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Die Verwendung fremdsprachiger Ausdrucke in Texten der ostdeutschen Gegenwartsliteratur.

Diese Studie hat zum Ziel, die Funktionen der Verwendung fremdsprachiger Ausdrucke in einigen Texten der ostdeutschen Gegenwartsliteratur zu untersuchen. Es geht dabei konkret um Texte, die von ehemaligen DDR Schriftstellern in den Jahren nach dem Fall der Mauer 1989 geschrieben wurden. In Reiseberichten und Erzahlungen yon Angela Krauss, Alexander Osang, Michael Schindhelm, Grit Poppe, Barbara Honigmann und Gunter Gorlich sollen Grenzuberschreitungen der Protagonisten untersucht werden, die vom Wechsel in die russische, englische, franzosische, arabische und hebraische Sprache begleitet werden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, die Funktionen sind in allen Fallen sozialpolitisch. Dies zeichnet diese Texte auf den ersten Blick als Texte ostdeutscher Autoren, die viele Jahre in der DDR gelebt haben, aus. Wenn die westdeutsche Autorin Karen Duve in ihrem Regenroman etwa die Vokabel "Victory" benutzt, so gebraucht sie dieses Wort als postmodernes Ornament: "Die weisse Schnecke baumte sich auf wie ein Zirkustier, reckte den Vorderkorper in die Luft und spreizte die Fuhler zu einem V. V wie Victory" (123). (1) In Grit Poppes 1998 erschienenem Roman Andere Umstande dagegen hat die gleiche englische Vokabel eine politische Funktion. Die ostdeutsche Ich-Erzahlerin erinnert sich an die Ereignisse, die 1989 zum Fall der Mauer fuhrten: "Sie hielt ein Pappschild mit dem Wort Freiheit in die Hohe, darunter das gezeichnete Victory-Zeichen" (138).

Obwohl jedoch die Funktionen in den im folgenden untersuchten Texten ostdeutscher Autoren sozialpolitischer Natur sind, zielen sie, wie gezeigt werden soll, in ganz verschiedene Richtungen.

Cecile Cazort Zorach bemerkte 1984 in der Reiseliteratur von DDR-Autoren einen didaktischen lmpuls, der diese Texte yon denen westlicher Autoren unterschied:
 In the hands of unskilled writers this didactic tendency appears in
 its crassest form as tedious denunciations of the fascist past,
 bathetic declarations of solidarity with the comrades in other
 socialist lands, or as predictable jibes at the vulgarity of
 tourists from capitalist countries. Even in works standing above
 this level of name-calling, the sometimes mechanist imposition of
 the society's own ideological categories onto the interpretation of
 other societies may appear to a nonGDR reader as an artificial
 schematization of complex empirical realities (139).


Dieser didaktische lmpuls, von dem Cazort Zorach spricht und der auch noch nach 1989 Reisetexte ostdeutscher Autoren pragt, fehlt in Angela Krauss' Erzahlung Die Uberfliegerin (1995), in der die Ich-Erzahlerin--mit Aufenthalten in Amerika und Russland--einmal rund um die Welt fliegt: "von Osten nach Westen, nach Westen, solange nach Westen, bis der Westen plotzlich wieder Osten war" (96). Das wichtigste Erlebnis wahrend dieser Reise finder in ihr selbst statt, wenn sie namlich beobachtet, wie sich alles ideologisch Verhartete Schritt fur Schritt auflost, bis alles "schlingert" und "schwappt" (88) und sie begreift, "dass die Suche nach einem GeneralBauplan nichts welter als ein riesiges Missverstandnis ist" (Hametner 7). In dieser Situation vermag sie es nicht, die Lander, die sie bereist, durch die Brille der ihr anerzogenen ideologischen Kategorien zu sehen. Sie sammelt, wie sie selbst sagt, nur Eindrucke, ohne sich zu fragen, "was das alles bedeutete. Daruber war ich hinaus" (112). In der Beschreibung ihrer Reise durch die USA, bei der sie Einladungen verschiedener Universitaten folgt, zeigt die Auswahl der eingesprengten englischen Redeteile den Grad ihrer Begeisterung an. "Just fun!" ruft ihre Nachbarin im Flugzeug, und Krauss' Ich-Erzahlerin denkt: "Da horte ich es zum ersten Mal, das Unwiderstehliche an den Amerikanern: die Freudenrufe, die sie im Moment des Staunens ausstossen. Als entdeckten sie Land" (58). In Krauss' 1999 erschienener New York-Erzahlung Milliarden neuer Sterne, in der sie auf einundfunfzig Seiten vierzehn mal englische Ausdrucke benutzt, zeigt sich die Faszination von Amerika noch um einige Grade gesteigert und gipfelt in Euphorie, wenn die Ich-Erzahlerin das Ergebnis ihres Aufenthaltes in Amerika mit den Worten zusammenfasst:
 Ich bin frei yon etwas, das ich mein bisheriges Leben lang fur
 meinen Charakter hielt. Ich bin frei yon der Welt der anderen. Ich
 fordere keine Gemeinsamkeit mehr. Ich erwarte nichts Passendes. Ich
 respektiere das Andere. Ich verfalle nicht in Mitgefuhl. Ich
 ersehne endlich nicht mehr die Einheit der Teile. Ich babe das
 Ganze aufgegeben. Leichtigkeit hat von mir Besitz ergriffen.
 Freiheit (1999, 45).


Von den USA fliegt die "Uberfliegerin" weiter nach Russland, um dort ihre langjahrige Brieffreundin Tanja zu besuchen. Durch den Bericht fiber diesen Russlandaufenthalt schlingt sich wie ein Refrain die Zeile: "Die Russen sind fort" (95), manchmal in umgekehrter Wortstellung in "Fort sind sie" (96)--eine Feststellung, die am Anfang des Textes, der in Leipzig spielt, neben den Ereignissen der Wende in der Erzahlerin eine tiefe Orientierungslosigkeit ausgelost hatte. Sie war mit den in Gohlis stationierten sowjetischen Soldaten befreundet gewesen und hatte im sogenannten Russenmagazin eingekauft. "Die Russen" waren ihr "heimliches Exterritorium" (1991, 129) innerhalb der DDR gewesen. Mit anderen Worten, dass sie aus den USA nach Russland weiterfliegt, hat nostalgische Grunde, die jedoch nichts mit einer Nostalgie nach dem untergegangen Sozialismus zu tun haben. In einem Brief an ihre russische Freundin Tanja hatte Angela Krauss einst geschrieben:
 Obwohl wir die Ordnung yon Euch hatten, schien sie mir hier immer
 fester zu sitzen als bei Euch, woes etwas Hoheres gibt, an das
 niemand, keine Staatsmacht herankann, ein Bewusstsein fur unser
 gemeinsames Dasein auf dieser Erde, ein Erinnerungsvermogen, das
 weiter reicht als um die eigene Biographie, das den Kern des
 Selbsts schutzt. Man nimmt dafur Worte wie Glauben, Seele,
 Imagination ... Vielleicht zog es mich deshalb jeden Mittag in die
 Kantine der Russen in Gohlis. (Mudry 129)


Die Protagonistin des Textes Die Uberfliegerin ist ohne Zweifel ein alter ego der Autorin Krauss. Obschon sie bei ihrem Aufenthalt in Moskau wegen der dort desolaten Infrastruktur nicht vor Begeisterung uberschaumt wie bei ihrem Aufenthalt in den USA, findet sie dieses Gefuhl fur Transzendenz, das sie an den Soldaten in Gohlis beobachtet hatte, und die Reise hat sich gelohnt. Die russischen Einsprengsel im Text beschranken sich auf russische Namen wie die Weltraumhundin "Laika" oder Reflexionen uber die Aussprache einzelner russischer Worter. Sie haben in jedem Fall die Funktion, die Ich-Erzahlerin wieder nostalgisch mit einer Zeit zu verbinden, in der sie mit in der DDR stationierten Sowjetsoldaten ihr Russisch geubt und mit einem Madchen in Sibierien begeistert Briefe gewechselt hatte.

In Michael Schindhelms Roman Roberts Reise (2000), in der sich der Ich-Erzahler an seinen funfjahrigen Studienaufenthalt in der okologisch zerschlissenen und auch sonst in jeder Hinsicht heruntergekommenen russischen Industriestadt Woronesch erinnert, haben die Einsprengsel aus der russischer Sprache eine entgegengesetzte Funktion; statt nostalgische Gefuhle losen sie im Erzahler Entsetzen aus, wenn er sich an seinen Aufenthalt in Woronesh erinnert, wo alles "undurchsichtig, verschmiert und deshalb bedrohlich" war:
 Unausgestetzter Belagerungszustand. Der Dreck, die abweisende
 Sprache, die Impertinenz des Alltags, dieser spezifische Gestank
 aus Fakalien, Benzin und uberfalligem Hering, der einem mit dem
 ersten Atemzug am Morgen an das neue Zuhause erinnerte und nur
 wahrend des Schlafes entliess, alle diese Anbrandungen gegen den
 zurfickweichenden Verstand (129).


Verzweifelt hatte er sich an ein Heftchen mit Rilke-Versen geklammert, das den Satz enthielt: "Uberstehn ist alles" (129). Die zahlreich in den Text eingestreuten russischen Worter und Satzbrocken unterstreichen fast immer sein gebrochenes Verhaltnis zu Woronesh. Die Beschreibung einer Krfiheninvasion etwa schlieisst mit den folgenden Worten:
 Wenn sie aufflogen, mischten sie sich als zottige Schatten unter
 die gelben Schwefeldioxide uber dem See. Nicht mehr uber dem
 Weizenfeld lockten sie den Wahnsinn, sie zogen ihre Bahn dutch
 kalte, giftige Himmel. Der Anblick von Krahen machte die Stadt
 komplett. Sie boten sich als unsere Begleiter und Kommentatoren an,
 woronka, die Krahe, Woronesch, Krahennest, Krahwinkel (188).


Parallel zu den zehn Fallen von Code-Switching ins Russische wechselt Schindhelms Erzahler zehn mal in die englische Sprache, meistens sind es Zitate aus der amerikanischen Rockmusik, mit der sich der lch-Erzahler und sein Freund Pit fur die Unbilden ihres Lebens zu trosten versuchen, etwa: "It doesn't matter where I go anymore, I just go" (192). Sie haben ohne Zweifel eine Entgrenzungsfunktion.

Zwei andere Texte, die mit der Verwendung russischer Ausdrucke spielen, sind Alexander Osangs Roman Die Nachrichten (2000) und Gunter Gorlichs Autobiographie Keine Anzeige in der Zeitung (1999).

In Osangs Roman hat das Code-Switching ins Russische eine ahnliche nostalgische Funktion wie bei Krauss. Die Haupfigur ist ein ostdeutscher Aufsteiger, der wenige Jahre nach dem Fall der Mauer in Hamburg beim ARD Fernsehen die Nachrichten liest. Angesichts der Einseitigkeit der Berichterstattung suberder menschlichen Kalte unter seinen Kollegen fuhlt er sich unwohl, aber er lasst sich nichts anmerken. Eines Abends gerat er durch Zufall vor die Tur der Russenkneipe Troika. Er ist hungrig und durstig; misstrauisch tritt er ein: "Breitgesichtige, knubbelnasige Russen mit roten Suffflecken auf den hohen Wangen. Wahrscheinlich waren sie alle bei der Mafia und wuschen in der Kneipe Geld" (143). Vom Wodka und heissen Bortschtsch schmilzt dann die Voreingenommenheit und seine Vergangenheit in der DDR kommt zum Vorschein: "Landers war jetzt unverkrampft genug um daruber nachzudenken, was danke auf Russisch hiess. Abet ihm fiel nur Daswidanja ein, Baschaista und Glawnaja Sadatscha. Auf Wiedersehen, Bitteschon und Hauptaufgabe" (144). Dann sagt er mehrfach "Otschen choroscho" und beginnt sich ungemein wohlzufuhlen: "Er musste nicht reden, er musste nicht uberschwanglich loben. Er musste nicht witzig sein und nicht originell. Alles war irgendwie auf seine Grundbedurfnisse reduziert. Eigentlich eine perfekte Kneipe" (145). Ais sie schliesst, bleibt er mit zehn Russen da, um mit ihnen zu singen, das heisst:
 Er brullte russisch klingende, brummende Laute in ihre Lieder.
 Zwischendurch spielte er sein Russischrepenoire ab. Er sagte, wie
 er hiess, wie alter war, wo er geboren wurde, dass Erich Honecker
 Generalsekretar der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
 sei, wie wichtig es sei, eine Einheit zwischen Wirtschafts-und
 Sozialpolitik herzustellen, und dass er Kulturwissenschaft
 studieren wollte. Den Rest hatte er vergessen. Sie schlugen ihm
 lachend auf die Schulter. Bis auf den Win sprach keiner yon ihnen
 Deutsch (146).


Schliess1ich singt er "Bu swgda, bu sweg sonze" (146); das Lied hatte er als Junger Pionier gelernt. Als es spater ans Bezahlen geht, weigert sich der Wirt, sein Geld zu nehmen. Diese Begegnung mit seiner Vergangenheit in der DDR schliesst mit den Worten:
 Auf dem Nachhauseweg hupfte er. Er war beschwingt. Er fuhlte sich
 so, als habe er gerade etwas fur den Weltfrieden getan. Er dachte
 daran, wie ungerecht es war, dass die meisten seiner
 Russlandnachrichten schlechte Nachrichten waren. Oder wie schade.
 Aber er konnte ja nichts aindern. Er durfte ja nicht mal ein Wort
 streichen. Er war ja nur der Leser. Ableser. (147)


Eine Personlichkeit konstituiert sich im Wechsel von be- und entgrenzenden Erlebnissen. Angela Krauss' Ich-Erzahlerin und Alexander Osangs Protagonist litten wie die meisten Bewohner der DDR am Mangel an Entgrenzungsm6glichkeiten. Nach der Wende stillen beide ihr Fernweh mehr oder weniger erfolgreich mit einer Reise um die Welt bzw. mit einem Umzug nach Hamburg. Interessanterweise bezieht sich das entscheidende Begrenzungs-Erlebnis der beiden Figuren, mit dem sie sich erneut in sich verankern, nicht etwa auf das Leben in der DDR, sondern auf die Russen und ihre Sprache, die fur sie im Unterschied zum Deutschen Transzendenz ausstrahlt.

Dass Osangs Protagonist nicht an DDR-Nostalgie leidet, verdeutlicht er mittels der Verwendung englischer Ausdrucke. Im Unterschied zum Gebrauch des Englischen in Schindhelms Roman setzt Osangs Protagonist die englischen Ausdrucke nicht direkt ein um seine Sehnsucht nach Entgrenzung zu verdeutlichen, sondern sie erscheinen als Text im Text. In seiner Armee-Zeit in der DDR war Landers Disk-Jockey gewesen und spieite begeistert Led Zeppelin Songs. Als er jetzt, nach der Wende, seine Stasiakte liest, findet er den Grund fur die politischen Unanehmlichkeiten, die er wahrend jener Zeit hatte: In der Akte findet er in der Handschrift eines Stasimitarbeiters ein Zitat aus Led Zeppelins Lied Stairway to Heaven: "There's a feeling I get / When I look to the west / And my spirit is crying / For leaving." Darunter, mit der gleichen roten Schrift, die Ubersetzung des Geheimdienstoffiziers: "Das ist ein Gefuhl, das ich habe / Wenn ich in den Westen schaue / Und mein Geist schreit / Nach abhaun!" Osangs Erzahler kommentiert: "Das waren die letzten Worte seiner Akte. Landers starrte die Buchstaben an. Roter, brockelnder Buntstift auf kratzigem Papier. Wie die Nachricht eines Schiffbruchigen. Er hatte sich nie uber Led Zeppelins Texte Gedanken gemacht. Abhaun!" (441). Dass der DDR-Geheimdienst dem Protagonisten aus der blossen Tatsache, dass er Led Zeppelins Lied gespielt hatte, Republikfluchtgedanken unterstellte, die er gar nicht hatte, macht die Verwendung englischer Ausdrucke und ihre arbitrare Ubersetzung ins Deutsche besonders interessant. Ohne diesen vielsagenden Wechsel ins Englische hatte Osangs feierliche Verwendung der russischen Ausdrucke auf den Leser wie eine Nostalgie nach der DDR gewirkt.

Ein anderer Text der DDR-Nachwendeliteratur, in dem Wechsel ins Russische eine wichtige Rolle spielen, ist der Bericht uber zwei Reisen in den Osten in Gunter Gorlichs 1999 erschienenen Autobiographie Keine Anzeige in der Zeitung. Die erste Reise, 1945, ging in die Kriegsgefangenschaft in den Ural, wo der Hitlerjunge zum Kommunisten umgeschult wurde. Zum zweitenmal reiste Gorlich 1989 mit Erich Honecker in die Sowjetunion, in einem Flugzeug der Regierungsstaffel der DDR, das wenig spater das Regierungsflugzeug Helmut Kohls werden sollte. Fur die Beschreibung der beiden Reisen gilt grundsatzlich, was Cozart Zorach als didaktischen Impuls bezeichnet (139). Gorlich war in seiner Funktion als Vorsitzender des Berliner Schriftstellerverbandes einer der dogmatischsten Kultur-Funktionare der DDR. Von seiner ersten Russlandreise erzahlt der Autor ohne Zweifel, um seine spatere politische Rolle in der DDR zu rechtfertigen. Auf der Reise donhin hatte ihn die "blanke Angst" (25) begleitet; er erwartete erschossen zu werden. Start dessen musste er nur im Schacht arbeiten und wurde geschult, was beides schwer, aber ertraglich und schlieBlich zu seinem Besten war. Spater gehorte er zur Wachabteilung des Kriegsgefangenenlagers. Stolz berichtet der Autobiograph, wie er auf dem Wachturm sitzt und uber die Walder des Urals blickt. Wenn der wachhabende Soidat "'Wsjo obratno?' (Alles in Ordnung?)" tuft, muss er an eine Eisenschiene schlagen und "Wsjo obratno" (55) rufen. Die strenge Frage und gehorsame Antwort stehen leitmotivisch uber der anschlieBenden Beichte uber seine Rolle als dogmatischer Funktionar in der DDR. Sie enthalten Satze wie: "Mit Leuten wie Kader-Muller verkam die Idee des Sozialismus. Aber wir liessen sie gewahren" (69).

Der Bericht fiber die Reise mit Honecker 1989, die abermals in den Ural geht, enthalt keine russischen Ausdrticke, muss aber erwahnt werden, weil der Erzahler mittels dieses Berichtes seinen festen Giauben an das "Wsjo obratno" (55) aus dem Ruckblick teilweise mit einem Fragezeichen versieht. Ftir beide, Gorlich und Honecker, sollte die Reise ein "Nostalgie-Aufenthalt" (36) sein. Gorlich reist in die Gegend, wo er vier bedeutende Jahre seiner Jugend verbracht hat. Honecker will nach Magnitogorsk, um das "Herzstuck der gigantischen lndustrialisierung der Sowjetunion zu Beginn der dreissiger Jahre" (34) noch einmal zu sehen. Wahrend Gorlich uber die Erlebnisse in dieser Stadt berichtet, verlasst ihn der dogmatische Impuls, wenn auch nur kurz. Kaum verhehlen kann er seine Schadenfreude uber Honeckers politische Blindheit. Denn der Unterschied zwischen beiden Funktionaren ist, dass Gorlich uber seine Frau und seinen Sohn fiber die Realitat des Lebens im Sozialismus aufgeklart ist, ausgerustet mit einem Wissen, dass er aus Parteidisziplin und offenbar aus Dank dafur, von den Russen 1945 nicht erschossen worden zu sein, unterdruckt. Honecker dagegen ist nicht aufgeklart, er glaubt fest an die Ideologie; bei einer unliebsamen Begegnung mit der Realitat fallt er aus allen Wolken. Als ein Teil des Besuchsprotokolls in Magnitogorsk war vorgesehen, class der Generalsekretar der SED und Staatsratsvorsitzende der DDR anlasslich eines Lichterfests auf einer Freilichtbuhne eine Rede an die Bevolkerung halten sollte. Sie stolpern im Dunkeln zu ihrer Holzbank und harren, wie Gorlich schreibt, "der Dinge, die da kommen sollen" (37). Die Menschenmassen sind erregt und scheinen erwartungsvoll, was Honecker auf die Ankfindigung seiner Rede bezieht. Schliesslich beginnt auf der Buhne ein iangweiliges Nummernprogramm mit Folklore und Witzen, uber die niemand lacht. Dann plotzlich Buhen, Schreien, Pfeifen aus dem Publikum; Flaschen und Holzstucke fliegen; die Gaste aus der DDR fliehen unter dem Schutz von Sicherheitsbeamten. Spater erfahren sie, die Leute waren mit der Anktindigung eines scharfen Rockkonzerts in das Stadion gelockt worden, in das sonst keiner gekommen ware. Honecker zeigt sich unbelehrbar, wenn er das Vorgefallene mit den Worten dass "nicht sein kann, was nicht sein darf" (38) interpretiert. "Jibes at the vulgarity of tourists from capitalist countries" (139) hatte Cozart Zorach als ein Beispiel fur den Didaktatismus der DDR-Reiseliteratur genannt. In diesem Fall jedoch gilt Gorlichs Seitenhieb nicht Touristen aus dem westlichen Ausland, sondern dem eigenen SED Generalsekretar. Folgendermassen kommentiert der Autor den Vorfall in Magnitogorsk:
 Das Verdrangen von Fehlschlagen und Niederlagen und die kleine, in
 der Offentlichkeit nicht beachtete Niederlage in Magnitogorsk, wie
 uberhaupt die Fahrt nach Moskau Ende Juni 1989, gehtirten auch zum
 Szenarium unscres Untergangs. Warnsignale wurden nicht gesehen,
 sollten und durften nicht gesehen werden (38).


Gorlichs Autobiographie ist insofern ehrlich, als der Autor zugibt, fur diese Warnsignale nicht blind gewesen zu sein, sie aber aus Opportunismus in seinem Reflektionsprozess unterdruckt zu haben. Die Begegnung mit den anderen, die eine fremde Sprache sprechen, in diesem Fall den Russen, verstarkt bei der Erinnerung an die erste Reise die dogmatische Selbstgewissheit des Funktionars--"Wsjo obratno" (55) ist Gorlichs symbolischer Kommentar uber die Zustande in der DDR. Bei der Erinnerung an die zweite Reise dagegen unterminiert die Begegnung mit den anderen, die auf Russisch buhen und schreien, fur einen Augenblick diese Selbstgewissheit.

Als Zwischenergebnis gilt festzuhalten, dass die Wechsei ins Russische und Englische in den Texten Poppes, Krauss', Osangs, Schindhelms und Gorlichs keine postmodernen Ornamente sind; sie haben eine mimetische Funktion. Konkret entstammen sie einem sozialpolitischen Impuls, der eng mit einer Wertung des eigenen Lebens in Ostdeutschland vor und nach der Wende 1989 verknupft ist. Wahrend sich jedoch der eine (Gorlich) das ideologisch Mitgebrachte in der Fremde--auch mit Hilfe der Fremdsprache--hauptsachlich zu bestatigen sucht, nehmen die anderen die Fremde als Herausforderung an, um unterdruckte eigene Lebensmoglichkeiten freizulegen oder wie Edzard Obendieck es nennt: "die Fremde in sich selbst" (120). Dabei verbinden sich die englischen Ausdrucke zumeist mit den Erlebnissen der raumlichen und psychischen Entgrenzung, die russischen dagegen mit Erfahrungen der Begrenzung, die entweder positiv erfahren wird (Krauss, Osang) oder negativ (Schindhelm).

Ein konkreter Fall der Dialektik von Ent- und Begrenzung ist die zwischen Fernweh und Heimweh. Barbara Honigmann erforscht sie in ihrer Erzahlung Eine Liebe aus Nichts (1991), in der Wechsel ins Franz6sische eine wichtige Rolle spielen. Die Ich-Erzahlerin des Textes erinnert sich an ihre Auswanderung aus der DDR nach Frankreich 1984. Aus Paris hatte sie zuriickgeschaut und gedacht: "Damals waren wir ungliicklich, weii wir eine gro[beta]e Sehnsucht nach etwas ganz Unbestimmtem hatten, und nun sa[beta] ich hier und hatte immer noch Sehnsucht nach etwas ganz Unbestimmtem und Heimweh nach meinen Freundinnen und meinem Vater" (20). Das Code-Switching ins Franzosische untersttitzt dabei den Polder "so ersehnten Fremde" (68); die Fremdsprache wird zum Befreiungsinstrument:
 Pariii Est! Pariii Est! Ich kam aus dem Osten, ja. Ich habe mich in
 dem Bahnhof, der sehr hell und sehr gro[beta] ist, umgesehen wie in
 einer neuen Wohnung, die man zum erstenmal betritt; man sieht die
 kahlen Wande an und fragt sich, was einen hier wohl erwartet und
 was man alles erleben wird, und ist angstlich und neugierig
 zugleich und auch stolz, dass man sich in das Abenteuer gesttirzt
 hat und dass es nun kein Zuruck mehr gibt (12).


Caren Kaplan hielt in ihrer Untersuchung des Reisens fest: "following the concept of the voyage of the Athenian theor, foundational to Western culture is the idea that travel produces the self, makes the subject through spectatorship and comparison with otherness. Thus, in this ideology of subjectivity, distance is the best perspective on and route toward knowledge of self and others" (36). Diese elementare Bedeutung des Reisens fur die Konstitution eines Menschen als Subjekt erleichtert es den Ausreisedrang vieler DDR-Burger zu verstehen. Nicht nur, dass sie aus Unbehagen an den vielen Einschrankungen in ihrem Land an Fernweh litten. Sie wollten reisen durfen, um die eigene mit anderen Kulturen vergleichen zu konnen, sie wollten sich (im buchstablichen Sinn des Wortes) bilden. Im Falle von Honigmanns IchErzahlerin in Eine Liebe arts Nichts wird gewiss: Der Blick auf sich selbst von au[beta]en, einem geographisch und linguistisch ganz anderen Ort, war an einem bestimmten Punkt ihres Lebens zu einem Grundbedurfnis geworden. Ohne die Ausreise aus der DDR ware sie geistig erstickt. Andererseits, hatte sie frei reisen durfen, hatte sie keinen Ausreiseantrag gestelit, der immerhin nur das Weggehen, aber nicht das Zurtickkommen gestattete. Damit wertet der Text, obschon die Ich-Erzahlerin auch ihr Heimweh nach der DDR tiberzeugend beschreibt, den Akt des Weggehens, der uber das Reisen hinausgeht und einen totalen Paradigmenwechsel bedeutet, positiv.

Honigmanns funf Jahre spater veroffentlichter Roman Soharas Reise (1996), in dem neben dem Wechsel ins Englische und Franzosische auch das ins Arabische und Hebraische auffallt, geht in Bezug auf die Tragweite des Wortes Reisen einen Schritt weiter. In diesem Text bezieht die Autorin in den Themenkomplex Reisen/Auswandern auch die erzwungene Ausreise, die Vertreibung, sowohl einzelner Menschen, als auch ganzer Volkerschaften, mit ein. Dabei tritt die yon Karen Caplan (siehe Zitat) beschriebene Subjektkonstitution durch Reisen als ein Teil der westlichen Kultur zunachst in den Hintergrund, um spater, bei der Beschreibung von Soharas Reise nach London, nur um so starker in den Vordergrund zu treten. Jeffrey Peck nennt den Text "a kind of prototype, a literary roman a cle for Honigmann and for all Jews who are preoccupied with topics of home, belonging, and identity" (560). Fur das Thema der Grenzuberschreitung in andere Lander und Sprachen im Kontext der ostdeutschen Nachwendeliteratur ist das Interessante an diesem Text, dass sich hier die Erfahrungen der Autorin als Ostdeutscher und als Judin uberschneiden, was ihr erlaubt, auch die Erfahrungen einer sephardischen Judin, die aus Algerien auf Grund ihres Judentums am Ende der Kolonialzeit vertrieben wurde, mitzureflektieren. Der Wechsel in die verschiedenen Fremdsprachen hat damit Funktionen, die tiber das ideologische Ost-West-Schema, wo oft Russisch gut und Englisch schlecht ist oder umgekehrt, welt hinausgehen. In Pecks Worten: "Honigmann, a child of both these worlds, the Jewish and the East German, uses 'Soharas Reise' as a metaphor for renewal and rebirth, both literally and figuratively, from Algeria to France and from naive and obedient wife to independent woman" (561).

Die Protagonistin, Sohara, ist eine Judin aus Algerien, die im Exil in Frankreich lebt und mit einem Betrtiger verheiratet ist, der ihre Kinder entfuhrt. Die Sprache, in der sic mit ihren Kindern und Nachbarn kommuniziert, ist Franzosisch. Gesprache mit ihrer Mutter und ihrem Mann werden auf Arabisch gefuhrt: "Und so einen Nar Nar zum Beispiel, wie diesen hier", sagt Simon, "das kennen sic [die europaischen Juden] uberhaupt nicht, und richtigen Kuskus konnen sic auch nicht zubereiten, yon einer Dafina ganz zu schweigen, die wissen gar nicht, was das ist" (37). Das Arabische, stellt sich im Laufe tier Lekture heraus, dient den Exilanten aus Nordafrika nicht nur dazu, ihr Heimweh zu artikulieren, sondern auch, sich ihrer Identitat als Sefardim zu versichern: "Wir lachten, und auch meine Mutter lachte. Sie fiel im Gesprach mit Simon immer mehr ins Arabische, sic kramte geradezu in ihren arabischen Schatzkisten und holte die besten Stucke an Redewendungen und weisen Sprtichen hervor" (37). In der Synagoge tanzen die Manner wild und rufen "'Huwada!' [...] 'Er wird kommen'" (76), ein Ausdruck, der Soharas Nachbarin Frau Kahn, eine deutsche Judin, befremdet: "sie hatte wohl vorher noch nicht richtig begriffen, da[beta] wir aus arabischen Landern stammen" (76-7). Spater, nachdem Soharas Mann ihre Kinder entfuhrt hat, benutzt Sohara das Arabische um zu schreien und zu fluchen; die Sprache ihrer Kindheit hilft ihr, mit ihren Angsten fertigzuwerden.

Die Geschichte spielt, wie schon erwahnt, in Frankreich. Der Text Soharas Reise ist auf Deutsch geschrieben: dennoch gibt es auch Wechsel in die franzosische Sprache. Das folgende Beispiel soil zeigen, dass Honigmann diese nicht zufallig oder wegen des Lokalkolorits gewahlt hat. Nach dem Raub ihrer Kinder durch ihren Ehemann geht Sohara erstmalig in ihrem Leben in ein Friseurgeschaft. Die Autorin verwendet dafur die Worte: in das "Coiffure Gerard" (99) gehen, um den Zuwachs an Unnbhangigkeit in der bis dahin geduckt den Regeln ihres Mannes folgenden Protagonistin hervorzuheben. Bis zu diesem Augenblick hatte sie stets, auch zu Hause, ein Kopftuch getragen. Der franztisische Einschub wirkt hier wie in Honigmanns Text Eine Liebe aus Nichts der Ausruf "Pariii Est! Pariii Est!" (12) als ein Befreiungsinstrument. Obwohl es sich in beiden Fallen nur um wenige Worter handelt, trifft auf sie Julia Kristevas Feststellung uber das Schreiben in einer Fremdsprache zu: "Object of lucid love and nonetheless passionate, the new language is a pretext for rebirth: new idendity new hope" (287).

Das regelrechte Sprachenfeuerwerk im Text beginnt, wenn sich Sohara daran macht, ihre Kinder zu befreien. Eine sogenannte internationale Tora Connection hat deren Aufenthaltsort entdeckt; Soharas Mann halt sie in London versteckt. Ein chassidischer Jude holt Sohara in dieser Stadt am Flughafen ab und stellt sich mit den Worten: "My name is Mordechai" (113) vor. Englisch spricht Sohara nicht; sie reagiert verunsichert: "Im Auto ring der Chassid dann an, englisch auf mich einzureden, und als ich sagte 'No, no English', fragte er, 'Jiddisch?' Wo sollte ich denn gerade Jiddisch gelernt haben, Ich fragte zuruck 'Arabisch?' Under antwortete blo[beta]: 'chas weschalom', Gott behute, auf hebraisch" (114). Vom jahrelangen Studium der Tora beherrscht Sohara ein paar Brocken dieser Sprache. Muhsam kommuniziert sie mit dem Chassiden, hebraische Redeschnipsel mit denen aus anderen Sprachen vermischend. Linguistisch interessant wird es, wenn es um die Befreiung der Kinder geht: "Dort schob er reich aus dem Auto und sagte: 'lech!', und um noch deutlicher zu sein: 'lech, lecha!', wie namlich Gott zu Abraham sagte: 'Geh in das Land ... '[...]. Als ich draul[beta]en war, rief er hinterher: 'kachta jeladim', nimm die Kinder!" (115). Sohara ist nach der erfolgreichen Befreiungsaktion der Kinder eine andere Person als am Anfang des Textes, unabhangig und selbstbewusst. Ein Instrument dieser Verwandlung ist dabei auch ihr mutiger Zugriff auf andere Sprachen gewesen.

Um zusammenzufassen, das Motiv der Fremde dient im Roman Sohoras Reise, dessen Autorin nicht nur DDR-Burgerin war, sondern auch Judin ist, zu mehr als der geographischen und weitanschaulichen Neuorientierung vormals zwischen engen Grenzen eingesperrter Ostdeutscher. Reisen schlie[beta] hier auch die Bewegungen von Volkern uber den Erdball um des nackten Oberlebens willen ein. Es kommt hinzu, dass durch die Einbeziehung der Vorbehalte zwischen europaischen und nordafrikanischen Juden und au[beta]erdem zwischen Juden und Arabern in Soharas Reise die Problematik zwischen Ost-und Westdeutschen oder zwischen Sozialismus und Kapitalismus, die in vielen seit der Wende publizierten Reisetexten unterschwellig mitschwingt, (2) relativiert wird. Den tiefen Vorbehalt zwischen Juden und Arabern zeigt Honigmann etwa an Mordechais Entsetzen, wenn Sohara in London versucht, mit ihm auf Arabisch zu kommunizieren.

Kathryn Starkey fragt in ihrer Untersuchung des Multilingualismus in Wolfram von Eschenbachs Willehalm, ob die vieisprachige Welt, die mit der biblischen Zerstorung des Turms von Babel entstanden ist, im Text mehr als ein Fluch oder ein Segen bewertet wird. Die Autorin antwortet darauf: "the narrator ultimately recognizes that despite the potential problems of communication, linguistic difference is divinely sanctioned" (30). Mit anderen Worten, die Vielsprachigkeit der Menschheit ist "von Gott so gewollt", nicht um sie zu strafen, sondern um ihr ganzes kreatives Potential zu mobilisieren, wenn sie lernen miissen, damit zurechtzukommen. Dass die Verwendung fremdsprachiger Ausdrucke in den hier untersuchten Texten ostdeutscher Autoren die Kreativitat der Protagonisten in den meisten Fallen entfesselt, scheint deutlich geworden. Es geht hier um Reisen, nicht um Vertreibung--eine Situation, in der wie in Soharas Fall der Gebrauch von Zweitsprachen erzwungen ist und zunachst als ein Fluch erscheint. Doch selbst in diesem Fall, zeigt Honigmann, sind die Fremdsprachen letztlich ein Segen, indem sie nicht nur die existentiell bedrohliche Situation der Protagonistin zu ihrer Zufriedenheit losen helfen, sondern auch zu ihrer Verwandlung in eine unabhangige und selbstbewusste Frau beitragen.

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GABRIELE ECKART

Southeast Missouri State University

Anmerkungen

(1) Es gibt dabei Ausnahmen in der westdeutschen Gegenwartsliteratur. In Judith Hermanns Erzahlungsband Sommerhaus, spater zum Beispiel drucken englische Einschube, zumeist Zitate aus beruhmten amerikanischen Songs, nostalgische Sehnsuchte der verschiedenen Protagonisten aus.

(2) Ein gutes Beispiel ist Volker Brauns Wechsel ins Englische in einem Bericht tiber eine Reise nach San Francisco in Der Wendehals (1995). Der Erzahler erhalt in dieser Stadt einen kleinen silbernen Stern als Geschenk, wie er an die Heifer beim Erdbeben im Oktober 1989 vergeben wurde. In einem knirschenden Ton kommentiert er: "Im Oktober 1989 war ich im Erdbeben in Berlin. Alright" (113). Durch diese Worte wird der Zusammenbruch des sozialistischen Systems in der DDR nicht nur in den Rang einer existenzbedrohenden Naturkatastrophe erhoben; das "Alright" am Ende impliziert dartiberhinaus unterschwellig die Uberzeugung Brauns, dass Amerika, zu dessen Sprachschatz dieses Wort gehort, als kapitalistisches Land an dem Zusammenbruch mit Schuld gewesen sei.
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Author:Eckart, Gabriele
Publication:Germano-Slavica
Geographic Code:4EUGE
Date:Jan 1, 2007
Words:4948
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