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Nachhaltige Entwicklung und Menschenbild--Was ist, braucht und kann "der Mensch"?

"Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemuhungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur"--so lautet der erste Grundsatz der Rio-Deklaration, auf die sich die Vereinten Nationen 1992 bei ihrem Erdgipfel geeinigt haben. Mittlerweile wurde diese Zielsetzung in 17 Sustainable Development Goals (SDGs) konkretisiert: "No poverty, zero hunger, good health and well-being, quality education, gender equality, clean water and sanitation, affordable and clean energy, decent work and economic growth", so lauten einige dieser essenziellen Entwicklungsziele.

Wenn man davon ausgeht, dass angesichts endlicher Ressourcen unbegrenztes Wachstum nicht moglich ist, muss man Guter und Dienstleistungen, auf die Menschen einen berechtigten Anspruch haben, begrenzen. Damit stellt sich die dringende Frage, worauf Menschen zu Recht einen Anspruch erheben konnen--und was von der Vielzahl der Wunsche als "falsches Bedurfnis" zu gelten hat und gegebenenfalls zuruckzuweisen ist. Was "brauchen" Menschen in der westlichen Welt und in den Landern des Nordens, um ihr "Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur" zu verwirklichen: eine tagliche Portion Fleisch, komfortable Autos und gut temperierte Wohnungen? Sinnvolle Arbeit und soziale Teilhabe? Gesunde Luft, sauberes Wasser, fruchtbare Boden, ein bekommliches Klima? Naturerlebnisraume und Wildniserfahrungen? Heimat und Sicherheit?

Damit eng zusammen hangt die (politisch brisante) Frage: Wer soll nach welchen Kriterien entscheiden (durfen), wer was braucht--und worauf Menschen unter Umstanden auch ein Verzicht zugemutet werden darf oder gar muss? Uberlasst man diese Entscheidung den Einzelnen--und befahigt sie gegebenenfalls durch Bildung und (Werte-)Erziehung, diese in verantwortlicher Weise zu fallen? Oder muss die Politik zum Schutz der naturlichen Gemeinguter (Boden, Wasser, Biodiversitat, Klima) Rahmenbedingungen setzen, die es den Einzelnen leichter machen, das Richtige zu tun und das Falsche zu lassen? Und wie weit darf Politik bei der "Gangelung" der Einzelnen gehen? Ist eine Gesellschaft wunschenswert, in der die Einzelnen durch subtile Verhaltenssteuerung (zum Beispiel durch nudging) zu gesellschaftlich erwunschten Verhaltensweisen gedrangt oder durch Big Data als "smarter" Technik eigener Entscheidungen zunehmend enthoben werden?

Mogliche Antworten auf all diese Fragen hangen offenkundig mit dem Menschenbild zusammen: Sehen wir Menschen als stets auf ihren Vorteil bedachte individuelle Nutzenoptimierer(innen), die nur dann etwas tun, wenn es den eigenen Interessen nutzt? Oder betrachten wir uns als Sozialwesen, die bereit und fahig sind, ihr eigenes Handeln am langfristigen Gemeinwohl auszurichten? Betrachten wir Menschen als Vernunft- und Kulturwesen, die lernen konnen, ihre Triebe und Impulse sozialvertraglich zu regulieren? Oder hangen wir der Vorstellung an, der Mensch sei dem Menschen ein Wolf und nur durch Gesetze und Sanktionen am Unrecht zu hindern?

In Kooperation mit der Alanus Hochschule fur Kunst und Gesellschaft, Alfter, gehen wir drei Fragen zum Menschenbild nach:

1. Was ist "der Mensch"? Gibt es essenzielle Merkmale des Menschen?

2. Was braucht "der Mensch"? Von leiblichen, seelischen und geistigen Bedurfnissen und menschlichen Grundfahigkeiten

3. Was kann (und soll) "der Mensch"? Wie kann nachhaltige Entwicklung gelingen?

Sustainable development and concepts of "man"--What is a human being, what are his/her needs and potentials?

GAIA 28/1 (2019): 68-69 | Keywords: basic needs, concepts of "man", environmental psychology, responsibilities, sustainable development

Dr. Uta Eser | Buro fur Umweltethik | Tubingen | Deutschland | info@umweltethikbuero.de

Prof. Dr. Thomas Schmaus | Alanus Hochschule | Institut fur philosophische und asthetische Bildung | Alfter | Deutschland | thomas.schmaus@alanus.edu

Dr. Karl-Heinz Simon | Center for Environmental Systems Research | Kassel | Deutschland | simon@cesr.de

Prof. Dr. Dr. Dr. Felix Tretter | Bertanlanffy Center for the Study of Systems Science | Wien | Osterreich | felix.tretter@dg-humanoekologie.de

DGH: UtaJ.Runst, M.Sc. | Generalsekretarin DGH | Holbeinstr. 12a | 04229 Leipzig | Deutschland | uta.runst@dg-humanoekologie.de (|) www.dg-humanoekologie.de
JAHRESTAGUNG DER DGH in Kooperation mit der ALANUS HOCHSCHULE FUR KUNST
UND GESELLSCHAFT, Alfter
Nachhaltige Entwicklung und Menschenbild--Was ist, braucht und kann
"der Mensch"?
23. bis 25. Mai 2019, Sommerhausen am Main, Deutschland

Donnerstag, 23. Mai 2019

15:00  BEGRUSSUNG UND EINLEITUNG FelixTretter(Prasident der DGH),
       Wien, Karl-Heinz Simon (CESR), Kassel
15:45  I. GROSSE TRANSFORMATION UND MENSCHENBILD
       "Die Menschen stehen im Mittelpunkt der nachhaltigen
       Entwicklung": Warum und wie wir uber Menschenbilder
       nachdenken wollen Uta Eser(Buro fur Umweltethik), Tubingen
16:45  II. MENSCHEN ALS NATUR-, VERNUNFT- UND
       SOZIALWESEN
       Menschenbilder in der philosophischen
       Anthropologie im Vergleich mit Befunden der
       empirischen Wissenschaften
       Thomas Schmaus (Alanus Hochschule fur
       Kunst und Gesellschaft), Alfter
17:30  NACHFRAGEN UND DISKUSSION
       (Kleingruppen)
19:00  DGH-MITGLIEDERVERSAMMLUNG, TEIL 1

       Freitag, 24. Mai 2019

09:00  Wider die Privatisierung der Nachhaltigkeit: Zur
       Rolle von Ethik und Politik Armin Grunwald (KIT),
       Karlsruhe
09:45  Die (Ohn-)Macht des Diskurses. Zur Rolle der Kommunikation
       fur eine nachhaltige Entwicklung
       Konrad Ott (Christian-Albrechts-Universitat Kiel),
       Kiel
10:45  Nachhaltiges Verhalten aus der Sicht der
       Umweltpsychologie--Motive, Einstellungen
       und Verhalten
       Marcel Hunecke (FH Dortmund), Dortmund
11:30  Macht und Bedurfnisse NN
12:15  NACHFRAGEN aus Kleingruppen
14:30  WORKSHOP 1                       WORKSHOP 2
       Was ist "der Mensch"?            Was braucht "der Mensch"?
       Studien zum Menschen: Was        Ziel der nachhaltigen Entwick-
       bedingt menschliches             lung ist es, Menschen mit allem
       Verhalten: Natur oder Kultur?    zu versorgen, was sie brauchen.
       Verstand oder Gefuhl?            Doch was genau ist das? Und
       Reflexion oder Intuition?        wer legt das fest?
       Wie erfahren Menschen            Moderation: Uta Eser,
       Natur: objektiv oder             Tubingen
       subjektiv, rational oder         IMPULS: Jochen Dallmer
       emotional? Ist Altruismus        (Glucksforschung), Berlin:
       oder Egoismus typisch            Die Rolle der Leiblichkeit
       fur den Menschen?                IMPULS: Christian Reichel
       Wie stellt sich                  (IRS), Erkner/Berlin:
       der Mensch                       Chancen und Grenzen eines
       im Zeitalter der                 digitalisierten Umweltwissens
       Digitalisierung dar?             fur nachhaltige Handlungs-
       Moderation: Thomas               praktiken
       Schmaus, Alfter
       IMPULS: Fritz Reusswig (PIK),
       Potsdam: "Die Krone der
       Schopfung, das Schwein,
       der Mensch". Reduktionistische
       Menschenbilder
       in der sozialwissenschaftlichen
       Umweltforschung
       IMPULS: Andreas Mei[sz]ner
       (Praxis), Munchen:
       Trotz Wissen wenig
       Handeln--der uberforderte
       Mensch
       IMPULS: Felix Tretter, Wien:
       Der Mensch im
       Informationszeitalter

14:30  WORKSHOP 3
       Was kann (und soll) "der Mensch"?
       Wie kann eine nachhaltige Entwicklung gelingen?
       Was halt Menschen von der starkeren Umsetzung
       des Nachhaltigkeitswissens in die Lebenspraxis ab?
       Brauchen wir einen "Wertewandel", eine moralische
       Ertuchtigung der Einzelnen? Oder ist eine politische
       und rechtliche Regulierung und Sanktionierung
       von Fehlverhalten notig? Oder sind Verhaltens-
       beeinflussung (nudging) und technologische
       Losungen (Smart Cities) der Konigsweg?
       Moderation: Karl-Heinz Simon, Kassel
       IMPULS: Oliver Parodi (ITAS), Karlsruhe:
       Personal Sustainability
       IMPULS: Christine Tretter (DGH), Wien:
       Hindernisse der Verhaltensanderung -
       klinische Aspekte
20:00  GEMEINSAMES ABENDESSEN BZW. WEINPROBE
       Samstag, 25. Mai 2019
09:30  ERGEBNISSE AUS DEN ARBEITSGRUPPEN UND PERSPEKTIVEN
       Diskussion und Empfehlungen fur die Humanokologie
11:00  DGH-MITGLIEDERVERSAMMLUNG, TEIL 2 Ende etwa 13:30

Veranstaltungsort: Evangelisches Gemeindehaus, Sommerhausen |
Tagungsgebuhr: 120,--EUR fur Nichtmitglieder, 40,--EUR fur Studierende
und
Doktorand(inn)en | Anmeldung: Uta J.Runst, E-Mail:
uta.runst@dg-humanoekologie.de | Weitere Informationen:
www.dg-humanoekologie.de


https://doi.org/10.14512/gaia.28.1.18.
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Title Annotation:COMMUNICATIONS
Author:Eser, Uta; Schmaus, Thomas; Simon, Karl-Heinz; Tretter, Felix
Publication:GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society
Date:Mar 1, 2019
Words:1091
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