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Olympia-Sponsoring Im Zeichen der Ringe; Der Versicherer Allianz wird Partner des Internationalen Olympischen Komitees. Am Dienstag wird der Deal besiegelt.

Byline: Christian Schnell Munchen

Allianz-Chef Oliver Bate bekommt am Dienstag aussergewohnlichen Besuch. Thomas Bach, der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wird in der Munchener Zentrale des Versicherungsriesen erwartet. Im Rahmen einer kleinen internen Feierstunde zur Mittagszeit soll die kunftige Partnerschaft besiegelt werden. Demnach wird die Allianz ab dem kommenden Jahr einer der Topsponsoren der Olympischen Spiele. Nach Informationen des Handelsblatts soll der Deal im kommenden Jahr zunachst mit den nationalen Verbanden in Frankreich, Spanien, China und Australien starten, ab 2021 dann weltweit. Wieder ein Jahr spater soll das Logo des Versicherers dann bei den Winterspielen in Peking erstmals zu sehen sein. Ebenso bei den Sommerspielen 2024 in Paris und 2028 in Los Angeles. Ein Austragungsort fur die Winterspiele 2026, die ebenfalls zum vereinbarten Paket gehoren, steht noch nicht fest.

Uber die Kosten des Pakets schweigen beide Seiten. Nach Handelsblatt-Informationen durften es weniger als eine halbe Milliarde Dollar sein. In Finanzkreisen war zuletzt die Rede davon, dass das IOC die Partnerschaft fur 50 Millionen Dollar pro Jahr vermarkten will. Die Allianz ware damit Topsponsor Nummer 14 des IOC und befande sich in einer Riege mit weiteren Weltkonzernen wie Coca-Cola, General Electric, Alibaba, Procter & Gamble, Samsung, Bridgestone und Toyota. Die Munchener waren allerdings der einzige Versicherer und auch das einzige deutsche Unternehmen. Bis zum Jahr 2008 hatte der US-Versicherer John Hancock diese exklusive Position inne, nach Auslaufen des Kontrakts hatte der olympische Verband ein Jahrzehnt lang keinen Versicherungspartner mehr.

Vertriebsweg Sport Fur die Allianz soll die Partnerschaft mehr als reines Sponsoring der bedeutendsten Sportveranstaltung der Welt neben der Fussball-WM sein. Einer der Grunde fur unser Engagement beim IOC ist, dass wir auch bei der jungeren Generation verstarkt als Partner wahrgenommen werden wollen", erlautert Jean-Marc Pailhol. Als Head of Group Market Management bei der Allianz hat er den Deal innerhalb eines Dreivierteljahres festgezurrt. Die Zusammenarbeit mit dem IOC ist fur den Versicherer damit ebenso Teil der digitalen Vermarktungsstrategie wie das Engagement in der Elektrorennklasse Formel E und im Bereich Digital Sports.

Zum Paket gehort auch die Vermarktung uber den digitalen Olympia Channel. Dieses Start-up mit aktuell rund 30 000 Followern soll in zehn Jahren rund eine Milliarde Nutzer weltweit haben, so die Planung beim IOC. Im Bewusstsein der Menschen sollen die Sommer- und Winterspiele dann nicht nur alle zwei Jahre stattfinden, sondern zum Dauerthema werden.

Von grosser Bedeutung ist fur die Munchener auch die Moglichkeit einer neuen Vertriebsplattform. Die Allianz wird kunftig nicht nur die Olympischen Sommer- und Winterspiele absichern, sondern verspricht sich auch Partnerschaften mit den jeweiligen Nationalen Olympischen Komitees bis hin zu Vertragen mit einzelnen Sportlern. Fur Konzernchef Oliver Bate ist das Teil seiner neuen Mehrjahresstrategie, die er beim Investorentag Ende November prasentieren will. Wachstumspotenzial sieht der 53-Jahrige schon seit geraumer Zeit weniger in der Ubernahme eines Wettbewerbers als vielmehr in der konkreten Partnerschaft mit grossen Vertriebsplattformen aus unterschiedlichsten Branchen. Der Gedanke dabei: Uber den Vertriebsweg von Waren und Dienstleistungen sollen den Kunden auch Versicherungen angeboten werden. Beispiele gab es zuletzt mit der Unicredit, dem ADAC und JD.com, das gerne als das Amazon Chinas" bezeichnet wird.

Im Bereich Sportsponsoring ist die Allianz bislang vor allem im Fussball aufgefallen. Acht Stadien in Turin, Sydney, Sao Paulo, Nizza, London, Wien, Minnesota und im heimischen Munchen zieren das Namenslogo der Allianz. Beim Massenphanomen Fussball sieht der Versicherer auch weiterhin beste Voraussetzungen, um seine Bekanntheit zu steigern. Beruhmtestes Beispiel ist die Munchener Allianz-Arena, die seit ihrer Eroffnung im Jahr 2005 so heisst. Beim FC Bayern ist der Versicherer auch Anteilseigner mit 8,33 Prozent.

Bei Olympia ist der Versicherungsriese seit 2006 Partner des Paralympischen Komitees. Bei diesen Wettkampfen, die wenige Wochen nach den Olympischen Spielen stattfinden, messen sich behinderte Sportler. Zuletzt haben sich diese Spiele mehr und mehr zum Massenphanomen entwickelt. Die Eroffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele in diesem Jahr in Pyeongchang verfolgten weltweit 2,5 Milliarden Menschen.

Fur das kostspielige Engagement bei Olympia durfte der Allianz indes nicht uberall Wohlwollen entgegengebracht werden, dessen ist sich der Konzern durchaus bewusst. Regelmassig gibt es bei Olympiaden zudem negative Schlagzeilen von Doping bis zu Bestechung. Das IOC hat verstanden, dass man sich dort verandern muss, und die richtigen Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen", sagt Allianz-Marketingchef Pailhol dazu. Gerade in Europa ist der Widerstand in der Bevolkerung gegen solche Grossereignisse in den vergangenen Jahren gewachsen. Eine wesentliche Rolle spielen die immensen Kosten fur den Bau von Sportstatten, fur die allein die ausrichtenden Stadte sowie der jeweilige Staat aufkommen mussen. Das IOC lasst sich dagegen Sonderrechte zusichern, was ebenfalls fur Kritik sorgt.

Zudem sorgen auch die massiven Eingriffe in die Umwelt, die solche Veranstaltungen zwangslaufig mit sich bringen, fur Ablehnung in der Bevolkerung. So haben sich vor geraumer Zeit in Innsbruck die Einwohner mehrheitlich gegen eine Bewerbung fur die Winterspiele 2026 ausgesprochen. In Munchen, wo man sich 2011 fur die Winterspiele in diesem Jahr bewarb und am sudkoreanischen Pyeongchang scheiterte, verstarkten die Kosten von mehr als 33 Millionen Euro allein fur die Bewerbung bereits vor langerer Zeit die ablehnende Haltung.

Die Allianz hat in der Vergangenheit schon Erfahrungen mit umstrittenem Sportsponsoring gemacht. Als der Konzern einst ein Formel-1-Team unterstutzte, gab es bei der Hauptversammlung regelmassig Kritik.

CAPTION(S):

IOC-Prasident Thomas Bach 2016 in Rio de Janeiro: Neuer Topsponsor im Blick.

Allianz-Chef Oliver Bate: Neue Strategien im Vertrieb.

Dominik Butzmann fur Handelsblatt
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Publication:The Mirror (London, England)
Date:Apr 26, 2018
Words:878
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