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South-eastern Europe as an area of migration: the Serbian colonization of the Habsburg Empire until the 18th century/ Sudosteuropa als migrationsraum am beispiel der serbischen besiedlung des habsburgerreichs bis zum 18. Jahrhundert.

1. Die Bedeutung von Migrationsprozessen fur Sudosteuropa

Die sudosteuropaischen Wanderungs- und Siedlungsprozesse als eine der fundamentalen Entstehungsbedingungen des neuzeitlichen heterogenen ethnischen Gefuges vollzogen sich nicht losgelost und isoliert voneinander, sondern innerhalb eines breit gefacherten Kontextes. Dieser besteht bis in die Gegenwart aus einem Spannungs- und Wirkungsfeld verschiedener Faktoren, wobei jeder Umsiedlungsprozess auf spezifische Ursachen beruht. Diese reichen von Handelsmigration und Transhumanz uber Flucht bis hin zu Landesausbau und Kolonisation, wobei diese Motive mitunter korrelieren und sich daher nur schwer voneinander separieren lassen. Unterdessen verbieten nicht nur die jeweils spezifischen Faktoren der Migrationsbewegungen, sondern auch ihre jeweils singularen Folgeerscheinungen ihre Standardisierung und Gleichsetzung untereinander. Insbesondere der Transfer spezifischer "Inhalte" in ein neues Lebensumfeld demonstriert deren individuellen Charakter: Durch sie gelangen neue Gesellschafts- und Geschichtsbilder in eine andere, zunachst fremde Umwelt. Besonders greifbare sind Unterschiede sprachlicher, konfessioneller oder kultureller Art; deren wechselseitige Perzeption vergegenwartigt anfanglich die Trennlinien zwischen Migranten und neuem Lebensraum. Sollen diese daraufhin ihre spezifischen Merkmale, die sie von ihrem neuen Lebensumfeld unterscheiden, bewahren oder sich diesem anpassen? Diese Wahlmoglichkeit begleitet nicht nur rezente, sondern auch fruhere Migrationsprozesse; dabei oblag die Entscheidungsgewalt meist jedoch oft nicht den Betroffenen selbst. Unabhangig vom Zeitpunkt ihres Geschehens pragten alle Siedlungsvorgange das neue Lebensumfeld nachhaltig; gleichzeitig beeinflusst die neue Umwelt die weitere Entwicklung des neuen Bevolkerungselements. Das Ausmass ihrer Interaktion bestimmt, ob die Trennlinien zwischen ihnen durchlassig oder langfristig gar uberwunden werden.

Die Vielschichtigkeit von Siedlungs- und Migrationsbewegungen formierte die Gestalt des neuzeitlichen ethnischen Gefuges Sudosteuropas; die zahlreichen Bevolkerungsverschiebungen und daraus resultierende Ubergangs- und Entwicklungsprozesse liegen der Ausdifferenzierung seiner komplexen Gestalt zugrunde: Insbesondere die sich oft verschiebenden Grenzen der polyethnischen Grossreiche verliehen der Region einen fluiden Ubergangscharakter; deren Auseinandersetzungen untereinander waren fur die Herauskristallisierung eines vergleichsweise heterogenen ethnischen Gefuges verantwortlich und modifizierten in der Folge stets dessen Entwicklungsgrundlagen. Sudosteuropa bildete indessen nicht nur einen Ubergangsraum zwischen den dort interagierenden Imperien, sondern auch in seinem Inneren. Die multiethnischen Vielvolkerreiche waren intern--bedingt durch territoriale und daraus resultierende demographische Umschichtungen--nicht entlang klar erkennbarer ethnischer Trennlinien strukturiert. Fur den Zugang der Bevolkerung zu gesellschaftlichen Ressourcen war deren jeweilige ethnische Zugehorigkeit ohnehin nicht ausschlaggebend, sondern das Ausmass ihrer Partizipation wurde zunachst von Grossen wie Standeszugehorigkeit und Konfession bestimmt. Die gewachsene, interne ethnische Verwobenheit sorgte beim Erscheinen neuzeitlicher "nationaler" Kriterien fur jene Umbruchs- und Konfliktsituationen, die den Zerfallsprozess der in Sudosteuropa aufeinandertreffenden Grossreiche kennzeichneten. Die neuzeitliche Idee der Nation als schichtenubergreifend und die Einheit ihrer Mitglieder propagierendes, (1) konstruiertes Modell bildet das diametrale Gegenstuck zur bisher praktizierten Unterteilung der Einwohner multiethnischer Imperien; fur deren Einwohner wurde die jeweils eigene, durch ihre Eltite propagierte "Nationalitat" (2) Hauptadressat ihrer Loyalitat, (3) wahrend etwa Schichten- oder Konfessionsgebundenheit in den Hintergrund traten.

Den Nahrboden fur die ethnische Verwobenheit Sudosteuropas bilden unter anderem die fruhneuzeitlichen Migrationsprozesse; angesichts ihrer Vielschichtigkeit und ihres verschiedenartigen Auftretens sind sie ein zentraler Entwicklungsfaktor fur die sich kontinuierlich fortentwickelnde Gestalt der Region, die sie daher als Migrationsraum per se erscheinen lassen. Ihre Tragweite demonstriert insbesondere die serbische Besiedlung Sudungarns bis zum 18. Jahrhundert.

Auch diese vollzog sich kontextual und aus verschiedenen Beweggrunden. So charakterisierte zunachst die mittelalterliche Handelsmigration den kommerziellen, uber bestehende Grenzen stattfindenden Austausch. Ein weitaus signifikanterer Zusammenhang ist indessen die sukzessive Expansion des Osmanischen Reiches: Die sich uber Jahrhunderte erstreckende serbische Migration war auch in diesem Kontext eine meist gelenkte, organisierte Siedlungsbewegung. Demnach verfugten die Osmanen angesichts einer anfanglich attraktiven materiellen Lage auch uber serbische Militarangehorige, (4) wahrend sich bedeutende serbische Siedlungsaktivitaten auch auf ein vitales osmanisches Interesse an Kolonisation und Neuorganisation der hinzugewonnenen ungarischen Gebiete zuruckfuhren lassen. (5) Die serbische Migration setzte sich unter geanderten Vorzeichen angesichts der Eroberungen durch die Habsburgermonarchie fort. Die Ansiedlung von Serben auf den von ihr gewonnenen Territorien geschah zur Starkung der militarischen Abwehr der Osmanen, zur Neubesiedlung bevolkerungsarmer Landstriche, oder zur Existenzsicherung durch organisierte Flucht jener Bevolkerungsteile, die sich offen gegen das Osmanische Reich wandten und nach dessen Wiedererstarken die Konsequenzen ihrer Parteinahme furchteten.

Die alleinige Fokussierung auf die osmanische Expansion als Hauptmotiv fur die serbische Migration fuhrt zu Simplifizierung und Schaffung vereinfachender Deutungsmuster; (6) dies wird nicht dem Anspruch gerecht, den Siedlungsbewegungen als komplexe Prozesse an eine ernsthafte und objektive Untersuchung stellen. (7)

"Schuldzuweisungen" und "Opferrollen" vor dem Hintergrund sich wandelnder politischer und gesellschaftlicher Hintergrunde konterkarieren die Bemuhungen um eine sachliche Analyse. So wenig, wie sich die Osmanen in eine Rolle als "Tater" drangen lassen, konnen auch die betreffenden Serben nicht pauschalisierend als "Opfer" charakterisiert werden. Nicht nur neuzeitliches Raumdenken, sondern auch eine bei spaterer, unreflektierter Beschreibung des serbischen Migrationsprozesses anzutreffende vermeintliche Selbstaufopferung bilden konzeptionelles Hindernisse. (8)

2. Die serbische Besiedlung Sudungarns ab dem 15. Jahrhundert

Die auf spatmittelalterliche Handelsmigration zuruckzufuhrende serbische Prasenz in Ungarn (9) wurde durch die organisierte serbische Ansiedlung insbesondere im Suden des Landes ab dem 15. Jahrhundert erweitert. Dort erhielten die sich im ungarisch-osmanischen Spannungsfeld befindlichen serbischen Despoten wahrend der Herrschaften Sigismunds von Luxemburg und Matthias Corvinus' umfangreiche Landereien, was als Versuch verstarkter Einflussnahme und Anbindung zu deuten ist. Das Beharren insbesondere in der serbischen Fachliteratur auf einem aus heutiger Sicht nicht mehr nachweisbaren zahlenmassigen Umfang der Neusiedler geschieht jedoch auf Kosten einer objektiven Analyse der serbischen Migrationsprozesse und reprasentiert stattdessen eine "numerische Rechtfertigung" der Prasenz einer Ethnie und birgt ein erhebliches Konfliktpotential gegenuber retrospektiven Anspruchen anderer Nationen. So werden "mehrere Hundert serbische Familien" genannt, die der serbische Despot Stevan, Sohn des 1389 wahrend der Schlacht auf dem Amselfeld gefallenen Fursten Lazar, ab 1411 im heutigen Banat im heutigen Banat Torontal angesiedelt habe. (10) 1464 hatten sich des weiteren unter den Adligen Stevan und Dimitar Jaksic "ungefahr 1.200 serbische Familien" in den benachbarten Komitaten Temes und Arad niedergelassen. (11) Den Hohepunkt bilden jedoch jene "circa 50.000 Serben aus der Gegend um Krusevac", die 1481 unter Knez Pavle Brankovic im heutigen Banat angesiedelt worden seien, um sich dafur im Gegenzug unter Mathias Corvinus gegen die weitere osmansiche Expansion zu stellen. (12) Derartige Zahlenangaben, auf die in der zeitgenossischen Literatur zuruckgegriffen wird, sind jedoch vor dem Hintergrund des Zeitpunktes ihrer Eruierung nicht als empirische, sondern als symbolische Werte zu interpretieren; zudem ist unklar, wie diese vermeintliche Anzahl der Migranten festgestellt wurde. Dem Spatmittelalter war eine objektive Geschichtsschreibung nicht bekannt, weshalb auch die entsprechenden Quellen nicht um eine empirische Genauigkeit nach heutigen Massstaben bemuht waren. Vielmehr drucken derartige Angaben das zeitgenossische Empfinden angesichts einer vergleichsweise umfangreichen Einwanderung und Ansiedlung aus. In Anbetracht ihrer ungesicherten Herkunft und Erhebung halten sie keiner ernsthaften Uberprufung stand und liefern somit keinen stichhaltigen Beitrag zur Untersuchung der serbischen Migrationsprozesse. Im Gegensatz zur Dauerhaftigkeit und Fortentwicklung des serbischen Bevolkerungsteils in seinem neuen Umfeld ist dessen numerischer Umfang daher nur von ausserst untergeordneter Relevanz.

Dennoch ist festzuhalten: Bereits vor der osmanischen Eroberung Sudungarns erfolgte eine organisierte Ansiedlung serbischer Bevolkerungsteile; dieses verhaltnismassig neue und zunachst der Osmanenabwehr dienende Bevolkerungselement war indessen umfangreich genug, um bis zur Einverleibung in das Osmanische Reich ab 1541--das Banat stand erst ab 1552 unter osmanischer Herrschaft--und daruber hinaus einen festen Bestandteil des regionalen ethnischen Gefuges zu bilden. (13) Die osmanischen Gebietsverluste an die Habsburgermonarchie war eine Zasur fur die serbische Migration, die unter der Agide der neuen Autoritaten fortgesetzt wurde.

3. Der "Grosse Serbenzug" von 1690 unter Arsenije III. Carnojevic

Das im Osmanischen Reich angewandte millet-System, das die nichtmuslimischen Untertanen entlang konfessioneller Grenzen separierte und ihnen auf lokaler Ebene einen hohen Grad an Selbstverwaltung zugestand, sorgte zwar nicht fur eine religiose Gleichberechtigung nach modernem Verstandnis, doch es vermochte, einen gewissen gewissen Grad an religioser Koexistenz zu garantieren. (14) Ungeachtet der erhohten Steuerlasten betrachtete es die Christen als Schutzbefohlene des Reiches; die sie umfassende millet-Struktur bildete die bis dato einzig gangige Unterteilungspraxis der Einwohner des Imperiums, die in Abwesenheit anderer Kategorien entlang konfessioneller Trennlinien vorgenommen wurde. Diese Struktur bildete die Keimzelle fur eine spatere Transformation von konfessionellen in ethnische Identitaten, die sich jedoch erst unter dem Einfluss der sich in der Moderne entwickelnden politischen Prinzipien vollziehen konnte. Trotz der Bevorteilung des Islam war die Situation nicht mit der offenen konfessionellen Konkurrenz vergleichbar, die die anderen europaischen Regionen der Fruhen Neuzeit pragte. Das in der nationalistischen Geschichtsschriebung des 19. Jahrhunderts entstandene Bild des "Turkenjochs" muss daher differenziert betrachtet werden: Zwar fielen die dynastischen Eliten der eroberten mittelalterlichen Reiche dem osmanischen Machtanspruch zum Opfer, doch allein aus fiskalischen Grunden bestand kein Interesse an einer systematischen Verfolgung anderer Konfessionen und einer forcierten Islamisierung. Das Christentum war gegenuber dem Islam institutionell benachteiligt, doch insbesondere der hohe Grad an lokaler Selbstverwaltung innerhalb des eigenen millets war in diesem Ausmass in anderen europaischen Regionen kaum anzutreffen. Andererseits verdankt auch das Partiarchat von Konstantinopel seine wirtschaftlich und machtpolitisch exponierte Stellung der im Osmanischen Reich praktizierten Selbstverwaltung auf konfessioneller Basis, die wiederum die administrativen Strukturen des Imperiums bedeutend entlasteten.

Die Erfahrung relativer religioser Koexistenz fand Eingang in das kollektive Gedachtnis der Angehorigen nichtmuslimischer Konfessionen, und sie wurde mit der Emigration in ein neues Umfeld transferiert. Dies erklart das Beharren auf konfessionellen Freiheiten und Pivilegien der orthodoxen serbischen Ubersiedler nach ihrer Ankunft auf dem Gebiet der romisch-katholisch dominierten Habsburgermonarchie. Erst unter dem Einfluss neuzeitlicher ethnonationaler Identitaten wandelte sich dieses administrativ-religiose Kollektiv schliesslich zum Nahrboden ethnischnationalistischer Interpretationen. Die Einteilung der abgabepflichtigen Untertanen--der reaya--anhand ethnischer Kriterien war den Osmanen unbekannt; stattdessen bildete die Konfession die entscheidende, administrative Grosse. (15) Angesichts der ethnischen Heterogenitat dieses Vielvolkerreiches war dies der effizienteste Ansatz, zu dem seinerzeit jedoch keine Alternative bestand: Die Heranziehung von Ethnizitat oder gar Nationalitat als Konstrukte der Moderne war zu Zeiten des vormodernen millet-Systems noch unbekannt, weshalb die konfessionell-institutionelle Reprasentation im Vordergrund stand, und nicht die Herkunft der sie ausubenden Kleriker. Demnach handelt es sich bei dem millet-System keinesfalls um einen "osmanischen Entwurf" oder eine Praformation von Ethnizitat und nationalem Bewusstsein, sondern um ein auf eine heterogene Bevolkerung angewandtes Kriterium zur effizienten Kategorisierung.

Infolge dieser Separation bekleidete der Klerus zunehmend eine Fuhrungsrolle. Neben den spirituell-geistlichen Agenden--also der Sorge um das Jenseits sowie eine darauf vorbereitende diesseitige Ethik--ubernahm dieser auch reprasentative Funktionen, sowohl innerhalb der eigenen Gemeinschaft als auch gegenuber den osmanischen, imperialen Autoritaten, deren administrativer Einfluss auf lokaler Ebene nur begrenzten Ausmasses war. Dieses Rollenverstandnis behielt sich die Kirche auch im Falle der ubersiedelnden Serben auf das Territorium des Habsburgerreiches vor. In diesem neuen Umfeld war sie jene Institution, die sich der Wahrung einer eigenen Identitat verschrieb, indem sie sich auf den Mythos vergangener Grosse stutzte, wobei sie insbesondere auf das Gedenken an die kanonisierten mittelalterlichen Herrscher des fruheren serbischen Reiches zuruckgriff. (16) Diese Erinnerung diente einer Kohasion des Gemeinsamkeitsempfindens gegenuber den "Fremdherrschern" und den "Anderen", verdeckten jedoch den Blick auf die Tatsache, dass die osmanische Herrschaft nicht weniger soziale und "nationale" Freiheiten bot als die christlichen, feudalen Konigreiche des Mittelalters mit ihren weitgehend undurchlassigen Gesellschaftsstrukturen. Mit diesen sahen sich zunachst auch die infolge des "Grossen Serbenzuges" vornehmlich im Suden Ungarns siedelnden Serben konfrontiert; deren Klerus verschrieb sich gemass seinem Selbstverstandnis infolge ihrer Ubersiedlung ins Habsburgerreich einer Sicherstellung der Privilegien und Sonderrechte zum Erhalt der Gemeinschaft. Dies beruhte auf dem Gewohnheitsrecht der serbischen Orthodoxie: Bereits unter den Osmanen war die alleinige Reprasentation eines ihrer zentralen Anliegen, welches auch nach der Ubersiedlung unter Patriarch Arsenije III. Carnojevic auf Habsburger Territorium weiterverfolgt wurde. Mit ihm begab sich eine gesamte Institution samt ihrem Selbstverstandnis als Reprasentant des fruheren millets unter eine neue Oberherrschaft, wo sie infolge dieser translatio um die fortwahrende Sicherstellung ihrer Position und ihrer Rechte bemuht war. Dieser Anspruch erstreckte sich wie zuvor im Osmanischen Reich auch hier nicht exklusiv auf die Serben, sondern auch auf andere orthodoxe Einwohner der Habsburgermonarchie.

Der Ubersiedlung ging eine offene Parteinahme der serbischen Kirchenhierarchen im Zuge des sogenannten funften bzw. "Grossen Turkenkrieges" (1683-1699) der Donaumonarchie gegen das Osmanische Reich voraus. Angesichts einer osmanischen Gegenoffensive ist ein von Czoernig detailliert beschriebener Aufruf Kaiser Leopolds I. vom 6. April 1690 "an die gesammten Volker Albanien's, Servien's, Bulgarien's, Silistrien's, Illyrien's, Macedonien's und Rascien's etc." (17) von Bedeutung, der sie aufforderte, "den gunstigen Augenblick zu benutzen, das turkische Joch abzuschutteln, und zur Beforderung ihres Heiles, ihrer Freiheit und der christlichen Religion auf seine Seite heruberzutreten, gegen die Turken die Waffen zu ergreifen, und sich den kaiserlichen Feldherren anzuschliessen". (18) Dabei muss die zukunftige Forschung versuchen zu ermitteln, warum das Habsburgerreich um die Heranziehung ausserordentlich breit gefacherter, zumeist orthodoxer Bevolkerungsgruppen bemuht war und daruber hinaus in ihre bestehenden konfessionellen Strukturen--sie unterstanden dem Patriarchat von Pec--einzugreifen versuchte. Ein belastbarer Ansatz ist die versuchte Entwicklung neuer Loyalitaten der orthodoxen Bevolkerung unter osmanischer Herrschaft, aber auch einsetzende Zentralisierungsbemuhngen des Habsburgerreiches: Die Neusiedler als neues Element seines komplexen ethnischen Gefuges erhielten ein konfessionelles Kohasionszentrum innerhalb der Reichsgrenzen. Carnojevic als dessen Exponent erhielt im Gegenzug die durch den Hof gebilligte Vorherrschaft uber die Glaubigen der genannten Landesteile--ein Ubertreten der ihm Unterstehenden unter gleichzeitiger Zubilligung von Privilegien war demnach in beiderseitigem Interesse. (19)

Dieser Aufruf und die spatere formale Ernennung Carnojevics zum geistlichen Oberhaupt aller dort genannten Provinzen per Privileg am 21. August 1690 (20) verweist primar auf die prekare Situation des Habsburgerreiches, sich zur eigenen Konsolidierung auf eine uberwiegend nichtkatholische Bevolkerung ausserhalb des eigenen Territoriums stutzen zu mussen; dies demonstrieren die umfangreichen Zugestandnisse, die den Adressaten eines "Aufrufes an die Christen" in einem kaiserlichen Patent vom 31. Mai 1690 zugedacht waren: freie Religionsausubung, die freie Wahl eines Vojevoden und die Abschaffung der unter osmanischer Herrschaft eingefuhrten Abgaben und Steuern. (21) Erlassen zu einem Zeitpunkt vor der serbischen Ubersiedlung in das Habsburgerreich, legte Leopold I. das Fundament fur jene kaiserlichen Privilegien, deren Einhaltung und Bestatigung ihre Adressaten nach erfolgter Emigration fortan grosste Prioritat einraumten. Die konzipierte Beseitigung der osmanischen Oberherrschaft unter angestrebter Mitwirkung der dazu Aufgerufenen hatte jedoch nicht die Pramisse ihrer tatsachlichen Befreiung; stattdessen sollten sie nach einem erfolgreichen Abschluss des Krieges der ungarischen Krone unterstehen. (22) Das Scheitern einer Offensive der Habsburgermonarchie und der mit ihnen verbundeten Serben zog eine fluchtartige Ruckzugsbewegung nach Norden in Richtung des noch von der Habsburgermonarchie kontrollierten Belgrad nach sich. Eine serbische Niederlassung in den von der Habsburgermonarchie gehaltenen Territorien war indessen im Interesse des Wiener Hofkriegsrates: Im Falle kunftiger Konfrontationen mit dem Osmanischen Reich reprasentierten die Neusiedler ein enormes militarisches Potential.

Dem ist die Position der Kirche gegenuberzustellen: Die personellen und institutionellen Konsequenzen des Uberlaufens Carnojevics fur das Pecer Patriarchat waren noch nicht absehbar, ebenso wie Gestalt und Dauer seines kunftigen Aufenthalts auf dem Gebiet des Habsburgerreiches. Es ist anzunehmen, dass dieser Schritt zumindest aus kirchlicher Sicht als vorubergehend empfunden wurde, bis eine Besserung der militarischen Lage die Ruckkehr erlaubte.

Die Fuhrungsrolle Carnojevics manifestierte sich unterdessen in einem ab Juni 1690 in Belgrad tagenden sabor (i.e. Rat) unter der Agide des Patriarchen, welcher den Bischof von Jenopolje (23), Isaja Dakovic, zu Verhandlungen an den Wiener Hof entsandte, um nach deren Abschluss den Fliehenden im Falle ihres Ubertritts auf Habsburger Territorium den Fortbestand der bereits zugestandenen Privilegien zu garantieren. (24) Die Delegierung eines ranghohen Klerikers durch einen vom Patriarchen einberufenen Rat belegt das administrativ-politische Rollenverstandnis der Kirche sowie ihre reprasentative Funktion als Interessenvertreterin der Fliehenden. Dessen erfolgreiche Umsetzung belegt die Bestatigung der ihnen bereits zugestandenen Privilegien nach Abschluss der Verhandlungen Dakovics in Wien am 21. August 1690. (25)

Angesichts des sich abzeichnenden Falles von Belgrad erfolgte am 8. Oktober 1690 unter Anfuhrung des Patriarchen Carnojevic der Ubertritt auf das Territorium der Habsburgermonarchie; vorubergehende Ziele waren angesichts des unklaren Ausganges der militarischen Auseinandersetzung mit den Osmanen die Niederungen zwischen Theiss (26) und Mieresch (27), die Baranya, sowie Ofen (28) und weiter nordlich gelegene Landesteile Ungarns, (29) wahrend sich einzelne Gruppen nach Nordosten wandten und in Grosswardein (30) und Sathmar (31) niederliessen. (32) Zum ersten Mittelpunkt der serbischen Neusiedler und Sitz des Patriarchen Carnojevic entwickelte sich indessen St. Andra (33) nordlich von Ofen, wo nach fruheren Ubersiedlungen bereits eine serbische Gemeinschaft bestand. (34)

Bereit 1686 und 1687 wichen zahlreiche Banater Serben vor den Kampfhandlungen uber die Theiss in die Batschka (35) und die Baranya aus, sowohl organisiert als auch in Eigeninitiative. (36) Hinzu kam eine Ubersiedlung aus dem umkampften Serbien sowie aus Bosnien nach Syrmien (37) und Slawonien in die von den Osmanen aufgegebenen Landstriche. (38) Wahrend die Frage ihrer eventuellen Ruckkehr der Geflohenen wurde durch den Frieden von Karlowitz 1699 obsolet wurde, kristallisierten sich in der Folgezeit insbesondere die grenznahen Regionen Jenopolje, die Batschka und Syrmien als Zentren serbischer Besiedlung heraus. (39)

Bereits der "Zweite Serbenzug" unter dem serbischen Patriarchen Arsenije IV. Sakabenta (40) 1739 trug neben einer Festigung der bereits unter Carnojevic transferierten Institutionen zu einer Starkung des Anteils an serbischer Bevolkerung in den sogenannten Neoacquistica, den vom Osmanischen Reich eroberten Gebieten Sudungarns, bei. Infolge ihrer Parteinahme fur die Habsburgermonarchie wahrend des erneuten Krieges mit dem Osmanischen Reich von 1737 bis 1739 und der sich abzeichnenden osterreichischen Niederlage siedelten wiederum zahlreiche Serben auf Habsburger Territorium uber, insbesondere in das Banat, nach Syrmien sowie in die Batschka. (41) Auch Patriarch Sakabenta, der fortan in Karlowitz residierte und 1741 durch Maria Theresia in seinem Amt bestatigt wurde, wirkte in seinem Selbstverstandnis als alleiniger geistlicher und weltlicher Reprasentant der Serben fur die Einhaltung und Sicherstellung ihrer Privilegien. Diese kontinuierlichen, an den Wiener Hof adressierten Forderungen sowie der sich verscharfende Gegensatz zu den ungarischen Standen pragte die serbische Prasenz im Habsburgerreich; die Forderung eines eigenen, "nationalen" Territorums auf dem Kongress von Temeschwar (42) 1790 ist dabei nur eine von mehreren Zasuren, und sie war zugleich der Ausgangspunkt eines weiteren Interessenkonfliktes: Insbesondere fur die Rumanen stellte sich die Frage nach einer eigenen Reprasentation--ausserhalb des Furstentums Siebenburgen zunachst losgelost von der Karlowitzer Metropolie zunachst auf kirchlicher, spater vor dem Hintergrund gesamtnationaler Bestrebungen auch auf politischer und territorialer Ebene. Diese Forderungen sind letztendlich auch eine Folge der die ethnische Heterogenitat begrundenden Migrationsprozesse; insbesondere im Falle des Banats werden ihre Verlaufe und Ergebnisse rumanischer- und serbischerseits hochst unterschiedlich gewertet.

4. Das serbisch-rumanische Bevolkerungsverhaltnis im Banat als Resultat der Migrationsbewegungen und als neuzeitlciher Diskursgegenstand

Als Region der Grenze und des Austausches unterlag das Banat einem kontinuierlichen strukturellen Wandel; bedingt durch seine Situation als peripheres Grenzland aus Perspektive der jeweiligen Machtzentren besass es stets einen Ubergangscharakter, was eine spater vorgenommene Aufteilung entlang ethnischer, konfessioneller oder sprachlicher Trennlinien erschwerte. Seine ethnische Vielschichtigkeit bietet Freiraum fur differierende Deutungsmuster; der angestrebte Nachweis einer "Authochthonie des Ersteren" ist insbesondere vor dem Hintergrund moderner Ethno-Nationalismen, die bis heute die historische Forschung in Sudosteuropa dominieren, sowie als Ausdruck eines neuzeitlichen, territorialen Anspruchsdenkens zu verstehen.

Die Inkorporierung durch das Habsburgerreich bedingte eine Intensivierung der Bevolkerungsdichte: Die serbische Abwanderung nach Auflosung der benachbarten Theiss-Mieresch-Militargrenze, die Verstarkung des rumanischen Bevolkerungselements durch eine grosstenteils unorganisierte Einwanderung ab dem 18. Jahrhundert sowie die erneute serbische Immigration wahrend des "Zweiten Serbenzuges" 1739 unter Patriarch Sakabenta pragten die ethnische Struktur des Banats nachhaltig. Die Etablierung der Banater Militargrenze ab 1764 bildet schliesslich den vorlaufigen Hohepunkt ihrer weiteren, organisierten Modifizierung wahrend des 18. Jahrhunderts.

Die neuzeitliche rumanische Literatur, die sich in grossem Umfang der Historiographie unter dezidiert nationalistischen Vorzeichen widmet, verweist die Annahme eines entvolkerten Banates in die "Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts" (43) und besteht dabei auf einer Authochthonie der Banater Rumanen; (44) die Region sei zudem "Teil des originaren Lebensraumes der Rumanen" (45) und "Raum ihrer Traditionswahrung" (46). Dies suggeriert einen territorialen Exklusivitatsanspruch und reprasentiert einen unreflektierten Nationalismus unter konsequenter Nichtbeachtung historischer Forschungstraditionen. (47)

Die Konstatierung einer hohen Bevolkerungsdichte des Banats anhand einer hohen Anzahl der dortigen Siedlungen ist prinzipiell ein stichhaltiger Ansatz, (48) doch bei den Erfassungen infolge der Eroberungen durch das Habsburgerreich handelt es sich nicht um eine Volkszahlung im neuzeitlichen Sinne, sondern um eine Erfassung der Abgabepflichtigen; dies liess ethnische gegenuber fiskalischen Kriterien in den Hintergrund treten. Die neuzeitliche, retrospektive Bezeichnung der Banater Siedlungen als dezidiert "ethnisch rumanisch" oder "ethnisch serbisch" setzt enge, ruckprojizierende Grenzen, die seinerzeit unbekannt waren und sich erst durch das spatere Einwirken moderner nationaler Identitaten auch im Banat herauskristallisierten. Wahrend zudem eine rumanische Besiedlungsmehrheit in dieser Region mit Ausnahme der uberwiegend vermeintlich serbisch besiedelten Distrikte Pantschowa (49) und Werschetz (50) anhand lingustischer Merkmale zunachst plausibel erscheint, (51) erlaubt der Name einer bestimmten Siedlung dennoch keine konkreten Ruckschlusse auf ihre Besiedlung durch eine bestimmte Ethnie. Im Rumanischen wie im Serbischen wurden bei verschiedener Schreibweise oftmals dieselben Ortsnamen verwendet, wahrend beide Sprachen erst ab der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts kodifiziert wurden. Erst dieser Schritt erlaubte bei einsetzender Verwendung linguistisch standardisierter Ortsbezeichnungen eine fassbare Differenzierung. Zudem wurde eine Beschreibung der Banater Siedlungen oft durch auswartige Reprasentanten der Verwaltung vorgenommen; angesichts einer fehlenden Kodifizierung der dort jeweils verwendeten Sprachen wurde auf die in der lokalen Bevolkerung ubliche Aussprache ein und desselben Ortsnamens zuruckgegriffen, und das meist unabhangig von ihrer ethnischen Struktur. Die Toponyme geben daher nur sehr begrenzt Aufschluss uber die tatsachlichen Besiedlungsverhaltnisse und verbieten daher eine retrospektive ethnonationale Grenzziehung.

Positionen, die die serbische Prasenz im Banat auf einen Zeitpunkt nach der Zerschlagung des mittelalterlichen serbischen Konigreiches verweisen, sind mit jenen Positionen unvereinbar, die es als originar serbischen Siedlungsraum betrachten und dessen Besiedlung durch ein rumanisches Bevolkerungselement auf die Zeit nach dem Auftreten einer serbischen Bevolkerung datieren. So hatten insbesondere im nicht von Rumanen bewohnten, westlichen Banat "aus Siebenburgen einwandernde Rumanen" die zuvor serbischen Siedlungen "ubernommen". (52)

Ein weiteres Motiv neben der retrospektiven Beanspruchung des gesamten Banats bildet dessen Unterteilung in einen westlichen und einen ostlichen Teil von jeweils unterschiedlicher ethnischer Gewichtung. (53) Als vorgeblich konzeptionell sinnvoller Ansatz versucht er jedoch, die "andere" Ethnie in der jeweiligen Teilregion wenn nicht zu delegitimieren, sie doch als "Fremdkorper" zu definieren. In diesem Verstandnis sind die geschilderten rumanischen "Zuwanderungsprozesse" aus den weiter ostlich gelegenen Bergregionen in die Banater Ebene zu verstehen, wo sie als Hinzugezogene auf ein bereits vorhandenes serbisches Bevolkerungselement getroffen seien. (54) Wird andererseits der ostliche Gebietsteil allein einem kompakten ethnisch-homogenen rumanischen Bevolkerungselement zugesprochen, (55) beschreibt dies wiederum die serbische Prasenz als sekundares Element und vernachlassigt ebenfalls die Rolle des Banats als einen durch interne Migrationsprozesse gepragten Ubergangsraum, dem Grenzen entlang ethnischer Scheidelinien seinerzeit unbekannt waren und daher nicht rekonstruiert werden konnen. Selbst wenn fur das 14. Jahruhundert ein rumanischer Bevolkerungsanteil im Banat nachgewiesen werden kann, (56) so macht es die mangelhafte Quellensituation wahrend der osmanischen Herrschaft unmoglich, eine gesicherte ethnische Kontinuitat bis in die Fruhe Neuzeit herzustellen. Dies gilt nicht nur fur die Rumanen, sondern fur samtliche als "autochthon" beschriebene Banater Ethnien. (57)

Nicht nur die jeweiligen politischen und administrativen Zentren, die auf dieses Grenzland einwirkten, sondern das Banat bildete daruber hinaus eine periphere Nahtstelle und Randzone. Die Nahe seiner einzelnen Regionen zu einem Epizentrum neuzeitlicher ethnonationaler Bewegungen erlauben in der Tat Ruckschlusse auf die Gewichtung einer Ethnie in der Moderne. Wahrend seine retrospektive Unterteilung anhand ethnonationaler Gesichtspunkte erwiesenermassen und trotz des Bestrebens nationalistisch gepragter Fachliteratur unmoglich ist, erlaubt in der Neuzeit der fluide Ubergang zwischen ethnischen Schwerpunktregionen weder einseitige Beanspruchungen noch klare territoriale Aufteilungen anhand ethnonationaler Kriterien, weder in einer versuchten Apologie des vermeintlich "eigenen" Lebensraumes durch die nationalistisch gepragte Literatur, noch bei der Grundung neuzeitlicher Nationalstaaten. Wird dieser Versuch dennoch unternommen, entstehen durch diese neu gezogenen Grenzlinien Minderheiten, die sich nicht als solche verstehen, und die ihre Loyalitat statt auf "ihren" neuen Staat zum empfundenen "Heimatland" jenseits der etablierten Grenzen richten. (58)

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[17.] Maluckov, Mirjana (1985), Rumuni u Banatu. Etnoloska monografija, Novi Sad: Buducnost

[18.] Milin, Miodrag (1988), Interferente culturale intre poporul rom an si popoarele din spatiul Iugoslav intre secolele XVII-lea si inceputul secolului al XX-lea. Perspectiva politica-culturala in secolul al XIX-lea, ClujNapoca; Timisoara: Eigenverlag

[19.] Popovic, Dusan (1957), Srbi u Vojvodini. Knjiga prva. Od najstarijih vremena do Karlovackog mira 1699, Novi Sad: Matica Srpska

[20.] Popovic, Dusan (1959), Srbi u Vojvodini. Knjiga druga. Od karlovackog mira 1699 do Temisvarskog sabora 1790, Novi Sad: Matica Srpska

[21.] Popovic, Toma; Samardzic, Radovan; Veselinovic, Rajko L. (1993), Istorija Srpskog Naroda. Treca knjiga. Prvi tom. Srbi pod tuainskom vlascu 1537-1699, Beograd: Srpska knjizevna zadruga

[22.] Savkovic, Jovan (1952), "Borba Srba Vojvodana za svoju teritorijalnu i politicku samostalnost" in Zbornik Matice Srpske. Serija drustvenih nauka Jg. 3, 21-51

[23.] Smith, Anthony (2001), Nationalism. Theory, Odeology, History, Cambridge: Polity Press

[24.] Stepanov, Ljubomir (1994), Iz povesti Ketfelja, Timisoara: Demokratski savez Srba i Karasevaka

[25.] Stepanov, Ljubomir (2001), Srbi u Knezu, Timisoara: Savez Srba u Rumuniji

[26.] Trapcea, Theodor (1976), "Aspecte privind starea economica, sociala si politica a Pasalikului de la Timisoara" in Studii de istorie a Banatului Jg. 4, 3-23

[27.] Teicu, Dumitru (2007), Die ekklesiastische Geographie des mittelalterlichen Banats, Bukarest: Editura Academiei Rom ane

[28.] Tinta, Aurel (1969), "Situatia Banatului la cucerirea lui de catre Habsburgi" in Studii de istorie a Banatului Jg. 1, 83-114

Philipp Hochbaum **

* Diese Arbeit wurde durch die finanzielle Unterstutzung des Sektorenbetriebsprogramms zur Personalentwicklung 2007-2013 ermoglicht, welches vom Europaischen Sozialfonds im Rahmen des Projektes Nr. POSDRU/107/1.5/S/77946 mitfinanziert wird: "Die Promotion: eine erfolgreiche Laufbahn in der Forschung".

** Philipp Hochbaum studied East and South Eastern European History and Religious Studies at the University of Leipzig (Germany) from 2003 until 2010 and enrolled as PhD student in history at the Babes-Bolyai University, Cluj-Napoca (Romania) in 2010. Contact: philipp.hochbaum@ubbcluj.ro

(1) Siehe dazu Anthony Smith' Beschreibung des modernen Nationalismus als "an ideological movement that seeks to attain and maintain the autonomy, unity and identity of a human population, some of whose members deem it to constitute an actual or potential nation ", in: Anthony Smith, Nationalism. Theory, Ideology, History, Cambridge: Polity Press 2001, S. 25.

(2) Eric Hobsbawm beschreibt die Etablierung neuzeitlichen nationalen Bewusstseins als elitare "Erfindung von Traditionen", die angesichts gesellschaftlicher Umbruchssituationen sowohl neue Loyalitaten als auch ein Mobilisierungspotential bereitstellen sollen. Der Hauptbezugspunkt jener erfundenen Traditionen seien dabei die erfundene Nation mitsamt ihrer Gemeinsamkeit suggerierenden Symbole. Siehe dazu: Eric Hobsbawm, The Invention of Tradition, Cambridge: Cambridge University Press 1999, S. 13f.

(3) Zur analytischen Dimension des Loyalitatsbegriffes und dessen Kategorisierung als soziales Phanomen: Peter Haslinger; Joachim von Putkamer, "Staatsmacht, Minderheit, Loyalitat--konzeptionelle Grundlagen am Beispiel Ostmittel- und Sudosteuropas in der Zwischenkriegszeit", in: DIES. [Hrsg.], Staat, Loyalitat und Minderheiten in Ostmittel- und Sudosteuropa 1918-1941, Munchen 2007, S. 1-16.

(4) Vgl. Dusan Popovic, Srbi u Vojvodini. Knjiga prva. Od najstarijih vremena do Karlovackog mira 1699, Novi Sad: Matica Srpska, 1957, S. 167.

(5) Vgl. D. Popovic, 1957, S. 104f.

(6) Vgl. Boris D. Krstic; Vasa Lupupovic, Sokolovac. Monografija, Timisoara: Savez Srba u Rumuniji, 1999, S. 13, sowie Stepanov, Ljubomir, Statisticki podaci o Srbima u Rumuniji, Timisoara: Savez Srba u Rumuniji, 2005, S. 6. In beiden Werken gilt die--de facto unentschiedene--Schlacht auf dem Amselfeld (serb.: Kosovo polje) von 1389 zwischen einer antiosmanischen Allianz unter serbischer Fuhrung und dem Osmanischen Reich als Hauptausloser der serbischen Migrationsbewegung, die sich nordwarts bis uber die Donau erstreckte.

(7) So wenden sich Toma Popovic, Radovan Samardzic und Rajko L. Veselinovic in ihrer "Istorija Srpskog Naroda" explizit gegen eine Verklarung und Simplifizierung der Emigration serbischer Bevolkerungsteile aus ihrem bisherigen Lebensumfeld. So habe kein vermeintlicher Wunsch, statt in einem islamisch dominierten "in einem christlichen Land zu leben" zur deren Auswanderung gefuhrt; diese sei stattdessen nur im aussersten Extremfall und als letzter Schritt zur Sicherstellung der eigenen Existenz erfolgt. Siehe dazu: Toma Popovic; Radovan Samardzic; Rajko L. Veselinovic, Istorija Srpskog Naroda. Treca knjiga. Prvi tom. Srbi pod tudinskom vlascu 1537-1699, Beograd: Srpska knjizevna zadruga, 1993, S. 90f.

(8) Insbesondere Slavko Gavrilovic begibt sich bei seiner Beschreibung des "aufopferungsvollen Kampfes der Serben" gegen das vordringende Osmanische Reich auf eine eindeutig normative Ebene: Nach dem Scheitern der Verteidigung ihres Staates (sic) hatten "[...] die Serben als orthodoxe Christen das katholisch-protestantische Europa vor dem Islam verteidigt, der die transdanubischen und pannonischen Regionen erobert habe und bis an die Mauern Wiens gelangt sei [...].", in: DERS., Iz istorije Srba u Hrvatskoj, Slavoniji i Ugarskoj (XV-XIX vek), Beograd: Filip Visnjic, 1993, S. 11. (im serbischen Original: "[...] Srbi su, kao pravoslavni hriscani, branili katolicko-protestantsku Evropu od islama koji je osvajao podunavske i panonske oblasti i stigao pod zidine Beca [...].") Seine undifferenzierte Heranziehung des Begriffes "Staat" (im serbischen Original: "drzava") zur Beschreibung des mittelalterlichen Konigreiches demonstriert zudem das Bestreben des Autors, eine Kontinuitat zum neuzeitlichen serbischen Staat herzustellen, um dessen vermeintliche Historizitat zu belegen. Die Unreflektiertheit findet in der Beschreibung der Ubergesiedelten ihre Fortsetzung, die sich laut Gavrilovic als neue "Mitburger" (sic) der ungarischen Konige, der siebenburgischen sowie der walachischen Fursten zudem der Verteidigung der sudlichen Grenzen verschrieben hatten, "[...] wahrend sie an den Sieg des Kreuzes uber den Halbmond glaubten.", in: S. Gavrilovic, 1993, S. 11. (im serbischen Original: "[...] verujuci u pobedu krsta nad polumesecom.")

(9) Vgl. Popovic; Samardzic; Veselinovic, 1993, S. 21f.

(10) Ljubomir Stepanov, Iz povesti Ketfelja, Timisoara: Demokratski savez Srba i Karasevaka u Rumuniji, 1994, S. 22.

(11) Ibid.

(12) Ljubomir Stepanov, Srbi u Knezu, Timisoara: Savez Srba u Rumuniji, 2001, S. 20.

(13) Vgl. Aleksa Ivic, Istorija Srba u Vojvodini. Od najstarijih vremena do osnivanja Potiskopomoriske granice (1703), Novi Sad: Matica Srpska, 1929, S. 256; des weiteren: Miodrag Milin, Interference culturale intre poporul roman si popoarele din spatiul Iugoslav intre secolele al XVIII-lea si inceputul secolului al XX-lea. Perspectiva politica-culturala in secolul al XIX-lea, Cluj-Napoca; Timisoara: Eigenverlag, 1988, S. 1: "Deja in vremea bataliei de la Mohacs in valea Muresului e semnalata prezenta acestui element sirbesc [...]."

(14) Vgl. Barbara Jelavich, History of the Balkans. Eighteenth and Nineteenth centuries, Vol. 1, Cambridge: Cambridge University Press, 1994, S. 129.

(15) Der hohe Stellenwert von Konfession als Unterscheidungsmerkmal im millet-System wird dadurch verdeutlicht, als dass millet im Deutschen sowohl mit Religionsgemeinschaft als auch mit Nation und Volk wiedergegeben wird.

(16) Vgl. M. Milin, 1988, S. 2.

(17) Karl Freiherr von Czoernig, Ethnographie der Oesterreichischen Monarchie. II. Band, Wien: Kaiserlich-koenigliche Hof- und Staatsdruckerei, 1857, S. 157.

(18) Ibid.

(19) Die Tendenz machtpoltischer Einflussnahme auf die Entwicklung konfessioneller Strukturen zeitigte sich auch anhand der Schaffung der griechisch-katholischen Kirche in Siebenburgen. Mit Ruckendeckung durch den Wiener Hof und in Interessenkongruenz mit den dortigen Standen sollte die Position des Katholizismus eine Starkung erfahren. Dies belegt eindeutig, dass das spatere Zugestandnis von Privilegien an die orthodoxen Ubersiedler in Sudungarn unter der Fuhrung des hohen serbischen Klerus keine generell positive Haltung des Habsburgerreiches gegenuber der Orthodoxie reprasentiert, sondern eine dezidiert fallspezifische, interessenorientierte Macht- und Konfessionspolitik.

(20) Vgl. K.F. v. Czoernig, Bd. II, 1857, S. 158.

(21) Vgl. K.F. v. Czoernig, Bd. II, 1857, S. 157.

(22) Ibid.

(23) Seltener: Janopol; rum.: Ineu; durch die fruhere Zugehorigkeit zum Konigreich Ungarn auch als ungar. Jeno bekannt.

(24) Vgl. Vasa Lupulovic, Viata bisericeasca a sarbilor din Banat intre anii 1865-1918, Cluj-Napoca: Presa Universitara Clujeana, 2009, S. 70.

(25) Vgl. D. Popovic, 1957, S. 326f.

(26) Rum.: Tisa; ungar.: Tisza; serb.: Tisa. Unter dem Gebot konzeptueller Neutralitat wird, sofern vorhanden, auf die deutschen Orts- und Landschaftsbezeichnungen zuruckgegriffen. Bei erstmaliger Nennung erfolgt der Verweis auf die jeweiligen landessprachlichen Orts- und Landschaftsnamen. Dies entfallt indessen bei uberregional bekannten deutschsprachigen Bezeichnungen (z. B. "Donau").

(27) Rum.: Mures..

(28) Ungar.: Buda.

(29) Vgl. K.F. v. Czoernig, Bd. II, 1857, S. 158.

(30) Rum.: Oradea.

(31) Rum.: Satu Mare.

(32) Vgl. D. Popovic , 1957, S. 318.

(33) Ungar.: Szentendre.

(34) Vgl. M. Milin, 1988, S. 3.

(35) Serb.: Backa.

(36) Vgl. A. Ivic, 1929, S. 289.

(37) Serb.: Srem.

(38) Jovan Savkovic, "Borba Srba Vojvoctana za svoju teritorijalnu i politicku samostalnost", in Zbornik Matice Srpske Jg. 3, 1952, S. 21-51, hier S. 23.

(39) Vgl. K.F. v. Czoernig, Bd. II, 1857, S. 161.

(40) Auch: Sakabent.

(41) Vgl. Slavko Gavrilovic, Iz istorije Srba u Hrvatskoj, Slavoniji i Ugarskoj (XV--XIX vek), Beograd: Filip Visnjic, 1993, S. 140.

(42) Rum.: Timisoara.

(43) Aurel Tinta, "Situatia Banatului la cucerirea lui de catre Habsburgi" in Studii de istorie a Banatului Jg. 1, 1969, S. 83-114, hier S. 85.

(44) Vgl. A. Tinta, 1969, S. 107.

(45) Vgl. Theodor Tr apcea, "Aspecte privind starea economica, sociala si politica a Pasalikului de la Timisoara" in Studii de istorie a Banatului Jg. 4, 1976, S. 3-23, hier S. 3.

(46) Calin Felezeu, "Autonomia Rom anilor din Banat in epoca dominatiei otomane 1552 1718" in: Actele Simpoziumului "Banatul iugoslav. Trecut istoric si cultural", Beograd: Zavod za udzbenike i nastavna sredstva 1997, S. 89-96, hier S. 95f.

(47) Elie Kedourie formuliert treffend: "Nationalists make use of the past in order to subvert the present."; in: E. Kedourie, Nationalism, Cambridge; Oxford: Blackwell 1993, S. 70. Der reine Nachweis rumanischer--wie auch anderer--Bevolkerungsteile im Banat erlaubt keinesfalls die Konstruktion vermeintlich historisch begrundeter Kontinuitaten, um gegenwartige Anspruche in Auseinandersetzung mit anderen Nationen zu begrunden.

(48) Vgl. Paul Binder, "Lista localitatilor din Banat de la sf arsitul secolului al XVII-lea" in Studii de istorie a Banatului Jg. 2, 1970, S. 61-68, hier S. 62.

(49) Serb.: Pancevo.

(50) Serb.: Vrsac.

(51) Vgl. P. Binder, 1970, S. 62.

(52) Popovic, D., Srbi u Vojvodini. Knjiga druga. Od Karlovackog mira 1699 do Temisvarskog sabora 1790, Novi Sad: Matica Srpska, 1959, S. 36.

(53) Vgl. D. Popovic ,1957, S. 103f.

(54) Vgl. J. Erdeljanovic, 1992, 7.

(55) Vgl. D. Teicu, Die ekklesiastische Geographie des mitelalterlichen Banats, Bukarest: Editura Academiei Rom ane, 2007, S. 11.

(56) Vgl. Maluckov, M., Rumuni u Banatu, Novi Sad: Buducnost, 1985, S. 29.

(57) Ibid.

(58) Rogers Brubaker definiert den externen Loyalitatsdressaten neuzeitlicher nationaler Minderheiten als "external national, homeland ". Nach erfolgter Grenzziehung entsteht insbesondere dann ein "externes Heimatland", wenn dieses die Aufsichtsgewalt uber die vermeintlich ihm zugehorige Minderheit beansprucht. Uber die neu etablierte, teilende Grenze hinweg entfaltet sich demnach eine zweigestaltige Beziehung: Die Minderheit sieht in ihrem "Mutterland" nicht ihr eigentliches Heimatland, sondern eine Schutzmacht, der sie sich zugehorig fuhlt. Diese wiederum reklamiert gegenuber dem die Minderheit vereinnahmenden Staat eine Schutzfunktion der ihr zugehorigen Minderheit. Siehe dazu: Rogers Brubaker, Nationalism reframed. Nationhood and the national question in the New Europe, Cambridge: Cambridge University Press, 1996, S. 57ff.
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Author:Hochbaum, Philipp
Publication:Studia Europaea
Article Type:Report
Geographic Code:4EXHU
Date:Sep 1, 2012
Words:5822
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