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WELCHE SPRACHE SPRECHEN ORTSNAMEN? UBER OSTSEEFINNISCH-BALTISCHE KONTAKTE IN ABHANDLUNGEN UBER TOPONYMIE VON OJARS BUSS.

1. Einleitung

Jedes Volk beschreibt mittels seiner Sprache die Landschaft, in der es lebt und des-halb ist diese Landschaftssprache ein wichtiger Bestandteil seiner ethnischen Iden-ditat. Kommt es hinsichtlich der ethnischen Verhaltnisse zu einer Veranderung, wird auch die Landschaft von den Neuankommlingen umgeschrieben, d. h. toponymi-sche Bezeichnungen stellen ein beachtliches Machtsymbol dar. Der Anteil an to-ponymischen Namen ostseefinnischer Herkunft ist in den Ortsnamen des Letti-schen erstaunlich gro[beta] und damit werden die sich in mehreren Jahrhunderten voll-zogenen historischen und ethnischen Prozesse im heutigen Lettland anschaulich widergespiegelt. Aus historischen Quellen, besonders aber anhand von archaolo-gischen Funden wissen wir, dass gegen Ende des 1. Jahrtausends ostseefinnnische Volksstamme fast die Halfte des gegenwartigen Territoriums von Lettland besie-delt hatten: Die Grenze zwischen baltischen und ostseefinnischen Volksstammen verlief damals in etwa auf dem Breitengrad von Riga. In den folgenden Jahrhun-derten bewegten sich die baltischen Stamme weiter in nordlicher Richtung in die Siedlungsgebiete der Liven. Heinrich von Lettland gibt in seiner Chronik an, dass sich die Liven Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts am Unterlauf des Flusses Daugava (Duna) sowie an der Gauja (Livlandische Aa) und Salaca (Salis), d. h. in einem 60-100 Kilometer breiten Landstrich entlang der Ostkuste der Liv-landischen Bucht im heutigen Nord-Lettland, niedergelassen hatten. Sicher wird es Liven auch auf estnischem Gebiet im Suden von Haademeeste und Saarde gege-ben haben. Gleichsam lebten Liven im nordwestlichen Kurland, wo sie uber lange Zeit mit den in unmittelbarer Nachbarnschaft siedelnden Kuren Kontakte hatten, wovon das in die Sprache der Kurland-Liven eingedrungene kurische Sprachma-terial zeugt. Im fruhen 13. Jahrhundert waren baltische Stamme (vor allem die Lett-gallen) auf breiter Front bereits in die unmittelbare Nahe des estnischen Sprach-gebiets vorgeruckt. In dieser Epoche kam es im Wesentlichen zur Herausbildung der ethnischen Grenze zwischen Esten und Letten, auch wenn bis Ende des 19. Jahrhunderts einige Siedlungen der Letten noch etwas in nordlicher Richtung vor-gedrungen waren (s. Vaba 1997 : 28-29). Im heutigen Lettischen belauft sich die Zahl des Ortsnamensubstrats ostseefinnischer Herkunft auf einige Tausend und dieses hat sich uber den Sprachgebrauch der lettisierten Ostseefinnen in den topony-mischen Bezeichnungen des Lettischen bewahrt.

Ein deutlicher Hinweis auf ethnische Assimilationsprozesse sind die in die let-tische Lexik aufgenommenen substraten Landschaftsworter ostseefinnischer Her-kunft, wie etwa auda 'tiefe Stelle im Fluss', juoma ~ juomis ~ juoms 'tiefe Stelle zwi-schen Sandbanken; sumpfige Untiefe am Meer; kleine Wiese zwischen Feldern', kangars 'Hugel', kolka 'sandiger Landstreifen im Meer', lanis ~ lans 'undurch-dringlicher Wald, Urwald', pazis 'Felsen', pada 'niedrige Stelle mitten im Feld, die man nicht pflugen kann', umma 'tiefe Stelle im Fluss' umzis 'sumpfiger Ort', urga 'Pfutze; schluchtartiges Flusstal; (sumpfiger) Bach'. Diese und andere Landschaftsworter sind markante Bestandteile lettischer Ortsnamen. Neben den Appellativen wurde im lettischen Ortsnamensystem eine betrachtliche Anzahl an ostseefinnischen Topoformanten herauskristallisiert, wie z. B. -st-, -az-, -ez-, -iz-, -uz-, -and-, -end-, -uld-, -ak-. Ortnamen, die auf das Ostseefinnische zuruckgehen, haben sich in Lett-land auch au[beta]erhalb von Gebieten, die anhand archaologischer Ausgrabungen nach-weislich einst von Ostseefinnen besiedelt waren, verbreitet.

Bereits mehr als einhundert Jahre hat man sich in Lettland der wissenschaftli-chen Erforschung von Ortsnamen mit ostseefinnischer Herkunft gewidmet. Die ost-seefinnisch-baltischen Kontakte bilden einen Themenkreis, dem sich viele bekannte lettische Sprachforscher intensiv verschrieben haben. Namentlich erwahnt sei Ojars Buss (1944-2017), doch er naherte sich diesem Sachgebiet auf eine neue Art und Weise, indem er dank seinem umfangreichen Wissen hinsichlich des Ostseefinnischen versuchte diesbezugliches Belegmaterial eher chronologisch und sprach-systematisch abzuhandeln, gegenuber der fruheren vorwiegend summarischen Be-handlung als Grundlage. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse fuhrten Buss zu beachtenswerten Korrekturen im Hinblick auf die einstigen Siedlungsgebiete der Ostseefinnen (Liven, Esten) und die Wege ihrer Wanderung.

Buss studierte 1967-1972 an der Universitat in St. Petersburg (dem damaligen Leningrad) Finnougristik, erlernte die finnische Sprache und eignete sich damit ein solides Fundament fur eine erfolgreiche Forschungsarbeit auf dem von ihm ge-wahlten Interessengebiet an. Buss betrieb seine Forschung in vielseitiger Weise und ausgesprochen intensiv, was sich in der Vielzahl seiner Publikationen widerspie-gelt; viele Forschungen entstanden in Zusammenarbeit mit seinen nachsten Kolle-ginnen Elga Kagaine (1930-2007), Laimute Balode und Renate Silina-Pinke. Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens bezog sich auf die Onomastik. Buss wand-te sich allgemeinen Fragen bezuglich der Theorie der Namenforschung zu, wie etwa der lexikalischen Bedeutung von Namen, Problemen aus dem Bereich der Ho-monymie, Polysemie und Synonymie sowie leistete einen wesentlichen Beitrag zur Ausarbeitung und Erganzung der lettischen Terminologie auf dem Gebiet der Onomastik. Au[beta]erdem setzte er die von Janis Endzelins (1873-1961) begonnenen auf-wendigen Arbeiten fur die Herausgabe des Worterbuchs lettischer Toponymik ,,Lat-vijas vietvardu vardnica" fort: Er war der verantwortliche Redakteur und beteilig-te sich gemeinsam mit seinen Forscherkollegen an der Zusammenstellung und Korrektur der Wortartikel; zwischen 2003-2013 erschienen vier Bande (P-R) dieses arbeitsaufwendigen Projekts. Die Erlauterungen zur Herkunft der lettischen Ortsnamen sowie die Korrektur bzw. die Erganzung von hierzu bereits vorliegenden

Darstellungen bildeten das Hauptziel seines Wirkens, wobei Ortsnamen mit zwei-felhafter Herkunft fur ihn ein interessantes und au[beta]erst spannendes Arbeitsfeld waren.

Das Ziel des vorliegenden Artikels ist es den Erforschern des Ostseefinnischen und der finnisch-ugrischen Sprachen einen Uberblick zur Verfugung zu stellen, der eine kritische Begutachtung aller von Buss hinsichtlich dieser ostseefinnischen The-matik betreffenden Au[beta]erungen umfasst, die in vielen Publikationen verstreut und meist nur auf Lettisch verfasst sind.

2. Blick auf Forschungen seiner Vorganger

Buss hat Abhandlungen seiner Vorganger, die sich ebenso mit Haut und Haaren der ostseefinnischen Problematik verschrieben hatten, sorgfaltig und teils kritisch unter die Lupe genommen sowie inventiert. Zu diesen Sprachwissenschaftlern ge-horen: Kazimieras Buga (1879-1924), Juris Plakis (1869-1942), Janis Endzelins (1873-1961), Valentin Kiparsky (1904-1983), Daina Zemzare (1911-1971), Vallija Dambe (1912-1995), Marta Rudzite (1924-1996), Tonu Karma (1924-2014), An-tons Breidaks (1932-2002), Valdis Juris Zeps (1932-1996) (s. Buss 2003a; 2006c; 2007; 2009; 2015b; Buss, Balode 2003; 2005; Balode, Buss 2007; 2009b : 17). Ein be-sonderer Schwerpunkt lag hierbei auf Forschungen zu Ortnamen aus der Feder des deutschbaltischen Ethnografen und Sprachwissenschaftlers August Johann Gottfried Bielenstein (1826-1907), die man in Sowjet-Lettland vorwiegend aus politischen Grunden jahrzehntelang ignoriert bzw. mit der Begrundung--diese seien unbe-deutend --verschmaht hatte (Buss 2006a; 2006b).

Da es eine Vielzahl an Ortsnamen finnisch-ugrischer Herkunft auf lettischem Boden gibt, war auch deren wissenschaftliche Erforschung schon immer ein zen-trales Thema gewesen. So erwies sich August Bielenstein mit diesbezuglichen Un-tersuchungen als ein ernstzunehmender Sprachforscher dieses Sachgebiets, der sich als einer der ersten darauf fokussiert hatte. In der fur seine Zeit bahnbrechenden Monografie "Die Grenzen des lettischen Volkstammes und der lettischen Sprache in der Gegenwart und im 13. Jahrhundert" (1892) analysierte er lettische Ortsnamen aus Urkunden des 13. Jahrhunderts und kam bei 384 Namen zu dem Ergeb-nis, eine ,,livo-finnische", d. h. ostseefinnische Etymologie vorlegen zu konnen. Bielenstein hat die Ortsnamen uberwiegend mit livischen, finnischen und estnischen Wortern verglichen, manchmal verwies er auch auf das Karelische und Wepsische. Bei der Einbeziehung solcher damals dargebotenen Etymologien hat Buss entwe-der bekraftigendes Belegmaterial hinzugefugt oder mit uberzeugenden Argumen-ten diese widerlegt. Dabei hat Buss auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht, dass ein Teil der von Bielenstein vorgebrachten Vergleiche mit estnischen und livischen Wortern schon allein aus dem Grunde anzuzweifeln ist, weil der Forscher nicht uber die notwendigen Kenntnisse in diesen beiden Sprachen verfugte. Andererseits stammen viele durchaus begrundete Verweise auf ostseefinnische Wurzeln einer Reihe lettischer Ortsnamen gerade von Bielenstein (Paiga, vgl. liv. paikka (alle livischen Worter nach LW) 'Ort, Stelle; Bauernhof, Ruja, Selga). Buss hat die Meinung geau[beta]ert, die Hauptaufgabe der Ortsnamenforschung in Lettland sollte die Inven-tarisierung und Bewertung aller dieser Etymologien lettischer Ortsnamen sein, deren Herkunft Bielenstein einer oder anderen ostseefinnischen Sprache zuschrieb, denn im Vergleich zu damals ist es jetzt einfacher im ostseefinnischen Sprach- und Orts-namenmaterial wesentlich mehr und zuverlasslichere Angaben aufzuspuren.

Kazimieras Buga, der die Grundlagen fur die heutige litauische Sprachwissen-schaft geschaffen hat, konzentrierte sich in seinen Forschungen auf die Kontakte der baltischen Volksstamme mit den finnisch-ugrischen und bringt fur mehr als hundert Ortsnamen aus Nord- und Zentral-Lettland (Livland) zwar jeweils eine kurze, aber glaubwurdige ostseefinnische Etymologie. Buss hat ebenso die etwas dilettantisch anmutende Publikation "[phrase omitted]" (1897) von Juri Truusmann (1856-1930) erwahnt und muss zugeben, dass so mancher Vergleich mit dem Estnischen fur Ortsnamen in Lettgallen ge-wisserma[beta]en uberzeugt, wie etwa Piziki (Dorf, Dricani), das Truusmann dem estnischen Adjektiv pisike 'sehr klein' gegenuberstellt.

Bei der Behandlung der Kuren kommt Buss ([phrase omitted] 1987) auf die Monografie von Valentin Kiparsky "Die Kurenfrage" (1939) zu sprechen. Er findet lobende Wor-te fur dessen Grundlichkeit in der Analyse und konsequente Anwendung seiner Methode, ist aber dennoch in keiner Weise von den Schlussfolgerungen Kiparskys hinsichtlich des Charakters des Kurischen und dessen Platz innerhalb der balti-schen Sprachfamilie uberzeugt, als ob die Kuren ein mit Ostseefinnen vermischter rein lettischer Volksstamm seien. Der Grund fur solch eine anfechtbare Auffassung ist nach Einschatzungen von Buss darin zu suchen, dass das von Kiparsky fur die Analyse herangezogene Belegmaterial aus Urkunden des 13.-16. Jahrhunderts stammte, als die kurische Sprache schon im Aussterben begriffen war. Die Unter-suchung war zudem zum Scheitern verurteilt, weil Kiparsky bei der Auswahl des Belegmaterials von den Verwaltungsgrenzen in Kurland ausging, die aber nicht mit den Grenzen des tatsachlichen ethnischen Siedlungsgebiets des kurischen Stammes ubereinstimmten, so dass ein Teil des analysierten Materials genetisch nicht mit den Kuren, sondern mit anderen baltischen Sprachen zusammenhing. Buss ([phrase omitted] 1987) setzt hinter die folgenden von Kiparsky (1939) vorgelegten ostseefinnischen Etymologien ein Fragezeichen: Alsunga (1230 Aliswanges, Aliswangis) < liv. alli 'grun-lich', olaz 'grun' + (livSal) va[eta]ga 'Bachwiese' (Buss: < *Als-vanga, vgl. Als-Topony-me, incl. Hydronyme in Lettland (vor allem in Kurland) und Litauen, lit. alsa 'Er-mudung, Ermattung; schwer atmen, keuchen', alsus 'schwer, ermudend'); Edole [eduo-le] (1230 Edualia) ? < liv. eddi 'Vorderraum, der Raum vor etwas; der Vordere' + liv. val 'Wall, Umzaunung, Ringmauer, Schanze' (Buss: < balt. ed-, vgl. lett. est 'essen, bei[beta]en, knabbern', lit. esti 'essen, verschlingen, bei[beta]en, knabbern', Nebenfluss der Venta in Kurland Eda, Name eines Seeteils in Ignalina, Litauen Edele + balt. Suffix -uol-); Sarnate (1230 Sarnitus), ? vgl. mit estnischer Insel Saarnaki laid, fi. saarni 'Esche', osfi. *sarinaiset 'Inselbewohner' (Buss: vgl. lett. sarni, sarni 'Schmutz, Un-rat', Sarni (Dorf, Zvirgzdene) u. a. + Formant -at-).

Valentin Kiparsky (1939) tendiert zur Annahme, der Ortsname Ugale (liv. Ugal, Kurland) an der Ostseekuste im Verwaltungsgebiet von Ventspils (dt. Windau) ent-springt entweder dem baltischen (vgl. mit dem litauischen Ortsnamen [phrase omitted] [phrase omitted]) oder dem ostseefinnischen Wort (vgl. est. Ugala, lateinisch Ugaunia und die Esten im Sudosten benutzen das Ethonym ugalane 'der eine fremde oder wegen eines Organfehlers die Muttersprache radebriche'). Buss (2003e; 2004a) hingegen legt die uberzeugende Hypothese vor, dass dieser Ortsname mit der baltischen Wort-familie aug/uog-/ug-/ug-/auk-/uk-, vgl. lett. augt 'wachsen', uoga 'Beere', lit. aug-ti' wachsen', ugis 'Wachstum, Gewachs' uglis 'Spross, Gewachs', ugdyti 'aufziehen, zuchten' in Verbindung steht; ganz offensichtlich sind die folgenden Flussnamen aus dem historischen selonischen Gebiet, in der Gegend um Pasvale in Litauen Teil der gleichen etymologischen Familie Uge und Ugele, und somit kann es sich um eine kurisch-selonische Isoglosse handeln.

Das bedeutendste, nach dem Zweiten Weltkrieg in Lettland herausgegebene Werk auf dem Gebiet der Toponymie ist zweifellos das zweibandige, von Janis End-zelins verfasste Ortsnamenworterbuch "Latvijas PSR vietvardi" (A-O, 1956; 1961) und als dessen Fortsetzung die als Gemeinschaftsprojekt erstellten vier Bande von "Latvijas vietvardu vardnica" (P-R, 2003; 2006; 2010; 2013). Bei den darin erfass-ten Ortsnamen wurden kurze Etymologien erganzt, in denen auf ostseefinnische, jedoch sehr oft auf estnische Ortsnamen verwiesen wird. Das Ortsnamenregister des Instituts fur lettische Sprache ist im Vergleich mit den 1940er und 1950er Jah-ren um ein Vielfaches angewachsen (Buss 1989a : 196) und mit Verweis darauf au[beta]ert Buss die Ansicht, der wohl uberwiegende Teil von Ortsnamen ostseefinnischen Ursprungs bedarf einer weit grundlicheren etymologischen Untersuchung. Die al-testen lettischen Ortsnamen diesen Ursprungs sind im Bereich der Hydronyme auf-gedeckt worden und Buss ist uberzeugt, dass deren tiefgrundige Erforschung noch bevorsteht. Einige Beispiele sollen dies belegen: Endzelins hat den Namen des Sees Ilinezers (Stende) in Kurland mit dem Adjektiv est. hiline 'langsam, trage' in Zu-sammenhang gebracht und lenkt die Aufmerksamkeit auf andere, Ilin- beinhal-tende Mikrotoponyme (z. B. Namen von Bauernhofen) in Kurland und Semgallen, womit er die Ursprunglichkeit der Hydronyme anzweifelt und beim Etymologi-sieren eher den folgenden ostseefinnischen Sprachbelegen den Vorzug gibt: liv. ilim 'hohere', vgl. fi. ylin 'obere, am hochsten' (Buss, Balode 2003; 2005).

Antons Breidaks und Valdis Juris Zeps stellten Hydronyme aus Lettgallen in den Mittelpunkt ihrer Forschungen. Breidaks vertritt den Standpunkt, diese Gegend war bis zum 7. Jahrhundert von ostseefinnischen Stammen besiedelt, die sprachlich gesehen den Woten und Ischoren (Ingriern) nahe standen und Tschuden genannt wurden. Diese sollen--wie Breidaks meint--mit einigen ostlich von ihnen leben -den ostseefinnischen Stammen einen wahrscheinlich gemeinsamen ununterbroche-nen Siedlungsraum bevolkert haben, in den auch die spateren Woten einbezogen waren. So vermutet Breidaks im nordlichen und mittleren Teil von Lettgallen um die Funfzig Hydronyme mit einer glaubhaften oder vermutlichen ostseefinnischen Herkunft. Hieraus erwachst die Notwendigkeit fur eine kritische Analyse der Stand-punkte von Breidaks sowie des Materials an Ortsnamen, das als ostseefinnisch ety-mologisiert worden ist. So bringt auch Breidaks den Flussnamen Ica, der ein rechter Nebenfluss der Aiviekste ist, mit den ostseefinnischen Oikonymen wot. Itsa-paiva, fi. Ika-paiva in Zusammenhang, was Buss als Motivation fur ein Hydronym (auf-grund der Semantik) zuruckweist und bei dem Thema eher eine Verbindung zu den ostseefinnischen Appellativen sieht: fi. ies : ikeen, est. ike : ikke wie die lettischen Potamonyme Juga, Jugupe mit dem Appellativ jugs 'Joch' (Buss, Balode 2003; 2005).

3. Das Problem mit Hydronymen ostseefinnischer Herkunft

Ortsnamen mit ostseefinnischer Herkunft in Lettland bezeichnen ganz verschiede-ne geografische Objekte: Flusse, Seen, Wiesen und Weiden, Walder, Sumpfe, Berge und Siedlungen. Bekanntlich sollen Hydronyme glaubwurdige sprachliche Zeugen grauer Vorzeiten sein und somit Sprachmaterial der altesten und stabilsten Ortsnamenschicht verkorpern. Damit lasst sich die Tatsache erklaren, warum in der lettischen Toponymik unter den Ortsnamen mit ostseefinnischer Herkunft gerade die Hydronyme am meisten untersucht wurden. Trotzdem muss man eingestehen, auch in dieser Ortsnamengruppe gibt es reichlich Fragen ohne Antwort. Marta Rudzite hat die Hydronyme in Lettland umfassend inventarisiert. Valdis Juris Zeps und der oben genannte Antons Breidaks haben sich bemuht, vermutlich ostseefinnische Hydronyme in Lettgallen offenzulegen und zu analysieren. Buss teilte in vollem Umfang die Ansicht der baltischen Ortsnamenforscher bezuglich der Hydronyme als die vermutlich alteste und bis heute bewahrte Ortsnamenschicht, musste aber zugeben, dass es trotz der langen Forschungsgeschichte auf diesem Gebiet noch viel Unerforschtes und Fragwurdiges gibt. Buss hat mehrfach mit einer umstrittenen Etymologie fur die Flussnamen Venta (Windau) und Koiva ~ Gauja (Livlandische Aa), Stende [-n-] (Testenden aus dem 13.-16. Jh.) eine mogliche ostseefinnische Herkunft in Erwagung gezogen. Besonders im Fokus stand dabei das Problem des Ursprungs fur den Namen des gro[beta]ten Flusses in Kurland Venta, mit dem er sich uber viele Jahre in mehreren Vortragen und Artikeln auseinandersetzte (Buss 1991; 1994b; 1995; 1996; 2003b; [phrase omitted] 1983; 1990; 2000).

Die Herkunft von Flussnamen mit tautosyllabischer Verbindung innerhalb der Silbe wie -anC-, -enC-, -unC- (u. a. Venta) stellt fur lettische Ortsnamenforscher eine ernst-hafte Herausforderung dar. Tautosyllabische Verbindungen wie -anC-, -enC-, -inC-, -unC- werden bei der Bestimmung der ethnolinguistischen Herkunft im Kontext der lettischen Sprache fur ein Argument mit diagnostischem Wert gehalten. Diese phonetische Besonderheit spricht einerseits sehr deutlich fur das Kurische, konnte ihren Ursprung vielleicht auch im selonischen Dialekt haben, aber andererseits ist auch ein Flussname ostseefinnischer Herkunft nicht ausgeschlossen. Weitere Beweise zugunsten der einen oder anderen Herkunftshypothese durfte eine kritische Untersuchung der Potamonyme liefern, jedoch die reale Forschungsarbeit hat gezeigt, dass bei einer Analyse der Flussnamen die Namen ostseefinnischer Herkunft am kompliziertesten zu identifizieren sind.

Mehr als einhundert Jahre hat die Herkunft des Namens des go[beta]ten Flusses in Kurland Venta [venta], lit. Venta, liv. Vantta (Wenda, Winda, Windaw) im Mittelpunkt sprachwissenschaftlicher Debatten gestanden: ostseefinnisch (August Bielenstein), baltisch (Kazimieras Buga, Janis Endzelins, Aleksandras Vanagas) oder slawisch (Kazimierz Moszynski, Oleg Trubacev). Bielenstein hat als Erklarung fur Venta liv. vent 'strecken, dehnen, spannen, venn 'sich dehnen, strecken', vena 'Sund, breite Flussmundung' angefuhrt. Nach der baltischen Hypothese der o. a. Ortsnamenforscher soll Venta aus dem baltischen Stamm ven- 'biegen, winden, sich beugen, sich winden' + dem Determinat -t- bestehen oder prasentiert es das hypothetische (alt-)kurische Wort, das vom altslawischen [phrase omitted] 'gro[beta]' (Endzelins) abzuleiten ware.

Die Kuren und die Liven waren in Kurland unmittelbare Nachbarn. Im 13. Jahrhundert verlief die nordliche Grenze zwischen ihnen etwa auf der Linie Ventspils, Talsi und Tukums, die ostliche Grenze jedoch entlang des Flusses Venta. Uber die kurische Sprache existieren keine Schriftquellen, alle Sprachangaben wurden auf indirektem Wege erschlossen, so wurde beispielsweise nach kurischem Substrat in anderen baltischen Sprachen gesucht. Die wichtigste Quelle fur die Identifizierung kurischen Substrats ist die Toponymie, vor allem die Hydronyme. Deren Herauskristallisierung bietet die Moglichkeit einige kurische Appellative hypothetisch zu rekonstruieren. Buss hat mehrfach darauf verwiesen, dass die Monografie von Valentin Kiparsky "Die Kurenfrage" (1939) zwar fast umfassend ist, jedoch die Tatsache der Orientierung auf enge historisch-politische Grenzen fuhrt zu einer Reihe von Schlussfolgerungen uber die zu diskutieren ware. Das ethnolinguistische Gebiet der Kuren war merklich umfangreicher, so dass das zu untersuchende Gebiet, vor allem in nordlicher Richtung auszudehnen ist. Gestutzt auf phonetisch-morphologische Kriterien kann nicht eine der vorgestellten Hypothesen ausgeschlossen werden. Um den linguistisch-geografischen Charakter von Hydronymen mit tautosyllabischen Verbindungen verdeutlichen zu konnen, muss man entlehnte Hydronyme, d. h. ostseefinnische, slawische, germanische oder auch noch jungerer Herkunft, isolieren (Buss 1991). Er meint, hierfur musse man zusatzliche Argumente heranziehen, d. h. den Charakter des hydronymischen Kontextes, der bei der Hydrosphare der Venta eine Dominanz baltischen Ursprungs erkennen lasst. Der Fluss entspringt dem litauischen Fluss Venys; deshalb ist es nicht ausgeschlossen, es handelt sich um ein genetisch verbundenes Hydronymenpaar. Die Venta hat etwa 30 Nebenflusse (9 in Litauen, die restlichen in Lettland), deren Namen uberwiegend zweifelsfrei baltischer Herkunft sind: 12 ostbaltisch, 7 vermutlich westbaltisch, 10 gemeinbaltisch und 1 entweder baltisch oder ostseefinnisch und zwar der Nebenfluss Eda [eda] ~ Edus [edus], den man, wie Buss meint, semantisch mit dem livischen Verb e'de 'sich kleiden' vergleichen konnte, vgl. est. ehtima 'sich schmucken' (Buss 1994a : 14-15; [phrase omitted] 1983; 1990 : 53-56).

Buss zufolge sei eine baltische Etymologie fur Venta weitaus glaubhafter, doch ungeachtet aller Gegenargumente sollte man die Hypothese einer ostseefinnischen Herkunft nicht aus dem Blick verlieren, denn die Baltologen haben bisher den toponymischen Hintergrund von Venta im Areal der ostseefinnischen Sprachen, besonders in Finnland und Estland, noch nicht im Bewusstsein wahrgenommen. Buss hat uberzeugend gezeigt, dass eine gemeinsame Betrachtung und Analyse von moglichen baltischen und ostseefinnischen Namen unvermeidliche Phasen bei der Erforschung der Herkunft lettischer Hydronyme mit tautosyllabischen Verbindungen sind. Unter Einbeziehung zusatzlichen Materials hat Buss immer wieder neue Argumente vorgebracht, die eine ostseefinnische Herkunft von Venta untermauern. In Buss 1995 und 1996 schlie[beta]t er sich zwar dem Standpunkt von Vanagas an, d. h. eine baltische Herkunft von Venta ist fast unumsto[beta]lich, gibt jedoch zu bedenken, dass ostseefinnische Angaben unbedingt zu analysieren sind, denn ganz gleich wie uberzeugend indoeuropaische Etymologien auch sein mogen, sollte man die Suche nach Etymologien ostseefinnischer Richtung a priori nicht au[beta]er Acht lassen. Buss gelangte zu der Ansicht, dass die ostseefinnische Hypothese von Venta dabei hilft, das Vergleichen mit allerlei semantischen Verzweigungen des Hydronyms am Leben zu erhalten und diese ebenso stutzt. Hierfur bietet sich das topoderivative, besonders Hydronyme motivierende finnische Appellativ vento 'langsam, friedlich, tief; nass, feucht (Oberflache, Sumpf; langsam flie[beta]end (Wasser, Fluss, Flussgrund)' in ester Linie an, welches Julius Magiste und nach ihm Max Vasmer bei der Erlauterung zur Herkunft des Oikonyms und Hydronyms Vjatka ([phrase omitted]) herangezogen haben, wie auch Vent-stammige finnische Hydronyme (ca. 160 an der Zahl): Ventojoki (2), Ventoneva, Ventolampi (2), Ventosuo (4), Vennonjoki, Vennonlahde, Vennonlampi (2), Vennonsuo, vielleicht sogar Vennoja (Bach). Bemerkenswert ist, dass es Ortsnamen mit Vent- auch im Norden Lettlands gibt, was wiederum die Wahrscheinlichkeit einer ostseefinnischen Herkunft bekraftigt (Buss 1994b : 22-28; 1996; [phrase omitted] 2000).

Buss hat samtliche lettische Flussnamen unter die Lupe genommen und gelangt zu dem Schluss, die Konzentration von Namen mit tautosyllabischen Verbindungen ist im Norden von Kurland am gro[beta]ten, was er uberzeugend mit der Tatsache erklart, dass in dieser Gegend bei der Namenvergabe sowohl Balten (Kuren) als auch Finnougrier (Ostseefinnen) ihren Beitrag geleistet haben.

Zur Herkunft des Namen des langsten, durch Kurland flie[beta]enden lettischen Flusses Gauja [gauja], est. Koiva (auch Kuiva; 1212 und spater Coiwa, Coiwenmunde) existieren mehr als zehn Hypothesen, die sowohl auf ostseefinnischem wie auch baltischem Material basieren. Flusse mit dem Namen Gauja kennt man in Litauen und Wei[beta]russland (Gauja, [phrase omitted], ein rechter Nebenfluss des Nemunas). Buss (1980; 1994a : 18; Balode, Buss 2015 : 103-105) hat in diesen Abhandlungen eine baltische Herkunft in den Vordergrund geruckt, indem er--auch in Anlehnung an fruhere Forscher--auf einen moglichen Zusammenhang mit einigen baltischen Wortfamilien hinwies: 1. ursprungliche Bedeutung 'Fluss, Wasser', vgl. lett. dial. gauja 'Schar, Trupp, Viehherde', lit. gauja '(Vieh-)Herde, Schwarm' und gleichzeitig anmerkte, dies bedeutete ursprunglich einfach nur 'Wasser, Fluss'; diese Erklarung, so Buss, sei eine Stutze fur die vermutliche Analogie etymologisch mit dem russischen Appellativpaar pou 'Schwarm von Kriebelmucken, Bienenschwarm u. a.' und peka 'Fluss' verbunden zu sein; 2. ursprungliche Bedeutung 'stimmgewaltig, klingender Fluss', vgl. lett. gausties 'klagen, jammern, wimmern', gavilet 'rufen', dial. gaura 'Geschwatz, Tratsch', ieur *gou- 'schreien, jubeln u. a.'; 3. ursprungliche Bedeutung 'schnellflie[beta]ender Fluss', vgl. lett. gut 'erhalten, erreichen', gaut 'erhalten, erreichen, aneignen, ergreifen', gauties 'ergreifen, erhaschen', lit. guvus 'schnell, flink'. Als Kompromissvorschlag brachte Buss noch die Hypothese, Gauja und Koiva seien parallelentstandene Namen fur ein Hydroobjekt (Balode, Buss 2015b : 103-105). Das ist ein Standpunkt, der Berucksichtigung finden sollte, denn er geht in die gleiche Richtung oder deckt sich mit der Ansicht von Kazimieras Buga, der diesen lettischen Flussnamen fur einen mit lettgallischen Stammen einhergegangenen Transplantatnamen hielt. Uber die Herkunft von Gauja hat man in der diesbezuglichen Literatur auch noch andere Ansichten geau[beta]ert.

Paun- enthaltende Namen, von denen es ungefahr 45 in Lettland gibt, sollen Buss zufolge (Buss 1989a; 1998a; [phrase omitted] 2005; [phrase omitted] 2000) uberwiegend baltischer Herkunft sein, jedoch einige Hydronyme, u. a. Paunupis ~ Paunupis (Fluss, Livland, lett. Vidzeme, Druviena), sind aufgrund ihrer sog. hydronymen Semantik ganz offensichtlich ostseefinnischen (anscheinend estnischen) Ursprungs, wovon folgende Belege Zeugnis ablegen: est. paun 'Wasserloch (zum Flachsrosten), niedriger, sumpfiger Heuschlag, joepaunad 'niedrige Stellen am Flussufer, welche sich bei Hochwasser fullen', fi. pauna 'mit Wasser gefullte Grube, Pfutze, Teich', pauni 'breite Stelle im Fluss', paunama 'tiefere Stelle im Feld oder im Heuschlag', schriftspr. pounikko 'ein von Humpeln bedeckter Ort im Sumpf. Buss (1989a : 198-199) vermutet au[beta]erdem, einige, im historischen Livland vorkommende Namen mit Paunsind estnischer Herkunft: Liela Pauna und Maza Pauna (Walder, Vecpiebalga), Pauna (Feld, Evele), Paunkalns (Berg, Vilkene).

Buss (2006c : 121-129) hat mit Nachdruck die Meinung vertreten, lettische Hydro nyme ostseefinnischer Herkunft seien--trotz der vorliegenden Forschungsergebnisse

-- noch lange nicht ausreichend erforscht. Im Laufe weiterer Untersuchungen sei es dringend erforderlich einen umfassenden Uberblick uber bisher Erreichtes zu erstellen und davon ausgehend alles systematisch zu analysieren.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Laimute Balode hat Buss (Balode, Buss 2007) aus dem ersten Teil des Alphabets (A-Ko) 32 Namen lettischer Gewasser (Namen von Flussen, Bachen, Seen und auch Sumpfen) ausfuhrlich beleuchtet, bei denen in der bisher erschienenen Literatur von einer sehr bzw. fast sicheren Herkunft aus dem Ostseefinnischen gesprochen wurde. Das Verzeichnis enthalt Hydronyme aus allen historischen und ethnografischen Gebieten Lettlands, vor allem aber aus Livland. Dazu gehoren: Aga u. a. (Fluss, Kurland), Age (Fluss, See, Livland) und Ages strauts (Bach, Livland), Ainass (Lettgallen), Ang-valks (Bach, Kurland), Aninupe (Livland) und Anupe (Fluss, Kurland), Astervs (See, Livland), Auneja (Fluss/See, Livland, Lettgallen), Apes upe und Apezers (Fluss, See, Kurland), Emeru valks (Bach, Kurland), Ergeme (Fluss, Livland), Ica (Fluss, Lettgallen), Ikuldas ezers (See, Livland), Ilin-ezers (See, Kurland), Illu upe u. a. (Fluss, Kurland), Ilmade und Ilmatu strauts (Fluss, Bach, Kurland), Iviks ~ Iviks, Ivika purs ~ Ivika purs (zugewachsener See, Sumpf, Livland), Jerkules ezers (See, Livland), Jogla (Fluss, Livland), Jugla (Fluss, Livland, Semgallen) und Juglas ezers (See, Livland), Juldurga ~ Juldruga (Fluss, Livland), Jumala ~ Jumalas ezers (See, Livland), Jumalda (Livland), Jumara (Fluss, Livland), Jumurdas ezers (See, Livland), Juveris (See, Livland), Judazu ezers, upe (See, Fluss, Livland), Kaibalina, Kaibara (Fluss, Livland), Kaiva ezerenc (kleiner See, Lettgallen) und Kaives ezers (See, Livland), Kalekaura ~ Kalakaura ezers (See, Livland), Kangarezers (See, Livland), Kanieres upele (kleiner Fluss, Kurland) und Kaniera ezers (See, Kurland), Kodaja ezers und purvs (See und Sumpf, Livland).

Die von Bielenstein, Buga, Endzelins, Kiparsky, Zemzare, Rudzite, Breidaks, Zeps oder anderen Sprachwissenschaftlern dargebotenen lettischen Namen werden im Wesentlichen mit estnischen und livischen, seltener mit finnischen Appellativen, in manchen Fallen auch mit estnischen und finnischen Ortsnamen verglichen. Buss und Balode haben die Stichhaltigkeit von proponierten Etymologien kritisch uberpruft. Fur die Namen Ica und Ilin-ezers haben diese Autoren-wie oben erwahnt

-- alternative ostseefinnische Etymologien vorgelegt. Lettische Namenforscher haben den in Lejasciems (Leivu-Sprachinsel) aufgezeichneten See- und Sumpfnamen Iviks ~ Iviks mit dem estnischen Substantiv ivike 'Korn, Kornchen, Samenkorn, Beere' und dem Adjektiv ivikas 'kornig, kornreich' verglichen, jedoch ware fur diesen Namen eher das sudestnische Wort johvik 'Rauschbeere (Vaccinium uliginosum)' ein mehr uberzeugender appellativer Motivgeber, das im grenznahen Sprachgebrauch von Hargla (wo es viel ubereinstimmende Lexik mit dem Leivu-Dialekt gibt) in der phonetischen Form jeviGu? Pl. vorkommt; eine noch bessere Vergleichsbasis ware est. johvik( hein) 'Seggen (Carex)', vgl. mit Mulgi-Dialekt joovik/ein, johvik/ein

(EMS 246) ? 'Schwingel (Festuca)' und Tartu-Dialekt johvik/ain (EMS 245) 'ein am Sumpf rand wachsendes rauhes Gras'. Der erste Bestandteil Juv- des Seenamens Juveris (befindet sich in der Gegend um Vecpiebalga in Livland) lasst sich mit dem estnischen Dialektwort juva Korn' oder dem livischen Wort juva 'gut' + -eris (< osfi. jarvi) in Zusammenhang bringen, geeigneter fur einen derartigen Vergleich ware jedoch der in Estland bei Rouge gelegene See mit dem Namen Uvvarjarv.

Wie kompliziert sich die Identifizierung von Hydronymen mit ostseefinnischer Herkunft gestalten kann, hat Buss (2015b; Buss, Silina-Pinke 2015) am Beispiel von vereinzelt an verschiedenen Stellen in Lettland auftauchenden Sav-stammigen Hydronymen demonstriert, wie folgende Belege zeigen: Savite (ca. 1680-1685 Sawe ups, Fluss) und Savites ezers (ca 1680-1685 Sawitz Lacus, See) in Mittel-Lettland (Berzaune, Kalsnava), Saviena (Fluss, Zeltini) und Savinu upe (Jaunroze) in NordLettland. Sav-stammige Hydronyme finden in ganz Europa Verbreitung und fur einen Vergleich mit diesen hat man u. a. den protoindoeuropaischen Stamm *seu'nass; tropfen, flie[beta]en', *souos 'Nasse, Flussigkeit' herangezogen. Die Frage, ob die hier dargebotenen lettischen Hydronyme eine Schicht der alteuropaischen Hydronymie verkorpern oder dem ostseefinnischen Appellativ savi 'Lehm' gegenubergestellt werden sollten, kann--wie auch Buss meint--nicht eindeutig beantwortet werden. Fur eine ostseefinnische Herkunft spricht die Tatsache, dass Savite in einem Gebiet aufgezeichnet wurde, in dem man auch andere ostseefinnische Ortsnamen kennt; der Fluss Saviena befindet sich in der in Sud-Estland gelegenen Leivu-Sprachinsel und Savinu upe in Jaunroze an der Grenze Estlands. Das Wort savi 'Lehm' konnte durchaus ein geeigneter Motivgeber fur Gewasser sein und Lehmflusse mit dem Appellativ osfi. savi 'Lehm' und lett. mals sowie lit. molis id., die mit (Orts-)Namen von Gewassern u. a. verbunden sind, finden sich reichlich: Finnland Savijoki (Fluss), Estland Savioja (Bach), Litauen Molupis (Fluss), Lettland Mal upe und Malinupite (Fluss). Marta Rudzite hat bereits fruher fur mehrere Sav-stammige lettische Flussnamen eine ostseefinnische Ursprungshypothese vorgelegt.

4. Siedlungsnamen ostseefinnischer Herkunft unter der Lupe

Valka und Valga. Interessant ist hierzu die Entwicklung der Standpunkte von Buss zu verfolgen: Valka [valka] ~ Valga (1286 Walko, 1345 Walken, auch: 1369 Podel usw.); s. Buss 1985; 1989b; 1994a : 18; 2004b; 2007a; Balode, Buss 2015 : 238-240. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren lettische Stamme (vor allem die Lettgallen) auf einer breiten Front in Sud-Estland in unmittelbarer Nachbarschaft des sudestnischen Sprachgebiets angelangt. Seitdem verlauft die heutige ethnische Grenze zwischen Esten und Letten im Wesentlichen auf dieser Linie, obwohl es eine gewisse Verschiebung von lettischen Siedlungen in Richtung Norden bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegeben hat. Die Stadte Valka-Valga liegen an den Flussen Pedeli und Gauja (Koiva), uber die der Handel durch den Peipussee mit der russischen Stadt Pleskau (Pskow) sowie in die andere Richtung entlang der Gauja mit Riga abgewickelt wurde. Auf der Linie Ergeme--Valga--Hargla verlauft eine Wasserscheide, sudlich und westlich davon flie[beta]t das Wasser uber die Gauja oder die Seda in den See Burtniek, jedoch das nach Norden und Osten abflie[beta]ende Wasser gelangt uber den Fluss Pedeli in den Kleinen Embach (Vaike-Emajogi).

In grauer Vorzeit hat es vermutlich uber Valga zwischen den Flussen Pedeli und Gauja einen Weg gegeben, uber den Boote auf dem Trockenen geschleppt wurden und damit konnte der Name Valga zusammenhangen, wenn man in Anlehnung an Max Vasmer bei der etymologischen Ausleuchtung einen baltisch-slawischen Sprachkontext zugrundelegen wurde: lett. *valks ~ *valka 'Weg auf dem Boote ubers Land geschleppt werden', valkat 'hin und her transportieren, ziehen, schleppen', vilkt 'ziehen, transportieren', russ. [phrase omitted]'Landenge zwischen Flussen, auf der Boote von dem einen in den anderen Fluss geschleppt wurden'. Buss hat hinsichtlich dieser Deutung Zweifel angemeldet, diese sogar in Frage gestellt (jedoch nicht vollkommen ausgeschlossen), denn es mangelt an archaologischem und dokumentalem Belegmaterial fur die einstige Existenz eines solchen Weges, andererseits gibt es in der lettischen Sprache nicht das Appellativ valks ~ *valka 'Weg uber den Boote geschleppt wurden', weswegen man eine Einbeziehung von Lexik, die baltische Appellative anderen Inhalts umfasst, wie etwa lett. valgs 'feucht, wassrig, tiefe (Stelle)', ? valks 'Waldbachlein, feuchte Stelle; Zugwind usw.', valka 'Bach', valgans 'feucht', vgl. russ. [phrase omitted] 'Feuchtigkeit, Wasser, Flussigkeit') in Erwagung ziehen musste.

Einen Ort bezeichnende Namen mit Valk- gibt es in Lettland ungefahr 830, davon 815 in Kurland, mehr als 20 sind Namen von Waldern; valks ~ valka sind in Kurland festgehaltene Lokalismen, vielleicht auch altkurische Worter, die zusammen mit dem Sprachgebrauch spaterer kurlandischer Einwanderer ins nordwestliche Lettland eingedrungen sind (35-40 km sudlich von Valga gibt es einen Wald namens Zala valka, dessen paralleler Name die dem Kurischen ahnelnde Phonemstruktur Rencele hat) oder der Zeugnis von einstigen ethnolinguistischen Verbindungen zwischen Kurland und dem nordwestlichen Livland ablegt. Nach Buss konnte die ursprungliche motivierende Semantik von Valka 'niedrig, feuchte Stelle' sein, was fur vorzeitliche Ortsnamen sehr typisch ist, zumal die Beziehung des Menschen zur Landschaft eng und direkt war, was in der Beschreibung des Charakters der Landschaft seinen Ausdruck fand. Alle anderen, in Forschungen von Buss festgehaltenen Standpunkte haben eindeutig gezeigt, Lexik mit der Semantik 'feucht, niedrige Stelle, Wasser' ist ein uberzeugender Motivgeber fur Ortsnamen und war au[beta]erst aktiv an der Bildung von Ortsnamen beteiligt. Eine ostseefinnische Herkunft wird von Buss dennoch nicht ausgeschlossen, indem er zugibt, beiden Erklarungen konnte man gleichwertig Glauben schenken (osfi. *valk-, vgl. est. valge u. a.) (Buss 1994a; 2004b; 2007a). Er betont, je alter das Oikonym Valka ist, umso wahrscheinlicher erscheint dessen ostseefinnische Herkunft zu sein (1985; Balode, Buss 2015 : 239-240), wirft aber gleichzeitig die intrigierende Frage auf: Mit welcher Wahrscheinlichkeit soll der altere Name - und zwar Pedele (auch Podeli) des ostseefinnische Herkunft besitzenden Valga auch ostseefinnischer Herkunft sein? Falls es denn so ist, warum hatten dann die Ostseefinnen diesen gegen Valga eintauschen sollen? (Balode, Buss 2015 : 240).

Vilaka ist der Name einer Stadt und eines Sees im Nordosten Lettgallens. Buss meint (2015a) der Seename sei vermutlich primar und setzt diesen mit dem estnischen Adjektiv viljakas 'fruchtbar, ergiebig' in Verbindung; eine derartige Etymologie findet in dem estnischen See- und Stadtnamen Viljandi Unterstutzung Da dieser aber einhellig fur den Personennamen Viljan Andin gehalten wird oder eine nd-Ableitung vom Wort vili : vilja 'Korn, Getreide' ist, die in vielen althergebrachten Personennamen auftaucht, sollte man vielleicht auch bei Vilaka aus Lettgallen (in lettgallischer Form Vileks) den Hintergrund in einem Personennamen sehen, wie z. B. in den im Norden Russlands aufgezeichneten altertumlichen Namen [phrase omitted] und [phrase omitted] (Vaba 2016 : 570).

Der zweite Wortteil -kule von lettischen Ortsnamen deutet gewohnlich auf ostseefinnische Herkunft hin (osfi. *kula: liv. kula, kila, est. kula 'Dorf'), aber nicht immer, wie die etymologische Analyse des Ortsnamens Priekule (Kurland) und Priekuli (Livland) erweist (Buss 2015a).

5. Phoneme und Phonemverbindungen als eventuelle Indikatoren fur eine ostseefinnische Herkunft

In mehreren Forschungen hat Buss auf die Vokale o und o (Balode, Buss 1999 : 217-218) und den Diphthong ui (Balode, Buss 2009a; 2009b) hingewiesen, die bei der Herauskristallisierung einer ostseefinnischen Herkunft von lettischen Ortsnamen diagnostischen Wert besitzen.

Im eigenen lettischen Wortschatz sind die Vokale o und o lediglich in der Dialektsprache vertreten, wo sie sich aus einem anderen Phonem gebildet haben oder auf dem Wege der Entlehnung gelangt sind. Der uberwiegende Teil der o-Appellative reprasentiert sich im Lettischen in der onomatopoetischen und deskriptiven Lexik ostseefinnischen Ursprungs, die besonders reichhaltig in der Dialektsprache Nord-Lettlands vorkommt. Was Ortsnamen mit o-, vor allem Bauernhofnamen und Mikrotoponyme anbetrifft, so sto[beta]t man in Lettland neben ostseefinnischen Namen auf relativ junge Namen deutscher, russischer, wei[beta]russischer und polnischer Herkunft. Diese Tatsache sollte man bei der Klarung der Herkunft des Namenwortschatzes besonders im Blick haben. Aus dem Ostseefinnischen herruhrende Ortsnamen mit o- und o- sowie mit uo- lassen sich aus Livland und Kurland anfuhren. Dazu einige Belege: in Livland Lorupe [o ~ o ~ uo] (Fluss, Sigulda), vgl. fi. lorina 'Geriesel; Sprudeln, Gemurmel'; Jogla [o] (Nebenfluss des Salis, lett. Salaca); Oja (Bauernhof, Ainazi), vgl. est. oja 'kleiner Bach, Pfutze'; Oltus kruogus (Kneipe, Vitrupe), ? vgl. est. Olti; Olla (Bauernhof, Rujiena), ? vgl. est. Oljo (Dorf) oder Olli (Dorf, Bauernhof); Oma (Bauernhof, Geri), ? vgl. est. oma 'eigen'; Koskele (dt. Koskull) [uo] (Bauernhof, Burtnieki), vgl. liv. kuosk, kuosk 'gro[beta]es Stuck abgeschal ter Tannenrinde zum Dachdecken'; Kurland Lorsupe [o] (Fluss, Sarkanmuiza); Loremupe [o] (Dundaga); Nokviga [o] (Tal, Dundaga). In dieser Untersuchung muss jedoch die fehlerhafte Ansicht, als ob fi. uo, nicht o die alteste Entwicklungsstufe dieses ostseefinnischen Vokals ware, bemangelt werden (s. Lehtinen 2007 : 109-110).

Der Diphthong ui (und seine Fortsetzung als uj) ist im eigenen Wortschatz des Lettischen selten vertreten und deswegen haben Worter mit ui- oft eine affektive Bedeutung oder gehen auf Entlehnung zuruck. Der Weg der Ubernahme gilt auch in Bezug auf Ortsnamen, so dass es solche ostseefinnischer Herkunft mit ui- in allen historischen und ethnografischen Gegenden Lettlands gibt, wie etwa in Lettgallen Puidas atvars (auf dem Grund des Flusses Ica, Tilza) und Puides (Bauernhof, Tilza), vgl. est. Puide (Dorf); Pujati (Dorf, Makaseni), Pujatu ezers (See, Nautreni), vgl. est. Puiatu (Dorf); in Livland Puidu raida plava (Wiese, Aloja), vgl. est. Puide (Dorf); Puigge (1835, Bauernhof, Dzirciems), vgl. est. Puiga (Dorf), Puikule ~ Puikule ~ Puikele (Dorf, Gutshof Aloja), Puikulis (See, Mazsalaca), Puikeles gals (Wald, Pociems), Puikeles purvs (Sumpf, Vilzeni), ? vgl. est. puu + kula; Puikas (Bauernhof, Ikskile u. a.), vgl. puikis 'Knabe', puikelis 'Junge, Knabe' < osfi.; Puisezers (See, Dzirciems), vgl. puisis 'Knabe, Junge, Junggeselle; (unverheirateter) Knecht oder verheirateter Deputatknecht, dessen Frau keine Dienste mitubernommen hat' < liv. pois 'Junge, Bube; Knecht'; in Semgallen Puidas (Bauernhof, Suseja), Puide (Bauernhof, Garsene), vgl. est. Puide (Dorf); in Selija, Puige (Bauernhof, Lielauce), vgl. est. Puiga (Dorf); in Kurland Puijas (Bauernhof, Zvarde), Puiji (Bauernhof, Piltene), vgl. lett. puijat 'zu sehr gebrauchen, schinden, vernichten, zerstoren, verwusten; verjagen, auseinanderjagen' < liv. pu'jj(e) 'verschwenden, aufzehren, aufbrauchen', Pujati (Bauernhof, Kuldiga), Pujati (Bauernhof, Planica), vgl. est. Puiatu (Dorf), Puigele (Wiese, Padure), vgl. puigelis 'Junge' < osfi.

Buss vermutet dass die Lautfolge -id in den Ortsnamen Puidas atvars, Puides u. a., ebenso Ahwaid (zu diesem Ortsnamen s. weiter unten) auf den estnischen Partitiv Plural verweisen (vgl. est. puid), jedoch ware es eher zu erwarten, bei estnischen Ortsnamen als Basiskasus vom Genitiv Singular oder Plural auszugehen (Pall 1977 : 67), und ein Zusammenhang dieser Namen mit den Appellativen puu 'Baum' resp. (h)aab : (h)aava 'Espe' sei ausgeschlossen. Aber eindeutig wurde bei den in der gleichen Forschung (Balode, Buss 2009b : 20) erwahnten Puna ca purs (Sumpf, im livlandischen Lejasciems) und Punacu kolli (Berge in der gleichen Gegend) vom sudestnischen Genitiv Singular (punane :) punatse 'rot' ausgegangen.

6. Darf das lettische Ortsnamenverzeichnis eine mogliche Quelle fur eine authentische livische Sprache sein?

Die Vorstellung von der livischen Sprache Livlands basiert auf dem von den Salis-Liven hinterlassenen Schriftgut. Einige livisch sprechende Familien lebten noch in der 2. Halfte des 19. Jahrhunderts--vielleicht auch noch etwas spater--am Fluss Salis (Salaca). Anderswo in Livland war das Livische wesentlich fruher ausgestorben und es bestand nicht die Moglichkeit dieses zu bewahren. Salis-Livisch ist das einzige fragmentarische Sprachmaterial hinsichtlich des in Livland gesprochenen Livisch und deshalb die unmittelbarste Quelle fur Vorstellungen, welche Gestalt die Sprache des einstigen Livlands und somit indirekt auch die Sprache der Liven an der Gauja und Daugava haben konnte. Wertvolle Erganzungen konnte eine tiefgrundige Analyse von Ortsnamen ostseefinnischer Herkunft an der Gauja und Daugava verglichen mit Namen aus anderen livlandischen Gegenden liefern, womit es dann gelingen konnte, neue Appellative, Ableitungssuffixe u. a. aus dem Livischen von Livland zu entdecken, indem von den realen, in der mundlichen Tradition uberlieferten Ortsnamen auszugehen ware, mit Blick auf mogliche Gesetzma[beta]igkeiten bei Phonemanderung und Phonemaustausch sowie unter Berucksichtigung der Tatsache, Ortsnamen stellen den Friedhof der Appellative dar.

Buss hatte die Auffassung, einige althergebrachte Ortsnamen aus der Gegend um Turaida, die bisher in Abhandlungen fur baltisch gehalten wurden, seien vielleicht doch ostseefinnisch. Sichere Anwarter auf eine derartige etymologische Umbewertung sind ihm zufolge das livische Dorf Laugule, welches er als Ortsnamenkompositum rekonstruiert *Laug + cule und mit dem estnischen Ortsnamen Laugisoo (Sumpf und Heuwiese) verglichen hat. Das wesentliche Zentrum der livlandischen Liven war vor der Landnahme der Ort Turaida (in alten Urkunden: Thoreida, Thoreyda, Threide u. a., dt. Treiden). Zur Erforschung der historischen Ortsnamen aus der Gegend um Turaida haben zahlreiche Ortsnamenforscher und Historiker ihren Beitrag geleistet. Buss hat dabei hervorgehoben, dass die Erlauterungen diesbezuglicher Ortsnamen in vielem doch sehr hypothetisch anmuten und damit eine weitere eingehender Erforschung und Prazisierung notwendig sind. Das gilt in ester Linie fur den zentralen Namen der Gegend Turaida. Buss war der Meinung (Buss, Beitina 1999a; 1999b; 1999c; Bym 2000), die am meisten Erfolg versprechende Richtung auf der Suche nach einer motivierenden Bedeutung fur den ersten Teil des Ortsnamens Tur- ist als Arbeitshypothese einen Bezug zum finnischen Ortsnamen Turaund zum Landschaftsnamen tura 'nass, sumpfige Stelle; Feuchtgebiet am Seeufer, wo Sumpfgras wachst', tura(s) 'Laichplatz der Fische' herzustellen. Der zweite Bestandteil -aid(a) von Turaida entspricht phonetisch gesehen dem osfi. aita, dessen mit Ortsnamen in Zusammenhang stehende Bedeutungen wie folgt lauten: 'eingezauntes Feld; kleiner Wald, wo Haustiere weiden; mit Zaun umgebenes Feld, um dieses vor Waldtieren zu schutzen, die frei im Wald weiden'. Somit konnte Turaida ursprunglich bedeutet haben: 'an niedriger Stelle befindliches, mit Zaun umgebenes Feld'. Trotzdem gibt Buss zu bedenken, fur den ersten Teil des Ortsnamens fehlt es noch an einer semantisch glaubhaften Erklarung. Althergebrachte Ortsnamen aus der Gegend um Turaida legen eindeutig davon Zeugnis ab, die livische Sprache ist in dieser Gegend im 12.-13. Jahrhundert vorherrschend gewesen und so konstatiert auch Buss.

Pepitis ~ Pepisezers ist ein kleiner See im historischen Livland bei Umurgas im Landkreis Limbazi, den Buss (1989a : 200-201) in Anlehnung an die von Marta Rudzite vorgelegte Etymologie mit dem estnischen Wort popp 'Ferkel' in Verbindung bringen mochte. Um dieser Erklarung Nachdruck zu verleihen, fuhrt er Seenamen gleichen Inhalts aus Lettland und Litauen an, wie etwa Sivenins (See, Vidzeme Madona), vgl. lett. sivens 'Ferkel'.

Die lettischen Onomatologen sind sich dessen bewusst, dass eine Vielzahl von bisher noch unerforschten ostseefinnischen Ortsnamen vor allem unter den Namen fur Bauernhofe zu finden ist. Buss hat wiederholt in seinen Untersuchungen darauf hingewiesen, wie wichtig eine Analyse solcher Namen aus der Sicht der Geschichte Lettlands und der Genese der lettischen Sprache ist. In Buss 2007b wurden Namen von Bauernhofen unter die Lupe genommen, die in aus den Jahren 1824-1825 stammenden Urkunden zur Familiennamenvergabe in der Verwaltungseinheit Pargauja in der Gegend um Straupe (einst Gemeinde Lielstraupe und Mazstraupe) verzeichnet waren. Er kristallisiert mindestens sieben der dortigen Bauernhofnamen heraus, deren Etymon mit (sud-)estnischem Sprachmaterial verbunden ist und schlussfolgert, Straupe war im Mittelalter eine wohl estnische Siedlung oder die in dieser Gegend gesprochene livische Sprache hatte mehr Gemeinsamkeiten mit sudestnischen Dialekten als mit dem salis-livischen Idiom. Die Namen der Bauernhofe sind: Ahwaid (spater Avaidas, Avaidi), vgl. est. hav : haava, haab : haava 'Espe', die gleiche Etymologie steht im Zusammenhang mit dem Bauernhofnamen aus Krimulda Abaidi; Immak (spater Imakas), hierzu gehort auch der Bauernhofname aus Limbazi (dt. Lemsal) Imaka ~ Imaks und das Heuland aus Ledurga Imaka plava, vgl. est. dial. immak ~ immak 'Stiefmutter'; Kaselaur, ? vgl. kask : kase 'Birke' + Laur (Anthroponym); Kuike, vgl. estS kuik 'Schwan', gleichen Ursprung kann auch der Name des Bauernhofes aus Pope im nordlichen Kurland sein: Kuikas; Purkat (Ersterwahnung 1638; spater Purkatas), vgl. est. dial. (D = Insel Dago, Buss hat dies irrtumlicherweise als d = dorptestnisch gedeutet) purk : purgi 'Klotzchen, Holzstuck' oder Purka (Manner-, Hundename); Ucxhull [U-?] (1922 Ikskile, Ikskule), ? vgl. uks 'Tur' + ulu 'Vordach, uberhangender Rand des Daches, Abschauer' oder est. Hull (Personenname); Kinge (Ersterwahnung 1638; spater Kingas), vgl. kink : kingu 'Hugel', kink : kingi ~ kingu 'Schenk', ? kink : kingi Geschenk' oder king : kinga 'Schuh'. Buss hat betont, dass man der Toponymik des historisch von Liven besiedelten Nord-Kurland mehr Aufmerksamkeit als bisher widmen sollte und verweist (s. Buss 2014) auf das Werk uber kurlandische Ortsnamen des lettischen Onomatologen Juris Plakis "Latvijas vietu vardi un latviesu pavardi. I. dala. Kurzemes vardi" (1936), das auch Namen livischer Herkunft enthalt und somit fur eine authentische Sammlung livischen Sprachmaterials erganzende Angaben zur Verfugung stellt.

7. Ortsnamen als Spur fur einstige estnische Siedlungen

Der Ostteil des heutigen Lettland ist historisch von Sudesten besiedelt gewesen, die vor mehreren Generationen lettisiert worden sind, jedoch dazu fehlte es den Forschern sowohl an geschichtlichen Tatsachen als auch an sprachlichem Material. Die Gruppe der Leivu und Lutsi gelten als die einzigen in Lettland ansassig gewesenen Alt-Esten, von denen systematisch Sprachmaterial zusammengetragen wurde. Erganzende Angaben durfte die Erforschung der Ortsnamen liefern. Buss (2005; 2006c) begann sich einen Uberblick uber die Ortsnamen in den dortigen Gemeinden zu verschaffen und wandte sich dem Etymologisieren zu, wobei zu erfahren war, dass dort in nicht allzu ferner Zeit noch Esten lebten und Estnisch sprachen und wo man vom Vorhandensein ostseefinnischen toponymischen Adstrats (darunter die Sprachinseln der Lutsi und Leivu) wusste, um die bisherigen Etymologisierungen von estnischen Ortsnamen aus dieser Gegend zu sammeln und zu systematisieren.

Die in dieser Hinsicht am wenigsten erforschte Gegend ist derzeit der sudostliche Zipfel von Livland die Gegend um Madona mit dem selonischen Dialekt, besonders dessen Sudteil um Marciena und Lazdona und die angrenzenden Nachbargemeinden. Bereits 1892 hat August Bielenstein in der Gemeinde Marciena lebende und lettisierte Esten erwahnt. Villem Grunthal (1912 : 325) hat sich mit Verweis auf Heikki Ojansuu uber diese Esten wie folgt geau[beta]ert: "Schlie[beta]lich gibt es noch viel weiter sudlich im Kirchspiel Berson das Gut Mahrzen, dessen Bewohner ihrem Aussehen, der Kleidung und dem Charakter nach sich wesentlich von denen sie umgebenen Nachbarn unterscheiden, die diese, auch wenn sie schon langst Lettisch sprechen, als Tschuden bezeichnen (vgl. russ. Hydb 'Este'). Dieser Name mag wohl die Wurzeln dieses Volkchens bestatigen, dass die Letten von Mahrzen lettisierte Esten sind."

Buss hat auch in dem Seenamen Kaisitis in Marciena einen moglichen Beweis fur estnische Besiedlung gesehen, vgl. est. Kaisa, Kaesa, der Bauernhofname Kaisso (so auch Endzelins) und die Bauernhofnamen Subra und Usmani, moglicherweise ebenso Parkas und Ireli, die nach Buss auf Familiennamen zuruckzufuhren sind. Auf der anderen Seite des Flusses Aiviekste in der Gemeinde Barkava in Lettgallen sollen Buss zufolge hochstwahrscheinlich die folgenden Dorfnamen estnischer (ostseefinnischer) Herkunft sein: Siksala (ein Dorf mitten im Sumpf, nach polnischer Quelle von 1765 der See jez. Siksoiy), vgl. est. sikk 'Bock, Ziegenbock', fi. salo 'Wald, Insel', Raksala ~ Raksol a, vgl. est. rahk 'Grus, Kies', rakk 'Hundchen; Blase, Schwiele, Blaschen', Familienname Raksalits, hinsichtlich Rak- vgl. est. [oksa]raag 'durrer Zweig; Weide' oder rook 'Wachtelkonig', Cibesteni < *Kibesteni (auf russischen Landkarten des 19. Jh. [phrase omitted]), vgl. est. kibestama 'bitter machen' oder kibe 'Funke; kleine Schneeflocke'), estnischer Ortsname Kubasaare + Suffix -est- + lettg. -an-, Riste (Wald), vgl. est. rist 'Kreuz', Rista soo (Sumpf), est. ruustama 'schaufeln, schieben, sto[beta]en, schleppen; verheeren, plundern'.

Ebenso will Buss (1998b; [phrase omitted] 1998c; 2000) mogliche Spuren estnischer Besiedlung in der Gegend um Lazdona efunden und demzufolge herausgestellt haben. Diese sind: Sdmalas ~ Samalu purvs (Sumpf), weiterhin die smal-stammigen Ortsnamen im Verwaltungsbezirk Aluksne nahe der Grenze zu Estland Samals (Sumpf, Anna) und Samalu mezs (Wald, Malupe), vgl. est., fi. sammal; Estland (Vo rumaa) Sammelsoo (Sumpf), liv. somal 'Moos', Sammal- trifft man oft auch in finnischen Ortsnamen: Sammalsuo, Sammalkorpi , Sammalaapa u. a.; Niras- ~ Niras ezerins (See), vgl. est. nira 'kleiner Wasserabfluss, Bach', fi. nira 'kleiner flie[beta]ender Bach, Waldbach' und vielleicht auch Kuja (Fluss), die ebenso fruhere Forscher (Endzelins, Rudzite) fur vermutlich ostseefinnische Ortsnamen gehalten haben, vgl. lett. kuja 'ein gro[beta]er Heu- und Kornhaufen' < liv. ku'i 'Schober'. Spuren von estnischem oder allgemein ostseefinnischem Substrat finden sich in der Phonetik der selonischen Dialektsprache, die nach Ansicht der lettischen Dialektforscherin Maija Poisa besonders anschaulich im Auftreten des die Artikulation erleichternden epenthetischen Vokals in Konsonantverbindungen am Wortanfang, seltener im Wortinneren ersichtlich werden und dieser Umstand scheint eine estnische resp. allgemein ostseefinnische Herkunft der Ortsnamen zu bekraftigen. Die weitere Erforschung der Ortsnamen im selonischen Dialektgebiet, vor allem in Marciena und Lazdona sowie in den angrenzenden Nachbargemeinden durfte Buss zufolge neue ostseefinnische Namen ans Licht bringen, auf deren Grundlage man zu klareren Vorstellungen uber den Umfang und den Charakter ostseefinnischer (estnischer) Siedlungen in dieser Gegend gelangen konnte.

Buss (2009) hat aus den Namen von Bauernhofen, die Juris Plakis 1936 aus der Gemeinde Edole im kurlandischen Verwaltungsbezirk Kuldiga publiziert hatte, einige vermutlich estnische Herkunft aufweisende Namen herauskristallisiert: Pujalg (vgl. est. puujalg 'Stelze, Stelzfuss', Familienname Puujalg, Kiparsky 1939 : 230), Kuikat (vgl. est. Saaremaa kuik 'Schwan'), Pask (vgl. est. pask '(dunner) Kot'), ebenso Kank, Kink, Puig und der Name des Gutshofes Terand. Gleiches gilt fur in der Gemeinde Arlava bei Talsi dem Estnischen ahnelnde Namen von Bauernhofen, wie z. B. Kollnlt (Buss 2006c; Balode, Buss 2015 : 59-60). Ebenso ostseefinnischen Ursprungs konnten offensichtlich die Namen der Gemeinden Edole (s. oben) und Arlava (1230 Arowelle, vgl. est. aru 'fruchtbares, trocken gelegenes Land, trockene Wiese' + vdli 'Feld, Flur, Flache') sein. Das relativ haufige Auftreten von estnischen Bauernhofnamen in diesen Gemeinden konnte eine deutliche Spur der Einwanderung von Esten von der Insel Saaremaa sein, die sich an verschiedenen Orten des nordlichen und westlichen Kurlands niedergelassen hatten. Angaben von Einwanderern aus Saaremaa existieren ab dem 16. Jahrhundert, doch die gro[beta]te Zuwanderung von Saaremaa nach Kurland erfolgte in der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts (Priedite 2006). Von einer verhaltnisma[beta]ig spaten Einwanderung zeugt ebenso die etymologische Transparenz der Bauernhofnamen.

8. Einige Anmerkungen allgemeiner Art

Das Nichtvorhandensein historischer Informationen, u. a. fehlt es an Nachweisen einer Ersterwahnung, erschwert in wesentlichem Ma[beta]e die Arbeit der lettischen Ortsnamenforscher. Althergebrachte Aufzeichnungen, die ebenso im Hinblick auf die Lautlehre interessant sein konnten, gibt es fast gar nicht. Bei der Herausbildung der phonetischen Form der Ortsnamen gelten im Allgemeinen die gleichen Gesetzma[beta]igkeiten wie bei Appellativen. Aus dem Ostseefinnischen entlehnte Namen wurden--genau wie appellative Entlehnungen--erwartungsgema[beta] der phonetischen Struktur des Lettischen angepasst: Fremde Laute oder Lautverbindungen wurden durch dem Lettischen eigene Substitute ersetzt. Substitut fur das estnische o konnten mehrere lettische Vokale sein, u. a. auch u (s. Vaba 2015 : 269), weswegen beispielsweise als Etymon fur den in Berzaune (selonisches Dialektgebiet) aufgezeichneten historischen Flussnamen Mudsa Rivus (ca. 1680-1685; Buss, SilinaPinke 2015) eher das sudestnische mots 'Wald' in Frage kommen konnte als das in der Untersuchung genannte nordestnische mets id. In Schichten unterschiedlichen Alters einzuordnende Toponyme ostseefinnischer Herkunft haben sich dem lettischen morphologischen (u. a. die Annahme von Merkmalen eines grammatischen Geschlechts) und den Ableitungssystemen (z. B. Sav-it-e) angepasst.

Beim Etymologisieren von Ortsnamen ist der Moment des Hypothetischen unvermeidlich. Buss ist uberwiegend von dem Standpunkt ausgegangen, dass ein Ortsname ostseefinnischer Herkunft unmittelbar von einem Appellativ gebildet worden ist, weswegen in seinen Etymologien Vergleiche mit lautlich ahnlichen ostseefinnischen (meist finnischen und estnischen) Appellativen uberwiegen. Eine derartige Vorgehensweise hat nicht immer zu hinreichend uberzeugenden Ergebnissen gefuhrt, s. beispielsweise Puidas atvars, Puides, Vilaka u. a.

In den Untersuchungen von Buss stammt das Vergleichsmaterial fast immer aus finnischen Quellen, in denen er sich gut auskannte, uber tiefgrundige Kenntnisse verfugte und zu denen er leichten Zugang hatte. Hoffentlich wird man in nachster Zukunft verstarkt auch authentisches estnisches Ortsnamenmaterial zu Vergleichen heranziehen, das dank elektronischer Datenbanken (Estnisches Ortsnamenverzeichnis KNR (https://www.eki.ee/dict/knr/) und die Ortsnamenbank des Instituts fur estnische Sprache KNAB (https://www.eki.ee/knab/knab.htm)) ebenso lettischen Forschern leicht zuganglich ist.

Buss hat in seinen etymologischen Untersuchungen stets die engen Beziehungen des Menschen zu der ihn umgebenden Landschaft hervorgehoben, deren Charakter und Eigenschaften in den von ihm gebildeten Ortsnamen eine Art Widerspiegelung fanden, s. etwa die von Buss fur den Ortsnamen Turaida vorgelegte Etymologie. Er hat uberzeugend dargelegt, dass Appellative mit dem semantischen Umfeld 'feucht, niedrige Stelle, Wasser' glaubhafte Motivgeber fur Ortsnamen, darunter Hydronyme, und aktiv an der Bildung von Ortsnamen beteiligt waren. Leider steht den Ortsnamenforschern wenig Material zu Verfugung, das Landschaften charakterisieren, naturliche Bedingungen, Flachenformen beschreiben wurde, und was die Ortsnamen letztendlich im Etymon verbergen konnten.

9. Zielsetzung: Worterbuch lettischer Ortsnamen mit ostseefinnischer Herkunft

In seinem auf dem ersten Kongress der Lettonistik 2005 in Riga gehaltenen Vortrag ruckt Buss die Fachbereiche in den Mittelpunkt, die mit der Erforschung ostseefinnischer Ortsnamen verbunden sind und die in Lettland bisher kaum oder gar nicht erforscht sind. Folgende Punkte verdienen besondere Hervorhebung (Buss 2006c):

1) Fortsetzung der systematischen Erfassung von ostseefinnischen Ortsnamen in verschiedenen Gegenden Lettlands, u. a. in den historischen Siedlungsgebiete der Liven, besonders im nordlichen Kurland, in den einst von Krewinen besiedelten Gebieten um Bauska, Gegenden an der nordlichen Grenze, wo vor noch nicht allzu langer Zeit Estnisch sprechende Esten lebten, d. h. die Sprachinseln Lutsi und Leivu;

2) Umfassende Erforschung von Etymologien der Ortsnamen ostseefinnischer Herkunft, d. h. Fortsetzung der Erforschung von Hydronymen ostseefinnischer Herkunft; Erfassung und Zusammenstellung eines moglichst vollstandigen Uberblicks der bisherigen Forschungsergebnisse und deren systematische Analyse;

3) Erforschung der in Ortsnamenregistern erfassten ostseefinnischen Mikrotoponyme und Publizierung der Ergebnisse.

Die hier zitierten Aussagen legen davon Zeugnis ab, wie systematisch und umfassend Buss die Erfassung und Erforschung der Toponymie ostseefinnischer Herkunft geplant hatte, was zukunftig in der Erstellung eines Worterbuches der Ortsnamen mit ostseefinnischem Ursprung gipfeln sollte. Eine linguistische Analyse der Ortsnamen, die Aufdeckung ihrer Herkunft wurde zusatzliche Angaben fur die Erforschung der Siedlungsgeschichte und Ethnogenese liefern, aber auch umgekehrt, d. h. bei der Berucksichtigung von Zusammenhangen au[beta]erhalb der Toponymik. Je mehr angemessen etymologisierte Ortnamen den Wissenschaftlern zur Verfugung stehen, umso wichtiger ist deren Beitrag bei der Erforschung der Siedlungsgeschichte. In diesem Lichte ist die Forschungsarbeit von Ojars Buss bei der Aufdeckung von entlehnten Namen besonders wertvoll und im Kontext sowohl der Baltologie als auch Finnougristik ausgesprochen lobenswert, was der vorliegende Artikel versucht in den Vordergrund zu rucken.

10. Publikationen von Ojars Buss auf dem Gebiet der Toponymik die ostseefinnisch-baltischen Kontakte betreffend

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-- The Baltic Languages and the Nordic Countries. Papers presented at the conference held at the University of Oslo. Faculty of Humanities. Department of Linguistics and Nordic Studies June 19-20, 2009, Vilnius, 17-30.

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--2005, Somugrisko adstratu Marcienas pagasta toponimija meklejot.--Valodu kontakti un mijiedarbiba. Akademika Jana Endzelina 132. dzimsanas dienas atceres starptautiskas zinatniskas konferences materiali. 2005. gada 22.-23. februaris, Riga, 26-28.

--2006a, Augusts Bilensteins, somugristika un pavisam nedaudz ari Eduards Volteris.--[phrase omitted] [phrase omitted]

--2006b, Augusts Bilensteins un somugristika (ieskats problematika).--Latvijas Universitates Raksti 708. sejums. Valodnieciba. Somugristika, Riga, 47-50. https://dspace.lu.lv/dspace/bitstream/handle/7/994/LU_708sej.pdf.

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[phrase omitted]

[phrase omitted]

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--1990, [phrase omitted] Acta Baltico-Slavica XIX,

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[phrase omitted]

Address

E-mail: phorest45@gmail.com

Abkurzungen

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Pall, V. 1977, Pohja-Tartumaa kohanimed II, Tallinn.

Priedite, I. 2006, Igauni un Ziemelkurzeme.--Latvijas Universitates Raksti 708. sejums. Valodnieciba. Somugristika, Riga, 47-50. https://dspace.lu.lv/dspace/bitstream/handle/7/994/LU_708sej.pdf.

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[phrase omitted]

LEMBIT VABA (Saku)

https://dx.doi.org/10.3176/lu.2019.1.05

[Please note: Some non-Latin characters were omitted from this article]
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Article Details
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Author:Vaba, Lembit
Publication:Linguistica Uralica
Article Type:Essay
Geographic Code:4EXLA
Date:Mar 1, 2019
Words:9496
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