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Die ostseefinnischen Deverbativa auf *-pa/-pa und *-ja/-ja in der funktion des adjektivischen Attributs/[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

Im vorliegenden Aufsatz wird das Auftreten zweier ostseefinnischer Deverbativa in der Funktion des adjektivischen Attributs, d. h. des mit dem Bezugswort ubereinstimmenden Attributs, miteinander verglichen. Bei dem einen handelt es sich um die vom Aktivstamm gebildete *pa-/pa-Ableitung, die traditionell als Partizip Prasens Aktiv aufgefasst wird; bei dem anderen um die vom gleichen Stamm gebildete *ja-/ja-Ableitung, die im Allgemeinen als Nomen agentis aufgefasst wird. Als adjektivisches Attribut besitzen beide eine sich ahnelnde Semantik, denn im temporal-aspektualen Sinne bezeichnen sie Prasens oder Imperfektivitat, die Beziehung zwischen Attribut und Bezugswort entspricht der Beziehung zwischen semantischem Pradikat und Subjekt.

Dieses Thema ist deshalb von Interesse, weil auf Grund bisheriger Darstellungen anzunehmen ware, dass es innerhalb der ostseefinnischen Sprachen betrachtliche Unterschiede in der attributivischen Verwendung der zur Rede stehenden Deverbativa gibt. In manchen Sprachen dominiert das eine Deverbativum, in anderen Sprachen das andere und in wieder anderen Sprachen werden beide gleichermaszen oft gebraucht.

Der Artikel verfolgt zwei Ziele: 1. Anhand des gesammelten Belegmaterials soll klar gestellt werden, welches Verhaltnis zwischen dem *pa-/pa- und dem *ja-/ja-Deverbativum in der Funktion des adjektivischen Attributs in den einzelnen ostseefinnischen Sprachen herrscht und 2. wird ein Erklarungsversuch zum historischen Zustandekommen des gegenwartigen Erscheinungsbildes geboten.

Vor der Abhandlung des Hauptthemas sollen einige Worte zur Terminologie gesagt sein. Aus der Sicht des vorliegenden Artikels stellt der Gebrauch der traditionellen Bezeichnungen beider Ableitungen ein Problem dar. Und zwar gibt es die *pa-/pa-Ableitung gegenwartig in einigen ostseefinnischen Sprachen (im Wepsischen und im Karelischen) nur selten in den Funktionen des Partizips, (1) so dass sie manche Forscher nicht einmal zum Verbparadigma gerechnet und vielmehr die Form mit dem *ja-/ja-Merkmal als Partizip Prasens angesehen haben (s. weiter unten). Im Sinne eines regelmaszigen Vorkommens ist die*pa-/pa-Ableitung nicht immer ein Partizip. Die Definition der *ja-/ja-Ableitung als Nomen agentis hebt aber nur eine Funktion dieses Derivats hervor und zwar die Funktion des Substantivs. (Die Ableitung hat tatsachlich in allen ostseefinnischen Sprachen diese Funktion.) Im vorliegenden Aufsatz wird aber die andere, die adjektivische Funktion dieser Ableitung, ihr Gebrauch als Attribut, das mit dem Bezugswort ubereinstimmt, behandelt. Demzufolge wurde die Verwendung einer Bezeichnung, die die Substantivitat der Ableitung betont, zu unnotiger Verwirrung fuhren. Aus diesen Erwagungen werden hier die allgemeinen Termini Ableitung oder Deverbativum gebraucht.

Das hier vorgelegte Belegmaterial entstammt im Wesentlichen den Worterbuchern (EMS, IMS, KKS, LW, SMS, VKS, [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]). Auszerdem wurden zwei im Institut fur estnische Sprache befindliche Archive, das der wotischen Sprache und das der estnischen Dialekte, einbezogen. Da sich das Quellenmaterial als sehr umfangreich erwies, konnten die Angaben nicht aller Sprachen eine gleichmaszig ausgewogene Tiefgrundigkeit erzielen, denn es musste eine Auswahl getroffen werden. Am meisten wurde das die wotische und livische Sprache betreffende Material eingesehen, da dort bekanntlich beide Deverbativa in attributivischer Funktion vorkommen. Im Wepsischen, Karelischen und Ishorischen hat man sich mit reichlich einhundert Verbstammen begnugt, wobei angestrebt wurde, ein und dieselben Verbstamme auszuwahlen. Zum Estnischen wurden etwa 25 Verbstamme untersucht. Fur die finnische Sprache wird hier auf systematisch gesammeltes Belegmaterial verzichtet, es sind lediglich einige Beispiele dargeboten.

Die aus gedruckten Quellen entnommenen Belege sind in der dort gegebenen Transkription gebracht. Das Archivmaterial des Wotischen und der estnischen Dialekte steht in der Transkription, wie sie in EMS und VKS Anwendung findet.

In den nun folgenden auf die einzelnen Sprachen bezogenen Abhandlungen stehen die Sprachen mit uberwiegend *ja-/ja-Deverbativum am Anfang, es folgen die Sprachen mit ausgewogenem Verhaltnis von *ja-/ja- und *pa-/pa-Deverbativum und am Ende kommen die Sprachen, in denen fast nur das*pa-/pa-Deverbativum zum Einsatz kommt. Damit gelangen die Sprachen zwar in eine von der Tradition abweichende Reihenfolge, die jedoch aus der Sicht des abzuhandelnden Themas zweckmaszig ist.

Wepsisch

In der wepsischen Sprache entspricht das *pa-/pa-Suffix dem Suffix -b, das *ja-/ja-Suffix dem Suffix -i, -j (-i), Lauri Kettunen bringt auch Beispiele, in denen im Nominativ -j uberhaupt nicht erscheint (s. VMLT 506-507), die Spur dieses Suffixes ist die Verlangerung des Stammvokals (nuta < *nuttaja).

Aus den Abhandlungen zum Wepsischen wird ersichtlich, dass die Funktion des adjektivischen Attributs in der Regel das *ja-/ja-Deverbativum ausfullt. L. Kettunen auszert, dass der Anwendungsbereich des Partizips mit dem Suffix *-pa/-pa im Wepsischen sehr zusammengeschrumpft ist und dieses somit durch das Nomen agentis ersetzt wird (VMLT 504). Arvo Laanest schreibt, dass der Gebrauch des Nomen agentis auf *-ja/-ja an der Stelle des Partizips eine ganz gewohnliche Erscheinung ist (Laanest 1975 : 162). Marija Zajceva stellt die -i, -i aufweisende Form als wepsisches Partizip Prasens vor (Zajceva 1981 : 273; 1993). Nina Zajceva nennt zwar die -b besitzende Form ein Partizip, fugt aber hinzu, dass dieses im Wepsischen sehr selten ist (Zajceva 2002 : 49).

Im wepsischen Worterbuch findet sich eine gewisse Anzahl von Belegen zur i-, i-Ableitung in der Funktion des adjektivischen Attributs: P haudii kana 'brutendes Huhn' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 109), P [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'klingendes Glockchen' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 113), J istjan kiven [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (Sprichwort) 'unter einem festliegenden ("sitzenden") Stein sammelt sich kein Wasser' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 152), Paz joksii vezi 'flieszendes ("laufendes") Wasser' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 87), Sim i kacuhtan mina nakhu [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (Volkslied) 'und schau ich den Wellen schlagenden See' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 308-309), P kuume l'upskad l'ehmad 'drei Milchkuhe' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 305), P siizui sa 'anhaltendes ("stehendes") Wetter' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 510). Einige Beispiele lassen sich auch bei L. Kettunen entdecken: puski harg 'rammelnder Stier', kanda (: kandjad) lehm 'kalbende Kuh' (VMLT 506), joudjan nuta koir 'unnotig bellender Hund', vaikne oli nei tsukane 'sich still verhaltendes Madchen' (VMLT 507), N veren imi sask 'Blut saugende Mucke' (VMLT 164) usw.

Es gibt lediglich ein paar Stamme, von denen das b-Derivat und nur das b-Derivat gebraucht wird: im Worterbuch findet sich el'ab 'lebend, lebendig' und (Sod, Kask) [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'heisz, feurig', so z. B. Sim mecnik toi el'aban [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] en 'der Jager brachte ein lebendes Barenjunges' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 77), Kask [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'mit heiszem Wasser ubergieszen' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 396). L. Kettunen bringt neben diesen noch die Ableitung mit -b vom Verb kehda, kehuda 'kochen': N kehp vezi 'kochendes Wasser' (VMLT 504), Sim kehbad vet 'kochendes Wasser' (VMLT 507), die aber anderswo als *ja-/ja Ableitung erscheint: Sarg ota kehgad vet 'nimm kochendes Wasser', Pr kehdad 'kochendes [Wasser]' (VMLT 507). Der Gebrauch der b-Ableitung kann in Einzelfallen auch mit anderen Stammen nicht ganz ausgeschlossen werden, wie folgendes Sprichwort zeigt: Kohub kosk ei jadu, likub kivi ei sammaldu 'ein schaumender Wasserfall vereist nicht, ein sich bewegender Stein setzt kein Moos an' (PS 92); N. Zajceva stellt die Form jauhob 'mahlend' vor ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 2002 : 49); L. Kettunen fuhrt unter den anzuzweifelnden Belegen noch die Wortverbindungen Pr [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] ojaine 'platscherndes Bachlein' ~ ? 'das Bachlein platschert' und maid miiktatab 'die Milch ist sauerlich' ~ ? 'schmeckt sauer, ist sauer' (VMLT 504) auf, bei denen es sich eher um Formen der 3. Person Plural Prasens handelt.

Von den *pa-/pa-Deverbativa sind aber die von einem Nomen abgeleiteten Adjektive zu unterscheiden, wie etwa P oza/u, -van, Sim ozou, Cg oza 'glucklich' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 384) (die offensichtliche Ableitungsgrundlage ist oza 'Gluck; Schicksal; Teil, Bestandteil'), bei denen sich bereits die Form des Suffixes von der Suffixform des Deverbativums unterscheidet; ebenso der Typ hoikatab 'etwas klein, fein' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 127), margatab 'etwas feucht' ([TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 345), die nicht als Ableitungen von Verben angesehen werden konnen, da (genau) entsprechende Verben gar nicht registriert sind, und die demzufolge eher mittels des Suffixes -(a)tab direkt von den Adjektiven abgeleitet worden sind. Den letztgenannten Typ trifft man auch in anderen ostseefinnischen Sprachen.

Karelisch

Im Karelischen lauten die Entsprechungen fur das *pa-/pa-Suffix wie folgt: im Nord- und Sudkarelischen -va/-va, im Olonetzischen -vu/-vy, -u, im Ludischen -v, -u; und fur das *ja-/ja-Suffix: im Nord- und Sudkarelischen -ja/-ja, im Olonetzischen -i, stellenweise auch -ju/-jy, im Ludischen -i. (Der ludische Dialekt wird gar nicht in die Betrachtung einbezogen.)

In Beschreibungen der karelischen Sprache wird gleichfalls festgehalten, dass in der Funktion des Partizips (somit als adjektivisches Attribut) das *ja-/ja-Deverbativum vorherrscht (Laanest 1975 : 162; [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 1993; Abhandlungen uber einzelne Mundarten s. Palmeos 1962 : 67, 69; [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 1977 : 157). Pekka Zaikov sieht in der Form mit dem *ja-/ja-Merkmal das Partizip Prasens (Zaikov 1987 : 120), in gleicher Weise verhalt sich Jaan Oispuu in seinen Abhandlung uber die karelischen Sprachinseln (Oispuu 1994 : 43).

Im karelischen Worterbuch finden sich zahlreiche Belege zu den von verschiedenen Verbstammen gebildeten ja-/ja, i-Ableitungen, die in der Funktion des Attributs erscheinen: Uhtua ei haukkuja koira pure 'ein bellender Hund beiszt nicht' (KKS 1 : 188), Vitele sinul ei ole vie ni imijan lapsen vastah mieldy 'du hast noch nicht einmal den Verstand eines zu stillenden Kindes' (KKS 1 : 448), Rukaj juoksija hebone 'laufendes Pferd' (KKS 1 : 529), Suoj kazvaja neid'ini 'wachsendes Madchen' (KKS 2 : 90), KiestinkiP kiiltaja nappi 'leuchtender Knopf' (KKS 2 : 179), Salmi lazijy Rist'ikanzu 'kranker Mensch' (< lasie 'krank sein') (KKS 3 : 231), Tver t'am(a) on lypsaja lehm?(aijan lypsau) 'das ist eine viel melkende Kuh' (KKS 3 : 204), Saamaj muuttui sea 'veranderliches Wetter' (KKS 3 : 395), Kontokki puskijalla oinahalla ei ole annettu sarvija (Sprichwort) 'der rammelnde Schafbock hat keine Horner bekommen' (KKS 4 : 533), Ilom ruadaja mies 'arbeitsamer Mann' (KKS 5 : 137), Vuokkin maijon syoja lapsi 'Milch trinkendes ("essendes") Kind' (KKS 5 : 618) usw. usf.

Bestimmte Stamme haben auch *pa-/pa-Ableitungen. In den meisten Fallen tritt in der Attributfunktion parallel zur *pa-/pa-Ableitung auch die vom gleichen Stamm gebildete *ja-/ja-Ableitung auf. So wie vom Verb ele?'leben': (*-pa/-pa) Suoj kuolluh, a on kui elava rist'ikanza 'gestorben, ist aber wie ein lebendiger Mensch', Tihvin ossettih el'avia kalua 'es wurde lebendiger Fisch gekauft', Valdai mie toin elavan sorzan 'ich brachte eine lebende Ente' (KKS 1 : 112), (*-ja/-ja) Saamaj elai lapsud 'ein lebensfahiges Kindlein', Uhtua Rukaj elaja talo 'stattliches, wohlhabendes Haus' (KKS 1 : 108); vom Verb kiehuo 'kochen': (*-pa/-pa) Poraj roveh painetah kiehuvah vedeh 'die Kornahre wird in heiszes Wasser getaucht', Pistoj ei kiehuvassa kosessa (kalastettu) 'in einem schaumenden ("kochenden") Wasserfall wurde nicht gefischt', (*-ja/-ja) Impil kiehujua vetty pandih keskeh 'heiszes Wasser wurde dazu gegossen', Pistoj kiehuja hete 'kochendes, schaumendes Wasserloch' (KKS 2 : 165); vom Verb noussa 'aufstehen, aufsteigen': (*-pa/-pa) Uhtua nousova moa 'sich hebender Erdboden', Vuokkin nousuvalla netal'illa 'in der kommenden ("aufsteigenden") Woche', (*-ja/-ja) Tunkua nouzijalla ned'al'il'l'a 'in der kommenden ("aufsteigenden") Woche', Suoj vastavirdah nouzija kala 'gegen den Strom schwimmender ("aufwartssteigender") Fisch', Suoj nouzija taigina 'aufgehender Teig' (KKS 3 : 531); vom Verb painoa in den Bedeutungen 'wiegen, bestimmtes Gewicht haben; schieben, drucken, pressen': (*-pa/-pa) Vuokkin puutam painava kivi 'ein Pud wiegender Stein', (*-ja/-ja) Nek-Riip funtam painai kala 'ein Pfund wiegender Fisch', Tulemaj painaj ilmu 'druckendes Wetter' (KKS 4 : 107); vom Verb paloa 'brennen; auch: jemandem zugetan sein, lieben, sich nach jemandem sehnen': (*-pa/-pa) (attributivische Belege gibt es nur in der lexikalisierten Bedeutung 'heisz, brennend, gluhend; warm') Kieretti akka otti palavoa tuhkoa 'die Frau nahm heisze Asche', Mantys palava vezi 'heiszes Wasser', Korpis palava leyly 'heiszer Saunadampf', Suoj palava koassa ~ pattsi ~ sea 'heiszer Brei ~ Ofen ~ Wetter', Saamaj palavu suvaitsuz 'heisze Liebe' (KKS 4 : 133), (*-ja/-ja) Nek-Riip palajan tuohuksem pani stolale 'eine brennende Wachskerze stellte (er, sie) auf den Tisch', Nek-Riip muamaheze palajad lapsed 'der Mutter zugetane Kinder' (KKS 4 : 132); vom Verb seisuo 'stehen': (*-pa/-pa) Suistamo seizovat ilmat 'bestandiges ("stehendes") Wetter (Pl.)' (KKS 5 : 318), (*-ja/-ja) Tver seizoja vezi 'stehendes Wasser', Suoj mokois seizojat saldatat 'in den Hutten [als Mieter] lebende ("stehende") Soldaten' (KKS 5 : 317). Die va-Ableitung des Verbs olla 'sein' kommt lediglich in verschiedenen lexikalisierten Bedeutungen vor: 1. ubrigbleibend, kommend, so z. B. Uhtua olovaks [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (aus einem Klagelied) 'fur das restliche ("ubriggebliebene") Lebensalter', 2. grosz, mehr, so z. B. Vuokkin kajon olovat kaihot (aus einem Klagelied) '(ich) klage grosze Schaden an', 3. (in Bezug auf Wind, Regen) stark, heftig, kraftig, so z. B. Saamaj olevu tuul'i ~ vihmu 'starker Wind ~ Regen', 4. reich, vermogend, so z. B. Saamaj olevu miez ~ taloi 'ein reicher Mann ~ Haus' (KKS 4 : 25); die ja-Ableitung des gleichen Verbs tritt aber unmittelbar in der Bedeutung der Partizipform des Verbs auf, so z. B. Poraj kiini ol'ijoa vel'l'ie lasse val'l'alla 'lasse den eingesperrten Bruder frei', Suoj ainoz ol'ijat karbazet 'gewohnliche ("stets vorhandene") Fliegen' (KKS 4 : 26). Den Belegen aus dem Worterbuch nach zu urteilen, ist beim ela, ole- und pala-Stamm die *pa-/pa-Ableitung in der Mehrzahl, beim nouse- und seiso-Stamm die *ja-/ja-Ableitung, beim kiehu- und paina-Stamm lasst sich einfach ein Wechsel von *-pa/-pa und *-ja/-ja feststellen. Als *pa-/pa-Adjektive sind noch kaypa 'passend', maneva 'gehend' (in ganz allgemeiner Bedeutung) und nakyva 'sichtbar, scheinend' verzeichnet, zu deren attributivischem Gebrauch das Worterbuch aber keine Beispiele preisgibt, hingegen aber Belege zum attributivischen Gebrauch der entsprechenden *ja-/ja-Ableitungen: Nek-Riip se om meile kayjy muzikku 'das ist ein bei uns verkehrender ("gehender") Mann' (KKS 2 : 576), Saamaj menii vuozi 'vergangenes Jahr' (KKS 3 : 418), Suoj nagyjal kohal 'an sichtbarer Stelle' (KKS 3 : 570); somit sind die Ableitungen auch bei diesen Verben wechselhaft.

Nur als *pa-/pa-Ableitung gibt es joutava 'untatig, frei fur etwas, ungebrauchlich; sinnlos; ungeschickt, ungeeignet, wertlos', kelpoava 'geeignet, passend', nakeva 'sehend; sichtbar', nayttava 'schon, gutes Aussehen', osava 'geschickt; mit treffendem Wort', paistava 'sprechend', so z. B. Vitele nygoi on ehkis d'oudavaa aigaa 'jetzt gibt es vielleicht Freizeit', Nek-Riip joudau pappi vazad rist'iy (Sprichwort) 'ein untatiger Priester tauft Kalber' (KKS 1 : 512), Paatene d'udava roado 'sinnlose Arbeit' (513); Korpis nayttavalla paikalla 'an einem schonen Ort' (KKS 3 : 584); Suoj paistava langa ~ sruuna 'Telefondraht ("sprechender Draht")', paistava patsas 'Telefonpost' ("sprechende Post") (KKS 4 : 114). Belege zur attributivischen Anwendung der anderen in diesem Abschnitt aufgefuhrten Ableitungen gab es nicht, obwohl diese im Worterbuch als Adjektive festgehalten sind.

Es gibt noch einige Beispiele fur *pa-/pa-Ableitungen, die von bisher ungenannten Stammen gebildet worden sind, ihrer Form nach mit den eben genannten Belegen zusammengehoren, aber in anderen Funktionen vorkommen, d. h. nicht attributivisch gebraucht werden: Vuokkin Syopa ei jiapie katso 'Der Esser schaut nicht auf das Ubriggebliebene' (KKS 1 : 494); Vuokkin em mie muissa kuulovani 'ich kann mich nicht erinnern, dass ich es gehort habe' (KKS 2 : 490), Vuokkin kylla mie niijen sita kuulim pakisovan sita Linnurratoa 'wohl habe ich sie uber diese Milchstrasze reden gehort' (KKS 4 : 112).

Das Karelische kennt auch den *pa-/pa-Ableitungen ahnelnde Denominativa, wo als Ableitungssuffix -ttava/-ttava auftritt, so z. B. harmoattava (< harmoa 'grau'), hoiskiettava (< hoiskie 'leicht, klein, schlank'), makiettava (< makie 'susz, lecker'), mussattava (< musta 'schwarz, schmutzig'), olevattava (< oleva 'seiend'), palavattava (< palava 'heisz'), sulattava (< sula 'geschmolzen; biegsam, weich; freundlich, zart, gut').2 Die Adjektive kellertava 'gelblich schimmernd, gelblich', sinertava und sinittava 'blaulich, blaulich schimmernd' konnen sowohl als Deverbativa (die Verben sinertea 'blaulich schimmern' und sinittea 'blau anstreichen' sind registriert, wobei beim Letztgenannten die Bedeutung der Ableitung nicht genau mit der Bedeutung des Verbs ubereinstimmt) als auch als Denominativa, die nach dem Vorbild von harmoattava usw. gebildet sind, interpretiert werden.

Livisch

Die Entsprechung fur das Suffix *-pa/-palautet im Livischen -B, manchmal auch -[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]; die Entsprechung fur das Suffix *-ja/-ja ist -ji, -i.

In livischen Grammatiken wird als Form des Partizip Prasens das B-Deverbativum gegeben (Kettunen 1947; [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 1966; [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 1993). L. Kettunen sagt zwar, dass an dessen Stelle oft auch das ji-Deverbativum erscheinen kann (Kettunen 1947 : 86).

So finden sich in L. Kettunens Worterbuch zahlreiche Beispiele gerade fur den Gebrauch des ji-Deverbativums in der Funktion des adjektivischen Attributs: akkiji te'B 'ansteckende Krankheit' (LW 6), eitliji tul 'veranderlicher Wind' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'hin und her werfen') (LW 44), juoji vaski 'ein gut trinkendes Kalb' (LW 95), juoksijist [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'rankende Blumen' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'laufen; stromen; lecken') (LW 96), kelbiji ro 'brauchbares Geld' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'taugen') (LW 118), kittaji pava 'heisser Tag' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'brennen') (LW 130), kiskiji tovaz 'reissender Sturm' (LW 136), kostanttiji aina 'Heilkraut' (LW 174), kuol'iji [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'ein sterbender Mensch' (LW 164), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] keji tul' 'Zugwind' (LW 178) (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'durch' + [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'gehen, schreiten, einhergehen, herumgehen'), mu'rrijid ro'uz 'strebsame Leute' (LW 236), ne at puinist pu'ggijist [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'das sind schlaue Kuhe, die sich (durch den Zaun) verkriechen' (LW 313), verbiksiji neitst 'Kreisel' ("spinnendes Madchen") (LW 480) usw.

Es gibt in dieser Sprache lediglich einige vom Aktivstamm abgeleitete und adjektivisch gebrauchte B-Deverbativa: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] laps 'Saugling' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'saugen') (LW 72), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'munteres Tier' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'leben') (LW 87), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] aiga 'heiszes Wetter' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'kochen') (LW 123), juva lipsab ni'em 'eine gute milchende Kuh' (LW 196), palap pava 'heisser Tag, heisse Sonne' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'brennen') (LW 272), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'das nachste Stromlingsnetz neben dem Boot' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'im Stromlingsnetze nach Fischen sehen') (LW 342), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'im kommenden Winter' (LW 438); weiterhin sind festgehalten: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'ruhrend' (LW 193) (mit L. Kettunens Anmerkung "wohl ubersetzt, wie est. liigutav, fi. liikuttava"), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (im Kompositum ajab-aina 'Brunelle (prunella vulgaris)') (LW 6) (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'jagen, treiben; sturzen; belaufen, sich begatten; betteln; aufdringlich sein'), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (im Kompositum pidap-pu 'Gerat, worauf man Krummholzer und Schlittensohlen biegt' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'halten, tragen') (LW 285) und [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (im Kompositum [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Blutezeit') (LW 48), zum Letztgenannten wurde aber kein diesem genau entsprechendes Verb registriert. Vom Aktivstamm wurden auch die Substantive [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Geschwur, Krebs' (LW 364) (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'schwaren') und (das ein zusammengesetztes Suffix beinhaltende) [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Stiche im Korper' (LW 6) abgeleitet.

Wegen der Besonderheiten in der phonetischen Entwicklung des Livischen konnte es bei bestimmten Verbtypen auf den ersten Blick etwas problematisch erscheinen, ob die Ableitung vom Aktiv- oder vom Passivstamm gebildet wurde. Solche sind: 1) a-, a-, u-stammige Verben und 2) keinen Stufenwechsel aufweisende [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.]-stammige Verben, in denen das Passivmerkmal an den auf -t auslautenden Konsonantstamm tritt und somit das Stamm-t und das zum Passivmerkmal gehorende t ineinander verschmelzen. Bei Ersteren weisen die starke Stufe und der reduzierte Vokal vor dem B-Suffix darauf hin, dass es sich um Passivformen handelt, so z. B. [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Sitzstelle' (LW 77), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Beerdigungslied' (LW 218), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Hebetau, ein Strick zum Heben' (LW 258), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Reitpferd' (LW 330), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'unverstandliche Sache' (LW 511), vgl. mit entsprechenden Formen der 3. Person Prasens (die gleichzeitig Formen des Aktivpartizips waren) [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] '(er, sie) sitzt', [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] '(er, sie) beerdigt', [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] '(er, sie) hebt', [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] '(er, sie) reitet', [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] '(er, sie) versteht'. Bei den unter 2) genannten Verben fallt die vom Aktiv- und Passivstamm gebildete Ableitung formell zusammen, aber je nach Anwendung kann entschieden werden, ob man es mit Passivpartizipien zu tun hat. Die Ableitungen treten als Attribut auf, mit dem die Nutzung eines Gegenstandes oder eine Zeit anhand der Handlung beschrieben werden, die im Livischen typische Funktionen des Passivpartizips sind. Hinter diesem Gebrauch des Passivpartizips verbirgt sich zweifelsfrei der Einfluss der lettischen Sprache (Rudzite 1976; zur gleichen Verwendung des tav-Partizips in der Mundart der estnischen Leivu-Sprachinsel und diesbezugliche lettischsprachige Beeinflussung s. Vaba 1997 : 47--50). So z. B. [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Feder zum Schreiben' (LW 117), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Keule zum Schlagen' (LW 284), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Schweinequiekzeit (= die Schlachtzeit)' (LW 492), vgl. [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'ein Geschirr zum Messen' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'messen; beurteilen') (LW 3), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Blutezeit' (<[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'bluhen') (LW 48). Nur in ganz wenigen Einzelfallen bleibt die Entscheidung offen, ob es sich um die Aktivoder Passivform handelt: [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (irgendeine Krankheit, bei L. Kettunen nicht ubersetzt, < [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'schrecken, scheuchen; bedrohen, warnen') (LW 75), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'Fallsucht, Epilepsie' (LW 352), [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] (ein alter Tanz, < [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'stehlen') (LW 353).

Somit kann festgehalten werden, dass auch im Livischen die vom Aktivstamm gebildeten und als adjektivisches Attribut angewandten *pa-/pa-Ableitungen auf einige wenige Verbstamme beschrankt bleiben. Mehr vom Aktivstamm gebildete *pa-/pa-Ableitungen enthalt auch nicht das von Eduard Vaari aufgestellte Verzeichnis livischer B-Ableitungen (Vaari 1974 : 32-35). In der Funktion des adjektivischen Attributs wird das *ja-/ja-Deverbativum bevorzugt. Es erhebt sich die Frage, sollte aus diesem Grunde nicht auch im Livischen das ji-Deverbativum als Partizip Prasens Aktiv dem Verbparadigma zugeordnet werden?

Estnisch

In der estnischen Sprache erscheint an der Stelle des *pa-/pa-Suffixes -v, in den Dialekten auch -va/-va, in Ableitungen des Verbs keema 'kochen' auch -b; die Entsprechung fur das *ja-/ja-Suffix ist -ja, in Dialekten auch -i, -ja, -je.

In der Schriftsprache verkorpert die v-Ableitung das Partizip Prasens, als adjektivisches Attribut kann dort aber auch die ja-Ableitung eingesetzt werden (EKG I 482). Die estnischen Dialekten kennen in der Funktion des adjektivischen Attributs sowohl die v- als auch die ja-Ableitung.

Anhand des eingesehenen Materials entsteht der Eindruck, dass nicht von einer absoluten Bevorzugung des einen oder anderen Deverbativums gesprochen werden kann, wohl aber von eine Bevorzugung bei bestimmten Stammen (bei Untersuchung einer noch umfangreicheren Belegmenge konnten die Ergebnisse vielleicht etwas anders ausfallen). Unter den v-Ableitungen gibt es viele Beispiele mit den Wortern elav 'lebend', keev 'kochend; heftig, aufbrausend; ungefroren, nass', lendav 'fliegend' (sowohl in allgemeiner Bedeutung als auch in Verbindung mit bestimmten Krankheiten), minev 'vergangen', palav 'heisz', seisev 'stehend', tulev 'kommend' (in temporaler Bedeutung). So z. B. Kuu elavad kalad 'lebende Fische', VMr elavad ussid 'lebende Schlangen', Krk es nae ute elavet 'enge 'hat keine Menschenseele ("lebende Seele") gesehen'; Emm es igavene elav inimeselaps 'ein lebhaftes Menschenkind', Trm elava vaemuga inime 'ein lebendiger, geistig reger Mensch'; Rap vaega valluss ellav tuli 'sehr schmerzhaft groszes Feuer', Har ellav rasv 'geschmolzenes Fett' (EMS I 663-664); keev vesi 'kochendes Wasser' (diese Verbindung ist in ganz Estland verbreitet), Khn kiev torm 'heftiger Sturm', Rap keeb miis 'ein aufbrausender Mann', Hlj kievad al'ikad 'ungefrorene Quellen', LNg keev maa 'nasses Land, Erdboden', Kad kievad kohad 'nasse Stellen' (EMS II 941-942); Hlj lendav liiv 'fliegender Sand', Kse 'lindavad kalad 'fliegende Fische', Khn 'lendav aeg 'starker Sturm' ("fliegende Zeit"), Kos 'lendav taht 'fliegender Stern', Kod 'lendavad kusilased 'fliegende Ameisen', Ote 'lendva pori 'fliegender Dreck, Schlamm', lendav ~ lendva jooksva ~ jooksja 'irgendeine Art ("fliegendes") Rheuma', lendav ~ lendva rabandus '("fliegender") Schlaganfall' (zu beiden Verbindungen gibt es im nordestnischen Sprachraum viele Belege), lendav ~ lendva haigus 'plotzlich auftretende Krankheit, Schlaganfall' (Beispiele in verschiedenen Gegenden Estlands), Pha 'lendav valu 'fliegender Schmerz', Trm 'lendav roos 'irgendeine Rosenkrankheit'; lendav kuld 'Medikament fur die Heilung des Schlaganfalls' ("fliegendes Gold") (mit Beispielen aus ganz Estland); Kuu see juhtus minev sugis 'dies geschah vergangenen Herbst', Rei maledan minevad aastad '(ich) erinnere mich an das vergangene Jahr', Tos minevast 'miklibast soadik 'seit dem vergangenen Michaelstag', Ann mineva kesknadali 'am vergangenen Mittwoch', Vas matoti mineva 'suvvo'(er, sie) wurde im vergangenen Sommer beerdigt'; palav ilm 'heiszes Wetter', palav vesi 'heiszes Wasser', palav paev 'heiszer Tag' (Belege in ganz Estland), Pal palav lein 'heiszer Saunadampf', Se pallav ahi 'heiszer Ofen'; seisev vesi 'stehendes Wasser' (Belege in ganz Estland), Poi seisev ilm 'windstilles, ruhiges Wetter'; Vig tuleva 'lauba 'kommenden Samstag', Aud tuleva polve rahvale 'dem Volk der nachsten ("kommenden") Generation' Hls tulevsuvve ei ol meid amp siin 'nachsten Sommer sind wir nicht mehr hier'. Diese v-Ableitungen (ausgenommen lendav in seiner Grundbedeutung) konnen als lexikalisierte Adjektive aufgefasst werden. Zweifelsfrei ist palav, dessen Bedeutung 'heisz' doch recht weit von der Bedeutung der Ableitungsgrundlage des Verbs 'brennen' abweicht und in dessen erster Silbe uberall das a erhalten blieb, ganz gleich, ob das entsprechende Verb in der Form polema oder palama auftritt, lexikalisiert. Von den gleichen Stammen gibt es doch in gewissem Maszen auch attributivische Belege zu ja-Ableitungen: Aud tuhi saun, elajasi inimesi sii pole 'eine leere Sauna, lebende Menschen sind hier keine' (EMS I 654), Krk keeja allik 'sprudelnde Quelle' (EMS II 916), Poi ta on 'lendja lind 'er ist ein fliegender (flugfahiger) Vogel', Krk lendai luum 'fliegendes Tier', Krk seisje vesi 'stehendes Wasser'. Von den Verben haise- 'stinken', hiilga- 'glanzen', liiku- 'bewegen' kennt man nur v-Ableitungen, die jedoch in geringer Anzahl vorkommen: Ksi 'aisev loom 'stinkendes Tier', Har vana 'haisva [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'ein altes stinkendes Mannsstuck' (EMS I 181), Pha 'iilgavad mustad 'juuksed 'glanzende schwarze Haare', Haa 'iilgavad roovad 'glanzende, leuchtende Kleidung' (EMS I 895), Lug liikuvad puhad 'bewegliche Feiertage', Juu liikuv kont 'beweglicher Knochen'.

Von den Verben haukuma 'bellen', imetama 'saugen, stillen', jooma 'trinken', kasvama (kasuma) 'wachsen, zunehmen', magama 'schlafen', munema 'Eier legen', naerma (naarma) 'lachen', riidlema 'streiten' bevorzugt oder gebraucht man nur die jeweiligen ja-Ableitungen. So z. B. Lai 'aukuja koer ei ammusta 'ein bellender Hund beiszt nicht' (EMS I 510), Krj imetaja naine 'stillende Frau', Rou [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'saugende Tiere' (EMS I 979), Se jooja vask 'trinkendes Kalb' (EMS II 127), Aud noor kasuja inimene 'junger wachsender Mensch', Krl kasuja luum 'wachsendes Tier' (EMS II 818-819), Krk 'kasvaje kuu 'zunehmender Mond' (EMS II 825), magaja kass 'schlafende Katze' (Beispiele in ganz Estland), Mar ia muneja kana 'ein gut legends Huhn', Kai naarja inimene 'lachender Mensch', Mar see uks va riidleja inimene 'dieser ist ein streitender Mensch'. Belege zu den entsprechenden v-Ableitungen: Se kassuEv latIs 'wachsendes Kind' (EMS II 823), Haa kasev aeg 'zunehmende Mondphase ("zunehmende Zeit")' (EMS II 800).

Von den Verben hauduma 'bruten', imema 'saugen', laikima 'strahlen, leuchten', lupsma ~ nusma 'melken' liegen uns mehr oder weniger in gleichem Umfang Belege zu beiden Ableitungen vor: Kod 'audev kana 'brutendes Huhn' (EMS I 499), VMr ia 'auduja kana 'gut brutendes Huhn' (EMS I 498), Se 'haudIja ilm 'schwules, vor Regen auftretendes Wetter' (EMS I 500), Krk imeve laitIs 'saugendes Kind, Saugling' (EMS I 976), Kuu imev pump 'saugende Pumpe' (EMS I 977), Kod 'niskesed imijad lapsed 'solche saugende Kinder', Se immej latIs 'Saugling' (EMS I 976), Poi laikiv must 'glanzend schwarz', Rap laukva lehe? 'glanzende Blatter', Sim laikijad silmad 'leuchtende Augen', Vas hakk ... armastas laukjit vinnekeriku kupleid 'die Dohle liebt die glanzenden Kuppeln der russischen Kirche', Plt 'lupsja lehm 'melkende Kuh', Se 'E nuesva l'ehm id.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ableitungen vom Verb jooksma 'laufen; fliessen; bewegen'. Im EMS findet man zahllose Beispiele zur v-Ableitung jooksev, die man aber nur in Verbindung mit leblosen Gegenstanden oder Erscheinungen, unter anderem Krankheiten, in den Bedeutungen 'fliessend, stromend' oder 'bewegend, beweglich' antrifft, so z. B. Ann 'joosav vesi 'stromendes Wasser', Ote uits vii 'juuskva kotuss 'eine Stelle, an der Wasser fliesst' (EMS II 113), Lug 'juoksev 'aiguss 'Rheuma ("laufende Krankheit")', Mar 'jooseb tobi id., Kul 'jooksev valu 'laufender Schmerz', Emm 'jooksva solm 'nachrutschender Knoten', Ran 'juuskva sil'm 'nachrutschende Schlinge', VJg 'juoksva sulla 'viiesi 'nach laufenden Faden, Klaftern', Har 'juuskva tahe? 'bewegliche Sterne' (EMS II 114). Belege mit der gleichen Bedeutung zur ja-Ableitung: Lug 'juokseja riist 'leckendes Geschirr', KJn 'juuesja raav 'fliessender Graben', Rou rutto 'juueskja jogi 'schnell fliessender Fluss', Krl 'juuskja kruus 'irgendeine Rosenkrankheit', Krk 'juuskje sol'm 'nachrutschender Knoten' (EMS II 115). In der Bedeutung einer bestimmten Bewegungsart von Lebenwesen ('laufend') kennt man nur Beispiele mit der ja-Ableitung: Krl 'juuskjal rebasel ritIsik suun 'der laufende Fuchs hat die Heuschrecke im Maul', Rap haa 'juueskja hobono 'ein gut laufendes Pferd',Ran 'juuskja lehm 'rennende Kuh' (EMS II 115).

Es scheint wohl so, dass eine Bevorzugung der einen oder der anderen Ableitung in der attributivischen Funktion von der Semantik des als Ableitungsgrundlage dienenden Verbs abhangt, und zwar ob es agentivisch oder deagentivisch ist (uber die semantischen Kategorien des Verbs s. EKG II 22-24). ja-Ableitungen werden bei agentivischen Verben bevorzugt, d. h. bei solchen Verben, die das Vorhandensein eines im Hinblick auf die Situation aktiven, kontrollierbaren Teilnehmers (des Agens) voraussetzen; so wie es bei den Verben haukuma 'bellen', imetama 'saugen', jooma 'trinken', magama 'schlafen', munema 'Eier legen', naerma (naarma) 'lachen', riidlema 'streiten', auch jooksma in der Bedeutung 'laufen' der Fall ist. Eine Bestatigung fur diese Tendenz brachte ebenso eine kurze semantische Analyse der attributivischen ja-Ableitungen, die in einem Aufsatz von Helmi Neetar enthalten sind, und diese zeigt, dass diese uberwiegend von agentivischen Verben gebildet worden sind (Neetar 1987). Verben, die v-Ableitungen den Vorzug geben, gelten als deagentivische Verben und diese bezeichnen Zustande (elama 'leben', haisema 'stinken', hiilgama 'glanzen, leuchten', seisma 'stehen') oder Prozesse (jooksma in der Bedeutung 'fliessen' oder 'bewegen' bei leblosen Gegenstanden oder Erscheinungen, keema 'kochen', liikuma 'bewegen', minema 'vergehen',(*) palama 'brennen' tulema 'kommen' (zeitlich gesehen). Da dennoch ein gegensatzlicher Gebrauch anzutreffen ist, durfte man lediglich von einer Bevorzugungstendenz, nicht aber von einer absoluten semantischen Aufteilung der ja- und v-Ableitungen sprechen.

Wotisch

Im Wotischen stosst man als Entsprechung fur das *pa-/pa-Suffix auf -va/-va (auch in den Varianten -vi und -v); die Entsprechung fur das *ja-/ja-Suffix lautet -ja/-ja (auch in den Varianten -jo, -ji).

Als wotisches Partizip Prasens wird in Grammatikdarstellungen die Form auf -va/-va gegeben (Ariste 1948 : 86; Laanest 1975 : 162). Paul Ariste fugt an gleicher Stelle hinzu, dass dieses Partizip im Aktiv gar nicht so allgemein ist, sondern sein Auftreten sich mehr oder weniger auf fest herausgebildete Verben beschrankt. Oft gebraucht man Nomen agentis auf -ja/ -ja als Attribut, so wie es in der Jogopera-Mundart bevorzugt wird (Ariste 1948 : 86, 88).

Das wotische Material umfasst Belege zum attributivischen Gebrauch beider Ableitungen, es uberwiegen jedoch va-/va-Deverbativa: M aisava muna 'faules ("stinkendes") Ei' (VKS 1 : 84), P tama on veel elava inehmiin 'er ist noch ein lebendiger Mensch' (VKS 1 : 196), J johsovot pilveD 'ziehende ("laufende") Wolken' (VKS 1 : 331), M noor kazvava puu 'junger wachsender Baum' (VKS 2 : 116), M klokkava kana 'gluckendes Huhn' (VKS 2 : 179), Lu kuuluva inemin 'bekannter ("zu Gehor gekommener") Mensch' (VKS 2 : 328), Lu lankova tauti 'Epilepsie, Fallsucht' (VKS 3 : 44), Lu lasiva inemin 'kranker Mensch' (< lasia 'krank sein') (VKS 3 : 209), Li tcsummee lu.savaa lehmaa 'zehn Milchkuhe ("melkende Kuh")' (VKS 3 : 217), J uli menevaa natelii 'in der vergangenen Woche' (VKS 3 : 294), Lu tama on muniva kana, uvvaa sukkua 'das ist ein legendes Huhn, eine gute Rasse' (VKS 3 : 348), M palava saa 'heisses Wetter' (VKS 4 : 159), Lu plikkaava tuli 'blinkendes Licht' (VKS 4 : 274), M raatava meeZ 'arbeitsamer Mann', Lu tcsihuva vesi 'kochendes Wasser', Ko tc sihvaz ahjoZ tcsuhzetettu 'im heissen Ofen gebacken', J tulovot paiveD 'kommende Tage, Zukunft', Li vajova soo 'absinkender Sumpf'.

Beispiele fur den attributivischen Gebrauch der ja-/ja-Ableitung: Lu se on arvaaja inemin, kumpa toissa arvaaB 'das ist ein verstandnisvoller Mensch, der andere versteht' (VKS 1 : 124), J autojo kana 'brutendes Huhn' (VKS 1 : 133), J sia ood ... kannottoja suaka 'du bist ... mit einem geduldigen Herzen' (VKS 2 : 75), M krikkoja puu 'knarrender Baum' (VKS 2 : 259), J laulojoD linnukkoizoD 'singende Vogel' (VKS 3 : 64), Lu neid ela uzgo, nagrajaD poigoD, suvataa tuttoi nagraa 'glaube ihnen nicht, betrugerische Jungs, gefallt es Madchen hinters Licht zu fuhren' (VKS 4 : 10), Lu nagruttaja inemin 'Witzbold ("ein andere zum Lachen bringender Mensch")' (VKS 4 : 12), M niglaaja mato 'Giftschlange ("beissende Schlange")' (VKS 4 : 42), M trubapuhassaja arappi 'ein den Schornstein fegender Neger',J riitoja naizoka om pask elamin 'mit einer zankischen Frau ist schlecht zu leben', M oli raakuja vazikka, semperassa panti mokoma nimi '(es) war ein blokendes Kalb, deshalb gab man ihm diesen Namen', Lu taataja meeZ 'Dorfweiser ("wissender Mann")'.

Auch in der wotischen Sprache scheint die Bevorzugung des einen oder anderen Deverbativums von der Semantik des Ableitungsverbs, d. h. ob das Verb agentivisch oder deagentivisch ist, abzuhangen. (3) Attributivisch gebrauchte ja-/ja-Deverbativa werden meist von agentivischen Verben gebildet (autoa 'ausbruten (Eier)', lauloa 'singen', nagraa 'lachen; betrugen', nagruttaa 'zum Lachen bringen, Lachen hervorrufen', niglata 'stechen, beissen', puhassaa 'saubern, reinigen', ridIdIolla 'zanken, schimpfen', raakua 'schreien; rufen, brullen; muhen, bloken, zwitschern usw. fur verschiedene Tier- und Vogelstimmen'). Mit solchen Verben durften auch die im Allgemeinen zu den statischen Verben zahlenden Wahrnehmungsverben verbunden zu sein, so wie etwa arvata in der Bedeutung 'Verstandnis haben, begreifen; konnen', kannattaa in der Bedeutung 'Geduld haben, warten', taataa 'wissen, kennen; konnen'.

Dagegen die attributivisch gebrauchten va-/va-Deverbativa stammen uberweigend von deagentivischen Verben ab, die Zustande (aisaa 'stinken; riechen', elaa 'leben', kuulua 'verlauten, erschallen, zu horen sein', lasia 'krank sein, leiden', luhsaa in der Bedeutung 'melken (Kuh), Milch geben') oder Prozesse bezeichnen (johsa in der Bedeutung 'bewegen', kazvaa 'wachsen', langota 'sturzen, fallen', menna in der Bedeutung 'vergehen (bei Zeit), dauern, verfliessen', palaa 'brennen', plikata 'blinken', tc sihua 'kochen', tulla 'kommen, ankommen', vajoa 'sinken; erweichen, wallen'). (An dieser Stelle wurde die Semantik der va-/va-Ableitungen, die als Einzelworter oder in anderen Funktionen (nicht attributivisch) registriert worden sind, keiner Analyse unterzogen.)

Einige Beispiele weisen einen genau entgegengesetzten Gebrauch auf--die hier im Artikel vorgestellten Belegen klokkava 'gluckend', muniva 'Eier legend' und raatava 'arbeitend, arbeitsam' sind von agentivischen Verben, krikkoja 'knarrend' aber von einem deagentivischen Verb abgeleitet. Manchmal entdeckt man Beispiele, wo beide Deverbativa parallel auftreten: M kuultaja lahs und M kuultava lahs 'braves ("horendes") Kind' (VKS 2 : 327), Lu tama uzgoB, tcsem mita pajataB, tama on uskojo inemin 'er glaubt (alles),was jemand sagt, er ist ein glaubseliger Mensch' und M tama on uskova inehmin 'er ist ein glaubiger Mensch', M tcsiiltaaja sormuZ und M tcsiiltava sormuZ 'glanzender Ring'. Somit kann auch im Hinblick auf das Wotische lediglich von einer Bevorzugungstendenz des einen oder des anderen Deverbativums, jedoch nicht von einer absoluten semantischen Aufteilung gesprochen werden.

Genauso wie im Wepsischen und Karelischen gibt es auch im Wotischen va-/va-Ableitungen, die Deverbativa ahneln, aber dennoch eher Denominativa mit den Suffixen -htava, -rtova, -(s)tava, -ttsova sind: habrastava 'sauerlich', harmastava 'graulich', maikoahtava, ma(i)kortova 'susslich', roho( i)stava 'grunlich', vaalastava, vaalistava 'weisslich', vaalottsova 'weisslich, weisslich schimmernd' (diesbezuglich Verben konnten nicht festgestellt werden). Zu diesem Typ gehoren auch die Ableitungen hallihtava '(des Alters wegen) angegraut', happortova 'sauerlich', kollastava ~ kollostova, kollahtava 'gelblich', musortava 'dunkel; schwarzlich', sinertava 'blaulich', zu denen es dennoch nahe stehende Verben gibt (vgl. hallissua 'grau werden', hapota, hapottua, happiussa, happoossa, happonossa 'sauern, sauer werden', kollossaa, kollissaa 'gelb farben', kollassua, kollissua, kollohtua 'gelb verfarben, gelb scheinen', musottaa 'schwarzen, schwarz werden; schwarz farben', sinenessa 'blau werden; blau scheinen', sinettaa 'blau farben; (Wasche) blauen; blau scheinen').

Ishorisch

Im Ishorische ist die Entsprechung fur das *pa-/pa-Suffix -va/-va, fur das *ja-/ja-Suffix -ja/-ja.

Als ishorisches Partizip Prasens wird ausschliesslich die Form auf -va/-va gegeben (Laanest 1975 : 162; 1986 : 144).

So finden sich im Worterbuch der ishorischen Sprache in der Funktion des adjektivischen Attributs im Prinzip Belege nur zu va-/va-Deverbativa: Sa hautova ilma 'schwules Wetter' (IMS 51), hoitava iZanDa 'sparsamer Besitzer' (IMS 66), Me haisova liha 'stinkendes Fleisch' (IMS 41), Me immova porZaZ 'saugendes Ferkel' (IMS 93), Sa juksovaD havvat 'fliessende Untiefen' (IMS 109), Me klukkava kana istu tuhjas peZaZ 'ein gluckendes Huhn sitzt auf einem leeren Nest' (IMS 178), Me lassssiiva nain 'kranke Frau' (< lassssiia 'krank sein') (IMS 286), L-suu noiseva kala 'zum Laichen kommender, laichender ("aufsteigender") Fisch' (IMS 345), Sa paistavast karrast '[das Gefass ist] aus glanzendem Blech [gemacht]' (IMS 376), L-suu tulevalla vuotta ~ tulevanna vuonna 'im kommenden Jahr' (IMS 607), Sa vassjjova niittu 'absinkende Wiese' (IMS 632).

Lediglich paar Beispiele lassen sich zum attributivischen Gebrauch der Form auf -ja/-ja entdecken: Me hautoja kana kaGatt a 'das brutende Huhn gackert' (IMS 51), hoiDelia mez 'sparsamer Mann' (IMS 65), Me huva laulaja mez 'gut singender Mann', Sa uks olikki i laulaja naine 'eine war auch eine singende Frau' (IMS 253), Me riiDelijan naiZen kera om paihhain ella 'mit einer zankischen Frau ist schlecht zu leben' (IMS 483), Ro akkaja mies 'unternehmungslustiger Mann' (IMS 9) (gilt als estnisches Lehnwort).

Im Ishorischen gibt es auch Denominativa, die in Wirklichkeit mit den Suffixen -rDava, -stava gebildet, jedoch den va-/va-Deverbativa sehr ahnlich sind, so z. B. habrastava 'sauerlich' (vgl. haBraZ 'zart, sprode'), ma-GerDava 'suss' (vgl. makkiiAa 'suss; frisch; lecker'). Wahrscheinlich ist auch ro hhoistava 'grunlich' (vgl. ro hhoin 'grun', aber es gibt auch das Verb rohott a 'grun werden, grunen', das der Ableitung aber nicht ganz entspricht) als Denominativum aufzufassen. In diese Gruppe gehoren ebenfalls die Ableitungen kellartava 'gelb schimmernd' und musserDava 'schwarzlich, dunkel',fur die nahe stehende Verben festgehalten wurden (vgl. kellastua 'gelb werden', musseDa 'schwarzen', mussenDa 'schwarz machen', mussenDua 'anschwarzen', mussetItIia 'schwarzlich, dunkel scheinen (bei Getreide)').

Finnisch

In der finnischen Schriftsprache lautet die Entsprechung fur das *pa-/pa-Suffix -va/-va, in Lexikalisierungen, ebenso in Dialekten kommt auch die Variante -pa/-pa vor. Das *ja-/ja-Suffix trifft man in der Form -ja/-ja.

Im Finnischen kann in der Funktion des adjektivischen Attributs im Allgemeinen nur die va-/va-Ableitung erscheinen (s. Alvre 1992 : 238). Dialektbeispiele: Hin elava silma nak e joskus mut kuallun silma ei koska (Sprichwort) 'das lebende Auge sieht manchmal, das tote Auge jedoch niemals', Hat milla paikalla makaa ruumis ja milla elava ihmine 'an welcher Stelle liegt eine Leiche und wo ein lebendiger Mensch' (SMS 1 : 790), Raum se o nii elav laps 'das ist so ein lebhaftes Kind' (SMS 1 : 791), KanN rikkaat, elavat kylat 'reiche, vermogende Dorfer' (SMS 1 : 791), Juv eha se haokkuva koera pure 'ein bellender Hund beisst nicht' (SMS 2 : 979), kuin hautova kana 'wie ein brutendes Huhn' (mehrere Belege aus verschiedenen Orten, SMS 2 : 1010), Ilo hautova kuummuus 'brutende Hitze' (SMS 2 : 1011), Sau [TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII.] 'eine klingendere Stimme', Eli heliseva nauru 'schallendes Lachen' (SMS 3 : 115), Kite heliseva pakkanen 'Frost, wenn der Schnee trocken ist und unter den Fussen knirscht ("schallender Frost")' (SMS 3 : 116), Poy se on semmonen imeva vasikka kon on ollu emas kans vaal laitumel 'dieses ist ein solches saugendes Kalb, da (es) mit seiner Mutter nur auf Weide war', Uta mikas sull a on kun ei oo? imevata lasta hoejettavana 'was ist denn mit dir, wenn auf keinen Sauglich ("saugendes Kind") aufzupassen ist' (SMS 4 : 825), Ver itava akka 'fruchtbare ("keimende") Frau' (SMS 4 : 923), Maan onko ne itavia siemenia 'sind diese keimende Samen' (SMS 4 : 923), Ver ei tule itavea siemevviljoa 'es kommt kein keimendes Samengetreide' (SMS 4 : 923), Him se on niinko istuva kivi 'dieser ist wie ein festliegender ("sitzender") Stein' (SMS 4 : 892), Kiih juokseva poika jo olI 'der laufende Junge war schon', Oriv juakseva vesi 'stromendes, fliessendes Wasser', Sau juokseva silmukka 'nachrutschende Schlinge' (SMS 5 : 352), HKyr nykyajaan kasvavat ihmiset 'in Gegenwart aufgewachsene Menschen' (SMS 6 : 485).

Im SMS lassen sich jedoch einzelne Belege fur den attributivischen Gebrauch des ja-/ja-Deverbativums finden: Kurk hyvi itkijat lapset 'viele weinende Kinder' (SMS 4 : 906), Kiih se oh heinan kasvassjjoo suota 'das ist ein Sumpf, auf dem Heu gemacht werden kann' (< kasvaa 'wachsen, gedeihen') (SMS 6 : 480), Sot tama on juoksie vene 'das ist ein gut gleitendes ("laufendes") Boot' (SMS 5 : 353), Viht Mylloja on semmonen (kaivon paikan) kattoja vanha aija 'Mylloja ist ein solcher Alter, der eine Brunnenstelle zu bestimmen vermag' ("ein solcher (eine Brunnenstelle) schauender Alter") (SMS 6 : 520). Es ist schon bemerkenswert, dass die drei erstgenannten Beispiele aus den Ostdialekten und somit aus der Nachbarschaft des karelischen Sprachraums stammen.

Einige Belege zur Anwendung des ja-/ja-Deverbativums in Attributfunktion konnen auch im alten Schriftfinnisch von Mikael Agricola aufgespurt werden: wirghottaia hengi 'aufruttelnder Geist'; raatelija hirmusus 'reissendes Ungeheuer'; ratelia ia kilijuua Jalopeura 'reissender und brullender Lowe'; ouenuartia pica 'Tursteherin' (Ojansuu 1909 : 141-142).

Schlussfolgerungen

Um das oben Gesagte kurz zusammenzufassen, ware uber das Verhaltnis von *pa-/pa- und *ja-/ja-Ableitung in der Funktion eines adjektivischen Attributs in den Ostseefinnischen Sprachen folgendes festzuhalten: Im Wepsischen benutzt man fast ausschliesslich die *ja-/ja-Ableitung. Im Karelischen und Livischen hat ebenfalls die *ja-/ja-Ableitung das Ubergewicht, obwohl man hier mehr *pa-/pa-Ableitungen findet als im Wepsischen. In den estnischen Dialekten kommen beide zur Anwendung (die fur den vorliegenden Aufsatz analysierte Materialmenge lasst aber keine Aussage daruber zu, welche der beiden Ableitungen mehr gebraucht wird). Im Wotischen uberwiegen die *pa-/pa-Ableitungen, jedoch stosst man ziemlich oft auch auf *ja-/ja-Ableitungen. In der ishorischen Sprache und in finnischen Dialekten erscheinen fast nur *pa-/pa-Ableitungen.

Mit Recht durfte man fragen, welches der beiden Deverbativa in der Funktion des adjektivischen Attributs wohl das altere ist; will hier eines das andere verdrangen oder ist ihm das bereits gelungen usw.

Unter Berucksichtigung der Tatsache, dass traditionell gesehen die *pa-/pa-Ableitung als ostseefinnisches Partizip Prasens rekonstruiert wird, ware anzunehmen, die *ja-/ja-Ableitung kam spater in die Rolle des adjektivischen Attributs und fing an, die *pa-/pa-Ableitung von dort zu verdrangen. Aber bei einer solchen Vermutung sind Zweifel anzumelden.

Wir haben Grunde zur Annahme, dass das *ja-/ja-Deverbativum in der Funktion des adjektivischen Attributs ein althergebrachte Erscheinung ist. Erstens ist es in uberzeugender Weise vertreten, herrscht in drei Sprachen (Wepsisch, Karelisch, Livisch) vor, ist in zwei Sprachen (Estnisch und Wotisch) oft im Gebrauch und in Einzelfallen sogar im Ishorischen und in den finnischen Dialekten zu finden. Zum Zweiten uberwiegt es in Sprachen, die geografisch betrachtet weit voneinander entfernt liegen--so Wepsisch und Karelisch auf der einen Seite, das Livische auf der anderen Seite. Und drittens wird diese Ableitung in der gleichen Funktion auch in naher verwandten Sprachen ausserhalb des ostseefinnischen Sprachraums gebraucht, und zwar haben das lappische und mordwinische Partizip Prasens die gleiche auf *-ja/-ja auslautende Form, so z. B. lpT Jokanga sarneii omii 'sprechender Mensch' (Kert 1971 : 206), mdM pali tol 'brennende Feuer', mdE morica (zusammengesetztes Suffix -i-ca) loman 'singender Mensch' (Bartens 1979 : 58).

Die *pa-/pa-Ableitung herrscht in einem wesentlich kompakteren Gebiet (Finnland und Ingermanland) vor. Ebenso ware anzumerken, dass in Sprachen, in denen *pa-/pa-Ableitungen in Einzelfallen angewandt werden, es sicher einige Ableitungen gibt, die von ein und denselben Stammen gebildet worden sind: im Wepsischen allgemein verbreitete *pa-/pa-Ableitungen sind elIab 'lebend, lebendig', paab 'heiss, feurig' und kehub 'kochend', die auf *-pa/-pa auslautende Entsprechungen auch im Karelischen (elav 'lebend', palava 'heiss', kiehuva 'kochend') und Livischen (jelaB, pal aB, kieb[??]) haben. *pa-/pa-Ableitungen von den gleichen Stammen werden auch (meistens) im Estnischen (elav, palav, keev) und Wotischen (elava, palava, tcsihuva ~ tcsihva) gebraucht. Es ist durchaus moglich, dass man anfangs nur von diesen Stammen gebildete *pa-/pa-Ableitungen als adjektivisches Attribut einsetzte.

Folglich ist es wahrscheinlicher, dass gerade die *pa-/pa-Ableitung spater zum adjektivischen Attribut wurde und die andere Ableitung zu verdrangen begann. (Die *pa-/pa-Ableitung an sich durfte in den ostseefinnischen Sprachen sicher sehr alt sein, denn sie fand uberall als Form der 3. Person Prasens Indikativ ihre Anwendung; lediglich der estnische Voru-Dialekt kennt in der 3. Person Singular Prasens keine Formen auf *-pa/-pa. Doch scheint es auf der Hand zu liegen, dass ihr anfangs nur die Funktion des Pradikats oblag und erst spater andere morphosyntaktische Funktionen hinzukamen.) Die Verbreitung der Attributfunktion der *pa-/pa-Ableitung nahm ihren Anfang im Nordwesten des ostseefinnischen Sprachraums, in den finnischen Dialekten, vielleicht sogar nur in den Vorgangern der Westdialekte und zog sich bogenformig nach Suden, Sudosten und geringfugig in ostliche Richtung. Vermutlich wurde diese Verbreitung durch den Umstand begunstig, dass einzelne *pa-/pa-Deverbativa, von denen im vorangegangenen Abschnitt die Rede war, sowieso schon eh und je im gesamten ostseefinnischen Sprachraum attributivisch angewandt wurden. Eine Rolle konnte dabei auch das Vorbild der denominalen *pa-/pa-Ableitungen wie est. terav 'spitz, scharf', vagev 'stark, kraftvoll', lihav 'fleischig' gespielt haben. (4) Sicher wird es kein Zufall sein, dass man in der estnischen und wotischen Sprache *pa-/pa-Ableitungen mehr von deagentivischen Verben, die verschiedene Zustande und Prozesse bezeichnen, gebraucht. Weil diese Verben verschiedene feststehende Eigenschaften bezeichnen, sind ihre Ableitungen semantisch gesehen "mehr adjektivisch", als die von agentivischen Verben gebildeten Ableitungen, die das Subjekt anhand der Handlung charakterisieren und somit "mehr verbisch" sind.

Die Feststellung, dass die *pa-/pa-Ableitung wohl die Erscheinung ist, die als adjektivisches Attribut ins Feld drangt, muss dennoch nicht automatisch bedeuten, dass einst nur die *ja-/ja-Ableitung (ausgenommen einige einzelne oben erwahnte *pa-/pa-Ableitungen) im gesamten ostseefinnischen Sprachraum in der Funktion des adjektivischen Attributs erschienen ware. Anhand gegenwartig vorliegender Angaben besteht kein fester Grund zu behaupten, in den finnischen und ishorischen Dialekten hatte sich eine Ablosung der *ja-/ja-Ableitung durch die *pa-/pa-Ableitung vollzogen. Richtiger ware bei dem Standpunkt zu verharren, dass der Gebrauch des *ja-/ja- oder *pa-/pa-Deverbativums in der Funktion des adjektivischen Attributs eine der Eigenschaften ist, durch die sich einige ostseefinnischen Dialekte seit eh und je von den anderen unterscheiden, wobei eine Aussage, an welcher Stelle die Grenze zwischen diesen zu einer bestimmten historischen Entwicklungsphase zu ziehen ist, zurzeit nicht eindeutig getroffen werden kann. Fest steht, dass die Geschichte dieser Grenze mit der Entwicklungsgeschichte der ostseefinnischen Dialekte verbunden ist und dass zu ihrer schrittweisen Aufdeckung als nachstes das Verhaltnis beider Deverbativa in den einzelnen ostseefinnischen Dialekten gesondert zu erforschen ware.

Abkurzungen

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Dorfer und Dialekte

Estnisch: Ann--Anna, Aud--Audru, Emm--Emmaste, Har--Hargla, Hlj--Haljala, Hls--Halliste, Haa--Haademeeste, Juu--Juuru, Kad--Kadrina, Khn--Kihnu, Krj--Karja, Krk--Karksi, KJn--Kolga-Jaani, Kse--Karuse, Ksi--Kursi, Kod--Kodavere, Kos--Kose, Kul--Kullamaa, Kuu--Kuusalu, Kai--Kaina, Lai--Laiuse, LNg--Laane-Nigula, Lug--Luganuse, Mar--Martna, Ote--Otepaa, Pal--Palamuse, Pha--Puha, Plt-- Poltsamaa, Poi--Poide, Ran--Rannu, Rap--Rapla, Rei--Reigi, Rou--Rouge, Rap--Rapina, San--Sangaste, Se--Setu, Sim--Simuna, Trm--Torma, Tos--Tostamaa, Vas--Vastseliina, Vig--Vigala, VJg--Viru-Jaagupi, VMr--Vaike-Maarja.

Finnisch: Eli--Elimaki, Hat-- Hattula, Him--Himanka, Hin--Hinnerjoki, HKyr--Hameenkyro, Ilo--Ilomantsi, Juv--Juva, KanN--Kangasniemi, Kiih--Kiihtelysvaara, Kite--Kitee, Kurk--Kurkijoki, Maan--Maaninka, Oriv--Orivesi, Poy--Poytya, Raum--Rauma, Sau--Sauvo, Sot-- Sotkamo, Uta--Utajarvi, Ver--Vermlanti, Viht-- Vihti.

Ishorisch: Me--Metsakyla, L-suu--Laukaansuu, Re--Repola, Ro--Rosona-Dialektgebiet nach J. Magiste, Sa--Saarove.

Karelisch: Hietaj--Hietajarvi, Ilom--Ilomantsi, Impil--Impilahti, Korpis --Korpiselka, Mantys--Mantyselka, Nek-Riip--Nekkula-Riipu skala, Poraj--Porajarvi, Pistoj--Pistojarvi, Rukaj--Rukajarvi, Suoj--Suojarvi, Saamaj--Saamajarvi, Tulemaj--Tulemajarvi, Vuokkin--Vuokkiniemi.

Wepsisch: Cg--Caigl, J--Jarvenkula, Kask--Kaskeza, N--Noidal, Pr--Pervakat, P--Pondal, Paz--Pazar, Sod--Sodjarv, Sim--Simga r.

Wotisch: J--Jogopera, K--Kattila, Ko--Korvottula, L--Lempola, Li--Liivtsula, Lu--Luuditsa, M--Mati, P--Pummala.

LITERATUR

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IRIS AUDOVA (Tallinn)

(1) Auch die ostseefinnische Form der 3. Person Prasens des Indikativs ist die vom Aktivstamm gebildete *pa-/pa-Ableitung. Historisch gesehen handelt es sich um verschiedene morphosyntaktische Funktionen ein und derselben Ableitung. Heute hat die *pa-/pa-Ableitung in den uberwiegenden ostseefinnischen Sprachen (ausgenommen das Wepsische und im Allgemeinen das Livische) wenigstens in der 3. Person Singular Prasens und in der als adjektivisches Attribut angewandten Form eine unterschiedliche phonetische Gestalt (vgl. est. jookse-b '(er, sie) lauft' und jookse-v 'laufend'); die 3. Person Plural Prasens und der Nominativ Plural der als adjektivisches Attribut gebrauchten Form konnen in ihrer Gestalt zusammenfallen (z. B. est. kirjutavad '(sie) schreiben; schreibende', vgl. aber ishor. joksoD '(sie) laufen', juksovaD 'laufende').

(2) Derartige Ableitungsgrundlagen bringt KKS fur diese Worter.

(3) In Abhangigkeit vom Kontext waren auch weitere Nuancen zu berucksichtigen. Zum wotischen Material s. die ausfuhrliche Betrachtung Audova 2002.

(4) Eine Frage fur sich ist das Verhaltnis der *pa-/pa-Ableitungen, die vom Aktivstamm und die vom impersonalen Stamm gebildet worden sind. *pa-/pa-Ableitungen vom impersonalen Stamm kennen alle ostseefinnischen Sprachen und zu diesen gibt es keinerlei Alternative, weswegen sie wohl recht alt sein mussen. Gleichsam entsteht der Eindruck, dass diese Ableitungen zumindest in einigen Sprachen ziemlich selten sind, denn z. B. im Wepsischen rechnet man diese nicht einmal zum Verbparadigma (s. Zajceva 1981 : 272--275), somit ist die Frage berechtigt, ob diese Ableitung im Sinne ihrer Regelmassigkeit uberhaupt ein allgemeines ostseefinnisches Partizip ist. Ganz gleich wie es um die Sache steht, sollte man keineswegs voraussetzen, dass ein aktives und ein impersonales Partizip unbedingt mit ein und demselben Suffix gebildet sein mussen. Das Thema des impersonalen Partizips benotigt allerdings eine eigenstandige Untersuchung.
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Author:Audova, Iris
Publication:Linguistica Uralica
Date:Mar 1, 2003
Words:8485
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