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Inge Kasi, Vanaparase Voru murde sonaraamat.

Inge Kasi, Vanaparase Voru murde sonaraamat. Toimetanud Helmi Neetar, Tallinn 2011. 910Ss.

Das hier vorzustellende Worterbuch von Inge Kasi "Vanaparase Voru murde sonaraamat" beinhaltet altertumliches Sprachgut der Voru-Sprache, uber dessen Erscheinen sicherlich sowohl diejenigen erfreut sind, die speziell am Ost-Voru-Dialekt und dem nahegelegenen Setu Interesse haben, als auch diejenigen, die sich im Allgemeinen fur die Sprache und Dialekte Estlands interessieren. Wie schon aus dem Titel zu Ersehen, wird in diesem Buch der archaische und unverfalschte Voru-Dialekt wiedergegeben, der in der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts sowie in der ersten Halfte des 20. Jahrhunderts im ostlichen Teil des Landkreises Vorumaa gesprochen wurde. Bereits an dieser Stelle sei erwahnt, dass sich das Worterbuch nicht nur auf den Sprachgebrauch in Ost-Vorumaa beschrankt, sondern auch Lexik aus Setumaa und Sudwest-Vorumaa einbezieht.

Im Worterbuch sind etwa 10 000 Stichworter verzeichnet, die die Autorin im Wesentlichen den handschriftlichen Sammlungen der bekannten Sprach- und Dialektforscherin Helle Keem (1915--1997) entnommen hat. Dabei handelt es sich um authentischen, zwischen 1963--1986 von Dialektsprechern, die in 35 Dorfern der einstigen Kirchspiele Rouge und Vastseliina ansassig waren, festgehaltenen Sprachschatz im Voru- und Setu-Dialekt. Einen Uberblick zum Verbreitungsgebiet gibt die von Evar Saar erstellte zweisprachige Karte mit den Ortsnamen in Voru/Setu und Estnisch.

Die vorliegende Ausgabe ist ein Dialektworterbuch im engeren Sinne, in dem lediglich gesammelte Belege verzeichnet sind, die kaum bearbeitet, weder erganzt noch weiterentwickelt wurden. Im Gegensatz zu dem im Voru-Institut verfassten und 2002 publizierten vorusprachig-estnischen Worterbuch "Voru-eesti sonaraamat", mit dem vor allem eine Weiterentwicklung der Voru-Schriftsprache angestrebt wurde, lag es Inge Kasi mit ihrem im Institut fur estnische Sprache erarbeiteten Worterbuch fern, die Voru-Sprache zu standardisieren, das System der Flexionen darzubieten oder fehlende Wortformen und neue Lexik abzuleiten. Im Vergleich zu dem gesammelten Ausgangsmaterial ist hier nur die zur Darbietung des Wortschatzes angewandte Transkription vereinfacht und vereinheitlicht worden. Da das Werk im Institut fur estnische Sprache verfasst wurde, liegt es nahe, dass die zum Einsatz kommende Transkription mit der vereinfachten Dialekttranskription des im gleichen Institut herausgegebenen estnischen Dialektworterbuchs "Eesti murrete sonaraamat" ubereinstimmt.

Zumal es sich im Worterbuch von Inge Kasi nicht um gesamtestnischen, sondern vielmehr um altherkommlichen, auf eine bestimmte Gegend beschrankten Dialektwortschatz handelt, wurden dort, wo es auch zu erwarten war, in dankenswerter Weise einige Verbesserungen vorgenommen, die darauf hinzielen, das System der Voru-Sprache etwas zu vereinfachen, dieses verstandlicher und eindeutiger darzubieten. Eine derartig wesentliche Veranderung betrifft die Einordnung von mit A-anlautenden Wortern in die normale alphabetische Abfolge, nicht auf der Grundlage des diesem folgenden Vokals, so wie es ublicherweise mit solchen Wortern in den estnischen Dialektworterbuchern gemacht wurde, d. h. der in estnischen Dialekten erfolgte Schwund von A- im Wortanlaut galt als Einordnungsgrundlage. Weil es im Lautsystem der Voru- und Setu-Sprache keinen derartigen Schwund gegeben hat, ist die Entscheidung der Autorin, sich bei der Darstellung der voruund setusprachigen Belege an die normale alphabetische Reihenfolge zu halten, in jeder Hinsicht nachvollziehbar und begrufienswert.

Eine in dieser Weise auf die Eigenheiten des voru- und setusprachigen Lautsystems ausgerichtete Darlegung ware nach Ansicht des Unterzeichneten auch an anderer Stelle angebracht gewesen. Ein solcher Grundsatz wurde beispielsweise die Bezeichnung der Palatalisation der Konsonanten betreffen. Im Worterbuch wurde das Palatalisationszeichen entsprechend dem Palatalisationstyp der nordestnischen Dialekte verwendet. Dies wurde im Falle eines Doppelkonsonanten und einer Konsonantenverbindung auf dem ersten Bestandteil bezeichnet, der in den nordestnischen Dialekten und in der estnischen Gemeinsprache starker oder als einziger palatalisiert ist. Die Palatalisation in der Voru- und Setu-Sprache ist jedoch in entgegengesetzter Weise starker, und zwar am Ende eines Doppelkonsonanten und Konsonantenverbindung. Im Unterschied zu vielen estnischen Dialekten, wo die Palatalisation nur schwach und unstabil ausgebildet ist, ist die Voru- und Setu-Palatalisation stark und ausgesprochen konsequent. So werden dort regelmafiig alle Konsonanten palatalisiert, die sich vor i und j befinden. Diese automatische "Weichwerdung" hatte man in einem auf diese beiden Dialekte beschrankten Worterbuch gar nicht hervorheben mussen, ganz gleich, ob es sich um einen Einzel-, Doppelkonsonanten oder eine Konsonantenverbindung handelt. Dies hatte das Worterbuch auch der Orthographie der Voru-Schriftsprache naher gebracht.

Wie vorn schon erwahnt, umfasst das Worterbuch Belegmaterial aus den Kirchspielen Vastseliina und Rouge sowie Setumaa betreffend die ganzlich althergebrachte Dialektsprache in Ost-Vorumaa. Wenn man der Tradition der estnischen Dialektologie folgt, ist es in mancher Hinsicht verstandlich, dass weder im Titel des Worterbuchs noch in seinen einfuhrenden und erlauternden Texten der durchaus umfangreiche setusprachige Teil besondere Hervorhebung gefunden hat, sondern dieser Teil wird lediglich zum Ostdialekt von Vorumaa gehorend aufgefasst.

In Anbetracht der Ausrichtung des Worterbuchs erhebt sich die Frage. Und zwar schliefit der Sprachgebrauch von OstVorumaa auch die in Ost-Rouge bzw. Haanjamaa-Kasaritsa gesprochene Dialektsprache ein, nicht jedoch die in den Dorfern von West-Rouge gesprochene Mundart, die sowohl geographisch als auch sprachlich gesehen der im sudwestlichen Vorumaa gesprochenen Hargla-Mundart nahesteht und auch in der von Hella Keem selbst getroffenen Dialekteinteilung aufierhalb des Sprachgebrauchs von Ost-Vorumaa liegt. Gleichsam weist das im Worterbuch dargebotene Sprachgut aus Nord-Setu zum restlichen OstVoru-Dialekt beachtliche Unterschiede auf. Dieses hat aber viel Ahnlichkeit mit der Rapina-Mundart in Nord-Vorumaa. Hingegen Sud-Setu kann man zweifellos aus sprachlicher Sicht dem Ost-Voru-Dialekt gut zuordnen. Auf Grund des eben Gesagten vertritt der Unterzeichnete die Meinung, im Interesse der Veranschaulichung der reinen ostvorusprachigen Lexik hatte man im Worterbuch des ursprunglichen Ost-Voru-Dialekts eigentlich auf die aus Nord-Setumaa und West-Rouge stammenden Belege verzichten mussen.

Aufier dem Inhalt sind auch die technische Seite des Worterbuchs professional und korrekt ausgefuhrt. Der Aufbau der Wortartikel ist einfach und ubersichtlich, im Hinblick auf die dargebotenen Flexionsformen darf eine treffende Auswahl festgestellt werden. Lediglich die erste Konjugationsform des Verbs im Prasens hatte man noch mehr als Flexionsform benutzen konnen, denn ohne diese Form kann der Leser die schwachstufige (oder abgeschwachte) Form des Verbs oft gar nicht erschliessien.

Inge Kasis Publikation "Vanaparase Voru murde sonaraamat" wird sowohl in der Geschichte der Voru- und Setu-Sprache als auch im weiteren Sinne in der estnischen und ostseefinnischen Sprachwissenschaft einen wurdigen Platz einnehmen. In seiner Art stellt es eine gute Erganzung zu den bisher erschienenen Voru- und Setu-Worterbuchern sowie Textsammlungen dar und dient dank seinem althergebrachten Wortschatz der Voruund Setu-Sprache und entsprechenden Satzbeispielen als eine besonders handliche und zuverlassige Quelle.

Sulev Iva

Voru Institute

E-mail: sulev.iva@ut.ee
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Author:Iva, Sulev
Publication:Linguistica Uralica
Date:Mar 1, 2013
Words:1008
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