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Huno Ratsep.

Huno Ratsep, Sonaloo raamat, Tartu, Ilmamaa, 2002. 366 S.

Insgesamt 26 Aufsatze aus der Feder von Huno Ratsep, eines grossen Meisters der estnischen Sprachwissenschaft an der Universitat Tartu, sind unter dem Titel "Buch der Wortgeschichte" vereint, wobei drei Texte ihre Erstveroffentlichung erlebten. Die ubrigen sind fruher schon einmal publiziert worden und haben je nach dem ihre fachmannische Beurteilung und Begutachtung erfahren. Da die Fruchte der wortgeschichtlichen Forschungn von Huno Ratsep zeitlich und raumlich in den verschiedensten Ausgaben verstreut sind, hatten es heutige Interessenten ziemlich schwer, sich uber deren Inhalt in Kenntnis zu setzen. So war es ein lobenswertes Unternehmen, diese Untersuchungen in einer Ausgabe gemeinsam zu publizieren.

Huno Ratsep begann seine wissenschaftliche Tatigkeit einst als Finnougrist und Schuler von Paul Ariste. Nach und nach konzentrierte sich sein Augenmerk ausschliesslich auf die estnische Sprache, wobei ihm sein finnougristisches Grundwissen in vielem eine Stutze war. In den Jahrzehnten seines Schaffens an der Universitat in Tartu hat er unterschiedliche Aspekte des Estnischen erfolgreich untersucht, neue Forschungs- und Lehrrichtungen an der Universitat eingefuhrt, die dann von seinen Schulern weiterentwickelt wurden und uber Tartu hinaus ihre Verbreitung fanden. Die estnische Lexik macht nur einen Teil in seiner wissenschaftlichen Arbeit aus. Gewohnlich sind es aber gerade die Worter einer Sprache, die die Aufmerksamkeit des Menschen erregen und somit wurden diese uber Jahrhunderte in der Sprachwissenschaft grundlich untersucht. Aber trotzdem lasst sich bei Wortern immer wieder Neues entdecken. So ist es auch aus diesem Grunde sehr vorteilhaft, dass nun H. Ratseps wortgeschichtlichen Untersuchungen, die durchaus bei einem breiteren Leserkreis auf Interesse stossen konnten, in dem vorliegenden Buch vereint erscheinen.

Da auch Paul Ariste an der Erforschung der estnischen Lexik aktiv beteiligt war, hat H. Ratsep seinem Lehrer den letzten Aufsatz in diesem Sammelband gewidmet und schreibt uber ihn als Forscher in Sachen Herkunft der estnischen Worter ("Paul Ariste eesti sonade paritolu uurijana").

Das Buch beginnt aber mit dem dafur geeigneten Aufsatz uber die Entstehung der estnischen Sprache ("Eesti keele tekkimise lugu"). H. Ratsep hat in seinem wissenschaftlichen Schaffen immer die traditionellen finnougristischen Standpunkte vertreten, denen ich bei weitem nicht immer zustimmen konnte, und das gilt auch fur die Entstehungsgeschichte des Estnischen. Meine diesbezuglichen Ansichten habe ich an anderer Stelle wiederholt dargelegt und halte es fur unangebracht, diese bei der Besprechung des Buches erneut auszubreiten oder mit H. Ratsep ein Streitgesprach zu beginnen. Im Sinne der traditionellen Finnougristik ist H. Ratseps einleitender Artikel sehr ubersichtlich und klar abgefasst. Gleiches gilt auch fur den folgenden Aufsatz, der sich den Entwicklungstendenzen der estnischen Sprache ("Eesti keele arengutendents") widmet.

In den folgenden funf Untersuchungen geht es um den estnischen Wortschatz im Allgemeinen um den Wortbestand, historische Hauptprobleme, seine Herkunft, das Zustandekommen einfacher Stamme und um die Derivationsbelastung der Wortstamme. Dieser Komplex wird abgeschlossen mit dem erstmals veroffentlichten Aufsatz, in dem sich die estnische Sprache an die Vergangenheit erinnert ("Eesti keel maletab minevikku") und worin wesentliche Worter aus der Sicht der Weltanschauung der Esten in fesselnder Weise erlautert werden. Hier gewinnt man den Eindruck, als ob es sich um einen vom Fachmann kommentierten Spaziergang von der Wurzel bishin zum Wort selbst handelt.

Das sich anschliessende Artikelquintett behandelt jeweils Einzelworter bzw. Wortgruppen verschiedener Herkunft und Typs. So werden Erlauterungen zur Herkunft des Wortes matma 'begraben' gegeben, neben dem russischen Lehnwort jaam 'Station, Bahnhof' wird noch ein weiteres, und zwar das auf die gleiche Herkunft verweisende jompsik 'Knirps' vorgestellt. Betrachtet wird eine ganze Auflistung estnischer Vornamen, die aus dem Niederdeutschen stammen. Ausserdem ist etwas uber die historischen und die Bedeutung betreffenden Hintergrunde der das i-Suffix enthaltenden Verben zu erfahren sowie das Wesen der estnischen Ausdrucksverben analysiert. Im Mittelpunkt der folgenden drei Untersuchungen stehen Quellen zur Bereicherung des estnischen Wortschatzes, gegenwartig anstehende Probleme sowie gemeinsame Richtlinien fur die Erforschung der estnischen und finnischen Sprache. Erstmalig erscheint der Aufsatz uber Gemeinsamkeiten und Ahnliches in der estnischen und finnischen Lexik ("Uhist ja sarnast eesti ja soome keele sonavaras"). Zweimal hat sich Huno Ratsep den finnischen Lehnwortern in der estnischen Schriftsprache gewidmet und beleuchtet dabei auch die Rolle von Johannes Aavik bei deren Lehnnehmung. Den Inhalt einer eigenstandigen Abhandlung bilden hierfur drei erstmals publizierte Briefe, die der Autor personlich von Johannes Aavik erhalten hat. Im letzten Schreiben geht es um J. Aaviks Wortableitungen.

In einem weiteren Aufsatz behandelt er typische Zuge des literarischen Wortschatzes von Friedebert Tuglas, bei zwei Untersuchungen steht das Schaffen von Johannes Voldemar Veski im Mittelpunkt und nochmals zwei beinhalten worthistorische Marginalien, wobei einer sich wiederum auf Wortschopfungen J. V. Veskis konzentriert.

Den Abschluss des Buches bilden Erscheinungsangaben mit Hinweisen und Anmerkungen.

In Gestalt dieser Ausgabe sind die Fruchte der wortgeschichtlichen Forschungen von Huno Ratsep allen mehr oder weniger daran Interessierten leicht zuganglich gemacht worden und zwischen die beiden Buchdeckel ist ein Informationspaket gebunden, das sicher vermehrt bei neuen Lesern das Interesse an der estnischen Muttersprache wecken wird. Ganz selbstverstandlich wird es den Status eines Fachlehrbuches fur Philologiestudenten erlangen. Zuruckhaltend vermerkt der Autor im Vorwort, dass es ihm Freude bereiten wurde, wenn dieses Buch den Studenten ein hilfreiches Lehrmittel werden wurde, sollte dieses Ziel jedoch zu hoch gesteckt sein, moge es wenigstens den angehenden Sprachforschern und denjenigen, die sich fur die Erhaltung und Bewahrung der estnischen Sprache einsetzen, freundschaftlich die Hand reichen. Gedankt sei Huno Ratsep sowohl fur dieses Lehrmittel als auch fur die freundschaftliche Handreichung. Unser Dank gilt ohne Zweifel auch Katrin Kern, Peeter Olesk und Jaak Peebo fur ihre Arbeit, die sie bei der Zusammenstellung und Redigierung des Buches geleistet haben.

AGO KUNNAP (Tartu)
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Author:Kunnap, Ago
Publication:Linguistica Uralica
Date:Dec 1, 2004
Words:901
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