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Zur Rhetorik des neurechten Ideologen Alain de Benoist.

Ansatz

In zahlreichen europaischen Landern jubeln neurechte Gruppen Alain de Benoist hoch, dessen Schriften bereits in verschiedenen Sprachen und seit rd. 20 Jahren auch auf Deutsch vorliegen. Benoist gilt jenen Leuten aber nicht nur als Vordenker der "Nouvelle Droite" (Neue Rechte, forthin NR benannt), sondern auch als Mitbegrunder der Ende der 60er Jahre entstandenen GRECE (Groupment de Recherche et d'Etudes pour la Civilisation Europeenne), welche die Machtergreifung uber unablassige Indoktrination breiter Bevolkerungsschichten und nicht durch Putsch anstrebt. Nach diesem Muster hob der deutsche Ideologe Pierre Krebs 1980 das "Thule-Seminar" aus der Taufe. [Die Bezeichnung erinnert unverkennbar an die volkische, 1918 aus dem Geheimbund "Germanenorden" hervorgegangene "Thule-Gesellschaft," die zur Errichtung der NSDAP gezielt beitrug (Benz, Enzyklopadie 759).] Genau in diesem Umfeld findet Benoists Ideologie nachhaltigen Anklang; und es verwundert daher nicht, dass beispielsweise die rechtslastige Wochenzeitschrift "Junge Freiheit" u.a. mit dem Spruch wirbt: "Benoist im Abo."

Mit dem vorliegenden Aufsatz seien zentrale Strategien seiner Rhetorik aufgezeigt. Dass jedoch dabei kein Anspruch auf Vollstandigkeit erhoben werden kann, geht zunachst aus Benoists umfangreicher Publikationstatigkeit hervor. Zum anderen wurde eine ausfuhrliche Kritik selbst den Rahmen eines Buchs schon deshalb sprengen, weil Benoist im Bedarfsfall bedenkenlos gegen Faktenlagen argumentiert, Begriffe verkurzt oder auch doppelsinnig verwendet. Dazu greift er immer wieder auf stilistische und rhetorische Mittel zuruck, die sich ohne Verlust seines sprachlichen Spiels zur Einflussnahme auf das Denken seiner RezipientInnen kompakt nicht wiedergeben lassen.

Die vorgegebene Ausgangslage legt die Richtung dieser Arbeit dahingehend fest: Aufdeckung (1.) der ideologischen Funktion seiner Erzahlstruktur sowie (2.) seiner strategischen Irrefuhrungen durch Sprache anhand von drei ausgewahlten Schwerpunkten: Kritik der Moderne, Einstellung zu Krieg und Rassismus. Parallel dazu soll die thematische Nahebeziehung des Schrifttums von Benoist zu altrechten Positionen des deutschsprachigen Raums aufgezeigt werden, da sie als strategisches Mittel zur Aussohnung von deutschen und franzosischen Nationalisten zwecks Durchsetzung eines europaischen Chauvinismus begriffen werden kann.

Abschliessend sei hervorgehoben, dass hier nicht der Ort fur eine eingehende Diskussion uber seine Ideologie ist und ideologische Aspekte nur dann Aufnahme finden, wenn sie zur Darstellung seines rhetorischen Spiels dienen.--Eine entsprechende Auseinandersetzung mit seinen Denkfestlegungen findet sich in meiner Arbeit "Kritik an der neurechten Ideologie Alain de Benoists."

Zur allgemeinen Textstruktur

Oberflachlich gesehen scheinen Benoists Schriften auf zwei unterschiedlichen methodischen Ansatzen zu beruhen. Einerseits finden sich Textstellen, die ihrem Anschein nach dem Muster der alteren Geschichtsschreibung, der sog. historischen Schule, folgen. Charakteristisch fur diese Methode ist die Erklarung eines Ereignisses durch die Wie-Frage --der Eruierung des Grundes also, wie unter gegebenen Umstanden Ereignisse hatten entstehen konnen. Mit der historischen Erklarung war in der Regel ein Doppeltes verbunden: die Ruckfuhrung eines Ereignisses auf dessen spezifische Bedingungen sowie auf die Motive der/des Handelnden. Das bedurfte naturlich einer methodischen Vorgangsweise, die abgesteckt war durch den rationalen Auftrag, aus dem vielfaltigen und ungeordneten Material jene Texte auszuwahlen und auf ihre Authentizitat zu prufen, die sich in den Untersuchungsbereich plausibel einfugen liessen. Damit war, und zwar trotz aller anmerkbaren Schwachen, auch diese Geschichtsschreibung regelgebunden, objektiv uberprufbar und in der Folge kritikfahig.

Auf der anderen Seite bringt Benoist immer wieder auch Texte, welche Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung zu artikulieren scheinen und somit auf einen analytischen Ansatz verweisen. Dessen Fragestellung zielt nicht auf die Ergrundung subjektiver Motive von Handelnden, sondern strebt die Klarung der Ursache an, die das Auftreten eines bestimmten Ereignisses uberhaupt erst ermoglicht hat; erfragt wird demnach der Ermoglichungsgrund, warum ein bestimmtes Ereignis uberhaupt hatte eintreten konnen.

Bei eingehender Durchsicht des Schrifttums von Benoist fallt jedoch auf, dass der Vordenker der NR beide Ansatze immer wieder auch vermischt. Offensichtlich verfolgt er damit den einen Zweck: die Kraft des Wortes solle strenge Analyse ersetzen. So lasst sich denn auch der Befund legen: seine analytisch wirkenden Texte sind oft nur dem Schein nach analytisch. Naturlich hat das einen Grund: schon das elementare Schema wissenschaftlicher Arbeit: (1.) Hypothesenbildung; (2.) Prufung; (3.) plausible Schlussfolgerung, ersetzt Benoist durch blosse Ausserungen seines Denkens, welche ihre Legitimierung somit durch nichts anderes erhalten als durch rhetorischen Akt.

Genau gesagt: er verfalscht das elementare Schema wissenschaftlicher Verfahrensweise, indem er deren Durchfuhrungselemente seinem Ansinnen anpasst, was im Rahmen oben erwahnter Dreiteilung folgende Gliederung annehmen kann, aber nicht muss (s.u.): (1.) Prasentation tatsachlicher oder vermeintlicher Sachverhalte; (2.) blosse Bewertung, wo Uberprufung sich der Bewahrung seiner Ideologie gegenuber sperrt; (3.) Prophezeiung und/oder Propagierung von Denk- und Verhaltensanleitungen.

Verbunden damit sticht stellenweise eine bruchige und auch kreisende Argumentationsfuhrung hervor, die auf die Inanspruchnahme einer hulsenhaften Struktur zuruckzufuhren ist. Entsteht die Bruchigkeit durch abrupten und damit plausibel nicht nachvollziehbaren Ubergang von einem Durchfuhrungselement zum anderen, so das Kreisen durch Wiederaufnahme des vorangegangenen Elements, woraus sich eine Verdopplung/Vervielfachung von Elementen nach dem Muster ergibt: a | b | a | b | usw.| c |.

Dazu ein Beispiel aus seinem zweiseitigen Kapitel "Die Krise der Moderne," in dem Hulse "a" die von Benoist behauptete Faktenlage enthalt, "b" die Aburteilung und "c" die Propagierung des richtigen Wegs zur Losung des anfallenden Problems. Um einem Missverstandnis vorzubeugen, sei ausdrucklich hervorgehoben, dass vorerst nicht die Besprechung seiner Bewertung der Moderne im Mittelpunkt steht; vielmehr soll zunachst die Aufdeckung seiner durch Einsatz von rhetorischen Figurationen und Stilmitteln gewonnene kommunikative Strategie erfolgen --dafur zunachst eine langere Textstelle, die mit dem Anfang des Kapitels beginnt:
 Die Vorstellungswelt der Moderne war durch die Wunsche nach Freiheit
 und Gleichheit beherrscht. Diese beiden Hauptwerte wurden verraten.
 Von den Gemeinschaften abgeschnitten, die sie beschutzten und ihrem
 Leben Sinn und Form verliehen, stehen die Menschen nunmehr unter der
 Fuchtel riesiger Herrschafts- und Entscheidungsmechanismen,
 gegenuber denen ihre Freiheit rein formell bleibt. Sie ertragen die
 globalisierte Macht des Markts, der Technowissenschaft oder der
 Kommunikation, ohne jemals deren Richtung beeinflussen zu konnen.
 ... Die Moderne hat >Rechte< verkundet, ohne aber Mittel zu deren
 Ausubung zu geben. Sie hat alle Bedurfnisse gesteigert und schafft
 standig neue, behalt aber deren Zutritt nur einer kleinen Minderheit
 vor, was den Frust und den Zorn aller anderen nahrt.... Das >Ende
 der Ideologien< bezeichnet die historische Erschopfung der grossen
 obilisierenden Berichte, die der Liberalismus, der Sozialismus, der
 Kommunismus, der Nationalismus, der Faschismus oder der
 Nationalsozialismus verkorpert haben. Das 20. Jahrhundert hat das
 Ende der meisten dieser Lehren eingelautet, zu deren konkreten
 Auswirkungen die Genozide, Ethnozide und Massenmorde, die totalen
 Kriege zwischen den Nationen und die standige Konkurrenz zwischen
 den Menschen, die okologischen Katastrophen, das soziale Chaos, der
 Verlust aller bedeutsamen Bezugspunkte gehorten.... Die
 Werbesprache ist zum Paradigma, zum Muster aller gesellschaftlichen
 Sprache geworden, die Herrschaft des Geldes verlangt die
 Allgegenwart der Ware, der Mensch wandelt sich in einer Atmosphare
 des armen Hedonismus in ein Austauschobjekt um; die Technik engt
 die erlebte Welt in das befriedete und rationalisierte Netz der
 vornehmen Zuruckhaltung ein; Kriminalitat, Gewalt und Unsittlichkeit
 breiten sich aus in einem Krieg aller gegen alle und von jedem gegen
 sich selbst, das unsichere Individuum schwebt in den entwickelten
 Welten der Droge, des Virtuellen und des Medialen; das Land verodet
 zugunsten unbewohnbaren Stadtrandgebieten und ungeheuerlichen
 Megastadten; der einsame Mensch geht in einer anonymen, feindlich
 gesinnten Menge unter, wahrend die alten sozialen, politischen,
 kulturellen oder religiosen Vermittlungen immer schwacher und
 undifferenzierter werden. [Ende von Hulse "a"; N.P.]

 Da die Verfechter der herrschenden Ideologie nichts mehr zu sagen
 haben und das wachsende Unbehagen in den heutigen Gesellschaften
 feststellen, sind sie zu einem beschworenden, von den Medien
 gepowerten Diskurs in einer implosionsgefahrdeten Welt verurteilt.
 Implosionen, und nicht Explosionen.

 Diese diffuse Krise, in der wir uns befinden, weist darauf hin, dass
 sich die Moderne ihrem Ende nahert, gerade zu dem Zeitpunkt, da die
 universalistische Bestrebung, die sie begrundete, im Begriff ist,
 unter der Schirmherrschaft der liberalen Globalisierung Wirklichkeit
 zu werden. [Ende von Hulse "b" und Wiederaufnahme von Hulse "a";
 N.P.] Die Zeit der Spatmoderne zeichnet sich sowohl durch eine
 Hypertrophie der Moderne (mit der Radikalisierung einiger
 ihrer destruktivsten Aspekte) als auch durch das Aufkommen einer
 nicht eindeutigen Postmoderne. Diese nimmt einerseits die Form eines
 >Postmodernismus< an, der mit Auflosung, Laissez-aller,
 ubertriebenem Konsum und Skepsis auf breiter Basis (>anything goes<)
 einhergeht. Andererseits zeichnet sie mit einer Reihe von neuen
 Themen eine eigene Perspektive: ein plotzlich starkes Interesse fur
 okologische Fragen, die Suche nach Lebensqualitat, ... die
 Vermehrung der infra- oder uberstaatlichen Konflikte, das
 Wiederauftreten der sozialen Gewalt, der Untergang der
 eingerichteten Religionen, der wachsende Widerstand der Volker gegen
 ihre Eliten usw. [Ubergang zu Hulse "c"; N.P.] Die Uberwindung der
 Moderne wird nicht die Form eines >grossen Abends< (weltlicher Form
 der Parusie) einnehmen, sondern sich durch das Heraufkommen
 tausender Morgenroten aussern, das heisst durch das Auftreten
 souveraner, von der Herrschaft der Moderne befreiter
 gemeinschaftlicher Raume. Die Uberwindung der Moderne wird auch
 nicht durch einen Ruckschritt erfolgen, wie von den
 konterrevolutionaren oder traditionalistischen Kriterien aufgrund
 einer idealisierten Anschauung der Vergangenheit gewunscht, denn
 die gegenwartige Lage ist nichts anderes als die Folge dieser
 Vergangenheit. Uberwunden wird sie vielmehr durch einen Ruckgriff
 auf bestimmte vormoderne Werte in einer bewusst postmodernen
 Blickrichtung. Die soziale Anomie und der heutige Nihilismus
 werden nur um den Preis einer solchen grundlegenden Erneuerung
 abgewendet werden. [Ende des Kapitels; N.P.] (Aufstand 15ff.)


Das wiedergegebene Beispiel zeigt die Bruchigkeit der Argumentationsfuhrung Benoists nachhaltig auf: "Hulse a" prasentiert weiter nichts als die erzahlende Auflistung zahlreicher und durchgehend negativ gefarbter Sachverhalte, durch welche "die Krise der Moderne" ihre Erklarung erhalten solle. Gewiss liesse sich diese Art der Prasentation in anderem Zusammenhang noch rechtfertigen: stunde sie in einem (etwas zu lang geratenen) Abstract eines Artikels oder aber in der Einleitung eines Buchs, ware dagegen deswegen kein prinzipieller Einwand zu erheben, wurde sie doch die in der Arbeit besprochene Thematik umreissen. Solch eine Handhabung ist legitim und durchaus sinnvolle Information fur die RezipientInnen. So gesehen folgt Benoist einem fur wissenschaftliche Publikationen gangigen Muster.

Dann aber tritt der Bruch unvermittelt ein und Hulse "b," Kritik also, beginnt abrupt. Ab nun kann Benoist freilich nicht mehr ein wissenschaftliches Muster fur seine Vorgangsweise in Anspruch nehmen; denn seine Kritik ist mitnichten durch Analyse gewonnen. Gerade deshalb ist sie weiter nichts als eine ungeprufte und damit durch keinen logisch nachvollziehbaren Beweis erfolgte Ausserung einer personlichen Gesinnung. Um es nochmals zu sagen: auf blosser Abkanzelung und nicht auf wissenschaftlich gewonnener Kritik, die allemal der Beweisfuhrung bedarf, beruht Benoists Argumentation. Und so endet sie auch--so abrupt, wie sie begonnen hat.

Und ebenso abrupt setzt die Wiederaufnahme von Element "a" ein--die Aneinanderreihung einzelner Gedankengange also. Unwiderruflich legt Benoist damit den Motor seiner Argumentationsfuhrung frei: Nicht der Kraft des rationalen Arguments kommt in ihr Bedeutung zu, sondern allein der Macht des Worts. Genau dieses Muster findet sich in Element "c" wieder, das weiter nichts enthalt als blosse Prophezeiung und die darin eingewobene Vorgabe, wie zu denken sei. Gerade diese Vermittlungsabsicht verfolgt Benoist durch sprachgewandte Inszenierung, indem er seine Polemik zwischen routinierter Erzahlstruktur und plakativer Auflistung stilistisch findig variiert. Damit freilich bringt er Wesentliches zum Verschwinden--eben: dass seine Aussagen weiter nichts sind als reine Denkfestlegungen, die er allein aus einem Spiel mit der Sprache gewinnt und nicht durch belegende Erklarung erarbeitet. Deshalb kann Benoist auch seine Hulsen beliebig reihen--ein Faktum, das an dem vorgelegten Zitat sehr augenfallig hervortritt: | a | b | a | c |.

Strategische Irrefuhrung durch Rhetorik

Benoist und die Moderne

Bereits der oben zitierte Textabschnitt zeigt Benoists suggestive Absicht. Vor allem vermittelt sich durch ihn der Eindruck: nichts an der Moderne verdiene auch nur die geringste Schatzung. Mehr noch: jedes Ubel bis hin zu den schwersten Verbrechen seien erst durch sie hervorgekommen. Deswegen gelte es, sie zu beseitigen, und zwar bedingungslos.

Zu diesem Befund kann Benoist nur durch Ausserachtlassung historischer Tatsachen, Verschleierung sowie unzulassige Verkurzung unterschiedlicher Ebenen kommen. Das sind seine strategischen Werkzeuge; und sie gehoren zum Set einer Ideologie, die nicht einmal uber ein kognitives Zentrum verfugt, sondern nur von der Aburteilung des Anderen und der Verherrlichung des Eigenen am Leben sich erhalten kann. Gerade dafur aber bedarf er umso mehr einer normierten Sprachrealitat, welche zielgerichtete Einflussnahme auf das Denken auszuuben vermogen solle, um in der Folge ein Sprachbewusstsein zu erzeugen, durch das rechte Entwurfe sich etablieren liessen.

Entlarven und verwerfen lasst sich diese Agitation nur durch konsequentes Insistieren auf der unwiderlegbaren Tatsache, dass zwischen Tatsachenentsprechung und Benoists Rhetorik eine unuberwindbare Kluft besteht. Denn Benoist legt mitnichten Beweise fur seine Ausfuhrungen vor; und er kann es auch gar nicht. Sonst musste er Beleg dafur erbringen konnen, dass die von ihm angefuhrten Untaten und Verbrechen am Menschen erst seit Aufkommen der Moderne in Erscheinung getreten seien --Verbrechen wie Ausbeutung, Unterdruckung, Landraub und Massenmord. [Wie weiter unten noch zu zeigen sein wird, sind selbst Untaten des NS-Terrors mitnichten der Moderne eo ipso anzulasten.] Nur: durch Berucksichtigung der historischen Faktenlage gabe er seine Argumentationsfuhrung der Lacherlichkeit preis, was er plausiblerweise nicht tut.

Demzufolge muss Benoist historische Tatsachen verschweigen und darauf hoffen, dass Wissen nicht fur kritische Reflexion aktiviert wird. Genau gesagt bedeutet dies: Benoist muss alles auf Vernunft begrundete Denken aussparen, wenn moglich sogar vernichten, und fortgesetzt an den Verstand appellieren. Dieser Vorgabe entspricht genau sein Aufbau: er muss Aussage an Aussage reihen, und dies mit dem einen Ziel: keine Uberlegung uber die Faktenlage solle aufkommen--zu genugen habe eine Aura von Wissenschaftlichkeit, durch welche die Etablierung halbierten Wissens verdeckt werde. Dafur umhullt er seine Texte vorzugsweise mit dem Schein gebildeter Rede, deren Wirkungsmechanismus er sich dienstbar machen mochte. Vor allem solle durch ihn auf der semantischen Ebene--und mehr noch auf der pragmatischen--die intendierte Funktion seiner Texte ideologiekonform verschleiert werden, was meint: die um ihr aufgeklartes und emanzipatorisches Potential reduzierten Informationen vermittelt Benoist seinen RezipientInnen so, dass diese sie nicht bloss verstehen (semantische Ebene), sondern sie vielmehr bedenkenlos zum Orientierungsmuster fur ihr Handeln werden lassen konnen (pragmatische Ebene).

An dieser Stelle tritt eine weitere Ebene der Irrefuhrung auf. Wie bereits angedeutet--und dem Zitat nach entnehmbar--zeigt sich, dass Benoist Moderne als eine Art Totalzusammenhang konstruiert und auf diesen Begriffsentwurf sogar jene Wahnvorstellungen projiziert, die selbst anti-emanzipatorische Schulen, allen voran rechte Bewegungen, im Laufe der Neuzeit sich so haben einfallen lassen. Gelingen kann ihm dieser Coup nur durch Begriffsverwirrung. Genau gesagt: Benoist vertauscht miteinander unvereinbare Definitionen, die zur Zeit unter dem sprachlichen Zeichen Moderne subsumiert werden, bedarfsgerecht. Diese Vorgangsweise ist eine hochst unzulassige Strategie, mit deren Hilfe der NR-Ideologe reale Zusammenhange geflissentlich unterschlagt.

Zunachst zu den angesprochenen Definitionen: Zum einen findet der Terminus Anwendung fur die Benennung einer weit gespannten historischen Epoche, die Neuzeit eben, mit allen in ihr hervorgekommenen und noch immer neu auftretenden Ereignissen. Dieser Verwendung zufolge ist Moderne weiter nichts als eine praktische Einteilungsbezeichnung wie Antike oder Mittelalter auch. Solch einer Begriffsbestimmung--und das ist wesentlich--liegt jedoch mitnichten eine programmatische Absicht zugrunde.

Im Unterschied zur blossen historischen Einteilungsbezeichnung verknupft eine andere Definition Moderne mit aufklarendem Potential und daher tatsachlich mit einem Programm. Dessen Fassung bedarf naturlich einer klaren Abgrenzung sowie schlussiger Zielsetzung; und diese Vorgabe --hier gewiss sehr verkurzt wiedergegeben, jedoch fur die vorliegende Auseinandersetzung ausreichend bestimmt--beruht nach Festschreibung der Aufklarung auf Rationalitat und hat u.a. Emanzipation zum Ziel.

Beiden Definitionen ist berechtigter Anspruch auf Akzeptanz ihrer Gultigkeit zuzuerkennen, grunden sie doch auf rational plausibel festgelegten Bestimmungen, deren jeweilige Zwecksetzung sich nicht beliebig austauschen lasst. Demzufolge weist das sprachliche Zeichen Moderne zunachst zwei verschiedene Verwendungszusammenhange auf--eben: eine praktische historische Einteilungsbezeichnung einerseits und andererseits das Programm der Aufklarung. Und diese unterschiedlichen Verwendungszusammenhange sind strikt voneinander zu trennen. Genau dagegen verstosst Benoist immer wieder.

Allerdings findet sich neben den besprochenen Begriffsbestimmungen noch eine weitere gangige Bedeutungszuordnung an das sprachliche Zeichen Moderne, und zwar in der Kunst. Der dort in Verwendung stehende Begriff--besser: Sammelbegriff, da unter ihn viele und durchaus hochst verschiedene Richtungen subsumiert worden sind--beruht auf einer Festlegung, die Benoists Anliegen zumindest indirekt zu stutzen vermag, und zwar durch analogen Schluss (s.u.). Denn der Begriff bezeichnet eine unauflosliche Beziehung zwischen der zeitlichen Dimension und der programmatischen--den Normen der jeweiligen Stilrichtungen also, die der kunstlerischen Moderne zugeordnet werden. (1)

Zu erwahnen ware schlussendlich die Modernitat--bzw. die Modernisierungsthese, wie man oft zu sagen pflegt--, durch welche, sehr kurz ausgedruckt, die systematische Rationalisierung der Welt in Richtung auf Naturbeherrschung und Festlegung von Strukturen erfolgt, die Handeln weithin zweckorientiert ausrichten und damit Zentrales: den Menschen, aus dem Blick verlieren. Das gilt gerade auch fur eine zweckrationale Forschungspraxis, die unbestreitbar Tendenzen hin zu Zerstorung/Selbstzerstorung aufweist. Nur: die Abschaffung der Rationalitat bringt mitnichten einen annehmbaren Ausweg hervor; vielmehr erhalt durch sie, wie sich bereits seit Auftreten der Gegenaufklarung im ausgehenden 18. Jh. zeigt, Irrationalismus eine Belebung, der seine brutalste Ausgestaltung im 20. Jh. als Blut- und Bodenmythos erfuhr.

Genau in Anbetracht dieser Untat, der Shoa, schrieben Horkheimer und Adorno ihre Vernunftkritik--eine Vernunftkritik freilich, die Vernunft und damit auch Aufklarung keineswegs vernichten will, wie dies z.B. Benoist, wiewohl auch Vertreter aller moglichen Richtungen der Postmoderne als ihr deklariertes Ziel ausgeben und ehedem Vitalsten usw. vehement anstrebten. Im Unterschied zu diesen sowie auch jenen, die Vernunft nur als Mittel zur Zweckerreichung gelten lassen wollen und jedwede Auseinandersetzung um die Sinnhaftigkeit von Zielen selbst nicht einmal fur diskussionswurdig erachten, analysieren Horkheimer und Adorno Rationalitat und zeigen in ihrer "Dialektik der Aufklarung" zunachst Zusammenhange zwischen Mythos und Aufklarung auf. Allein: trotz der in diesem Werk nachgewiesenen unheilvollen Verknupfung, die sich ihrer Darlegung nach vor allem auch auf Interessen von Eliten mit entsprechendem Durchsetzungsvermogen erstrecken, insistieren beide mit allem Nachdruck auf dem Primat der Vernunft ("Kritik der instrumentellen Vernunft")--genau: auf der analytischen Kraft der Reflexion, um durch sie das rationale Element des Denkens und damit die Wissenschaft als solche zu retten. (2)

Ubertragen auf die vorliegende Auseinandersetzung mit Benoists Position meint dies, dass Vernunftkritik nicht einfach die Abkehr von der Aufklarung implizieren muss, sondern sehr wohl im Rahmen der Moderne und ihrer rationalen Standards sinnvoll erfolgen kann--so vor allem aufgrund methodischen Denkens und theoretischer Verantwortlichkeit (Habermas 134).

Davon will Benoist freilich nichts wissen und missachtet konsequent die unterschiedlichen Verwendungszusammenhange des sprachlichen Zeichens Moderne. Mehr noch: er vertauscht einfach die Verwendungszusammenhange, weshalb sich solche Textstellen nur als das eine erweisen: sie sind Blendwerk, das der strategischen Irrefuhrung zur ideologischen Beeinflussung dient.

Dazu ein Beispiel: Richtig ware die Feststellung, dass der Nationalsozialismus im Zeitalter der Moderne entstanden ist; vollig falsch hingegen ist Benoists Suggestion, der Nationalsozialismus sei eine Richtung der Moderne als Programm der Aufklarung. Denn gerade der rassistisch begrundete Volkermord an Juden, Roma und Sinti lasst sich mitnichten in Ubereinstimmung bringen mit den vernunftgeleiteten und emanzipatorischen Festsetzungen der Aufklarung; vielmehr beruhen diese Untaten auf blutrunstigem archaischem Mythos. Genau diese Tatsache lasst Benoist, der selbst die Wiederbelebung des Mythos anstrebt (s.u.), verschwinden und schafft sich dadurch die Voraussetzungen fur seine Agitationen.

Vergleichbares gilt naturlich auch fur all jene von ihm angefuhrten Beispiele, die sachgemass der Modernisierungsthese zugewiesen und unter den Aspekten ihrer Robustheit und objektiven Sinnhaftigkeit analysiert werden mussten. Jedoch wurde Benoist unter Einhaltung rationaler Verfahrensweisen wohl kaum zu dem von ihm erwunschten Ergebnissen gelangen. Deshalb setzt er auf Methodenbrauch und lasst die seit Descartes diskutierten, naturlich auch geanderten und neu festgelegten Kriterien fur kritische Analyse immer dann ausser Acht, wenn deren Einsatz seine Machenschaften stort.

Genau daran entpuppt sich das Verfahren seiner Argumentationsfuhrung als blosses Spiel mit der Sprache, das rationaler Prufung nicht standhalt. Nur: die sofortige Aufdeckung dieses Sachverhalts behindert Benoists narrativer Stil, der unhaltbare Vertauschung--allgemein: unhaltbare Beweislegung--verbal ubertuncht und dabei dem Muster folgt: scheinbare Plausibilitat ersetze rationales Argument. Das eben ist allemal Manipulation, durch welche seine LeserInnenschaft zur Ubernahme neurechter Positionen bewegt werden solle.

Dieser Transformationsakt erfordert bei den RezipientInnen einen spezifischen Denkprozess, und zwar einen Denkprozess, in dem nicht kritische Reflexion zum Einsatz kommen darf, sondern lediglich automatisches Verstehen! Eben darauf zielt Benoists Textierung, in der das ursprungliche differenziert gebrauchte Vokabular der Vernichtung anheimfallt, um all die seine Ideologie storenden Widerspruche hinwegzuschaffen.

Als Hilfsmittel dafur eignen sich Metapher und Analogie vortrefflich. Bezeichnenderweise beruft sich Benoist auch auf die Analogie (s.u.), ohne jedoch deren konkrete Schwachen aufzuzeigen. Diese Vernachlassigung hat in seiner Konstruktion freilich eine Funktion. Zum Verschwinden gebracht wird durch sie die unabdingbare Tatsache, dass mittels analogem Schluss selbst der himmelschreiendste Unsinn formale--nicht inhaltliche--Rechtfertigung erlangen kann. [Beispiel: Richtig ist der Satz: >Wenn "a + a" das "Doppelte von a" ergibt, dann (analog dazu) ergibt "b + b" das "Doppelte von b".<. Falsch hingegen ist der Satz: >Der Nordpol ist ein Teil der Erde, und er ist vereist; deshalb (analog dazu) ist der Aquator vereist, weil auch er ein Teil der Erde ist.< Gewiss liesse sich der letzte Satz als Hypothese formulieren; diese musste jedoch einer Uberprufung unterzogen und schliesslich als falsch zuruckgewiesen werden.]

An diesen Beispielen zeigt sich die logische Unverbindlichkeit der Analogie sehr deutlich. Und genau auf solchen diffusen Strukturen begrundet Benoist seine Texte, um die Ideologie der prinzipiellen Ungleichheit--zumindest--im Unterbewusstsein seiner RezipientInnen zu verankern. Dazu greift er auf die sog. Organische Theorie zuruck, die jede Gesellschaft, aber auch Gruppen und gegebenenfalls die Menschheit insgesamt, als holistischen Organismus gefasst und eine (standische) Rangordnung postuliert hat, die von Natur aus vorgegeben sein solle--sei dies durch das ersonnene Primat der Geburt, des Geistes, des Blutes, oder was auch immer sonst. Im Unterschied zu jenen alteren Antidemokraten--so der genannte Othmar Spann beispielsweise, oder Houston Stewart Chamberlain--, welche offen sagten, was sie meinten, verfasst Benoist seine Texte so, dass die RezipientInnen dessen Absicht nur dann verstehen konnen, wenn sie die organische Ideologie kennen. Exemplarisch dafur sei vorerst die Ausfuhrung von Chamberlain, Wahldeutscher und Schwiegersohn Richard Wagners, aus dem Jahr 1915 wiedergegeben:
 Wir tun besser daran, die Natur zu befragen, die uns Menschen ebenso
 leitet und lenkt wie ihre anderen Geschopfe. Eine wichtige erste
 Frage beantwortet sie uns mit aller Deutlichkeit: wo auch die Natur
 --als Natur--Staaten schafft, da schafft sie Monarchie und ungleiche
 Stande. Der eigentliche Naturgrund zu diesem Verfahren ist der, dass
 es nur auf diesem Wege moglich ist, wahren Organismus zu schaffen
 --auf Deutsch gesagt: einheitliche Gestalt aus Teilen gefugt, die zu
 einander und dem Ganzen gehoren--In ihm wird gleichsam die Idee des
 Staates sichtbar, also die Idee der allgemeinsamen Pflicht, der
 Unterordnung--auf allen Stufen--unter das Wohl des Ganzen; das ist
 es, was im Konigtum zum Ausdruck kommt: die Unterordnung des
 Einzelnen der Allgemeinheit gegenuber. (Ideale 71ff.)


Diese durch und durch irrational begrundete Staatsrechtslehre erklart jedenfalls die vermeinte Ungleichheit der Menschen unumwunden. Demgegenuber zieht Benoist eine Verschleierungsstrategie vor, deren Inhalt er offensichtlich durch Aufnahme des Wortchens Demokratie schonen und durch Aneinanderreihung verbluffender Phrasen besondere Bedeutung verleihen mochte. So fordert er eine "Demokratie, die sich ... auf das Volk als kollektiven Organismus und als bevorzugte Triebkraft jeden historischen Schicksals" beziehen solle [Hervorhebung N.P.] und fugt dem umgehend hinzu:
 diese Demokratie konnte als organische Demokratie bezeichnet werde.
 Sie wurde sich ... innerhalb einer geistigen Bewegung einfugen, die
 in den Mittelpunkt des sozialen und politischen Lebens solche
 Begriffe stellt, wie die Komplementaritat, die Harmonie der
 Gegensatze, die Analogie, die Geometrie der Proportionen, die
 Dialektik von Autoritat und Zustimmung, die politische
 Gleichberechtigung, die Mitwirkung sowie die gegenseitige
 Identifikation der Regierenden und Regierten. (Demokratie 116)


Benoists Definition ist eine tiefsinnige Uberladung--entstanden wiederum durch Aneinanderreihung einzelner (z. T. metaphorischer) Phrasen--zu Eigen, die zunachst wohl nur volliges Erstaunen hervorrufen durfte. Nur: Benoists Textierung manipuliert zielgerichtet: bewusst verstellt Benoist den Blick auf das, was er wirklich meint--und zwar: die Errichtung eines Gesellschaftssystems, das auf schroffer Ungleichheit grundet. Reflektiert man namlich Aneinanderreihungen wie Komplementaritat, Harmonie der Gegensatze, Geometrie der Proportionen auf das vorangestellte Grundprinzip des Organischen,--"organische Demokratie," wie Benoist hier sagt--, dann deckt man die Verlogenheit seines Hinweises auf "politische Gleichberechtigung" auf und erkennt die "Analogie" als strategisches Mittel zur Erreichung des intendierten Ziels. Denn seine schonenden Begriffe und Phrasen bedeuten in der Ubertragung auf das soziale und politische Leben nichts als die Begrundung schroffer Ungleichheit, wie sie fur autoritare Konstruktionen immer schon charakteristisch ist.

Diese Absicht lasst Benoist an anderer Stelle sehr wohl durchblicken, indem er sich ausdrucklich auf rechtskonservative Antidemokraten aus der Zeit der Weimarer Republik beruft. Vor allem nennt er Edgar J. Jung, Moeller van den Bruck, Carl Schmitt. Auffallend sind vorab auch Benoists Vermittlungsstrategien, die Orientierungsmuster so prasentieren, dass diese nicht unmittelbar als Auftrag zur Akzeptanz ausgewiesen werden konnen sollen. I.a.W.: er kleidet seine Aussagen in Form erwagenswerter Vorschlage: "Man konnte ... Carl Schmitts Empfehlungen zufolge die Verwirklichung qualitativer ... Zustimmungsverfahren" deshalb anstreben, "um der Idee der verkorperten Demokratie [offenbar ist organische Demokratie gemeint; N.P.] gemass die wechselseitige Identifizierung des Volkes und der Entscheidungstrager zu verstarken" (Demokratie 112).

Dass mit dieser konjunktivisch eingeleiteten Empfehlung letztlich die bedingungslose Anerkennung einer politischen Fuhrungsschicht durch das Volk gemeint ist, lasst sich leicht uberlesen. Denn der Forderung nach "wechselseitiger Identifizierung des Volkes und der Entscheidungstrager" liegt fur sich genommen noch kein hierarchischer Aufbau zugrunde. Ein solcher entsteht erst durch Kombination dieser Aussage mit den Grundsatzen der organischen Weltanschauung (s.o.), auf welche Benoist an dieser Stelle wohlweislich nicht eingeht.

Allein: Charakteristika einer Ideologie lassen sich nicht konsequent verschweigen, wenn ihre Durchsetzung angestrebt wird. Dem kann sich Benoist letztlich auch nicht entziehen; und er greift auf die organisch gepragte Staatsrechtslehre des oben erwahnten Edgar J. Jung zuruck, die er dahingehend auslegt,
 dass eine echte Demokratie dann besteht, wenn der Kreis, innerhalb
 dessen die Fuhrungsschichten rekrutiert werden, so gross wie moglich
 ist, und nicht, wenn die grosstmogliche Zahl von Personen eine
 Stimme bei der Entscheidung haben [sic]. (Demokratie 114)


Mit dieser geradezu nebensatz-artig erfolgten Etablierung politischer Eliten ist fur Benoist das Thema weithin abgehandelt. Solch eine Vorgangsweise lasst den Schluss zu: Benoist ist sich des einen wohl bewusst, dass jede intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema seinen Manipulationsabsichten nur zuwiderlaufen konne. Nichtsdestotrotz gibt bereits dieser Satzteil unmissverstandlich zu erkennen, was er wirklich meint: prinzipielle Ungleichheit sei die Grundlage neurechter Gesellschaftsstruktur!

Gerade dieses Diktum, das die Basis seiner Ideologie bildet, blendet er wohlweislich aus. Viel lieber ergeht er sich wortgewaltig in anderen Fragen, die immerhin noch den besonders verbluffenden Kurzhinweis enthalten: u.a. musse dem Volk, dem Benoist sich offenbar nicht zuzahlt, "die retroaktive (nachtragliche) Zustimmung"[!] als eine Form seines politischen Beteiligungsverfahrens zuerkannt werden (Demokratie 114). Im Klartext kann diese Forderung wohl nur eine Aufforderung zur Hochjubelung der politischen Eliten und ihrer Taten bedeuten.

Tatsachlich finden sich denn auch an manchen Stellen seiner Schriften Hinweise, welche in diese Richtung deuten--vor allem dort, wo Benoist unter ausdrucklicher Bezugnahme auf Carl Schmitt der "Akklamation"[!] besondere Bedeutung fur die politische Mitwirkung durch das Volk beimisst (vgl. z.B. Aufstand 218). Damit bestatigt Benoist den autoritaren Charakter seiner Ideologie nachdrucklich. Denn gerade im NS-Staat trat an der Akklamation, wie dies eben auch Schmitt gefordert hatte, nur die eine Ausserung zutage: gesteuerte Massenpartizipation an der Politik. Genau gesagt hatte die Akklamation zunachst autosuggestive Funktion, durch die sich die Mitglieder des volkischen Kollektivs personliches Engagement bei der Findung politischer Entscheidungen vorgaukeln und damit ihre eigene Ohnmacht verdrangen konnten. Begunstigt wurde dieser Prozess durch die Inszenierung der Akklamation als Hohepunkt gemeinschaftlichen Erlebnisses im Rahmen des Fuhrer- und Gefolgschaftsmythos (s.u.). Dort diente sie--vor allem in der Fassung des stupid beipflichtenden "Sieg-Heil"-Gebrulls--zur Herstellung massenpsychotischer Zustande.

Mit seiner wiederholten Bezugnahme auf Carl Schmitt erhalt das NS-Regime eine Aufwertung, durch welche gleichsam Avancen an rechtsextreme Gruppen zum Ausdruck kommen--an Gruppen, die u.a. dem Fuhrer- und Gefolgschaftsmythos huldigen. Nach NS-Diktion sah dieser Mythos die bedingungslose Unterwerfung der Gefuhrten unter den Willen des Fuhrers vor. Genau diese Unterwerfung feierten die Nutzniesser des Dritten Reichs und deren Helfershelfer als Zeichen besonderer Tugend und intuitiver Ubereinstimmung mit den ewig wahrenden Anordnungen der Natur, die das Recht des Starkeren zum unabanderbaren Gesetz erhoben haben solle.

In diesem Zusammenhang mag es interessant erscheinen, dass Benoist "Gefolgschaft" einfach an die "Staatsburgerschaft" koppelt (Aufstand 41). Dabei geht er insofern manipulierend vor, als er dieses eine Wort (1.) in eine Aufzahlung von staatsburgerlichen Pflichten, die er (2.) fast bruchlos in eine Erlauterung ubergehen lasst, so einbaut, dass es zwar leicht uberlesen werden kann, jedoch im Unterbewusstsein sich einzunisten vermag. Gleichsam damit zeigt sich, dass Benoist sogar den Gleichheitsgrundsatz im formalen Sinn ablehnt.

Fazit: wie die vorangegangenen Textstellen verdeutlichen, versucht Benoist die Moderne als Programm der Aufklarung zugunsten eines autoritaren Systems auszuhebeln. Und dafur setzt er alle Mittel der Rhetorik ein.

Benoist und der Krieg

Im Hinblick auf die Analogie findet sich in Benoists Texten eine besonders verbluffende Verwendungsweise, und zwar bei seinen Zitaten. Diese haben im Kern analoge Funktion und dienen wiederum zur Verschleierung des Fehlens plausibler Beweisfuhrung. Dabei prasentiert er (1.) eine Aussage, unterstutzt sie (2.) durch Anfuhrung einer ihm genehmen Textstelle irgendeines Autors und gaukelt damit (3.) seinen RezipientInnen gesichertes Wissen vor. Beispielhaft dafur sei eine Stelle aus dem Kapitel "Den Krieg neu denken" wiedergegeben, die anschliessend noch in anderem Zusammenhang besprochen wird:
 Wir durfen trotzdem annehmen, dass dem Krieg ein naturlicher Hang
 zugrunde liegt, ebenso wie im Wunsch nach Frieden der naturliche
 Hang zur Einigung und zur friedlichen Beziehung zu finden ist. Das
 bekraftigt Martin VAN CREFELD, fur den >der Wille zu kampfen<, der
 von der Lust auf Gefahr herruhrt, die >einzige wichtige Vorbedingung
 des Krieges< ist. Und er zogert nicht zu schreiben, dass es letzten
 Endes schon immer Kriege gegeben hat, weil sich immer Manner
 gefunden haben, die sie fuhren wollten. Das Wesen des Krieges
 schreibt er, >liegt in der Tatsache, dass er immer schon die einzige
 schopferische Tatigkeit war und bleibt, die den totalen Einsatz
 aller menschlichen Fahigkeiten gegen einen ebenburtigen Gegner nicht
 nur ermoglicht, sondern auch fordert ... <. (Welt 128)


An diesem Zitat zeigt sich sehr deutlich, dass Benoist seine Aussage durch Zitat verdoppelt, nicht aber rational erklart! Und genau durch diese spezifische Berufung auf die Ansicht des Martin van Crefeld liegt (1.) die Analogie--der Wille zum Kampfen (van Crefeld) ist die analoge Verdopplung des naturlichen Hangs (Benoist)--, die (2.) allein zur Verschleierung dessen dient, dass (3.) nichts bewiesen ist! Denn das von Benoist angefuhrte Zitat ist mitnichten als plausibler Beweis zur Stutzung seiner Aussage zu bewerten. An ihm lasst sich bloss die Feststellung dingfest machen, dass andere rechte Ideologen ebenso denken wie er selbst.

Die aufgezeigte Verdunklungsrhetorik charakterisiert Benoists Schrifttum. Jedoch tritt sein Blend- und Tarnmanover nicht immer nach dem beschriebenen Muster in Erscheinung. Benoist verfahrt durchaus variationsreich, und dies gerade auch im Zusammenhang mit Zitaten, die alle moglichen Facetten zur Umgehung plausibler Beweisfuhrung annehmen konnen. Exemplarisch dafur werden zwei Argumentationsfuhrungen zur Thematik Krieg wiedergegeben.

Zunachst nochmals zu seinem Beitrag "Den Krieg neu denken." In dieser Schrift bemuht sich Benoist mit Nachdruck um die Verleugnung von Interessen(konflikten) als Entstehungsgrund fur Kriege; vielmehr zielt er dogmatisch darauf, den Ursprung von Kriegsfehden, ganz nach Vorbild irrationaler Lehren von Vitalisten, Willenstheoretikern etc., in die Natur des Menschen zu verlegen! Als gewiefter Rhetoriker geht Benoist jedoch strategisch vor und bedient sich einfach des Widerspruchs. Denn er lasst den Interessenkonflikt als (einzig) plausiblen Kriegsgrund keineswegs unerwahnt; nur loscht er diesen rationalen Erklarungsansatz umgehend aus, indem er anhebt: man durfe annehmen, "dass dem Krieg ein naturlicher Hang zugrunde liegt" (s.u.).

Freilich kann er fur seine Argumentation keine uberprufbaren Belege vorweisen, weshalb er sich einer Sprache bedient, die auf nichts anderem beruht als auf Banalitaten, Vagheiten, Ideologemen, Impressionen, verbluffenden Abstraktionen, die er in Form scheinbar gebildeter Rede prasentiert, Widerspruchen (!) und--offenbar zur Hebung der Vertrauenswurdigkeit--Zitaten:
 Die menschliche Vielfalt aussert sich durch Spannung und Krisen.
 Manche dieser Krisen, nicht alle, arten in Konflikte aus, wenn die
 sie kennzeichnende Unsicherheit und Stabilitat zu einer Aufspaltung
 der Beteiligten in Freunde und Feinde fuhrt. >Wenn bestimmte Krisen
 zu Konflikten fuhren, und andere nicht<, unterstreicht Julien FREUND,
 >dann liegt es daran, dass im ersten Fall jene feindselige Absicht
 aufgekommen ist, die zur Bipolarisierung--unabdingbar fur jeglichen
 Kampfesgeist--fuhrt. Man begreift auch, weshalb bestimmte Krisen,
 die augenscheinlich jegliche Tragweite und Bedeutung entbehren,
 sofort in den Konflikt kippen: Plotzlich tritt eine Beschleunigung
 der Feindseligkeit ein, die Voraussetzung fur jeden Konflikt.
 Dagegen fuhrt eine an sich ausserst ernste Krise nicht zum Konflikt,
 wenn die Kristallisierung der Widerspruche nicht eintritt.<
 Mit anderen Worten: Es kommt erst dann zum Konflikt, wenn zwei oder
 mehrere Willen einander gegenuber eine feindliche Absicht bekunden,
 meistens bezuglich eines Rechts, das sie nur behaupten,
 aufrechterhalten oder wiedererlagen zu konnen, indem sie den
 Widerstand des Anderen, eventuell durch Gewaltanwendung, brechen ...

 Wir durfen trotzdem annehmen, dass dem Krieg ein naturlicher Hang
 zugrunde liegt, ebenso wie im Wunsch nach Frieden der naturliche Hang
 zur Einigung und zur friedlichen Beziehung zu finden ist. Das
 bekraftigt Martin VAN CREFELD, fur den >der Wille zu kampfen<, der
 von der Lust auf Gefahr herruhrt, die >einzige wichtige Vorbedingung
 des Krieges< ist. Und er zogert nicht zu schreiben, dass es letzten
 Endes schon immer Kriege gegeben hat, weil sich immer Manner gefunden
 haben, die sie fuhren wollten. Das Wesen des Krieges schreibt er,
 >liegt in der Tatsache, dass er immer schon die einzige schopferische
 Tatigkeit war und bleibt, die den totalen Einsatz aller menschlichen
 Fahigkeiten gegen einen ebenburtigen Gegner nicht nur ermoglicht,
 sondern auch fordert ...<. (Welt 128)


Zunachst zur Textgestaltung. Oberflachlich gesehen scheint hier ein in der Wissenschaft gangiges Muster vorzuliegen: die Prasentation eines Sachverhalts plus Erklarung. Aber der Inhalt dieser Aussagen ist banal (1. Absatz) bzw. ideologisch offen festgelegt (2. Absatz). Daran andert auch sein Ruckgriff auf andere Autoren nichts, der--wie oben schon aufgezeigt --somit nur eine Funktion hat: statt plausibler Beweisfuhrung solle blosses Zitat zur Vertiefung der Glaubwurdigkeit seines Textes dienen. Damit gewinnt seine Argumentationsfuhrung jedoch keineswegs an Stringenz, womit die Tatsache bestehen bleibt: trotz seiner Berufung auf andere Sympathisanten blutig ausgetragener Auseinandersetzungen hat Benoist nichts zu sagen, was seine kriegsbetonte Einstellung rational stutzen konnte.

Genau das geht aus dem ersten Absatz unwiderruflich hervor. Denn an diesem Text zeigt sich sehr deutlich, dass Benoist allein durch Aufnahme gewichtig klingender Worter die inhaltliche Leere seiner Aussagen ubertunchen mochte. Das Banale: Kriege entstunden aus Konflikten, wobei nicht jede Feindseligkeit zu Kriegen fuhren musse, erhalt nur durch pseudowissenschaftlichen Jargon den Schein gebildeter Rede--und mundet dann in offene Kriegsverherrlichung.

Der Argumentationsfuhrung nach rechtfertigt Benoist staatlich legitimierte Vernichtung nach herkommlichem Muster (4) als naturliche Grundeinstellung, getragen von Kampfeswillen und Lust auf Gefahr. Freilich geht er auch hier strategisch vor und bedient sich eines rhetorischen Tricks: der Uberstulpung des rationalen Erklarungsansatzes fur Kriegfuhrung--also: Gewaltanwendung aufgrund von Interessen (s. Ende d. 1. Abs.)--durch Aufnahme zweier wissenschaftlich nicht nachvollziehbarer Aussagen, die schrittweise vom rationalen Ansatz abgehen. Zunachst richtet er einen appellativen Auftrag an das Wir-Bewusstsein, den er jedoch durch unprazise Fassung abschwacht und gleichsam Nachdenklichkeit dort vorgaukelt, wo diese nicht bloss falsch ist, sondern auch der nachfolgenden Textstelle offen zuwiderlauft--eben: "Wir durfen trotzdem annehmen, dass dem Krieg ein naturlicher Hang zugrunde liegt." contra der rein vitalistisch begrundeten Aussage, dass ">der Wille zu kampfen< ... on der Lust auf Gefahr herruhrt" (s.o.).

Fest steht jedenfalls: an beiden Satzen lasst sich Rationalitat nicht ausmachen. Beruht der zweite rundweg auf einem Diktum, so der erste auf personlicher Impression, nachgerade zuversichtlicher Hoffnung sogar, und Vagheit. Und es ist gerade diese Kombination aus Gutdunken und Wirklichkeitsferne, die er zur Basis seiner Konstruktion macht, in welcher--unausgesprochen --die menschenverachtende Festlegung zum Ausdruck kommt: nichts sei der grosse Teil der Menschheit als blosser Spielball von Kriegstreibern! Benoist gesteht dies auch indirekt ein, wenn er unter Berufung auf Van Crefeld anhebt, Kriege habe es deshalb schon immer gegeben, "weil sich immer Manner gefunden haben, die sie fuhren wollten" (s.o.).

Dieser Aussage ist ohne wenn und aber beizupflichten. Denn nicht der Mensch als solcher lost Kriege aus, sondern immer nur bestimmte Personen in bestimmten Situationen. Und auf diese arbeiten jene selbst Jahre hartnackig hin, bis sie einen Vorwand, und sei er noch so fadenscheinig, fur die lang herbeigesehnte Kriegserklarung in Handen zu halten vermeinen, der sich fur die emotionale Mobilmachung der Bevolkerung eignen konnte --charakteristisch dafur sind die Agitationen von Kriegstreibern vor dem Ersten Weltkrieg.

Solch einen Sachverhalt mochte Benoist gewiss nicht angesprochen wissen. Denn dem Kontext nach steckt hinter seiner Aussage ein vitalistisch gepragter Gedanke, der vorab das eine Ziel verfolgt: anzuerkennen seien die Taten von Kriegstreibern als Ausserung ihres naturlichen Hangs. Das Basismuster der Gesamtaussage: des naturlichen Hangs wegen herrsche einmal Krieg und einmal Frieden, findet sich bereits in Nietzsches vitalistisch angelegter Herrenlehre, welche die wenigen Ubermenschen als Bestien von Natur aus preist, indem sie deren Gewalttaten adelt:
 [S]ie halten sich in der Wildnis schadlos fur die Spannungen, welche
 eine lange Einschliessung und Einfriedung in den Frieden der
 Gemeinschaft gibt, sie treten in die Unschuld des Raubtier-Gewissens
 zuruck, als frohlockende Ungeheuer, welche vielleicht von einer
 scheusslichen Abfolge von Mord, Niederbrennung, Schandung, Folterung
 mit einem Ubermute und seelischen Gleichgultigkeit davongehen, wie
 als ob nur Studentenstreich vollbracht sei, uberzeugt davon, dass
 die Dichter fur lange nun wieder etwas zu singen und zu ruhmen haben.
 Auf dem Grunde aller dieser vornehmen Rassen ist das Raubtier, die
 prachtvolle nach Beute und Sieg lustern schweifende blonde Bestie
 nicht zu verkennen; es bedarf fur diesen verborgenen Grund von Zeit
 zu Zeit der Entladung. [Hervorhebung NP] (47)


An diesem Zitat zeigt sich die besondere Nahebeziehung zwischen Benoists Ansatz und jenem von Nietzsche. Denn wie jener bedient sich auch dieser einer ontologischen Behauptung: Kriegstreiberei sei die Wesensart gewisser Leute--weniger "Ubermenschen" lt. Nietzsche, einiger "Manner" nach Benoist. Plausiblerweise lasst sich zur Stutzung solcher Behauptungen kein einziger rationaler Beweis ausfindig machen, sodass sie zwangslaufig als unhaltbar zuruckgewiesen werden mussten. Gerade das aber passt beiden jedoch nicht in ihr Konzept, von dem sie offenbar nicht abgehen wollen.

Deshalb vollziehen sie eine Wende hin zum Irrationalismus und verlegen die Ursache fur militantes Verhalten in vor-geistige Dimensionen: Spricht Nietzsche von einem "verborgenen Grund" (s.o.), dessen Krafte--uber die naturlich nichts ausgesagt werden konne, da ja bereits der Grund im Verborgenen zu orten sei--irgendwie verhaltensbestimmend im Menschen wirken sollen, so weiss Benoist von einem "naturlichen Hang" zu berichten. Behauptungen wie diese sind mitnichten rational begrundbar und beruhen daher allemal auf blossem Diktum--auf Rhetorik also, der man sich bedient, wenn man nichts Plausibles vorzubringen hat.

Im Hinblick auf die manipulierende Wirkung ubertrifft Nietzsches Technik jene von Benoist bei weitem. Denn Benoist setzt zur Vermittlung seines Dogmas--also: Kriegfuhrung beruhe auf naturlichem Hang--lediglich eine appellative Vermutung ein--eben: "Wir durfen trotzdem annehmen." Zwar verleiht er diesem vagen Ansatz scheinbare Erhartung durch Berufung auf van Crefeld, aber der suggestive Charakter seiner Argumentationsfuhrung bleibt unubersehbar im Raum stehen. Demgegenuber manipuliert Nietzsche viel geschmeidiger. Denn das in seinem Text enthaltende Dogma vom verborgenen Grund fugt sich beinahe nahtlos in die plakative Erzahlung ein, sodass es ohne weiteres als textkonformes Wortpaar uberlesen werden kann und damit nicht als das ausgewiesen wird, was es wirklich ist: eine irrationale Vorgabe, welche die Bewusstseinsanderung seiner LeserInnen bewirken solle.

Nun finden sich in Benoists Schrifttum auch Textstellen, die sich geradezu pazifistisch ausnehmen, so etwa, wenn er einem Kapitel die Uberschrift voranstellt: "Nieder mit dem Krieg!" (Aufstand 133-153). Bei naherer Durchsicht des Texts zeigt sich jedoch, dass dessen Inhalt dem plakativ erklarten Imperativ keineswegs entspricht und Benoist dem Krieg sehr wohl das Wort redet. Finte also, die--bewusst oder zufallig?--eine Konnotation zu Bertha v. Suttners Roman "Die Waffen nieder" herstellt. Nur: hatte Suttner konsequent dafur argumentiert, was der Titel zum Ausdruck bringt; d.h.: sie duldet keinen Widerspruch in dieser Frage, so entpuppt sich Benoist Uberschrift als Tauschungsmanover. Denn Aussagen wie "Nieder mit dem Krieg!" wurde wohl kaum jemand mit kriegsverherrlichender Geisteshaltung in Verbindung bringen (s.u.).

Genau an diesem Widerspruch wird die Verlogenheit seines Texts offensichtlich, obgleich Benoist an einigen Stellen kriegerischen Auseinandersetzungen durchaus eine Absage erteilt--so etwa, wenn er Kritik an einer z.Z. gangigen Gut-Bose-Klassifikation ubt, wie sie u.a. im sog. Jugoslawienkrieg erfolgte: "Die westlichen Machte, die einer moralischen Auffassung des Krieges anhangen, haben sich--aufgrund einer Entschlusselungshilfe festlegen wollen, die ermitteln sollte, wo sich die >Guten< und die >Bosen< befanden" (Aufstand 122). Die Verurteilung solch einer Konstruktion selbstherrlicher Schiedsspruchbefugnis, die in der Tat moralisch begrundet worden war, (5) ist nachvollziehbar. Nur geht es Benoist mitnichten um eine generelle Absage an den Krieg; vielmehr legt er bloss die Schnittstelle anders an, indem er zu den blutigen Ereignissen im Kosovo-Konflikt anhebt: "einzig die Europaer waren ermachtigt, in diese Angelegenheit einzugreifen, da es ja um ihre eigene Zukunft geht" (Aufstand 121). Gewiss liegt Benoists Argumentationsfuhrung kein moralisierender Ansatz zugrunde. Jedoch bringt er ein utilitaristisches Denkmodell ins Spiel und erklart mit offenem Zynismus: gerechtfertigt sei, was der eigenen Zukunft, und das heisst im Klartext allemal: Benoists Ideologie, diene. Dazu ein Doppeltes: (1.) auch Benoist verfahrt willkurlich und begrundet (2.) wegen der selbst vorgenommenen Ermachtigungszuweisung einen besonders schroffen Widerspruch gegenuber seiner imperativisch gefassten Kriegsablehnung. Auf den ersten Blick mag diese Unverfrorenheit erstaunen. Nur sind solche Handhabungen nicht neu, sondern waren beispielsweise vor dem Ersten Weltkrieg zumindest im deutschsprachigen Raum durchaus gangig. (6)

Zu Benoists Satz ist mitnichten schon alles gesagt, denn er entpuppt sich schlechthin als Paradebeispiel fur Demagogie: Er strahlt suggestive Kraft aus, die uber unterschiedliche Ebenen Einwirkungen auf das Unterbewusstsein auszuuben vermag. Zunachst suggeriert die Aussage: einzig die Europaer seien ihrer Interessen wegen zum Eingriff ermachtigt gewesen, die unausgesprochene Vorannahme: die von Benoist auserkorene Wir-Gruppe verfuge uber hegemoniales Vorrecht, weshalb sie zur militarischen Intervention berechtigt gewesen sei. Diese Manipulation zur Legitimierung der Kriegfuhrung beruht ihrerseits auf einer unausgesprochenen Vorannahme und kommt im Gebrauch der geografischen Bezeichnung "die Europaer" zum Ausdruck. Denn dem Gesamtkontext nach suggeriert sie, dass die Bundesrepublik Jugoslawien kein souveraner Staat gewesen sei, sondern in etwa eine schuldbeladene Provinz, die von der allein befugten Zentralmacht--von den Europaern also und damit nicht von den Amerikanern--zu Recht Bestrafung erhalten habe.

Gerade durch den Vorwurf an die USA manipuliert Benoists Satz auf weiteren Ebenen. Denn dessen Aussage dient zur Stimulation einer Erregungswelle gegen die Amerikaner und inszeniert gleichzeitig die NR als Bewegung selbstbewusster EuropaerInnen. Mehr noch: de facto verpasst Benoist (1.) auch den Amerikanern die Rolle des Bosen, nachgerade die eines Taters, denen er (2.) die Europaer als Geschadigte gegenuberstellt (Opferrolle) und erhoht sich (3.) schlussendlich zum Helden, indem er vermeintliche Missstande aufzeigt und sich dadurch die Bonitat verleiht: er habe die Machenschaften des Starkeren durchschaut und biete diesem die Stirn.

Dieses unterschwellig eingesetzte Muster ist geradezu charakteristisch fur rechte Demagogie. Beispielhaft dafur sei an die Nazi-Ideologie erinnert: erging die Opferrolle an den Deutschen, so die der Tater in der Regel an den Juden; und als Held fungierte weithin Hitler.

Solche Konstruktionen haben naturlich eine Funktion. Durch sie sollen die RezipientInnen wenn moglich in einen Zustand der Wut versetzt werden, um ihre nuchternen Uberlegungen auszuschalten. Daran knupfen naturlich zwei unausgesprochene Erwartungen: die (unbewusste) Anpassung von neuen LeserInnenschichten an die Ideologie einerseits sowie andererseits die Bestarkung von AnhangerInnen in ihrer Auffassung.

In diesem Beitrag enthullt Benoist noch ganz andere und hochst erstaunliche Einstellungen zum Krieg, und zwar zu Gemetzel wahrend des Feudalismus und Absolutismus. So weiss er zu berichten:
 Der Krieg war lange Zeit eine Kunst, ein Sport, ein Spiel.... Vor
 allem war er die Angelegenheit von Kriegern, und von niemand
 anderem. Er brachte Manner gegeneinander, die von Geburt her und
 wegen des Solds trainiert waren, ihn zu fuhren, und die ihren
 Kodex, ihre Disziplin und ihre Regeln hatten. Diese Situation hat
 Jahrhunderte angedauert. Fur Ludwig XIV. war der Krieg noch eine
 Kunst ... Mit der Moderne werden die Kriegskasten abgeschafft:
 Jeder ist verpflichtet, in den Krieg zu ziehen ... Der Krieg ist
 nunmehr eine Massenangelegenheit.... >Der Krieg! Der Krieg!, das
 ist der Schrei aller Patrioten!?" (Aufstand 117)


Der zentrale Inhalt dieser Botschaft lasst sich ausweisen als Erhohung des Kriegs zu einem Symbol seigneuriale Lebensgestaltung. Benoists erstaunliche Festlegung resultiert offenbar daraus, dass er Kriege und die sie auslosenden Mechanismen nicht unter den Bedingungen wissenschaftlicher Forschung analysiert (rational); vielmehr knupft er Kriege an vorweg bewertete Gesellschaftssysteme und beurteilt sie von dieser Scheinpramisse aus (irrational). I.a.W.: Benoist schafft sich (1.) eine unausgesprochene Vorannahme (Scheinpramisse) auf der er (2.) seine Suggestionen begrundet; und die besagen im Kern: Kampfhandlungen seien unter elitarer/standestaatlicher Organisation mit Hochschatzung zu wurdigen, wohingegen ihnen unter egalitaren Systemen--vorzugsweise in Revolutionszeiten--alle Verachtung entgegengebracht werden musse.

Gleichzeitig nimmt Benoist eine Generalisierung vor, indem er sein Werturteilsmuster auf das Begriffspaar Vormoderne-Moderne ubertragt. Als Begrundung dafur sowie als Voraussetzung fur seine Diskreditierung der Moderne dient ihm ein hochst verbluffender Verwendungszusammenhang. Denn an dieser Stelle lasst er die Moderne erst mit den Revolutionskriegen --bzw. Koalitionskriegen nach Diktion der Gegner des revolutionaren Frankreich--und der Aushebung aller Manner im kriegsfahigen Alter beginnen. Gewiss ist das ein Kriterium; und es liesse sich auch anfuhren, dass die Moderne nicht in allen Lebensbereichen gleichzeitig zum Durchbruch kam. Aber das Kriterium selbst ist keineswegs zentral fur die Rationalitat der Moderne. Hier loscht Benoist einfach die Tatsache aus, dass der Rationalisierungsprozess mit dem Aufkommen der staatlichen Zentralverwaltung einherging. Dieser setzte gerade in Frankreich bereits zu Beginn des 16. Jhs. ein; und schon damals wurde ein stehendes Heer eingefuhrt (Mayntz 21)!

Genau deshalb ist der rationale Aspekt im Militarwesen alter und geht --Benoist zum Trotz--schon auf die Vorfahren von Ludwig XIV. zuruck, der freilich den Zentralismus auch im Militarwesen wesentlich vertiefte. Jedenfalls verfugten schon die Konige Frankreichs uber geschulte und der Disziplinierung fahige Truppen, die jederzeit schlagfertig bereitstanden. Mit solch einem Heer, uber das gerade Ludwig XIV. alleinige Verfugungsgewalt innehatte, waren die Monarchen forthin von der Anwerbung unzuverlassiger Soldner entbunden. Denn jene boten ihre Dienste beliebig an und wechselten, was Benoist ebenso verschweigt, aufgrund hoheren Soldes bedenkenlos den Kriegsherrn.

Im Klartext heisst dies: damals--und nicht erst wahrend der Franzosischen Revolution, wie Benoist so vorgaukelt, um sie zu diffamieren --trat die von ihm verschmahte Moderne auf. Eben das darf Benoist aber nicht mitteilen, wenn er, wie oben aufgezeigt, die vormoderne Gesellschaft als homogen und vorbildhaft vermitteln will. Deshalb muss er die Geschichte immer wieder zurechtschneiden und vergessen machen, dass auch zwischen den Interessen des Monarchen und jener von Kriegereliten Unterschiede bestanden. (7)

Benoists Verkurzungen haben suggestive Funktion. Erst durch das Verschweigen zentraler Sachverhalte kann er in der Psyche seiner LeserInnenschaft eine Illusion fur die Heroisierung des von ihm favorisierten Sozialverhaltens stiften, das er unter dem Imperativ "Nieder mit dem Krieg!" asthetisierend zur Kunst von Kriegerkasten hochstilisiert. Freilich enthullt er damit, was er denn wirklich unter dem Lebenszweck martialischer Eliten versteht: ihr Toten sei, sobald sie sich auf willfahrig begrundete Kodizes berufen konnen, Ausdruck hoher Kultur. Mehr noch: es sei Zeichen triumphaler Auserwahltheit!

Folgerichtig impliziert diese Auffassung ein Pendant: Friedenszustand sei reduziertes Leben; und diese Reduktion an herrischem Gehaben gilt ihm augenscheinlich als Charakteristikum des gemeinen Volks. Anders ware seine Wut auf die Patrioten und ihren Krieg als Massenangelegenheit nicht verstandlich. Denn er emport sich ja gerade nicht uber den Krieg eo ipso, sondern uber die Revolutionskriege--und damit unausgesprochen daruber, dass dem Krieg durch die Revolution das Symbol eines Privilegs entzogen worden sei.

Kurz gesagt: Benoist verwischt im Sinne seiner Interessen. Als Durchfuhrungsmuster fungieren die Modelle von Sagen und Legenden, in denen bekanntlich Reales verwoben ist mit Fiktionalem. Demgemass schreibt Benoist die Wirklichkeit durch die Kraft findiger Erzahlung, Ausserachtlassung relevanter Sachverhalte ideologiegerecht um. Dabei bedient er sich einer emotionalisierenden Sprache, wie dies gerade an seinem Vergleich zwischen der Kriegfuhrung unter Ludwig XIV. einerseits und andererseits wahrend der Revolution zum Ausdruck kommt: nachhaltig stimuliert der Wortlaut zur Akzeptanz der von Benoist--sogar falschlich--als vormodern ausgewiesenen Gesellschaftsordnung und vice versa zur Ablehnung der Moderne.

Benoist und der Rassismus

Abschliessend sei auf Benoists Rassismuskritik eingegangen und aufgezeigt, dass er durch sie die Verschleierung seiner rassistischen Position anstrebt. Diese Strategie hat naturlich eine Ursache. Denn mit Bekanntwerden des NS-Volkermords gerieten rassistische Konstruktionen in Misskredit, weshalb sich nur noch alt- bzw. neo-nazistische Gruppen ihrer bedien(t)en. Jedoch steht fest: "Fremdenfeindlichkeit" gilt offiziell nicht als rassistisch; und Vergleichbares wird kulturalistischen Konstruktionen mehr oder minder zugestanden, womit die NR angesprochen ist.

Verbal verurteilen Vertreter den NR den Rassismus durchaus. So weist auch Alain de Benoist in Ubereinstimmung mit antirassistischen Positionen rassistische Paradigmen als nicht haltbar zuruck (Aufstand 41f.). Gleichzeitig jedoch verfalscht und verkurzt er Zusammenhange, die fur die Entstehung und Erklarung des Rassismusphanomens von Bedeutung sind. Fazit: damit bringt er die interessengeleiteten Motive sowie deren Nutzniesser zum Verschwinden und schafft sich nach dem Vorbild uberkommener Wissenschaftsfeindlichkeit der Gegenaufklarung Freiraum fur ungezugelte Spekulation. Bezogen auf eine seiner zentralen Aussage meint dies: er erklart den "wissenschaftlichen Positivismus" und "Messverfahren" geradewegs zu den ursprunglichen und verhangnisvollsten Bestandteilen des Rassismus; genau damit aber verstellt er auch den Blick auf intuitiv begrundete Rassenlehren--Benoist:
 Der Rassismus ist keine Geisteskrankheit ... Es handelt sich
 vielmehr um eine irrige, geschichtlich datierte Lehre, die in dem
 wissenschaftlichen Positivismus grundet, dem zufolge sich der Wert
 der Menschengesellschaften sich im Absoluten >wissenschaftlich<
 messen lasse ... (Aufstand 42)


Dieser Satz ist geradezu ein Musterbeispiel fur Unterstellung, Verkurzung, ja sogar Verfalschung der Faktenlage. Zunachst soviel: Benoist suggeriert eine Abfolge, die vollends in Widerspruch zu den Tatsachen steht: mitnichten ist der Rassismus aus dem Positivismus hervorgegangen; vielmehr entstand dieser viel fruher, und erst im Laufe der Zeit machten sich Rassisten auch positivistische Ansatze zur Legitimierung ihrer Ideologie nutzbar. (8)

Davon abgesehen steht fest: gerade die Entwurfe, welche vielen Menschen Geringschatzung, Prugel, Tod gebracht haben--allen voran die Konstruktionen von Gobineau, Chamberlain, Hitler--kommen ohne positivistische Axiome aus; und nach irgendwelchen Messverfahren haben die erwahnten Rassisten erst gar nicht gefragt. Vielmehr zeigt sich: deren Konzepte sind trotz mancher Verweise auf pseudowissenschaftliche Ergebnisse im Kern intuitiv erstellt (9) und enthalten vom Ansatz her eine mythische Bezugnahme auf das Blut. De facto sind jene Konstruktionen auf positivistische Vorannahmen erst gar nicht angewiesen; denn ihr Motor ist das prinzipielle Vorurteil.

Die Aufdeckung dieses Sachverhalts passt Benoist freilich nicht ins Konzept, weshalb er ihn denn auch geflissentlich verschweigt. Das hat einen Grund. Denn er selbst redet einem intuitiv begrundeten Rassismus das Wort, ohne dieses Faktum in der Regel beim Namen zu nennen (eine Ausnahme s.u.). Deshalb bedient er sich zur Verschleierung seiner Absichten einer Doppelstrategie: einerseits umhullt er sein rassistisches Inklusions-Exklusions-Modell mit einer z.T. abschwachenden und schonenden Rhetorik; andererseits verteilt er verfangliche Aussagen dosiert auf verschiedene Beitrage. Die Funktion dieser Strategie ist offensichtlich: sie signalisiert Rassisten Benoists Gesinnungsubereinstimmung, fordert die Manipulation von Nichtrassisten und zielt gleichsam auf Schutz vor umfassender Kritik.

Nun zu seiner Konstruktion. Entsprechend aller rassistischen Manier fordert Benoist die Erstellung einer kollektiven Identitat. Genau gesagt geht es ihm um die kontinuierliche Belebung bzw. Neubelebung einer kulturalistischen Kollektividentitat, deren Funktion er darauf fixiert: die Mitglieder sollen ihre "einzigartige Art ... entwickeln" [Hervorhebung im Original, N.P.]. Als Mittel zur Etablierung der "gemeinsame[n] Identitat" gelten ihm "Selbstdarstellung und Selbstaneignung," die sich "im Humus des gemeinsamen Erbes standig erneuern" sollen (Aufstand 111).

Mit dieser Argumentation gesteht Benoist unausgesprochen ein, dass die von ihm angestrebte kollektive Identitat nicht auf vernunftiger Reflexion beruhen solle, sondern allein auf Suggestion bzw. Autosuggestion. Folgerichtig erklart er denn auch die ">erzahlende< Struktur" zum Motor der "gemeinsamen Identitat" [Hervorhebung im Original, N.P.] (ebd.).

De facto liefert Benoist seinen RezipientInnen ein Aneignungsmuster, das besagt: unter den Bedingungen des vorgegebenen Ziels, der emotionalen Unterwerfung unter die einzigartige Art des Kollektivs, konne bzw. solle jeder Mensch beliebige Spekulationen anstellen. Damit greift Benoist die Schablone aller Stammtischphilosophie auf und macht sie seiner Ideologie unter der unausgesprochenen Devise dienstbar: Kulturzentristische Ideologisierung der Massen durch sich selbst! Solch eine Festlegung kommt letztlich einem linguistischen Reduktionismus gleich: (politische) Sprache habe nicht mehr zu sein als Mythenbildung.

Hinter seinen Aussagen, die Benoists Nahebeziehung zu rassistischen Positionen verbal nur vordergrundig verdecken, steckt allemal die Aufforderung zur Aneignung einer differentialistischen Weltauffassung. Der Zweck liegt auf der Hand: die Mitglieder der durch erzahlende Selbstaneignung volkisch orientierten Bezugsgruppe sollten sich von allen anderen Menschen bedingungslos trennen, wozu sie offensichtlich die in ihre Psyche versenkte Gewissheit von ihrer einzigartigen Art stimulieren solle. Und genau diesen Un-Wert will Benoist den Angehorigen des von ihm herbeigesehnten volkischen Kollektivs restlos ins Hirn einbrennen: "Beschranken wir uns nicht darauf zu sagen, dass alles, was von uns hierzulande stammt, wertvoll sei. Sagen wir vielmehr--mit Kraft und Uberzeugung--, dass alles Wertvolle von uns hierzulande stammt" (Welt 271). Solch eine Textierung ist in Benoists Schriften gewiss selten anzutreffen; und fur sich allein genommen, liesse sich wohl nur von einem rabiaten Kulturzentrismus sprechen. Dass ihn jedoch blanke rassistische Impulse nachhaltig bewegen, geht wiederum aus einer anderen Stelle hervor: "Die biologischen Unterschiede selbst sind nur in bezug auf gesellschaftliche und kulturelle Gegebenheiten bedeutsam" (Aufstand 23). Dieser Satz ist geradezu ein Paradebeispiel fur althergebrachten Rassismus. Zwar bemuht sich Benoist um eine verbale Abschwachung, indem er von Bedeutsamkeit nur in Bezug auf schreibt. Aber: genau das ist nichts als Tunche. Denn die Erklarung: unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Phanomene seien biologisch begrundet, ist in diesem Satz festgeschrieben. Und genau solch eine Aussage ist grundlegendes Postulat des Rassismus! Damit steht Benoist in der Tradition von Leuten wie Gobineau, Chamberlain, Hitler, die von der naturlichen Unterschiedlichkeit grosser Menschheitsgruppen plauderten, um in der Folge die eigene Rasse mit Glorienschein zu erhohen (10) und andere der Vernichtung preiszugeben.

Seither sind--wie schon gesagt--Ausdrucke wie Rassenbiologie zu einem negativ besetzen Reizwort geworden; bei weitem nicht so intensiv ist freilich, und bedauerlicherweise, die Ablehnung des Wortgehalts selbst. Genau diese Tatsache nutzt Benoist: so kritisiert er das sprachliche Zeichen "Rassismus" nachhaltig, behalt jedoch dessen inhaltliche Festlegung bedenkenlos bei--also: die biologistische Differenzierung grosser Menschheitsgruppen.

Gewiss ist dadurch noch keine biologistische Rangordnung vorgenommen. Indem er aber den Mitgliedern seines Kollektivs kulturelle Uberlegenheit einzuhammern trachtet, legt er eine Hierarchie fest, die sich auf kulturalistischem Vorurteil begrundet. Demzufolge beruht seine rassistische Konstruktion auf folgender Kombination: der Verschrankung einer biologistischen Vorannahme mit einem kulturalistisch gefassten Gebot!

Damit entpuppt sich seine wortgewaltige Attacke gegen den Positivismus als Doppeltes: sie ist Schimare und Ablenkungsstrategie zugleich. Schimare ist sie, weil sich Benoists Angriff nur auf eine Worthulse bezieht; denn zentrale Strukturmerkmale des Rassismus propagiert er als gesicherte Erkenntnis schlechthin. Ablenkungsstrategie ist seine Attacke, weil sie Rassismus in alleinige Beziehung zur Wissenschaft der Moderne setzt. Damit verdunkelt er, dass ausschliesslich rationale Uberprufung den ideologischen Gehalt rassistischer Konstruktionen aufzudecken vermag und dies fortgesetzt auch tut. Gleichzeitig schafft er die bereits erwahnte Tatsache aus dem Blick, dass rassistische Konzepte nicht bloss von Positivisten entworfen worden sind, sondern ihre Begrundung sehr wohl auch durch Intuitionen von Mythenschopfern erfahren haben.

Jedenfalls lasst sich folgender Schluss ziehen: mit seiner Argumentationsfuhrung mochte Benoist neurechter Ideologie offensichtlich nachhaltigen Vorteil verschaffen. Indem er namlich den Rassismus in alleinige Beziehung zu wissenschaftlichen Methoden setzt, vertieft er gleichsam seine Attacke auf das vernunftkritische Paradigma der Moderne und gibt mythischem Denken neuen Auftrieb. Genau gesagt zielt seine Intention auf die vollige Rehabilitierung des Mythos und dessen Gleichsetzung mit Rationalitat. Rundweg erhebt er deshalb die "Vernarbung de[s] falschen Begriffspaar[s] ... Mythos und Bereich der Logik" zum Postulat (Aufstand 38).

Nun ist die Aufwertung des Mythos in rechten Konstruktionen keine Aufsehen erregende Besonderheit; erstaunlich jedoch ist die Nahebeziehung zwischen Benoists Festlegung und der Definition der "Rassengeschichte" von Alfred Rosenberg. Dieser beruchtigte NS-Ideologe hatte folgende Formel ausgegeben: "Rassengeschichte ist ... Naturgeschichte und Seelenmystik zugleich" (Mythos 23).

An beiden Versionen zeigt sich zunachst, dass Benoist und Rosenberg Rationalitat nicht einfach verleugnen--spricht der eine vom "Bereich der Logik," so der andere von "Naturgeschichte." Indem sie jedoch den Mythos --die Bezeichnung "Seelenmystik" charakterisiert ja gerade nicht eine kritisch-rationale Position als vielmehr die emotionale Hingabe an das Blut und dessen ersonnenen ausser-biologischen Wirkungen--vernunftgeleitetem Denken und Handeln als gleichwertige Grosse zur Seite stellen, vernichten sie die Grenzen zwischen beiden Dimensionen und ebenen beliebiger Spekulation den Weg. Deren Folgen, fur die gerade auch Rosenberg besonders verantwortlich gewesen ist, sind nur zu gut bekannt. Fazit: Benoist bringt die Untaten intuitiv erstellter Lehren bewusst aus dem Blick. Wie aber sonst sollte er seine eigene, auf Intuition beruhende Konstruktion rechtfertigen und seinen LeserInnen attraktiv prasentieren konnen, beharrt sie doch ebenfalls auf rassistischer Ausgrenzung und huldigt schroffem Antidemokratismus?

Kurze Schlussfolgerung

Zusammenfassend lasst sich der Befund legen: Benoists Umgang mit Tatsachen erfolgt schlichtweg nach personlichem Gutdunken und dient allein der Durchsetzung seiner Ideologie. Dazu bedient er sich zweier unterschiedlicher Hauptstrategien. Zum einen geht er rhetorisch vor und verfalscht nach Belieben die Faktenlage; zum anderen verschweigt er einfach zentrale Tatsachen. Nichtsdestotrotz sind viele seiner Schein-Argumente einleuchtend, obgleich seine Texte immer wieder dunkle, ungriffige und damit auch mehrfach deutbare Stellen enthalten.

Texte freilich, die nicht ausdrucklich den Zweck aufweisen, den Benoist ihnen unterlegt, konnen durchaus jene verfuhrerische Kraft ausstrahlen, wie solche, die durch vordergrundige Plausibilitat sinnvoll erscheinen. In der Regel strebt Benoist durchaus danach, seinen Texten Plausibilitat zu verleihen. Denn gerade das auf den ersten Blick Einleuchtende--so z.B. die eingangs besprochenen endlosen Aufzahlungen zur Desavouierung der Moderne--verbirgt die Manipulation. Genau gesagt: durch Uberladung von Begriffen, Argumenten, Gedankengangen verfuhrt Benoist seine RezipientInnen dazu, dass sie die Kraft vernunftgeleiteter Reflexion erst gar nicht in Betracht ziehen und den neurechten Mythos unhinterfragt akzeptieren sollen.

Als Hilfsmittel dafur fungiert gleichsam der Unterton: alles, was sich seiner Lehre widersetze, fuhre in die Irre, ja sogar ins Verderben. Da solche Suggestionen vernunftigerweise nicht nachvollziehbar sind, bedarf sein Diskurs der Macht der Rhetorik in allen ihren Variationen.

Um nun seine LeserInnenschaft von unbegrundbaren Annahmen--allen voran augenscheinlichen Mangel und dogmatischen Festlegungen--abzulenken, prasentiert Benoist seine Schein- Aussagen in salbungsvoll aufbauschender Manier; dazu setzt er hochtrabende Phrasen ein, die weiter nichts als Verbluffung hervorrufen mussten--so etwa, wenn er seine politischen Texte mit ausserpolitischem Vokabular bestuckt und sich in bombastischen Redewendungen versteigt--z.B. og. Phrase "Geometrie der Proportionen."

Spatestens an solchen Redewendungen lasst sich hypothetisch darauf schliessen--eine empirische Prufung musste naturlich erst erfolgen--, dass Benoist in erster Linie fur ein Publikum schreibt, das (1.) rechtslastige Ideologien nicht von vornherein akzeptiert, sondern zu deren Ubernahme erst bewogen werden solle. Genau das verrat sein Schrifttum. Denn: indem Benoist weithin auf vulgare Spruche verzichtet, andererseits aber immer wieder Argumente erstellt, die kritischer Prufung nicht standhalten und deshalb als dogmatische Propaganda abgewiesen werden mussen, zeigt sich, dass er (2.) seine Texte an eine Zielgruppe richtet, die rohe Phrasendrescherei durchaus verabscheut, jedoch nur uber ein spezifisches Bildungs- bzw. Ausbildungsniveau verfugt, das zur Aufdeckung seiner ideologiegeleiteten Interessen nicht ausreicht.

Genau gesagt bedarf Benoist einer LeserInnenschaft mit folgender Bildungskompetenz: einerseits durfen sich seine RezipientInnen nicht uberlastet fuhlen von der Vielzahl seiner Exempel, dem Duktus seiner Sprache usw., andererseits sollen sie kritisches Denkvermogen nicht einsetzen (konnen), sondern bloss verstehen. Damit lasst sich Benoists Hauptzielgruppe als jener Teil des Bildungsburgertums umreissen, der hinter sprachgewandten Floskeln hohe Gelehrsamkeit vermutet und uber die tatsachliche Beschaffenheit der Texte in der Regel nicht reflektiert.

Anmerkungen

(1) Dazu ein Beispiel: Der Definition nach zahlt Schonberg zurecht zur Moderne: mit Erstellung der (chromatischen) Zwolftontechnik/Atonalitat hatte der Komponist das Chaos--hervorgerufen durch das sich bereits in volliger Auflosung befindende (siebenstufige) tonale Gefuge (Diatonik)--beendet und der Musik gewissermassen eine neue Basis gegeben. Hatte Schonberg beispielsweise nach den Regeln der Homophonie--vielleicht von Handel am reinsten verwirklicht--geschrieben, wurde er, obwohl im Zeitalter der musikalischen Moderne lebend und arbeitend, dieser Richtung keineswegs zugeordnet worden sein, wohl aber der historischen! Der Korrektheit halber sei im Hinblick auf den verwendeten Ausdruck Sammelbegriff exemplarisch noch eine weitere Richtung genannt, und zwar der Bruitismus (bruit (f) = Schrei). Nach dieser Richtung, eine der radikalsten der modernen Musik uberhaupt, sind sogar Tone und Intervalle abgeschafft, sodass prinzipiell jede Schwingung/Schwingungsabfolge kompositorische Verwendung finden kann.

(2) Kurzdarstellung der Argumentationsfuhrung: Um, wie bereits gesagt, das rationale Element des Denkens und damit die Wissenschaft als solche zu retten, spalten Horkheimer und Adorno die Vernunft in eine subjektive und objektive Richtung auf, betonen aber gleichzeitig, dass beide Aspekte schon in fruhen Phasen der intellektuellen Entwicklung des Menschen bestanden haben und erst im Laufe der Zeit der subjektiven Vernunft geradezu die alleinige Herrschaft zuerkannt worden sei, woraus die Durchsetzung blosser Interessen Vorteil ziehe (18f.). Zu diesem Befund gelangen Horkheimer und Adorno durch Aufdeckung der unterschiedlichen Funktionen von Vernunft, wofur sie anfuhren:
 [S]ubjektive Vernunft--hat es wesentlich mit Mitteln und Zwecken zu
 tun, mit der Angemessenheit von Verfahrensweisen an Ziele, die mehr
 oder weniger hingenommen werden und sich vermeintlich von selbst
 verstehen. Sie legt der Frage wenig Bedeutung bei, ob die Ziele als
 solche vernunftig sind. (15)


Demgegenuber verstehen Horkheimer und Adorno unter "objektiver Vernunft" die rationale Prufung einer spezifischen Aussage/Zielsetzung auf ihre Vereinbarkeit mit allgemeinen Bedingungen. I.a.W.: Antwort solle darauf gegeben werden, ob (1.) subjektiv-instrumentelle Zielsetzungen auch unter (2.) allgemeinen Bedingungen, objektiven eben, sinnvoll bzw. erstrebenswert seien oder nicht. Beispielhaft sei auf die weltweit bekannte Auseinandersetzung um die Atomkraft und deren positiven wiewohl auch negativen Folgewirkungen hingewiesen. Naturlich liegt damit ein Werturteilsproblem vor, das in die Frage mundet, ob technisch Mogliches sinnvollerweise Realisierung erfahren solle? Jede gelieferte Antwort wird dahingehend zu prufen sein, ob die ihr zugrunde gelegte Reflexion unter vernunftkritischer Perspektive erfolgte oder nicht. Letzteres impliziert rundweg eine von Vernunftkritik entkoppelte Reflexion; und die setzt sich des Manipulationsverdachts auf jeden Fall aus.

(3) Moeller van den Bruck war immerhin Verfasser der beruchtigten Schrift "Das Dritte Reich"; und mit Carl Schmitt nennt Benoist einen Staats- und Volkerrechtler, der sich ab 1933 nachhaltig fur das NS-Regime engagierte und u.a. die von Hitler in Zusammenhang mit dem sog. Rohmputsch (30. 6.--2. 7. 1934) angeordneten Morde zum Ausdruck der Bekundung genuiner Gerichtsbarkeit durch den Fuhrer hochstilisierte: "In Wahrheit war die Tat des Fuhrers echte Gerichtsbarkeit. Sie untersteht nicht der Justiz, sondern war selbst hochste Justiz" (zit. n. Hofer 105).

(4) Benoists emphatische Glorifizierung des Kriegs folgt jenem Tenor, den Kriegstreiber seit dem 19. Jh., vorzugsweise in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, unter Ruckgriff auf Heraklits [etwa 544-483 v. Chr.] oft zitierten Satz entwickelten, dass der Krieg der Vater aller Dinge sei. Dieser verherrlichte jedoch keineswegs militaristische Zwecke; vielmehr stand ihm der Widerstreit von Gegensatzen--unterschiedlicher Interessen etwa auch--vor Augen, die zur Entwicklung beitragen und schlussendlich in allgemeine Harmonie ubergehend zusammenfallen und damit einheitsstiftend wirken sollen (vgl. Vorlander Philosophie 28f.). Solch ein Ziel hatten die Gesinnungsmilitaristen um 1900 plausiblerweise nicht im Sinn, weshalb sie auch den Satz von Heraklit aus dem Gesamtzusammenhang rissen und ihn sich ihrem Interesse durchaus i. S. obzitierter einzigartigen schopferischen Tatigkeit des Kriegs zunutze machten:. "der Krieg," erklarte z.B. der osterreichische Antidemokrat Othmar Spann 1913, sei "Geburtshelfer aller Staatsgestaltung und aller Kultur" (403).

Nach diesem Muster beschwor der Vorsitzende des expansionistisch agierenden Alldeutschen Verbands, Heinrich Class (Pseudonym: Daniel Frymann), kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs "das reinigende Gewitter eines kriegerischen Zusammenstosses" herbei (Frymann 236) und forderte an anderer Stelle ganz nach willenstheoretischer Manier die Aufnahme einer militant imperialistischen Ideologie ein: "Alle Staaten ..., in denen der staatliche Lebensnerv, der Wille zur Macht noch nicht getotet ist, greifen um sich und erweitern ihr Einflussgebiet" (Frymann 5).

Classens Schrift zufolge war damit uberseeischer Expansionismus ebenso gemeint wie innereuropaischer--u.a. verlangte er die Annexion von "Belgien und Holland" (Frymann 154); dem Sinn nach entspricht diese Forderung z.T. dem Schlieffenplan von 1906, der die Entscheidungsschlacht im Westen vorsah und auf raschen Endsieg setzte. Nicht genug damit lieferte er den zum Krieg treibenden Gruppen einen Vorwand fur ihr Streben, indem er ihnen einen moralisierenden und vitalistisch eingefarbten Slogan parat stellte: "Wer sein Volk liebt ..., wird den Krieg herbeisehnen als den Erwecker aller guten, gesunden, starken Krafte im Volke" (Frymann 53).

(5) In diesem Zusammenhang verwies der dt. Brigadegeneral Heinz Loquai--bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand (1999) Entsandter in die OSZE und direkt mit dem Kosovo-Konflikt befasst, erhielt er fur seine Friedensbestrebungen und "Kritik an der NATO-Kriegslegitimierung" die "Clara-Immerwahr-Auszeichnung" (friedenskooperative, http)--auf die Ubernahme des "amerikanischen Konzept[s] des >Schurkenstaates< und merkte dazu an, dass das "Konzept des Schurkenstaates ... nur der Mantel fur eine klare Interessenpolitik" sei (158):
 Es war dieses Mal nicht so sehr ein wirtschaftliches Interesse,
 obwohl auch hier derartige Interessen nicht abseits standen. Fur die
 USA ging es aber um mehr und Wichtigeres. Auf dem Spiel standen das
 Prestige der USA als Weltmacht und die Position der von der USA
 dominierten NATO als Weltmacht in der Hierarchie internationaler
 Organisationen. (Loquai 158f.)


Der Vollstandigkeit halber sei angemerkt, dass US-Politikern "eine direkte Intervention im Kosovo" zunachst nicht geheuer gewesen sei und diese sich erst nach Drangen einiger europaischer Staaten fur ein militarisches Eingreifen entschlossen haben sollen. Besonders habe sich "Wolfgang Ischinger, damals--in den Diensten des Ministers Klaus Kinkel" in Washington fur den Einsatz von NATO-Streitkraften stark gemacht: "Jetzt ist amerikanische Fuhrungskraft gefragt" (Loquai 96).

Jedenfalls verweist der Gesamttenor des Buchs darauf hin, dass der Krieg vermeidbar gewesen ware, aber einseitige Parteinahme eine differenzierte Sichtweise verhindert habe.

(6) Eine vergleichbare Konstruktion findet sich in dem 1912 erstmals erschienen Buch des Generals der Kavallerie Friedrich v. Bernhardi. Die ganze Schrift, die den bezeichnenden Titel tragt "Deutschland und der nachste Krieg," ist eine voluminos angelegte Rechtfertigungsideologie fur militaristischen Expansionismus. Da sich vernunftige und moralisch gerechtfertigte Grunde fur solch ein Vorgehen niemals noch haben ausfindig machen lassen, bedurfte auch Bernhardi einer Manipulation: der Umleugnung personlicher Standpunkte in scheinbar wissenschaftlich gesicherte Tatsachen. Dazu bediente er sich wie etwa Nietzsche und Benoist (s.o.) der Ontologisierung und suggerierte durch diesen Kunstgriff dem Publikum, dass legitimerweise anders nicht gedacht werden durfe.

Nun zu seiner Konstruktion: Bernhardi spricht zunachst durchaus von "Friedensliebe," die ihm zufolge "dem gutmutigen Charakter des deutschen Volkes" entspringe und deshalb "im eigensten Wesen des deutschen Volkes ihren Ursprung haben" solle (2; Hervorhebung N.P.). Schon bald aber erlischt diese ontologisch festlegte Wesensart des deutschen Volks zugunsten einer neuen--biologistisch eingefarbten--ontologischen Bestimmung: der naturlichen Macht des Kriegs, "der--immer biologisch gerecht entscheidet, da seine Entscheidungen aus dem Wesen der Dinge selbst hervorgehen" sollen (17; Hervorhebung N.P.).

Bernhardis Argumentationsfuhrung ist ausserst erstaunlich. Zunachst einmal verblufft die Bestimmung zweier unabhangiger und einander zuwiderlaufender Wesensarten, von denen die eine (Macht des Kriegs) die andere (Friedensliebe des Deutschen Volkes) einfach ausradiert. Eine klare Begrundung dafur blieb der Autor schuldig. Nichtsdestotrotz lasst sich ein Grund aus der von Bernhardi angenommenen Wesensart des Kriegs ableiten. An diesem freilich manifestiert sich krude Manipulation--oder aber: ein selten auffindbarer Hohepunkt irrationaler Ausdeutung eines Begriffs: denn Krieg, so suggeriert Bernhardis Satz, sei handelndes Subjekt[!], das stets gerecht entscheide. Unausgesprochen unterlegt der General damit dem Krieg die Vorstellung: er sei oberste richterliche Instanz, an dessen Urteil der Mensch nicht rutteln konne. Deshalb erstaunt es erst gar nicht, dass auch Bernhardi dem Krieg allgemeine schopferische Kraft verleiht und ihn als Vater aller Dinge verherrlicht (12).

Auf diesem Konstrukt begrundete der General jedenfalls seine Kriegsvision, die er uber herbeigesehnte expansionistische Aggression zum Triumph des Vaterlands hochstilisierte und apotheotisch in eine quasi-religiose Heilsverkundung einband. Dabei stand fur ihn zunachst fest: die Wahrung der "deutsche[n] Ehre" fordere von "Volk und Regierung" die bereitwillige Hingabe "jedes notige[n] Geld- und Blutopfer[s]"; und daran schloss er seine emphatische Prophezeiung:
 dann konnen wir mit Vertrauen den kommenden Ereignissen
 entgegensehen, mit Vertrauen auf unser Recht und auf unsere Kraft;
 dann brauchen wir auch den Kampf um unsere Weltstellung nicht zu
 furchten, sondern durfen mit Ernst Moritz Arndt die Hande zum
 Himmel erheben und zu Gott rufen:

 >Lass hell die Waffen klirren
 Von deiner Sternenburg;
 Hau von den wusten Wirren
 Den ganzen Jammer durch.< (334)


Dieses Beispiel macht deutlich, dass der Einsatz von Widerspruchen und sonstigen Abstrusitaten schon in der Vergangenheit von Kriegstreibern zur Durchsetzung ihrer Ziele geschatzt worden ist; und ebenso beliebt war augenscheinlich auch der Einsatz manipulativer Rhetorik, die Bernhardi durchaus beherrschte. Zwar mag seine aufschaumende Verbalisierung aus gegenwartiger Sicht befremden, aber viele Leute seiner Zeit waren schon langst auf Krieg eingestimmt und an diese Sprache gewohnt. Vor solcher Phraseologie hutet sich Benoist in der Regel noch.

(7) Mit der Durchsetzung des zentral organisierten Militars bezweckten die Monarchen mehr als die Beseitigung og. Probleme. Gleichzeitig mit jenen sollte die Macht des feudalen Adels auf der politischen Ebene gebrochen werden; und dessen Entmachtung setzte Ludwig XIV. endgultig durch. Damit realisierte er ein Ziel, das Kaiser und Konige spatestens seit dem Hochmittelalter anstrebten.

Bis zur Erreichung des bourbonischen Absolutismus--gegenuber dem Feudalismus brachte dieser durchaus sinnvolle Neuerungen hervor, so etwa die Vereinheitlichung von Recht und Gesetz--war Kriegfuhrung aus der Perspektive der Monarchen durchaus funktional. Denn in Friedenszeiten steigerte der Grundherrenadel seine Begehrlichkeit nach kaiserlichem/koniglichem Eigentum und Erlangung weiterer Privilegien. In jenen Jahrhunderten konnten die Adligen den Landesherrn sehr wohl in Bedrangnis bringen--und das taten sie auch immer wieder--, da sie uber die entsprechenden Ritterheere verfugten, denen jener eben noch kein stehendes Heer entgegenstellen konnte. Deshalb war Krieg in jener Phase nicht einfach Spiel und Sport--so eben Benoist--, sondern, wie Norbert Elias plausibel nachgewiesen hat, ein systemimmanentes Phanomen, mit dessen Hilfe sehr wohl Interessen durchgesetzt worden sind--Elias:
 Die Belehnten, die Reprasentanten der Zentralgewalt--hielt kein
 Lehnseid und keine Vasallentreue von dem Kampf um die
 Selbstandigkeit des Gebiets, uber das sie verfugten ab, zuruck,
 wenn sich die wechselseitige Angewiesenheit des Zentralherrn und
 seiner ehemaligen Delegierten zu deren Gunsten verschoben hatte.
 Sie, die Territorialherren oder Stammesfursten, haben das Land,
 uber das ehemals der Konig zu ihren Gunsten verfugte, tatsachlich zu
 eigen. Sie brauchen, von bestimmten Fallen abgesehen, den Konig
 nicht mehr. Sie entziehen sich seiner Gewalt. Wenn sie ihn brauchen,
 wenn die Funktion des Konigs als Kriegsherr in Erscheinung tritt,
 wird die Bewegung wieder rucklaufig, und das Spiel fangt unter
 Umstanden von neuem an, vorausgesetzt, dass der Zentralherr im
 Kriege erfolgreich ist. Dann erhalt er durch die Kraft und
 Bedrohung, die von seinem Schwert ausgeht, wieder die tatsachliche
 Verfugung uber die Boden des ganzen Gebiets und kann eine
 Neuverteilung dieser Boden vornehmen. (20)


Gewiss ist nun auch zuverlassig dokumentiert, dass der europaische Adel seine privilegierte Stellung lange Zeit hindurch auf dem Fundament eines Kriegerkults legitimierte, der in Form von Turnieren und Duellen sogar den Lebensalltag bestimmte. In dieser Hinsicht hat Benoist durchaus Recht, obgleich die nach Elias aufgezeigte systemimmanente Funktion des Kriegs deshalb keineswegs aufgehoben ist. Gegenteiliges ist der Fall: vielmehr lasst Benoist den Kriegsmechanismus verschwinden, spart sogar feudalherrliches Eigentum am Menschen--Leibeigenschaft, Robot--ebenso aus wie den lebensnotwendigen Beutegewinn der kleinen Ritter und redet ganz in romantischer Manier von blosser Heldengesinnung. Diese hat es wohl gegeben, aber gerade der Lebensalltag des "Gros der kleinen Ritter" sah--wie ebenfalls Norbert Elias anmerkte--vollig anders aus: "Raub, Uberfall und Plunderung war fur die natural wirtschaftenden Krieger eine regulare Form des Erwerbs, uberdies die einzige, die ihnen zuganglich war" (92f.).

(8) Insbesondere ware hier die Vermessung von Gehirnvolumen und Schadelgrossen zur Bestimmung der intellektuellen Fahigkeiten von Rassen anzufuhren und dem hinzuzufugen, dass Rassisten immer wieder zu der einen Auffassung gelangten: es gebe essentielle intellektuelle Unterschiede zwischen den Rassen. Genau dieses Resultat ist falsch; und es muss mit allem Nachdruck hervorgehoben werden: solche Ergebnisse beruhen allesamt auf Manipulation, was beispielsweise Stephen Jay Gould [Der falsch vermessene Mensch], oder auch Steven Rose [Darwins gefahrliche Erben] akribisch nachgewiesen haben.

Davon abgesehen setzt das Aufkommen rassistischer--genau gesagt: protorassistischer--Ideologien bereits in der fruhen Phase des Kolonialismus ein. So erklarte Juan Gines de Sepulvedra (1490-1573) in "aristotelischer Tradition" die Indios zu "Barbaren" und deshalb zu "geborene[n] Sklaven," womit er "die harte Ausbeutungspraxis der Konquistadoren" rechtfertigte (Geiss 145). Im Laufe der Zeit gelangten die Nutzniesser von Sklaverei jedoch zur Meinung, dass Schwarzafrikaner zu gewinnbringendem Missbrauch besser geeignet seien, weshalb die Vernichtung von Kulturen Afrikas, Menschenraub und Verschleppung nach Amerika im grossen Stil einsetzten. Naturlich sollte auch diese Handhabung eine Legitimierung erhalten, die sich zunachst auf einer quasi-rassistischen Auslegung der Bibel begrundete. Die wohl bekannteste Schrift, "Arca Noea," publizierte 1666 Georgius Hornius. Geiss zufolge habe Hornius auf die "Verfluchung Hams durch Noah"--nach biblischem Bericht sollten Ham und alle seine Nachkommen dessen Bruder Japhet und Sem sowie deren Nachfahren immerfort dienen--zuruckgegriffen, die Schwarzen einfach zu den Nachfolgern Hams [Hamiten] erklart und die Losung ausgegeben: diese hatten ewiglich in Sklaverei jener zu stehen; nach seiner Einteilung seien die Japhetiten die Weissen und die Semiten die Gelben (147).

Gewiss liegt hier ein prototypischer Rassismus vor; aber er enthalt bereits jene Vorstellung von der prinzipiellen Ungleichheit grosser Menschheitsgruppen, die den Kerngedanken aller kommenden rassistischen Ideologien ausmacht. Dieses Faktum ist mitnichten ein vernachlassigbarer Fauxpas. Denn es verweist darauf, dass Rassismus keineswegs eine Folgeerscheinung bestimmter wissenschaftlicher Theorien und/oder Methoden ist, sondern sich vielmehr dessen Ideologen solcher Methoden missbrauchlich bedienten.

(9) Beispielhaft dafur sei die Auffassung von Chamberlain angefuhrt. Ad intuitiv-rassistische Begrundung:
 Unmittelbar uberzeugend wie nichts anderes ist der Besitz von
 >Rasse< im eigenen Bewusstsein. Wer einer ausgesprochenen, reinen
 Rasse angehort, empfindet es taglich.... Rasse hebt ... einen
 Menschen uber sich selbst hinaus, sie verleiht ihm
 ausserordentliche, fast mochte ich sagen ubernaturliche Fahigkeiten,
 so sehr zeichnet sie ihn vor dem aus einem chaotischen Mischmasch
 von allerhand Volkern hervorgegangenen Individuum aus. (Grundlagen
 320)


Ad rassistisch-hierarchischer Differenzierung: "Die Rassen der Menschen sind in der Art ihrer Befahigung sehr ungleich begabt, und die Germanen gehoren zu jener Gruppe der Zuhochstbegabten, die man als Arier zu bezeichnen pflegt" (596).

Ad intuitiv-rassistische Position mit Kulturbezug--Chamberlain setzte die Germanen mit den alten Griechen an erste Stelle; da jene auch ihm als ausgestorben galten, sprach der Rassist de facto den Germanen hochste Qualitat zu:
 [W]ir durfen es ungescheut aussprechen: der Germane ist der einzige
 Mensch, der sich mit dem Hellenen vergleichen darf. Auch hier ist
 das Auffallende und das spezifisch Unterscheidende die gleichzeitige
 und gleichwertige Ausbildung von Wissen, Civilisation und Kultur.
 Das allseitig Umfassende unserer Anlagen unterscheidet uns von allen
 zeitgenossischen und von allen fruheren Menschenarten--mit
 alleiniger Ausnahme der Hellenen. (890)


Diese Beispiele belegen unwiderruflich, dass durch Ausserkraftsetzung rationaler Methodenvorgaben Ungeheuerlichkeiten geradezu beliebig ersonnen und niedergeschrieben werden konnen, macht doch die Berufung auf irgendwelche Empfindungen alles sagbar und jeder Kritik gegenuber immun! Daraus ziehen die intuitiven Rassisten gewiss Vorteile gegenuber den quantifizierenden, deren Ergebnisse uberprufbar sind und--wie bereits angemerkt--bislang immer noch als unhaltbar ausgewiesen werden konnten.

So gesehen sind intuitive Konstruktionen gefeit vor Angriffen, und Chamberlain wusste dies auch zu nutzen. Bereits zwei Jahre nach Erscheinung seiner Grundlagen hatte er seine Meinung offensichtlich geandert, denn 1901 verengte er seine bisherige Hochschatzung fur die Germanen schliesslich auf:
 Preussen und Englander. Die fuhrenden Machte Europas sind beide
 neu, sie zeigen einen neuen Korper und eine neue Seele.... Damit
 aber die territoriale Macht hervorkam, musste vorerst ein Stamm
 gezuchtet werden, reich an Kraft und Begabung, befahigt, unter jenen
 "Potenzen" sich Raum zum Atmen zu verdienen und zu erzwingen. Ich
 leugne uberhaupt, dass Preussen eine Territorialmacht in dem Sinne
 eines Gegensatzes zu "nationalen Potenzen" ist; Preussen hat sich
 Territorien angeeignet, wie England Kolonien, weil es sie brauchte,
 und weil es gerade seines starken nationalen Charakters geeignet
 war, ein politischer Gestalter ersten Ranges zu werden. Preussen
 ist eine Nation mit einer scharfgeschnittenen, unverkennbaren
 Physiognomie und einer bis zur rauhesten Unnachgiebigkeit
 ausgepragten Eigenart. (Rasse 83)


Wahrend des Ersten Weltkriegs krempelte Chamberlain seine Auffassung zugunsten aller Deutschen um, und er (selbst geburtiger Englander!) erklarte nun unter Ruckgriff auf medizinisches Vokabular: "[D]er Englander ist die Apotheose des Kleinhirns, der Deutsche des Grosshirns!" (Kriegsaufsatze 94).

(10) Da die Position von Chamberlain bereits ausreichen dargestellt worden ist, seien an dieser Stelle vergleichbare Vorstellungen von Gobineau und Hitler angefuhrt. Zunachst zu Gobineau: "Nun kommen wir zu den weissen Volkern. Uberlegte Tatkraft--Es ist wohl kaum notig, eigens davon zu sprechen, dass sowohl [der] Begriff der Ehre wie auch der Kulturbegriff, den er einschliesst, den Gelben und den Schwarzen unbekannt sind" (152f.).

Nun zu Hitler:
 Es ist ein mussiges Beginnen, daruber zu streiten, welche Rasse oder
 Rassen die ursprunglichen Trager der menschlichen Kultur waren und
 damit die wirklichen Begrunder dessen, was wir mit dem Worte
 Menschheit alles umfassen. Einfacher ist es, sich diese Frage fur
 die Gegenwart zu stellen, und hier ergibt sich die Antwort leicht
 und deutlich. Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergebnissen
 von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist nahezu
 ausschliesslich schopferisches Produkt des Ariers. Gerade diese
 Tatsache aber lasst den nicht unbegrundeten Schluss zu, dass er
 allein der Begrunder hoheren Menschentums uberhaupt war. (317)


An diesem Text sticht hervor, dass sich Hitler zur Verwischung des Sachverhalts einer etwas vorsichtigeren Formulierung bediente. Aber auch er verkurzte die historische Realitat, so etwa im Hinblick auf die Entstehung von Wissenschaften. Dazu ein Doppeltes: gegen Hitlers Argumentation liessen sich beispielsweise die Ergebnisse aus der umfassenden Arbeit Science and Civilisation in China anfuhren, die unter der Federfuhrung von Joseph Needham veroffentlicht worden ist. Diese belegen nachdrucklich, dass (1.) namentlich die chinesische Kultur der europaischen lange Zeit hindurch weithin uberlegen war und dies zumindest im Bereich medizinischer Heilverfahren z.T. immer noch ist; und dass (2.) die sog. Auf- und Uberholarbeit gesellschaftspolitischen Ursprung hat. Das meint: aus konkreten Interessen--und nicht etwa aus irgendwelchen rassischen Gegebenheiten--traten auf der einen Seite Forderungsabsichten in Erscheinung und auf der anderen Verhinderungsstrategien. Zu einem vergleichbaren Ergebnis war bereits Max Weber in Gesammelte Aufsatze zur Religionssoziologie I gekommen. Und dieses Ergebnis wird noch von ganz anderer Seite unterstutzt, und zwar durch Arbeiten von Psychologen, die immer wieder klarstellen, dass es nicht einmal einen "stichhaltigen Beweis fur eine Parallele zwischen Intelligenz und technischen Entwicklungen" gebe (Diamond 23). Davon abgesehen lasst sich kein plausibles Kriterium fur die Auffassung vorlegen, dass z.B. technischer Fortschritt gleichbedeutend sei mit hoherem Lebenssinn. Entsprechende Positionen sind in jedem Fall kulturzentristisch oder aber rassistisch motiviert.

Jedenfalls bringt der Vergleich von Aussagen genannter Alt-Rassisten mit jener von Benoist unmissverstandlich zutage, dass an beiden immer wieder auffallende Nahebeziehung aufscheinen.

Literatur

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Chamberlain: Rasse und Personlichkeit. Munchen: F. Bruckmann A.-G., 1925. 81-86.

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--. Neue Kriegsaufsatze. Munchen: F. Bruckmann A.-G., 1915.

--. Politische Ideale. Munchen: F. Bruckmann, 1915.

Diamond, Jared. Arm und Reich. Die Schicksale der menschlichen Gesellschaften. Frankfurt am Main: Fischer, 1999.

Elias, Norbert. Uber den Prozess der Zivilisation. Bd. 2, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1979.

friedenskooperative: Unter: http://www.friedenskooperative.de/ff/ff01/1-26.htm

Frymann, Daniel. Wenn ich Kaiser war'. Leipzig: Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, 1914.

Geiss, Immanuel. Geschichte des Rassismus. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988.

Gobineau, Graf Arthur. Die Ungleichheit der Menschenrassen. Berlin: Kurt Wolff Verlag, 1935.

Habermas, Jurgen. Die Neue Unubersichtlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1996.

Hitler, Adolf. Mein Kampf. Munchen: Zentralverlag der NSDAP. Frz. Eher Nachf., 1938.

Hofer, Walther (Hg.) Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945. Frankfurt am Main: Fischer, 1985.

Horkheimer, Max. Zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Frankfurt am Main: Fischer, 1990.

Loquai, Heinz. Der Kosovo-Konflikt--Wege in einen vermeidbaren Krieg. Baden-Baden: Nomos, 2000.

Mayntz, Renate. Soziologie der offentlichen Verwaltung. Heidelberg: UTB, 1985.

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Polzer, Norbert. "Kritik an der neurechten Ideologie Alain de Benoists." In: Deutsch-taiwanische Heft--Journal fur deutsche Studien 5 (2003): 48-87.

Rosenberg, Alfred. Der Mythos des 20. Jahrhunderts. Munchen: Hoheneichen, 1939.

Spann, Othmar. Gesellschaftslehre. Leipzig: Verlagsbuchhandlung Quelle & Meyer, 1923.

Vorlander, Karl (Hg.). Geschichte der Philosophie. Bd.1. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1969.
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Author:Polzer, Norbert
Publication:Fu Jen Studies: literature & linguistics
Date:Jan 1, 2004
Words:12856
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