Printer Friendly

Neue AMS-Daten zur fruhneolithischen Keramikentwicklung in der nordosteuropaischen Waldzone/Uued AMS-dateeringud varaneoliitilise keraamika arengu kohta Kirde-Euroopa metsavoondis.

Einleitung

In der nordosteuropaischen Waldsteppen- und Waldzone begann sich seit dem Ende des 8. Jahrtausends cal BC bei den ansassigen Wildbeutergruppen die Kenntnis der Keramikherstellung auszubreiten (Timofeev et al. 2004, 32-33). (1) Zu den fruhesten Komplexen gehoren Funde aus der Elsan-Kultur und aus Rakusecnyj Jar im Sudosten, bald darauf wurden auch im Oberwolga-Gebiet und in der Serteja-Region Mittelrusslands erste, noch sparlich verzierte Tongefasse gefertigt. Von der zweiten Halfte des 6. Jahrtausends an breitete sich die neue Technologie weiter nach Westen und Norden aus, und bei den Jagern und Fischern im Gebiet ostlich und nordlich der Ostsee entstanden mit Narva, Ka I:1/Sperrings und Saraisniemi 1 erste Keramiktypen (Oshibkina 1996a; Gronenborn 2004).

[FIGURE 1 OMITTED]

Der zeitliche Ablauf und die Mechanismen, die bei der Ubernahme der neuen Technologie im Raum zwischen Barentssee im Norden und Neman-Fluss im Suden zum Tragen kamen, sind bisher nur luckenhaft bekannt. Wahrend es zum einen an detaillierten typologischen Untersuchungen geschlossener Keramikkomplexe aus dieser Region mangelt und sich die Beschreibungen daher meist auf allgemeine Charakterisierungen beschranken, die fur vergleichende Studien wenig geeignet sind, stellen zum anderen chronologische Informationen aus gesicherten Zusammenhangen ein wichtiges Desiderat dar. Aus diesem Grund wurden im Rahmen einer uberregionalen Studie zu den Wildbeutergruppen mit fruher Keramik in der nordosteuropaischen Waldzone (2) durch das Deutsche Archaologische Institut sechzehn AMS-Datierungen fur sieben fruhneolithische Fundstellen aus Litauen, Estland und Russland in Auftrag gegeben (Abb. 1), deren Ergebnisse hier vorgestellt werden. Es handelt sich mit zwei Ausnahmen, bei denen Tierknochen und eine Bodenprobe datiert wurden, um Proben von organischen Auflagerungen an Keramikscherben (Abb. 2). Dadurch ist ein direkter Bezug des jeweiligen Datierungsergebnisses zu einer bestimmten Keramikvariante moglich, was vor allem im Hinblick auf die Seltenheit geschlossener stratigraphischer Einheiten und Befunde aus dem fruhen Neolithikum im Untersuchungsgebiet von grosser Bedeutung ist.

Im vorliegenden Artikel werden die neuen AMS-Daten im Kontext der Fundstellen, von denen sie stammen, diskutiert. Das ist besonders deshalb wichtig, weil ausfuhrlichere Veroffentlichungen zu radiokarbondatierten Platzen des fruhen Neolithikums in der Untersuchungsregion weitgehend fehlen (3)--eine Kenntnis der archaologischen Zusammenhange wie Stratigraphie, Befunde und Fundmaterial ist fur eine gewinnbringende Arbeit mit den Daten aber sehr wichtig. Besonderer Raum wird dabei der Beschreibung der fruhneolithischen Keramik von den einzelnen Siedlungen eingeraumt, so dass die neuen Datierungen jeweils mit einer spezifischen Auspragung der Keramik in Verbindung gebracht werden konnen, was fur weitere Forschungen von grosser Bedeutung ist. (4)

Die neuen Daten im Kontext der Fundstellen

Zemaitiske 3 (Litauen)

Lage

Der neolithische Siedlungsplatz Zemaitiske 3 gehort zu einer Konzentration von 36 stein- und bronzezeitlichen Fundstellen rings um den See Kretuonas im Osten Litauens nahe der belorussischen Grenze (Abb. 1). Der See liegt etwa 10 km nordlich der Kreisstadt Svencionys im gewasserreichen Aukstaitija-Nationalpark. Seine Wasserflache hat sich seit dem Ende der Eiszeit stetig verkleinert, die Fundstelle Zemaitiske 3 befindet sich auf der ostlichen Uferterrasse einer verlandeten Bucht etwa 1,5 km von der heutigen Uferlinie entfernt. Nur einige hundert Meter entfernt liegen mehrere weitere neolithische Fundplatze, darunter der bedeutende Siedlungs- und Bestattungsplatz Kretuonas 1 (Girininkas 1990, 9, Abb. 6).

Fundplatzgeschichte

Um die Erforschung der vorgeschichtlichen Fundstellen am Kretuonas-See hat sich in erster Linie der Archaologe A. Girininkas aus Vilnius verdient gemacht, der bereits 1976 im Auftrag des Institutes fur Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Litauischen SSR mit Ausgrabungen der Bodendenkmaler begann und die Untersuchungen bis heute fortfuhrt (Girininkas 1990, 6). Insgesamt wurden zehn der Fundplatze naher untersucht, darunter auch Zemaitiske 3. Hier wurde in mehreren Kampagnen eine grossere Flache ausgegraben, wobei verschiedene Kulturhorizonte unterschieden werden konnten.

Befunde und Funde

Aus dem fruhen Neolithikum stammt der Kulturhorizont B, der unter einer torfigen Schicht begraben lag. Das Fundmaterial umfasste neben Narva-Keramik auch einige Knochen- und Geweihgerate sowie eine kleine Zahl von Flintartefakten (Girininkas 2004, 49).

Bei der Keramik lassen sich zwei Gefassformen unterscheiden: Zum einen grosse Topfe mit Mundungsdurchmessern von bis zu 45 cm, und zum anderen kleinere ovale Schusseln, die vielleicht als Lampen verwendet wurden. (5) Zur erstgenannten Gruppe gehoren sowohl weitmundige Gefasse, die sich vom Rand aus stetig nach unten verjungen, als auch Topfe mit leicht einziehendem Oberteil. Die Rander sind entweder gerade, etwas nach innen geneigt oder leicht ausgestellt, bei den Randabschlussen dominieren nach innen abgeschragte verdickte Formen, aber auch gerundete und gerade abgestrichene Varianten sind vorhanden. Die Boden waren meist spitz oder gerundet, vereinzelt finden sich auch kleine Standflachen. Bei der Uberarbeitung und Glattung der Gefasse wurde aussen meist eine Schicht Schlicker aufgebracht, nur selten finden sich die fur Narva-Keramik charakteristischen "Kratzspuren". Der Brand erfolgte bei niedrigen bis mittleren Temperaturen. Vielfach haben sich aus der Zeit der Nutzung noch Reste von Speisekruste erhalten. Bei den meisten Gefassen tragt die Aussenflache eine Verzierung, zusatzlich wurden in vielen Fallen auch der Randabschluss und die Mundungsinnenseite dekoriert. Eine Besonderheit stellen in diesem Zusammenhang die ovalen "Lampen" dar, bei denen die Verzierung auf der Innenflache angebracht wurde. Bei der Ornamentierung kamen verschiedene naturliche und kunstliche Stempel zum Einsatz (z. B. ringformige Rohrabdrucke, Zahnstocke und Wickelschnur), des Weiteren Kerben und Einstiche sowie flachige Abdrucke. Fur ein und dasselbe Gefass wurden bis zu drei verschiedene Elemente verwendet. Die Motivik ist oft schlicht und beschrankt sich auf lockere horizontale Bander, die in weiten Abstanden die Gefassoberflache uberziehen. Es kommen aber auch kompliziertere Muster vor, z. B. das von Girininkas als "Bluhendes Gras-Motiv" bezeichnete Ornament (Girininkas 2004, 49), das aus vertikalen Zickzacklinienbundeln mit hakenformigen Auswuchsen besteht und auch von anderen Narva-Fundstellen am Kretuonas-See bekannt ist. Nur einige wenige Gefasse scheinen unverziert geblieben zu sein.

Zu den Knochen- und Geweihwerkgegenstanden, die in der Schicht B zutage kamen, gehoren unter anderem Geweihaxte, Steinartefakte sind vor allem durch Klingeneinsatze fur Jagd- und Fischfanggerate reprasentiert.

Chronologie

Anhand der Keramiktypologie ist der Horizont B von Zemaitiske 3 in die Fruhphase der Narva-Kultur Ostlitauens zu stellen, auch das ubrige Fundspektrum sowie die Lage dieses Siedlungsplatzes auf der zweiten Uferterrasse entspricht einer solchen Einordnung.

Fur die absolutchronologische Einordnung des Komplexes stehen insgesamt drei [sup.14]C-Daten zur Verfugung, und zwar ein konventionelles Datum und zwei neue AMS-Ergebnisse (Abb. 3). Ein weiteres konventionelles Datum (Le-4213) ist durch seinen grossen Fehler von 350 Radiokarbonjahren zu ungenau, und ein drittes AMS-Datum (KIA-33922) muss ebenfalls aus der Betrachtung herausfallen, weil es mit rezentem Schimmel kontaminiert war und daher einen zu jungen, nicht zuverlassigen Wert ergab (Nadeau 2007). Die verbleibenden drei Daten umfassen den Zeitraum vom zweiten Drittel des 5. bis zum Beginn des 4. Jahrtausends cal BC. Der alteste Wert (KIA-33923) wurde aus einem Teerrest gewonnen, mit dem eine Durchbohrung in einer unverzierten Keramikscherbe abgedichtet worden war (Abb. 4), das kalibrierte Ergebnis betragt 4650-4500 cal BC (1 Sigma) bzw. 4690-4490 cal BC (2 Sigma). Das nachstjungere Datum ist der konventionelle Wert (Bln-2549) aus einer Holzprobe, der ins dritte Viertel des 5. Jahrtausends cal BC fallt. Fur das zweite AMS-Datum wurde die Speisekruste aus dem Inneren eines grossen verzierten Keramikgefasses datiert (Abb. 5), es ergab eine Zeitspanne von 4050-3965 cal BC (1 Sigma) oder 4230-3940 cal BC (2 Sigma).

[FIGURE 3 OMITTED]

[FIGURE 4 OMITTED]

[FIGURE 5 OMITTED]

Zusammenfassend lasst sich also feststellen, dass der Horizont B von Zemaitiske 3 nach Ausweis der neuen AMS-Daten etwa im zweiten und dritten Drittel des 5. Jahrtausends cal BC entstand, was auch gut im Einklang mit dem konventionellen Berliner [sup.14]C-Datum steht.

Kaapa (Estland)

Lage

Der steinzeitliche Siedlungsplatz Kaapa gilt als einer der wichtigsten und fundreichsten Platze der Narva-Kultur in Estland. Er befindet sich im Sudostteil des Landes etwa 8 km ostlich der Kreisstadt Voru am linken Ufer des Flusses Vohandu, der nahe der russischen Grenze in den Pskovsker See mundet (Abb. 1). Der Untergrund ist sandig und stellenweise lehmig und geht in der Nahe des Flussufers in vermoortes Gelande uber. Zur Zeit der Besiedlung im fruhen Neolithikum lag der Wasserspiegel niedriger, und die Torfentstehung setzte erst gegen Ende dieser Periode ein. Die Fundstelle wird zum Fluss hin durch einen niedrigen Uferwall abgegrenzt (Jaanits 1968, 14-15).

Fundplatzgeschichte

Die ersten umfangreichen Grabungen in Kaapa fanden in den Jahren 1959 bis 1962 unter der Leitung des estnischen Archaologen L. Jaanits statt (Yanits 1976, 45). Die Ausgrabungen brachten uberaus reiche Funde der Narva-Kultur aus dem fruhen Neolithikum zutage, daneben fanden sich auch Material der typischen Kammkeramik und einige schnurkeramische Scherben.

Im Jahre 1974 wurde ein weiterer Schnitt geoffnet, der sich nordostlich an die bereits ausgegrabene Flache anschloss. Auch diese Untersuchung, bei der das Institut fur Geschichte der Estnischen SSR und das Kreismuseum Voru zusammenarbeiteten, wurde von Jaanits geleitet. Zu den Zielen dieser Ausgrabung gehorte zum einen die Klarung der feinstratigraphischen Verhaltnisse in der Kulturschicht und zum anderen die Gewinnung neuer Proben fur die 14C-Datierung (Yanits 1976, 45-47).

Befunde und Funde

Das fruhneolithische Material in Kaapa bildet einen Komplex, der sich stratigraphisch auf die Kulturschicht zwischen dem anstehenden Mineralboden und dem Vermoorungshorizont konzentriert, nur vereinzelt wurden Narva-Funde auch im unteren Bereich der Torflage angetroffen (Yanits 1976, 47). Im Nordosten der Grabungsflache lauft die Torfschicht im oberen Bereich des Uferhanges aus, hier liegt die Kulturschicht direkt unter der Grasnarbe (Yanits 1976, Abb. 3). Die Funde der typischen Kammkeramik kamen eher im oberen Teil des Uferhanges zutage sowie in der Torfschicht, die weiter unten das fruhneolithische Stratum uberdeckte. Wahrscheinlich hatte sich das besiedelte Areal im Zuge des Wasserspiegelanstiegs und der damit verbundenen Vermoorung der ufernahen Bereiche auf hoheres Gelande verlagert. Schnurkeramische Scherben fanden sich vereinzelt im oberen Horizont des Schichtpaketes.

Zur Befundlage lasst sich relativ wenig sagen. Grossere Strukturen wie z. B. Hausstellen wurden nicht angetroffen, aufgrund der Feuchtbodensituation sind allerdings besonders in der Torfschicht zahlreiche Baumstamme und andere Holzer erhalten geblieben, die aber nicht mit Baustrukturen in Verbindung gebracht werden konnen.

Das Fundmaterial der Narva-Kultur, das in Kaapa zutage kam, ist uberaus umfangreich und umfasst neben tausenden Keramikscherben auch zahlreiche Knochen- und Geweihartefakte, Geratschaften aus Quarz und Sandstein sowie einige Feuersteingegenstande (Jaanits 1968, 15-22; Yanits 1976, 47).

Die fruhneolithische Keramik beschrankt sich auf zwei Hauptformen: Auf Gefasse mit rundem oder spitzem Boden einerseits und auf kleine ovale Schusseln andererseits, die wahrscheinlich als Fettlampen benutzt wurden. (6) In der ersten Gruppe lassen sich Topfe, die sich von der Mundung aus verjungen, Gefasse mit zylindrischem Oberteil und Topfe mit einziehender Mundung unterscheiden. Der obere Durchmesser erreicht bis zu 36 cm, die Wandstarke betragt bis zu 1,4 cm.

Bei den Randern herrschen einfache gerade Formen vor, einziehende und S-formig profilierte Varianten sind seltener. Die Randabschlusse wurden recht unterschiedlich gestaltet, am haufigsten sind nach innen oder nach aussen abgeschragte sowie gerundete, nach aussen ausgezogene Formen. Zur Magerung des Tones dienten uberwiegend klein gehackselte Pflanzenteile, etwas seltener wurden Muschelgrus und in Einzelfallen auch Ocker, Sand und Steingrus zugesetzt. (7) Der Brand erfolgte bei derart niedrigen Temperaturen, dass die Fragmente teilweise eigentlich nur leicht "gebacken" wirken und bei Beruhrung zerbroseln. Die Gefassoberflachen weisen oft einen Uberzug aus Schlicker auf, der manchmal einfach geglattet, haufig aber auch mit einem gezahnten Instrument verstrichen wurde. Solche "Kratzspuren" gelten als typisches Merkmal von Narva-Keramik. Bei vielen Fragmenten haben sich an der Aussen- und noch haufiger an der Innenseite dicke Anhaftungen von Speisekruste erhalten, ausserdem lasst sich manchmal ein feiner teerartiger Uberzug feststellen, bei dem es sich vielleicht um eine intentionelle Abdichtung des schlecht gebrannten, porosen Scherbens handelt. Die Verzierung der Gefasse ist eher grob ausgefuhrt, die Elemente umfassen Impressionen naturlicher Materialien wie z. B. ringformige Schilfhalmabdrucke, ausserdem Kammstempel, Kerben und Fingernageleindrucke. Nicht selten wurden auf ein und demselben Gefass verschiedene Abdrucke verwendet. Die Elemente sind oft in horizontalen, wenig prazisen Reihen in vergleichsweise weiten Abstanden aufgetragen, es finden sich aber auch Zickzack- und Kreuzschraffurbander und kompliziertere geometrische Motive. Haufig sind auch die mit einem gezahnten Instrument ausgefuhrten Tremolierstichbander, die bisher ausschliesslich in der nordlichen Gruppe der Narva-Kultur nachgewiesen wurden. Die Kompositionen bestehen aus einer vertikalen Abfolge verschiedener Motive, die nicht selten von breiten freigelassenen Streifen unterbrochen wird. Vielfach tragt auch der Randabschluss ein Ornament. Ein grosser Teil der Gefasse war allerdings vollig unverziert.

In Kaapa wurden zahlreiche gut erhaltene Knochen- und Geweihgeratschaften gefunden, unter anderem Geschossspitzen, einreihige Harpunen, Gerate mit im Winkel von 45 abgeschragter Schneide, Meissel, Spitzen, Pfrieme und Tierzahnanhanger (Jaanits 1968, 15-19). Das fruhneolithische Steingerateinventar ist dagegen eher armlich, es umfasst z. B. dechselartige Gegenstande, grob geschliffene Beile, Kratzer, Stichel und Sagen sowie eine Reihe gestielter, an der Angel retuschierter Pfeilspitzen (Jaanits 1968, 19).

Chronologie

Abgesehen von der klaren Stratigraphie und den typologischen Merkmalen des Fundmaterials geben eine Reihe von [sup.14]C-Datierungen Auskunft uber die Chronologie des Siedlungsplatzes. Dabei handelt es sich um sechs konventionelle Datierungen an Holz, Torf und Knochen sowie um zwei neue AMS-Datierungen an Speisekruste von Narva-Keramik (Abb. 6).

Wahrend die konventionellen Daten uberwiegend in das 4. und fruhe 3. Jahrtausend cal BC fallen und wohl mit der Nutzung des Platzes zur Zeit der typischen Kammkeramik in Verbindung stehen (A. Kriiska, personliche Mitteilung), haben die beiden neuen Datierungen viel altere Werte ergeben (Abb. 7, 8). Das Datierungsergebnis der Probe KIA-33921 fugt sich mit 4940-4800 cal BC (1 Sigma) bzw. 4990-4780 cal BC (2 Sigma) gut in eine Reihe fruher Daten fur die Nordgruppe der Narva-Kultur am Beginn des 5. Jahrtausends cal BC ein (vgl. Abb. 22). Dagegen erscheint der Wert der Probe KIA-35897 mit 5530-5470 cal BC (1 Sigma) oder 5620-5380 cal BC (2 Sigma) sehr alt, ahnliche Werte sind bisher nur von den lettischen Fundstellen Osa und Zvidze bekannt, die etwa 200 km sudlich von Kaapa liegen. Erklarungsbedarf besteht vor allem fur den grossen zeitlichen Abstand zwischen den beiden neuen Speisekrustendatierungen: Entweder bedeutet er, dass der Siedlungsplatz am Ufer des Vohandu-Flusses von den Tragern der NarvaKultur uber einen Zeitraum von sieben Jahrhunderten genutzt oder zumindest mehrfach aufgesucht wurde, ohne dass sich die einzelnen Nutzungsphasen im Befund trennen liessen, oder es liegt ein Datierungsfehler vor. Anhand der Keramiktypologie lasst sich die Frage jedenfalls nicht klaren, denn die altere Probe stammt von einer unverzierten Scherbe, wie sie in Kaapa hundertfach vorkommt, und die jungere von einem typischen verzierten Stuck, das ebenfalls nicht aus dem Rahmen fallt.

[FIGURE 6 OMITTED]

[FIGURE 7 OMITTED]

[FIGURE 8 OMITTED]

Veksa 3 (Russland)

Lage

Die vor- und fruhgeschichtlichen Siedlungsreste an der Mundung des Flusschens Veksa in die Vologda stellen einen Schlusselfundplatz fur die Kenntnis der Kulturentwicklung im Gebiet zwischen oberer Wolga und Onega-See im Nordwesten Russlands und insbesondere fur die Erforschung der Ausbreitung der fruhesten Keramik nach Norden dar. Der Komplex, der aus den Fundstellen Veksa und Veksa 3 besteht, liegt im Suden der Oblast Vologda am linken Ufer des gleichnamigen Flusses etwa 4 km westlich seiner Einmundung in die obere Suchona und ungefahr 20 km ostlich der Gebietshauptstadt (Abb. 1). Als Fundplatz Veksa wird der Bereich westlich der Einmundung des Flusschens bezeichnet, das Ufer ostlich davon tragt den Fundstellennamen Veksa 3. Insgesamt erstrecken sich die Siedlungsreste auf einer Lange von 1,8 km entlang des Ufers und nehmen eine Flache von etwa 20 ha ein.

Wichtig fur die Ausbildung der machtigen archaologischen Schichtpakete waren die Fruhjahrsuberflutungen, die wegen des geringen Gefalles in diesem Gebiet bis heute regelmassig auftreten und durch die sich in der Stratigraphie der Siedlungsplatze bis zu 0,8 m dicke fundleere Straten abgelagert haben. In Veksa und Veksa 3 zerstort die Ufererosion die archaologischen Sedimente, jedes Jahr gehen so bis zu 1,5 m verloren.

Fundplatzgeschichte

Erste Begehungen und Untersuchungen der archaologischen Fundplatze an der Veksa-Mundung wurden von 1981 bis 1993 unter der Leitung von I. Nikitinskij durchgefuhrt, zwischenzeitlich nahmen auch V. Patruschev in den Jahren 1987 und 1989 sowie S. Vasiliev 1990 und 1992 kleinere Grabungen vor.

Im Jahre 1993 wurden den Forschungen von der Vologodsker Archaologin N. Nedomolkina ubernommen, die die jahrlichen Kampagnen bis heute leitet. Zunachst beschrankten sich die Ausgrabungen auf den Bereich der Fundstelle Veksa, seit 1996 beziehen die Untersuchungen auch Veksa 3 mit ein. Die Grabungsflachen wurden an jenen Stellen angelegt, die von der Ufererosion besonders betroffen sind, um einen weiteren Verlust an archaologischer Information zu verhindern. Insgesamt wurden so bisher mehr als 2400 [m.sup.2] untersucht, der uberwiegende Teil davon im Bereich der Fundstelle Veksa. Ausserdem finden jedes Jahr systematische Begehungen des erodierenden Ufers statt, bei denen zahlreiche Lesefunde aufgesammelt werden (Nedomolkina in Vorb.).

Befunde und Funde

Die besondere Bedeutung der Fundstellen an der Veksa-Mundung beruht zum einen auf dem klar stratifizierten Schichtpaket, das den Zeitraum vom fruhesten Neolithikum bis in die altrussische Zeit umfasst, und zum anderen auf den exzellenten Erhaltungsbedingungen auch fur organisches Material besonders in den unteren, durch hohe Bodenfeuchtigkeit konservierten Schichten.

Die umfangreichste Abfolge neolithischer Straten hat sich in Veksa 3 erhalten, wo das gesamte Schichtpaket einschliesslich der sterilen Zwischenlagen eine Machtigkeit von bis zu 2,5 m erreicht. Die Horizonte wurden von der Ausgraberin von oben ausgehend mit den Ziffern 1 bis 9 durchnummeriert, dabei stammen die Straten 6 bis 9 aus neolithischer Zeit.

Im Folgenden sollen die einzelnen neolithischen Horizonte mit ihren Befunden und Funden und insbesondere der zugehorigen Tonware genauer vorgestellt werden, um den archaologischen Kontext der neuen AMS-Datierungen zu illustrieren. (8)

Schicht 9

Der unterste, fruhneolithische Kulturhorizont enthalt hochst interessante Befunde: Neben verschiedenen Gruben und Pfostenlochern wurden bei der Ausgrabung mehrere grosse, dunkle Verfarbungen von rechteckiger Form mit gerundeten Ecken angeschnitten (Nedomolkina 2003, Tafelteil [ohne Abb.-Nr.]), bei denen es sich moglicherweise um eine Reihe parallel zum Flusslauf ausgerichteter, ebenerdiger Hausstellen handelt. Das assoziierte Fundmaterial umfasst zwei Keramiktypen, Stein- und gut erhaltene Knochenartefakte sowie Fisch- und Tierknochenreste, die teilweise kalziniert sind.

Die erste, weniger haufige Keramikgruppe besteht aus Fragmenten von nicht oder nur mit wenig Sand oder Steingrus gemagerten kleinen Gefassen, deren Mundungsdurchmesser unter 20 cm liegt und deren Wandstarke hochstens 1 cm erreicht. Neben unprofilierten Topfchen mit zylindrischem Oberteil kommen auch sehr kleine Schusselchen vor, Flachboden sind belegt. Die Rander werden nach oben hin oft dunner und weisen vielfach Durchbohrungen auf, die in den noch weichen Ton gestochen wurden. Die sparliche Verzierung besteht aus Einstichen und kleinen Kerben, die horizontale Reihen oder vertikale Muster bilden. Ahnliche Keramik ist auch aus anderen Regionen der nordosteuropaischen Waldzone, etwa im Oberwolga-Gebiet und auf den Serteja-Fundstellen, bekannt (Gronenborn 2004, 55).

Bei der zweiten Keramikgruppe, die auch im unteren Teil der Schicht 8 noch relativ haufig vorkommt, handelt es sich um sand- oder kiesgemagerte Gefasse mit maximalen Mundungsdurchmessern von 24 cm und Wandstarken bis zu 1 cm. Die Formen sind schlicht mit zylindrischem oder leicht einziehendem Oberteil und meist gerundeten Boden oder sehr kleinen Standflachen. In einigen Fallen liess sich ein Bauchknick feststellen, wie er auch fur die Vorsperrings-Ware von Tudozero 5 am Sudostufer des Onega-Sees (Ivanishcheva & Ivanishchev 2004, 64 und Abb. 2) und auch fur die mittlere Oberwolga-Kultur belegt ist. Die Oberflachen wurden meist ohne Schlicker gut geglattet, der Brand erfolgte teilweise bei niedrigen, teilweise bei hoheren Temperaturen. Bei den Randern finden sich sowohl spitz zulaufende als auch gerade abgestrichene Formen. Die Verzierung ist relativ einheitlich, sie besteht aus langen, feinen Kammstempelabdrucken, die senkrecht dicht nebeneinander gesetzt wurden und die gesamte Aussenflache bedecken. Zwischen diese Stempelzonen sind einfache oder doppelte Reihen aus schrag gesetzten kleinen Lanzettkerben oder Abdrucken der Kante des Kammstempels geschaltet. Am Rand finden sich zusatzlich Grubchenreihen oder Reihen aus kleinen Durchbohrungen, die in den feuchten Ton eingestochen wurden.

Das lithische Inventar aus Schicht 9 besteht uberwiegend aus Feuerstein und Schiefer, es umfasst unter anderem Kratzer, Stichel, beidseitig bearbeitete Hiebgerate, querschneidige Pfeilspitzen und dreieckige Mikrolithen. Unter den exzellent erhaltenen Geraten aus Knochen finden sich z. B. Beile, Schaber, Dolche, Pfrieme, einteilige Angelhaken und Pfeilspitzen mit doppelkonischem Kopfchen.

Schicht 8

Diese Schicht ist stark durch Pfostengruben des daruber liegenden Horizontes 7 gestort. Dennoch konnten verschiedene grossere Verfarbungen und Gruben nachgewiesen werden, die aber keine interpretierbaren Strukturen erkennen liessen. Wahrend das Fundmaterial aus ihrem unteren Teil wie erwahnt weitgehend dem aus Schicht 9 bekannten Inventar entspricht, fand sich im oberen Bereich ein anderer, jungerer Komplex, der Keramik, Steinartefakte und einige Knochengerate umfasst.

Die Keramik, die von der Ausgraberin Nedomolkina als "zweiter kammkeramischer Komplex" bezeichnet wird, ist mit wenig Steingrus und teilweise etwas Sand durchsetzt. Die Mundungen erreichen Durchmesser bis zu 32 cm, die Wande sind bis zu 1 cm dick. Die Wande wurden mit Schlicker gut geglattet. Hinsichtlich der Gefassform unterscheidet sich diese Gruppe von den alteren Typen: Uberwiegend handelt es sich um weitmundige, nicht sehr hohe Schusseln, die sich nach unten in sanftem Schwung verjungen und in einem gerundeten Boden enden, die Rander haben einen nach innen abgeschragten, verdickten Abschluss. Der Brand erreichte mittlere bis hohe Temperaturen. Die sehr einheitliche Verzierung uberzieht die gesamte Gefassaussenseite. Sie setzt sich aus Kammstempel- oder Wickelschnurabdrucken zusammen, die senkrecht oder leicht geneigt dicht nebeneinander gesetzt wurden und horizontale Bander bilden. Auch der Randabschluss tragt meist ein Band aus schragen Abdrucken, die Bandergrenzen auf dem Gefasskorper sind mit Reihen kleiner Grubchen oder Kerben betont. Der Randbereich wurde meist durch eine Reihe aus Grubchen hervorgehoben, die durch waagerechte einfache oder doppelte Abdrucke des Hauptverzierungselementes miteinander verbunden sind. Ahnliche Keramik findet sich z. B. in Tudozero 5 sudostlich des Onega-Sees und weiter nordostlich im Material der fruhen Dvina-Pecora-Kultur (Nedomolkina 2007, 17).

Das lithische Material, das mit dem "zweiten kammkeramischen Komplex" assoziiert ist, besteht hauptsachlich aus Feuerstein und umfasst z. B. flachig retuschierte Pfeilspitzen mit Angel, Kratzer, Messer und kantenretuschierte Klingen. Vereinzelt kamen auch Schieferartefakte zutage, unter anderem geschliffene Beile und Meissel sowie durchbohrte langliche Anhanger. Zu den Knochengeraten aus Schicht 8 zahlen z. B. Pfrieme und einteilige Angelhaken.

Schicht 7

Von Schicht 7 gehen zahlreiche Pfostenlocher aus, die in das darunter liegende Stratum eingreifen und zu pfahlbauartigen Konstruktionen gehoren, von denen sich auch mit Steinen gepflasterte Feuerstellen, Wandreste in Form von Pfahlen und Zweigen sowie ein Fussboden aus schmalen Brettern erhalten haben (Nedomolkina 2004, 274; in Vorb.). Die Pfostenspuren in der Grabungsflache waren so zahlreich, dass einzelne Grundrisse nicht unterschieden werden konnten, lediglich die Ausrichtung der Strukturen parallel zum Flussufer war zu erkennen (Nedomolkina 2001, Tafelteil [ohne Abb.-Nr.]). Das Fundinventar setzt sich aus Keramik, Steinartefakten und Knochengeraten zusammen.

In der Tonware dieser Schicht dominiert der so genannte "nordliche Typ". Dabei handelt es sich um halbeiformige, unprofilierte Gefasse mit gerundeten oder leicht spitzen Boden und gerade abgestrichenen Randern, deren Mundungsdurchmesser bis zu 33 cm erreicht und deren Wandstarke bis zu 1,4 cm betragt. Der Ton wurde uberwiegend mit Steingrus gemagert, seltener finden sich Zusatze von Sand, Ocker und organischem Material. Die Oberflache wurde haufig mit Schlicker geglattet, hinsichtlich des Brandes variiert die Qualitat stark. Die Verzierung uberzieht die gesamte aussere Gefassoberflache, sie ist zonal gegliedert und in Motivik und Komposition deutlich variantenreicher als bei den oben beschriebenen alteren Keramiktypen. Sie setzt sich aus einem Hauptelement (meist Stempelabdrucke) und tiefen konischen Grubchen zusammen, die manchmal auf der Innenseite Perlbuckel ausbilden. Bei den Abdrucken uberwiegen Wickelschnur- und kurze breite Kammstempel, seltener finden sich Impressionen naturlicher Materialien sowie Furchenstich- und Ritzlinien. Bei den Verzierungsmotiven dominieren horizontale Bander aus senkrechten, geneigten oder waagerechten Abdrucken, es kommen aber auch kompliziertere Motive vor wie z. B. das fur die Saraisniemi 1-Keramik im Norden typische Band aus schragen Abdrucken mit Grubchen an den Enden. Die Abdruckbander wechseln sich haufig in rhythmischer Anordnung mit einfachen oder mehrfachen Grubchenreihen ab. Parallelen zu dieser Keramik finden sich sowohl im Oberwolga-Gebiet (Zhilin et al. 2002, 44; Nedomolkina 2006) als auch--daher die Bezeichnung "nordlicher Typ"--bei den fruhneolithischen Keramikgruppen Kareliens und Nordfennoskandiens: Einige Stucke sind dem Typ Saraisniemi 1 zum Verwechseln ahnlich, andere entsprechen eher der finnischen Ka I:1-Keramik.

Bei der Herstellung von Steingeraten wurde uberwiegend Feuerstein und seltener Schiefer verwendet, das Geratespektrum umfasst z. B. kleine blattformige und rhombische Pfeilspitzen, asymmetrische und dreieckige Messer, Kratzer, Meissel, Beile und Kammstempel zur Keramikverzierung. Auch Knochengerate wurden gefunden, unter anderem Beile mit breiter Schneide.

Schicht 6

Schicht 6, die sich im mittleren Neolithikum akkumulierte, enthalt Reste uberspulter Pfostenkonstruktionen ohne deutliche Begrenzungen sowie kleinere und grossere Gruben. Das Fundmaterial besteht aus Keramik und Steinartefakten.

Bei der typischen Tonware dieses Horizontes handelt es sich um mit Steingrus gemagerte, mittel bis gut gebrannte Keramik, deren teilweise grosse Gefasse eine einfache Profilierung und runde oder leicht spitze Boden haben. Die Aussenflache ist dicht mit tiefen runden Grubchen verziert, die innen Perlbuckel ausbilden und mit Bandern aus Kammstempel- oder anderen Abdrucken kombiniert sein konnen. Diese Tonware weist typologische Parallelen zur Keramik der entwickelten Stufe der Kargopol-Kultur auf und findet sich ahnlich auch in der karelischen Grubchenkammkeramik.

Das Steininventar der Schicht 6 ist nicht sehr umfangreich, es wurde uberwiegend aus lokalem Feuerstein hergestellt und umfasst unter anderem flachig retuschierte blattformige Pfeilspitzen, kantenretuschierte Messer, Kratzer und Stempel zur Keramikverzierung.

Weitere, unstratifizierte Keramikfunde

Im Lesefundmaterial aus Veksa 3 sind des Weiteren einige Keramikfragmente enthalten, die interessanterweise der hunderte Kilometer weiter sudwestlich verbreiteten Tonware der Narva-Kultur nahe stehen. Es handelt sich um muschelgrus- oder organisch gemagerte, mittelhoch gebrannte Keramik. Neben grosseren Topfen mit leicht ausgestellten Randern, deren Bodenform nicht bestimmbar war, fand sich auch ein Fragment einer kleinen ovalen Lampe. Bei der Verzierung sind sowohl weit auseinander stehende horizontale Reihen oder Doppelreihen kleiner grubchenartiger Einstiche belegt als auch kompliziertere geometrische Muster aus Kammstempelabdrucken. Sehr ahnliche Stucke sind von den Narva-Fundstellen am Kretuonas-See in Sudostlitauen bekannt.

Chronologie

Die Fundstelle Veksa 3 hat mit ihrer klaren Stratigraphie und dem umfangreich erhaltenen organischen Material ein uberaus grosses Potential fur die Rekonstruktion der neolithischen Kulturabfolge in dieser Region und damit auch fur Fragen des zeitlichen Ablaufs der Ausbreitung verschiedener jungsteinzeitlicher Keramiktypen. Inzwischen liegen eine Reihe konventioneller sowie vier neue AMS-Radiokarbondaten vor, die entweder bestimmten Kulturschichten oder direkt einem Keramiktyp zugewiesen werden konnen (Abb. 9). (9)

Demnach erfolgte die Akkumulation des altesten Horizontes mit der sparlich verzierten Ware und der fruhesten Kammkeramik vom Oberwolga-Typ (Schicht 9 und unterer Teil von Schicht 8) bereits im 6. Jahrtausend cal BC. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem das neue, prazise AMS-Datum KIA-33929, das aus einer organisch angereicherten Bodenprobe aus einer von Schicht 9 aus in den anstehenden Boden eingetieften Grube gewonnen wurde, die fruhe Kammkeramik enthielt. Sein Wert umfasst den Zeitraum 5365-5300 cal BC (1 Sigma) bzw. 5470-5220 cal BC (2 Sigma) und entspricht damit den Datierungsergebnissen fur die mittlere Stufe der Oberwolga-Kultur (Zhilin 2000). Dadurch wird die typologische Einordnung der Keramik bestatigt.

Fur den nachstjungeren Horizont, den oberen Bereich der Schicht 8 mit Tonware des "zweiten kammkeramischen Komplexes", liegen zwei Werte vor, und zwar ein konventionelles [sup.14]C-Datum und ein neues AMS-Datum, das direkt an der Speisekruste einer Keramikscherbe (Abb. 10) gewonnen wurde. Sie umfassen den Zeitraum von 5340-4930 cal BC (1 Sigma) oder 5500-4700 cal BC (2 Sigma) und sind damit etwas junger als die Daten aus dem untersten Horizont. Das genaue AMS-Datum fallt dabei in die letzten 200 Jahre des 6. Jahrtausends cal BC.

[FIGURE 9 OMITTED]

[FIGURE 10 OMITTED]

Fur die zeitliche Einordnung des "nordlichen Typs", der hauptsachlich in Schicht 7 vorkommt, steht ebenfalls ein neues AMS-Datum aus der Speisekruste einer Keramikscherbe zur Verfugung (Abb. 11). Es umfasst den Zeitraum von 5200-4960 cal BC (1 Sigma) bzw. 5210-4930 cal BC (2 Sigma) und ist damit wiederum etwas junger als die oben betrachteten Werte. Interessant ist diese Zeitstellung besonders in Bezug auf die Ahnlichkeit dieses Keramiktyps mit den nordlichen Waren Sperrings/Ka I:1 und besonders Saraisniemi 1, denn sie entspricht der fruhen Phase der Existenz dieser Typen und unterstutzt damit die These von der Ausbreitung der fruhesten Keramik nach Karelien und Finnland aus sudostlicher Richtung, wobei das Suchona-Becken eine Zwischenstation dargestellt haben konnte.

Ein konventionelles Datum fur die Schicht 6, in der sich die Grubchenkeramik der entwickelten Kargopol-Kultur fand, ist mit 4690-4350 cal BC (1 Sigma) bzw. 4850-4050 cal BC (2 Sigma) zwar relativ ungenau, fugt sich mit diesen jungeren Werten aber gut in die zu erwartende Zeitabfolge ein. Es deckt sich auch mit den Datierungsergebnissen fur ahnliche Keramikkomplexe der karelischen Grubchenkammkeramik (Lobanova 2004, 255-256).

Neue Erkenntnisse erbrachte die AMS-Datierung einer Speisekrustenprobe, die von einem Gefass der oben beschriebenen Narva-artigen Keramik stammt (Abb. 12). Es fallt in den Zeitraum von 4330-4255 cal BC (1 Sigma) oder 4340-4230 cal BC (2 Sigma) und widerlegt damit die altere Theorie, dass es sich bei dieser mit kleinen Grubchen verzierten, mit Muschelgrus oder organischem Material gemagerten Ware um Vertreter der aneolithischen Modlona 2-Keramik handelt. Vielmehr entspricht das Datierungsergebnis sehr gut den beschriebenen AMSWerten der Narva-Keramik von der sudostlitauischen Fundstelle Zemaitiske 3 aus der Mitte und zweiten Halfte des 5. Jahrtausends cal BC. Damit wird eine tatsachliche Verbindung dieser in Veksa 3 gefundenen Keramikart mit der sudostlitauischen Narva-Kultur wahrscheinlicher, auch wenn die hinter diesem uberraschenden Zusammenhang stehenden Mechanismen vorlaufig unklar bleiben.

Ein weiteres, sehr ungenaues konventionelles [sup.14]C-Datum liegt fur die typologisch ins Aneolithikum zu stellende Schicht 5 mit Keramik vom Typ Modlona 2 vor, es umfasst den Zeitraum von 4400-3650 cal BC (1 Sigma) bzw. 4800-3100 cal BC (2 Sigma). Auf jeden Fall fugt sich auch dieser Wert tendenziell in die zu erwartende Abfolge ein.

[FIGURE 11 OMITTED]

[FIGURE 12 OMITTED]

Sulgu 2 (Russland)

Lage

Der Siedlungsplatz Sulgu 2, der als eine der wichtigsten Fundstellen der fruhen Sperrings-Kultur im Nordosten Russlands gilt, befindet sich im Sudteil der Republik Karelien etwa 60 km westlich von Petrozavodsk im Gebiet zwischen Ladoga- und Onega-See (Abb. 1). Er liegt am nordlichen Ufer des Flusschens Sulgu, das den Weiher Podjarvi mit einer Bucht des sudwestlich anschliessenden grosseren Sees Sjamozero verbindet. Das Bodendenkmal nimmt das Ostende eines bewaldeten Osers ein, das sich bis zu 6 m uber den Wasserspiegel der umliegenden Seen erhebt. In der naheren Umgebung sind zahlreiche weitere Fundstellen aus der Steinzeit und der fruhen Bronzezeit bekannt (Pankrushev 1957, 30 und Taf. 12).

Fundplatzgeschichte

Nachdem im Herbst 1956 beim Bau der neuen Waldsiedlung Kudama archaologische Funde zutage gekommen waren, entsandte das Institut fur Sprache, Literatur und Geschichte der Karelischen Filiale der Akademie der Wissenschaften der UdSSR im folgenden Sommer eine archaologische Expedition unter der Leitung des Petrozavodsker Archaologen G. Pankruschev in die Region. Bei dieser Unternehmung wurde auch das Gebiet sudostlich von Kudama prospektiert, was zur Auffindung mehrerer neuer Fundstellen, darunter auch Sulgu 2, fuhrte. Bei der Sondierung des Bodendenkmals kamen Keramik vom Typ Sperrings, Steinartefakte und verbrannte Tierknochen zutage (Pankrushev 1957, 30, 33). Im Jahre 1958 wurde eine etwas grossere Flache ausgegraben, die aber offenbar an der Peripherie des Siedlungsplatzes lag und nur wenig Fundmaterial hervorbrachte (Pankrushev 1958, 23). Im darauf folgenden Jahr erweiterte man diese Flache nach Westen, aber auch in diesem Schnitt waren die archaologischen Funde relativ sparlich (Pankrushev 1959, 13-14). Erst im Sommer 1960 hatte man mehr Gluck, als nach Suden an die alten Schnitte anschliessend weitergegraben wurde: In dieser grosseren Flache wurden verschiedene archaologische Funde aufgedeckt und eine umfangreichere Fundkollektion gewonnen (Pankrushev 1960, 78-81). Weitere kleinere Untersuchungen des Bodendenkmals fanden 1967 unter der Leitung von J. Titov und 2003 durch N. Lobanova statt (Kochkurkina 2007, 133). Inzwischen wurde der Platz im Zuge von Bauarbeiten vollstandig zerstort. (10)

Befunde und Funde

Der Fundstreuung auf der Gelandeoberflache nach zu urteilen nimmt die steinzeitliche Siedlung Sulgu 2 eine Flache von ungefahr 5000 [m.sup.2] ein. Die Stratigraphie beginnt mit einer dunnen Oberbodenschicht, unter der im westlichen Teil des untersuchten Areals eine bis zu 0,15 m dicke Schicht aus grauem, humosem Sand liegt, die im ostlichen Teil fehlt, darunter folgt ein bis zu 0,4 m machtiger Horizont aus stark rot gefarbtem Sand, unter dem der anstehende gelbe Sand einsetzt. Die Funde stammen aus dem grauen Sand und der roten Kulturschicht sowie aus einigen in den anstehenden Boden eingetieften Gruben, die teilweise Reste von Brandstellen enthielten.

Das Fundmaterial umfasst zahlreiche Keramikscherben, mehr als achthundert Steinartefakte, einige Fragmente von Knochengeraten sowie eine grossere Menge verbrannter Tierknochen. In der Keramikkollektion konnten 64 Gefasseinheiten vom fruhneolithischen Typ Sperrings unterschieden werden, ausserdem fanden sich auch einige Scherben von einem jungeren, asbestgemagerten Gefass.

Das Formenrepertoire der Sperrings-Keramik aus Sulgu 2 ist sehr schlicht, die meisten Gefasse haben ein zylindrisches Oberteil und verjungen sich allmahlich nach unten hin, seltener kommen Topfe mit leicht einziehender Mundung vor sowie Gefasse, die vom Rand aus sofort schmaler werden. Bei den Randern dominieren unprofilierte Varianten, der obere Abschluss ist meist waagerecht abgestrichen, es fanden sich aber auch einige schrag nach innen geneigte sowie abgerundete Formen. Die Boden waren gerundet oder leicht zugespitzt. Bei den Mundungen wurden Durchmesser bis zu 35 cm erreicht, die Wandstarke betragt bis zu 1,4 cm. Die Tonmasse wurde mit Steingrus durchsetzt und die Aussen- und Innenflachen glattete man sorgfaltig mit Schlicker, an einigen Gefassen haben sich Spuren eines roten Uberzugs erhalten. Fast alle Gefasse weisen nur ein Hauptverzierungselement, und zwar Abdrucke oder Furchenstichlinien, auf, welches mit Grubchen oder grubchenartigen Impressionen kombiniert sein kann. Die Verzierung ist meist sehr schlicht und bedeckt--mit Ausnahme eines undekorierten Streifens unter dem Rand bei den abdruckverzierten Gefassen--die gesamte Aussenflache. Mehr als die Halfte der Topfe wurde mit Fischwirbelabdrucken dekoriert, andere Stempel wie Wickelschnur und Kammstempel sind viel seltener. In der Motivik der abdruckverzierten Gefasse dominieren einfache horizontale Bander aus nach rechts geneigten Elementen, die den Gefasskorper von oben bis unten uberziehen. Der Randbereich ist bei dieser Gefassgruppe mit ein oder zwei Reihen aus Grubchen oder grubchenartigen Abdrucken des Hauptverzierungselementes betont oder wurde freigelassen. Haufig finden sich zusatzliche Grubchenreihen auch weiter unten am Gefass, wo sie meist in zweiter Ebene uber die Abdruckverzierung aufgebracht wurden. Eine zweite Gruppe bilden die furchenstichverzierten Gefasse. Die Stichlinien in Sulgu 2 wirken im Vergleich mit der typischen Furchenstichdekoration des entwickelten Sperrings weniger prazise und "organischer", sie sind insgesamt schmaler und flacher und wurden mit naturlichen, unregelmassig strukturierten Materialien ausgefuhrt. An Motiven kommen horizontale und schrage Bander sowie Flechtbandmuster vor. Die Verzierung dieser Gefasse bedeckt die gesamte Aussenflache einschliesslich der Randzone, die mit uber das Furchenstichmuster gedruckten Grubchenreihen oder elaborierteren Motiven besonders betont wurde.

Im lithischen Fundmaterial dominieren Artefakte aus Quarz, gefolgt von Schiefer, Sandstein, Hornstein, Feuerstein, Quarzit und Granit. Das Werkzeugspektrum umfasst unter anderem Beile, Kratzer, Meissel, Stichel, messerartige Klingen, Schleifsteine und Netzsenker. Insgesamt unterscheidet sich das Steingerateinventar wenig von dem fur das vorangegangene Mesolithikum typische Spektrum.

Im verbrannten Knochenmaterial aus Sulgu 2 konnten Fragmente von vier Geraten nachgewiesen werden, darunter das Bruchstuck einer kleinen einreihigen Harpune. (11) Die osteologische Analyse der kalzinierten Tierknochen ermoglicht einen detaillierten Einblick in das Spektrum der genutzten Tierarten: Unter den Grosssaugern dominiert Elch deutlich vor Rentier, auch Biber ist belegt. Die Vogelreste, die von verschiedenen Wasservogeln und vom Moorschneehuhn stammen, machen nur einen geringen Anteil am Gesamtspektrum aus. Unter den Fischresten ist am haufigsten der Hecht vertreten, gefolgt von Zander, Karpfenfischen und Lachsartigen (Benecke & Hochmuth 2007).

Chronologie

Aufgrund der Keramiktypologie kann davon ausgegangen werden, dass die Hauptnutzungsphase des Siedlungsplatzes Sulgu 2 in die Zeit der fruhen SperringsKultur fallt, auch das noch mesolithisch anmutende Steingeratespektrum fugt sich in dieses Bild. Damit scheint es sich um einen der wenigen mehr oder weniger "reinen" Fundplatze dieser Kulturstufe in Karelien zu handeln.

Drei neue AMS-Daten geben Aufschluss uber die absolutchronologische Stellung der Siedlung (Abb. 13). Zwei davon wurden an organischen Auflagerungen an Keramikscherben gewonnen (Abb. 14, Abb. 15), fur das dritte wurden verbrannte Knochen von Elch und Rentier datiert. (12) Die Datierungsergebnisse liegen in zwei chronologischen Bereichen: Wahrend die Tierknochenprobe (KIA-35900) ein uberraschend altes Datum mit den Werten 5630-5555 cal BC (1 Sigma) bzw.

[FIGURE 13 OMITTED]

[FIGURE 14 OMITTED]

[FIGURE 15 OMITTED]

5660-5520 cal BC (2 Sigma) ergab, fallen die beiden Keramikproben mit 5040-4950 cal BC (1 Sigma) oder 5210-4900 cal BC (2 Sigma) (KIA-36724) und 4945-4845 cal BC (1 Sigma) bzw. 5000-4830 cal BC (2 Sigma) (KIA-33925) in die Zeit an der Wende vom 6. zum 5. und den Beginn des 5. Jahrtausends. Fur das hohe Alter der Tierknochenprobe, das noch einmal etwa zweihundert Radiokarbonjahre alter ist als die fruhesten aus Sperrings-Zusammenhangen bekannten Daten (vgl. Abb. 23), bestehen zwei mogliche Erklarungen. Zum einen ware es denkbar, dass in Sulgu 2 neben der neolithischen auch eine mesolithische Besiedlungsphase existiert, die aufgrund des Fehlens einer aussagekraftigen Stratigraphie nicht erkannt wurde und aus der zumindest ein Teil der datierten Knochenfunde stammen musste. (13) Andererseits weist P. Grootes, der die Datierungen durchfuhrte, darauf hin, dass die angewendete Methode der AMS-Datierung kremierter Knochen noch relativ neu und die Zuverlassigkeit ihrer Ergebnisse noch nicht endgultig einzuschatzen ist (Grootes 2008b, 2). Die beiden an Keramik gewonnenen AMS-Daten uberraschen ebenfalls, denn aufgrund der typologischen Merkmale der Keramik und des lithischen Inventars ging man bisher wie erwahnt davon aus, dass Sulgu 2 in den fruhesten Abschnitt der Sperrings-Kultur in Karelien gehort, so dass im Vergleich mit anderen absoluten Daten (s. Abb. 23) eine Zeitstellung in der zweiten Halfte des 6. Jahrtausends zu erwarten gewesen ware. Die beiden neuen Daten machen wahrscheinlich ein Umdenken in diesem Aspekt notwendig.

Vozmaricha 26 (Russland)

Lage

Der Fundplatz Vozmaricha 26 befindet sich am Nordufer des Onega-Sees im Kreis Medvez'egorsk im sudlichen Teil der Republik Karelien (Abb. 1). Er liegt etwa 1,5 km westlich der kleinen Ortschaft Teljatinkovo auf einer der weit in das Gewasser hineinragenden Landzungen an einer vermoorten Niederung, die ursprunglich eine Bucht des Sees darstellte; ungefahr 10 km weiter nordostlich erstreckt sich die beruhmte Museumsinsel Kizi mit ihren traditionellen karelischen Holzkirchen und Bauerngehoften. Der steinzeitliche Siedlungsplatz nimmt eine ebene, etwa 6 m bis 7 m uber dem Wasserspiegel gelegene Flache auf einer alten Uferterrasse ein. In der naheren Umgebung sind zahlreiche weitere vorgeschichtliche Fundstellen aus der Stein- und fruhen Metallzeit bekannt (German 2005, 249).

Fundplatzgeschichte

Entdeckt wurde die Fundstelle Vozmaricha 26 im Jahre 2002 bei einer archaologischen Expedition, die unter der Leitung von K. German im Auftrag des Museumsreservates Kizi stattfand. Im ostlichen Teil des Bodendenkmals legten die Archaologen eine Sondage an, in der eine rotlich gefarbte Kulturschicht angeschnitten wurde, die zahlreiche Steinartefakte und fruhneolithische Keramikfragmente vom Typ Sperrings erbrachte (German 2002a). Im Folgejahr wurden die Untersuchungen fortgesetzt, dabei kamen neben der bereits bekannten Kulturschicht auch verschiedene archaologische Befunde wie Gruben und Steinpflaster zutage, in denen sich die Funde, Sperrings-Keramik und lithisches Material, konzentrierten (German 2003).

Befunde und Funde

Der Fundstreuung auf der Gelandeoberflache nach zu urteilen besitzt der steinzeitliche Siedlungsplatz von Vozmaricha 26 eine Ausdehnung von etwa 975 [m.sup.2]. Die stratigraphische Abfolge besteht aus einer dunnen Oberbodenschicht, unter der ein Podsol aus grauem Sand von etwa 0,1 m Starke liegt, darunter folgt die bis zu 0,2 m dicke Kulturschicht aus orangefarbenem Sand mit stark rot gefarbten Linsen. Unter ihr lagert der anstehende Sand, in den an einigen Stellen archaologische Strukturen eingegraben sind.

Zum Fundspektrum, das in Vozmaricha 26 zutage kam, gehoren neben etwa zweihundert Keramikscherben vom Typ Sperrings sowie zwei moglichen Bruchstucken von Tonfigurinen auch uber tausend Artefakte aus Schiefer, mehr als zweihundert Quarzitgegenstande und--weniger zahlreich--Gerate, Abschlage und Trummerstucke aus Quarz, Feuerstein und Lidit.

Das keramische Material besteht aus den Bruchstucken von mindestens 25 Gefassen. Neben grossen eiformigen Topfen mit zylindrischem oder leicht einziehendem Oberteil von bis zu 32 cm Durchmesser kommen auch kleinere Gefasse sowie kleine Schusselchen vor. Die Wandstarke erreicht bis zu 1,4 cm. Bei den Randern uberwiegen gerade, oben waagerecht abgestrichene Formen, vereinzelt finden sich auch leicht S-formig profilierte Varianten. Die Boden waren spitz oder gerundet. Als Magerung wurde dem Ton uberwiegend Kies oder ein Gemisch aus Sand und Kies beigegeben, die Gefassaussenseiten sind mit Schlicker uberzogen und sorgfaltig geglattet. Beim Brand wurden mittlere bis relativ hohe Temperaturen erreicht. Die Verzierung uberzieht die gesamte Gefassaussenseite, wobei in einigen Fallen direkt unter dem Rand ein schmaler Streifen freigelassen wurde. Sie besteht aus jeweils einem Hauptverzierungselement, bei dem es sich um Stempelabdrucke, Furchenstich- oder Ritzlinien handelt. Etwa drei Viertel der Gefasse ist abdruckverziert, und zwar uberwiegend mit Impressionen von Fischwirbeln, aber auch Wickelschnur und Zahnstock kommen vor. Meist sind die Abdrucke etwas geneigt dicht nebeneinander gesetzt und bilden so horizontale Bander, welche die Gefassoberflache bedecken. Der Randbereich der so dekorierten Gefasse wurde oft durch einfache oder doppelte Reihen aus runden konischen Grubchen oder grubchenartigen Abdrucken des Hauptverzierungselementes betont, seltener finden sich zusatzliche Grubchenreihen auch weiter unten am Gefasskorper. Einige Gefasse tragen eine Verzierung aus feinen, vertikal oder schrag aufgebrachten Furchenstich- oder Ritzlinien, bei diesen Topfen reicht die Ornamentierung bis an den Randabschluss heran. In der zweiten Ebene konnen sie ein zusatzliches Muster aus kleinen, unregelmassig geformten Grubchen aufweisen.

Chronologie

Typologisch ist die Keramik aus Vozmaricha 26 uberwiegend der fruhen Stufe des Typs Sperrings zuzuordnen, es kommen allerdings, wie erwahnt, auch furchenstichverzierte Gefasse ohne freigelassenen Randstreifen vor, die eher fur die entwickelte Phase charakteristisch sind.

Fur die absolutchronologische Einordnung des Fundplatzes stehen zwei Radiokarbondaten zur Verfugung (Abb. 16), und zwar ein konventionelles [sup.14]C-Datum (Le-6799), das aus der Kulturschicht gewonnen wurde, und ein neues AMSDatum (KIA-35901), fur das eine organische Anhaftung an einem typologisch zum fruhen Sperrings gehorenden wickelschnurverzierten Gefass verwendet wurde (Abb. 17). Der konventionelle Wert fugt sich mit 5490-5200 cal BC (1 Sigma) bzw. 5650-5000 cal BC (2 Sigma) gut in die fruhe Stufe der Sperrings-Kultur ein. Das AMS-Datum, das den Zeitraum von 4450-4270 cal BC (1 Sigma) oder 4460-4250 cal BC (2 Sigma) umfasst, erscheint dagegen nicht nur fur Fruhsperrings, sondern selbst fur die entwickelte Phase dieser Kultur in Karelien relativ jung. Zu erwarten ware eigentlich ein mindestens 500 Jahre alterer Wert. Ob hier eventuell mit einer Kontaminierung der Probe zu rechnen ist oder ob das Datum tatsachlich verlasslich ist, kann ohne weitere naturwissenschaftliche Datierungen von Material dieses Fundplatzes nicht entschieden werden.

[FIGURE 16 OMITTED]

[FIGURE 17 OMITTED]

Panozero 1 (Russland)

Lage

Der Fundplatz Panozero 1 liegt im gleichnamigen See etwa 3 km nordwestlich des Dorfes Padany im Kreis Medvez'egorsk im zentralen Teil der Republik Karelien (Abb. 1). Er nimmt den Sudrand der Insel Zmeinaja Gora ein, deren sandiges Ufer sich hier ungefahr 1 m uber den Wasserspiegel des Sees erhebt. Die Fundstelle wird haufig vom Wasser uberspult und fallt dadurch mehr und mehr der Zerstorung anheim (German o. J., 28).

Fundplatzgeschichte

Entdeckt wurde der steinzeitliche Siedlungsplatz im Jahre 1992 von K. German bei einer Prospektion, die im Auftrag des Kulturministeriums der Republik Karelien durchgefuhrt wurde. Zwei Jahre spater fand eine erneute Begehung des Platzes statt, bei der German am Strand zahlreiche Artefakte aufsammelte, unter anderem eine umfangreiche Kollektion von Keramikscherben. Ausgrabungen haben in Panozero 1 bisher nicht stattgefunden.

Befunde und Funde

Die Fundstelle zieht sich auf einer Flache von etwa 1500 [m.sup.2] am Seeufer entlang. An der Abbruchkante des Ufers tritt die stratigraphische Abfolge zutage, sie besteht aus einem dunnen Oberboden, unter dem eine bis zu 0,12 m starke Kulturschicht aus orangefarbenem Sand liegt, auf die direkt der anstehende Sandboden folgt. Dem im Uferbereich ausgespulten umfangreichen archaologischen Material nach zu urteilen muss die Kulturschicht relativ stark mit Funden gesattigt sein.

Das Fundmaterial umfasst neben verschiedenen Quarz- und Schieferartefakten wie z. B. Kratzer, Meissel und Pfrieme auch kalzinierte Knochen sowie fruhneolithische Keramik (31 Gefasseinheiten) des fruhen und entwickelten Typs Sperrings und des Typs Saraisniemi 1, ausserdem kommt auch mittel- oder spatneolithische Grubchenkammkeramik vor.

Die Gefasse der fruhen Sperrings-Keramik sind relativ dunnwandig und erreichen Durchmesser bis zu 29 cm. Ihre Form ist schlicht mit zylindrischem oder leicht einziehendem Oberteil und wahrscheinlich spitzem oder rundem Boden, die Rander sind unprofiliert und oben waagerecht abgestrichen. Die Tonmasse wurde mit Sand, Steingrus und/oder Ockerkornchen gemagert, die Oberflachen sind mit Schlicker gut geglattet und weisen haufig Spuren einer Rotfarbung auf. Der Brand erfolgte bei vergleichsweise hohen Temperaturen. Fur die Verzierung wurden verschiedene naturliche und kunstliche Stempel verwendet (Fischwirbel, Tierknochenepiphysen, Wickelschnur und Matrizenstempel--pro Gefass kam jeweils nur ein Stempel zum Einsatz), die meist rechtsgeneigt nebeneinander gesetzt wurden und dicht aufeinander folgende horizontale Bander bilden, welche fast die gesamte Gefassaussenflache bedecken, nur direkt unter dem Rand wurde ein Streifen unverziert gelassen. Diese Ornamentik wurde durch runde konische Grubchen erganzt, die entweder unter dem Rand eine umlaufende Reihe bilden oder in zweiter Ebene uber das den Gefasskorper bedeckende Abdruckmuster aufgebracht wurden.

Der Hauptteil der Keramik aus Panozero 1 ist zur entwickelten Variante des Typs Sperrings zu zahlen. Diese Gefasse sind mit Mundungsdurchmessern bis zu 35 cm nun grosser und auch dickwandiger, hinsichtlich Gefassform und Brand entsprechen sie aber der alteren Gruppe. Bei den Randern kommen neben den gerade abgestrichenen Formen jetzt auch leicht nach innen geneigte Varianten vor. Als Magerung wurde Steingrus in den Ton eingearbeitet, die Oberflachen sind mit Schlicker gut geglattet, eine Rotfarbung lasst sich nicht feststellen. Bei der Verzierung unterscheidet sich diese Gruppe deutlich von den oben beschriebenen Fruhsperrings-Gefassen: Es dominieren nun aus breiten Ritz- oder Furchenstichlinien zusammengesetzte Zonen, die entweder aus Flechtbandmotiven oder aus Bandern schrag nebeneinander gesetzter Elemente bestehen. Haufig wechseln sich diese Zonen mit versetzt angeordneten, ineinander greifenden Doppel- oder Dreifachreihen aus senkrechten Lanzettkerben ab, teilweise treten auch Grubchenreihen hinzu. Abgesehen von den Verzierungselementen und -motiven unterscheidet sich diese Gruppe von den oben beschriebenen Gefassen auch durch eine sorgfaltigere Ausfuhrung des Dekors und dadurch, dass die Ornamente bis an den oberen Rand heranreichen--die fur die fruhe Sperrings-Keramik typische freigelassene Zone ist verschwunden.

Einige wenige Gefassreste--ausschliesslich Randfragmente--sind typologisch am ehesten dem Typ Saraisniemi 1 zuzuweisen. Technologisch und formal entsprechen sie im Grossen und Ganzen der beschriebenen Sperrings-Keramik, lediglich die Farbung ist etwas dunkler und braunlicher. Die erhaltene Verzierung unter dem Rand dagegen besteht aus typischen Saraisniemi 1-Motiven: In einem Fall sind es linksgeneigte Kammstempel mit Grubchen an den Enden, ein anderes Gefass tragt ein Zickzackband aus Wickelschnurabdrucken mit Grubchen in den Zwickeln und ein drittes ist mit einem aus Stempelabdrucken gebildeten Rhombenband mit "Auswuchsen" an den oberen Enden dekoriert.

Chronologie

Typologisch ist der grosste Teil der Keramik aus Panozero 1 dem fruhen Neolithikum zuzuweisen, ausserdem kommen wie erwahnt einige Fragmente mitteloder spatneolithischer Grubchenkammkeramik vor. Auch das ubrige Fundmaterial entspricht einer solchen zeitlichen Einordnung, so dass die Fundstelle als jungsteinzeitlicher Siedlungsplatz angesprochen werden kann.

Bei der fruhneolithischen Tonware lassen sich mindestens zwei Entwicklungsstufen unterscheiden: Etwa ein Drittel der Gefasseinheiten gehort zur fruhen Variante der Sperrings-Keramik, ungefahr die Halfte entspricht ihrer entwickelten Stufe. In welche dieser Etappen die Saraisniemi 1-artigen Scherben zu stellen sind oder ob sie eventuell sogar zu einer separaten Nutzungsphase des Platzes gehoren, kann allein auf typologischer Basis nicht geklart werden.

[FIGURE 18 OMITTED]

Aus einem Teerklecks, der an einer Scherbe des entwickelten Typs Sperrings anhaftete, wurde eine Probe fur die AMS-Datierung gewonnen (KIA-33924) (Abb. 18, 19). Der Wert fallt in den Zeitraum von 4710-4605 cal BC (1 Sigma) bzw. 4730-4540 cal BC (2 Sigma) und passt damit sehr gut zur typologischen Einordnung dieses Gefasses in die entwickelte Phase der Sperrings-Kultur (vgl. Abb. 23).

[FIGURE 19 OMITTED]

Kalmozero 11 (Russland)

Lage

Der steinzeitliche Siedlungsplatz Kalmozero 11 liegt am ostlichen Ufer des gleichnamigen kleinen Sees im Kreis Muezerskij im zentralen Teil der Republik Karelien (Abb. 1). Er gehort zu etwa funfzehn vorgeschichtlichen Bodendenkmalern der Stein-, Bronze- und Eisenzeit, die rings um den See nachgewiesen wurden (Manyukhin 1991, 69, Abb. 92).

Fundplatzgeschichte

Im Herbst 1991 entdeckte der Petrozavodsker Archaologe I. Manjuchin wahrend einer Prospektion fur das Institut fur Sprache, Literatur und Geschichte der Karelischen Filiale der Akademie der Wissenschaften der UdSSR am Ostufer des Sees am sudlichen Rand einer kleinen Bucht eine Fundstreuung aus verbrannten Knochen, Quarzabschlagen und Keramikscherben, die durch die Ufererosion freigelegt worden war. Die ungefahre Ausdehnung des Fundplatzes konnte anhand von Oberflachenfunden geschatzt werden. An seiner ostlichen Peripherie wurde zur Klarung der Stratigraphie eine Sondage angelegt, weitere Untersuchungen haben bisher nicht stattgefunden.

Befunde und Funde

Der vorgeschichtliche Siedlungsplatz erstreckt sich auf einer Flache von etwa 600 [m.sup.2] entlang des Sudufers der kleinen Bucht. In den Profilen des Sondageschnittes zeigte sich direkt unter der Grasnarbe eine Kulturschicht aus rotlich gefarbtem, holzkohlehaltigem Sand von bis zu 0,22 m Starke, darunter folgt der anstehende Sand.

Im Suchschnitt stiess der Ausgraber auf eine rundovale Grube, in der sich zahlreiche Scherben eines Keramikgefasses fanden. Das schlecht gebrannte Gefass, von dem die beiden Proben fur die AMS-Datierung gewonnen wurden, hat einen Randdurchmesser von etwa 31 cm und eine Wandstarke von bis zu 1,2 cm. Es ist von einfacher halbeiformiger Gestalt und hatte wohl einen spitzen oder leicht gerundeten Boden, der Rand ist unprofiliert und oben gerade abgestrichen. Die Tonmasse wurde mit Steingrus gemagert, die Aussen- und Innenflachen sind mit einer Schlickerschicht uberzogen und sorgfaltig geglattet. Die Verzierung uberzieht fast die gesamte Aussenflache, nur direkt unter dem Rand wurde ein schmaler Streifen freigelassen. Sie besteht aus Abdrucken von einem Matrizenstempel, die dicht nebeneinander gesetzt horizontale Bander bilden, und tiefen, in Reihen angeordneten konischen Grubchen. Beide Motive wechseln sich in unrhythmischer Reihenfolge ab. Der Form, der Herstellungstechnik und der Verzierung nach zu urteilen steht dieses Gefass dem Typ Saraisniemi 1 nahe.

Ausserdem umfasst das Fundmaterial zwei Abschlage aus rotlichem Feuerstein sowie einige Kratzer, Stichelkratzer, meisselartige Gerate und Trummerstucke aus Quarz. Die osteoarchaologische Untersuchung der funfzehn geborgenen kalzinierten Knochenfragmente ergab, dass alle von Saugetieren stammen, zwei Stucke konnten als Biber identifiziert werden. (14)

Chronologie

Wahrend der Ausgraber Manjuchin aufgrund der Keramik von einer spatneolithischen oder aneolithischen Zeitstellung des Siedlungsplatzes ausging (Manyukhin 1991, 69), favorisiert K. German eine Datierung ins fruhe Neolithikum, weil er das Tongefass fur ein Beispiel des Typs Saraisniemi 1 in Karelien halt. (15) Die beiden AMS-Datierungen (Abb. 20), die an einer dunnen schwarzlichen Auflagerung auf der Oberflache des Gefasses vorgenommen wurden (Abb. 21), bestatigen diese Vermutung, denn sie fallen in die zweite Halfte des 6. Jahrtausends und an den Ubergang zum 5. Jahrtausend cal BC. Der altere Wert (KIA-35899A) ergab die Zeitspanne von 5470-5220 cal BC (1 Sigma) bzw. 5480-5200 cal BC (2 Sigma), wahrend der jungere (KIA-35899B) den Zeitraum 5190-4910 cal BC (1 Sigma) oder 5210-4840 cal BC (2 Sigma) umfasst. Damit entsprechen beide Daten der fruhen Phase der auf [sup.14]C-Datierungen beruhenden Chronologie des Typs Saraisniemi 1, wobei ahnlich alte Daten wie KIA-35899A bislang nur aus dem nordnorwegischen Teil seines Verbreitungsgebietes vorliegen (Skandfer 2005, Tab. 1 und Appendix 1; vgl. Abb. 24).

[FIGURE 20 OMITTED]

[FIGURE 21 OMITTED]

Bei genauerer Betrachtung der Daten ergibt sich allerdings ein Problem: Obwohl beide Proben aus der schwarzen Auflagerung an ein und demselben Gefass gewonnen wurden (KIA-35899A von der Aussenwand, KIA-35899B von der Innenwand), unterschieden sich die Werte um betrachtliche 265[+ or -]80 Radiokarbonjahre, eine Uberschneidung besteht lediglich im 2 Sigma-Bereich und umfasst nur 10 Jahre, namlich 5210-5200 cal BC. P. Grootes, der die Datierungen durchfuhrte, gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass der Laugenruckstand der Probe KIA-35899A nur 4% Kohlenstoff enthielt und ansonsten uberwiegend mineralisch war, deshalb stuft er die Zuverlassigkeit dieser Probe als niedriger ein. Eine mogliche Erklarung fur ihr hohes Alter ware z. B., dass im Kochfeuer altes Holz oder Torf verwendet wurde, so dass aussen angelagerter Russ wesentlich alter datieren konnte als die Zeit der Nutzung des Gefasses (Grootes 2008c, 2).

Die Bedeutung der neuen Daten fur die Rekonstruktion der Keramikausbreitung in das Baltikum, nach Nordwestrussland und Fennoskandien

Narva

Die Narva-Kultur, die als erste neolithische Kultur im Baltikum gilt, entstand auf der Grundlage der mesolithischen Kunda-Kultur und verbreitete sich im Laufe ihrer Existenz uber ein ausgedehntes Gebiet von der Ostseekuste im Westen bis an den Oberlauf der Westlichen Dvina im Osten und vom Ladoga-See im Norden bis an den Unterlauf des Neman-Flusses im Suden (Loze 1993; Lang & Kriiska 2001; Brazaitis 2002) (Abb. 1). In der Fruhphase ihrer Entwicklung unterschied sie sich von Kunda hauptsachlich durch die neue Technologie der Keramikherstellung, spater bildete sie verschiedene eigenstandige Charakteristika aus, die von Region zu Region variierten.

Fur die Rekonstruktion der absoluten Chronologie der Narva-Kultur stehen inzwischen eine Reihe vom [sup.14]C-Daten aus verschiedenen Teilregionen und Entwicklungsstufen zur Verfugung (Abb. 22). Im Zusammenhang mit der hier interessierenden Frage nach der Ausbreitung der ersten Keramik erharten die vier neuen AMS-Datierungen aus Kaapa und Zemaitiske 3 das Bild, das sich bereits andeutete: Die altesten Werte, die etwa die Zeitspanne vom zweiten Drittel des 6. Jahrtausends bis zum ersten Viertel des 5. Jahrtausends cal BC umfassen, stammen aus dem Nordosten des Verbreitungsgebietes, und zwar von den lettischen Fundstellen Zvidze und Osa sowie den estnischen Platzen Akali, Narva Riigikula 4 und nun auch Kaapa. Der altere Wert aus Kaapa, der an dem unverzierten Gefass gewonnen wurde (Abb. 7), ist dabei sogar noch ein wenig alter als die bisher fruhesten Daten aus Zvidze und Osa. (16) Wie oben erwahnt, sollte die Zuverlassigkeit dieser Datierung aber noch durch weitere AMS-Werte bestatigt werden, da der grosse zeitliche Abstand zum zweiten AMS-Datum von diesem Fundplatz, fur das eine typische verzierte Scherbe datiert wurde (Abb. 8), bisher nicht hinreichend erklart werden kann.

[FIGURE 22 OMITTED]

Die neuen Daten aus Zemaitiske 3 fugen sich widerspruchslos in das Szenario der spateren Ausbreitung der Narva-Kultur und damit der fruhesten Keramiktechnologie nach Sudwesten und Westen ein: Das fruheste Datum (Abb. 4) liegt im zweiten Viertel des 5. Jahrtausends cal BC und ist nur wenig alter als der erste Wert aus Daktariske 5 im Landesinneren Westlitauens, das damit eine Art Zwischenstation auf dem Weg an die Ostseekuste darstellt, wo die altesten NarvaDaten auf den beruhmten Feuchtbodenfundplatzen von Sventoji in Litauen und Sarnate in Lettland an der Schwelle zum 4. Jahrtausend einsetzen--sie sind damit etwas junger als das jungste Datum aus Zemaitiske 3 (Abb. 5, vgl. auch AntanaitisJacobs & Girininkas 2002).

Dieses nun erhartete Szenario wirft einmal mehr die Frage auf, aus welcher Richtung der Impuls zur Herstellung von gebrannten Tongefassen das Gebiet der spateren Narva-Kultur erreichte. Die sudostlich gelegene Waldsteppenzone kommt eher nicht in Frage, da die altesten Narva-Daten wie beschrieben aus dem nordostlichen Teil des Verbreitungsgebietes stammen und ausserdem neuere Forschungen in Sudostlitauen belegen, dass Narva-Einflusse die dortige neolithische Neman-Kultur erst spater zu uberpragen begannen (Marcinkeviciute 2005). Eher ist eine Beeinflussung aus ostlicher Richtung anzunehmen--das wurde gut mit den absoluten Daten ubereinstimmen, und ausserdem finden sich im ValdajGebiet und in der fruhen Phase der Oberwolga-Kultur Gefasse, die mit ihrer breiten offenen Form und der sparlichen groben Verzierung deutliche Parallelen zur Narva-Keramik aufweisen.

Die Region an der oberen Suchona

Fur die Chronologie der fruhneolithischen Keramikentwicklung im Gebiet zwischen oberer Wolga und Onega-See bieten die Stratigraphie und die Radiokarbondaten der Fundstellen an der Veksa-Mundung die besten Anhaltspunkte (Nedomolkina 2004, 2006) (vgl. Abb. 9). Die fruhesten Schichten in Veksa 3, aus denen Keramik stammt, die typologisch der mittleren Oberwolga-Kultur entspricht, haben [sup.14]C-Daten erbracht, die das gesamte 6. Jahrtausend cal BC abdecken. Die neue AMS-Datierung einer Bodenprobe aus der untersten Schicht 9 fallt dabei ins dritte Viertel des Jahrtausends. Die beiden Daten fur den in der Stratigraphie (Schicht 8, oberer Teil) folgenden Keramiktyp, den so genannten "zweiten kammkeramischen Komplex", sind ein wenig junger und liegen etwa am Ende des 6. Jahrtausends. Der "nordliche Typ", der uberwiegend in Schicht 7 vorkommt, erbrachte ein AMS-Datum am Ende des 6. und zu Beginn des 5. Jahrtausends cal BC. Die Narva-artige Keramik ohne Fundzusammenhang datiert ins dritte Viertel des 5. Jahrtausends und ist damit gut mit ahnlicher Keramik aus Zemaitiske 3 in Sudostlitauen zu parallelisieren (vgl. Abb. 22), auch wenn fur diesen Zusammenhang bisher noch keine Erklarung gefunden wurde.

Insgesamt stimmen also die Radiokarbondatierungen aus Veksa 3 sehr gut mit der stratigraphischen Abfolge uberein und belegen damit die Bedeutung des Fundplatzes fur das Verstandnis der fruhen Keramikentwicklung in uberregionaler Perspektive. Detaillierte chronologische und typologische Untersuchungen an Keramik der umliegenden Regionen im Vergleich mit dem Veksa-Material mussen sich in Zukunft insbesondere mit der Stellung des "zweiten kammkeramischen Komplexes", des "nordlichen Typs" und der Narva-artigen Keramik befassen.

Sperrings

Die fruheste Keramik im Sudteil der finno-karelischen Landmasse wird in Karelien als Sperrings und in Finnland als fruhe altere Kammkeramik (kurz Ka I:1) bezeichnet (Europaeus-Ayrapaa 1930; Carpelan 1999; German 2002b; 2005). Sie ist in einem weiten Raum von den Aland-Inseln im Westen bis zur Region Archangelsk im Osten und vom nordlichen Ende des Bottnischen Meerbusens und Nordkarelien im Norden bis in die nordlichen Teile der Oblast Leningrad im Suden verbreitet (Abb. 1).

Neben einigen wenigen stratifizierten Komplexen und umfangreicheren Informationen aus der Kustenlinienchronologie (vgl. z. B. Siiriainen 1973, 1978) geben eine Reihe von Radiokarbondaten Aufschluss uber die zeitliche Stellung dieser Tonware (Abb. 23). Die altesten Daten stammen von verschiedenen karelischen Fundstellen (Pegrema 9, Seltozero 11, Chepojarvi u. a.) und fallen in die Zeit um die Mitte und am Beginn der zweiten Halfte des 6. Jahrtausends cal BC. (17) In Finnland setzen die Werte etwas spater im zweiten Drittel des Jahrtausends ein, wobei interessanterweise einige der fruhesten Daten (Ostra Jansmyra, Kraviojankangas) aus dem aussersten Westen des Verbreitungsgebietes stammen. Die jungsten Daten aus Karelien erreichen etwa die Mitte des 5. Jahrtausends cal BC, nur zwei der Daten sind noch junger. In Finnland reichen die spatesten Werte bis in das letzte Drittel des Jahrtausends hinein. (18)

[FIGURE 23 OMITTED]

Sehr interessant in Bezug auf die Frage nach der Ausbreitung der fruhesten Keramiktechnologie und ihrer weiteren Entwicklung in diesem Gebiet ist die Betrachtung der Daten vor dem Hintergrund der Keramiktypologie. In Karelien wird die Sperrings-Keramik in mehrere Entwicklungsstufen untergliedert (German 2002b): Die fruhe Phase ist durch das Vorherrschen von Gefassen mit einer einfachen Verzierung aus Reihen von Abdrucken (meist Fischwirbel) charakterisiert, deren Randbereich freigelassen oder durch schlichte Grubchenreihen betont wurde. Spater werden die Kompositionen komplizierter, die Fischwirbelornamentik wird seltener und statt dessen treten immer haufiger Furchenstichund Ritzlinienmuster auf, die freigelassene Randzone verschwindet und Grubchenmuster uberziehen nun den gesamten Gefasskorper in der zweiten Ebene der Dekoration. Auch die neuen AMS-Daten, bei denen karelische SperringsKeramik direkt datiert wurde, bestatigen im Trend diese typologische Abfolge: Die beiden Werte von fischwirbelverzierter Keramik aus Sulgu 2 sind etwa 220 bis 290 Radiokarbonjahre alter als das entwickelte Sperrings-Gefass aus Panozero 1. Wahrend diese Abfolge in sich stimmig ist, verwundert es, dass die neuen Daten im Vergleich mit den bereits vorhandenen insgesamt mehrere Jahrhunderte junger sind. Problematisch ist auch, wie erwahnt, der Wert des typologisch fruhen Gefasses aus Vozmaricha 26, der nicht nur fur die altere, sondern auch fur die jungere Stufe der Sperrings-Entwicklung zu jung erscheint. In der finnischen Keramik vom Typ Ka I:1 kommen Fischwirbelabdrucke seltener vor, hier uberwiegen Furchenstich- und Ritzlinienornamente, auch Kerbreihen sind haufig. Insgesamt ahnelt die finnische Keramik also eher dem entwickelten Typ Sperrings in Karelien.

Im Einklang mit der Haupttendenz der Radiokarbondaten kann also--mit den beschriebenen Einschrankungen--vermutet werden, dass in Karelien bei Bekanntwerden der Keramiktechnologie uber Einflusse aus dem Sudosten zunachst einfache abdruckverzierte Gefasse angefertigt wurden. Zu einer Zeit, als sich die Ornamentik in Karelien bereits weiterentwickelt hatte und Furchenstichsowie Ritzlinienmuster in Mode gekommen waren, breitete sich die Kenntnis der Keramikherstellung weiter in Richtung Westen nach Sud- und Mittelfinnland aus.

Saraisniemi 1

Im Norden Fennoskandiens gehort die fruheste Keramik zum Typ Saraisniemi 1 (German 1998; Carpelan 1999; Torvinen 2000, 2004). Diese Tonware ist in einem ausgedehnten Gebiet vom Fluss Kalix im Westen bis zur Kola-Halbinsel im Osten und von der Kuste der Barentssee im Norden bis nach Mittelkarelien im Suden zutage gekommen, das sich uber die Territorien der heutigen Staaten Finnland, Russland, Norwegen und Schweden erstreckt (Abb. 1). Im sudlichen Teil uberlappt die Verbreitung in einem grossen Gebiet mit der Keramik vom Typ Sperrings/Ka I:1.

Uber die Zeitstellung liegen nur wenige stratigraphische Informationen vor, die Kustenlinienchronologie bietet dagegen deutlichere Hinweise (Siiriainen 1971). Die besten Anhaltspunkte zur Chronologie von Saraisniemi 1 stellen die Radiokarbondaten dar, die aus Norwegen, Finnland und Russland vorliegen (Abb. 24). Die fruhesten Daten stammen aus dem Varagerfjord-Gebiet Nordnorwegens, sie setzen bereits um die Mitte des 6. Jahrtausends cal BC ein. In Nord- und Mittelfinnland liegen die fruhesten Werte im dritten Drittel des 6. Jahrtausends, in Karelien wurde die Existenz dieses Keramiktyps durch die neuen AMS-Daten aus Kalmozero 11 in der zweiten Halfte des 6. Jahrtausends nachgewiesen. Die Daten von der Kola-Halbinsel sind dagegen deutlich junger, sie setzen erst in der ersten Halfte des 5. Jahrtausends cal BC ein. Wahrend die norwegischen und nordfinnischen Daten bereits kurz nach der Mitte des 5. Jahrtausends auslaufen, dauern sie in Mittelfinnland bis ans Ende des 5. Jahrtausends und moglicherweise noch daruber hinaus fort, auf der Kola-Halbinsel reichen die jungsten Daten sogar noch bis weit ins 4. Jahrtausend cal BC hinein.

Uberraschend erscheinen in der beschriebenen Radiokarbon-Chronologie vor allem die sehr fruhen Daten aus Norwegen, da sie von der Peripherie des Verbreitungsgebietes stammen. Moglicherweise kam bei den Proben von diesen in Meeresnahe gelegenen Platzen ein Reservoir-Effekt zum Tragen, obwohl M. Skandfer das aufgrund der d13C-Werte eher fur unwahrscheinlich halt (Skandfer 2005, 6). Wenn man von diesen problematischen Werten absieht, stammt das fruheste Datum aus Kalmozero 11 in Karelien, dicht gefolgt von zahlreichen mittelfinnischen Werten.

Fur die Frage nach der Herkunft und Ausbreitung der Saraisniemi 1-Keramik ist der "nordliche Typ" an der unteren Suchona und der oberen Wolga interessant, denn er weist deutliche typologische Ubereinstimmungen mit Saraisniemi 1 auf. Die neue AMS-Datierung, die an Speisekruste eines solchen Gefasses aus Veksa 3 vorgenommen wurde (vgl. Abb. 9, 11), fallt in das letzte Viertel des 6. und an den Beginn des 5. Jahrtausends cal BC, es entspricht damit ungefahr der Datierung des Gefasses aus Kalmozero 11 und den fruhen mittelfinnischen Daten. Es besteht die Moglichkeit, dass sich die abdruck- und grubchenverzierte Keramik mit den typischen "Sar 1"-Mustern in den sudostlichen Regionen an der oberen Wolga auf der Basis des fruhen Ljalovo entwickelt hat und sich von dort relativ schnell nach Nordwesten bis nach Nordfennoskandien ausbreitete. Vollig ungeklart ist bisher allerdings die Frage des Verhaltnisses von Saraisniemi 1 zur Sperrings/Ka I:1-Keramik. Auf einigen Fundplatzen in Karelien und Finnland wurden beide Typen gefunden, es liegen aber selbst im Uberschneidungsgebiet auch "reine" Fundstellen beider Warenarten vor. Ob sich die Trager beider Typen gruppenspezifisch unterschieden oder ob die relativ deutliche Trennung hinsichtlich der Typologie und der Fundstellen doch eher feinchronologisch zu erklaren ist, mussen weiterfuhrende Forschungen zeigen.

[FIGURE 24 OMITTED]

Schlussfolgerungen

Insgesamt zeigt sich, dass die Vorteile von AMS-Radiokarbondatierungen auch fur die Erforschung der Entwicklung fruher Wildbeuterkeramik in Nordosteuropa ein uberaus grosses Erkenntnispotential haben. In einem Gebiet, in dem stratigraphische Informationen aufgrund der naturraumlichen Bedingungen nur sparlich vorhanden sind und Fundkomplexe oft Material verschiedener Zeitstufen und Kulturen enthalten, ist die Moglichkeit der Direktdatierung von Keramik von grossem Wert. Die benotigte Probenmenge ist so gering, dass ausreichend viel organisches Material, z. B. in Form von Speisekruste oder anderen Auflagerungen, an zahlreichen Scherben gewonnen werden kann, so dass gezielt ganz bestimmte Fragestellungen verfolgt werden konnen. Auch die Datierung von Altfunden ist moglich, so dass ein Erkenntnisgewinn unabhangig von neuen Grabungen mit relativ wenig Aufwand gewahrleistet ist.

Wahrend fur fruhneolithische Kulturen in Finnland und Norwegen, aber auch fur die Ertebolle-Kultur in Norddeutschland und Sudskandinavien bereits grossere Serien von AMS-Datierungen an Keramik vorliegen, konnte nun erstmals auch entsprechendes Material fur die ostlich anschliessenden Regionen datiert werden, was die Erforschung der hier ansassigen Kulturen auch im uberregionalen Vergleich auf eine neue Basis stellt. Zu den Ergebnissen selbst ist zu sagen, dass vielfach bereits bestehende Vermutungen zur typologischen Entwicklung und zur Abfolge verschiedener Stile bestatigt werden konnten (etwa bei der fruhen und entwickelten Sperrings-Keramik oder bei den verschiedenen Keramiktypen in Veksa), dass sich aber auch wichtige neue Erkenntnisse und Szenarien ergeben haben (z. B. bei der Zeitstellung des Narva-Materials aus Kaapa, bei der Datierung von Saraisniemi in Karelien und bei der zeitlichen Einordnung von Narva-artiger Keramik an der oberen Suchona).

Zusammenfassend lasst sich zur Frage nach der Ausbreitung der ersten Keramiktechnologie in den Raum ostlich und nordlich der Ostsee Folgendes konstatieren: Bereits im Jahre 1956 ausserte der finnische Archaologe und Pionier der Steinzeitforschung der osteuropaischen Waldzone A. Ayrapaa die Vermutung, dass sich die Kenntnis der Keramikherstellung in zwei parallelen Strangen verbreitet habe, die beide ihren Ausgangpunkt in der Dnepr-Donez-Region hatten und von denen einer nach Nordwesten ausgriff, wo er zur Entstehung der Nemanund Zedmar-Keramik fuhrte, wahrend sich der andere nach Norden in die Valdaj-Region und weiter uber die karelische Landbrucke nach Fennoskandien verbreitete (Ayrapaa 1956, 35).

In den folgenden Jahrzehnten wurde dieses Szenario durch vielfaltige neue archaologische Materialien und auch durch die Identifizierung vormals unbekannter Keramiktypen und Kulturen erganzt und das chronologische Bild durch Radiokarbondaten prazisiert, so dass sich die Entwicklung heute wie folgt darstellt (vgl. z. B. Nunez 1990; Carpelan 1999, 251-256; Timofeev 2002, 211-212): In der Waldsteppenzone am Unterlauf von Wolga und Don wurde erste Keramik nach Ausweis von palynologischen und [sup.14]C-Daten bereits im 8. Jahrtausend cal BC gefertigt (Elsan- und Mitteldon-Kultur). Weiter westlich hielt die neue Technologie erst etwa tausend Jahre spater Einzug (Bug-Dnestr-Kultur), wobei sie hier offenbar unabhangig von der genannten ostlichen Tradition auf der Basis von Einflussen aus Sudosteuropa und der Balkan-Region entstand. Die fruhesten Hinweise auf Keramik in der Waldzone stammen vom Ende des 7. Jahrtausends cal BC, sie finden sich in Zentralrussland an der oberen Wolga (Oberwolga-Kultur) und weiter westlich im Becken der Westlichen Dvina (Serteja-Gruppe). Im Laufe des 6. Jahrtausends breitete sich die Keramiktechnologie dann in die meisten Regionen der Waldsteppen und Walder Osteuropas aus. Im Sudostbaltikum entstand etwa in der Mitte des 6. Jahrtausends cal BC die Tonware der Neman-Kultur, die typologisch am ehesten von der Keramik der Dnepr-Donez- und der Strumel-Gastjatin-Kultur weiter sudostlich hergeleitet werden kann und die deutliche Ahnlichkeiten mit westlichen Wildbeuterkeramiktypen wie Zedmar und Ertebolle zeigt. Die Narva-Keramik, die im ostlichen Baltikum etwa zur selben Zeit aufzutreten begann, hat ihre nachsten typologischen Parallelen dagegen weiter ostlich in Formen der fruhen Oberwolga-Kultur und in der Valdaj-Region--eine Ausbreitung aus dieser Richtung legen wie erwahnt auch die [sup.14]C-Daten nahe. In der zweiten Halfte des 6. Jahrtausends cal BC bildeten sich dann in den nordlichen Waldern Kareliens und Fennoskandiens reich verzierte Keramiktypen heraus, deren typologische Ursprunge im Repertoire der entwickelten Oberwolga-Kultur und der folgenden fruhen Ljalovo-Kultur zu suchen sind. Der so genannte "nordliche Typ" im Wolgagebiet und an der oberen Suchona stellt dabei offenbar eine Ubergangsstufe dar, die zur Entstehung der spezifischen Saraisniemi 1-Keramik Nordfennoskandiens fuhrte, wahrend sich Sperrings und Ka I:1 auf der Grundlage einer anderen Fazies abdruckverzierter sudostlicher Ware, wie sie etwa auch in der untersten neolithischen Schicht von Tudozero 5 am Onega-See vorhanden ist, entwickelt haben durften.

Es zeigt sich also, dass offenbar tatsachlich zwei separate Entwicklungsstrange eine Rolle bei der Ausbreitung der fruhesten Keramik in die Region ostlich und nordlich der Ostsee eine Rolle gespielt haben, ganz wie es Ayrapaa bereits vor mehr als funfzig Jahren vermutet hatte. Fur die Zukunft bleibt zu hoffen, dass mit weiteren AMS-Datierungen an Keramik und anderem Material das heute bestehende Bild weiter prazisiert und die noch offenen Fragen geklart werden konnen.

Danksagung

Die Forschungen, die auf eine Anregung von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger (Berlin) zuruckgehen, wurden ermoglicht durch das Deutsche Archaologische Institut. Mein herzlicher Dank gilt ausserdem all jenen Kollegen, die mir bei der Materialaufnahme vor Ort geholfen haben, bereitwillig ihr Wissen teilten, mir auch sonst jede Unterstutzung zukommen liessen und mich daruber hinaus mit ihren Stadten und Regionen bekannt machten, und zwar Tatjana Choroschun, Dr. Konstantin German, Dr. Nadezda Lobanova und Dr. Irina Vitenkova (Petrozavodsk), Dr. Nadezda Nedomolkina (Vologda), Dr. Heikki Matiskainen (Riihimaki), Petro Pesonen (Helsinki), Liisa Seppanen (Turku), Prof. Dr. Aivar Kriiska (Tartu), Mirja Ots und Ulle Tamla (Tallinn) sowie Dr. Dziugas Brazaitis, Prof. Dr. Algirdas Girininkas, Egle Marcinkeviciute, Dr. Tomas Ostrauskas und Dr. Rimute Rimantiene (Vilnius). Fur interessante Diskussionen uber die [sup.14]C-Daten und ihre Interpretation danke ich Prof. Dr. Pieter Grootes (Kiel) und Dr. Thomas Terberger (Greifswald).

Literatur

Antanaitis-Jacobs, I. & Girininkas, A. 2002. Periodization and chronology of the Neolithic in Lithuania.--Archaeologia Baltica, 5, 9-39.

Ayrapaa, A. 1956. Den yngre stenalderns kronologi i Finland och Swerige.--Finskt Museum, 1955 (1956), 5-52.

Benecke, N. & Hochmuth, M. 2007. Analyse der verbrannten Tierknochen von prahistorischen Fundstellen Kareliens. (Unpublizierter Bericht im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Brazaitis, D. 2002. Narviskos keramikos stiliai rytu Lietuvoje.--Lietuvos Archeolog--a, 23, 51-72.

Carpelan, C. 1999. Kaannekohtia Suomen esihistoriassa aikavalilla 5100 ... 1000 eKr. Fogelberg, P. (Hrsg.). Pohjan poluilla. Suomalaisten juuret nykytutkimuksen mukaan. Suomen Tiedeseura, Helsinki, 249-279.

Europaeus-Ayrapaa, A. 1930. Die relative Chronologie der steinzeitlichen Keramik in Finnland. Acta Archaeologica, 1, 165-190, 205-220.

German, K E. 1998. Sar 1-pottery in Karelia. (Unpubliziertes Manuskript.)

German, K E. 2002a. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Museumsreservat Kizi, Petrozavodsk.)

German, K E. 2002b. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 5, 264-273.

German, K E. 2003. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Museumsreservat Kizi, Petrozavodsk.)

German, K E. 2005. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 10, 249259.

German, K E. o. J. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpubliziertes Manuskript.)

Girininkas, A. 1990. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Lietuvos Archeologija, 7.)

Girininkas, A. 2004. The Stone Age sites of the Kretuonas lake area.--Interaction between East and West in the Great European Plain during the Final Palaeolithic. Finds and Concepts. International Conference 16-19 September 2004, Vilnius. (Unpublizierter Exkursionsfuhrer.)

Gronenborn, D. 2004. Auf den Spuren fruher Keramiktraditionen.--Archaologie in Deutschland, 6, 52-55.

Grootes, P. M. 2007. Datierungsergebnisse der Proben KIA 33923, 33930, 33931. (Unpublizierter Bericht des Leibniz Labors fur Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts Universitat Kiel im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Grootes, P. M. 2008a. Datierungsergebnis der Probe KIA 35900. (Unpublizierter Bericht des Leibniz Labors fur Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts-Universitat Kiel im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Grootes, P. M. 2008b. Datierungsergebnis der Probe KIA 36724. (Unpublizierter Bericht des Leibniz Labors fur Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts-Universitat Kiel im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Grootes, P. M. 2008c. Datierungsergebnisse der Proben KIA 35897-35899, 35901. (Unpublizierter Bericht des Leibniz Labors fur Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts Universitat Kiel im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Hallgren, F. 2004. The introduction of ceramic technology around the Baltic Sea in the 6th millennium.--Knutsson, H (Hrsg.). Coast to Coast--Arrival. Results and Refections. Proceedings of the Final Coast to Coast Conference 1-5 October 2002 in Falkoping, Sweden. Uppsala, 123-142.

Ivanishcheva, M. V. & Ivanishchev, A. M. 2004. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 60-69.

Jaanits, L. 1968. Die fruhneolithische Kultur in Estland.--Congressus Secundus Internationalis Fenno Ugristarum, Helsinki 23.-28.8.1965. Pars 2. Helsinki, 12-25.

Kochkurkina, S. I. 2007. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.].

Lang, V. & Kriiska, A. 2001. Eesti esiaja periodiseering ja kronoloogia.--EAA, 5: 2, 83-109.

Lobanova, N. V. 2004. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 253-264.

Loze, I. 1993. The Early Neolithic in Latvia. The Narva Culture.--Acta Archaeologica, 63, 119-140.

Manyukhin, I. S. 1991. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Institut fur Sprache, Literatur und Geschichte des Karelischen Wissenschaftlichen Zentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Petrozavodsk.)

Marcinkeviciute, E. 2005. Narvos kulturos pietine riba.--Lietuvos Archeologija, 29, 179-202.

Nadeau, M.-J. 2007. Results of radiocarbon dating of samples KIA 33921-33929. (Unpublizierter Bericht des Leibniz Labors fur Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts Universitat Kiel im Deutschen Archaologischen Institut Berlin.)

Nedomolkina, N. G. 2001. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpubliziertes Manuskript im Staatlichen Museumsreservat fur Kulturgeschichte und Kunst, Vologda.)

Nedomolkina, N. G. 2003. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpubliziertes Manuskript im Staatlichen Museumsreservat fur Kulturgeschichte und Kunst, Vologda.)

Nedomolkina, N G. 2004. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 265-279.

Nedomolkina, N G. 2006. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 106-113.

Nedomolkina, N. G. 2007. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Autoreferat der Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades des Kandidaten der Geschichtswissenschaften, Institut fur Geschichte der materiellen Kultur der Russischen Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg.)

Nedomolkina, N. G. in Vorb. Die Niederung der oberen Suchona in neolithischer Zeit.--Bericht der Romisch-Germanischen Kommission.

Nunez, M. 1990. On Subneolithic pottery and its adoption in Late Mesolithic Finland.--Fenno scandia archaeologica, 7, 27-52.

Oshibkina, S. V. 1996a. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.].

Oshibkina, S. V. 1996b. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 210-242.

Oshibkina, S. V. 2006. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 262-279.

Pankrushev, G. A. 1957. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Institut fr Sprache, Literatur und Geschichte des Karelischen Wissenschaftlichen Zentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Petrozavodsk.)

Pankrushev, G. A. 1958. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Institut fur Sprache, Literatur und Geschichte des Karelischen Wissenschaftlichen Zentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Petrozavodsk.)

Pankrushev, G. A. 1959. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Institut fr Sprache, Literatur und Geschichte des Karelischen Wissenschaftlichen Zentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Petrozavodsk.)

Pankrushev, G. A. 1960. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]. (Unpublizierter Bericht im Institut fur Sprache, Literatur und Geschichte des Karelischen Wissenschaftlichen Zentrums der Russischen Akademie der Wissenschaften, Petrozavodsk.)

Rimantiene, R. 2005. Die Steinzeitfischer an der Ostseelagune in Litauen. Forschungen in Sventoji und Butinge. Vilnius.

Shumkin, V. Ya. 1996. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 67-74.

Siiriinen, A. 1971. Shoreline dating of the Saraisniemi 1-ceramics in Finland.--Suomen Museo, 78, 9-19.

Siiriainen, A. 1973. Studies relating to shore displacement and Stone Age chronology in Finland. Finskt Museum, 80, 5-22.

Siiriainen, A. 1978. Archaeological shore displacement chronology in Northern Ostrobothnia, Finland.--Iskos, 2, 5-23.

Skandfer, M. 2003. Tidlig, nordlig kamkeramikk. Typologi--Kronologi--Kultur. (Unpublizierte Dissertation, Universitetet i Tromso.)

Skandfer, M. 2005. Early, Northern Comb Ware in Finnmark: the concept of Saraisniemi 1 reconsidered.--Fennoscandia archaeologica, 22, 3-27.

Timofeev, V. I. 1996. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 330-348.

Timofeev, V. I. 2002. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.], 209-214.

Timofeev, V. I. & Zajtseva, G. I. 1996. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.].

Timofeev, V. I., Zajtseva, G. I., Dolukhanov, P. M. & Shukurov, A. M. 2004. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.].

Torvinen, M. 2000. Saraisniemi 1 Ware.--Fennoscandia archaeologica, 16: 1, 3-35.

Torvinen, M. 2004. The chronological position of Sar 1 ware in the Neolithic milieu.--Uino, P. (Hrsg.). Fenno-Ugri et Slavi 2002. Dating and Chronology. Papers Presented by the Participants in the Archaeological Symposium "Dating and Chronology" 13-14 May 2002 in the National Museum of Finland. Saarijarvi, 128-134.

Uino, P. 2004. Ammoin Ankkapurhassa Kymenlaaksossa kivikaudella. Helsinki.

Yanits, L. 1976. = Shhtc JI. PacKonKH HeojinwiecKoro nocejienna Kaana.--Eesti TA Toime tised, 25. Uhiskonnateadused, 45-48.

Zhilin, M. 2000. Chronology of the transition from the Mesolithic to the Neolithic in the forest zone of Eastern Europe.--Lietuvos archeologija, 19, 287-297.

Zhilin, M. G., Kostyleva, E. L., Utkin, A. V. & Engovatova, A. V. 2002. = [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.].

(1) In der osteuropaischen und finnischen Forschung wird diese Neuerung als einer der wichtigsten Indikatoren fur den Ubergang zum Neolithikum angesehen, wahrend in Mittel- und Westeuropa eine andere Definition des Neolithikums gilt, deren Hauptkriterien der Ubergang zur produzierenden Wirtschaftsweise und zu sesshafter Lebensweise in Verbindung mit der Entstehung komplexer Gesellschaftsstrukturen sind (vgl. z. B. Oshibkina 2006).

(2) Dabei handelt es sich um meine Dissertation zum Thema "Die nordosteuropaische Waldzone im Neolithikum. Untersuchungen zu Chronologie, Verbreitung und Kulturgeschichte der Gruppen mit fruher Keramik", die bei H. Parzinger an der Freien Universitat Berlin angefertigt wird.

(3) Drei der hier vorgestellten Fundstellen sind unpubliziert, die ubrigen wurden lediglich in kurzeren Beitragen behandelt, keine einzige ist bisher in ausfuhrlicheren Artikeln oder als Monographie beschrieben worden.

(4) Die Keramikbeschreibungen basieren auf meinen eigenen Analysen der Originalfunde, die an anderer Stelle vorgelegt werden.

(5) Die folgende Beschreibung der Keramik beruht auf der Detailanalyse einer Stichprobe von 26 Gefasseinheiten.

(6) Die folgende Beschreibung der Keramik beruht auf der Detailanalyse einer Stichprobe von 72 Gefasseinheiten.

(7) Letztere kommen immer in Verbindung mit einem der beiden Hauptmagerungsmittel, also Planzenhacksel oder Muschelgrus, vor.

(8) Die Beschreibung der Keramik beruht auf einer Stichprobe von 118 Gefasseinheiten aus den Schichten 5 bis 9 sowie aus dem Lesefundmaterial, die genauer analysiert wurden. Dabei ist zu beachten, dass bei den einzelnen Straten jeweils die hauptsachlich vorkommende Keramikart vorgestellt wird, allerdings haben in Veksa 3 offenbar in geringem Masse auch Fundverlagerungen stattgefunden, so dass einzelne Keramikfragmente bestimmter Typen gar nicht in der "zugehorigen" Schicht, sondern in alteren oder jungeren Horizonten gefunden wurden.

(9) Ein weiteres Datum (L?-5857, 5700[+ or -]700 bp) wurde in Abb. 9 nicht aufgefuhrt, weil der Fehler siebenhundert Radiokarbonjahre betragt und die Aussagekraft daher zu eingeschrankt ist.

(10) N. Lobanova (Petrozavodsk), personliche Mitteilung.

(11) Wahrend dieses Stuck bereits vom Ausgraber erkannt wurde (Pankrushev 1960, Taf. 64; s. auch Oshibkina 1996b, Abb. 68, 1), sind die ubrigen Artefaktfragmente erst kurzlich im Zuge der osteologischen Untersuchung am Deutschen Archaologischen Institut durch N. Benecke und M. Hochmuth entdeckt worden.

(12) Fur diese Probe wurden bewusst die Knochen terrestrisch lebender Tiere ausgewahlt, um eine Verfalschung des Ergebnisses durch einen Reservoir-Effekt auszuschliessen.

(13) In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass in der Literatur immer wieder der "mesolithische" Charakter des Steingeratespektrums aus Sulgu 2 betont wird. Tatsachlich fehlen im Material eindeutig jungere Formen wie z. B. flachig retuschierte Pfeilspitzen, was angesichts der grossen Keramikmenge und auch der im Vergleich zur typologischen Einordnung jungen AMS-Daten der Keramikproben uberrascht.

(14) Die Untersuchung der Tierknochenreste wurde am Deutschen Archaologischen Institut in Berlin von N. Benecke und M. Hochmuth durchgefuhrt.

(15) K. German (Petrozavodsk), personliche Mitteilung.

(16) Das Datum MGU-1009 aus Osa ist zwar theoretisch noch etwas alter, kann hier aber wegen des grossen Fehlers von 440 Radiokarbonjahren vernachlassigt werden.

(17) Die oben beschriebene problematische AMS-Datierung KIA-35900 der verbrannten Tierknochen aus Sulgu 2, die noch etwas alter ist, wurde hier vernachlassigt.

(18) Der jungste Wert aus Kraviojankangas steht wahrscheinlich bereits mit der Besiedlung dieses Platzes zur Zeit des Typs Ka II in Zusammenhang, von dem bei den Grabungen zahlreiche Keramikfragmente zutage kamen.

Henny Piezonka, Abteilung fur Vor- und Fruhgeschichtliche Archaologie, Institut fur Kunstgeschichte und Archaologie, Regina-Pacis-Weg 7, D-53113 Bonn, Deutschland; henny.piezonka@uni-bonn.de
Land       Fundplatz        Kultur

Litauen    Zemaitiske 3     Narva
Litauen    Zemaitiske 3     Narva
Litauen    Zemaitiske 3     Narva
Estland    Kaapa            Narva
Estland    Kaapa            Narva
Russland   Veksa 3          Mittlere
                              Oberwolga-Kultur
Russland   Veksa 3          ,,Zweiter kamm-keram.
                              Komplex"
Russland   Veksa 3          ,,Nordhcher Typ"
Russland   Veksa 3          Narva?
Russland   Sulgu 2          Mesohthikum?
                              Sperrings?
Russland   Sulgu 2          Sperrings
Russland   Sulgu 2          Sperrings
Russland   Vozmaricha 26    Sperrings
Russland   Panozero 1       Sperrings
Russland   Kalmozero 11     Sar 1
Russland   Kalmozero 11     Sar 1

Land       Material                              Lab.-Nr.

Litauen    Teerrest von der Reparatur einer      KIA-33923
             Keramikscherbe
Litauen    Speisekruste aus dem Inneren eines    KIA-35898
             Keramikgefasses
Litauen    Speisekruste aus dem Inneren eines    KIA-33922
             Keramikgefasses
Estland    Speisekruste von der Aussenseite      KIA-35897
             eines Keramikgefasses
Estland    Speisekruste aus dem Inneren eines    KIA-33921
             Keramikgefasses
Russland   Organisch angereicherte Bodenprobe    KIA-33929
             mit Fischknochen
Russland   Speisekruste aus dem Inneren eines    KIA-33927
             Keramikgefasses
Russland   Speisekruste von der Aussen- und      KIA-33928
             Innenseite eines Keramikgefasses
Russland   Speisekruste aus dem Inneren eines    KIA-33926
             Keramikgefasses
Russland   Kalzimerte Knochen von Elch und       KIA-35900
             Rentier
Russland   Teer oder Speisekruste von der        KIA-36724
             Aussenseite eines Keramikgefasses
Russland   Teer von der Reparatur eines          KIA-33925
             Keramikgefasses
Russland   Speisekruste von der Aussenseite      KIA-35901
             eines Keramikgefasses
Russland   Teer von der Aussenseite eines        KIA-33924
             Keramikgefasses
Russland   Schwarze Auflagerung von der          KIA-35899A
             Aussenseite eines Keramikgefasses
Russland   Schwarze Auflagerung aus dem          KIA-35899B
             Inneren eines Keramikgefasses

           [sup.14]C-Alter     Kal. Alter 1
Land             (bp)         Sigma (cal BC)

Litauen    5730 [+ or -] 35     4650-4500
Litauen    5210 [+ or -] 45     4050-3965
Litauen    4405 [+ or -] 40     3100-2930
Estland    6540 [+ or -] 40     5530-5470
Estland    5985 [+ or -] 35     4940-4800
Russland   6340 [+ or -] 30     5365-5300
Russland   6185 [+ or -] 30     5210-5070
Russland   6105 [+ or -] 30     5200-4960
Russland   5425 [+ or -] 30     4330-4255
Russland   6670 [+ or -] 35     5630-5555
Russland   6085 [+ or -] 30     5040-4950
Russland   6015 [+ or -] 30     4945-4845
Russland   5505 [+ or -] 50     4450-4270
Russland   5795 [+ or -] 35     4710-4605
Russland   6340 [+ or -] 70     5470-5220
Russland   6080 [+ or -] 45     5190-4910

           Kal. Alter 2     Bernerkung
Land       Sigma (cal BC)

Litauen      4690-4490      Kontext: Horizont B
Litauen      4230-3940      Kontext: Horizont B
Litauen      3120-2900      Kontext: Horizont B;
                              verunreinigt, nicht
                              zuverlassig
Estland      5620-5380
Estland      4990-4780
Russland     5470-5220      Kontext: Schicht 9,
                              Grube
Russland     5230-5030      Kontext: Lesefund
Russland     5210-4930      Kontext: Lesefund
Russland     4340-4230      Kontext: Lesefund
Russland     5660-5520
Russland     5210-4900
Russland     5000-4830
Russland     4460-4250
Russland     4730-4540
Russland     5480-5200      Selbes Gefass wie
                              KIA-35899B
Russland     5210-4840      Selbes Gefass wie
                              KIA-35899A

Abb. 2. ZProben und Datierungsergebnisse der neuen Daten
(nach Grootes 2007, 2008a-c; Nadeau 2007).
COPYRIGHT 2008 Estonian Academy Publishers
No portion of this article can be reproduced without the express written permission from the copyright holder.
Copyright 2008 Gale, Cengage Learning. All rights reserved.

Article Details
Printer friendly Cite/link Email Feedback
Author:Piezonka, Henny
Publication:Estonian Journal of Archaeology
Date:Dec 1, 2008
Words:12987
Previous Article:A new treatment on settlement archaeology in SW Finland.
Next Article:Maritime landscapes: introduction/Merenduslikud maastikud: sissejuhatus.

Terms of use | Privacy policy | Copyright © 2019 Farlex, Inc. | Feedback | For webmasters