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The Danube is a lifeline: sustainable river basin management requires international co-operation/Lebensader Donau: nachhaltiges flussgebietsmanagement benotigt internationale koordination.

Flusse erfullen heute zahlreiche gesellschaftliche Bedurfnisse, die ein koordiniertes Management erfordern. Wissenschaftler(innen) der Universitat fur Bodenkultur Wien nehmen sich der Aufgabe an und entwickeln Konzepte, die die Nutzung zur Stromerzeugung oder Schifffahrt mit Massnahmen zum Schutz der okologischen Funktionen verbinden.

Flusse sind Lebensadern, an denen sich Menschen bereits vor Jahrhunderten angesiedelt haben und die fur die Schifffahrt sowie die Trinkwasser- und Energiegewinnung genutzt werden. Anthropogene Einflusse erhohen aber die Gefahr von Hochwassern und verringern die okologischen Leistungen von Flussen (Jungwirth et al. 2003). Heute sind grosse Flusse wie die Donau sowie die dazugehorigen Einzugsgebiete und Nebenflusse vielfaltigen Anforderungen, hohem Nutzungsdruck und oftmals Nutzungskonflikten ausgesetzt (Abbildung 1, S. 68). Eine integrale Betrachtungsweise und nachhaltige Management-strategien konnen dazu beitragen, Nutzungen zu ermoglichen und den Schutz und die Erhaltung der Donau als Lebensader zu sichern. Forschung spielt hierbei eine zentrale Rolle, weil viele Zusammenhange zwischen Wasser und dem Transport von Feststoffen, der Morphologie von Flussen, der Okologie und den Auswirkungen von flussbaulichen Massnahmen unklar sind.

Das Christian Doppler Labor fur Innovative Methoden in Fliessgewassermonitoring, Modellierung und Flussbau (1), das 2010 mit den Wirtschaftspartnern via donau und UWITEC an der Universitat fur Bodenkultur Wien (BOKU) gegrundet worden ist, versucht die Forschungslucken zu schliessen und widmet sich den Aufgaben in vier Modulen:

* Verbesserung des Verstandnisses von in Flussen ablaufendenden Prozessen (Fliessgewassermonitoring),

* Entwicklung mathematischer Modelle zur Prozessbeschreibung und Prognose der Auswirkungen flussbaulicher Massnahmen (Fliessgewassermodellierung),

* Entwicklung innovativer wasserbaulicher Methoden zur Verbesserung der Schifffahrt, des Hochwasserschutzes und der Okologie (Flussbau) und

* Schwall und Hydrokinetik (Energiewirtschaft).

Die Herausforderung fur die Forschung uber Einzugsgebiete grosser Flusse liegt in der Grosse des Untersuchungsraums und den daraus resultierenden heterogenen Gegebenheiten. So haben die zahlreichen Anrainerstaaten der Donau verschiedene Umweltgesetzgebungen, die zu koordinieren sind. Viele Akteure mit unterschiedlichen Perspektiven und Anforderungen gilt es in den Partizipationsprozess miteinzubeziehen, um nachhaltige Losungen zu entwerfen (Habersack et al. 2012).

EU-Strategie fur den Donauraum

Der Donauraum ist das internationalste Flussgebiet der Welt und erstreckt sich uber acht EU-Mitgliedstaaten und sechs Nicht-EU-Staaten. Mit rund 20 Prozent der Flache der EU und etwa 115 Millionen Einwohner(inne)n ist die Region von wesentlicher Bedeutung fur Europa. Regionale Probleme wie Hochwasserrisiken, Qualitat von Gewassern, Umweltrisiken oder unzu reichende Verkehrsinfrastrukturen sind grenzuberschreitend und bedurfen gemeinsamer Strategien. Trotz aller Probleme ist die Donauregion nach wie vor ein zusammenhangendes, vernetztes Okosystem, das vielfaltige umweltbezogene Guter und Dienstleistungen bereitstellt, etwa Wasserversorgung, Nahrungs- und Futtermittel, nachwachsende Rohstoffe, erneuerbare Energie (Wasserkraft) sowie Erholungsraume.

Eine grosse Chance fur Forschung und Management stellt die EU-Strategie fur den Donauraum (EUSDR) dar. Sie adressiert

* die Sicherung oder Wiederherstellung der Gewasserqualitat,

* das Management von Umweltrisiken,

* die Erhaltung und Forderung der biologischen Vielfalt und der Landschaften inklusive grossraumiger Natur schutzgebiete sowie

* die Qualitatssicherung von Luft und Boden.

Zugleich sollen Massnahmen zur Verbesserung der Binnenwasserstrassen sowie zur Entwicklung der Wissensgesellschaft durch Forschung und Bildung und eine Verbesserung der Infrastruktur gefordert werden.

Zur Umsetzung der genannten Ziele, die im Aktionsplan zur EUSDR definiert sind, (2) sind Kooperationen zwischen Universitaten und Forschungseinrichtungen von enormer Bedeutung. Beispiele fur bestehende Universitatsnetzwerke sind die Donaurektorenkonferenz (DRC) (3) und das Regional Network for Central and South-East Europe of the Association of European Life Science Universities (ICA-CASEE) (4). Die DRC mit ihren derzeit 54 Mitgliedern hat die gemeinsame Weiterentwicklung von universitarer Lehre und Forschung sowie Wissenstransfer im Donauraum als ihre Kernaufgabe definiert. Das Netzwerk ICA-CASEE mit seinen 22 Mitgliedsuniversitaten, 2010 von der BOKU gegrundet, entwickelt konkrete Massnahmen zur Umsetzung der EUSDR. Durch Vernetzung von Universitaten in Zentral- und Sudosteuropa sollen Forschungs- und Lehrkooperationen gestarkt werden. In der Lehre stehen der Austausch von Best-Practice-Modellen, die Entwicklung von gemeinsamen innovativen Lehrprogrammen sowie Auslandsaufenthalte, die von europaischen Programmen (5) gefordert werden, im Vordergrund. Die Donauregion soll insbesondere von gemeinsamen Infrastrukturen der beteiligten Forschungsinstitute profitieren.

Danube River REsearch And Management

Ein wichtiges Beispiel dafur ist das Projekt Danube River REsearch And Management (DREAM), das mehrere Schwerpunkte der EUSDR integriert und auf eine ganzheitliche Betrachtung des Donauraums mit seinen spezifischen Problemen und Anforderungen abzielt. DREAM fugt sich gut in die Donauraumstrategie ein, ist vernetzt mit der neuen Forschungsstrategie des Joint Research Centre (JRC) der Europaischen Kommission und erfullt viele Anforderungen fur die europaische Zusammenarbeit. Durch die transnationale Forschung sollen abgestimmte Monitoringprogramme, neue Modelle und vertragliche Losungen im Wasserbau entwickelt und damit eine nachhaltige Nutzung und der Schutz der Donau sichergestellt werden.

Im Zentrum der geplanten Aktivitaten steht der Aufbau zweier grosser Wasserbaulabors im Ober- und Unterlauf der Donau: in Wien und am Beginn des Donaudeltas in Rumanien. Ein Wasserdurchfluss von rund funf Kubikmetern pro Sekunde im freien Gefalle wird erstmals eine grossskalige Modellierung ermoglichen und so neue Perspektiven eroffnen. Nun konnen computerbasierte Modelle fur die Simulation der Stromung, des Sedimenttransports, der Morphodynamik und der Habitate sowie ihre donauraumweite Nutzung und Anwendung weiterentwickelt werden. Entlang der gesamten Donau und an ihren Nebenflussen werden Untersuchungsgebiete definiert und Messstationen eingerichtet (Abbildung 2).

Ein in der Mitte des Donauverlaufs stationiertes Forschungsschiff mit einem Tauchschacht soll Beitrage zur Untersuchung der Flusssohle und damit verbundenen Fragestellungen wie Stabilitat von Bauwerken sowie darauf aufbauende Management-strategien liefern. Ein wichtiger Aspekt der Umsetzung dieses grossraumlichen Projekts ist die Zusammenarbeit bestehender Forschungsinstitutionen und Labors im Donauraum. Das Projekt wurde im Juni 2012 innerhalb der priority area 7 der Donauraumstrategie der Europaischen Union als Flagship-Projekt ausgezeichnet, die BOKU ist leitender Partner.

World's Large Rivers Initiative

International fehlt bislang eine Ubersicht des aktuellen Zustands von grossen Flussen und somit auch ein einheitliches Vorgehen zum Schutz der wenigen verbliebenen naturnahen Fliessgewasser. Hier setzt die World's Large Rivers Initiative (WLRI) an, die bei der ersten von Helmut Habersack initiierten International Conference on the Status and Future of the World's Large Rivers 2011 ins Leben gerufen worden war. Die von mehr als 450 Teilnehmer(inne)n aus 73 Landern unterzeichnete Vienna Declaration (6) fasst die Anspruche an grosse Flusse zusammen, mit dem Ziel einer nachhaltigen Integration von Nutzung, Schutz und Revitalisierung. Eine grosse Rolle bei der Umsetzung spielt die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) mit dem International Hydrological Programme (IHP). Im Juni 2012 wurde beim IHP Intergovernmental Council in Paris beschlossen, die Initiative zu unterstutzen und eine Arbeitsgruppe zur Implementierung einzurichten. Dabei konnen der Donauraum und die EUSDR mit ihren Forschungsaktivitaten als Vorbild fur andere Flussgebiete dienen und wesentliche Impulse fur die WLRI geben. Die BOKU wird sich diesen Themen weiterhin widmen und als nationale und internationale Ansprechpartnerin dienen.

Keywords: Danube, ecology, floods, hydropower, navigation, rivers, sediment transport, university networks

Literatur

Habersack, H. et al. 2012. Massnahmen fur einen modernen Flussbau betreffend Sohlstabilisierung und Flussruckbau. Granulometrische Sohlverbesserung, Buhnenoptimierung, Uferruckbau und Gewasservernetzung. Osterreichische Wasser- und Abfallwirtschaft 11-12: 571-581. doi 10.1007/s00506-012-0037-3.

Jungwirth, M., G. Haidvogl, O. Moog, S. Muhar, S. Schmutz. 2003. Angewandte Fischokologie an Fliessgewassern. Wien: Facultas.

Kontakt Autor(inn)en: Univ.Prof.DI Dr. Helmut Habersack | E-Mail: helmut.habersack@boku.ac.at

DI in Margit Gerstl | E-Mail: margit.gerstl@boku.ac.at beide: Universitat fur Bodenkultur Wien (BOKU) | Department Wasser-Atmosphare-Umwelt (WAU) | Institut fur Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau | Christian Doppler Labor fur Innovative Methoden in Fliessgewasser-monitoring, Modellierung und Flussbau | Wien | Osterreich

O. Univ. Prof. Dr.Josef Glossl | Universitat fur Bodenkultur Wien (BOKU) | Vizerektor fur Forschung und Internationale Forschungskooperation | Wien | Osterreich | E-Mail:josef.gloessl@boku.ac.at

Kontakt Osterreich-Konsortium GAIA:

Dr. Christian Smoliner | Bundesministerium fur Wissenschaft und Forschung | Rosengasse 4 | 1014 Wien | Osterreich | Tel.: +43 1 531206353 | E-Mail: christian.smoliner@bmwf.gv.at

(1) http://cdlabor-imfluss.boku.ac.at

(2) Download unter http://ec.europa.eu/regional_policy/sources/docoffic/official/communic/danube/action_plan_danube.pdf.

(3) www.d-r-c.org

(4) www.ica-ls.com/casee

(5) Siehe zum Beispiel www.ceepus.info.

(6) Download der Deklaration unter http://worldslargerivers.boku.ac.at/wlr.
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Title Annotation:MITTEILUNGEN DES OSTERREICH-KONSORTIUMS GAIA
Author:Habersack, Helmut; Gerstl, Margit; Glossl, Josef
Publication:GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society
Article Type:Report
Geographic Code:4EUAU
Date:Mar 1, 2013
Words:1259
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