass ein sog. redeeinleitendes Verb notwendig ware) diese Bedeutung zum Ausdruck bringen. Der Gebrauch dieser Formen ist, wenn die geschilderte Situation vorliegt, obligatorisch, wenn kein redeeinleitendes Verb vorhanden ist, sie sind ublich auch bei Vorhandensein redeeinleitender Verben. Formen des Renarrativs gibt es fur alle Tempora (mit ihren temporalen Hauptbedeutungen), die uns aus den Indikativparadigmen bekannt sind. Es geht hier um den Ausdruck des nicht personlich, nicht direkt Erlebten mittels speziell dafur geeigneter Verbformen. Das indirekt Erlebte kann somit in allen Sprachen ausgedruckt werden. Unterschiedlich sind nur die Mittel, die die einzelnen Sprachen dazu verwenden. Manche verfugen uber spezielle synthetische Formen (Bulgarisch, Turkisch, Litauisch), andere mussen zu syntaktischen oder lexikalischen Konstruktionen greifen, um eine Begebenheit als mittelbar erlebt darzustellen. Jakobson stellt die Formen dieser Kategorie in den breiteren Rahmen der indirekten Rede (reported speech) und defmiert sie begrifflich nach Volosinov als "speech within a speech, a message within a message and at the same time also a speech about a speech, a message about a message" (R. Jakobson, Shifters, 1971 S.13a). Dies ist das grosse Charakteristikum, das das Bulgarische wesentlich von allen anderen Slawinen unterscheidet. Auch der sich durch dieses Phanomen ergebende verbale Formenreichtum zeigt die kontrare Entwicklung im Vergleich zu den ubrigen slawischen Sprachen umso mehr, da es ja im Bulgarischen bis in die Gegenwart vier Prateritaltempora gibt, die in Addition zu den Formen des Renarrativs die Problematik noch verkomplizieren. Bis hierher gehen die Meinungen bezuglich der Bedeutung des Renarrativs auch nicht auseinander. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn es um die Frage(n) geht, wann und auf welchem Wege der Renarrativ ins Bulgarische Einzug gehalten hat, denn die Beantwortung dieser Frage(n) scheint doch einen gewissen Komplexitatsgrad zu enthalten bzw. nicht so eindeutig zu sein, wie das von bestimmten Fachvertretern immer wieder behauptet wird.

Es handelt sich dabei um im wesentlichen zwei Positionen, von denen die eine popularer ist und eine weitaus grossere Anhangerschaft unter den Gelehrten findet als die zweite, die bisher nicht so angenommen wurde und auch nur einen geringen Verbreitungsgrad besitzt aber trotzdem auch eine gewisse Logik und Nachvollziehbarkeit aufweist, als das von vornherein glauben macht. Im wesentlichen geht es dabei um die Frage, ob der Renarrativ ein allochthones oder autochthones Phanomen darstellt, was nach dem gegenwartigen Stand der wissenschaftlichen Forschung noch nicht bewiesen werden kann und auch nicht die Aufgabe dieses Beitrags sein soll. D. h. es existieren zweierlei Lehrmeinungen, von denen die eine davon ausgeht, dass der Renarrativ aus einer anderen Sprache ins Bulgarische entlehnt worden ist. Hier ist insbesondere das Turkische zu nennen, obwohl diese Kategorie nicht genuin turkisch ist, sondern es auch im Armenischen und anderen vor allem im sudlichen Kaukasus gesprochenen Sprachen eine identische Kategorie gibt, so dass das Turkische in diesem Fall nur eine Vermittlerrolle gespielt zu haben scheint. Ebenso sind Renarrativformen in einigen Altaisprachen reprasentiert, als auch im Jakutischen und den meisten finno-ugrischen Sprachen. Des weiteren ist interessant, dass der Renarrativ nicht in allen Sprachen, in denen er als separater Modus vorkommt, den gleichen Entwicklungsstand aufweist. Das bedeutet, dass in einigen Sprachen nicht alle Tempora entsprechende Renarrativformen aufweisen sondern nur bestimmte. So gibt es Turksprachen, die Renarrativformen nicht als separater Modus aufweisen, sondern die Nacherzahlung durch besondere syntaktische und lexikalische Mittel zum Ausdruck bringen. So ist es beispielsweise im Mongolischen, wo die Nacherzahlung auf die Prateritaltempora beschrankt ist und auch keinen eigenstandigen Modus darstellt. Selbst in den Kaukasussprachen gibt es starke regionale Unterschiede. In den sudlichen Sprachen existiert der Renarrativ als eigenstandiger Modus, in den nordlichen nicht. Die allochthone Position findet, wie schon o. a. die meisten Anhanger. Sie wird vertreten von z. B. Conev, Mircev, Andrejcin, Georgiev, also namhaften bulgarischen Sprachwissenschaftlern. Dies alles zeigt sehr gut, dass Nacberzahlformen sich in den verschiedenen betroffenen Sprachen in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Voll ausgebildet, d.h. als eigenstandiger Modus mit eigenen sich auf alle Tempora erstreckenden Paradigmen, existiert der Renarrativ im Bulgarischen, den baltischen, den tungusisch-mandschurischen Sprachen sowie in den Sprachen einiger ural-altaischer Volker, wie z. B. dem Karelischen. Anhanger der zweiten Lehrmeinung vertreten nun aber die Ansicht, dass der Renarrativ trotz des Vorkommens auch in anderen, nichtslawischen Sprachen eine bulgarische Eigenentwicklung darstelle, die im wesentlichen damit begrundet wird, dass das entscheidende Moment fur die Entwicklung dieser Kategorie in der protobulgarischen Sprache, die ja bekanntermassen keine slawische war, zu suchen sei. Erlauternd muss zu dieser Sprache gesagt werden, dass die Bulgaren ihren Namen von einem nichtslawischen Volk haben, das man die Protobulgaren nennt. Es handelt sich dabei um eines der Turkvolker Innerasiens, die im 7. Jahrhundert--von Khan Asparuch gefuhrt--zunachst an der Wolga siedeln und schliesslich in das heutige Bulgarien vordringen. Die Protobulgaren sind zahlenmassig geringer und gehen innerhalb von zweihundert Jahren in der slawischen Mehrheit auf. Sprachliche Rudimente sind aber geblieben. Schriftliche Uberlieferungen des Protobulgarischen gibt es jedoch nicht, so dass angenommen wird, dass die genetische Anlage zur Herausbildung des Renarrativs hier schon vorhanden war und sich zumindest in der gesprochenen Sprache entwickeln konnte, denn schriftsprachlich gibt es keinerlei Beweise dafur. Diese Entwicklung soll sich schon ab dem 7. Jahrhundert bis ins 10./11. Jahrhundert, also der altbulgatischen Epoche, vollzogen haben. Vertreter dieser Theorie sind Popov, Mladenov und Trifonov. Rein vom Standpunkt der Theorie betrachtet, hat diese Position etwas fur sich und ist auch jedem, zumindest bulgaristisch ausgebildeten, Slawisten bis zu einem gewissen Grade nachvollziehbar, denn es ist durchaus denkbar, dass sich vor der Zeit der schriftlichen Uberlieferung Elemente in der Sprache eines Volksteiles in Ansatzen gehalten und Adstratwirkungen auf die Sprache des anderen Volksteiles, eben der slawischstammigen Bevolkerung, ausgeubt haben, die in eben dieser Sprache erst viel spater zur vollen Auspragung kamen. Diese beiden Positionen stehen im wesentlichen einander gegenuber. Es erscheint uns an dieser Stelle mussig, die Meinungen der einzelnen Anhanger beider Positionen, besonders der der allochthonen, zu wiederholen, da sie erstens hinlanglich bekannt sind und zweitens untereinander kaum voneinander abweichen. Interessant scheint es uns vielmehr, das Fur und Wider der einzelnen Argumente, die von beiden Seiten nachvollziehbar sind, einander gegenuberzustellen und damit aufzuzeigen, dass jede dieser Positionen etwas fur sich hat.

2. Beginnen wir mit dem Standpunkt der Befurworter der authochthonen Entwicklung, weil sie uns--unabhangig von der moglichen Verifizierung oder Falsifizierung--als die rein vom Forschungsansatz her interessanteste erscheint. Es ist klar, dass die entscheidende materielle Grundlage fur diese Annahme ausschliesslich Sprachdenkmaler sein konnen, die vor Beginn der osmanisch-turkischen Besatzungszeit Bulgariens entstanden sind. Man muss also versuchen, in diesen Denkmalern Spuren indirekter Erlebnisformen zu finden. Zunachst sollen allerdings die Beitrage der drei o.g. Autoren in ihrer Wichtigkeit bewertet werden, um nachvollziehbar zu machen, wie sich die jeweilige Position entwickeln konnte. Der schwachste Beitrag bezuglich unserer Problematik stammt von Mladenov, der lediglich Ausfuhrungen zu den imperfektiven Praterita macht. (1) Wesentlich wichtiger ist da der Beitrag von Trifonov, der als erster die Zweideutigkeit des bulgarischen 1-Partizips erkennt. In einem Beitrag versucht er, die Kategorien "vazprietost" und "nevazprietost" ins bulgarische Verbalsystem einzufuhren. Diese fundamentale Erkenntnis fuhrt zu der Annahme, dass alle Handlungen, die vom Sprecher mit seinen eigenen Sinnen erfahren wurden, indikativischer Natur sind, und dass alle anderen Verbalhandlungen, noch dazu bei Fehlen des Hilfsverbs in der 3. Pers. Sg./Pl. renarrativer Natur sein mussen. (2) Popov, als dritter Vertreter der autochthonen Theorie, gibt unserer Ansicht nach den entscheidenden Hinweis auf eine tatsachliche mogliche Entwicklung, die somit weder vollstandig der einen noch der anderen Theorie zuzuordnen ist. Er geht davon aus, dass die genetische Anlage des Renarrativs schon im Altbulgarischen und fruhen Mittelbulgarischen existent ist und fuhrt hierfur vor allem gewonnene Erkenntnisse aus den walachobulgarischen Urkunden an. Der Einfluss des Osmanisch-Turkischen nach der Eroberung Bulgariens sei lediglich eine Art Katalysator fur die vollstandige Entwicklung der entsprechenden bulgarischen Renarrativformen gewesen. Ausgangspunkt ist fur Popov, und er bringt das auch explizit zum Ausdruck, die protobulgarische Sprache mit ihrer Zugehorigkeit zur Familie der Turksprachen. (3) Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Popov mit dieser Position eigentlich nicht zur Gruppe der autochthonen sondern der der allochthonen Vertreter gehoren musste, denn er untermauert damit, dass die Herausbildung des Renarrativs doch keine genuin slawische resp. bulgarische ist, lediglich der Weg, auf dem diese Formen Einzug gehalten haben, ist ein anderer. Der Grundstein fur die Entwicklung des Renarrativs mag somit fruher gelegt worden sein, das Prinzip der Adstratwirkung bleibt somit jedoch gewahrt. Diese Argumentation konnte einen dritten Erklarungsversuch darstellen. Jeder dieser Erklarungsversuche hat seine Anhanger, und wenn man sich mit der Materie eingehender beschaftigt, so gelangt man schnell zu der Uberzeugung, dass die Hypothese mit dem turkischen Einfluss letztlich nicht eindeutig bewiesen ist, sondern dass sie deswegen am weitesten Verbreitung gefunden hat, weil sie bequem und auf den ersten Blick jedem einleuchtend ist und somit eine eingehendere Betrachtungsweise unnotig erscheinen lasst. Auf der anderen Seite gibt es aber in keiner weiteren (sud)slawischen Sprache eine identische Kategorie, trotz der geographischen Nahe dieser sprachlichen Areale zueinander und der Erfahrung einer mehrere Jahrhunderte andauernden turkischen Besetzung. Die gleiche Position wie Popov vertritt Ivancev, der ebenfalls von der Katalysatorwirkung der turkischen Sprache spricht. (4)

3. Bei der Betrachtung und Interpretation der historischen Entwicklung der Renarrauvformen wird immer wieder auf bestimmte Denkmaler verwiesen, die in der Regel als sichtbarer Ausgangspunkt fur die Entwicklung des Renarrativs dienen: Die walachobulgarischen Urkunden des 14.-16. Jahrhunderts. Diese Schriftdenkmaler sind ausserhalb des bulgarischen Sprachraumes im heutigen Rumanien entstanden. Die Grundlage stellt zwar das Mittelbulgarische dar, jedoch unterliegen sie sehr starkem serbischen und nach dem 15. Jahrhundert zunehmend rumanischen Einfluss, so dass man in diesem Falle unzulassigen Schlussfolgerungen hinsichtlich des Charakters des mittelbulgarischen Verbalsystems aufsitzen konnte. Die Divergenzen zwischen der Entwicklung des serbischen und des bulgarischen Verbalsystem sind einfach zu gross, um ihnen Relevanz im Bezug auf die Entwicklung des bulgarischen Renarrativ einzuraumen. Nun ist es aber so, dass die Befurworter einer prahistorischen Entstehung des Renarrativs im Protobulgarischen im Regeifall davon ausgehen, dass demzufolge die entsprechenden Paradigmen im fruhen Mittelbulgarischen, wenn auch nicht vollstandig, so doch aber klar und deutlich erkennbar und damit eindeutig von denen des Indikativs unterscheidbar sind bzw. sein mussen. Das kann dazu fuhren, dass es zu Fehlinterpretationen bezuglich der fraglichen Formen kommt. So behauptet beispielsweise Popov, dass die Renarrativformen in den walachobulgarischen Urkunden stark vertreten seien. Tatsachlich machen die 1-Partizipien ohne Hilfsverb nicht einmal zehn Prozent aus und selbst diese zehn Prozent haben bei naherem Hinsehen Tempusbedeutung. Dejanova hat recht, wenn sie sagt, dass das Fehlen des Hilfsverbs allein nicht ausreiche, um vom Vorliegen einer Renarrativform zu sprechen. (5) Schliesslich ist es so, dass fast alle anderen slawischen Sprachen das 1-Partizip zur ausschliesslichen Prateritalform entwickelt haben und daher durchaus wiederum gewisse Adstratwirkungen bezuglich des Weglassens des Hilfsverbs in volkssprachlichen Texten stattgefunden haben konnen. Des weiteren lasst sich Popovs Behauptung, Perfekt und Aorist wurden in den walachobulgarischen Urkunden nach beobachteten und nicht beobachteten Handlungen getrennt, die er in den Rang einer Tatsache erhebt, nicht beweisen. Es gibt ebenso Falle, in denen genau das Gegenteil der Fall ist. Erwahnt werden soll hier allerdings ein Autor, der eigentlich aufgrund seiner beruflichen Ausrichtung und seiner Erfahrung die These von der genuin autochthonen Entwicklung des Renarrativs im Bulgarischen nicht vertreten sollte bzw. es kaum nachvollziehbar macht, warum er--ubrigens ohne entsprechende Beweisfuhrung--eine solche Position vertritt. Es handelt sich dabei um den bulgarischen Turkologen Ivan Galabov. Er vertritt die Auffassung, dass das bulgarische Verbalsystem die Renarrativformen als Resultat seiner "udivitelno tvorcesko raznoobrazie" entwickelt habe, ohne auch nur einen einzigen stichhaltigen Beweis fur eine solchermassen gewagte These anzufuhren. (6) Er behauptet hingegen, dass zur damaligen Zeit kein Schriftkundiger in Bulgarien das Turkische beherrschte, was hinsichtlich einer funfhundertjahrigen Besatzungszeit kaum nachvollziehbar erscheint. Im Verlaufe einer so langen Besetzung beginnen nicht nur Intellektuelle sondern auch Angehorige der Mittel- und Unterschicht zweisprachig aufzuwachsen. Treffender hingegen scheint uns das Argument, dass alle anderen Sprachen, die ebenfalls unter turkischem Einfluss standen, keine Renarrativformen entwickelt haben, wobei hier in erster Linie das Serbische, Griechische und Makedonische zu nennen sind. Wichtig erscheinen uns in diesem Zusammenhang vor allem zwei Fragen: 1. Welche Hypothese kann als die relativ wahrscheinlichste angesehen werden und 2. Wann kann man sicher vom Vorhandensein von indirekten Erlebnisformen sprechen, d. h. in welchen Schriftdenkmalern sind sie erstmals definitiv als solche zu erkennen und nicht etwa strittiger Natur wie in den walachobulgarischen Urkunden.

Es ist naturgemass schwer, eine Theorie, die schon lange als allgemeiner Wissensbestand gilt und noch dazu von namhaften Gelehrten weiterhin vertreten wird, auszuhebeln oder doch zumindest sich auf ein ganz anderes Denkmodell, einen neuen Denkansatz einzulassen, der nicht unbedingt zum Gegenteil dessen fuhren soll, was gegenwartig bezuglich dieser Problematik als zentraler Wissensbestand gilt, sondern der sensibel machen soll, um in Erwagung zu ziehen, dass die Entwicklung vielleicht doch anders verlaufen ist als allgemein angenommen wird. Es gibt namlich beim aufmerksamen Vergleich des bulgarischen mit dem turkischen Renarrativ einige Widerspruche, die herausgehoben werden mussen. Das einzig wirklich Ubereinstimmende scheint in beiden Fallen die Sinnkategorie zu sein. Des weiteren ist die Kategorie im Turkischen rein temporaler Natur und bringt in aller Regel Vorzeitigkeit zum Ausdruck; im Bulgarischen neigt sie mehr zu modalen als zu temporalen Bedeutungen. Roth beschreibt in ihrer Monographie die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Renarrativkategorien: So hebt sie hervor, dass sich eine formale Parallele lediglich bei den Formen "yazmis"="pisal" und "yaziyor imisim"="pisel" zeige. "Yazmis" stelle ein eigenes Tempus dar, wahrend "pisal" die Erzahlentsprechung des Aorists sei; "yaziyor imisim" sei eine aus dem erweiterten Infinitivstamm und "imisim" zusammengesetzte Form, wahrend es sich bei "pisel" um ein neuentstandenes 1-Partizip des imperfektiven Verbstammes handele. Roth halt es fur sehr wahrscheinlich, dass die Formen "yazmis"="pisar" die Nahtstelle war, an der die turkischen mis-Formen die Semantik des bulgarischen Perfekts beeinflusst haben und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich der bulgarische Renarrativ von diesem Stadium aus selbstandig innerhalb des Rahmens der Moglichkeiten des bulgarischen Verbalsystems weiterentwickelt habe. (7) Diese Auffassung stutzt recht gut die Position Popovs mit dem Turkischen als Katalysator der Herausbildung eines bulgarischen Renarrativs und seinen protobulgarischen Wurzeln.

4. Der bulgarische Renarrativ viergliedrig. Das ist der in der bulgarischen Literatursprache gegenwartige Stand. Dieses viergliedrige System bestand aber wohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht vom ersten Tage seiner Existenz an, sondern stellt das Ende eines Entwicklungsprozesses dar, der in verschiedene Perioden einteilbar ist. Diese Auffassung vertritt Kercarov, und wir meinen, dass diese Position darstellenswert und nachvollziehbar ist. (8) Hinsichtlich dieser Auffassung wurden den alten indikativischen Formen neue perfektahnliche Formen gegenubergestellt, die eine Handlung auf der Basis einer fremden Information, einer Schlussfolgerung oder Verallgemeinerung wiedergeben konnte, so dass sich zwei Modi, ein medialer und ein nichtmedialer, gegenuberstanden. Der Autor legt dabei Wert auf die Feststellung, dass viele Sprachen, die indirekte Erlebnisformen kennen, lediglich ein zweigliedriges System entwickelt haben und es auch dabei verblieben sei, wohingegen in den Damaskinerhandschriften ein viergliedriges System nachweisbar sei. Der Grund, warum gerade das 1-Partizip zum Ausdruck der Nacherzahlform Verwendung findet, kann am besten mit der eigentlichen und hauptsachlichen Bedeutung des Perfekts erklart werden. Das Perfekt druckt--stark simplifiziert formuliert--eine vergangene Handlung aus, die in die Gegenwart hineinwirkt, deren Resultat zum Zeitpunkt des Redemoments vorliegt. Dieses Hineinwirken in die Gegenwart schafft einen gewissen zeitlichen Zusammenfall mit dem eigentlichen Zeitpunkt der sprachlichen Aussage, so dass der Anstoss zum transpositionellen Gebrauch des Perfekts bzw. des 1Partizips zur Entstehung eines ganzen Paradigmas perfektahnlicher Formen mit analoger Bedeutung bei den zusammengesetzten Prateritaltempora fuhrt; zusatzlich bleibt das Verhaltnis von Vergangenheitshandlung zum Redemoment gewahrt. Spater breiten sich die Renarrativformen dann auch auf die ubrigen Tempora aus. Schliesslich kommt es in einer zweiten Phase der Kategorie "Nacherzahlmodus" zur Umwandlung der zweigliedrigen in eine viergliedrige Kategorie.

5. Bei der Beurteilung des Materials, das zur Betrachtung herangezogen werden kann, muss einschrankend gesagt werden, dass nur solche Quellen in Betracht kommen konnen, die eindeutig Renarrativformen aufweisen und keinen Spielraum fur Interpretationen oder diverse Auffassungen lassen. Die von vielen, vor allem bulgarischen Autoren immer wieder angefuhrten walachobulgarischen Urkunden mit ihren angeblich so reichhaltigen Beispielen von Renarrativformen halten wir fur nicht geeignet, da sie als solche nicht eindeutig identifizierbar sind, sondern selbst Dejanova bemerkt in ihrem o.g. Aufsatz, dass sich bei genauer Betrachtung praktisch alle relevanten Formen als zusammengesetzte Prateritaltempora des Indikativs erweisen. (9) Wir hingegen haben uns entschlossen, exemplarisch die Werke dreier Autoren auf die Frequenz von Renarrativformen bzw. ihrem Entwicklungsstand miteinander zu vergleichen: J. Karcovski, P. Chilendarski und S. Vracanski. Um mit Karcovski zu beginnen, stutzen wir uns dabei auf einen Aufsatz von Cojnska, in dem sie das Verbal- und Tempussystem in den Publikationen Karcovskis untersucht. (10) Karcovski legt in seinen Publikationen Wert auf die Verwendung der Umgangssprache, so dass sich in seiner Sprache auch die wichtigsten Novitaten seiner Zeit reflektieren. Seine Sprache basiert im wesentlichen auf den Dialekten Sudwestbulgariens und Nordostmakedoniens. Interessant in diesem Zusammenhang ist, wie bei den anderen Autoren auch, einfach eine Zasur zu machen und den Entwicklungsstand der Renarrativformen zu ermitteln und somit Ruckschlusse auf das Alter des Prozesses ziehen zu konnen.

In den Werken Karcovskis sieht es dergestalt aus, dass Renarrativformen noch nicht in allen Tempora vorkommen. Das Tempus, dass am haufigsten mit Renarrativformen wiedergegeben wird, ist der Aorist. Bemerkenswert hierbei ist, dass aufgrund der niedrigen Frequenz von Imperfekt und Perfekt beide Tempora mit den Renarrativformen des Aorists gebildet werden.

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Das gleiche gilt auch fur den Fall eines religiosen Genres; auch dann werden Renarrativformen verwendet. Karcovski unterscheidet in seinen Werken ziemlich genau zwischen Indikativ und Renarrativ, aber auch bei ihm scheinen die indirekten Erlebnisformen noch nicht allzu sicher "in Fleisch und Blut" ubergegangen zu sein. Anders ist es nicht erklarbar, dass er an einigen Stellen, trotzdem es sich um nicht erlebte Handlungsablaufe handelt, zunachst mit Indikativformen beginnt, und anschliessend in den Renarrativ wechselt, vgl.:

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Teilweise ist es auch so, dass der Autor ganz generell zwischen den verschiedenen Modi schwankt, was gut zeigt, dass sich die indirekten Erlebnisformen bei ihm zumindest noch nicht durchgesetzt zu haben scheinen, vgl.:

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Diese, wenn auch wenigen, Beispiele untermauem sehr gut, wie wenig sich die Formen des Renarrativs bzw. die ganze Kategorie der indirekten Erlebnisformen bei einem wohlgemerkt Schriftkundigen am Ende des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts durchgesetzt hatte. Das aber wiederum zeigt, dass der Beginn des Etablierungsprozesses der Renarrativformen zur damaligen Zeit zumindest schriftsprachlich noch nicht allzu lange zuruckliegen konnte. Das ist allerdings bis hierher nur ein Beispiel. Gehen wir nun uber zum zweiten Beispiel. Auch hier liegt ein kurzer Aufsatz zugrunde, der die Frequenz der Renarrativformen im Werk des ersten Schriftstellers der bulgarischen Wiedergeburt zum Thema hat. Der Verfasser ist Andrejcin. Er hebt zu Beginn seines Aufsatzes klar hervor, dass die Renarrativformen bei Paisij, der sich der Volkssprache bedient, fester Bestandteil der Sprache und damit gut etabliert sind. (16) Gerade Paisijs "Slawisch-bulgadsche Geschichte" ist als historische Erzahlung sehr gut geeignet, um den Stand der Entwicklung zu dokumentieren. Er unterscheidet grundsatzlich sehr genau zwischen Renarrativ und Indikativ. Sehr deutlich wird die Entwicklung der Renarrativformen in der Volkssprache, wenn man letztere der Buchsprache gegenuberstellt, in der die Entwicklung zu jener Zeit noch nicht so weit ist. So ist hier z. B. besonders der Vergleich zwischen Paisij und Baronij interessant, vgl.:
 Baronij: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]
 Paisij: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (17)


Wie genau Paisij zwischen erlebten und nicht erlebten Handlungen und Geschehnissen und dementsprechend zwischen den zu unterscheidenden Modi differenziert, zeigt Andrejcin anhand eines Ausschnittes aus Paissijs Werk, in dem sowohl historische als auch biographische Ereignisse miteinander verflochten sind, vgl.:

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Aber auch im Werk Paisijs kommen Abweichungen von der Norm vor, d.h. er verwendet Aorist- und Imperfektformen im Indikativ, wenn diese eigentlich im Renarrativ stehen mussten. Bei genauerem Hinsehen erweist sich allerdings jene Lexik, die trotz indirekter Erfahrensweise im Indikativ steht, als kirehenslawischer Herkunft, welche keinen direkten Bezug zur Volkssprache hat. Es handelt sich dabei um Ausdrucke wie "iznemogasa," "smirisa," "privedosa" usw. Andrejon unterteilt die Lexik, deren Gebrauch von der Norm abweicht, in drei Untergruppen: An erster Stelle stehen jene Falle, die religiosen Hintergrund haben bzw. wie religiose Ereignisse geschildert werden.

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An zweiter Stelle stehen Falle, die den Charakter von Zitaten oder Quellen haben, die von Paisij benutzt worden sind. Sie sollen wohl bei der Wiedergabe im Original erhalten bleiben, so dass in diesen Fallen auf die anderung des Modus verzichtet wird, vgl.:

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Die letzte Gruppe ist dergestalt, dass hier einfach aus mangelnder Beachtung Formen aus verschiedenen Quellen ubernommen worden sind. Gemeinsam ist ihnen mit der ersten Gruppe allerdings auch die Tatsache, dass sie meist kirchenslawischen Ursprungs sind, vgl.:
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Im Gegensatz zu Karcovski ist bei Paisij die Etablierung des neuen Erzahlmodus somit zu einer fruheren Zeit schon wesentlich weiter fortgeschritten als das bei Erstgenanntem der Fall ist, ja man konnte fast sagen, dass dieser Prozess bei Paisij schon zum Abschluss gekommen ist. Der grolle Vorteil von Paisijs "Slawisch-bulgarischer Geschichte" ist freilich auch, dass, im Gegensatz zu den walachobulgarischen Urkunden, kein Raum fur Spekulationen bezuglich der Formen des 1-Partizips gegeben ist, d.h. ob sie nun dem Indikativ oder Renarrativ angehoren, sondern kontextabhangig klar einander gegenubergestellt werden konnen. Es ist bei Paisij selbst bei oberflachlichem Hinsehen sofort erkennbar, ob er uber historische Ereignisse oder selbst Erlebtes berichtet. Die beiden Modi werden bis auf o. g. Abweichung korrekt verwendet, was auf die recht gute Verankerung des Renarrativs zur Halfte des 18. Jahrhunderts hinweist. uber die Verwendung der Renarrativformen beim dritten Autor, Sofronij Vracanski, existiert ebenfalls eine kurzere Untersuchung des gleichen Autors. (24) Andrejcin unterstreicht in seinen Ausfuhrungen eindeutig, dass das Verhaltnis bei der Verwendung von Indikativ und Renarrativ sehr auf die untersuchten Texte ankomme. Grundsatzlich bestatigt Andrejcin, dass Sofronij sehr gut zwischen Renarrativ und Indikativ unterscheiden kann und bei der Abfassung seiner Texte sehr genau differenziert. Im wesentlichen verwendet er die Renarrativformen genauso sicher wie Paisij. Sofronij verwendet nur in ganz seltenen Fallen den Indikativ statt des Renarrativs und zwar, wie auch bei Paisij, unter kirchenslawischem Einfluss und mehr oder weniger aufgrund der entsprechenden vorangegangenen Form.

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Ansonsten werden religiose Inhalte oder Zitate aus den Evangelien grundsatzlich im Indikativ wiedergegeben, vgl.:

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Interessant hingegen ist, dass auch wenn es um religiose Inhalte geht, Sofronij bei seinen Interpretationen hinsichtlich der gleichen Evangelientexte nur Renarrativformen verwendet und das so exakt, wie das in der bulgarischen Umgangssprache der Fall ware, so dass man mit Recht sagen kann, dass ihm diese Kategorie vollkommen bewusst gewesen sein muss, vgl.:

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In sehr seltenen Fallen gibt Sofronij sogar den Originaltext im Renarrativ wieder, vgl.:

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Interessant ist, dass bei Ubersetzungen von Erzahlungen ins Bulgarische Sofronij durchweg Formen des Indikativs verwendet. Bei diesen Erziihlungen handelt es sich um solche griechischen Ursprungs, so dass also kein kirchenslawischer Einfluss zum Tragen kommen kann. In der bulgarischen Gegenwartssprache hingegen werden Erzahlpassagen auch im Falle von Ubersetzungen aus Sprachen, die diesen Modus nicht kennen, im Renarrativ wiedergegeben. Hier zeigt sich somit klar, dass der Renarrativ auch um 1800 herum noch nicht voll entwickelt war. Der Autor unterscheidet bei eigenen Werken zwar ganz deutlich zwischen erlebten und nicht erlebten Ereignissen, ist aber noch nicht in der Lage, dieser Erkenntnis bei der Ubersetzung fremdsprachiger Texte ins Bulgarische Rechnung zu tragen, vgl.:

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In wenigen Fallen wird die ubersetzung einer Erzahlung aus dem Griechischen lediglich mit Renarrativformen eingeleitet, und unmittelbar danach mit indikativischen Prateritalformen, also Aorist und Imperfekt, fortgesetzt, oder es kommt zu Schwankungen, so dass die verschiedenen Modi abwechselnd gebraucht werden, was ein fortgescrittenes Stadium auf dem Wege zur vollstandigen Herausbildung des Renarrativs darstellt, vgl.:

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An den vorangegangenen Beispielen und Erlauterungen ist sehr gut ersichtlich, wie weit die Entwicklung des bulgarischen Renarrativs in der zweiten Halfte des 18. und der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts ist, dass der Entwicklungsstand von Autor zu Autor divergierte und es auch auf die untersuchten Textsorten ankam. Der Entwicklungsprozess lauft somit sehr massig ab. Das Gefuhl fur den neuen Modus ist zwar durchweg sehr gut ausgepragt, das Bewusstsein jedoch, fur grundsatzlich alle Texte narraaven Genres die indirekten Erlebnisformen zu verwenden, wie z.B. biblische Texte und Ubersetzungen von Erzahlungen, etabliert sich erst allmahlich, indem letztere zunachst konsequent weiter im Indikativ stehen und anschliessend zwischen beiden Modi hinund herschwanken. Alles das weist fur die Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts auf einen eher jungen Prozess hin, der sich relativ prazise in seinen jeweiligen Entwicklungsstadien fixieren lasst. Bedeutend ist in diesem Zusammenhang auch, dass alle anderen Tempora erst relativ spat in die Entwicklung einbezogen werden. Lange Zeit existieren nur fur die Prateritaltempora Renarraavformen, was sich aus der Natur der Sache ergibt. Die Annahme jedoch, dass es schon im Altbulgarischen Anzeichen fur die indirekten Erlebnisformen gabe, entbehrt jeder Grundlage. Auch die angeblich als Renarrativformen identifizierten 1-Partizipien sind ausserst dubios und erweisen sich bei naherem Hinsehen in aller Regel als gewohnliche Perfektformen.

6. Das Einzige, was wir nicht vollig negieren wollen, ist die Vermutung einer protobulgarischen Grundlage, die die genetische Anlage zur Herausbildung der indirekten Erlebnisformen sein konnte und das Turkische somit nur eine Rolle als "Geburtshelfer" einnahm. Nach unseren Ausfuhrungen und dem analysierten Textmaterial ist allerdings selbst diese Annahme oder Verwendung kaum nachvollziehbar, denn in einem solchen Fall hatte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu solchen Schwankungen zwischen Indikativ- und Renarrativformen kommen konnen, und der Renarrativ hatte sich wahrscheinlich auch schon wesentlich fruher auf das ganze Tempussystem ausgebreitet, so dass der Entwicklungsprozess in jedem Falle wesentlich schneller abgelaufen ware. Zusatzlich ist als Argument gegen eine protobulgarische Grundlage anzufuhren, dass das Makedonische, das ja keine eigenstandige sudslawische Sprache darstellt (obwohl das viele Gelehrte immer wieder gerne behaupten), sondern ein Dialekt des Bulgarischen ist, nicht den Modus des Renarrativs herausgebildet hat, was aber hatte geschehen mussen, wenn sein eigentlicher Kern im Protobulgarischen zu suchen gewesen ware.

Die indirekten Erlebnisformen tauchen somit sowohl in indoeuropaischen wie auch in nichtindoeuropaischen Sprachen auf. Aus diesem Grunde ware es sicherlich sehr sinnvoll, wenn auch, wie das Haarmann in seiner Monographie (31) vorschlagt, Untersuchungen in allen betroffenen Sprachen vorgenommen werden wurden, was der Problematik sicherlich gerechter werden wurde als die isolierte Betrachtung einer Sprache und man damit dem nach wie vor bestehenden Klarungspotential entsprechend Rechung tragen konnte. Auf diese Art und Weise konnte vielleicht auch die Annahme des protobulgarischen Fundaments widerlegt werden.

Notes

(1) Stefan Mladenov, "Po vaprosa za preterita indikativi aktivi v balgarski ezik," Symbolae grammaticae in honorem Ioannis Rozwadowski II (Krakow: Gebethner & Wolff 1928) 205-215.

(2) Jurij Trifonov, "Sintakticni belezki za saedinenieto na minalo dejstvitelno pricastie s glagola 'cbm' v novobalgarskija ezik," Periodicno spisanie na balgarskoto knizovno druzestvo 66 (1905): 155-192.

(3) Kiril Popov, "Novi danni za proizchoda na preizkaznite glagolni formi v balgarskija ezik," Ezik i literatura (1967): 15-30.

(4) Svetomir Ivancev. "Za njakoi osnovni schodstva i razliki mezdu slavjanskite ezici v oblastta na glagolnija vid," Slavjanska filologija 12 (1973): 131-153.

(5) Marija Dejanova, "Za chronologijata na preizkaznite formi v balgarski ezik," Izvestija na Instituta za Balgarski ezik 16 (1968): 597-601.

(6) Ivan Galabov, "Vaprosat za nacionalnata samobitnost na ezika," Izvestija na Instituta za Balgarski ezik 2 (1952): 239-240.

(7) J. Roth, Die indirekten Erlebnisformen im Bulgarischen. Eine Untersuchung zu ihrem Gebrauch in der Umgangssprache, Slavistische Beitrage 130 (Munchen: Sagner, 1979).

(8) Ivan Kercarov, Preizkazvaneto v balgarskija ezik (Sofia 1984) 255 ff.

(9) Dejanova 597-601.

(10) Ralica Cojnska, "Glagolni vremena i naklonenija v ezika na J. Karcovski," Balgarski ezik 25 (1975): 513-526.

(11) Cojnska 522.

(12) Cojnska 522.

(13) Cojnska 522.

(14) Cojnska 522.

(15) Cojnska 522.

(16) Ljubomir Andrejcin, "Razkazvatelnite naklonenija v istoricesko povestvuvane na Paisij Chilendarski," Izvestija na Instituta za Balgarski ezik 25 (1975): 235-238.

(17) Andrejcin, "Chilendarski" 236.

(18) Andrejcin, "Chilendarski" 236.

(19) Andrejcin, "Chilendarski" 237.

(20) Andrejcin, "Chilendarski" 237.

(21) Andrejcin, "Chilendarski" 238.

(22) Andrejcin, "Chilendarski" 238.

(23) Andrejcin, "Chilendarski" 238.

(24) Ljubomir Andrejcin, "Razkazvatelnite naklonenija v proizvedenijata na Sofronij Vracanski," Slavisticen sbornik (1968): 139-145.

(25) Andrejcin, "Vracanski" 140.

(26) Andrejcin, "Vracanski" 141.

(27) Andrejcin, "Vracanski" 142.

(28) Andrejcin, "Vracanski" 142.

(29) Andrejcin, "Vracanski" 143.

(30) Andrejcin, "Vracanski" 143.

(31) Harald Haarmann, Die indirekte Erlebnisform als grammatische Kategorie. Eine eurasische Isoglosse (Wiesbaden: Harrassowitz 1970).

MICHAEL REIMANN

Hildesheim, Germany
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Author:Reimann, Michael
Publication:Germano-Slavica
Date:Jan 1, 2003
Words:4851
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