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In memoriam Rudolf Karelson.

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Am 25. September 2006 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 77 Jahren der bekannte und verdiente estnische Lexikograf und Finnougrist Rudolf Karelson.

Rudolf Karelson war am 6. August 1929 in einer Bauernfamilie in der Gemeinde Tahkuranna, Landkreis Parnumaa geboren worden. Nach dem Besuch der ortlichen Grundschule setzte er seinen Bildungsweg an der 1. Mittelschule in Parnu fort und beendete diese im Jahre 1949. Trotz finanzieller Schwierigkeiten, die mit dem fruhen Tod seiner Eltern verbunden waren, nahm er im Herbst des gleichen Jahres an der Fakultat fur Geschichte und Sprachen der Staatlichen Universitat Tartu ein Studium der estnischen Sprache auf, wobei er sich auf die finnisch-ugrische Sprachwissenschaft spezialisierte. Mit Auszeichnung beendete er 1954 die Universitat und in den folgenden drei Jahre konnte er sich im Rahmen einer Aspirantur unter den Fittichen von Paul Ariste vertieft mit den ostseefinnischen Konjunktionen befassen. In der Zeit setzte R. Karelson seine bereits wahrend des Studiums unternommenen Feldforschungen fort, die ihn vor allem zum Sprachmaterialsammeln zu den Valdaiund Twer-Kareliern, aber auch zu den Ishoren und Woten fuhrten. Gleichzeitig stand er noch vor Fernstudenten, denen er Vorlesungen uber allgemeine Sprachwissenschaft und Finnischunterricht erteilte sowie vor russischsprachigen Studenten, denen er Estnisch beibrachte.

Das Thema seiner Kandidatenarbeit waren dann auch die ostseefinnischen Konjunktionen "Sidesonad laanemeresoome keeltes", die er 1959 verteidigte. In Erganzung dazu folgten mehrere Aufsatze: "Laanemeresoome keelte mija mu-tuvelised sidesonad" (KK 1958), "Soome-ugri keelte lausestruktuurist seoses konjunktsioonidega" (ESA IV 1959), "Pronoomenituvedest e-, ja- und jo- tulenevaid sidesonu laanemeresoome keeltes" (TRUT 77 1959), "Pronoomenitest ko- ja ku- parinevad sidesonad laanemeresoome keeltes" (ESA V 1959), "Pronoomenituvest se- tulenevad sidesonad laanemeresoome keeltes" (ESA VII 1961), "Eesti uhendsidesonad, nende senine kasitlus" (ESA 17 1971), "Der Anteil des Verneinungsverbs an der Entstehung der Konjunktionen in den ostseefinnischen Sprachen" (SFU XV 1979), "Lisandusi eesti sidesonade liigitusele" (ESA 24 1980), "Sona kui uhest funktsioonist" (Nonaginta, Tallinn 1963), "Mitmepalgeline sona kuni" (Kirjakeel 1985, Tallinn 1985).

In den Jahren 1957-1959 gehorte R. Karelson der Redaktion, der in Tallinn ins Leben gerufenen Zeitschrift "Keel ja Kirjandus" an und uber die Erfahrungen als Redakteur von sprachwissenschaftlichen Artikeln schrieb er spater den Artikel "Keeleosakonna toimetajana "Keeles ja Kirjanduses" (KK 1988).

R. Karelson kehrte 1959 nach Tartu zuruck, ubernahm die Stelle des Leiters der Aspiranturabteilung der Universitat und lehrte die finnische Sprache. Zusammen mit seiner Kollegin Paula Palmeos erstellte er auch Unterrichtsmittel fur dieses Fach, so die Textauswahl "Valimik soome keele tekste" (Tartu 1960).

Das Jahr 1961 brachte ihn erneut nach Tallinn, als ihm eine Arbeit in der Abteilung fur Worterbucher (spatere Lexikologieabteilung) des Instituts fur Sprache und Literatur der Akademie der Wissenschaften der Estnischen SSR, das heute Institut fur estnische Sprache heisst, angeboten wurde und dieser Wirkungsstatte hielt er dann 45 Jahre die Treue. Wie bei der Zeitschrift "Keel ja Kirjandus" so stand R. Karelson auch im Institut als aktiver Schopfer an der Wiege grosser Vorhaben, denn hier nahm man ein umfangreiches Bedeutungsworterbuch der estnischen Literatursprache in Angriff. Er brachte dafur sowohl gute Voraussetzungen als auch das notwendige Interesse mit, denn schon wahrend des Studiums hatte er sich mit Problemen des Wortschatzes auseinandergesetzt, wovon seine Diplomarbeit uber Baumbezeichnungen in ostseefinnischen Sprachen "Puude nimetused laanemeresoome keeltes" (1954) zeugt, der er 1956 einen weiteren Artikel "Soomeugrilised puude nimetused laanemeresoome keeltes" (TRUT 41) folgen liess.

Im Hinblick auf dieses Worterbuch "Eesti kirjakeele seletussonaraamat" war R. Karelson an der Herausarbeitung der Grundprinzipien seiner Erstellung und Redigierung massgeblich beteiligt. Er war in der Anfangsphase Mitautor zweier Publikationen, wobei es sich bei der ersteren um einen Prospekt zum beabsichtigten Worterbuch "Eesti kirjakeele seletava sonaraamatu prospekt" (Tallinn 1961), bei der zweiten um konkrete Vorstellungen zur Darlegung des Wortschatzes und der einzelnen Artikel "Eesti kirjakeele sonaraamat. Makett" (Tallinn 1969) handelte. Zu diesem Bedeutungsworterbuch, dass seit 1988 in Tallinn herausgegeben wird, sind bisher insgesamt 25 Heft (d.h. sechs Bande und das erste Heft des siebten und letzten Bandes) erschienen, wobei R. Karelson als Autor sehr vieler Wortartikel sowie als Chefredakteur und Redakteur einiger Bande und Hefte mitgewirkt hatte. Seine Arbeit zeichnet sich durch drei Hauptmerkmale aus: Grundlichkeit, Genauigkeit und Sorgfalt. Ohne zu ubertreiben kann man sagen, dass dieses Worterbuch "Eesti kirjakeele seletussonaraamat" sein Lebenswerk war. Und gleichzeitig wissen wir: ein solches Werk kann nur in kollektiver Zusammenarbeit vollbracht werden und R. Karelson hatte einen besonders grossen Anteil daran.

Neben der Erstellung des Worterbuches liess ihn aber auch die wissenschaftliche Forschungsarbeit nicht los, so untersuchte R. Karelson neben den bereits vorn erwahnten Konjunktionen Pra- und Postpositionen sowie Adverbien und veroffentlichte seine Ergebnisse in Aufsatzen wie "Markmeid kaassona piirimailt" (ESA 18, 1972), "Eralduskaandeliste kaassonade uhest tahendusjoonest" (Toid eesti filoloogia alalt, Tartu 1978), "Probleme der Beziehungen zwischen Pra- bzw. Postposition und Adverb im Estnischen" (Ostseefinnische Untersuchungen, Helsinki 1985), "Markmeid eesti prolatiivsete kaassonade kohta" (ESA 30 1986).

In einem Grossteil seiner Abhandlungen befasst er sich selbstverstandlich in direkter oder indirekter Weise mit dem Bedeutungsworterbuch der estnischen Literatursprache, so erlauterte er die Grundsatze und den Ablauf seiner Erstellung, lasst uns an Problemen, die sich wahrend der Arbeit ergaben, und an interessanten den Wortschatz betreffenden Tatbestanden teilhaben. Einen seiner ersten diesbezuglichen Aufsatze uberschrieb er mit "Sonade seletustest sonaraamatus "Nykysuomen sanakirja"" (ESA VIII 1962), was uns zeigt, dass er sich auch unter Gleichartigem beim nordlichen Nachbarn umsah und darin eine Stutze fur die von ihm aufgestellten Grundsatze der Redigierung des Werkes finden konnte. Als weitere Beispiele seien hier genannt: "Uber die Zusammenstellung eines Bedeutungsworterbuches der estnischen Literatursprache" (C[PHI]Y VI 1970), "Pilguga kirjakeele kartoteegis" (KK 1970, 1971, aus sieben Artikeln bestehende Fortsetzungsreihe) "Koostamisel on eesti kirjakeele seletussonaraamat" (Kodumurre 10-11, Tallinn 1972), "Illustratiivne ainestik kirjakeele seletussonaraamatus" (ESA 19-20 1975), "Eesti keele seletussonaraamat ja grammatikaprobleemid" (ESA 22 1977), "Verbi kujutama semantikast" (Kirjakeel 1983, Tallinn 1983), "Eesti kirjakeele seletussonaraamat tegija pilgu labi" (KK 1990), "Eesti kirjakeele seletussonaraamatu korvalt" (KK 1993, 1996, 1997, insgesamt drei Artikel). Einige Abhandlungen aus seiner Feder befassen sich mit Rechtschreibefragen des Estnischen und der Aufsatz "Noored kirjakeeled Noukogude Liidus" (KK 1972) zeugt von seinem Interesse fur andere Schriftsprachen und die Sprachpolitik in der Sowjetunion.

R. Karelson konnte man auf vielen wissenschaftlichen Kongressen, Konferenzen, Symposien und anderen Veranstaltungen erleben und er verfasste dazu Uberblicksartikel. Sehr oft ergriff er auf den Versammlungen und Sprachtagen der Gesellschaft fur Muttersprache, der er auch einige Jahre als Vorstandsmitglied angehorte, das Wort.

Seine Name steht auch unter vielen Jubilaums- und Erinnerungsbeitragen sowie Rezensionen. Neben der Vorstellung von finnischer wissenschaftlicher Literatur hat er auch die dortige sprachwissenschaftliche Tatigkeit im weiteren Sinne beleuchtet und den Artikel "Ka Soomes on paevakorral lauseopetus" (KK 1960) verfasst.

1993 wurde R. Karelson fur sein unermudliches Wirken und die damit verbundenen Verdienste mit dem nach F. J. Wiedemann benannten Sprachpreis ausgezeichnet. Rudolf Karelson war ein unermudlich fleissiger und arbeitsamer Mensch, der sich mit Leib und Seele der Sprachwissenschaft verschrieben hatte. So ist es nun doch sehr schade festhalten zu mussen, dass er den kronenden Abschluss seines Lebenswerkes, das Erscheinen der letzten Hefte von "Eesti kirjakeele seletussonaraamat" nicht mehr erleben durfte. Uns bleibt der Trost, dass seine Arbeit weiterleben wird.

VAINO KLAUS (Tallinn)
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Author:Klaus, Vaino
Publication:Linguistica Uralica
Date:Dec 1, 2006
Words:1150
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