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Praktische bedurfnisse und die rezeption der aristotelischen <> im 13. und 14. Jahrhundert, das beispiel des Albertus Magnus.

Die Politik des Aristoteles wurde dem lateinischen Mittelalter erst sehr spat bekannt. Ihr Text kam den mittelaltelrichen Gelehrten der europaischen Universitaten erst im allerletzten Phase der langen Wellen zu Gesicht, in denen sie nacheinander das gesamte Corpus der aristotelischen Schriften rezipierten. In einem langdauernden Weg von mehreren Jahrhunderten (1) kamen sie zuerst mit den logischen und dialektischen Schriften des griechischen Philosophen in Beruhrung, die dem Mittelalter seit der Spatantike in Auswahl etwa durch Boethius vermittelt worden waren, seit dem 12. Jahrhundert intensiviert und vermehrt in der sogenannten Ars nova durch eine damals neue AuswahlUbersetzung aus dem Arabischen, die auf der iberischen Halbinsel hergestellt worden war. In demselben 12. Jahrhundert lasst sich eine weitere Rezeptionswelle aristotelischer Texte beobachten. Die entsprechenden Texte des Stagiriten erschienen nacheinander in Westeuropa, als europaische Intellektuelle mit seiner Physik und den weiteren naturphilosophischen Schriften in Ubersertzungen aus dem Arabischen bekannt wurden, und sich auch bald mit der Metaphysik vertraut machen konnten. Fruher oder spater wurden all diese Texte dann auch auch aus ihrer griechischen Originalfassung ins Lateinische ubertragen.

Es ist unmoglich, diese komplexe und windungsreiche Aufnahme des Corpus Aristotelicum hier in allen Einzelheiten und in seiner exakten Chronologie zu verfolgen, die man gewohnlich die <<Rezeption des Aristoteles>> oder den <<mittelalterlichen Aristotelismus>> nennt. Es muss genugen, uns daran zu erinnern, dass dem Mittelalter eine ausserordentlich lange Zeit zur Aufnahme all dieser Schriften, zu ihrer Verarbeitung und zur Gewohnung an sie und ihren Duktus zur Verfugung stand. Wie Aristoteles argumentierte, das konnte ein mittelalterlicher Student an vielerlei Stellen und in unterschiedlichen Bereichen eines weitraumigen Wissens lernen. Und er mochte das auch bei neuartigen Phanomenen nicht so leicht vergessen, zu denen er noch keine Schrift <<des>> philosophus hatte lesen konnen. Das gilt insbesondere fur die Schriften des Aristoteles zur Praktischen Philosophie. Es gilt nicht allein fur die Politik, sondern bereits fur die Ethik, die in Gestalt der Nikomachischen Ethik, das im westlichen Europa erst in einem langwierigen Prozess bekannt wurde, der erst am Ende des 12. Jhs. mit ersten Auszugen begann, die aus dem griechischen Urtext gezogen worden waren. Man nannte diese ersten Fragmente spater die Ethica vetus, wahrend als Ethica nova andere, umfangreichere Auszuge in den 20er Jahren des 13. Jhs. bekannt wurden. Fast eine ganze Generation spater, um 1240, erschien dann eine Paraphrasis aus dem Arabischen auf der Buhne, der dann kurz vor der Mitte des 13. Jhs (wohl um 1246/47) der englische Gelehrte Robert Grosseteste, seit 1235 Bischof von Lincoln und damit der fur Oxford zustandigen Diozese alle diese Ansatze mit seiner vollstandigen Ubersetzung der Ethica aus dem Grfiechischen in einer redactio completa zusammenfuhrte. So war die aristotelische Ethik im Westen erst am Ende der ersten Jahrhunderthalfte des 13. Jhs. den lateinischen Gelehrten vollstandig zuganglich.

Die Politik des Aristoteles musste auf eine Aufmerksamkeit der europaischen Universitaten noch langer warten. Erste Ubersetzungen in das Lateinische wurden erst um die Jahre 1260-1265 unternommen, wohl von dem niederlandischen Dominikaner Wilhelm (von) Moerbeke, (2) der als dominikanischer Missionar in den fruhen 60er Jahren des 13. Jhs. in Griechenland gelebt hatte und offen bar von dort eine ganze Menge von Manuskripten nach Italien mitgebracht hatte, wo er eine ganze Reihe von wichtigen Ubersetzungen aus dem Griechischen seinen gelehrten Kollegen herstellte, darunter auch die aristotelische Politik. In der zweiten Halfte der 60er Jahre (von 1267-1276) lebte er an der papstlichen Kurie, vor allem in Viterbo. Nach 1272 wirkte er dort als papstlicher Poenitenziar, d.h. er war zusammen mit anderen Mendikanten dafur zustandig, die Beichte der zahlreichen Pilger und anderen Kurienbesuchern anzuhoren und im Auftrag des Papstes die Absolution zu erteilen.

Wahrend der Jahre, in denen die apostolische Kurie vorwiegend in Viterbo (wenig nordlich von Rom) weilte, lebte Moerbecke in naher Nachbarschaft und moglicherweise engem Kontakt zu einem anderen gelehrten Dominikanerbruder, zu Thomas Aquinas, der von etwa 1261 bis 1265 das dominikanische Studienhaus im nahegelegenen Orvieto leitete, mit dem papstlichen Hof enge Verbindung hielt, und von 1266 bis 1269 in derselben Funktion als Leiter des studium seines Ordens in Rom noch naher an die Kurie heranruckte. Gleichwohl scheint die alte Anekdote nicht zuzutreffen, die wissen wollte, dass Thomas damals die neuen Texte der aristotelischen Politik sozusagen Blatt fur Blatt und taufrisch vom Schreibtisch seines benachbarten Ordensbruders erhielt und sofort nutzen konnte. So dramatisch darf man sich die Ubermittlung des neu zuganglichen Textes gewiss nicht vorstellen. Sicherlich jedoch hat Thomas von Aquin als einer der ersten die Politik des alten Griechen in ihrer lateinischen Version bei eigenen Arbeiten benutzt. So hat er diese Textgrundlage etwa in einem seiner spatesten Traktate, dem fragmentarisch gebliebenen Furstenspiegel De regno ad regem Cypri ebenso, wie in den spaten Teilen seiner Summa theologiae zitiert und ihre Argumente eingesetzt. Thomas hatte sogar, wie sich zeigen lasst, bereits in den fruhen 60er Jahren die--wahrscheinlich gleichfalls von Wilhelm von Moerbeke stammende--sogenannte Translatio incompleta der Politik gekannt und benutzt. Das mag einer der Grunde fur die dramatisierende Anekdote gewesen sein. (3)

Aber unabhangig davon ist festzuhalten, die Redactio completa der Ubersetzung Moerbekes machte alsbald ihren Weg. Wir finden sie alsbald nach ihrem Entstehen in der Universitat Paris, aber auch anderwarts, etwa in Koln oder Padua. Es fallt schwer, eine Erklarung fur diese spate, aber dafur heftig wahrgenommene Ankunft des Textes bei den Universitatsgelehrten des 13. Jhs. zu finden. Wahrscheinlich liegt dem eine nur kontingente Ursache zugrunde: das mag so geschehen sein, weil die Araber jedenfalls den Gesamttext der Politik nicht gekannt haben, jedenfalls wird das von den Arabisten immer noch heftig diskutiert, deren Mehrzahl, wenn ich richtig sehe, zur Zeit annimmt, dass die Araber, bzw. die Mehrzahl der arabischen Philosophen die aristotelischen Vorlesungen zur Politik jedenfalls nicht vollstandig gekannt haben. (4) Aber da diese Debatte noch nicht abgeschlossen scheint, mochte ich hier nur mit grossster Vorsicht formulieren.

Wenn aber die Politik des Aristoteles erst so spat in das lateinische Europa gelangte, so haben doch schon vor ihrer Ankunft die lateinischen Universitatsgelehrten dringend auf sie gewartet, nicht nur Monate lang, sondern Jahre und Jahrzehnte hindurch. Durch einen reinen Zufall konnen wir das belegen. Denn an der mittelalterlichen Pariser Universitat gab es eine besondere Sorte von Traktaten, eine Textsorte, die eine systematische Ubersicht uber alle Wissenschaften geben wollte, einen knappen Uberblick uber den gesamten Kreis des erreichbaren Wissens. Die modernen Entdecker und Herausgeber haben diesen Texten unterschiedliche Titel gegeben: Divisio scientiae oder Divisio scientiarum, Guide de l'etudiant, oder auch Eine fur Examenszwecke abgefasste Quaestionensammlungder Pariser Artistenfakultat bzw. Examination Compendia (oder ahnlich). (5) Ohne mich hier in die Details zu vertiefen, ich sehe in diesen Traktaten eher Listen der wichtigsten zu behandelnden Themen, verbunden mit der massgeblichen Literatur, welche sowohl Studenten als auch Magister nach der Auffassung der Verfasser zu Rate ziehen mussten, wenn sie ein bestimmtes Feld der Studien zu beackern wunschten. Heute konnte man es mit den uberall beinahe uberhand nehmenden Bucherreihen der Companions an heutigen Universitaten und Hochschulen vergleichen, kurzgefassten Leitfaden mit den wichtigsten Daten und Fragen sowie der grundlegenden Literatur zu bestimmten Sachgebieten, auf die man sich einlassen muss, wenn man ein bestimmtes Wissensgebiet meistern mochte.

Bereits seit den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts lasst sich in solchen Texten eine erstaunliche Beobachtung machen: wo diese Studienfuhrer die praktische Philosophie behandeln, da identifizieren sie diesen Zweig philosophischer Bemuhungen in seit der Antike traditioneller Dreiteilung als monastica, oeconomica, politica. Auch Aristoteles hatte seine praktisch-philosophischen Schriften in dieser Dreiteilung gesehen. Fur das letzte dieser Felder, die politica jedoch findet sich keinerlei spezielle Basisliteratur, kein fundamentales Textbuch, auf das man sich stutzen sollte, sondern nuir der allgemeine Hinweis auf die leges, und d.h. fur die scholastische Universitat auf das Romische Recht des Corpus Iuris civilis Kaiser Justinians, wie es seit dem 12. Jh. an den italienischen Universitaten gelehrt wurde, sowie auch die decreta der <<Kanonisten>>, konkret gesprochen das sog. Decretum Gratiani und die papstlichen Dekretalen. (6) Nach Meinung des (anonymen) Autors dieses Textes also waren die Legisten und Kanonisten zuerst fur eine Erlauterung der Besonderheiten des Rechts un damit fur die eine Theorie der Politik zustandig.

Wir kennen noch etwa eine Handvoll solcher Texte, wie sie der fruhe Guide de l'etudiant im Paris aus dem zweiten Drittel des 13. Jhs. stilbildend begonnen hatte. Sie folgen einander gewissermassen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt und lassen uns damit eine Entwicklung der Vorstellungen und der vorgestellten Argumente erkennen, jedenfalls an wichtigen Stellen. Wahrend der erste Text noch die leges et decreta, und damit die Juristen fur die kompetenteste Fachliteratur zur politischen Theorie erklarte, wird in dem darauf folgenden Jahrzehnt (und damit noch kurz vor dem Ende der ersten Halfte des 13. Jhs.) diese Zuschreibung wohl beihalten, jedoch wird der Literatur aus der fremden Fakultat ein <<artistisches>> Textbuch zur Seite gestellt, (7) Tullius, d.h. Cicero, dessen Schrift De officiis von dem Anonymus des Ripoll-Ms. wohl bereits, aber noch ausschliesslich fur Ethik (Monastik) und Oekonomik genannt worden war. Ciceros Text aber war bereits Schullekture seit dem fruhen Mittelalter. Ganz offensichtlich wurde damit einem Interessenten ein spezifisch zur eigenen Fakultat gehoriger Text zum genaueren Studium in die Hand gegeben. Auf der nachsten Stufe, der dritten in unserer Zahlung, wurde <<Tullius>> beibehalten. Neben ihm aber wird Aristoteles genannt, der eine <<Politica>> geschrieben habe, <<die bei uns noch nicht [!] bekannt ist>>. (8)

Das ist in der Tat eine bemerkenswerte Notiz! Hier ist mit Handen zu greifen, dass im Falle der aristotelischen Politik die Rezeption des neuen Textes nicht etwa einfach durch das Vorhandensein oder das plotzliche Auftauchen einer unbekannten Schrift erklart werden kann, also damit, dass der neu bekannt werdende Text fur ein bestimmtes Wissensgebiet von grossem Interesse gewesen sein muss, in diesem Falle also fur das Feld der politischen Theorie. Es zeigt sich, dass diese <<Rezeption>> wesentlich kompliziertere Voraussetzungen hatte. Hier muss auf Seite der spateren Rezipienten ein bestimmter Bedarf, ein Verlangen vorausgesetzt werden, das zumindest teilweise durch den neu ins Gesichtsfeld tretenden Text befriedigt werden konnte. Auch wenn dann der neue Text nicht alle Erwartungen zu erfullen in der Lage war, war er doch schon vor seinem Erscheinen auf der Buhne der zur Verfugung stehenden Texte gewissermassen sehnlich und sogar ausdrucklich erwartet worden. Im Falle der aristotelischen Politik besitzen wir also ein--als solches ausserst seltenes--unmittelbares Zeugnis fur dieses der eigentlichen Rezeption vorauslaufende Bedurfnis, das dem erwarteten Text chronologisch um mindestens ein Jahrzehnt voraus liegt. Damit kann uns dieser zufallig belegte Wunsch auch den fast schlagartig und mit Wucht einsetzenden Erfolg des neuen Textes auf der Buhne der Universitaten im spateren 13. Jahrhundert verstehen helfen.

Wir kennen die Rezeption der Politik in der lateinischen Welt bis heute nicht in jedem einzelnen Detail. Wir besitzen aber eine ausgedehnte Liste von et3wa 100 mittelalterlichen Kommentaren zu dem Text, die Christoph Flueler in seiner 1992 veroffentlichten Dissertation zusammengestellt hat. (9) Unmittelbar jedenfalls nachdem Wilhelm von Moerbeke diese Schrift ubersetzt hatte, wurde sie an den Schulen und Universitaten des Latein sprechenden Europa in Gebrauch genommen durch Vorlesungen und Kommentare, besonders in Paris, ab er auch anderwarts, etwa im Kolner Ordensstudium der Dominikaner oder in Italien, etwa in Padua. Thomas von Aquin scheint wohl ein fruher, aber wahrscheinlich nicht der erste Benutzer des neuen Textes gewesen zu sein, vor ihm hat anscheinend sein Lehrer in Paris und Koln, Albert der Grosse, Albertus Magnus wie er meist genannt wird, den Text gebraucht. Mit ihm hat er sein gigantisches Vorhaben fortgesetzt, das ein fruhes zeugnis fur die willentliche Aufnahme des gesamten Corpus aristotelicum im Westen gibt.

Albertus Magnus war wirklich ein bemerkenswerter Gelehrter. (10) Geboren kurz vor der Wende zum 13. Jahrhundert (hochst wahrscheinlich 1193), in einer Familie des deutschen Niederadels--ex militaribus, so sagen seine Biographen, d.h. einer Familie von Rittern in Lauingen in Schwaben, in der Diozese Augsburg. (11) Ein jungerer Bruder namens Heinrich wird spater ebenfalls ein Dominikaner sein. Zu Studien, wahrscheinlich zu Studien der Rechte, ging der junge Albert nach Norditalien, genauer gesagt nach Padua, wo er (1223 oder 1229) in den erst kurz zuvor gegrundeten Dominikanerorder eintrat. In Deutschland gab es damals keine Moglichkeiten fur ein Universitatsstudium, denn die erste Universitat im Romischen Reich nordlich der Alpen wurde erst 1348 in Prag von dem Luxemburger Herrscher Karl IV. kurz nach seiner Wahl zum (Gegen-)Konig gegrundet, mehr als 120 Jahre nachdem sich Albertus Magnus zu seinen Studien nach Italien aufgemacht hatte. Sein Ordenseintritt bei den kurz zuvor gegrundeten Dominikanern--der Ordensgrunder Dominikus war erst am 6. August 1221 in Bologna gestorben--zeigt erneut die ungeheure Attraktion, der gerade erst etablierten Mendikantenfrommigkeit aufjunge Leute und insbesondere auf die Studenten an den italienischen Universitaten im beginnenden 13. Jahrhundert.

Das gesamte turbulente Leben Alberts des Grosdsen konnen wir hier nicht verfolgen. Es dauerte lange, war bunt und sehr bewegt. Es fuhrte ihn von Deutschland nach Italien, Frankreich, und wiederum nach Deutschland und Italien. Von Padua aus kam der junge Dominikanerbruder zuerst nach Koln, dann nach Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Strassburg, wo er jeweils in den Dominikanerkonventen in den Studienhausern des Ordens Station machte. Schliesslich wurde der hoffnungsvolle Student nach Paris geschickt, wo er um 1245 zum Magister der Theologie graduiert wurde. Danach setzte er seine peregrinatio als Dominikaner und Universitatsgelehrter in Deutschland an verschiedenen Ordensstudien fort. 1248 wurde er beauftragt, das neu errichtete Studium generale et solemne seines Ordens in Koln zu leiten, fur Jahre und Jahrzehnte das wichtigste und zentrale dominikanische Ordensstudium in Deutschland. (12)

In Koln beteiligte sich Albert auch am burgerlichen Leben dieser bedeutenden rheinischen Metropole. 1254-1257. (13) Albert wurde zum Provinzial der Provinz Teutonia seines Ordens gewahlt. Damit trug er die Verantwortung in der hochsten Position des deutschen Zweigs im Dominikanerorden. Durch eigene Entscheidung hat er dieses Amt nach vier Jahren wieder aufgegeben. Im Jahre 1256 besuchte er die papstliche Kurie, die damals in Anagni, ca. 80 km sud-ostlich von Rom residierte. Hier nahm er an den heftigen Debatten uber das Mendikantenproblem teil. Er bereitete damit die Entscheidung des Papstes vor, die gegen den Pariser Theologen Wilhelm von Saint Amour und seine Freunde zugunsten der dominikanischen (und franziskanischen) Praxis gerichtet war. (14) Wieder zuruck in Koln, war er kontinuierlich Leiter des dominikanischen Ordensstudiums. Er nahm aber auch an den kirchlichen Konflikten zwischen Stadt und Erzbischof (im Jahre 1252, 1258 und erneut in 1271) als Mitglied von Schiedskommissionen teil. 1252 wurde er vom Erzbischof gemeinsam mit dem papstlichen Legaten, dem Dominikanerkardinal Hugo von St. Cher, einem beruhmten ehemaligen Pariser Gelehrten, zum Schiedsrichter berufen. (15) Hugo war uberhaupt der erste Dominikanermonch, der zum Kardinal der romischen Kirche ernannt worden war. Da Hugo von St. Cher sich damals gerade nicht in Koln aufhielt, sondern sich weit weg von dieser Stadt am Rhein auf dem Weg vom Preubenland nach Bremen befand, musste Albert offenbar die Frage allein zusammen mit dem ZisterzienserAbt von Heisterbach entscheiden. Wahrscheinlich hat er die Entscheidung des Komitees bereits damals selber verfertigt, nachdem er eine kurze Liste der entscheidenden Punkte des Streits an die Parteien gerichtet

hatte. Innerhalb der Kolner Kirche beteiligte er sich auch an der Beilegung zahlreicher anderer Konflikte. 1260 wurde er von Papst Alexander IV. zum Bischof von Regensburg ernannt. Entgegen dem dringenden Abraten seines Ordensgenerals Humbert von Romans nahm er diesen Auftrag an, doch nach nur einem Jahr trat er von diesem Amte wieder zuruck. (16) Er konnte aber den Charakter der Bischofsweihe nicht mehr ablegen und wurde kunftig immer wieder in Briefen und Urkunden, in Nachrichten und Chroniken ausdrucklich als episcopus quondam Ratisponensis benannt, nahm also das Prestige und wohl auch einige Zustandigkeiten eines Bischofs (z. B. die Vollmacht, Kirchen weihen zu durfen) mit in seine kunftige Existenz als einfacher Dominikanerbruder. Vielleicht war ihm sogar ebenfalls gestattet worden, personliches Eigentum zu haben und zu verwalten. Aber sonst wurde er wieder als Bruder in den Dominikanerorden eingegliedert.

Von Papst Urban IV. wurde ihm (1263) die zentrale Verantwortung fur die Predigt eines papstlichen Kreuzzugs in den deutschsprachigen Landern anvertraut. (17) In dieser Funktion musste er viel reisen. Aber als Papst Urban IV. starb, endete dieses Amt. Schlieblich lebte Albert, wieder als Dominikanermonch, aber mit den bischoflichen Vorrechten, die ihm blieben, in Deutschland, in Wurzburg, Strabburg und vor allem in Koln, wo er im Jahre 1280 starb, nachdem er in seinen spateren Jahren vielleicht noch so weit entfernte Orte wie Lyon, wo er an dem Zweiten Allgemeinen Konzil von Lyon (1274) und vielleicht wieder Paris, wo er wenig spater vielleicht Thomas von Aquin [[dagger] 1274] gegen Kritiker verteidigt haben konnte. Sicherlich hat er in Antwerpen in den Niederlanden die Weihe einer Kirche vorgenommen (1276) (18).

Diese bemerkenswerte Karriere, der standige Wechsel zwischen Universitat, hoheren Ordensschulen und praktischer Tatigkeit in der Kirche sowie der Teilnahme am politischen Leben in Koln (eine Stadt mit mindestens 15.000 Einwohnern und Zentrum des stadtischen Lebens Deutschland im dreizehnten Jahrhundert), dazu die Leitung einer wichtigen Diozese in Deutschland und die Wahrnehmung papstlicher Auftrage in seiner Heimat, all dies scheint typisch fur ein mendikantisches Leben seiner Zeit, wenn es auch in besonderer Weise verdichtet und extrem ausgefullt erscheint. Ohne uns hier in eine tiefere Betrachtung dieses Phanomens zu verlieren, mussen wir uns bestandig an diesen permanenten Hintergrund einer vita activa fur seine Tatigkeit als Gelehrter und Autor der scholastischen Texte erinnern. Dabei war auch das Gelehrtenleben des Albertus Magnus von aussergewohnlicher Fruchtbarkeit. Albert wichtigste Bestreben war ein wirklich gigantisches Vorhaben. Er wollte unter vielen anderen Planen einen Kommentar samtlicher aristotelischer Schriften (soweit sie ihm bekannt wurden) anfertigen. Und er tat das in einer jahrzehntelangen Bemuhung, wobei er in diese Reihe auch die Behandlung von Themen und Gegenstanden aristotelischer Schriften einschloss, die ihm nur durch ihre blossen Titel bekannt geworden waren, sowie auch zusatzlich einige Themen seiner eigenen Interessen. Er plante demnach ein wirklich enzyklopadisches Projekt, wollte den gesamten Schatz des Wissens seiner Zeit fur alle bereitstellen.

Der Kommentar zur Politik des Aristoteles (19) sollte umfassend als eine laufende Auslegung den Lesern die Kenntnisnahme des aristotelischen Textes und der weiteren behandelten Phanomene insgesamt erleichtern. Das bedeutet, dass seine Kommentare meist kurz zu dem Text und seiner grammatikalischen und logischen Struktur sowie zu den sachlichen Problemen ihres Verstandnisses voranschritten. Hier und da hat Albert auch versucht, eine Erklarung der schwierigen lateinischen Ubersetzung Weilhelms von Moerbeke, ohne freilich auf eigene Griechischkenntnisse zuruckgreifen zu konnen. Das Gesamtwerk (oder was davon fertig geworden und erhalten ist) liegt noch nicht in vollem Umfang in modernen kritischen Ausgaben gedruckt vor. Es bleibt fur seine Zeit ein beeindruckendes Projekt schon vor allem Eingehen auf eizelne Sachfragen. Wilhelm von Moerbeke hatte (wie auch die anderen Ubersetzer aus dem Griechischen oder Arabischen) de griechischen Text jeweils nach der Methode einer Ubersetzung des griechischen Textes Wort fur Wort in die lateinische Sprache ubertragen, die gangige Methode der Ubersetzung in diesen Zeiten. Das Vorbild der Ubersetrzung des Neuen und Alten Testaments durch Hieronymus kann als geheimes Vorbild vermutet werden. Aber bisweilen machte machte dieses Vorgehen eine Lekture und das Verstehen von Aristoteles Ideen sehr schwierig, ja fast unmoglich. Wir verstehen diese Schwierigkeiten besser, wenn wir die die spateren Ubersetzungen beachten, die die alte lateinische Version glatten, korrigieren, verbessern wollten. Fur Albert, der an fruher Stelle in dieser Reihe steht, hiess das aber, dass er versuchte, fast stets, sehr nah am aristotelischen Text zu bleiben, bzw. ihm hahe zu kommen. Der Grobteil seiner Kommentare tragt darum den Charakter einer Paraphrase. Noch im (wohl) spaten Kommentar zur Politica, gibt Albert einen derartigen laufenden Kommentar, der deutlich sein Interesse an einer wortlichen Erklarung des Textes und seiner Schwierigkeiten verrat. Ein Kommentar in Gestalt einer Reihe von Fragen (quaestiones) kam erst viel spater in Mode. Albert hielt datzu einen deutlichen Abstand.

Wenn sich ein scharferer Blick auf seinen Kommentar zur Politica lohnen soll, so wird es nicht unwichtig sein, nachzusehen, ob sich hier einige zeitgenossisch mittelalterliche Beobachtungen im Kommentar zum antiken griechischen Text finden lassen. Wir werden unseren Fokus auf das erste Buch seiner Diatribe richten, dabei aber zu berucksichtigen haben, dass ein Kommentar in der Regel den Zweck hat, den Text zu erklaren. Es hat meist nicht die Absicht einer systematischen Kritik an dem kommentierten Text. Dies ist offensichtlich auch bei Albertus Magnus der Fall. Kein Wunder also, dass wir nicht innerhalb dieses Kommentars Diskussionen uber die politische oder gesellschaftliche Realitat des dreizehnten Jahrhunderts antreffen. Von der sozialen und politischen Situation der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] Staaten im antiken Griechenland--das war das Hauptthema in Aristoteles' Politica brauchen wir hier nicht zu sprechen. Wir konnen nicht mit Sicherheit den Zeitpunkt bestimmen, zu dem Albert diesen Kommentar schrieb. Wie die Forschung hat zeigen konnen, kannte Albertus die translatio imperfecta der Politica (vielleicht aus den fruhen 1260er Jahren), bereits sehr bald nach deren Bekanntwerden in Paris. (20) Aber diesen seinen kontinuierlichen Kommentar zum Gesamttext konnte er erst schreiben, ja erst konzipieren, als ihm die translatio perfecta Moerbekes vorlag. Tatsachlich wurde auch kurzlich noch seine Kommentierung traditionell auf etwa 1963-1967 datiert, (21) wobei diese Fixierung schlicht die altere Festlegung des Beginns von Moerbekes Arbeit ubernimmt. In jungerer Zeit hat Christoph Flueler den Text neu auf <<nach 1267>> datiert. Demnach ware also der Kommentar fruhestens geschrieben worden, als Albert bereits als Bischof von Regensburg zuruckgetreten war und als er auch nicht mehr fur die papstliche Kreuzzugspredigt verantwortlich war. Ein terminus ad quem freilich ist nicht zu benennen, der aber nicht spater liegen kann als Alberts Tod (1280). Dieser zeitliche Ansatz ist also von erheblicher Weite und gibt uns wenig konkrete Hinweise auf die Situation des Schreibers. (22)

In der Kommentierung Alberts zum ersten Buch (23) gibt es keine markanten Aussagen, die uns seine Sicht auf Konflikte in seiner eigenen Zeit verdeutlichen konnten. Naturlich betont er die Unterschiede in der Theorie des Haushalts, der oeconomica, von dem politischen Zusammenleben innerhalb einer civitas. Er definiert das Leben in der civitas, und das ist fur ihn wie fur Aristoteles die politica, als deutlich verschieden vom Leben im Haushalt (oeconomica).

Bei der Reihe der Sozialbildungen, beginnend mit dem Haus ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], domus), uber das Dorf ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], vicus), und endend mit der Stadt (koXiq, civitas), folgt Albert Aristoteles genau. Er unterstreicht (mit Aristoteles), dass die civitas als die <<vollkommene>> Einheit und Gemeinschaft metaphysisch vor der Familie steht, ohne uber die mittelalterliche Realitat der politischen Organisation der Flachengebiete und Lander in Konigtumer (regna) auch nur zu diskutieren. Dieses Thema sollte erst in spateren mittelalterlichen Diskussionen deutlicher hervortreten. Schon Alberts Schuler Thomas von Aquin hat civitas und regnum in seinem Furstenspiegel De regno ad regem, Cypri haufig in der Formulierung civitas aut [bzw. vel/et] regnum nebeneinander als quasi gleichberechtigt aufgerufen und beide auf dem gleichen Niveau angesiedelt gesehen. Das gilt bei ihm auch fur die Aussage des Aristoteles, dass in der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] die schlechthin <<vollkommene>> Gemeinschaft erreicht sei. Auch hier sieht Thomas Vollkommenheit gewissermassen verdoppelt, in civitas aut regnum kommt die Gemeinschaft zur Vollendung. Fur Albertus Magnus dagegen endet mit der Stadt die Reihe der quantitativ wachsenden Gruppengosse (in Haus-Dorf-Stadt), sie wird nicht weiter in ein regnum hinein verlangert.

Damit erscheint die Stadt (wie sie es fur Aristoteles war) als die definitiv vollkommene Einheit menschlicher Vergemeinschaftung. Bereits in seinem Kommentar zu Kapitel 1 schliesst Albert eine langere Darlegung, ganz dem aristotelischen Text entsprechend mit folgender Bemerkung ab: <<Das Ziel ist stets von Natur aus. Und nichts ist einem jeden so naturlich wie sein letztes Ziel, denn darin besteht seine Vollendung [complementum]. Deshalb ist im Leben des Menschen nichts so naturlich wie die burgerliche Gemeinschaft, denn in ihr liegt das Ziel und Vollendung aller Kommunikation ...>>. (24) Folglich kann Albert festhalten, dass der politische Gemeinschaft (und das ist die Stadt) die vollkommenste und die naturlichste ist.

All das ist ganz aristotelisch und gibt dem Argument kein spezifisch mittelalterliches Gesicht. Am Ende des ersten Buches, in seinem 9. Kapitel (das nicht das Kapitel 9 der modernen Ausgaben ist!) wird Albert dieses theoretischen Rahmens deutlicher <<mittelalterlich>> einfarben. Er tut das einmal dort, wo er im Rahmen der aristotelischen Argumentation den principatus politicus (die <<politische>> Herrschaft) des Ehemannes uber seine Frau bewschreibt. Wie Aristoteles sieht Albert hier auf das Modell eines <homo> politicus, und erklart: <<Die Herrschaft des Mannes (uber seine Frau) wird als, politisch' bezeichnet, weil in einer Stadt ein Mann die Herrschaft uber die anderen Burger innehat, die in gleicher Weise frei sind, wie er selbst es ist. Dann regiert dieser Mann uber sie (und beherrscht sie nicht) nur nach den Statuten [statuta] der Stadt. Und die Fuhrung wird von einem zum anderen ubertragen werden, weil ein Mann die Regierung [potestatem] in einem Jahr hat, ein anderer Mann in einem anderen Jahr. Und dies ist der Grund, warum Aristoteles sagt: Der Mann herrscht uber seine Frau in einer politischen Weise, seine Regierung wird nur nach den ehelichen Statuten [instituta nuptialia] geubt, wie es das Kanonische und Romische Recht bestimmen. Und dies ist die Grund, warum das Kirchenrecht erklart, dass der, Konsens, der eine Ehe bewirkt ' nach dem Rechtlichen Stand der Partner zu geben ist>>. (25) Hier wird eine spezielle Definition der Ehe, die sich auf den Konsens der beiden Partner stutzt, direkt aus dem mittelalterlichen kanonischen Recht ubernommen: consensus facit matrimonium. Das wird ohne weitere Argumente in einen aristotelischen Kommentar als Erklarung eingesetzt! Das bleibt zwar insgesamt im allgemeinen aristotelischen Rahmen, allerdings nicht innerhalb der aristotelischen oder altgriechischen Theorie der Ehe.

In einer ahnlichen, aber noch spektakulareren Weise fuhrt Albert die mittelalterlichen europaischen Konigreiche in seine Uberlegugnen ein, freilich nur durch die Hintertur, wenn er erklart, nach Aristoteles sei die Herrschaft des Hausvaters uber seine Kinder eine <<konigliche Herrschaft>> (ein principatus regalis). Albert zieht zur Erklarung eine Passage der Nikomachischen Ethik (nicht der Politik!) heran, und bringt den <<Tyrannen>> als eine Gegenfigur gegen einen Konig dazu in Stellung. Das ermoglicht es ihm, auch die <<normale>> mittelalterliche Situation der Herrschaftspraxis in einem Konigreich (und nicht allein die Herrschaft uber eine Stadt) in seine Betrachtung einubeziehen. Albert schreibt: <<Und diese Herrschaft (scil. uber Kinder) ist eine konigliche, denn es kennzeichnet einen Konig--wie Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik V und Boethius in seinem Liber Divisionum erklart--dass ein Konig uber seine Untergebenen aus Liebe seinen Untertanen zu ihrem Vorteil vorsteht. Wenn er aber gegen die Untergebenen wutet zu seinem eigenen Vorteil und zum Schaden seiner Untergebenen, dann verdirbt der Konig und wird zu einem Tyrannen. Die zivilisierte Politik [urbanitas], d.h. sein Konigtum [regnum], ist zu einer Tyrannei verderbt>>. (26)

Dies ist in der Tat eine sehr seltene Ausnahme von der allgemeinen Regel, dass Albert aristotelische Terminologie und Formulierungen nur ganz ungern verlasst. Hier identifiziert er <<politische Herrschaft>> mit dem Urteil uber die Herrschaft eines Konigs in seinem Reich. An diesem Punkt bleibt er immer noch ganz in der Nahe der aristotelischen Formulierung, ja benutzt einen Hinweis auf die Ethik als Stutze. Doch der Begriff einer urbanitas, den Albert ohne weitere Erklarung als Ersatz fur das Reich (regnum) des Konigs verwendet, ist nicht sehr haufig im mittelalterlichen Latein, das Wort findet sich etwa weder im DuCange, (27) noch gibt uns die jungste uberarbeitete Ausgabe des Niermeyerschen Handworterbuch (28) dazu eine Auskunft. Dennoch scheint klar, urbanitas stammt aus dem semantischen Wortfeld der urbs. Dabei ist die Vokabel offensichtlich eng mit der <<Zivilitat>> einer Stadt verbunden und spielt vielleicht auf die Politik einer [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]-civitas-urbs an, wenn sie das auch nicht ausdrucklich macht. Ebendies konnte uns die erstaunliche Einsilbigkeit Alberts an dieser Stelle erklaren und die gemeinte Bedeutung des regnum naher beleuchten. Albert, so mochten wir sagen, scheint hier sensibel fur die Differenz seiner eigenen Zeit zur antiken Situation des Aristoteles, ohne dies allerdings naher zu erlautern.

Wir brauchen nicht auf Alberts Kommentar zu den Leibeigenen oder Sklaven <<von Natur aus>> [servi natura] naher einzugehen, weil wir in seinem Kommentar wohl eine geduldige Erlauterung der komplexen Argumente des Aristoteles finden, die immer wieder die Aufmerksamkeit mittelalterlicher Ausleger auf sich gezogen hat. (29) Bei Albert findet sich aber kein Hinweis auf die jungst vergangenen und bald anstehenden Veranderungen in den sozialen Bedingungen der Leibeigenen oder Sklaven bzw. der Unfreien oder minder Freien etwa im dreizehnten Jahrhundert, obwohl sich deren soziale Lage im spateren Mittelalter doch nicht unerheblich von der Sklaverei der Antike unterscheidet. Offenbar applizierte Albert die aristotelischen Begriffe nicht unmittelbar auf die Verhaltnisse seiner eigenen Zeit. Er war nicht dazu gezwungen, dies zu tun, denn er schrieb und wollte schreiben einen Kommentar zu Aristoteles' Buch der Politik. Ohne weiteres konnte er die Ausfuhrungen des Aristoteles diskutieren, ohne von seiner eigenen Zeit zu sprechen.

Albert erwahnt nicht mit einem einzigen Wort die grossen Freisetzungen von bondsmen in Frankreich wahrend der Herrschaft Ludwigs des Heiligen (1226-1270), (30) von denen er wahrend seiner Pariser sicherlich manches gehort haben muss. Er gibt auch keinerlei Auskunfte uber die damaligen Konflikte zwischen den aufsteigenden Burgern in den grossen Stadten in Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande, die oft bittere Konflikte mit ihren kirchlichen Stadt-Herren zu bestehen hatten, wenn sie sich von der Herrschaft ihrer Bischofe zu befreien versuchten. (31) Diese Kampfe sollten spater vielen deutschen Stadten den Status einer <<Freien Reichsstadt>> einbringen, eine im Vergleich zu anderen europaischen Landern einzigartige Sonderstellung in der Reichsverfassung. (32)

Dieser deutliche Mangel an Aufmerksamkeit fur die zeitgenossische Wirklichkeit ist umso erstaunlicher, als Albert personlich nicht nur einmal, sondern mehrmals an Schlichtungsbemuhungen und Schiedsprozessen zur Beilegung erheblicher Konflikte in Koln teilgenommen hat. Bereits im Jahre 1252 war er fur eine solche Kommission ernannt worden, die er, da sein Kollege wegen dienstlicher Reise von Koln dauerhaft abwesend war, auch fast allein zu entscheiden hatte. Im Jahr 1258 beteiligte er sich sodann an einem weiteren <<Schiedsgericht>> und war anscheinend auch hier zumindest einer der Manner, die das endgultige Dokument, den sogenannten <<Grossen Schied>> ausformuliert haben. Danach, im Jahre 1271 beteiligte sich Albert an einem anderen Schiedsgericht, ein drittes Mal, eine Losung dieses ewigen Konflikts zwischen Erzbischof und Burgerschaft in Koln zu erreichen. Im Kommentar zur Politik des Aristoteles finden wir keinerlei auch nur indirekten Hinweis auf diese Erfahrungen. Man konnte meinen, die dreifache Wiederholung zeige deutlich die Fruchtlosigkeit aller dieser Versuche an, dass also Albert wegen dieser Vergeblichkeit seiner Bemuhungen geschwiegen hat. Aber ich denke, dass dieses Urteil ein Missverstandnis all solcher Vermittlungsaufgaben in sozialen Konflikten bliebe.

Ein Blick auf den (eben erwahnten) <<Grosse Schied>> (von 1258) (33) kann uns vielleicht helfen, Albert besser zu verstehen. Der Text des endgultigen Schiedsspruches ist erhalten, in lateinischer Fassung in Gestalt einer grossformatigen Pergamenturkunde, in der akribisch die einzelnen Klagepunkte beider Seiten und die Urteile der Schiedsrichter aufgezeichnet sind. Nicht weniger als 53 Artikel des Erzbischofs sind hier formuliert, in denen er seine Klagen detailliert, gegenuber 21 Artikel, die die von den Burgern erhobenen Beschwerden erfassen. Funf Schiedsrichter wurden gemeinsam von beiden Parteien ausgewahlt und ernannt. Nach den Aufzeichnungen uber diese Wahl war gewahlt worden der Dekan des Domkapitels (in anderen Quellen wird gesagt, er sei ein consanguineus des Erzbischofs gewesen), sodann der Schatzmeister des Domkapitels (ein anderer Verwandter des Erzbischofs), der gewiss uber die finanzielle Bedeutung der einzelnen Klagepunkte genau Bescheid wusste; neben diesen beiden <<Interessenvertretern>> von Seiten des Erzbischofs finden wir zwei Propste von kirchlichen Stiftern in Koln (des Stifts von St. Severin und jenes der Zwolf Apostel): diese beiden sind wohl als die Vertrauensleute der Burgerpartei gewahlt worden. Schliesslich finden wir benannt bruder Albrehten, lesemeister van de predigerherren ce Colne (oder in der lateinischenVersion der Aufzeichnung: frater Albertus lector fratrum predicatorum in Colonia). Das kann mit der Annahme erklart werden, dass Albert fur beide Seiten vertrauenswurdig war. Wenn das zutrifft, so war er dazu berufen, die Rolle des unparteiischen funften Mannes im Schiedsgremium zu spielen, dem in all jenen Fallen die entscheidende Stimme zukam, in denen der Ausschuss bei seinen Beratungen nicht zur Einstimmigkeit gelangte und die Mehrheit der Stimmen entscheiden musste.

Der Ausschuss wurde am 20. Marz installiert. Es besiegelte sein abschliessendes Dekret am 28 Juni (1258), also nach 14 Wochen der Prufung der Beschwerden und der Erorterung der Entscheidungen. Albert nahm an der Entscheidungsfindung teil; beteiligte sich dann anscheinend auch an der Suche nach den Formulierungen der Einzelartikel der Entscheidung, zumindest tat er das zu einem erheblichen Teil, wenn wir auch diesen seinen Anteil nicht mit absoluter Genauigkeit abschatzen konnen. In dem Wortlaut der Entscheidung sind spezielle aristotelische Formeln nicht festzustellen. Die Artikel wurden in lateinischer Sprache formuliert, mit deutlichen Zitate von besonderen Begriffen aus der Sprache der Juristen und Kaufleute, wie sie damals in Dokumenten dieser Art ublich waren. Es gibt keine direkte Affinitat oder gar wortliche Zitate aus der aristotelischen, Politik. Aber es gibt doch einige Hinweise auf einen intellektuellen Hintergrund, wie Manfred Groten in einer Studie (2011) zeigen konnte. Er hat versucht, einige Ausdrucke, die sich im Wortlaut des Grossen Schieds und ebenfalls in Schriften von Albertus Magnus finden, die sich aber nicht in anderen Dokumenten von Schiedsverfahren und gerichtlichen Entscheidungen identifizieren lassen, wie sie in Koln in dieser Zeit entstanden. Einige Beispiele fur solche Hinweise, von denen jeder einzelne fur sich genommen von nur untergeordneter Gewichtigkeit ist, die jedoch zusammen genommen signifikant scheinen, um die Annahme von Albert Autorschaft--oder besser Mitautorenschaft--zu unterstutzen: Vergere inpreiudicium, vergere in detrimentum, in deteriorem exitum, status reipublicae et iuris corruptionem. In Koln, so erklart der Text barsch, werden kunftig depredationis seminaria entstehen. Albertus Magnus hat mehrmals anderwarts von seminaria tam boni quam mali, oder von einem seminarium virtutum sein. Wahrscheinlich aus realwirtschaftlichen Grunden schliesst das Schiedsgericht eine Regulierung der Preise auf dem Markt aus: es soll nicht erlaubt sein, terminum precii in vendendo et emendo limitare. Das passt sehr deutlich zu Alberts Kommentar zur Politik des Aristoteles, wo er im Anschluss an Aristoteles sehr scharf wirtschaftliche Monopole kritisiert. Ausserdem waren etwa in Koln ausschliesslich die <<Munzerhausgenossen>> (d.h. die vom Erzbischof benannten Eigentumer der stadtischen Minze) dazu berechtigt, Silber aufzukaufen, obwohl Ausnahmen von dieser Regel gemacht wurden fur eine bestimmte Art feinen Silberschmucks oder fur den Bedarf von Pilgern auf Reisen. (34) Das Schiedsgericht setzt fur diese besonderen Schmuckarbeiten einen besonderen Ausdruck ein: ad anagliffi speciem, (35) der sich aus dem Griechischen (nicht auf das Griechische des Aristoteles) herleitet. In Alberts Kommentar zur Politik taucht dieser seltene Ausdruck mindestens zweimal auf. Wir konnen dies als einen freilich fur sich allein weiterhin nur als einen relativ schwachen Beleg fur Alberfts aktive Rolle bei der Formulierung der Schiedsspruch verbuchen.

Offensichtlich mussen wir jedoch, werten wir mit M. Groten alle diese Hinweise einmal zusammen, den <<Grossen Schied>> von 1258 nicht nur auf die Seite der praktischen Erfahrungen von Albertus Magnus verbuchen, sondern auch unter die von ihm zumindestens mitformulierten Texte einreihen. Das Kolner Schiedsgericht des Grossen Schieds von 1258 arbeitete lange vor der Zeit, in der er den ersten mittelalterlichen Kommentator zur Politik des Aristoteles schrieb. Doch zeigt er hier, dass er die Praxis der politischen Argumentation innerhalb der Aufgabe einer Vermittlung sozialer Konflikte durchaus beherrschte. Sicherlich unterstutzt dies unseren Eindruck, dass die allgemeine Rezeption des Aristoteles in seinem Falle zumindest nicht dem bloben Interesse eines Bucherwurms entstammte. Auch ist es unmoglich, sie als rein <<theoretische>> Aufgabe zu verstehen. Mittelalterliche Universitatsgelehrte wie Albertus Magnus suchten sich die Argumente und Methoden der Aristoteles Praktischen Philosophie anzueignen, um ihre Teilhabe am praktischen Leben in den sozialen Bewegungen ihrer Zeit durch die Ergebnisse ihres Lernens zu stutzen. Sie versuchten immer wieder, ihre Kenntnisse anzuwenden und zu Problemen ihrer eigenen Zeit mit den Mitteln der analytischen Konzepte, die sie aus ihren Studien gewonnen hatten, eine tragfahige Stellung zu gewinnen. Sie wollten die Fortschritte in ihrer Erkenntnis, die sie im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit gewonnen hatten, durchaus fur praktische Losungen im Alltag einsetzen, zumindest bei der Analyse der Verwirrungen. Wann immer sie gebeten wurden, eine Antwort auf Fragen der praktischen Politik zu geben, konnten sie solchen Versuch machen. Die wissenschaftlich gewonnene Einsicht in die Wahrheit sollte ihnen auch praktische Hilfe geben. Dies erklart, so glaube ich, die praktische Karriere so vieler Universitatsleute. Auch kann es dazu beitragen, ein gutes Stuck des immerwahrenden Streites zwischen den Fakultaten der scholastischen Universitat zu erklaren, der auch um soziale Anerkennung in dieser praktischen Hinsicht gefuhrt wurde. Es ging eben oft um die Chance, benotigt zu werden. Dies lasst sich im Detail zeigen, und ich habe anderwarts versucht das zu tun, (36) darum ubergehe ich es hier.

Ein Blick auf andere scholastische Theoretiker der Politik, etwa auf Marsilius von Padua, den heute wohl bekanntesten Aristoteliker auf diesem Feld, konnte zunachst diesem unseren Eindruck widersprechen. Denn nirgendwo in Europa wurden seine Ideen und Vorschlage zu einer <<richtigen>> Einrichtung der politischen Verfassung in einem realen Experiment getestet, weder in Deutschland noch in Frankreich noch in Grobbritannien oder anderswo in Europa. Bei naherem Hinsehen freilich zeigt sich, dass auch Marsilius nicht ohne praktische Bezuge und praktische Ziele auskommen wollte. Er bekam von daher einen archimedischen Punkt der Betrachtung, die seine Theorie fruchtbar gemacht fur kommende Zeiten. Seine Abhandlung hatte nicht allein eine erstaunliche Resonanz zu seiner eigenen Zeit erfahren, als sehr bald Papst und Kurie das Buch als haretisch verdammten und seinen Autor als <<Sohn Belials und Erzketzer>> verurteilten. Der Text hatte auch eine bemerkenswerte Zukunft. Wahrend des Groben Schismas im spaten vierzehnten, funfzehnten Jahrhundert zu Zeiten der Grossen Konzilien sowie im sechzehnten Jahrhundert bei der deutschen und britischen <<Reformation>> hat die Abhandlung ein breiteres Publikum erreicht und wurde immer wieder handschriftlich kopiert, ja bald darauf zum ersten Mal gedruckt. Weil Marsilius nicht als Bucherwurm ein Glasperlenspiel betrieben hatte, sondern die institutionellen Beziehungen von Staat und Kirche in der Gesellschaft, analysieren wollte, konnte er mit seinen auf die spatmittelalterlichen Probleme bezogenen Analysen auch fur fruhneuzeitliche Bedurfnisse geeignete Antworten induzieren.

Das im einzelnen zu zeigen, ist freilich hier nicht mehr moglich. Wir haben nur einen sehr eingeschrankten Blick auf den Aristotelismus mittelalterlicher scholastischer Philosophen geworfen. Dabei haben wir so bedeutende Autoren politischer Reflexion wie Thomas von Aquin, Aegidius Romanus oder Johannes Quidort, Tholomeus von Lucca oder Wilhelm von Ockham gar nicht naher in Augenschein genommnen. Wir sind aber auf einen im Bereich einer Vorstellungsgeschichte auf einen Bereich gestossen, wo die Konfrontation mit praktischen Bedurfnissen die Rezeption der antiken Philosophie mindestens erleichtert hat, wenn sie sie nicht uberhaupt herauffuhren half.

(1) A short synthesis is given by B. G. Dod, <<Aristoteles Latinus>>, in: N. Kretzmann, A. Kenny & J. Pinborg, (eds.), The Cambridge History of Later Medieval Philosophy, Cambridge U.K.: Cambridge UP, 1982, 45-79.

(2) Zu ihm cf. vor allem J. Brams (ed.), Guillaume de Moerbeke, Recueil d'etudes a l'occasion du 700e anniversaire de sa mort (1286), Leuven, Leuven UP, 1989 (Ancient and medieval philosophy, I.7).

(3) C. FLUELER, Rezeption und Interpretation der aristotelischen Politica im spaten Mittelalter, Amsterdam-Philadelphia, PA, 1992, vol. 1-2, (Bochumer Studien zur Philosophie, 19).

(4) Cf. z. B. die Auswahlbibliographie V. Syros, <<Political Treatises>>, in: A. Classen (ed.), Handbook of Medieval Studies, Terms--Methods--Trends, Berlin-New York, De Gruyter, 2011, 2000-2021.

(5) Als erster wies auf den (altesten) Text hin M. Grabmann: Eine fur Examinazwecke abgefasste Quaestionensammlung der Pariser Artistenfakultat aus der ersten Halfte des XIII. Jahrhunderts [11934], jetzt in GRABMANN, Mittelalterliches Geistesleben, Munchen, 1936, Bd. 2, 183-199; vgl. auch etwa R. Imbach, <<Einfuhrungen in die Philosophie aus dem XIII. Jahrhundert, Marginalien, Materialien und Hinweise im Zusammenhang mit einer Studie von Claude Lafleur>>, in: Freiburger Zeitschrift fur Philosophie und Theologie 38 (1991) 471-193; P. OSMUND LEWRY: <<Thirteenth-Century Examination Compendia From the Faculty of Arts>>, in Les genres litteraires dans les sources the'ologiques et philosophiques medievales. Definition, critique et exploitation, Actes du Colloque international de Louvain-la-Neuve, 1981 (Universite Catholique de Louvain, Publications de l'Institut de'etudes medievales, II.5), Louvain-la-Neuve, 1982, 101-116; A. Fidora, <<Politik, Religion und Philosophie in den Wissenschaftseinteilungen der Artisten im 13. Jh.>>, in Politischer Aristotelismus und Religion in Mittelalter und Fruher Neuzeit, hrsg. von A. Fidora, J. FRIED, M. LUTZ-BACHMANN, L. SCHORN-SCHUTTE (Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel 23), Berlin 2007, 27-36, oder F. BERTELLONI, <<Das Konzept der praktischen Wissenschaften bei Albert dem Grossen>>, in: Handlung und Wissenschaft, Die Epistemologie der praktischen Wissenschaften im 13. Und 14. Jahrhundert, hrsg. M. Lutz-Bachmann, A. Fidora (Wissenschaftskultur und gesellschaftlicher Wandel, 29), Berlin 2008, 45-60 (vgl. auch die folgenden Anmerkungen).

(6) C. LAFLEUR & J. CARRIER (eds.), Le Guide de l'etudiant (Anm. 5), 53 [[section] 74]: <<Anima iterum vivit in bono aliorum, et hoc dupliciter: uno modo in regendo sibi subditos cogitando de bono eorum in quantum potest et ut debet. Et seccundum hoc est Liber de vera iustitia vel Liber de officiis quod idem est--quem fecit Tullius. Et hec scientia ypotica appellatur ab ypos, quod est sub, quasi scientia de subditis. [[section] 75]: Item anima vivit in bono omnium communiter secundum legem commune, et secudum hoc est scientia que traditur in legibus et decretis, que politica vocatur a polis, quod est civitas, eo quod est de iure et defensione iuris eorum que sunt in civitatibus constituta>>. Bezeichnend genug wird kein anderes Grundbuch mehr genannt, wahrend (in [section] 74) fur den Teil der scientia moralis, der die Hausherrschaft betrifft, das Buch genannt wird, das spater auch fur die politica herangezogen werden wird: Ciceros De officiis.

(7) Arnulfus Provincialis: Divisio scientiarum,, ed. Claude Lafleur, Quatre introductions a' la philosophie au XIIIe siecle. Textes critiques et etudes historiques (Publications de l'Institut d'Etudes historiques, 23), Montreal-Paris 1988, 333-335, 513f.: Et hanc (scil. scienciam) dicunt quidam haberi per leges et decreta, alii Tullio traditam esse in quibusdam libris qui non multum a nobis habentur in usu. Zur Datierung: Le Guide de l'Etudiant (Anm. 6), 127f.

(8) R. Imbach: <<Einfuhrungen in die Philosophie aus dem XIII. Jahrhundert. Marginalien, Materialien und Hinweise im Zusammenhang mit einer Studie von Claude Lafleur>>, in Freiburger Zeitschrift fur Philosophie und Theologie 38 (1991) 471-493, hier S. 490: nach beiden (anonymen) Texten, die gleichermassen zu datieren sind auf ca. 1250/60, werden yconomica and politica behandelt [1.] in legibus et decretis, [2.] a Tullio in libro De officiis [3.] alii dicunt quod Aristoteles fecit in lingua arabica quandam scienciam de hoc, que nobis adhuc non est translata [so in: Ms. Munchen, Staatsbibl., clm 14460, f. 168ra], bzw.: eciam secundum alios Aristoteles composuit scienciam de hiis, sed nondum est adhuc translata nobis in Latinum [so in: Ms. Brugge, Bibl. de la Ville 496, f. 80ra].

(9) FLUELER, Rezeption und Interpretation, Bd. 2, 1-100.

(10) Die grundlegenden Studien zur Biographie sind rasch aufgezahlt: P. de Loe, <<De vita et scriptis b. Alberti magni>>, in: Analecta Bollandiana 19 (1900) &, 257-284; 20 (1901), 273-316; 21 (1902), 361-371; H. C. SCHEEBEN, Albert der Grosse, Zur Chronologie seines Lebens, VechtaLeipzig: Albertus Magnus Verlag in Kommission bei Otto Harrassowitz, 1931, (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens, 27); G. BINDING & P. Dilg, in: Lexikon des Mittelalters 1 (1980) 294-299; J. WEISHEIPL, in: Dictionary of the Middle Ages 1 (1982) 126b-130a; G. WIELAND, Lexikon fur Theologie und Kirche 3 1 (1993), 337-339; A. ZIMMERMANN 1995, in: Deutsche Biographische Enzyklopadie 1, 71b-73a.

(11) SCHEEBEN (Anm. 10), 4-7.

(12) Cf. W. P. ECKERT, <<Die Generalstudien der Mendikantenorden in Koln wahrend des 13. und 14. Jhs.>>, in: Dombau und Theologie im maittelalterlichen Koln, hrsg. von L. Honnefelder, Koln, Kolner Dom, 1998, 383-395.

(13) Allgemein und detailliert dazu H. Stehkamper, <<Pro bono pacis, Albertus Magnus als Friedensstifter und Schiedsrichter>> [1 1979], jetzt in: Stehkamper, Koln--und daruber hinaus, Ausgewahlte Abhandlungen, hrsg. von E. KLEINERTZ, Bd. 2 (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Koln, 94), Koln 2004, 1033-1121. Cf. Stehkamper, Albertus Magnus und politisch ausweglose Situationen (1 2001), in: Koln--und daruber hinaus, 10131031; vgl. auch H. J. Schmidt, <<Politische Theorie und politische Praxis, Albertus Magnus und die stadtische Gemeinde>>, in: Albertus Magnus, Zum Gedenken nach 800 Jahren, hrsg. von W. Senner unter Mitarbeit von H. Anzulewicz, M. Burger (u.a.) (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens, NF 10), Berlin 2001, 343-357.

(14) SCHEEBEN, Albertus (Anm. 10), 43-46; zusammenfassend etwa J. MIETHKE, <<Papst, Ortsbischof und Universitat in den Pariser Theologenprozessen des 13. Jahrhunderts>> [1 1976], jetzt in: MIETHKE, Studieren an mittelalterlichen Universitaten: Chancen und Risiken, Gesammelte Aufsatze, Leiden-Boston, Brill, 2004, (Education and Society in the Middle Ages and Renaissance, 19), 342-347.

(15) Urkunden (des sogenannten Kleinen Schieds) sind aufbewahrt im Historischen Archiv der Stadt Koln, HUA nr. 182 u. 183; Hauptstaatsarchiv Dusseldorf, Kurkoln. Urkunden nr. 46, printed e.g. in: L. ENNEN & G. Eckerz (eds.), Quellen zur Geschichte der Stadt Koln, Bd.- 2, Koln, 1863, nrr. 304 und 306; cf. STEHKAMPER, pro bono pacis, in: Koln--und daruber hinaus, Bd. 2 (Anm. 12), 1035sq,

(16) Zusamnmenfassend zuletzt (mit einer Liste seiner bischoflichen Urkunden) R. SCHIEFFER, Albertus Magnus, Mendikantentum und Theologie im Widerstreit mit dem Bischofsamt Munster i.W., 1999, (Lectio Albertina, 3).

(17) SCHEEBEN, Albert (Anm. 10), 72-77; V. Cramer, Albert der Grosse als Kreuzzugs-Legat fur Deutschland 1263/64 und die Kreuzzugs-Bestrebungen Urbans IV., Koln, 1933 (hier--nach S. 84--eine Landkarte zu den Predigtreisen Alberts in Deutschland).

(18) SCHEEBEN (Anm. 10), 118; dort auch zu moglichen (oder verschiedentlich in der Historiographie behaupteten) Reisen kritisch: 112-122.

(19) <<B. Alberti Magni Commentarii in octo libros Politicorum Aristotelis>>, in: B. Alberti Magni Opera omnia, cura et studio Augusti Borgnet, Bd. VIII, Paris (apud Ludovicum Vives) 1891, 1-82 [this is not a critical edition, the text is taken from the ancient Imprint in: Beati Alberti Magni, Opera quae haberi possunt, p. 4: Ethicorum lib. 10, Politicorum lib. 8, ex Vaticana bibliotheca recogniti per Petrum Iammy ... nunc primum in lucem prodeunt, Lugduni 1651, war mir nicht erreichbar]. Eine kritische Neuausgabe in der sog. Editio Coloniensis ist noch nicht erschienen.

(20) FLUELER (Anm. 3) Bd. 1, 22-24.

(21) J. R. Soder, <<Hochmittelalter: Die Wiedergewinnung des Politischen>>, in: hrsg. C. HORN & A. NESCHKE-HENTSCHKE, Politischer Aristotelismus, Die Rezeption der aristotelischen Politik von der Antike bis zum 19. Jh., Stuttgart-Weimar, Metzlerche, 2008, 53-76, bes. 62 Anm. 42, wo er sich beruft auf H.-F. DONDAINE & L. -J. Bataillon, Prefatio, in: Thomas de Aquino, Sententia libri Politicorum (Thomas de Aquino, Opera [Editio Leonina] 48), Rom 1971, A3-A66, hier A6.

(22) FLUELER (Anm. 3) Bd. 2, 1-2 (nr.1).

(23) Hier zitiert als <<Borgnet VIII>>.

(24) Albert, Comm. ad Pol. I cap. 1 (Borgnet VIII, 13a) : <<Communicatio civilis finis omnium aliarum est, et optimum, cum omnia alia ordinentur ad ipsam, ergo naturalissima est. Maiorem huius rationis supponit <scil. Aristoteles> quasi per se notam. Minorem probat, quia civilis communicatio finis est eo quod, quale sit unumquodque, ex ratione perfecta finis demonstrat secundum ultimam differentiam et convertibilem, [...]. Finis autem semper natura est (et est natura ablative casus), nihil enim est ita naturale sicut finis uniuscuiusque, quia in hoc est complementum, unde in vita hominis nihil est ita naturale sicut communicatio civilis, quia finis est et communicationum omnium complementum. Hoc enim dicimus naturam uniuscuiusque, in quo complementum sui est [...] Per se sufficientia in communicatione civili finis est et optimum, ergo naturalissima homini>>.

(25) Albert, Comm. ad Pol. I cap. 9 (Borgnet VIII, 74b-75a): <<Non eodem autem modo principatus supple est mulieri et liberis, sed mulieri quidem politice -supple principatur maritus. Politicus autem principatus vocatur, quando in una civitate unus accipit principatum super reliquos cives aeque liberos sicut ipse est, et non dominatur eis nisi secundum statuta civitatis, et transit de uno in alterum, unus enim habens potestatem uno anno et alter altero. Et hoc est quod dicit ibi Sed mulieri quidem politice supple principatur, non enim habet potestatem in eam nisi secundum instituta nuptialia, ut dicunt canon et lex: propter quod etiam dicit canon, quod consensus qui facit matrimonium, debet esse secundum leges contrahentium>>. Cf. Gratian, C.27 q.2 a.c.1 & p.c.2, ed. A. Friedberg, Corpus Iuris Canonici, vol. 1: Decretum magistri Gratiani, Leipzig 1879 [Reprint Graz 1995], 1062sq.

(26) Comm. zu Pol. I cap. 9 (Borgnet VIII, 76a): <<Et subdit [scil. Aristoteles] quod hoc est proprium regis, ibi Quod quidem est regalis species principatus; regis enim est, ut dicit Aristoteles in quinto Ethicorum et Boetius in libro divisionum, ex amore subditis praeesse ad utilitatem subditorum, et si saeviat in subditos ad utilitatem propriam et nocumentum subditorum, corrumpitur rex in tyrannum et urbanitas quae regnum dicitur in tyrannidem ...>>.

(27) C. DU FRESNE SIEUR DU CANGE, Glossarium mediae et infimae latinitatis, auctum et cum supplementis digessit G. A. L. Henschel, editio nova a Leopold Favre, [1887], vol. 1-10, Reprint in 5 Bdn. Graz 1954.

(28) J. E. NIERMEYER & C. VAN DE Kieft, Mediae latinitatis lexicon minus, edition remaniee par J. W. J. Burgers, Bd. 1-2, Leiden-Boston, Brill, 2002.

(29) FLUELER (Anm. 3), Bd. 1, 35-85.

(30) Vgl. vor allem W. CHESTER JORDAN,. From servitude to freedom. Manumission in the Senonais in the 13th Century, Philadelphia, University of Pennsylvania Press, 1986, (Middle Ages Series).

(31) K. SCHULZ, <<Denn sie lieben die Freiheit so sehr ...>>, Kommunale Aufstande und Entstehung des europaischen Burgertums im Hochmittelalter, 2. verb. Aufl., Darmstadt 1995.

(32) E. Isenmann, Die deutsche Stadt im Spatmittelalter, 1250-1500, Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart, UTB, 1988 (UTB fur Wissenschaft, Grosse Reihe: Geschichte).

(33) Text z. B. in: D. STAUCH, Der Grosse Schied von 1258, Erzbischof und Burger im Kampf um die Kolner Stadtverfassung, Koln-Weimar-Wien, Bohlau, 2008, (Rechtsgeschichtliche Schriften, 25), 195-245 (doch sind hier die Absatze umgruppiert); hier benutzt nach M. GROTEN, Albertus Magnus und der Grosse Schied (Koln 1258)--Aristotelische Politik im Praxistest, Muncher i.W. 2011, (Lectio Albertina, 12), 31-79; ibidem, p.80 a eine stark verkleinerte Photographie des grossformatigen Urkunde aus dem Kolner Stadtarchiv.

(34) GROSSE SCHIED, (Groten, 70 ad nr. 50): Item dicimus quod exceptis campsoribus domini archiepiscopi nemo debet em, ere argentum nisi ad usus peregrinancium vel ad anagliffi speciem comparetur, secundum quod a quibusdam civibus docti sumus.

(35) Das Wort taucht nicht auf bei: H. Bonitz, Index Aristotelicus (Berlin 1870, Reprint Graz 1960), doch cf. Du Cange, Glossarium (Anm. 27), Bd. I, 237a/b: anaglyphus; NIERMEYER & VAN DE KIEFT, Lexicon minus (wie Anm. 28), Bd. I, 55a*.

(36) J. MIETHKE, <<Ockham und die Kanonisten, Ein Beispiel des Streits der Fakultaten um politiktheoretische Kompetenz im 14. Jh.>>, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung fur Rechtsgeschichte 128, Kanonistische Abt. 97 (2011) 390-399.

Jurgen Miethke es Profesor Emerito de la Universidad de Heidelberg. juergen.miethke@zegk.uni-heidelberg.de

Recibido: 22 de julio de 2012.

Aprobado para su publicacion: 10 de septiembre de 2012.
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Title Annotation:articulo en aleman
Author:Miethke, Jurgen
Publication:Scripta mediaevalia
Date:Jul 1, 2012
Words:8202
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