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Komposition und personenfuhrung in xenophons symposion als paradigma seiner erzahlkunst.

1. Xenophons Leben (1)

Angesichts des Ruckgangs des Unterrichts des Griechischen auf den derzeitigen hoheren Schulen, kann man nicht mehr voraussetzen, dass der Name Xenophons sofort die Erinnerung an dessen Anabasis wach ruft und der Leser sich schmunzelnd an die Wegformel erinnert "evrsuBsv S' snopsuBpoav Sia X oxaBgoug Y napaaayyaq Z" ("von dort aber marschierten sie in x Tagen Y Parasangen"), mit der Xenophon die unter seiner Fuhrung von dem Herr der griechischen Soldner zuruckgelegten Wegstrecken vom Euphrat zur Kuste des Schwarzen Meeres miteinander verband. Daher durfte es angebracht sein, gleich eingangs den Mann und sein Werk vorzustellen. Xenophon, der Sohn des Gryllos, war von seiner um das Jahr 430 v. Chr. erfolgten Geburt her Athener und Angehoriger einer wohlhabenden aber politisch untatigen Familie. Er selbst diente in der Kavallerie und gehorte wie viele wohlhabende junge Manner zu dem Kreis um Sokrates, der nicht gerade demokratisch gesinnt war. So nimmt es nicht wunder, dass er 404/403 auf Seiten der 30 Tyrannen deren antidemokratische Schreckensherrschaft unterstutzte und nach deren Sturz die Gelegenheit ergriff, sich als einer der Anfuhrer des Soldnerheeres dem persischen Prinzen Kyros zur Verfugung zu stellen, so dass er sich wahrend des Prozesses gegen Sokrates im Jahr 402 v. Chr. ausser Lande befand. Er durfte vorher zum engeren, aber nicht zum engsten Kreis um Sokrates gehort haben, der ihn vor seiner Abreise nach Kleinasien wegen der Befragung des delphischen Orakels beriet. (2) Er befand sich im Jahr 401, als Sokrates zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, auf dem Feldzug des Kyros gegen seinen Bruder Artaxerxes. Nach dessen Tod und der Ermordung der griechische Feldherren fuhrte er als der jungste die 10000 griechischen Soldner an die Kuste des Schwarzen Meeres zuruck, (3) um sie 399 dem spartanischen Feldherrn Thibron zu ubergeben. Als dieser r in einer Schlacht in der Maanderebene durch den persischen Satrapen Struthas getotet worden war, (Xen.Hell.rV.8), schloss sich Xenophon dem spartanischen Konig Agesilaos an, in dessen Philipp von Makedonien unterstutzendem Kontingent er 394 auch an der Schlacht bei Chaironeia teilnahm (Xen.An.V.3.6) (4) Ob er deshalb (DL II.51) oder wegen seiner Teilnahme an der Schlacht bei Cheironeia auf der Seite der Gegner der mit Athen verbundeten Booter (Xen.An.V.3.6) aus Athen verbannt wurde, ist umstritten. Die nachsten 20 Jahre, die er auf dem ihm von Agesilaos geschenkten Gut im elischen Skillus (Xen.An.V.3; DL II.52) verbrachte, waren die menschlich glucklichsten seines Lebens. Dort teilten seine Gemahlin Philesia und seine beiden Zwillinge Gryllos und Diodoros sein Leben, wahrend er sich mit der Jagd, der Landwirtschaft, der Bewirtung von Freunden und der Abfassung seiner Historien beschaftigte. Damals errichtete er ausserdem der Artemis einen Tempel und heiligen Bezirk (Xen.An.V.3.7-13; vgl. Strab.VIII.7.5 [C387]). Als die Eleer nach der Schlacht bei Leuktra (Xen.Hell.VII.4.4-16) gegen Skillus zu Felde zogen (371 v. Chr.), ist er samt seinen Sohnen nach Korinth gezogen, wo er vermutlich trotz der 365 erfolgten Aufhebung seiner Verbannung aus Athen bis zu seinem 354 oder bald danach erfolgten Tod wohnen blieb (DLII.56) und den grossten Teil seiner Schriften verfasste. (5) Fur seine fromme und mannliche Gesinnung moge der Bericht uber sein Verhalten zeugen, als ihn die Nachricht erreichte, dass sein Sohn Gryllos in der Schlacht bei Mantineia (362 v. Chr.) gefallen war. (6) Da er gerade mit einem Opfer beschaftigt war, hatte den Kranz von seinem Haupt genommen. Als er aber horte, dass Gryllos als ein Held gefallen sei, hatte er ihn mit den Worten wiederaufgesetzt: "Ich wusste, dass er als Sterblicher von mir gezeugt ist." (DL II.51-55).

2. Xenophons Schriften

In Korinth ist er vermutlich trotz der 365 erfolgten Aufhebung seiner Verbannung aus Athen bis zu seinem nach dem Jahr 355 erfolgten Tod geblieben, wo er wahrscheinlich den grosseren Teil seiner Schriften verfasste. (7) Ihre folgende Aufzahlung erfolgt unter inhaltlichen Gesichtspunkten, weil die exakte Chronologie ihrer Entstehung durchaus unsicher ist. An ihrer Spitze stehen die "Hellenika", die Fortsetzung des Geschichtswerkes des Thukydides, in der er die Jahre von 403-362 behandelt. Dass er dabei gegenuber seinem grossen Vorbild an der Oberflache des Geschehens geblieben ist, weist auf den qualitativen Abstand seiner Darstellung zu jenem hin. Andererseits ist es ihm gelungen, die handelnden Personlichkeiten in den Vordergrund zu rucken und eindrucksvoll zu beschreiben. (8) Bleibender Erfolg sollte seiner "Anabasis" zuteil werden, die dank ihres unkomplizierten Griechisch zu der klassischen Lekture auf den altsprachlichen Gymnasien wurde. In ihr legt er Rechenschaft uber seine Teilnahme an dem Feldzug des Kyros gegen seinen Bruder Konig Artaxerxes und die von ihm massgeblich bestimmte Ruckfuhrung der 10000 ab. (9) Seine "Cyropaedia" hat die Erziehung eines vorbildlichen Herrschers und seine Reichsverwaltung zum Thema. Sie ist ebenso ein Erziehungsroman wie ein Herrscherspiegel und wird erzahlerisch durch Xenophons ethische Lieblingsgedanken bestimmt, die letztlich in seinen samtlichen Schriften den jeweiligen Kontexten angepasst wiederkehren. (10)

In seinem "Symposion" schildert er den Verlauf eines Gastmahls, wie es damals ublich war. Daher wechseln in ihm ernste Gesprache und unterhaltende Einlagen durch einen Spassmacher und eine sizilianische Gruppe rundum begabter junger Artisten miteinander ab, wobei von III.2 an die von den Teilnehmern zu beantwortetende Frage nach ihrem kostbarsten Besitz im Mittelpunkt steht.

Auf seine kleinen Schriften uber Pferdezucht, Jagd und seine der Freundschaft zu den Spartanern Ausdruck gebenden uber den "Staat der Lakedaimonier", in dem er das Werk des fur sie verantwortlichen Konigs Lykurg als vorbildlich darstellt, sei ebenfalls angemerkt. In dieselbe Richtung weist sein Nachruf auf den von ihm verehrten Konig "Agesilaos" als Zeugnis fur seine konservative politische Gesinnung. Weiterhin sind sein Dialog "Hieron" zu erwahnen, in dem es um das Thema der Unvertraglichkeit von Weisheit und Tyrannis geht, und das Buch uber "Mittel und Wege", in dem er Vorschlage fur eine Gesundung des athenischen Staatshaushaltes unterbreitet. Dass er daneben im "Hipparchos" eine Anweisung fur einen Kavallerieoffizier vorgelegt hat, sei zur Abrundung seines Bildes als Schriftsteller erwahnt. Uber dem allen durfen wir nicht ubersehen, dass Xenophon in Mem.I und in der "Apologie des Sokrates" den Nachweis zu fuhren suchte, dass die wahrend seiner Teilnahme an dem Feldzug zugunsten des persischen Prinzen Kyros erfolgte Verurteilung seines Lehrers Sokrates zum Tode trotz ihrer fraglichen juristischen Begrundung dessen Willen entsprochen hatte. Dabei berief er sich fur den Verlauf der Verhandlung auf Hermogenes, den Sohn des Hipponikos. Nach ihm hatte Sokrates erklart, dass das gottliche Zeichen es zweimal verhindert habe, dass er sich auf seine Verteidigung vorbereitete. Daher sei fur ihn besser, jetzt zu sterben als weiterhin seinen Altersverfall zu erleben (Xen.Ap.4-7). (11)

3. Xenophons Symposion und seine Teilnehmer

Wenden wir uns Xenophons Symposion zu, so werden wir Zeuge eines Gastmahls, das Kallias (ca 450-370), der Sohn des Hyponikos seinem Liebling Autolykos als einem der Preistrager der Panathenischen Spiele des Jahres 421 v. Chr. zusammen mit dessen Vater Lykon ausgerichtet hat, weil er in den bildschonen Jungling verliebt war. Um Autolykos eine Freude zu machen, besuchte er mit ihnen das dazu gehorende Pferderennen. Als er sich bereits zusammen mit den beiden und dem ihm befreundeten Nikeratos, dem Sohn des Strategen Nikias, (12) auf dem Weg zu seinem Hause im Piraeus befand und Sokrates samt seinen Begleitern Antisthenes, dem Sohn eines Atheners und einer Thrakerin, dem spateren Begrunder der kynischen Philosophie, (13) sowie Kritoboulos, dem Sohn des Kriton, (14) Hermogenes, (15) dem Bruder des Kallias (die zusammen mit Kriton zu dem Jungerkreis gehorten, der sich im Gefangnis bei dem zum Tode verurteilten und sterbenden Sokrates versammelte) (16) und Charmides, dem Sohn des Glaukon und Onkel Platons, (17) erblickte, liess er seine drei Begleiter zu seinem Haus fuhren, wahrend er selbst Sokrates samt seinem Gefolge zur Teilnahme an dem bevorstehenden Gastmahl einlud. Dass die folgende Erzahlung Anspruch auf Wahrheit erhebt, geht aus dem ersten Satz des Buches hervor, in dem Xenophon erklart (Symp.I.1): (18) "Aber mir scheint es, dass nicht allein die ernsthaften Taten ehrenhafter Manner erwahnenswert sind, sondern auch die ergotzlichen. Weil ich das als einer der Teilnehmer weiss, will ich es erzahlen."

Nach dieser Versicherung tritt Xenophon freilich ganz in den Hintergrund: In dem anschliessenden Bericht ergreift er weder das Wort noch weist er erneut auf seine Anwesenheit hin. Es geht ihm allein darum, seine Leser in Gedanken an dem von ihm berichteten Gastmahl teilnehmen zu lassen und ihn zu der Erkenntnis zu fuhren, dass Sokrates sich auch in einem solchen Ambiente als ein gewandter Redner erweist, der sich fur den sittlichen Charakter der Freundschaft zwischen einem Mann und einem Knaben ausspricht, so dass er, der sich durchaus durch die Schonheit von Knaben bezaubern liess (Symp.IV.27-28; VIII.2), auf sinnliche Freuden verzichtete und fur den eromenos, den Geliebten, zu einem Vorbild der arete, der Tugend wurde (Symp.VIII.25-28). (19)

4. Xenophons Kunst der Vorstellung der beteiligten Personen

Keiner unter den Neueren hat die Eigenart des Schriftstellers Xenophon mit grosserer Liebe dargestellt als Werner Jaeger im dritten und letzten Band seiner "Paideia": Er sieht mehr als einen Zufall darin, dass von den Schriftstellern des sokratischen Kreises "ausser dem alles uberragenden Genius Platon" nur die Werke des "Aussenseiters Xenophon" erhalten sind, die ihn uber die Jahrhunderte hinweg zu einem Liebling des Lesepublikums gemacht haben. (20) "Offensichtlich besitzen seine Schriften einen erzieherischen, padagogischen Zug, der jedoch nicht als Tribut an den Geist seiner Zeit sondern als spontane Ausserung seiner eigenen Natur zu verstehen sei. So stecke selbst in der abenteuerreichen Schilderung seines Anteils am Zug der Zehntausend viel unmittelbar Belehrendes: "Der Leser soll lernen, wie man in gewissen Lagen des Lebens reden und handeln soll." Nicht anders als die von feindlichen Barbarenstammen umringten Griechen soll er auch in seinen eigenen Noten die Arete in sich selbst entdecken und entwickeln. (21) Dieser belehrende Zug wurde zudem durch keine aufdringliche Selbstruhmung verkleinert, sondern erschiene auch dem heutigen Leser (wie ich hinzufuge: dank der schlichten und unverschnorkelten Prosa) nach fast zweieinhalb Jahrtausenden so frisch und ansprechend wie einst. Dieser Zug fehlt, wie wir im Folgenden zu zeigen gedenken, auch seinem Symposion nicht, in dem sprachlich ein uberaus weites Feld abgedeckt wird, das von dem Verlauf des Gastmahls mit seinen Darbietungen, nicht zu vergessen dem zu andachtigem Schweigen notigenden Zauber, den die Schonheit des Knaben Autolykos, Sohn des Lykon, ausstrahlte, uber athletisches Training bis zu den Bemuhungen um die Erhaltung bzw. Reduzierung des Korpergewichts reicht und das doch in Sokrates seine eigentliche Mitte und in der Ablehnung der Knabenliebe und im Preis auf die Ehe als die schonste Form erotischen Zusammenlebens sein Ziel besitzt, wobei der Fortgang der Erzahlung zumal durch die Einwurfe und Fragen des Antisthenes belebt und in Gang gehalten wird. Negativ fallt die mehrfache Wiederholung des gleichen Gedankens und zumal derselben Worte innerhalb weniger Zeilen ins Gewicht, deren angemessene Ubertragung den Ubersetzer in einige Verlegenheit versetzen kann, ohne dass es dem Charme seiner Erzahlung Abbruch tut. (22)

Dabei muss der Ubersetzer auch im Symposion einige Phantasie entwickeln; wenn er vor der Aufgabe steht, Allerweltsworte dem Kontext gemass wider zu geben. So heisst es z.B. in der Selbstbeschreibung des Kallias in Symp.I.6, dass er sich als jemand, der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] "der vollen Eifers wert sei" erweisen wurde. Daruber konnte der Leser nur den Kopf schutteln. Todd hat es LCL 168 mit, "dass er sich als eine Person von einiger Konsequenz erweisen wurde" ubersetzt und damit die Aussage dem grosseren Zusammenhang angepasst. Leichter ist die Aufgabe fur den Ubersetzer, wenn er liest, dass die Schonheit des Knaben Autolykos etwas konigliches an sich hatte, weil er sie mit aiSoug Kai [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] erworben hatte. Dabei gilt es sich daran zu erinnern, dass letztere, die "Besonnenheit" oder "Selbstbeherrschung" neben der Mannhaftigkeit, der Gerechtigkeit und Einsicht eine der vier klassischen Tugenden der Griechen gewesen ist. Ubersetzte man nun die Phrase wortlich "mit Scham und Selbstbeherrschung"" wurde man damit nur das Kopfschutteln des Lesers verursachen. Gibt man die Phrase mit "Bescheidenheit und Anstand" wider, ist der Satz gerettet.

5. Xenophons Tugendbegriff

Ein Blick in Xenophons Schriften zeigt, dass Xenophons Tugendbegriff breiter war als der seit Platon als der klassische geltende, der allerdings stets eine gewisse Variabilitat besessen hat. (23) Die klassischen vier Tugenden der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/ andreia, der Tapferkeit, der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/sophia, der Weisheit, der [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/sophrosyne, der Selbstbeherrschung, und der StKatoouvn/ dikaiosyne, die Gerechtigkeit begegnen bei ihm zusammenhangend nur in Mem.III.ix.1-5. In Ag.III.5 rechnet er die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/eusebeia, die Frommigkeit, in IV.1 die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/dikaiosyne, die Gerechtigkeit, in V.4 die eyKpaxsra/ egkrateia, die Selbstbeherrschung, in VI.1 die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/andreia, die Tapferkeit, in VIEL die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/ sophia, die Weisheit, und die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/philopolis, die Vaterlandsliebe, und in VIII.5 die [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/pronoia, die Umsicht, zu den Tugenden. In Kyn.XII.18-22 erklart er, dass die Tugend, wenn sie sichtbar in Erscheinung treten konnte, von allen befolgt wurde. Lak.pol.X.4-7 ruhmt er Lykurg, der beobachtet hatte, dass die sich selbst uberlassenen Tugenden nicht stark genug seien, um den Ruhm des Vaterlandes zu vermehren. Daher hatte er alle Spartaner gezwungen, in der Offentlichkeit ein allen Tugenden gemasses Leben zu fuhren.

Mit einem praktischen Problem der Tugendlehre bekommen wir es in Kyr.II.22-25 zu tun. Hier legt Xenophon Kyros in die Unterscheidung des Verhaltens der Truppe in den Mund, wenn sie sich unter dem Einfluss der Tugend, [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/arete ehrenhaft ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/spoudaios) oder unter der des Lasters ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/poneria) lasterhaft ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/ponerios) verhielte. Im zweiten Fall wurden die Schlechten andere durch ihr Verhalten verfuhren, sich ebenfalls ihrer soldatischen Pflicht zu entziehen, weil ihr lasterhaftes Verhalten fur sie im Kampf vorteilhaft erschiene. Daher musse man die Schlechten mit allen Mitteln aus der Armee entfernen. Das Problem von Tugend und Laster stellt sich mithin nicht nur in den sokratischen Lehrgesprachen, sondern auch fur den uber eine Armee gebietenden Grosskonig.

6. Der Zauber der Schonheit des Autolykos

Gleich mit dem ersten Satz des Buches rechtfertigt Xenophon die anschliessende Darstellung des von Kallias veranstalteten Gastmahls (.Symp.I.1): "Mir freilich scheint es angebracht, nicht allein die ernsthaften Taten schoner und guter Manner vorzustellen, sondern auch das, was sie in frohlicher Weise getan haben. Daher beabsichtige ich das so, wie ich es kennen gelernt habe, darzustellen. " Es handelt sich also um ein vordergrundig frohliches und hintergrundig ernstes Buch, in dem nicht nur von den Reden des Sokrates sondern auch den in einem Gastmahl ublichen Einlagen eines Spassmacher und dem Auftritt einer sizilianischen Gruppe, die aus zwei Madchen und zwei Knaben besteht, die auf Anweisung ihres Besitzers musizieren und tanzen, berichtet wird. Anders als in Platons Symposion wird der Leser Zeuge eines normalen griechischen Gastmahls, an dem nur Manner teilnahmen und bei dem schone junge Sklaven die Symposiasten zu bedienen pflegten. (24)

In der Exposition in Kapitel I. werden der Reihe nach der reiche und einflussreiche Athener Kallias, der Sohn des Hipponikos (450-nach 371) (25) samt seinen drei Begleitern in Gestalt seines Lieblings, des Knaben Autolykos, seines Vaters Lykon und des in die Rezitation der homerischen Epen verliebten Nikeratos (Symp.VIII.31), (26) des reichen und Sohnes des athenischen Politikers und Feldherrn Nikias, vorgestellt: Um Autolykos zu ehren, der im Rahmen der Panatheneischen Spiele (27) den Sieg im Pankration (28) gewonnen hatte, hatte Kallias mit ihm das zum Fest gehorende Pferderennen besucht, nach dessen Ende er sich nun mit seinen beiden Begleitern auf den Weg zu seinem im Piraus gelegenen Haus machte, um dem Knaben und seinem Vater ein Gastmahl zu geben. (29) Als sie dabei auf Sokrates (dessen zentrale Rolle in der Erzahlung immer deutlicher hervortreten sollte) samt seinen Begleitern Kritoboulos, Hermogenes, Antisthenes und Charmides stiessen, schickte er seine beiden Ehrengaste in Begleitung eines Dieners voraus, um auf jene zuzugehen und zur Teilnahme an dem bevorstehenden Gastmahl einzuladen, weil das Festessen durch die Gegenwart von Mannern wie sie, die ihre Herzen einer Reinigung durch die Philosophie unterzogen hatten, mehr Glanz gewonne als wenn Strategen und Hipparchen, wenn Heeres- und Kavallerieoffiziere an ihm teilnahmen (Symp.I.1-4). Sokrates wies das Lob freundlich zuruck, indem er Kallias daran erinnerte, dass er (Kallias) viel Geld fur seine eigene Weisheit an Protagoras, (30) Gorgias, (31) Prodikos (32) und andere gezahlt hatte (vgl. Plat.Apol.20a-b), wahrend es sich bei ihm selbst und seinen Begleitern um Amateure handle (I.5). Kallias erhob gegen diese Hinweise auf seine hervorragende Bildung keine Einwande, sondern versprach ihnen, wenn sie ihn der Gunst ihrer Gesellschaft wurdigten, sich als Mann grossen Eifers (polles spoudes) zu erweisen und d.h.: ihnen ein abwechslungsreiches Gastmahl mit mancherlei Einlagen zu geben (Symp.I.6).

Daraufhin dankten ihm Sokrates und seine Gefahrten fur die Einladung, ohne zu versprechen, dem Gastmahl beizuwohnen. Doch als sie bemerkten, dass Kallias die Ablehnung der Einladung ubel genommen hatte, sagten sie zu. Doch ehe sie zu dem Mahl gingen, vollendeten einige ihre gymnastischen Ubungen wahrend andere ein Bad nahmen oder sich abschrubben und salben liessen (I.7-8): Offenbar war es damals so wenig ublich wie heute, der Einladung zu einem Essen schlankweg von der Strasse zu folgen.

Mit wenigen Satzen schildert Xenophon in I.8-10 die Bezauberung, die von dem schonen Knaben Autolykos ausging, indem er berichtet, dass jeder der an dem Mahl teilnahm, an dem Knaben erkannte, dass Schonheit eine konigliche Gabe ist, zumal wenn sie wie in seinem Fall mit Bescheidenheit (aiSog/aidos) und Selbstbeherrschung ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/ sophrosyne) verbunden war. Daher hatten sich so, wie beim Aufleuchten der ersten Morgenrote die Augen aller Anwesenden auf den Knaben gerichtet, wobei keiner in seinen Gefuhlen von seiner Schonheit unberuhrt geblieben sei. Wahrend von einem anderen Gott (als dem Eros) beruhrte Seelen sich ungezugelter gaben und lauter sprachen, bewirke eine anstandige Liebe einen leutseligen Blick, eine freundliche Stimme und ein gelassenes Benehmen, wie es Kallias nun unter dem Einfluss seiner Liebe zu dem schonen Knaben zeigte, der es wert war, ein Gegenstand der Verehrung der in den Dienst dieses Gottes (Eros) Eingeweihten zu sein Mit diesen wenigen Satzen ist es Xenophon gelungen, die Stimmung der Verehrer eines besonders schonen Knaben so zu vergegenwartigen, dass zumal der Leser seiner eigenen Tage, in denen die Knabenliebe als ein anerkanntes Mittel der Erziehung zu einem "Schonen und Guten" galt, (33) unmittelbar und angenehm beruhrt war. Dass der Leser am Ende des Buches lernen wurde, dass der korperliche Vollzug der Knabenliebe abartig und die dem Liebenden und dem Geliebten angemessene Form der Verbindung die Freundschaft sei, sollte die Quintessenz des vorletzten Kapitels und des ganzen Buches sein (Symp.VIII.25-27). Dabei ist anzumerken, dass Xenophon auf eine genauere Beschreibung der Art der Liebesbeziehung des Kallias zu dem schonen Knaben verzichtet.

Was die Beschreibung der Schonheit des Knaben und ihrer Wirkung auf die Teilnehmer an dem Gastmahl betrifft, so erfolgt sie in Feststellungen, denen zunachst keine konkrete Beschreibung des Knaben entspricht: Denn der Leser erfahrt zwar, dass jeder Beobachter der Szene zu der Uberzeugung gelangen musste, dass Schonheit ihrem Wesen nach etwas Konigliches ist, die wie ein strahlendes Licht aller Augen auf sich zieht (Symp.I.8-9). Welche korperlichen Eigenschaften fur diesen Eindruck verantwortlich waren, ob er gross oder klein, schmal oder stammig, seine Augen, Haare und Haut hell oder dunkel waren, er lachelnd oder ernst, in sich versunken oder den Tischnachbarn zugewandt auf seinem Platz sass, wird mit keinem Wort angedeutet. Erst in VIII.8 hat Xenophon eine Charakterisierung seiner Personlichkeit eingeschaltet, indem er ihm Kraft ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/rome), Selbstbeherrschung (raprspia/ karteria), Mut ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/andreia) und Bescheidenheit ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/sophrosyne) zuerkennt. Dass Xenophon grundsatzlich auch zur Beschreibung der leiblichen Beschaffenheit von Einzelnen in der Lage war, belegt seine dem Spassmacher Philipp in II.20 in den Mund gelegte Beschreibung des kraftigen Korpers, den Charmides seinem Schattenboxen verdankte. Damit sind wir bereits auf die Eigenart der Erzahlweise Xenophons aufmerksam geworden, die er das ganze Buch hindurch festhalt. Er erweckt das Interesse seiner Leser nicht durch konkrete und genaue Beschreibungen der Raume und der abwechselnd in den Vordergrund geruckten Personen, sondern sucht es durch einen lebendigen Bericht uber die Abfolge der Ereignisse zu gewinnen, wobei er gezielt allgemeine und spezielle Beschreibungen miteinander abwechseln lasst.

Xenophons Bericht uber den Ablauf des Festmahls mit seinen der Unterhaltung der Gaste dienenden Einlagen wie dem Auftreten eines Spassmachers und einer Gruppe sizilianischer Musikanten und Tanzern sowie den zunachst wechselnden Gesprachsthemen vermittelt (anders als Platons philosophisch schwergewichtiges Symposion) (34) dem Leser ein konkretes Bild vom Ablauf eines solchen Gelages, bei dem die Gaste auf ihren Klinen lagen (I.14). Das andachtige Schweigen, das der Anblick des schonen Junglings bei den betroffenen Teilnehmern hervorgerufen hatte, wurde durch das Eindringen des Spassmachers Philipp unterbrochen. Seine Versuche, die Gesellschaft durch Gecks zum Lachen zu bringen, scheiterte jedoch angesichts der andachtigen Stimmung so jammerlich, dass er bei dem Gedanken, nach diesem Misserfolg nirgends mehr eingeladen zu werden, zu weinen begann, weil sein Geschaft durch ihn ruiniert sei. Aber die vergnugten Symposianten trosteten ihn mit dem Ausblick auf kunftige Auftritte (I.11-16).

Nachdem die Tische (nach dem Ende der Mahlzeit) auf die Seite geruckt waren, die Gaste ein Trankopfer dargebracht und einen Hymnos auf die Gotter (paian) angestimmt hatten, kam ein Mann aus Syrakus in Begleitung einer akrobatisch geschulten Flotenspielerin und Tanzerin sowie eines die Zitter schlagenden und eines tanzenden bluhenden Knaben, mit deren Darbietungen der Syrakusaner seinen Lebensunterhalt verdiente. Sokrates aber bedankte sich bei Kallias, dass er ihnen nicht nur ein uber allen Tadel erhabenes Mahl vorgesetzt, sondern ihnen auch so erfreuliche Sehenswurdigkeiten und musikalische Darbietungen dargeboten hatte (II.1-2).

Wie es selbst bei einem von kunstlerischen Darbietungen Gastmahl zu geschehen pflegt, springen die Gesprache der Gaste von einem Einfall zum anderen, wobei sich in der scheinbaren Beliebigkeit die Wirklichkeit widerspiegelt. Erst einmal geht es um die Wirkung von den verschiedensten Duftnoten und Geruchen auf die Teilnehmer. Denn als Kallias anbot, Parfum zerstauben zu lassen, damit sie weiterhin von Duftwolken umgeben speisen konnten, winkte Sokrates ab, denn so wie es fur Frauen und Manner verschiedene Kleidungsstucke gabe, seien auch die fur beide Geschlechter passenden Geruche verschieden. Zudem brauchten junge Braute wie die Frauen des Nikeratos und das Kritobolulos keinerlei zusatzliche Dufte, denn ihre jugendlichen Frische machte sie uberflussig. Andererseits sei das im Gymnasion zur Salbung des Leibes verwendete Olivenol angenehmer auf der Haut eines Mannes als jedes Duftol fur die Frauen; denn es verliehe allen, die sich mit ihm gesalbt hatten, den gleichen Geruch, gleichgultig ob es sich um Sklaven oder Freie handele Dagegen wandte Lykon ein, dass das fur junge Manner gelten moge, aber nicht fur die Alteren, die nicht langer im den Gymnasien ubten, um mit der offen bleibenden Frage zu schliessen, was der sie unterscheidender Geruch sein konne (II.3-4).

Sokrates Antwort versetzte das Problem auf eine hohere Ebene, indem er die Kalokagathie, die sittliche Vollkommenheit nannte, die man freilich nicht von Parfumverkaufern beziehen konne, sondern gemass dem Ausspruch des Theognis (Thgn.I.35-36) durch den Verkehr mit Edlen gewonne, was Lykon seinen Sohn zu beherzigen bat. Doch Sokrates erklart, dass der Junge, der erfolgreich von dem Wunsch beseelt war, den Preis im Pankration zu gewinnen, mit der Hilfe seines Vaters auch den geeigneten Trainer fur ein tugendhaftes Leben (35) finden wurde (II.4-5). Darauf erhob sich ein Stimmengewirr, in dem die unterschiedlichsten Ansichten uber die Moglichkeit, einen solchen Trainer zu finden, laut wurden (II.6), so dass Sokrates vorschlug, der Frage ein andermal nachzugehen, und stattdessen die Aufmerksamkeit auf die kleine Tanzerin zu richten, die nur noch darauf wartete, dass man ihr einen Reifen bringe.

7. Rolle und Bedeutung der Beitrage des Antisthenes zum laufenden Gesprach

Nicht nur als Mittel der Belebung, sondern wohl auch als Hinweis auf die uberragende Bedeutung, die Antisthenes als Wegbereiter fur die stoische Philosophie in der auf den Tod des Sokrates folgenden Epoche gewinnen sollte, dienten Xenophon die Einschaltung zahlreicher Ausserungen und Stellungnahmen aus seinem Munde, die wie schon die erste in II.10 sehr direkt sein konnten. (36) Denn als Sokrates nach dem ersten Auftritt des von einer Flotenspielerin begleiteten sizilianischen Tanzerin erklart hatte, das man an jener erkennen konne, dass die Natur der Frau der des Mannes ausser in ihrer Urteilsfahigkeit und physischen Starke nicht unterlegen sei, fragte ihn Antisthenes, warum er dann seine Frau Xantippe nicht entsprechend erzoge, sondern mit der schwierigsten aller Frauen zusammenlebte. Da erklarte Sokrates, dass er so wie einer, der ein guter Reiter werden wolle, seine Kunst an einem wilden Pferde ube, dank des Umgangs mit ihr keine Schwierigkeiten mit dem Rest der Menschheit hatte (II.9-10). Als Sokrates anschliessend Antisthenes auf den Mut der gerade auftretenden Schwerttanzerin aufmerksam gemacht hatte, gab er seiner Antwort eine politische Wendung, indem er seinem Wunsch Ausdruck gab, dass der (athenische) Politiker Peisandros (dessen Feigheit sprichwortlich geworden war) (37) sich in ahnlicher Weise in Gefahr begabe (II.12-14). (38) Antisthenes wird daher mit seinen wiederholten Beitragen als ein Denker vorgestellt, der ein wenig rucksichtslos auf andere zugeht, aber ebenso einen gesunden Blick fur zwischenmenschliche Verhaltnisse wie fur die an einen Staatsmann zu stellenden Anspruche besitzt.

8. Der Dialog uber den jeweils grossten Besitzes der Teilnehmer

Durch Sokrates' Vorschlag, jeder der Symposiasten moge seinen wichtigsten Besitz vorstellen, ergibt sich ein ubergreifender thematischer Zusammenhang, der von III.1 bis IV.64 reicht. Als erster ergreift der Gastgeber Kallias das Wort, der fur sich die Fahigkeit in Anspruch nimmt, die Menschen besser zu machen, und das (wie die Ruckfrage des Antisthenes ergibt) nicht durch eine Belehrung uber eine handwerkliche Tatigkeit sondern durch Gerechtigkeit (III.3-4). Nikeratos aber, den sein Vater zu einem "guten Mann" erziehen wollte, ist stolz darauf, dass er die beiden homerischen Epen auswendig kennt, womit er sich in den Augen des Antisthenes nicht von den Rapsoden unterschiede, (39) die nach Sokrates Worten allerdings anders als Nikeratos den Sinn ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] hyponoia) der Epen nicht verstunden (III.5-6). Anschiessend gibt Kritoboulos die uberraschend kurze Auskunft, dass er stolz auf seine Schonheit ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/kallos) sei. Auf Sokrates Ruckfrage erklart er, dass er abgesehen von ihr ein ganz unbedeutender Mensch ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/phaulos) sei (III.7). Antisthenes aber beantwortet Sokrates' Frage kurz und knapp mit den beiden Worten "auf Reichtum" ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/epi plouto). Auf die Ruckfrage des Hermogenes nach seinen Besitzverhaltnissen erklart er, dass er keinen Obolos (40) besitze und sein Grundbesitz so klein sei, dass der Sand allenfalls dazu ausreiche, dass sich Autolykos mit ihm abriebe (III.8). Charmides erklart unumwunden, dass er stolz auf seine Armut (nsvia/ penia) sei, deren Vorzug nach Sokrates Kommentar darin bestunde, dass einen niemand um sie beneidete und man fur sie keinen Wachter brauchte (III.9). Sokrates aber beantwortete Kallias einschlagige Frage feierlich und doch einigermassen ratselhaft "Mit Kuppelei ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/mastropeia)." Mit ihr konne er, wenn er wolle, viel Geld verdienen (III.10). Der Gaukler Philipp aber erklarte auf Lykons an ihn gerichtete Frage, dass sein Stolz begrundeter als der des (damals beruhmten) Schauspielers Kallipides sei, weil jener die Zuschauer zum Weinen, er sie aber zum Lachen bringe (In.11). Schlicht und uberzeugend dunkt es den Leser, wenn anschliessend Lykon die einschlagige Frage des Antisthenes dahingehend beantwortet, dass er stolz auf seinen Sohn sei, wahrend Autolykos umgekehrt erklart, dass er nicht auf seinen Sieg, sondern auf seinen Vater stolz sei. Als Kallias daraufhin Lykon fragte, ob ihm bewusst sei, dass er der reichste Mann der Welt sei und er seinen Sohn nicht gegen den Reichtum des Grosskonigs eintauschen wurde, stimmte er ihm zu (III1213). (41). So bleibt nur noch Hermogenes ubrig, der die einschlagige Frage des Nikeratos dahingehend bescheidet, dass er stolz auf die Tugend ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/arete) und Macht ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] dynamis) seiner Freunde sei, die ihn trotz ihrer Trefflichkeit beachteten. Wer diese Freunde seien, wollte er jedoch nicht sagen (III.14).

9. Die Begrundungen fur die getroffene Wahl

Doch damit war das Thema nicht erledigt, weil die schlagwortartigen Antworten ihren tieferen Sinn nicht preisgegeben hatten. Daher fordert Sokrates die Anwesenden zu einem zweiten Gesprachsgang auf, in dem die Teilnehmer die Grunde fur ihre Wahl angeben sollten (IV.1-49). Als erster fragt Antisthenes Kallias, ob die Menschen nach seiner Ansicht ihren Reichtum in ihren Seelen oder in ihren Geldbeuteln aufbewahrten, wobei Kallias naturlich an die Seelen dachte. Indem er den Armen Geld schenke, bewahre er sie von Diebstahlen. Allerdings wurden sie ihm dafur nicht danken, sondern ihn eher hassen, was ihn aber nicht store, bauten doch auch Architekten Hauser fur andere Menschen (IV. 1-4). Nikeratos erklarte, dass er stolz auf seine Homerkenntnisse sei, weil in den beiden Epen alle zivilen und politischen Verhaltnisse zur Sprache kamen.

Am schwierigsten musste es Kritoboulos fallen, den Stolz auf seine Schonheit zu begrunden. Doch er erklart, dass er im Bewusstsein seiner Schonheit blind fur alle Dinge ausser fur Kleinias sei. (42) Wenn er ihn nicht sahe, konne er nicht schlafen, und so sei er jeden Tag dankbar dafur, dass er Kleinias sehen konne. Gewiss sei Geld eine gute Sache, aber er wurde lieber seines dem Kleinias schenken als seinen Besitz vergrossern. Und weil er wisse, dass er selbst schon sei, konne er Jungen wie Madchen dazu uberreden, ihn zu kussen (IV.10-18). Kurz und gut: seine Ausfuhrungen zeigen, dass Kritoboulos ebenso rettungslos in Kleinias wie in sich selbst verliebt ist.

Als ihm Sokrates vorwarf, dass er sich fur schoner als ihn hielte, erklarte Kritoboulos,, dass er selbst sonst der hasslichste Satyr ware (IV.19). Sokrates aber weiss um den Haken in der Liebesgeschichte des Kritoboulos. Er besteht darin, dass dem Kleinias bereits der Bart zu keimen beginnt, so dass er dabei ist, das Alter fur solche Liebesbeziehungen zu uberschreiten. Abgesehen davon aber sei fur die Erhaltung der Selbstkontrolle nichts wichtiger, als sich des Kussens zu enthalten (IV.23-26). Doch Charmides ist nicht auf den Mund gefallen und so fragt er Sokrates, warum er, Kopf an Kopf mit Kritoboulos in einer Buchrolle lesend, seine nackte Schulter gegen dessen nackte Schulter gepresst hatte (IV.27). Daher warnt Sokrates Kritoboulos ironisch ihn nicht eher zu beruhren, bis er so viele Bart- wie Kopfhaare besasse (VI.20-28), so dass er als Liebling nicht mehr in Frage kame. (43) Sokrates gibt mithin zu, dass er zwar fur die Schonheit von Junglingen empfanglich ist, aber er sich durchaus zu beherrschen wisse, (44) wofur seine Schlussrede die notigen grundsatzlichen Argumente liefert.

Charmides aber hat keine Schwierigkeiten den Stolz auf seine Armut zu begrunden: Sie bewahre ihn vor der Angst vor Einbrechern. Seit er kein Einkommen von seinem Besitz in Attika mehr hatte, habe er einen gesunden Schlaf. Jetzt sei er ein Herr, einst sei er ein Sklave seines Reichtums gewesen. Aber er sahe der Gefahr gelassen entgegen, wenn er von irgendjemandem ein Geschenk zu erwarten hatte (IV.29-33). Antisthenes aber erklart, dass Armut und Reichtum eine Sache der Einschatzung des eigenen Besitzes sei. Was ihn selbst betrafe, so hatte er genug um zu essen und zu trinken, gegen Kalte konne er warme Mantel anziehen. Hatte er aber ein naturliches Bedurfnis, mit Frauen zu verkehren, so hiesse ihn manche willkommen, weil sie keinen anderen hatten, der sie begehrte. Abgesehen davon hatte er immer Zeit, so dass er den ganzen Tag mit Sokrates verkehren konne (IV.34-44).

Nun musste nur noch Hermogenes erklaren, wer seine Freunde seien und worin ihre Macht bestunde. Es seien, so lautet seine Auskunft, die allwissenden und allmachtigen Gotter, die ihn Tag und Nacht behuteten. Zum Dank priese er sie, was ihn nichts koste. Sokrates bestatigt ihm seine Haltung mit der Erklarung, dass die Gotter ihm ihre Freundschaft schenkten, weil sie sich uber seine sittliche Vollkommenheit (Kalokagathie) freuten (IV.45-49).

Anschliessend erklart Philipp der Spassmacher, dass er mit Recht stolz darauf sei, dass er immer wieder von Leuten, denen es gut gehe, herzlich eingeladen wurde, wenn es ihnen aber schlecht ginge, ihn mieden, weil sie furchten, er konnte sie uber sie selbst zum Lachen bringen IV.50). Nikeratos wirft ein, dass es ihm genau umgekehrt erginge, indem ihn erfolgreiche Freunde mieden, wahrend solche, denen es schlecht ging, ihn auf ihre Verwandtschaft mit ihm ansprachen, so dass er sich ihrer nicht erwehren konne (IV.51).

Als an den letzten wendet sich Charmides an den Syrakusaner mit der Vermutung, dass der Knabe (aus seiner Gruppe) sein Stolz sei. Aber der versichert, dass er in bestandiger Sorge um ihn sei, weil ihn nach seiner Beobachtung etliche Leute verderben wollten. Auf Sokrates' Nachfrage erklart er, dass sie ihn nicht toten, sondern ihn uberredeten, mit ihnen zu schlafen. Auf Sokrates' weitere Nachfrage kommt heraus, dass er selbst mit dem Knaben zu schlafen pflege, was Sokrates dahin gehend kommentiert, dass er aus einem solchen Fleisch gebildet sei, durch das er den nicht verdurbe, der mit ihm schliefe. Doch nun erklart der Syrakusaner unumwunden, dass er darauf stolz sei, dass Toren ihn durch den Besuch seiner Marionettenspiele ernahrten (IV.52-54).

Sokrates beantwortet die an ihn gerichtete Frage, warum er auf seine Kupplerdienste stolz sei, dahingehend, dass er als solcher Manner und Frauen, die seinen entsprechenden Dienst begehrten, mittels Worten anziehender fur ihre Umgebung mache, eine Fahigkeit, die auch Antisthenes im hohen Masse besasse. Er habe den Part des Kupplers (oder vornehmer ausgedruckt: des Vermittlers) zwischen Prodikos und Kallias und zwischen Hippias (45) und Kallias gespielt. Kallias sei dadurch erotischer geworden. Ein Mann, der erkenne, welche Menschen einander helfen konnten, der konne sie miteinander bekannt machen und Freundschaften zwischen Stadten und Einzelnen stiften, so dass man ihn ohne dass damit eine Beleidigung verbunden sei- als einen Kuppler (npoayrnyov/ proagogon) bezeichnen konne. Mit dieser Macht gerustet fande auch seine Seele allenthalben Reichtum (IV.56-V.1). Und das sollte das Schlusswort in diesem zweiten Redegang sein. Menschliches und Allzumenschliches ist in beiden zu Tage getreten.

10. Die Schlussrede des Sokrates und die Schlussszene

Wir uberspringen den humoristischen Schonheitswettbewerb des Kritoboulos mit Sokrates in V.1-10 (46) und die Beschwerde der Syrakusaner uber die mangelnde Aufmerksamkeit, welche die in ihre Gesprache versunkenen Symposiasten seinen Vorfuhrungen entgegenbrachten (vgl.VI.6 mit VII.2-5. der sie aber durch entsprechende Tanze abhelfen wurden (VII.5). (47) Nach der anschliessenden erneuten Einlage der Syrakusaner schlug Sokrates vor, das Thema noch einmal zu wechseln und der machtigen Gottheit zu gedenken, die das Universum durchwaltet und dem sie alle nachfolgten, des Eros. (48) Er, Sokrates, konne keine Zeit benennen, in der er nicht in jemanden verliebt gewesen sei (VIII.2). (49) Er wisse, das Charmides von vielen geliebt worden sei und diese Liebe in manchen Fallen erwidert hatte. Kritoboulos, der gerade das Objekt der Liebe sei, beginne bereits andere zu begehren. Nikeratos liebe seine Frau, die seine Liebe erwidere. Und Hermogenes strebte, wie sie alle wussten, nach Vornehmheit des Charakters (Kalokagathia) und genosse die Freundschaft der vornehmsten Gotter, ohne deshalb uns Menschen zu verachten (VIII.2-3). Als Sokrates anschliessend Antisthenes fragte, ob er der einzige sei, der niemanden liebe, erhielt er die uberraschende Antwort, dass er heftig in ihn verliebt sei. Doch Sokrates bat ihn, ihn nicht zu belastigen, weil er mit anderen Dingen beschaftigt sei. Als sich Antisthenes daruber beschwerte, dass er sich ihm das eine mal mit dem Hinweis auf das gottliche Zeichen (vgl. Xen.Ap.13) entzoge oder ihn unter sonst einem Vorwand zuruckwiese, bat ihn Sokrates scherzhaft, ihrer beider Verhaltnis geheim zu halten, weil es auf seiner eigenen Wohlgestalt beruhe (VIII. 1-6). Der rhetorisch geschulte scharfe Beobachter der Wirklichkeit und der mit der Gottheit unmittelbar verkehrende Mystiker konnten einander schatzen, ohne dass beide harmonierten. Trotzdem war das Verhaltnis jedenfalls von Seiten des Antisthenes so eng, dass er zu den Getreuen zahlte, die sich im Gefangnis um den auf seine Hinrichtung wartenden Meister scharten und bis zu seinem letzten Atemzug bei ihm ausharrten (Plat.Phaid.59b). (50)

Anschliessend machte Sokrates Kallias das Kompliment, dass seine Liebe zu Autolykos stadtbekannt und lobenswert sei, weil sie keinem verweichlichten, sondern einem korperlich kraftigen Knaben gelte. Unterscheide man zwischen einer gewohnlichen korperlichen und einer himmlischen seelischen Aphrodite, die sich in Freundschaft und edlem Benehmen zeige, so sei seine Liebe zu dem Knaben dieser Art, was sich schon darin zeige, dass sie seinen Vater einschliesse. Daraufhin erklarte Hermogenes, dass er Sokrates bewundere, weil er Kallias, indem er ihm schmeichle, erziehe (VIII.7-12).

Anschliessend ruhmte Sokrates die seelische Liebe als der korperlichen uberlegen. Denn der seelische Charakter bliebe gleich, wahrend die leibliche Schonheit bald nach ihrem Hohepunkt samt der Zuneigung verschwinde, wahrend die Seele dank ihres Strebens nach Weisheit immer liebenswerter wurde (VIII. 12-15). Daruber hinaus bliebe die Einseitigkeit der korperlichen Liebe zu bedenken, weil Knaben anders als Frauen keine Vergnugen an dem Liebesakt empfanden, sondern nuchtern auf den trunkenen Liebhaber blickten (VIII.21). (51) Der grosste Segen aber, der dem zuteil wurde, der darum besorgt sei, dass sein Liebling fur ihn zu einem guten Freund wurde, bestunde darin, dass er genotigt sei, sich um seine eigene Tugendhaftigkeit zu bemuhen (VIII.27). Daher mussten Liebling und Liebhaber darauf bedacht sei, der von einander erwarteten Tugend gemass zu leben. So hatten selbst Halbgotter (wie die Beispiele des Herakles (52) und Ganymeds zeigten) (53) hoheren Wert auf Freundschaft als auf korperliche Freuden gelegt: So hatte Achill Patroklos nach Homer nicht als Objekt seiner Leidenschaft, sondern als Kampfgefahrten betrachtet, dessen Tod er in diesem Sinne rachte (Il.XIX.315-321; XX.19-30.419-503 und XXI.33-135). Orest und Pylades, (54) Theseus (55) und Peirithoos (56) aber wurden wegen ihrer beruhmten Taten besungen, die sie nicht begingen, weil sie in einem gemeinsamen Bett schliefen, sondern weil sie durch gemeinsame Hochachtung miteinander verbunden waren (VIII.31). Und wenn Pausanias, der Liebhaber des Tragodiendichters Agathon, zur Verteidigung seiner masslosen Verhaltens eine aus Liebespaaren bestehende Armee fur unschlagbar erklart und dafur als Beispiel die Thebaner und die Eleer angefuhrt hatte, so entsprache es zwar deren Herkommen (nomima), wahrend die Lakedamonier sich zur Tapferkeit verpflichtet fuhlten, auch wenn sie nicht Seite an Seite kampften (VIII.32-35). (57) Um seine Leser davon zu uberzeugen, dass die seelische und nicht die korperliche Liebe den Vorzug verdiene, stellte Sokrates die rhetorische Frage, ob man sein Vermogen eher einem Knaben anvertrauen wurde, dessen Liebe seelischer Art sei als einem, dessen Liebe korperlicher ist (VIII.36). Daher konne Kallias dem Himmel fur seine Liebe zu Autolykos dankbar sein, denn er hatte nach Ehre getrachtet und dafur viele Strapazen auf sich genommen, um als Sieger im Pankration ausgerufen zu werden, was er eines Tages durch seinen Einsatz fur sein Land uberbieten konnte (VIII.37-38). (58)

Kallias selbst aber solle sich bemuhen herauszufinden, aufgrund welcher Kenntnisse Themistokles Griechenland die Freiheit verschaffte (59) und welche Perikles zum weisesten Ratgeber seines Landes machten, (60) auf welche Weise Solon Gesetze erliess, welche die Zeiten uberdauert haben, (61) und wie die Lakedamononier, deren Proxenos (Interessenvertreter) er sei, in den Ruf gelangt seien, die besten militarischen Anfuhrer zu besitzen. (62) Daher wurde sich ihm Athen anvertrauen, wenn er es nur wollte; denn als geborener Aristokrat verfuge er die besten Qualifikationen fur diese Aufgabe (VIII.12-41). Kallias aber hatte den in diesen Worten liegenden Rat des Sokrates verstanden: er solle die politische Fuhrung Athens ubernehmen. (63)

Abschliessend lasst Xenophon Sokrates sich dafur bei den Teilnehmern des Symposions entschuldigen, dass er eine so ernste Rede gehalten hatte, aber er es sein Leben lang mit den von Natur Guten und Tugendhaften einig und ein Liebhaber seiner Stadt gewesen sei (VIII.41). Autolykos aber brach in Begleitung seines Vaters zu dem ublichen Abendlauf auf, nicht ohne sich von Sokrates mit der Versicherung zu verabschieden, dass er ein wahrhaft guter Mann ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]) sei (IX.1). Doch nun bewirkte ein letzter Auftritt der Syrakusaner, in dem sie die liebende Vereinigung zwischen Ariadne und Dionysos so uberzeugend verliebt spielten, dass alle Manner nach Hause eilten, um ihre Frauen in Liebe zu umfangen (IX.7).

11. Die Lehre des Buches

Fragt man sich ob dieses Buch uberhaupt eine Lehre enthalt, so durften es positiv die Bekenntnisse von Sokrates Freunden und dem Spassmachers Philipp sein, die samtlich ohne zu klagen das ihnen beschiedene Schicksal angenommen haben und daher als wahrhaft [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII]/eudaimones), von einem guten gottlichen Geist geleitete Menschen bezeichnet werden konnen. Als Gegenbeispiel erscheint der in sich widerspruchliche und sittlich bedenkliche Syrakusaner, der mit seiner kleinen Truppe von Musikanten und Tanzern beiderlei Geschlechts uber die Runden zu kommen versuchen musste und empfindlich auf die Unaufmerksamkeit seines Publikums reagierte. Vor allem aber ist Xenophons Symposion ein sorgfaltig durchkomponiertes Buch, das seinen Leser von der ersten bis zur letzten Zeile zu fesseln vermag. Es bietet eine angesichts des ausgedehnten Dialoges begrundet den Gegenstand des eigenen Stolzes und damit das Ziel des eigenen Lebens zu erklaren, hinreichende Anregungen genug, zum Nachdenken uber das eigene Schicksal. Daruber hinaus bestatigt es die Maxime aus Mem.II.vi.21, dass die Natur die Menschen zur Freundschaft bestimmt hat, so dass sie einander bedurfen und einander in Dankbarkeit verbunden sind. (64)

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Otto Kaiser

Marburg

Addresse:

Professor em. Dr. Dr.h.c.mult. Otto Kaiser

Am Krappen 29

D 35037 Marburg an der Lahn

(1) Vgl. dazu Klaus Doring, Sokrates, Sokratiker (GAPh II/1), 183-186 bzw. Eckart E. Schutrumpf (NP XII/2), 2002, 633-642.

(2) Vgl. Xen.An.III.1.4-8.

(3) Vgl. die Karte uber den Zug der Zehntausend unter der Fuhrung Xenophons (NP XII/2), 2003, 635-636.

(4) Zum Verlauf der Schlacht vgl. Xen.Hell.IV.3.15-23; Ages.II.9-16.

(5) Zu seinem Leben und literarischen Werk vgl. Eckart Schutrumpf (NP XII/2), 633-642, und zu der naturlichen und dadurch immer neue Sympathien gewinnenden frischen und frommen Eigenart des in seinen Schriften bezeugten Denkens Werner Jaeger, Paideia III, 226-254.

(6) Nach DL II.6.55 und Quint.lnst.II.17.1 hat Aristoteles ihm eine Schrift uber die Rhetorik gewidmet.

(7) Vgl. zum Folgenden Albin Lesky, Geschichte der Griechischen Literatur, 691-697 bzw. Klaus Doring (GPhA II/1), 186-192.

(8) Vgl:dazu John Dillery, Hellenistic Historiography, in: Feldherr/ Hardy, eds., History of Historical Writing I, 174-177, der auf den Schwerpunkt der sittlichen Beispiele als specificum von Xenophons Geschichtsschreibung hinweist und hervorhebt, dass dem Konig die Grosse im Scheitern fehlt: So ist xenophontische Kyros die Verkorperung eines Lebensideals und eines politischen Programms, dass mehr uber den Autor als uber den historischen Kyros aussagt.

(9) Vgl. zu ihr den Kommentar von Otto Lendle, Darmstadt 1995.

(10) Vgl. dazu das Nachwort zur Kyropadie von Rainer Nickel (STusc), 745-757. Zu ihrer Nachwirkung gehort es, dass Cicero sie teilweise ubersetzt hat, Lesky, Geschichte, 695.

(11) Zu dem von Sokrates als Daimonion bezeichneten gottlichen Zeichen und seiner Verbindung mit dem Eros vgl. auch Xen.Mem.I.2-4 und weiterhin Paul Friedlander, Platon I, 34-62, bes.46-60 bzw. knapper W.K:C. Guthrie, History III, 402-405.

(12) Nikeratos, der sich zuvor als Stratege um seine Vaterstadt Athen verdient gemacht hatte, wurde bereits 404 von den Dreissig getotet (Lys.Or.XVIII.6). Vgl. zu ihm H. Volkmann (KP IV) 102 und zum zeitgeschichtlichen Hintergrund vom Ende des Jonischen 404 Krieges bis zur Schlacht bei Leuktra 371 Hermann Bengtson, Griechische Geschichte (HAW III/4), 248271.Vgl. zu ihm H. Volkmann (KP IV),103-104.

(13) Vgl. zu ihm DL VI.1-19 und dazu Klaus Doring (NP I), 1996, 793-794 bzw.2 ders. (GGPhA II/1), 269-270. Wegen seiner Abstammund lehrte er im Gymnaasion Kynosargos. Er war in den ersten 10-15 Jahren nach Sokrates Tod der prominenteste Sokratiker. Mit seiner Betonung eines tugendhaften Lebens gehort er zu den geistigen Vatern der Stoiker. Den uberkommenen polytheistischen Glauben hielt er fur eine fiktive und konventionelle Vorstellung, weil es nach der Natur nur einen Gott gebe (Cic.nat.deo.32).

(14) Zu Kriton vgl. DL II.121

(15) In Mem.II.x.3 wird Hermogenes als ein rucksichtsvoller Mensch bezeichnet, der sich schamen wurde, einen Gunsterweis unerwidert zu lassen. Als er Sokrates nach dem Vorliegen der Anklage durch Meletos aufforderte, an seine Verteidigung zu denken, zumal die athenischen Richter sich durch falsche Argumente verleiten liessen, Unschuldige zum Tode zu verurteilen, erklarte Sokrates, dass sich ihm jedes Mal, wenn er an seine Verteidigung dachte, das [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII] widersetzt hatte. Jedenfalls spricht dieser Beleg fur die umsichtige Treue, mit der sich Hermogenes an Sokrates innerlich gebunden wusste.

(16) Nach Plat.Phaid. 59b-c hatten sich Phaidon, Apollodoros, Kritoboulos,und sein Vater Kriton, Hermogenes, Epigenes, Aischines, Antisthenes, Ktesippos, M enexenos, Simmias, Kebes, Phaidondes, Eukleides und Terpsion im Gefangnis um den auf seine Hinrichtung wartenden und den Sterbenden versammelt.

(17) Charmides gehorte zu den Dreissig, die am Ende des Peloponesischen Krieges im Jahr 404 die athenische Demokratie abschafften und ein Terrorregiment errichteten, dem 1500 attische Burger zum Opfer fielen, bis ein Zehnmannerkollegium im Jahr 403 die Demokratie wieder herstellte. Dabei fiel Charmides in einem Strassenkampf in seinem Amtsgebiet Piraus (Xen.Hell.II.4.19).

(18) Vgl. auch Leo Strauss, Xenophon's Socrates, 144.

(19) Vgl. zu ihm H. Volkmann (KP IV) 102 und zum zeitgeschichtlichen Hintergrund vom Ende des Jonischen 404 Krieges bis zur Schlacht bei Leuktra 371 Hermann Bengtson, Griechische Geschichte (HAW III/4), 248-271.

(20) Jaeger, Paideia III, 226.

(21) Jaeger, Paideia III, 230.

(22) Vgl. dazu O.J. Todd in seiner Einleitung zu Xenophons Sokratischen Schriften (LCL 168), XXVII.

(23) Zu Platons Verstandnis der Tugenden vgl. Terence Irwin, Plato's Ethics, passim, und zu dem aristotelischen Howard J. Curzer, Aristotele and the Virtues, passim.

(24) Dass die Knaben dabei von den Gasten sexuell belastigt werden konnten, zeigt die Darstellung auf dem attischen Gefass E 293, bei Dover, Homosexualitat, 2. Tafel hinter S.80.

(25) Vgl. zu seiner Vita als reichem Silberbergwerkbesitzer und einflussreichem athenischen Politiker vgl. den Artikel von Wolfgang Will, Kallias [5],(NP VI), 1999, 178.

(26) Vgl. zu ihm Konrad Kinzl, Nikeratos I (NP VIII), 2000, 910 und zu seinem Vater Nikias, der im Jahr 413 im Feldzug gegen Syrakus umkommen sollte, Nicola Hoesch, Nikias I (NP VIII), 912-913."

(27) Zu den am Ende des Hekatombion, des ersten Monats des attischen Jahres, nach dem Julianischen Kalender im Juli (J. Finegan, Handbook, 58) abgehaltenen Panathenaen vgl. L. Deubner, Attische Feste, 22-35.

(28) Das Pankration war eine rauer Kampfsport, in dem Ringen und Faustkampf und alle Mittel einschliesslich Kratzen und Beissen erlaubt waren, um den Gegner vollig zu beherrschen,. Nur durfte man ihn nicht toten. Vgl. die lebendige Schilderung bei Lukian, Anacharsis 1-4 und dazu W. Decker (NP IX), 250 und die Darstellung von zwei Ringern auf der Panathenaischen Amphora des Kleophrades Malers, John Boardman, Schwarzfigurige Vasen, Abb.301.1.

(29) Die Tatsache, dass Kallias nicht nur den Sohn, sondern auch den Vater zu seinem Gastmahl einladt, konnte dafur sprechen, dass seine Liebe nicht im Bett endete.

(30) Protagoras von Abdera (ca. 485-415), einer der ersten Sophisten, fuhrte ein Wanderleben als Lehrer der Redekunst und des richtigen Lebens. Er hielt sich langere Zeit in Athen auf, wo er eine starke Wirkung ausubte; vgl. zu ihm knapp F. Lassere (KP IV), 1194-1195 und ausfuhrlich George B. Kerferd und Hellmut Flashar (GGPh.PhA II/1), 28-43.

(31) Gorgias (ca 480-360) aus dem ostsizilianischen Leontinoi galt als der beruhmteste Rhetor und Lehrer der Beredsamkeit seiner Zeit. In der zweiten Halfte seines Lebens fuhrte er ein Wanderdasein, in dem er auch zweimal Athen besucht hat; vgl. zu ihm knapp H. Dorrie (KP II), 848-850 und ausfuhrlich Kerferd/ Flashar, 44-53 und seine von Thomas Buchheim edierten Reden, Fragmente und Testimonia (PhB 404).

(32) Der Sophist Prodikos aus Keos war ein uberaus gewandter Redner, der sich 431 oder 421 auch in Athen aufhielt, jederzeit einen eleganten Vortrag zu halten vermochte, auf die angemessene Wortwahl einen grossen Wert legte (vgl. Plat.Prot.315d ff.) und wohl gerade durch seine konservative Art eine grosse Wirkung erzielte: vgl. zu ihm knapp H Dorrie (KP IV), 11531154 und ausfuhrlich Kerferd/ Flashar, 58-63. Xenophon hat in Mem.II.1.21-23 die beruhmte Erzahlung des Prodikos von Herakles am Scheidewege als Beispiel fur seine Ermahnung zu einem tugendhaften Leben zitiert

(33) Vgl. dazu Kenneth Dover, Homosexualitat, 86-101 bzw. Carola Reinsberg, Ehe, Haterentum und Knabenliebe, 170-179.

(34) Vgl. dazu Frisbee C.C. Sheffield, Plato's Symposium. The Ethics of Desire. o

(35) Vgl. die Anmerkung zum Text von Todd (LCL 168), 545 Anm.2.

(36) Xenophon erwahnt ihn auch in Mem.II.v.1-3: Hier beantwortet er Sokrates Frage nach dem Wert von Freunden, den er fallweise bis zum Hochstwert ansetzt. In Mem.III.17 erklart Sokrates, dass Antisthenes und Apollodros ihn niemals verliessen. Beide betrachtete Xenophon mithin als Sokrates' treueste Anhanger.

(37) Zu Peisander vgl. Hans Beck, Peisandros {7] (NP IX),2000, 480.

(38) Vgl. weiterhin III.4-6; [III.8],: III.12; IV.2-3;IV.6; IV.34-44; IV.61-64; VI.5; VI.8;VIII.5.

(39) Vgl. auch Xen.Mem.IV.II.10.

(40) Die kleinste Munzeinheit, die im attischen System noch in 16 kleinere Werte zerlegt werden konnte; vgl. dazu Abkurzung des Autors H.-M. v. K nicht entschlusselt (NP VIII), 447-448.

(41) Ausgerechnet dieser Lykon soll als Vertreter der politischen Redner die Anklageschrift gegen Sokrates zusammen mit Meletos und Anytos verfasst (Plat.Ap.23e) und zusammen mit Anytos den fur den Ausgang des Prozesses entscheidenden Antrag auf Todesstrafe gestellt haben (Plat.Ap.36a). Er wird von Xenophon in seiner Apologie des Sokrates anders als Meletos (Xen.Ap.20-21) nicht erwahnt. Vermutlich hatte Lykon im Jahr 405 den Verlust von Naupaktos zu verantworten; vgl. dazu Ernst Heitsch, Platons Werke: Ubersetzung und Kommentar I/2, 101-102.

(42) Gemeint ist Kleinias, (5) der Sohn des Axiochos und Vetter des Alkibiades; vgl. Konrad Wickert (KP III, 232. Zum pseudoplaonischen Dialog Axiochos vgl. Guthrie, History V, 394-395.

(43) Vgl. dazu Dover, Homosexualitat, 81 und Plat.Prot.309a.

(44) Vgl. dazu auch Xen.Mem.I.iii.8.und 14.

(45) Vgl. zu dem noch zu Beginn des 4. Jh.s tatigen Sophisten unter Hippias [5] Michel Narcy (NP V)1998, 576-577. Platon hat ihm zwei Dialoge gewidmet. Xen.Mem.IV.iv.5-25 berichtet uber ein Gesprach zwischen Hippias und Sokrates, in dem er den Gedanken des gottlichen Ursprungs des Rechts und der sog. Guten Sitten positivistisch relativiert.

(46) Zu Sokrates eigenartiger Physiognomie vgl.die ihm in Symp.V.1-7 im Schonheitswettbewerb mit Kritoboulos selbstironisch in den Mund gelegte Beschreibung. Seine hervortretenden Augen besassen ein breiteres Gesichtsfeld, seine Nasenlocher seien breiter und nach unten gerichtet, so dass sie alle Geruche wahrnahmen. Kritobolulos weist auch noch auf Sokrates' dicke Lippen hin, die zartlicher kussen konnten als die anderer Leute. Bei einer scherzhaften Auslosung wurde der Preis in diesem Wettbewerb jedoch Kritoboulos zuerkannt, der in ihm gegebenen Kussen bestand (VI.9).

(47) Vgl. die Hydria des Polygnot mit den beiden Artisten, einem Jungen und einem Madchen samt einer Flotenspielerin bei John Boardman, Rotfigurige Vasen aus Athen, Abb.138.

(48) Zur Mythe und Sage uber den Gott Eros vgl. H.J. Rose, Griechische Mythologie, 123-124.g

(49) Vgl. auch Xen.Mem.IV.i.2.

(50) Vgl. dazu Theodor Ebert, Phaidon (Platon Werke. Ubersetzung u. Kommentar I/4), 100-102.

(51) Vgl. dazu Dover, Homosexualitat, 53 und 91. Die Konvention erwartete, dass der Eromenos bei dem Verkehr mit dem Erasten dessen Gefuhle nicht erwiderte und dazu die Schale des Byrgos Malers mit einem Erasten und einem Eromeneos vor dem Beginn des Schenkelverkehrs bei Boardman, Rotfigurige Vasen aus Athen. Die Klassische Zeit, Abb.260 = Dover. Abb.R 529 vor S.113.

(52) Zum Heraklessagenkreis vgl. Rose, Griechische Mythologie, 208-226.

(53) Vgl. Hom.Il.V.265 und dazu die Schale des Penthesilea Malers mit Zeus und Ganymed bei John Boardman, Rotfigurige Vasen aus Athen Abb.82.

(54) Vgl. Eur.Or.725-728.803-806 und 1155-1157.

(55) Zu den Sagen uber die Totung des Minotauros durch Theseus vgl. Rose, Griechische Mythologie, 266-270.

(56) Zu Peirithoos, dem Anfuhrer der Lapiten, vgl. Hom.Od.- XI.631, zitiert Plut.Thes.XX.2 und dazu Rose, Griechische Mythologie, 256.

(57) Vgl. auch die Rede des Pausanias im Hause des Poeten Agathon Plat.Symp182a-c und 182d184 und zum Verhaltnis zwischen Pausanias und Agathon auch Plat.Prot.315d-e und dazu Dover, Homosexualitat, 78-80. Zu dem attischen Tragodiendichter Agathon, (ca. 455-401 v. Chr.) vgl. Bernhard Zimmermann (NP I), 1996, 240-241

(58) Autolykos wird in Xen.Hell. nicht erwahnt. Uber sein weiteres Leben scheinen keine Nachrichten vorzuliegen.

(59) Vgl. dazu Thuk.I.138.3.

(60) Vgl. seine Grabrede auf die Gefallenen Thuk.II.35-46, bes. 37.

(61) Vgl. dazu Plut.Vit. Solon VII-XXV.sowie Hdt.I.29.

(62) Moglicher Weise denkt Xenophon an die Tapferkeit des Konigs Leondias und seiner Soldaten beim Kampf um die Thermopylen, Hdt.VII.219-228.

(63) Kallias gelang nach Xen.Hell.IV. 5 als athenischem Strategen 390 der Sieg uber eine spartanische Abteilung 371, nach Hell.VI.3 gehorte er zu der Gesandtschaft an, die sich zu Friedensverhandlungen nach Sparta begab, wo er die in VI.3.4-6 uberlieferte Rede gehalten haben soll, in der er fur einen raschen Friedensschluss pladierte. Aus ihr geht hervor, dass er schon zweimal bei fruheren Anlassen dort verhandelt hatte und er die spartanische Proxenie von seinem Vater geerbt hatte.

(64) Besonderen Dank schulde ich meinem Freund Dr. Jorg Garscha, der das Manuskript durch alle Phasen seiner Entstehung kritisch begleitet hat.
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Author:Kaiser, Otto
Publication:Trames
Article Type:Book review
Date:Dec 1, 2015
Words:10161
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