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Die transformative Universitat in der Gesellschaft: Ein Uberblick uber verschiedene Konzepte/The Transformative University in Society. A Review of Different Concepts.

Universitat: wertfrei oder transformativ?

Universitaten haben groBe Potenziale zur Forderung einer nachhaltigen Entwicklung (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013, WBGU 2011, Rappaport und Creighton 2007, Sassen et al. 2014). Dabei lassen sich zwei Blickwinkel unterscheiden: die eigene nachhaltige Organisationsentwicklung und die Befahigung der Organisation, Beitrage fur eine nachhaltige Entwicklung zu leisten (Schaltegger und Burritt 2005). Der vorliegende Artikel betrachtet Letzteres, also die Rolle der Universitat bei der Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft.

Ob und wie Universitaten eine nachhaltige Gesellschaft fordern konnen, wird kontrovers diskutiert (Fischer et al. 2015, S. 385), weil verschiedene Modelle des Verhaltnisses von Universitat und Gesellschaft konkurrieren. Verdichtet zeigt sich dies an der Auseinandersetzung uber eine transformative Wissenschaft zwischen Schneidewind und Singer-Brodowski (2013) und Strohschneider (2014) sowie weiteren prominenten Vertreter(inne)n aus Wissenschaft und Wissenschaftspolitik (etwa Grunwald 2015). Schneidewind und Singer-Brodowski fordern eine starkere Ausrichtung des Wissenschafts- und Hochschulsystems an den (Nachhaltig-keits-) Herausforderungen unserer Zeit. Strohschneider sieht in diesem Vorschlag eine unauflosbare "Spannung zur prinzipiellen Offenheit wissenschaftlicher Erkenntnis" (S. 189).

Fur die Anliegen beider Antipoden gibt es aus unserer Sicht gute Grunde. Im Kern an der Freiheit von Forschung und Lehre orientiert zu sein, sichert der Universitat eine wesentliche, wenn nicht die Lebensader von Schopfungskraft und Unabhangigkeit und damit auch die Glaubwurdigkeit von Forschungsresultaten. Gelingt es der Universitat, diese Erfahrung von Unabhangigkeit in akademisch bewahrten Prozeduren und mit Hilfe kritischer Reflexion zu vermitteln, kann dies Studierenden helfen, frei und engagiert als Staatsburger(innen) in der Gesellschaft zu handeln. Andererseits verhalt sich die Universitat als Resultat dieser Verfasstheit eher passiv gegenuber Nachhaltigkeitsherausforderungen. Schneidewinds und Singer-Brodowskis Sorge ist berechtigt, ob es sich unsere Gesellschaft noch langer leisten kann, die universitare Kompetenz, komplexe Zusammenhange vorausschauend zu denken und zu lehren, bei der Gestaltung der Zukunft quasi nur als "Zaungast" zu tolerieren. Unseres Erachtens sollte sich jede Universitat fragen, wie sich die Anspruche der beschriebenen Antipoden intelligent vereinbaren lieBen und wo sie sich bei verbleibenden unvermeidbaren Zielkonflikten ansiedelte. Um diesen Diskurs zu fuhren, brauchen Universitaten Modellvorstellungen zu Wechselwirkungen mit der Gesellschaft. Synergien und Antagonismen verschiedener Zielvorstellungen konnen dann strukturiert diskutiert werden. Der vorliegende Artikel geht einen ersten Schritt in diese Richtung, indem er bestehende Konzepte vergleichend betrachtet. Fur jedes Konzept formulieren wir Gestaltungsspielraume fur eine transformative Universitat, also eine Universitat, die ihre Leistungen auf die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft abstimmt. Gleichzeitig leiten wir Zielkonflikte zur klassischen Idee der Universitat ab und formulieren Reflexionsfragen zu jedem Konzept.

Universitare Leistungen und sich daraus ergebende Wirkungen basieren auf einem komplexen Beziehungsgeflecht zwischen Universitat und Gesellschaft. Wahrend einige Konzepte das Universitat-Gesellschaft-Verhaltnis betrachten, umfassen andere das gesamte Wissenschaft-Gesellschaft-Verhaltnis. Wissenschaft bezeichnet ein institutionalisiertes Feld, das die Produktion von Wissen durch Forschung, die Vermittlung von Wissen durch Lehre, die Prufung von Wissen durch Kritik und die Bewahrung von Wissen durch Dokumentation umfasst. Fur sie gelten Normen wie Universalismus (Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse unabhangig von Person und Status der Wissenschaftler), Kommunalismus (allgemeine Verfugbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse), Uneigennutzigkeit (Motivation: altruistisches Interesse am Wohlergehen der Gesellschaft) und organisierter Skeptizismus (Zweifel als konstitutives Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens) (Merton 1942). Der Begriff Wissenschaft umfasst damit Institutionen wie die Universitat, das Forschen als Tatigkeit und das in Institutionen und durch Forschen entstandene Wissen. Unser Beitrag fokussiert zwar auf Universitaten, gleichwohl werden auch Konzepte zum Wissenschaft-Gesellschaft-Verhaltnis betrachtet, weil sich aus diesen unmittelbare Konsequenzen fur das Verhaltnis von Universitat und Gesellschaft ableiten lassen. Die untersuchten Konzepte verwenden unterschiedliche Gesellschaftsbegriffe. Unter "Gesellschaft" im engeren Sinne kann bis hierher also nicht mehr verstanden werden als all das, was auBerhalb der universitaren Welt liegt. Eine weitere Engfuhrung der Begrifflichkeit erfolgt aus den jeweiligen Konzepten heraus.

Die Ergebnisse bieten vor dem Hintergrund multipler gesellschaftlicher Anforderungen gegenuber Universitaten Navigationspunkte zur Leistungs- und Rollenbestimmung. Zudem bieten sie einen Reflexionsrahmen, um bereits initiierte Entwicklungsprozesse kritisch zu hinterfragen.

Konzepte fur das Verhaltnis zwischen Universitat beziehungsweise Wissenschaft und Gesellschaft

In der Literatur haben wir sieben Konzepte gefunden, die sich in vier Theoriefamilien systematisieren lassen (Tabelle 1). Drei der Konzepte beschreiben primar das Verhaltnis Universitat-Gesellschaft, eines das Verhaltnis Wissenschaft-Gesellschaft; die drei ubrigen (Modus 1, 2, 3, reflexive Moderne, Social-Contract-Theorie) beleuchten beide Beziehungen. Die beiden Konzepte der Social-Institution-Theorie werden gemeinsam behandelt.

Nachstehend werden die einzelnen Konzepte vorgestellt und hinsichtlich ihres Gestaltungsspielraums fur eine transformative Universitat betrachtet. Transformation (einer Universitat) bedeutet Wandel, einen Prozess, in dem haufig Kontroversen uber mogliche Zielzustande entstehen, die oft unbewusst bleiben. Wir mochten dazu beitragen, Diskussionen daruber vorzubereiten und gegebenenfalls sogar zu strukturieren, indem wir implizite Zielkonflikte identifizieren und so verhandelbar machen.

Systemtheoretische Konzepte

Die systemtheoretischen Konzepte sind inspiriert von der Theorie sozialer Systeme (Luhmann 1984). Diese betont die Differenzierung zwischen Systemen und ihrer Umwelt. Soziale Systeme bestehen aus der Kommunikation zwischen Akteuren, nicht aus diesen selbst. Die einzelnen Akteure sind auBerhalb der Systeme und damit nicht Teil der Gesellschaft, sondern von deren Umwelt. Wissenschaft ist ein gesellschaftliches Teilsystem neben anderen wie Politik oder Wirtschaft. Hier liegt ein fundamentaler Unterschied zu den ubrigen Konzepten, die einen abstrakten Gesellschaftsbegriff nutzen, akteurszentriert oder mit Institutionen argumentieren: Dass die Gesellschaft in der Theorie sozialer Systeme nicht aus Akteuren besteht, ist eine besondere Herausforderung bei der Auslotung universitarer Beitrage zu einer nachhaltigen Gesellschaft, denn in der universitaren Praxis werden Akteure und deren Intentionen haufig fur wichtig erachtet. Dem entgegen steht allerdings die Einsicht "(...) aus der Biologie und der Allgemeinen Systemtheorie, dass Erkenntnisscharfe und Handeln im Rahmen komplexer dynamischer Systeme nur durch eine Gesamtsystembetrachtung zu erreichen ist und durch Unscharfe in der Betrachtung von Details" (Kreibich 2005, S. 15). Um die Spannung zwischen systemischen und akteurszentrierten Ansatzen aufzulosen, musste ein Mittelweg gefunden werden, der es zulieBe, zentrale Uberlegungen der Systemtheorie aufzugreifen, ohne diese Perspektive in Ganze zu ubernehmen. So lieBe sich das Zusammenspiel dynamischer Systeme abbilden und gleichzeitig auf Akteursebene weiterdenken.

Das Triple-Helix-Modell

Das Triple-Helix-Modell von Etzkowitz und Leydesdorff (2000) lehnt sich an das Theoriegerust der sozialen Systeme an. Es betont die Bedeutung der Universitat fur Innovationsprozesse in der Wissensgesellschaft. Universitaten tragen durch einzigartige Ressourcen (Forschende, Studierende) wesentlich zu Innovationen bei. In den Fokus ruckt die Universitat als "Produzentin" von nutzlichem Wissen, als "Entrepreneurial University" mit einer dritten Mission. Im Gegensatz zur ersten und zweiten Mission steht dabei die Produktion und Nutzung von Wissen auBerhalb der akademischen Welt im Fokus sowie die Interaktion mit der Wirtschaft (Molas-Gallart et al. 2002).Wahrend Unternehmen das Wissen in Form neuer Produkte und Dienstleistungen kommerzialisieren, ist der Staat bestrebt, das Wohl der Gesellschaft zu steigern, etwa uber funktionierende Markte, weswegen er Rahmenbedingungen schafft (Fuchs 2016, S. 59). Gepragt ist das Modell von der Vorstellung einer starken Verzahnung von Universitat, Wirtschaft und Regierungsinstitutionen (der Triple Helix) fur eine erfolgreiche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Wesentlicher Aspekt in der erfolgreichen Verschrankung der Systeme ist Wissens- und Technologietransfer, der durch neuartige Interaktionsmuster eine Wissensinfrastruktur in Form sich uberschneidender institutioneller Spharen schafft und hybride Organisationsformen an den Schnittstellen hervorbringt (Etzkowitz und Leydesdorff 2000, S. 111). In einer weiterentwickelten Form wird die klassische Vorstellung der Triple Helix fur Innovation um eine Triple Helix fur Nachhaltigkeit erganzt, welche die Sphare Industrie durch die Sphare Offentlichkeit ersetzt (Etzkowitz und Zhou 2006). Zusammen ergibt sich daraus eine "Zwillings-Helix", die als eine Art Yin und Yang beschrieben wird. Sie soll die Balance zwischen okonomischem Fortschritt und nachhaltiger Entwicklung sicherstellen. Die Yin-Triple-Helix veranschaulicht dabei die Arrangements zwischen Universitat, Industrie und Regierung, um Innovation und Wachstum zu schaffen. Die Yang-Triple-Helix, bestehend aus Universitat, Offentlichkeit und Regierung, stellt die Dynamik der Kontroversen uber technologische Innovationen dar, damit diese sich nicht zu einer Gefahr fur Umwelt und Gesundheit entwickeln (Etzkowitz und Zhou 2006, S. 79f.).

Eine transformative Universitat im erweiterten Triple-Helix-Modell ubernimmt eine zentrale Rolle in Netzwerken mit Regierung, Wirtschaft und/oder Zivilgesellschaft. Dieser Gedanke lasst sich sehr gut mit den Ausfuhrungen der "vierten Mission", der Co-Creation for Sustainability (Trencher et al. 2014), verknupfen, einer Fortentwicklung der dritten Mission, die den okonomischen Fokus erganzt. Dabei ist die Universitat bestrebt, mit der normativen Zielvorgabe Nachhaltigkeit in einer bestimmten Region oder einem Subsystem Transformationsprozesse zu initiieren. Eine erfolgreiche Verschrankung der Systeme wird nicht nur uber Wissens- und Technologietransfer erreicht, sondern uber weitere Formen von "Research and Social Engagement Paradigms", etwa Transdisziplinaritat, Reallabore oder Service Learning (Trencher et al. 2014, S. 4). In solchen Transformationsprojekten treten Universitaten in verschiedenen Rollen auf, zum Beispiel als wissenschaftliche Beraterin, Erfinderin und Innovatorin, Revitalisiererin, Entwicklerin oder Facilitator (vergleiche fur weitere Ausfuhrungen der Rollen Trencher et al. 2013 oder Rinaldi und Cavicchi 2016). In Anlehnung an die Ausfuhrungen von Trencher et al. (2014) lassen sich aus dem Modell der Triple Helix die in Tabelle 2 dargestellten Reflexionsfragen formulieren und Zielkonflikte identifizieren.

Reflexive Moderne

Ebenfalls stark beeinflusst durch systemtheoretische Annahmen ist die Gesellschaftstheorie der reflexiven Moderne (Beck et al. 1994). Sie erklart die Entstehung von Herausforderungen fur moderne Gesellschaften und dient bei Schneidewind und Singer-Brodowski (2013, S.86ff.) als Bezugsrahmen, um Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam zu denken und den Programmvorschlag einer transformativen Wissenschaft zu entwickeln. Ausgangspunkt sind die ungeahnten Nebenfolgen des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses: Die funktionale Ausdifferenzierung der sozialen Systeme fuhrt zu spezialisierten Teilsystemen wie Markt, Politik, Medien oder Wissenschaft. Die Folgen sind Gewinne an Effizienz und Effektivitat im jeweiligen System. Jedoch bringt die hohe Spezialisierung auch Kommunikationsprobleme in und zwischen den Teilsystemen mit sich und es werden systemfremde Nebenfolgen produziert, die auBerhalb der systemeigenen Wahrnehmung liegen und so weder erkannt noch bearbeitet werden konnen. Universitaten konnen eine besondere Rolle in der Minderung der Nebenfolgen einnehmen. Die Universitat ist dem Teilsystem Wissenschaft zugeordnet, uber strukturelle Prozesse aber auch an andere Teilsysteme wie Politik oder Wirtschaft gekoppelt, weswegen sie eine Bruckenbauerfunktion zwischen den Systemen wahrnehmen soll. Der Programmvorschlag erstreckt sich auf das Hochschul- (Schneidewind 2009) und das Wissenschaftssystem (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013). Der theoretische Rahmen einer transformativen Wissenschaft verknupft die gesellschaftstheoretischen Annahmen der reflexiven Moderne mit weiteren Konzepten wie der Modus-3-Wissenschaft und der Social-Contract-Theorie (siehe unten), um das Verhaltnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fassen und Vorschlage fur eine transformative Forschung und Lehre zu gestalten.

Vor dem Hintergrund der reflexiven Moderne sei das klassische humboldtsche Universitatsbild zu uberwinden und durch das Leitbild Humboldt 2.0 zu ersetzen. Eine Humboldt-2.0-Universitat (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013) richtet sich an den gesellschaftlichen und okologischen Nebenfolgen des Fortschritts aus. Sie tut dies durch Stabilisierungsstrategien, etwa die Produktion von reflexivem Wissen und die Ubernahme einer Ausgleichs- und Konfliktregelungsfunktion, durch Schaffung technischer und sozialer Innovationen sowie durch Partizipation und Selbstorganisation. Humboldt 2.0 steht fur Hochschulen, die 1. die reflexive Moderne und deren Herausforderungen annehmen und sich 2. als Bruckenbauerinnen und 3. als strukturpolitische Akteurinnen verstehen (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013, S. 102). Durch die Ausubung von transformativer Forschung und Lehre verlasst die Universitat ihre Rolle als stille Beobachterin und wird zur aktiven Gestalterin ihres gesellschaftlichen Umfelds. Praktische Implikationen der reflexiven Moderne konnen in den Reflexionsfragen der Tabelle 3 abgebildet werden und zu den aufgefuhrten Zielkonflikten fuhren.

Konzept der Forschungsmodi

Das Konzept der Forschungsmodi beschreibt unterschiedliche Formen der Wissensproduktion und ihre Implikationen fur Wissenschaft und Universitaten. MaBgeblich wurde es durch Gibbons et al. (1994) und Nowotny et al. (2001) gepragt. Sie postulieren eine Transformation zu einer Modus-2-Gesellschaft, die sich aus den Kontexten der Wissensgesellschaft und der Risikogesellschaft erklart (Nowotny et al. 2001, S. 10). Dieser Transformation folgt ein radikaler Wandel in der Wissensproduktion von einer Modus-1- zu einer Modus-2-Wissenschaft, die sich uber disziplinare Grenzen hinwegsetzt und die traditionelle Trennung von Wissenschaft und Gesellschaft infrage stellt (Thoren und Breian 2016, S. 71). Die Gesellschaft spricht nun zuruck zur Wissenschaft, nicht nur die Wissenschaft zur Gesellschaft (Nowotny et al. 2003, S. 190). Wissenschaft bindet die Gesellschaft nun im Rahmen einer transdisziplinaren Wissenserzeugung ein (Gibbons et al. 1994, S. 4ff., Gibbons 2000, S. 163). Vor diesem Hintergrund wird das Bild einer Modus-2-Universitat entworfen, die anpassungsfahig und bestandig zugleich sein muss (Nowotny et al. 2001, S.93). Sie muss anpassungsfahig sein, um ihre vermeintlich unvereinbaren, tatsachlich aber einander unterstutzenden Aktivitaten unter einen Hut zu bringen und fur neue Konfigurationen von Wissen offen zu bleiben. Sie muss bestandig sein, um ein ausreichend stabiles Umfeld fur die Erzeugung und Erhaltung kulturell-wissenschaftlicher Normen zu bieten. Ausgehend von den Uberlegungen einer Modus-2-Wissenschaft postulieren Schneidewind und Singer-Brodowski (2013, S. 123) eine Modus-3-Wissenschaft, die fur die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels auch auf institutioneller Ebene steht ("Third-Order Change"). Dabei geht es auch um die informellen Institutionen wie implizite Routinen, (Reputations-)Regeln oder Selbstverstandnisse und Paradigmen (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013, S. 122).

Die transformative Universitat im Sinne einer Modus-2-Wissenschaft legt den Fokus auf angewandte Problemlosung fur nachhaltige Entwicklung: Wissen wird im Kontext der Anwendung produziert und vermittelt. Demgegenuber richtet Modus 1 den Blick auf die disziplinare Logik und die umfassende Erklarung der Welt (Carayannis und Campbell 2011). Charakteristika der transformativen Modus-2-Universitat sind eine engere Bindung an Regierung und Markt mit einer direkteren Reaktion auf die Bedurfnisse der Gesellschaft. Forschung erfolgt transdisziplinar, womit neue Kriterien wie die gesellschaftliche Relevanz entstehen. Modus-2-Universitaten integrieren sich zunehmend in relevante Netzwerke und sind Schlusselakteure bei der Entwicklung neuer lokaler und regionaler Governance-Systeme fur nachhaltige Entwicklung (Harloe und Perry 2004, S. 217). Eine Modus-3-Universitat richtet ihre Wissensproduktion zudem an stark kontextualisiertem System-, Ziel- und Transformationswissen aus (Schneidewind und Singer-Brodowski 2013, S. 122). Das Konzept der Forschungsmodi fuhrt zu den in Tabelle 4 aufgefuhrten Reflexionsfragen und Zielkonflikten.

Theorien der Verpflichtung

Stakeholder-Theorie

Die Stakeholder-Theorie kommt ursprunglich und hauptsachlich im unternehmerischen Kontext zur Anwendung, jedoch zunehmend auch im universitaren Bereich (vergleiche exemplarisch Krainer und Winiwarter 2016, Chapleo und Simms 2010, Habicht 2009, Jongbloed et al. 2008, Sassen und Azizi 2017). Sie betrachtet Beziehungen zwischen einer Organisation und der Gesellschaft, bestehend aus deren Interessensgruppen (Freeman 1984). Als Stakeholder wird "any group or individual who can affect or is affected by achievement of the firm's objectives" bezeichnet (S. 16). Universitaten stehen sowohl mit internen (zum Beispiel Studierende) als auch externen (zum Beispiel Drittmittelgeber) Anspruchsgruppen in Beziehung. Grundlage dieser Beziehungen sind die Ziele der Stakeholder (Habicht 2009, S. 14). Freeman (1984) argumentiert, dass die Interessen der Anspruchsgruppen in strategischen Entscheidungen Berucksichtigung finden sollten. Andernfalls konne der Entzug der sogenannten license to operate drohen, die die Universitat von der Gesellschaft erhalt, um im Gegenzug Beitrage zur Erfullung eines gesellschaftlichen Ziels zu leisten. Es ist daher fur den Fortbestand einer Universitat nicht ausreichend, dass sie okonomische Mittel akquiriert, sondern es gilt daruber hinaus, die eigene Legitimation gegenuber wichtigen Anspruchsgruppen zu bewahren (Jongbloed et al. 2008, S. 308).

Der Gestaltungsspielraum einer transformativen Universitat im Stakeholder-Ansatz wird durch die Anspruche der Stakeholder definiert. Diese Perspektive akzentuiert die Universitat als rechenschaftspflichtige Organisation. Damit einher geht eine verstarkte regionale Integration der Universitat sowie eine direkte Reaktion auf die Bedurfnisse der Gesellschaft. Universitare Leistungen werden entsprechend angepasst, dies zeigt sich nicht zuletzt durch Diskussionen um eine dritte und vierte Mission der Universitat. Eng mit der Stakeholder-Theorie verbunden ist das Konzept der "Social Responsibility" (Jongbloed et al. 2008). Tabelle 5 (S. 264) zeigt die Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur die Stakeholder-Theorie.

Social-Contract-Theorie

Die Social-Contract-Theorie kann als Systematisierungsfolie fur Ordnungen zwischen zwei oder mehreren Parteien verstanden werden. Im Kern behandelt sie gegenseitige Rechte und Pflichten sowie die Legitimation der betrachteten Einheiten. In der Form des science-society contract ist das Konzept vielfach zur Analyse des sich wandelnden Verhaltnisses von Wissenschaft und Gesellschaft genutzt worden (Guston 1994, Vavakova 1998, Gibbons 1999, Hessels et al. 2009, Krishna 2014, Martin 2012, WBGU 2011). Der Gesellschaftsvertrag (social contract) zwischen Wissenschaft und Gesellschaft besteht aus mehreren einzelnen Elementen, die existierende breitere Gesellschaftsvertrage abbilden, etwa zwischen Regierung und Gesellschaft, zwischen Industrie und Gesellschaft oder zwischen Hochschulbildung und Gesellschaft (Gibbons 1999, S. 81). Dabei gibt er explizite und implizite Vereinbarungen zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteuren wieder (Hessels et al. 2009, S. 390). Lange wurde beim science-society contract ein linearer Innovationsprozess von neuen wissenschaftlichen Entdeckungen zu neuen kommerzialisierbaren Produkten angenommen (Vavakova 1998, S. 210). Fur die universitare Forschung hieB das: "that universities will provide research and teaching in return for public funding and a relatively high degree of institutional autonomy; under this contract, the universities, often supported through research-funding agencies, have been expected to generate fundamental knowledge for society, and to train the highly qualified manpower required by an advanced industrial society" (Gibbons 1999, S. 402).

Aktuellere Analysen sprechen aufgrund intensiverer Verbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, strategischer Wissenschaftspolitik und erhohter Zweckgebundenheit von Forschungsmitteln von einem neuen Kontrakt, der die Bedeutung der Universitat als Wissensproduzentin und -vermittlerin fur die Wissensgesellschaft abbildet (Gibbons 1999, Hessels et al. 2009, Krishna 2014).

Fur die transformative Universitat ist jedoch ein weiterer Kontrakt notig, der die Rolle von Wissenschaft und Universitat fur eine nachhaltige Gesellschaft definiert (WBGU 2011). Wissenschaft, Forschung und Lehre erhalten dabei eine prominente Rolle, die sich auf Universitatsebene in transformativer Forschung und Bildung widerspiegelt (WBGU 2011, S. 342 ff.). Aus der Social-Contract-Theorie lassen sich einige Reflexionsfragen fur transformative Universitaten ableiten (Tabelle 6).

Social-Institution-Theorie

Als eine eigene Theoriefamilie ist das Konzept der social institutions klassifiziert. Turner (1997, S. 6) definiert eine gesellschaftliche Institution als "a complex of positions, roles, norms and values lodged in particular types of social structures and organizing relatively stable patterns of human activity with respect to fundamental problems of life-sustaining viable societal structures within a given environment". Social institutions sind als Gefuge eng miteinander verflochtener Verhaltens- und Beziehungsmuster zu verstehen, das eine gesamte Gesellschaft pragt (Verwiebe 2014, S. 6101). Gesellschaft besteht aus Individuen und kollektiven Entitaten, Institutionen regeln deren Verhalten. Merton (1942) legte den Grundstein dazu, auch die Wissenschaft als gesellschaftliche Institution zu verstehen, indem er ihre kulturellen Strukturen aufzeigte und verdeutlichte: Wissenschaft ist wie jede andere Produktivkraft der Gesellschaft vollstandig in diese integriert und wird von den Strukturen aller anderen Institutionen beeinflusst (Lewontin 1991, S. 3). Im Rahmen dieser Theorie lassen sich auch Universitaten als social institution betrachten (Prisching 1993).

Das Konzept wurde kaum auf Fragestellungen einer nachhaltigen Gesellschaft und die Rolle einer transformativen Universitat in ihr ubertragen. Das uberrascht, bietet es doch vielversprechende Anhaltspunkte. Die Betrachtung erfolgt dabei nach Prisching (1993) aus 1. der funktionalen Perspektive, die nach der Art des Wissens fragt, das benotigt wird, um Bedurfnisse einer Gesellschaft zu erfullen und soziale "Systeme" zu stabilisieren, 2. der politischen Perspektive, die nach auBeren Kraften fragt, die die akademische Arbeit beeinflussen und zu Konflikten zwischen Universitat und Gesellschaft fuhren konnen, 3. der strukturellen Perspektive, die nach der inneren Organisation hinsichtlich Infrastruktur, Personal und Ressourcen fragt, und 4. der soziokulturellen Perspektive, die nach den vorherrschenden Prinzipien der Universitat fragt. Tabelle 7 zeigt die auf dieser Grundlage entwickelten Fragen.

Zwischenfazit

Die theoretischen Konzepte beleuchten unterschiedliche Schwerpunkte des Beziehungsgeflechts zwischen Universitat und Gesellschaft und konnen zu verschiedenen Sichtweisen uber die gesellschaftliche Rolle der Universitat fur eine nachhaltige Entwicklung fuhren. Doch worin unterscheiden sie sich in ihrer grundlegenden Architektur? Die vergleichende Betrachtung zeigte, welche Facetten das Verhaltnis zwischen Universitat und Gesellschaft ausmachen und wie dieses ausgestaltet sein kann. Der Blick auf die einzelnen "Bausteine" der Konzepte bietet umgekehrt eine Orientierung, die Universitaten eine strukturierte Diskussion uber ihr Verhaltnis zur Gesellschaft ermoglicht und damit den Entwicklungspfad zu einer transformativen Universitat ebnet.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Konzepte

Um Unterschiede und Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, wurden die Konzepte nach sechs Kategorien klassifiziert:

Abstraktionsgrad der GesellschaB

Von welchen Einheiten geht der verwendete Gesellschaftsbegriff aus? Wird abstrakt von der Gesellschaft gesprochen oder weiter differenziert?

Die Konzepte konnen anhand ihres Abstraktionsgrads in drei Kategorien unterschieden werden: 1. Konzepte, die abstrakt von der Gesellschaft sprechen, 2. Konzepte, die sich auf Subsysteme der Gesellschaft (Politik, Industrie, Wissenschaft etc.) beziehen, 3. Konzepte, die sich auf gesellschaftliche Gruppen, Akteure und Institutionen beziehen.

Raumliche Ebene

Auf welche raumliche Ebene bezieht sich das Konzept?

Grundsatzlich kann zwischen der regionalen, nationalen und internationalen Ebene unterschieden werden. Einige der Konzepte bleiben an dieser Stelle unbestimmt.

Gesellschaftstheoretischer Kontext

Welche theoretischen Annahmen bestehen uber die Gesellschaft?

Der gesellschaftstheoretische Kontext legt grundlegende Merkmale der Gesellschaft fest. Wir konnten vor allem die Wissensund die Nebenfolgengesellschaft unterscheiden. Einige Konzepte bleiben unbestimmt.

Implizites Wissenschaftsmodell

Welchen Zweck verfolgt die Wissenschaft in der Gesellschaft und welche Normen und Werte untermauern dieses Verstandnis?

Einige der Konzepte verweisen explizit auf ein Wissenschaftsmodell, andere implizit oder gar nicht. Wesentliche Unterscheidungsmerkmale sind der grundlegende Zweck der Wissenschaft zwischen selbstzweckhafter Wahrheitssuche und nutzenorientierter Wissensproduktion und die Frage des Wissensprimats: Wird er allein der institutionalisierten Wissenschaft zugesprochen oder werden partizipative Konzepte zugelassen? Auch unterschiedliche Auffassungen im Hinblick auf die Normen und Werte, die die Wissenschaft regeln, sind festzustellen. So verweisen einige Autoren auf Mertons (1942) Wissenschaftsnormen (Universalismus, Kommunalismus, Uneigennutzigkeit, organisierter Skeptizismus). Etzkowitz und Leydesdorff (1998, S. 204) bemerken dazu jedoch: "The capitalization of knowledge has replaced disinterestedness as a norm of science" und gehen somit fur das Triple-Helix-Modell von einem adaptierten Modell aus.

Grenzziehung zwischen den Einheiten

Wo verlaufen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft?

Grundsatzlich kann zwischen einer scharfen Grenzziehung und uberlappenden institutionellen Spharen unterschieden werden.

Interaktionsmuster

Wie interagieren die betrachteten Teilsysteme, Einheiten und/oder Akteure miteinander?

Die Annahmen zu Grenzverlaufen definieren haufig die Art und Weise der Interaktion. Bei klarer Grenzziehung wird Wissen ausschlieBlich im Wissenschaftssystem produziert, wohingegen bei Uberlagerung der Bereiche oder Auflosung von Grenzen nichtakademisches Wissen einbezogen oder zum integralen Bestandteil der Wissensproduktion gemacht wird. Auch fur die universitare Lehre ergeben sich Konsequenzen in Abhangigkeit von der Frage, wie weit auBeruniversitare Akteure und deren Problemstellungen einbezogen werden. Die Art der Interaktionen kann sich in linearen, rekursiv-wechselseitigen und koproduktiven Mustern bewegen. Wahrend lineare Interaktionen Grenzen eher betonen, werden diese bei rekursiven Konzepten aufgeweicht und bei koproduktiven aufgelost (Stauffacher et al. 2008, S. 396).

Die sechs Kategorien konnen nicht nur als Differenzierungsmerkmale verstanden werden, sondern auch als Navigationspunkte, die systematische Uberlegungen fur das Zusammenspiel von Universitat und Gesellschaft ermoglichen. Zudem helfen sie, meist verborgene Grundannahmen sichtbar zu machen--Voraussetzung, um die Konzepte auch praktisch anzuwenden. Tabelle 8 (S. 266) vergleicht die Konzepte anhand der vorgestellten Kategorien.

Praktische Konsequenzen fur Universitaten

Aus der vergleichenden Betrachtung in Tabelle 8 lassen sich erste Konsequenzen fur die Positionierung von Universitaten im Transformationsprozess ableiten.

Als Universitat eine Vorstellung davon zu haben, wer die Gesellschaft ist (Abstraktionsgrad der Gesellschaft), umfasst Entscheidungen daruber, fur wen bestimmte Leistungen uberhaupt gedacht sind. Wird in Subsystemen gedacht, ist weiter zu klaren, zu welchen sich die Universitat strukturell gekoppelt sieht. Werden hingegen Stakeholder und Akteure betrachtet, sollte ein Bewusstsein daruber vorhanden sein, welche fur die Universitat relevant sind. Solche Klarungen beeinflussen, fur wen Leistungen erbracht, wie diese erfasst und gemessen werden und wer diese beurteilt. Werden etwa Forschungsergebnisse nur durch die Wissenschaft selbst produziert und evaluiert oder sind auch andere Bereiche legitimiert, zur Wissensproduktion beizutragen und Bewertungen vorzunehmen?

Daran schlieBen sich Uberlegungen an, auf welcher raumlichen Ebene die Universitat wirken soll. Vor allem Diskussionen im Rahmen der Triple Helix oder der Stakeholder-Theorie betonen ihre regionale Rolle. Universitare Beitrage zur Transformation der Gesellschaft sollten aber von der lokalen bis zur globalen Ebene angesiedelt werden (Krainer und Winiwarter 2016, S. 111). Die Frage nach der raumlichen Ebene beeinflusst zudem das Design von Forschungsprozessen, etwa die vertretenen Akteure.

Je nach den in einer Universitat gepflegten gesellschaftstheoretischen Annahmen (gesellschaftstheoretischer Kontext) ergeben sich weitere Konsequenzen fur ihre Rolle und Leistungen. Aus der Perspektive der Wissensgesellschaft stellt sich die Universitat als Wissensmotor dar, ihre Leistungen sind die Produktion und Vermittlung von Wissen mit einem Akzent auf forschungs-basierten Innovationspotentialen und nutzenorientiertem Lernen. Schneidewind und Singer-Brodowski (2013) richten den Blick im Kontext der Nebenfolgengesellschaft hingegen auf Stabilisierungsstrategien fur unerwartete Folgen des Fortschritts und betonen die Rolle der Universitat als Bruckenbauerin. Andere Kontexte bringen weitere Leistungs- und Rollenbilder hervor.

Das Wissenschaftsverstandnis (implizites Wissenschaftsmodell) an einer Universitat hat grundlegende Auswirkungen auf Forschungs- und Lehraktivitaten. Die Frage, ob gesellschaftlich relevante Problemstellungen zum Ausgangspunkt der Gestaltung von Forschung und Lehre gemacht und ob diese Probleme durch Erkenntnisstreben oder Problemlosungsambitionen behandelt werden, beeinflusst die Auswahl von Forschungsthemen. Welche Normen das wissenschaftliche Treiben regeln, kann die Themenwahl und grundlegende Absichten ebenfalls stark beeinflussen. Die Annahme von Etzkowitz und Leydesdorff (1998, S. 204), Uneigennutzigkeit (Merton 1942, S. 124) sei durch die Kommerzialisierung von Wissen abgelost worden, verdeutlicht dies. Wissenschaftsmodelle konnen sich zudem epistemologisch und ontologisch voneinander unterscheiden. Damit gehen grundsatzliche Fragen zur Unterscheidbarkeit von Fakten und Werten einher, was vor allem in der Gestaltung von Politikberatung relevant ist (Kowarsch 2016, S. 81 ff.). Zuletzt legt die Frage nach dem Wissensprimat fest, wie Wertigkeit und Qualitat verschiedener Wissensformen sowie deren Integration zu behandeln sind.

Unterschiedliche Annahmen zu Grenzverlaufen und Interaktionsmustern zwischen Universitat und Gesellschaft wirken sich ebenfalls auf die Problemdefinition, Wissensproduktion und Verwertung von Forschungsresultaten aus. Werden nichtwissenschaftliche Perspektiven in den Forschungsprozess eingebunden oder erfolgen Forschungsdesign und Wissensproduktion ausschlieBlich in der Wissenschaft? Damit hangen auch mogliche Lehrinhalte zusammen, die stark variieren konnen in Abhangigkeit von den einbezogenen disziplinaren und nichtakademischen Perspektiven. AuBerdem entscheidet die Art der Interaktion letztlich uber den Grad des Austauschs und die Intensitat der Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft und Universitat, zum Beispiel wie die Universitat den Wissenstransfer in die Gesellschaft organisiert und wie anschlussfahig das Wissen sein soll.

Die verschiedenen herausgearbeiteten Annahmen sollten Universitaten berucksichtigen, sofern sie ihr Verhaltnis zur Gesellschaft (neu) bestimmen wollen, etwa im Sinne einer transformativen Universitat. Die Uberlegungen lassen sich auf den folgenden drei Ebenen verdichten: 1. Gesellschaftsbegriff, 2. Wissenschaftsmodell, und 3. Interaktionsmuster der beiden Bereiche. Die Ausfuhrungen hier konnen dabei in praktisch orientierten Fragen zusammengefasst werden:

* Gesellschaft: Welche wesentlichen Annahmen hat die Universitat uber den gesellschaftlichen Kontext und was macht eine nachhaltige Gesellschaft fur sie aus? Wer ist die Gesellschaft, werden Akteure oder Systeme betrachtet? Auf welcher Ebene sollen Leistungen erbracht, erfasst und gemessen werden?

* Wissenschaft: Was versteht die Universitat unter Wissenschaft und wie positioniert sie sich und ihre Leistungen vor diesem Hintergrund im Spannungsfeld zwischen freier wissenschaftlicher Erkenntnis und gesellschaftlicher Relevanz? Gibt es Normen, die Forschung und Lehre leiten, und wie binden diese das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ein? In welchem Modus produziert die Universitat nachhaltigkeitsrelevantes Wissen?

* Interaktion: Welche Interaktion besteht zwischen der Universitat und der Gesellschaft? Bindet die Universitat auBeruniversitare Akteure in die Problemdefinition, Wissensproduktion und -vermittlung ein?

Schlussbetrachtung

Die vorgefundenen theoretischen Konzepte zum Verhaltnis von Universitat und Gesellschaft implizieren unterschiedliche Perspektiven fur eine transformative Universitat, von denen keine ab initio als eine nicht sinnvolle ausgeschlossen oder auf eine andere reduziert werden kann. Es ist zudem denkbar, dass die analysierten Konzepte die Dynamik zwischen Universitat und Gesellschaft nicht erschopfend behandeln. Insofern ist die Beachtung der vorgestellten Konzepte das absolute Minimum an Reflexion fur eine Universitat, die sich als treibender Diskursort fur eine nachhaltige Gesellschaft bestimmen mochte. Die untersuchten Perspektiven liefern Anregungen und konnen als Hintergrund fur einen strukturierten Dialog innerhalb und auBerhalb einer Universitat mit ihren internen und externen Stakeholdern dienen. Die Praktiker(innen) universitaren Lebens, die in diesen Diskurs eintreten, konnen so ihre Ansichten vor einem reicheren Kanon an Argumenten entwickeln. Zudem konnen sie sich dabei verborgene Wertvorstellungen bewusst machen.

Unser Anliegen ist es, jenes absolute Minimum an zu reflektierenden Perspektiven vor Augen zu fuhren, so dass Gestaltungspotenziale, Synergien und Zielkonflikte fur eine transformative Universitat fruhzeitig sichtbar werden.

Colin Bien wurde im Rahmen des Projekts Messung und Bewertung der Nachhaltigkeit der Universitat Hamburg vom Kompetenzzentrum Nachhaltige Universitat der Universitat Hamburg gefordert.

Literatur

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WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveranderungen). 2011. World in transition. A social contract for sustainability. Berlin: WBGU.

Eingegangen am 19. April 2017; uberarbeitete Fassung angenommen am 7. August 2017.

Colin Bien

Geboren 1985 in Hamburg. Studium der Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Wirtschaftswissenschaften an der Leuphana Universitat Luneburg, der Carl-von-Ossietzky Universitat Oldenburg und der University of Dar es Salaam, Tansania. Zunachst Koordinator fur Nachhaltig-keitsfragen an der Universitat Oldenburg, dann wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Messung und Bewertung der Nachhaltigkeit an der Universitat Hamburg. Forschungsinteresse: Rolle von Hochschulen fur die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft.

Remmer Sassen

Geboren 1977 in Wilhelmshaven, Niedersachsen. Studium der Betriebswirtschaftslehre, Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Carl-von-Ossietzky Universitat Oldenburg. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur fur Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Kapitalmarkte & Unternehmensfuhrung der Universitat Hamburg und Leiter des Arbeitspakets Nachhaltigkeitsberichterstattung im Verbundprojekt HOCHN. Forschungsinteresse: Fragen zur (inter-)nationalen Nachhaltigkeitsberichterstattung von Hochschulen.

Hermann Held

Geboren 1967 in Eutin, Schleswig-Holstein. Promotion in Physik an der Universitat Munchen. 1999 bis 2010 Postdoc, dann Ko-Abteilungsleiter am Potsdam-Institut fur Klimafolgenforschung (PIK). Seit 2010 Leiter der Forschungsstelle Nachhaltige Umweltentwicklungder Universitat Hamburg. Seit 2011 im wissenschaftlichen Leitungsgremium des Hamburger Klimaexzellenzclusters CliSAP. Leitautor fur den jungsten Sachstandsbericht des IPCC. Forschungsinteresse: integrative Bewertung von Klimapolitikoptionen unter Unsicherheit.

Kontakt: Colin Bien, M.A. | Universitat Hamburg | Research Unit Sustainability and Global Change | Rentzelstr. 7 | 20146 Hamburg | Deutschland | Tel.: +49 40428382955 | E-Mail: colin.bien@uni-hamburg.de

Prof. Dr. Hermann Held | Universitat Hamburg | Research Unit Sustainability and Global Change | Hamburg | Deutschland | E-Mail: hermann.held@uni-hamburg.de

PD Dr. Remmer Sassen | Universitat Hamburg | Fakultat fur Wirschafts- und Sozialwissenschaften | Professur fur Kapitalmarkte & Unternehmensfuhrung | Hamburg | Deutschland | E-Mail: remmer.sassen@uni-hamburg.de

doi.org/10.14512/gaia.26.3.10
TABELLE 1: Einordnung der Konzepte fur das Verhaltnis zwischen
Universitat beziehungsweise Wissenschaft und Gesellschaft, in
Anlehnung an die analysierte Literatur (siehe in den folgenden
Abschnitten).

UNTERSUCHUNGSEBENE               SYSTEMTHEORETISCHE      KONZEPT DER
                                 KONZEPTE                FORSCHUNGSMODI

Universitat                      Triple-Helix-Modell
Universitat und Wissenschaft     reflexive Moderne       Modus 1, 2 + 3
Wissenschaft

UNTERSUCHUNGSEBENE             THEORIEN DER
                               VERPFLICHTUNG

Universitat                    Stakeholder-Theorie
Universitat und Wissenschaft   Social-Contract-Theorie
Wissenschaft

UNTERSUCHUNGSEBENE             SOCIAL-INSTITUTION-THEORIE

Universitat                    Universitat als social institution
Universitat und Wissenschaft
Wissenschaft                   Wissenschaft als social institution

TABELLE 2 Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur das
Triple-Helix-Modell.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE                     ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT                   KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* Wo und wie konnen Kollaborationen          * Zweckfreiheit und
  zwischen Universitat, Industrie,             Objektivitat vs.
                                               normatives Leitbild
                                               Nachhaltigkeit
  Staat und Zivilgesellschaft                * Lehre und Forschung vs.
                                               neue
  verwirklicht werden, um gesellschaftliche    Mission Co-Creation for
                                               Sustainability
  Transformationsprozesse fur eine           * traditionelle
                                               Beobachterrolle vs.
  nachhaltige Entwicklung in einer             neue Gestalterrolle der
                                               Universitat
  Region oder einem Subsystem zu fordern?    * humanistisches
                                               Bildungskonzept
* Welche Ressourcen (Disziplinen,              vs. Erlernen nutzlicher
                                               Fahigkeiten
  Methoden, Akteure) kann die
  Universitat in solche
  Kooperationen einbringen?
* Welche Kanale (Wissensmanagement,
  Technologietransfer, technische
  Experimente, Beratung, Publikationen,
  Konferenzen, Verbesserung der
  gebauten oder naturlichen Umwelt
  etc.) konnen von der Universitat
  genutzt werden?

TABELLE 3: Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur das Konzept der
reflexiven Moderne.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE                        ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT                      KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* Erkennt die Universitat die                   * Zweckfreiheit vs.
                                                  Normativitat
  Herausforderungen der reflexiven                des Leitbilds
                                                  Nachhaltigkeit
  Moderne an und sieht sie diese                * traditionelle
                                                  Beobachterrolle vs.
  als Chance der Weiterentwicklung?               neue Gestalterrolle
                                                  der Universitat
* Wie kann die Universitat die Rolle            * disziplinare vs.
                                                  transformative
  als Bruckenbauerin zwischen den                 Logik, zum Beispiel
  gesellschaftlichen Systemen wahrnehmen?       * schwach
                                                  kontextualisierte
* Wie kann die Universitat ihre                   Wissensproduktion vs.
                                                  stark
  institutionellen Stabilisierungsstrategien      kontextualisiertes
                                                  System-, Ziel- und
  (Reflexivitat, Ausgleich und                    Transformationswissen
  Konfliktregelung, Innovation,                 * zweckfreie
                                                  Wissenschaft vs.
                                                  Ausrichtung
  Partizipation/ Selbstorganisation)              von Forschung und
                                                  Lehre an
  nutzen, um aktiv in ihr gesellschaftliches      lebensweltlichen
                                                  Problemen
  Umfeld ein- und Nebenfolgen                   * Qualitat
                                                  wissenschaftlichen
  entgegenzuwirken?                               Wissens vs.
                                                  Erfahrungs- und
                                                  Laienwissen
                                                * Abgrenzung im
                                                  Wissenschaftssystem
                                                  vs. Gesellschaft als
                                                  Bestandteil der
                                                  Wissensproduktion und
                                                  institutionellen
                                                  Wissensorganisation
                                                * schwach
                                                  kontextualisierte
                                                  Lehre vs. Lehre im
                                                  Anwendungskontext
                                                * hierarchische vs.
                                                  kooperative
                                                  Organisationsstruktur

TABELLE 4: Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur das Konzept der
Forschungsmodi.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE            ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT          KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* In welchem Modus kann und soll    * disziplinare vs. transdisziplinare
  nachhaltigkeitsrelevantes Wissen    Logik, zum Beispiel
  produziert werden?                * schwache vs. starke
* Wird nichtakademisches Wissen       Kontextualisierung der
                                      Wissensproduktion
  in den Prozess integriert?        * zweckfreie Wissenschaft vs.
* Erfolgen Forschungsdesign und       Ausrichtung von Forschung und
  Wissensproduktion gemeinsam?        Lehre an lebensweltlichen
                                      Problemen
  (Ko-Design/Ko-Produktion)         * Qualitat wissenschaftlichen
* In Anlehnung an welchen Modus       Wissens vs. Erfahrungs- und
                                      Laienwissen
  wird das Wissen vermittelt?       * Abgrenzung im Wissenschaftssystem
                                      vs. Gesellschaft als Bestandteil
                                      der Wissensproduktion
                                    * schwach kontextualisierte Lehre
                                      vs. Lehre im Anwendungskontext
                                    * hierarchische vs.
                                      antihierarchische
                                      Organisationsstruktur

TABELLE 5: Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur die
Stakeholder-Theorie.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE                      ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT                    KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* Welche Stakeholder sind fur eine            * Hochschulautonomie und
  transformative Universitat relevant?          Forschungsfreiheit vs.
* Wie stellt die Universitat                    Berucksichtigung der
  einen Dialog zu diesen her?                   Stakeholder-Erwartungen
                                                in der
                                                Organisationsfuhrung
* Wie werden Anspruche erfasst,
  bewertet und in die Organisationsfuhrung
  eingebunden?
* Wie wird uber die
  Organisationsfuhrung berichtet?

TABELLE 6: Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur die
Social-Contract-Theorie.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE                        ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT                      KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* Wie formuliert die Universitat                * abhangig vom
                                                  ausformulierten
                                                  Kontrakt
  ihren social contract hinsichtlich ihrer
  Rechte, Pflichten und Legitimation
  gegenuber der Gesellschaft?
* Welches Abstraktionsniveau
  erfasst der Kontrakt (Gesellschaft,
  Subsysteme, Akteure)?
* Welche Austauschprozesse und
  Leistungen werden in dem Kontrakt fur
  die einzelnen Vertragsparteien definiert?
* Wie sind die Vorschlage des WBGU
  (2011) hinsichtlich einer transformativen
  Forschung und Bildung in diesen
  Vertrag zu integrieren?

TABELLE 7: Reflexionsfragen und Zielkonflikte fur die
Social-Institution-Theorie.

REFLEXIONSFRAGEN AN EINE              ZIELKONFLIKTE ZUR
TRANSFORMATIVE UNIVERSITAT            KLASSISCHEN UNIVERSITAT

* Welche Art von Wissen halt          * keine Zielkonflikte, da keine
  die Universitat zur                   zu konkretisierenden
  Forderung einer nachhaltigen          Gestaltungsspielraume fur
  Gesellschaft fur notig?               eine transformative Universitat
* Welche Krafte (etwa
  Regierung oder Wirtschaft)
  wirken auf die Universitat
  und wo konnen diese zu
  Konflikten mit ihren
  Mitgliedern fuhren?
* Welche betrieblichen,
  infrastrukturellen und
  personalbezogenen
  Strukturen braucht es fur
  eine transformative Universitat?
* Wie wirken konstitutive
  Prinzipien der Wissenschaft
  auf soziokulturelle
  Strukturen innerhalb und
  auBerhalb der Universitat,
  zum Beispiel hinsichtlich der
  Erreichung gesellschaftlicher
  Ziele?

TABELLE 8: Klassifizierung der identifizierten Konzepte nach den sechs
Unterscheidungskategorien.

                   TRIPLE-HELIX-MODELL      REFLEXIVE
                                            MODERNE

Abstraktionsgrad   Subsysteme               Subsysteme
der Gesellschaft
raumliche Ebene    variiert zwischen        nationale Ebene
                   regionaler und
                   nationaler Ebene
gesellschafts-     Wissens-gesellschaft     Nebenfolgengesellschaft
theoretischer
Kontext

implizites         nutzenorientierte und    nutzenorientierte und
Wissenschafts -    partizipative            partizipative
modell             Wissensproduktion,       Wissensproduktion
                   adaptierte mertonsche
                   Normen


Grenzziehung       Uberschneidung zwischen  Uberschneidung zwischen
zwischen den       Wissen-schaft,           Wissenschaft und
Einheiten          Wirtschaft und Staat     Gesellschaft koproduktiv

Interaktions-      koproduktiv
muster

                   KONZEPT DER
                   FORSCHUNGSMODI

Abstraktionsgrad   abstrakter Gesellschafts-begriff
der Gesellschaft   bleibt unbestimmt
raumliche Ebene


gesellschafts-     Modus 1 +2: Wissens-gesellschaft,
theoretischer      Risiko-gesellschaft; Modus 3:
Kontext            Nebenfolgengesellschaft

implizites         Modus 1: selbstzweck-hafte
Wissenschafts -    Wahrheitssuche und Wissensprimat
modell             institutionalisierter
                   Wissenschaft; Modus
                   2 + 3: nutzenorientierte
                   und partizipative
                   Wissensproduktion
Grenzziehung       Modus 1: klare Grenzen;
zwischen den       Modus 2 + 3: Uberschnei-dung
Einheiten          zwischen Wissen-schaft
                   und Gesellschaft
Interaktions-      Modus 1: linear; Modus
muster             2 + 3: koproduktiv

                   STAKEHOLDER-THEORIE      SOCIAL-CONTRACT-THEORIE


Abstraktionsgrad   Akteure und              Gesellschafts - bereiche
der Gesellschaft   Gruppen
raumliche Ebene    regionale Ebene          bleibt unbestimmt


gesellschafts-     variiert zwischen        Wissensgesellschaft
theoretischer      Stakeholdergesellschaft
Kontext            und Wissensgesellschaft
                   bleibt unbestimmt
implizites
Wissenschafts -                             mertonsche Normen
modell




Grenzziehung       bleibt unbestimmt        variiert nach
zwischen den                                Kontrakt
Einheiten

Interaktions-      reziprokwechselseitig    variieren nach
muster                                      Kontrakt

                   SOCIAL-INSTITUTIONTHEORIE


Abstraktionsgrad   Institutionen
der Gesellschaft
raumliche Ebene    bleibt unbestimmt


gesellschafts-     bleibt unbestimmt
theoretischer
Kontext

implizites
Wissenschafts -    mertonsche Normen
modell




Grenzziehung       bleibt unbestimmt
zwischen den
Einheiten

Interaktions-      reziprok-wechselseitig
muster
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Author:Bien, Colin; Sassen, Remmer; Held, Hermann
Publication:GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society
Date:Oct 1, 2017
Words:6526
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