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Mythos, fiktion, Geschichte: ein Beitrag zum 'Realismus' der antiken Romane.

1. Einleitung

Als der erste antike Romancier den ersten antiken Roman schrieb, existierte wahrscheinlich schon ein rhetorisches System, das die literarische Erzahlung in drei verschiedene Kategorien einteilt. Es ist zuerst beim Anonymus ad Herennium (1,8,12-13) und beim fruhen Cicero (inv. 1,19,27) belegt, geht aber wohl auf hellenistische Quellen zuruck, deren Terminologie sich aus spateren griechischen Zeugnissen erschliessen lasst. (1) Dieses System legt die Beziehung der Erzahlung zur Wirklichkeit zugrunde und unterscheidet demnach 1) fabula / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als eine Erzahlung unwahrer und unwahrscheinlicher Ereignisse von 2) argumentum / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als eine Erzahlung erfundener, aber wahrscheinlicher Ereignisse und 3) historia / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als eine Erzahlung wahrer Ereignisse. Dazu kommt spatestens im 1. Jh. n. Chr. als ahnliches, aber nicht identisches, System noch die Theorie der Erzahlung [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], seltener [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]) in den Prosaubungen der Progymnasmata. (2) Theon von Alexandria, der fruheste bekannte Autor von Progymnasmata, unterscheidet z.B. zwischen einer faktischen und einer 'mythischen' Erzahlung [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], illustriert aber beide Kategorien mit Beispielen aus Geschichtsschreibern, sodass die progymnasmatische Erzahlung, zumindest in der Fruhzeit, insgesamt stark historiographischen Charakter hat. (3) Die Prosafiktion antiker Romane wurde in der Forschung oft mit diesen rhetorischen Systemen in Verbindung gebracht, insbesondere mit der Kategorie des argumentum / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], dem in spateren Progymnasmata auch ein [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (oder in alternativer Terminologie [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]) entspricht. (4) Soweit die rhetorische Theorie.

Nun ist es keineswegs gesichert, dass die genannten Kategorien fur die Schreibpraxis der Romanciers auch tatsachlich relevant waren, aber wahrscheinlich ist das angesichts der Bedeutung der Rhetorik in der antiken Bildung durchaus. Es ist also zumindest einen Versuch wert, vor dem Hintergrund des skizzierten Systems der tatsachlichen Verwendung der genannten Begriffe in unseren Romantexten nachzugehen. Das will ich in diesem kleinen Beitrag tun, in dem ich mich auf die ,kanonischen' antiken Romanciers beschranke, also Chariton, Xenophon von Ephesos, Achilleus Tatios, Longos und Heliodor bei den Griechen; Petron und Apuleius bei den Romern. Und auch hier werde ich jeweils nur ausgewahlte, fur das Selbstverstandnis der jeweiligen Romane besonders aussagekraftige Stellen besprechen. Eine zweite und wahrscheinlich noch wichtigere Einschrankung ist methodischer Natur. Ich werde bei der Analyse unserer Texte namlich von der Verwendung der oben genannten Substantive (also fabula /[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] usw.) ausgehen, denn gerade diese setzten eine gewisse Abstraktionsleistung voraus und konnen am ehesten etwas daruber aussagen, ob die Romanciers ein bestimmtes Verstandnis dieser oder jener Erzahlform mitbringen. Das ist naturlich ein limitierter Ansatz und er liesse sich bestimmt durch die Untersuchung weiterer Wortfelder und poetologischer Aussagen verfeinern. Dass das zu wesentlich anderen Schlussen fuhren wurde, halte ich aber fur unwahrscheinlich.

Um einige Ergebnisse vorwegzunehmen: Die Analyse zeigt wenig uberraschend, dass die Begriffe historia / ioTopia insgesamt keine wichtige Rolle im Selbstverstandnis der antiken Romane spielen. Angesichts der Theorie uberraschender ist es zu sehen, dass dasselbe auch von argumentum / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]. (5) Eine zentrale poetologische Rolle nimmt dagegen die Abgrenzung oder Annaherung von den bzw. an die Begriffe(n) fabula / [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ein. Als historiographisch gepragte Alternative dazu bietet sich manchen griechischen Romanciers eine Selbstdefinition uber den Begriff [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] an. Ausserdem ist festzustellen, dass besonders im griechischen Roman die Akzeptanz bzw. Ablehnung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ziemlich gut mit der Identifikation des eigenen Erzahlens mit regelrechten Mythen korreliert, also mit der Bereitschaft, die eigene Erzahlung als Parallele zu Erzahlungen von Gottern, Helden und Fabelwesen zu sehen. Diese Tendenz ist in der Verwendung des lateinischen Begriffs fabula weniger ausgepragt. Er verweist (noch) starker als das griechische [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] auf das Theater und genauer auf einen--freilich a priori unwahrscheinlichen--dramatischen Plot, der zum Vorbild fur die Erzahlung einer fiktionalen Geschichte wird. (6)

2. Statistik und Stellen

Beginnen wir mit einer Statistik. Die Zahlen ausserhalb der Klammern geben jeweils die gesamten Vorkommnisse eines Begriffs bei einem Romancier wieder; die Zahlen innerhalb Klammern beziehen sich auf die Frequenz pro Musterseite: (7)
             Chariton   Xenophon   Achilleus    Longos      Heliodor

[TEXT NOT       6          0           22          7           3
REPRODU-    (1/25 S.)               (1/8 S.)   (1/12 S.)   (1/107 S.)
CIBLE IN
ASCII.]

[TEXT NOT                                                       9
REPRODU-        0          0            0          0        (1/36 S.)
CIBLE IN
ASCII.]

[TEXT NOT       0          0            1          1            1
REPRODU-
CIBLE IN
ASCII.]

                         Chariton      Xenophon   Achilleus

[TEXT NOT REPRODUCIBLE   6 (1/25 S.)   0          22 (1/8 S.)
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   0             0          0
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   0             0          1
IN ASCII.]

                         Longos        Heliodor

[TEXT NOT REPRODUCIBLE   7 (1/12 S.)   3 (1/107 S.)
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   0             9 (1/36 S.)
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   1             1
IN ASCII.]

[TEXT NOT REPRODUCIBLE   22 (1/7 S.)   10 (1/7 S.)   2 (1/87 S.)   0
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   0             0             1             0
IN ASCII.]

[TEXT NOT REPRODUCIBLE   14 (1/23 S.)
IN ASCII.]
[TEXT NOT REPRODUCIBLE   8 (1/40 S.)
IN ASCII.]

                      Petron         Apuleius

fabula (fabella)      17 ( 1/7 S.)   31 (1/7 S.)
argumentum            4 (1/31 S.)    8 (1/27 S.)
historia              0              4 (1/55 S.)
narratio (narratum)   0              2 (1/109 S.)


Bei den Griechen stechen zwei Autoren durch ihre besonders haufige Verwendung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] heraus, namlich Achilleus Tatios und Longos. (8) Mit diesen kann man die romischen Autoren mit ihrer Vorliebe fur den Begriff fabula vergleichen. Dann folgt mit grosserem Abstand Chariton. Bei Heliodor und Xenophon mussen wir eher erklaren, warum sie den Begriff [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] nicht oder fast nicht verwenden. Warum die Statistik so aussieht, kann nur eine Besprechung der einzelnen Autoren klaren. Die individuellen Unterschiede sind hier zu gross, um alle Romanschreiber in einen generischen Topf zu werfen.

a) Achilleus Tatios

Die erste Verwendung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] am Beginn von Achilleus Tatios' Roman Leukippe und Kleitophon ist gleichzeitig auch die programmatischste. Bei der Betrachtung eines mythologischen Bildes, das Zeus und Europa zusammen mit Eros (als Regisseur der Szene) darstellt, trifft der anonyme Rahmenerzahler auf den Helden Kleitophon. Das Gesprach kommt auf die Macht des Gottes Eros, worauf der einschlagig erfahrene Kleitophon zu einem Seufzen und schlieBlich zur autobiographischen Erzahlung des ganzen Romans anhebt. Er beginnt so (1,2,2):

[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]

'Du rufst einen Schwarm von Erzahlungen (logoi) hervor. Meine Ge schichte gleicht namlich Mythen (9) (mythoi).'

Darauf erwidert der Rahmenerzahler:

[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]

'Zogere nicht, mein Bester, ... bei Zeus und Eros selbst. Je mehr sie Mythen (mythoi) gleichen, desto angenehmer werden sie sein.'

Wenig spater, als sich die beiden nach dem Vorbild des platonischen Phaidros in einem Platanenhain niedergelassen haben, fugt der Rahmenerzahler noch hinzu (1,2,3):

[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]

'Jetzt ist es Zeit, ... deine Erzahlung (logoi) anzuhoren: ein solcher Ort ist ganz und gar anmutig und erotischer Mythen (mythoi) wurdig.'

Der Roman selbst wird hier als eine Art [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] prasentiert. Weil das direkt im Anschluss an die mythologische Ekphrasis vom Raub der Europa durch Zeus geschieht, besteht wenig Zweifel daran, dass der romanhafte [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], mit Eros als oberstem Mythologen, zumindest auf spielerische Art sich an den ,mythologischen Mythos' anschliesst und die Grenzen zwischen den beiden Diskursen verwischt. Zu dieser Entgrenzung der Diskurse tragt die Unbefangenheit bei, mit der Kleitophons [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (vgl. [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] absichtlich als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] erzahlt bzw. angehort werden. Dieser Programmatik entsprechend, finden wir in Leukippe und Kleitophon zahlreiche mythologische Ekphraseis und Exkurse, in denen sich die ihrerseits als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] konzipierte Ich-Erzahlung auf verschiedene Weise spiegelt. (10) Auch die abschliessenden retrospektiven Erzahlungen der Protagonisten werden als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] bezeichnet (8,4,2; 8,4,3; 8,17,1). John Morgan hat kurzlich sogar den attraktiven Vorschlag gemacht, in Kleitophon einen regelrecht 'mythomanen' Erzahler zu sehen, der seine Welt im Bild des Mythos konstruiert (wobei der Begriff der 'Mythomanie' hier in Anlehnung an Gian Biagio Contes Interpretation von Petrons Satyricon und seines ebenfalls realitatsfremden Erzahlers Encolpius gebraucht ist). (11) Wie dem auch sei, unter allen Autoren des griechischen Liebesromans ist es Achilleus, der seinen eigenen erzahlerischen Diskurs am starksten als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] prasentiert und mit Mythen identifiziert, wohl nicht zuletzt deshalb, um damit auch die Fiktionalitat seines Schreibens zu thematisieren und ein gewisses parodisches Element einzubringen.

Es bietet sich an, an dieser Stelle einen Blick auf die romischen Romane zu werfen. Diese teilen mit Achilleus Tatios ja bekanntermassen einige bemerkenswerte Charakteristika, so besonders den Ich-Erzahler und ein ausgepragtes komisch-persiflierendes Element. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass sich auch Petron und Apuleius stark uber die unrealistischste Kategorie der rhetorischen Erzahltheorie definieren, die fabula.

b) Apuleius

Apuleius tut das--ahnlich wie Achilleus mit dem [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]--programmatisch am Anfang seines Werks, wenn er den Prolog mit folgenden Phrasen eroffnet und beschliesst (Met. 1,1,1 und 1,1,6):
   At ego tibi sermone isto Milesio varias fabulas
   conseram ... fabulam Graecanicam incipimus.

   Aber ich will dir im milesischen Stil verschiedene Fabeln
   aneinanderreihen ... Ich beginne eine Fabel nach dem Griechischen.


Auch nach dem Prolog begegnet die Verwendung von fabula fur Lucius' Geschichte und damit auch fur Apuleius' Roman, etwa in 2,12,5, wo der Seher Diophanes verspricht, dass Lucius in Zukunft magnam et incredundam fabulam ('eine grosse und unglaubliche Fabel') sein werde. Schliesslich erzahlt Lucius am Ende der Metamorphosen seinen Freunden und Verwandten die von ihm erlebten fabulae (11,20,6). Im Ubrigen ist fabula auch Apuleius' bevorzugter Begriff zur Bezeichnung der in seinen Roman eingelegten Erzahlungen, wobei der Terminus in der Regel sehr bewusst gerade in der Einleitung zu und in der Ruckschau auf den/die jeweiligen Geschichten verwendet wird. (12) In der ersten eingelegten Geschichte von Aristomenes wird sogar explizit der Lugencharakter der fabula thematisiert, da der Gefahrte des Aristomenes der erzahlten Hexengeschichte partout keinen Glauben schenken will: (vgl. Met. 1,20,2 'nihil ... hacfabulafabulosius, nihil isto mendacio absurdius', 'Nichts konnte fabuloser als diese Fabel sein, nichts absurder als diese Luge').

Die Ahnlichkeit von Apuleius' fabulae mit Achilleus' [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] liegt auf der Hand, auch wenn fabula weniger auf eine regelrecht mythologische Erzahlung und damit ein Spiel mit dem Mythos verweist. John Morgan hat darauf aufmerksam gemacht, dass beide Autoren durch den programmatischen Einsatz der Begriffe [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] und fabula zu Beginn ihrer Werke (im Prolog bei Apuleius; bei Ach. Tat. 1,2,2) selbstironisch den Realismus ihrer Erzahlungen unterlaufen. (13) Danielle van Mal-Maeder vergleicht dieselbe Stelle Ach. Tat. 1,2,2, in der es um erzahlerisches Vergnugen an Liebesleid geht, generell mit Lucius' erzahlerischem Vergnugen an (teils schrecklich endenden) fabulae. (14) Schliesslich sei auch noch vermerkt, dass die Selbstprasentation des apuleianischen Prologsprechers als Redner (vgl. Met. 1,1,5 forensis sermonis) ein wichtiger Hinweis darauf ist, dass fabula bei Apuleius tatsachlich im rhetorischen Sinn als unwahre und unwahrscheinliche Erzahlung zu betrachten ist. (15)

c) Petron

Der fragmentarische Charakter unseres Petrontexts gebietet Vorsicht bei einer Analyse im vorliegenden Zusammenhang. Aus den vorhandenen Fragmenten geht aber deutlich genug hervor, dass Petron ahnlich oft und gern wie Achilleus und Apuleius sein eigenes Erzahlen mit der Kategorie der fabula in Verbindung bringt. Das legt nicht nur die ahnliche Frequenz des Begriffes nahe, sondern auch Stellen in denen einzelne Episoden des Romans als fabulae bezeichnet werden (z.B. Sat. 92,13 Encolpius' Handel mit Ascyltus; 95,1 Gitons mimica mors [94,15] durch ein stumpfes Rasiermesser)--hier ist die Nahe zur fabula des Mimus und dem komischen Theater uberhaupt offenkundig. Als fabulae angekundigt bzw. retrospektiv angesprochen sind daruber hinaus eingelegte Erzahlungen wie Niceros' Werwolfsgeschichte (61,5 talem fabulam exorsus est, 'er begann, nachfolgende Fabel zu erzahlen') oder die Geschichte von der Matrone von Ephesos (113,1 risu excepere fabulam nautae, 'die Matrosen reagierten auf die Fabel mit Lachen'; vgl. 111,5, wo die Kunde von der Matrone von Ephesos eine fabula genannt wird). Die grotesken Gesprache der Freigelassenen werden--trotz ihres linguistischen Realismus--als fabulae diskreditiert (37,1; 39,1; 42,1; 47,1; vgl. 76,4 Trimalchios Insistieren, dass seine Biographie factum, nicht fabula sei, womit eo ipso ihr Wahrheitsgehalt problematisiert ist). SchlieBlich findet sich bei Petron teilweise ahnlich wie bei Achilleus, aber anders als bei Apuleius, auch die Annaherung der fabula an den Mythos (48,7 Trimalchio will sich die fabula des Odysseus erzahlen lassen; 59,3 Trimalchio erklart die von den Homeristen aufgefuhrte fabula; 83,5 die mythologischen Bildthemen in der Gemaldegalerie werden als fabulae angesprochen; 126,18 der Erzahler beschwort die fabula des Frauenhelden Jupiter, um dem erotischen Plot der Handlung Schwung zu verleihen). Hier trifft dasselbe zu, was uber den mythomanischen Erzahler bereits oben zu Achilleus Tatios gesagt wurde. Insgesamt durfte trotz des fragmentarischen Zustands der Satyrica klar sein, dass auch Petron den Realismus seiner Erzahlung mutwillig untergrabt, indem er sie vielfach dem Reich der fabula annahert.

d) Longos

Ein spielerisches Verwischen der Grenzen zwischen Roman und [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ist auch Longos nicht fremd. Die Hauptstelle, die hier zu zitieren ist, begegnet uns im zweiten Buch, als Chloe von einer Gruppe ubermutiger Methymnaer geraubt wird. Darauf erscheint Pan dem Rauberhauptmann im Traum und schilt ihn dafur, dass er und seine Truppe eine Jungfrau von den Altaren weggerissen haben, 'aus der Eros einen Mythos machen will' (2,27,2: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]. Wie bei Achilleus ist Eros der oberste Gott und Regisseur des Geschehens, und wie bei Achilleus erscheint der Roman selbst (denn wofur sonst konnte Chloe hier stehen?) als eine Art erotischer Mythos. Allerdings tut Longos mehr dafur, seine Erzahlung von einem Mythos im herkommlichen Sinn abzusetzen. Als z.B. der Greis Philetas Daphnis und Chloe von seiner Begegnung mit Eros erzahlt, heiBt es (2,7,1):
   [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

   Sie ergotzten sich daran als ob sie einen Mythos
   und nicht einen Logos gehort hatten ...


Dem romanhaften Sein wird damit zumindest hinter dem Schein des Mythos die hohere Wahrheit eines Logos zugebilligt. Etwas ahnliches durfte ubrigens auch im Kontrast zwischen den in den Buchern 1-3 eingelegten drei tragischen Mythen von Pan einerseits (zwei davon werden ausdrucklich als uCBoi bezeichnet) (16) und dem glucklichen Schicksal des romanhaften Liebespaars andererseits angedeutet zu sein. Ewen Bowie hat gezeigt, dass der Punkt bei diesen gescheiterte Liebe und Gewalt darstellenden eingelegten Mythen eben gerade der ist, dass sie sich auf der Ebene der Haupterzahlung nicht wiederholen. Statt einem vierten eingelegten Mythos im vierten und letzten Buch haben wir das Happy End der Geschichte von Daphnis und Chloe. (17) Ob diese nun freilich ein Mythos oder ein Logos oder sonst etwas ist, lasst der Autor in der Schwebe, mit derselben Lust am Uneindeutigen, mit der er sein Liebespaar z.B. den eingelegten Mythos von Pan und Syrinx frohlich nachtanzen lasst (2,37).

Hatte man nur die vier bisher besprochenen Autoren, konnte man glauben, dass eine gewisse Identifikation des eigenen Erzahlens mit der Kategorie des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] oder der fabula konstitutiv fur das Genre des Romans ist. Doch die Statistik der Verwendung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] suggeriert schon, dass die verbleibenden Autoren anders vorgehen.

e) Chariton

Charitons Bestreben, sich der Geschichtsschreibung anzuschliessen und seinen Roman als Geschichtserzahlung zu prasentieren, ist hinlanglich bekannt. (18) Mythologie spielt dabei eine vergleichsweise untergeordnete Rolle als punktuelle Vergleichsgrosse, v.a. als Mittel der Personenzeichnung, etwa wenn die Protagonistin Kallirhoe ofter mit Ariadne verglichen wird. So etwas gibt es naturlich in all unseren Texten reichlich, sagt aber wenig uber deren Verhaltnis zum [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als Erzahlform aus. (19) Insgesamt grenzt sich Chariton von allen Romanschriftstellern wohl am starksten von dieser Kategorie ab. Dies geschieht einerseits implizit, namlich durch den Verzicht auf mythologische und uberhaupt a priori unwahrscheinliche Erzahlungen sowie durch die Vermeidung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als Bezeichnung fur die eigene Romanerzahlung. Als Gegenstuck dazu finden wir die explizite Herabsetzung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], denn wo immer er fallt bezeichnet er eine unwahre, potenziell trugerische oder im Vergleich mit der Romanhandlung blasse Erzahlung. So z.B. wenn Kallirhoe als Sklavin an Dionysios verkauft wird und ihr ihr voriges Leben wie ein unwirklicher 'Traum und ein Mythos' erscheint (2,5,7: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]); oder wenn der persische Konig Artaxerxes, bevor er Kallirhoe sieht, vom Gott Eros nur aus 'Mythen und Gedichten' gehort hat (6,3,2: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]), nun aber seine Gewalt am eigenen Leib erfahrt. Die einzige Stelle, wo man daran denken konnte, dass Chariton seine eigene Erzahlung als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] bezeichnet, begegnet im 5. Buch, in der im eigentlichen Sinn dramatischen Gerichtsszene, wo der tot geglaubte Chaireas plotzlich als Kronzeuge auftritt. Chariton, dem Selbstlob nicht fremd ist, pocht auf die Originalitat dieses erzahlerischen Einfalls und kommentiert (5,8,2):
   [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

   Welcher Dichter hat jemals einen so unglaublichen
   Mythos auf die Buhne gebracht?


Es ist hier der Wetteifer mit den Dramatikern, der Chariton hinreisst, seine eigene Geschichte mit einem dramatischen Plot ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] hat hier zweifellos primar diese Bedeutung) zu vergleichen. Ihnen halt er die Dramatik seiner Prosaerzahlung entgegen, die ein 'echtes' Drama bei weitem ubertrifft. Aber ebenso wenig wie Chariton selbst ein Dramatiker sein mochte (denn dann hatte er ein Drama geschrieben), mochte er eine bloB erfundene Geschichte im Sinn der Dramatiker schreiben. Uberall sonst namlich, wo er in selbstre-ferentieller Art auf eine/seine Erzahlung Bezug nimmt, spricht er von [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], 'Erzahlungen'. (20) So z.B. im Fall der 'neuartigen Erzahlung' [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], welche die personifizierte Kunde [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] uber die bis dahin fortgeschrittene Geschichte Kallirhoes im dritten Buch verbreitet (3,2,7; 3,4,1); der 'Erzahlungen uber die Mutter' (2,9,3 [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], welche die werdende Mutter Kallirhoe nicht uber sich horen mochte; oder der 'ruhmreichen Erzahlung', mit der Chaireas und sein Gefahrte Polycharmos spateren Generationen in Erinnerung bleiben wollen (7,1,8 [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]). Ja sogar der Titel von Charitons Roman lautete nach Ausweis des altesten Papyruszeugen (Pap. Michaelides 1) T[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] K[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ('Erzahlungen uber Kallirhoe')--in den Titeln anderer antiker Romane ist der Bestandteil [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] nicht nachzuweisen. Das Besondere an Charitons [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ist einerseits die Frequenz, mit der er sich auf sie bezieht, andererseits dass sie immer wahr sind und zumindest aus der Erzahlersperspektive jenseits jeder Frage von Fiktionalitat stehen. Das Konzept dergestalt historischer bzw. pseudohistorischer Erzahlungen ist hochstwahrscheinlich den Progymnasmata entlehnt, genauer der progymnasmatischen Kategorie des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] in einer primar historiographischen Form, wie sie Theon von Alexandria beschreibt. (21) In Charitons historisierendem Roman steht diese Kategorie implizit in einem Kontrast zum traumhaften, dichterischen und unzuverlassigen [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

f) Xenophon von Ephesos und Heliodor

Bevor ich zu einer abschliessenden Interpretation des Befundes ubergehe sind noch ein paar Worte zu Xenophon von Ephesos und Heliodor angebracht. Die Bilanz ist hier weitgehend negativ. Bei Xenophon spielt Mythologisches ausser in Allerweltsvergleichen keine Rolle. Den Begriff [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] und alle einschlagigen Ableitungen vermeidet er. Wir konnen hochstens registrieren, dass er wie Chariton oft von [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] spricht, durchaus auch selbstbezuglich, wie z.B. im funften und letzten Buch, in dem die Protagonistin Antheia den Rauberhauptmann Hippothoos nicht gleich erkennt und sich daruber wundert, dass er 'die Erzahlungen uber sie' kennt (5,9,7: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]).

Konnte man die Abwesenheit einer Auseinandersetzung mit der Kategorie des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] bei Xenophon noch auf die Schlichtheit des Autors zuruckfuhren, funktioniert das bei dem barocken Heliodor kaum. Angesichts der Komplexitat und Vielschichtigkeit seiner Aithiopika ist es uberraschend, dass sie fur unser Thema nicht viel hergeben. Das hangt wesentlich damit zusammen, dass Heliodor dem Mythos und dem Mythischen uberhaupt keine besondere Bedeutung schenkt. Bryan Reardon hat dieses scheinbare Paradox mit Verwunderung festgestellt, blieb aber eine Erklarung schuldig. (22) Einschlagige Stellen sind bei Heliodor ganz vereinzelt, immerhin gibt es aber eine, der man eine gewisse Programmatik beilegen kann. In der betreffenden Passage fordert der Athener Knemon nach einem gemeinsamen Abendessen den agyptischen Priester Kalasiris zu dessen (schlussendlich fast die ganze erste Halfte des Romans einnehmender) autobiographischer Erzahlung auf. Knemon hat schon einigen Wein intus und fuhlt sich in Stimmung fur eine Geschichte. Er begrundet das Kalasiris gegenuber so (2,23,5):
   [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

   'Du weisst ja, Vaterchen, wie Dionysos sich an Mythen freut und
   Komodien liebt.'


Aus Sicht des Autors ist das allerdings eher eine Abgrenzung vom [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als eine Annaherung an diesen. Es wurde schon ofter darauf hingewiesen, dass Knemon und Athen bei Heliodor als dekadente Gegenbilder zur philosophisch-religiosen Welt des Autors fungieren, die sich u.a. in den Figuren des Priesters Kalasiris und den Schauplatzen in Agypten und Athiopien manifestiert. (23) Unsere Stelle scheint den Kontrast zwischen dem Erzahler Kalasiris und seinem Zuhorer Knemon am Beginn von Kalasiris' Erzahlung programmatisch aufzubauen. Sie charakterisiert vielmehr den Zuhorer Knemon als den Erzahler oder die Erzahlung selbst: Der Wein trinkende Athener Knemon interpretiert Kalasiris' Geschichte im athenischen Bild vom Weinund Theatergott Dionysos und seinen Mythen. Kalasiris hingegen, der heiligmassige Abstinenzler, rugt Knemon spater ausdrucklich wegen seiner als athenisch identifizierten Schaulust, die er an die Erzahlung herantragt (3,1,2). Die Distanz Heliodors zum Mythos und zu offenkundig unwahrscheinlichen Geschichten erklart sich zumindest teilweise aus seinem Habitus, hinter dem Schein der Dinge ihr wahres Sein zu suchen.

3. Schlusse

Was konnen wir aus diesem Befund schlieBen? Eine detaillierte und ausfuhrliche Antwort konnte, wie gesagt, nur in einer langeren Studie gegeben werden. Das vorgestellte Material reicht aber aus, um einige Thesen zu wagen. Wenn wir den begrifflichen und praktischen Umgang unserer Autoren mit der Kategorie des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] bzw. der fabula zusammenfassen, erhalten wir ein sehr divergentes Bild: Chariton setzt sich mit dieser Kategorie auseinander, um sie zugunsten seiner [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] abzulehnen; Xenophon beschaftigt sich uberhaupt nicht mit [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]; Achilleus verwischt die Grenzen zwischen seiner eigenen Erzahlung und einem [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] radikal. Ebenso verfahren Petron und Apuleius mit der fabula. Dabei verweisen die uCBoi von Achilleus und teilweise Petron auch spielerisch auf echte Mythen, die in ihren Geschichten vielfach nacherzahlt werden. Longos flirtet sowohl mit dem Begriff des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] als mit der Erzahlung von Mythen, um sich dann doch wieder davon zu distanzieren. Fur Heliodor wiederum sind [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] und Mythos ganz marginale Kategorien, die in seiner antiklassischen Romanwelt nicht viel verloren haben. Bei so viel Individualitat ist jeder Versuch, eine einfache generische oder epochale Ordnung herzustellen, problematisch. (24)

Ein angemesseneres Modell ist es wohl, von einer anfanglich gelegten historisierenden Grundtendenz auszugehen, die dann im Lauf der Zeit individuell adaptiert, kontaminiert und parodiert werden konnte. Zumindest nach derzeitigem Kenntnisstand konnen wir annehmen, dass die ersten antiken Romane eine--wenn auch vorgebliche--Geschichtserzahlung sein wollten. Abgesehen von Chariton, dem ersten erhaltenen Romanschreiber und vielleicht Erfinder des Genres, ist ja auch zu berucksichtigen, dass die einzigen nachweislich aus der Fruhzeit des Liebesromans stammenden Fragmente--jene von Metiochos und Parthenope und Ninos -den Charakter eines historischen Romans haben. (25) Dass in solchen pseudogeschichtlichen [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] fur per definitionem Unwahres und Unwahrscheinliches wenig Platz blieb, leuchtet unmittelbar ein. Spatere Autoren entwickelten die Gattung allerdings weiter bzw. erfanden sie durch individuelle Variationen immer wieder neu. Petron (falls seine Satyrica sich nicht doch an verlorenen komischen Romanen des Hellenismus orientieren) (26) gibt dazu ein grelles Startsignal, und die komische Vermischung des Geschichtlichen mit dem offensichtlich Irrealen ist in verschiedenen Variationen erfolgreich bei Achilleus Tatios, Apuleius und Longos. Longos setzt sich in seiner Vorrede sogar sehr deutlich mit der Geschichtsschreibung auseinander, indem er seine Erzahlung als 'Liebesgeschichte' (praef. 1 [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]) ankundigt und im Kontrast zu Thukydides statt eines [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (vgl. Th. 1,22,4) ein [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (praef. 3) verspricht. Damit macht er sich von der Erwartung einer eigentlichen Geschichtserzahlung frei und kann darauf seine zwischen Mythos und Logos schwebende pastorale Phantasiewelt aufbauen. Heliodor kehrt wie in anderen Dingen so auch im Umgang mit Mythos und Geschichte wieder zum Beginn der Tradition zuruck. Er gibt seiner Erzahlung ein, wenn auch wenig konkretes, historisches Setting (in der Zeit der persischen Herrschaft in Agypten) und nimmt vor allem wieder die Erzahlpose des Historikers ein. (27) Heliodors Distanz zur Kategorie des [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] ist damit gut erklarbar, eine starkere begriffliche Absetzung oder Auseinandersetzung damit ware nach Chariton und den anderen fruhen Romanschreibern vielleicht uberflussig gewesen.

Die Frage, wie weit sich der antike Roman dem Unwahren und Unwahrscheinlichen offnet, scheint wesentlich damit zusammenzuhangen, wie geschichtlich (und damit auch wie ernst) seine Autoren erzahlen wollen. Eine angesichts unserer modernen Fachterminologie uberraschende Konsequenz dieses Resultats ist es, dass das antik-rhetorische Konzept von Wirklichkeitsnahe gerade jene Romane als besonders unrealistisch erscheinen lasst, die wir--freilich mehr aus Gewohnheit als mit gutem Recht--als 'realistisch' bezeichnen. Ein antiker Rhetor hatte einem Roman vom Chariton'schen Schlag wohl einen gewissen Realismus bescheinigt, aber kaum der Mythomanie eines Encolpius oder der programmatisch als fabula angekundigten Verwandlungsgeschichte eines Lucius.

Literatur

Bartsch, S. 1989. Decoding the Ancient Novel: The Reader and the Role of Description in Heliodorus and Achilles Tatius, Princeton: Princeton University Press.

Barwick, K. 1928. 'Die Gliederung der narratio in der rhetorischen Theorie und ihre Bedeutung fur die Geschichte des antiken Romans', Hermes 63, 261-287.

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(1) Vgl. zusammenfassend Barwick 1928. Hose 1996 argumentiert fur einen romischen Ursprung dieses dreigliedrigen Systems, insbesondere der Kategorie des argumentum.

(2) Zu den Progymnasmata vgl. z.B. Kennedy 2003 (mit englischen Ubersetzungen).

(3) Vgl. z.B. Bompaire 1976; Gibson 2004.

(4) Vgl. z.B. Barwick 1928, 287 (ahnlich schon Rohde 1914 [1876], 376-379); Hock 1997.

(5) Diese Begriffe werden uberhaupt nur von Petron, Apuleius und Heliodor verwendet (siehe Statistik unten). Dabei sind die Verwendungen bei Apuleius aber poetologisch irrelevant: argumentum hat hier die Bedeutung 'Argument' (z.B. 7,1,5), 'Beweis' (z.B. 10,11,1) oder 'Zeichen' (z.B. 11,11,3). Bei Petron und Heliodor findet sich die eine oder andere selbstreflexiv deutbare Stelle, aber das fallt bei der geringen Frequenz nicht ins Gewicht. Freilich konnte man unabhangig davon argumentieren, dass der implizite Ort, von dem aus die Romane die anderen Kategorien des dreigliedrigen Systems (nicht) beachten, ungefahr dem Bereich des argumentum/[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] entspricht.

(6) Allgemein zur herausragenden Bedeutung des Theaters fur das Schreiben von Petron und Apuleius vgl. Panayotakis 1995 und May 2006. Damit soll nicht gesagt werden, dass das Theater als Modell fur den griechischen Roman unbedeutend ist (vgl. den Uberblick von Crismani 1997 mit weiterer Literatur).

(7) Ich rechne mit 250 Wortern pro Seite, was ungefahr einer Teubner-Seite (ohne Apparat) entspricht. Daraus ergeben sich folgende Umrechnungen von Wortern in Seiten: Chariton: 37860 Worter ~ 150 Seiten; Xenophon: 17197 Worter ~ 69 Seiten; Achilleus Tatios: 43440 Worter ~ 174 Seiten; Longos: 20929 Worter ~ 84 Seiten; Heliodor: 80126 Worter ~ 321 Seiten; Petron: 31092 Worter ~ 124 Seiten; Apuleius: 54421 Worter ~ 218 Seiten. Als Quellen fur die Wortzahl dienen mir die elektronischen Hilfsmittel Thesaurus Linguae Latinae und Bibliotheca Teubneriana Latina (Enklitika wie -que werden hier als eigenes Wort gezahlt).

(8) Eine gewisse Vorliebe fur das Konzept [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] lasst sich bei Achilleus und Longos ubrigens auch daran ablesen, dass sie als einzige Romanschriftsteller verwandte Begriffe wie das Substantiv [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (3 x Achilleus, 1 x Longos) oder das Verb [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] (je 4 x) verwenden.

(9) Der griechische Begriff [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII], '(unzuverlassige) Geschichte', umfasst an sich naturlich viel mehr als die deutsche Ubersetzung 'Mythos' und kann nicht wie letztere auf eine mythologische Erzahlung im eigentlichen Sinn festgelegt werden. Die Ubersetzung ist deshalb als Behelf zu verstehen, um auf die Verwendung des griechischen Wortes [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] und seine oft spielerische Annaherung an den Mythos hinzuweisen.

(10) Vgl. z.B. Bartsch 1989; Reardon 2003, 378-385; Cueva 2004, 62-82.

(11) Vgl. Morgan 2007; Conte 1996.

(12) Vgl. die Erzahlungen von Aristomenes (1,2,6; 1,4,6; 1,20,2; 1,20,5; 2,1,2); Thelyphron (2,20,7; 2,31,1); Amor und Psyche (4,27,8; 6,25,1); die Ehebruchsgeschichten (9,4,4; 9,14,1; 9,17,2; 9,23,5); die Geschichten von der bosen Stiefmutter (10,2,4; 10,12,5) und der verurteilten Morderin (10,23,2).

(13) Vgl. Morgan 2001, 155.

(14) Van Mal-Maeder 2001, 56-57 zu Met. 2,1,2 fabulam ... illam optimi Aristomenis.

(15) Vgl. Bitel 2001, 139-140.

(16) Vgl. 2,33,3 und 2,35,1 (Mythos von Syrinx); 3,22,4 (Mythos von Echo).

(17) Vgl. Bowie 2003 und 2007; ahnlich MacQueen 1985; dagegen Hunter 1983, 54' ... the place of these stories in the main narrative is not easy to determine with any precision, although it is clear that as these [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] mirror, however dimly, the story of Daphnis and Chlose, they help to establish the status of the novel itself as a [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].'

(18) Vgl. z.B. Hunter 1994; Ramelli 2000.

(19) Ruiz Montero (2003, 351-352) bezeichnet Charitons Geschichtsfiktion als eine Art neuer Mythologie, weil sie wie der Mythos einen gemeinsamen kulturellen Verstandnishorizont aufbaut. Doch das ist eine wenig hilfreiche Verallgemeinerung des Konzepts 'Mythologie' und entspricht auch nicht Charitons Verwendung des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]. Ebenso sollte man die vielen Homerzitate bei Chariton nicht als Rekurs auf eine mythologische Erzahlform sehen: hier handelt es sich um literarische Zitate aus einem bewunderten Autor, nicht um eine Entscheidung, den eigenen Roman als [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] zu begreifen.

(20) Vgl. ausfuhrlich zu Provenienz und Eigenart des Begriffs [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] bei Chariton Tilg 2010, 198-230.

(21) Vgl. dazu die Einleitung oben.

(22) Reardon 2003; vgl. Briand 2006, der die Xoyoi von Chariton und Heliodor den [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] von Achilleus Tatios und Longos gegenuberstellt. Die These von E. Cueva (2004, bes. 1 und 96), wonach der Mythos fur den griechischen Roman umso einflussreicher ist, je spater die Romane geschrieben werden, entspringt rein schematischem Systemdenken und wird durch die Analyse des Heliodortexts widerlegt.

(23) Vgl. Morgan 1989; Oudot 1992.

(24) Vgl. oben Anm. 22.

(25) Vgl. allgemein Hagg 1987. Ich personlich glaube, dass auch Metiochos und Parthenope von Chariton stammt, vgl. Tilg 2010, 92-109.

(26) Vgl. zu dieser These Jensson 2004 mit weiterer Literatur.

(27) Vgl. Hagg 1987, bes. 200-201; Hagg 2000, bes. 196-197.

* Dieser Beitrag ist die Umarbeitung eines Vortrags, den ich auf dem 13. Kongress der FIEC (Berlin, 24.-29. August 2009) gehalten habe. Wahrend ich im Vortrag dem Verhaltnis des griechischen Romans zum Mythos als Erzahlform nachging, fundiere ich nun das Selbstverstandnis sowohl des griechischen als auch des romischen Romans primar in der rhetorischen Theorie. Eine detaillierte Ausarbeitung der aufgeworfenen Fragen ist aber auch hier nicht beabsichtigt, denn diese musste weit uber einen Aufsatz hinausgehen.

STEFAN TILG

University of Zurich /

Ludwig Boltzmann Institute for Neo-Latin Studies, Innsbruck

Stefan Tilg holds an Ambizione scholarship of the Swiss National Science Foundation and is hosted by the Klassisch-Philologisches Seminar of the University of zurich. He is the author of Chariton of Aphrodisias and the Invention of the Greek Love Novel (oxford 2010) and is currently writing a monograph on Apuleius' Metamorphoses.
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Author:Tilg, Stefan
Publication:Ancient Narrative
Date:Jan 1, 2011
Words:5891
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