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Benita laumane, Smalki lija zelta lietus/[TEXT NOT REPRODUCIBLE IN ASCII].

Benita laumane, Smalki lija zelta lietus. Dabas paradibu

nosaukumi latviesu valida I, Liepaja, Liepajas

Pedagogijas akademija, 2005. 415 S.

Die lettischen Sprachforscher konnen bemerkenswerte Erfolge in der systematischen Untersuchung von zahlreichen thematischen Wortschatzgruppierungen ihrer Muttersprache, wie beispielsweise Bezeichnungen von Nahrungsmitteln, von Kopfbedeckungen, Handwerkslexik in einigen Mundarten usw', vorweisen. Die zur Besprechung anstehende Monografie, in der es um volkstumlichen meteorologischen Wortschatz geht, ist das vierte Buch von Dr. phil. Benita Laumane, die eine sehr produktive Wissenschaftlerin ist. Ihre den lettischen Fischnamen gewidmete Dissertation "Zivju nosaukumi latviecsu valoda" (1973) bewirkte zum Zeitpunkt ihres Erscheinens ein breites und besonders positives Echo (s. z.B. die Rezension von Paul Ariste "Lingvistiline ulevaade lati kaladest" (--KK 1973, S. 572-573)). Die nachsten Werke behandelten Fischfangorte an der lettischen Ostseekuste "Zvejvietu nosaukumi Latvijas PSR piekraste" (1987) und den Fischfang an sich "Zeme, jura, zvejniec iba. Zvejniecibas leksika Latvijas piekraste" (1996).

Die Monografie "Smalki lija zelta lietus. Dabas paradibu nosaukumi latviecsu valoda", deren Titel in direkter Ubersetzung auf Deutsch "Es regnet goldenen Nieselregen. Bezeichnungen von Naturerscheinungen im Lettischen" heisst, wurde 2005 herausgegeben. Dieses die Naturerscheinungen in Begriffgruppen wiedergebene Lexikon ist so umfangreich und vielschichtig, dass die gesamte Analyse nicht zwischen den beiden Buchdeckeln Platz gefunden hat und ein zweiter Band angekundigt wurde. Das rezensierte Werk beinhaltet insgesamt 2500 mit Natur- und Wettererscheinungen verbundene Worter einschliesslich ihrer phonetischen und morphologischen Varianten sowie Phraseologismen. In diesen thematischen Gruppierungen findet sich eine Vielzahl Benennungen, die fur den Menschen ungunstige Witterungsverhaltnisse (Regen, nasser Schnee) und gefahrvolle Naturerscheinungen (Blitz) wiedergeben. Das verbale Ausdrucken einiger solcher Erscheinungen steht mit dem altertumlichen Volksglauben und Tabuthemen in Verbindung (so die Bezeichnungen des Gewitters). Die Autorin bringt das gesamte Belegmaterial in 42 thematischen Gruppierungen unter, wobei sie besonders die meteorologische Klassifizierung und Terminologie der Naturerscheinungen im Auge hat. In umfangreichen Kapiteln werden behandelt: die Himmelskorper und mit ihnen verbundene Erscheinungen, Wolken, Niederschlage, Gewitter, Regenbogen, Frost. Die Analyse umfasst den semantischen, etymologischen und teils auch arealen Aspekt des diesbezuglichen Wortschatzes. Sie untersucht das Funktionieren der meteorologischen Lexik in der lettischen Dialekt- und Schriftsprache sowie im wissenschaftlichen Terminologiebereich. B. Laumane war bemuht die verschiedenen Entlehnungsschichten und semantische Parallelen aufzuzeigen, indem auch die entsprechende Lexik aus den Nachbarsprachen (Litauisch, Estnisch, Livisch, Russisch, Polnisch und auch Deutsch) unter die Lupe genommen wurde. Belege fur die lettische Sprache konnen altesten lexikografischen Quellen (wie das vom Pastor Janis Langijs zusammengestellte Worterbuch des sudlichen Kurlands um Nica und Barta aus dem Jahre 1685), heutigen Ausgaben und archivierten Dialektsammlungen entstammen. Gleichsam bezieht sie eigene, bei Feldforschungen in den lettischen Kustengebieten, so aus Rucava, Nica und anderen Orten zusammengetragene Belege mit ein und lasst auch die von Studenten der Akademie fur Padagogik Liepaja (Libau) bei Dialektpraktika erfasste Materialien nicht ausser Acht. (Seit 1994 ist B. Laumane an der Akademie in Liepaja tatig; 32 Jahre hat sie im Institut fur lettische Sprache und Literatur der Lettischen Akademie der Wissenschaften gearbeitet.) Ein interessanter Blickwinkel ergibt sich aus der Tatsache, dass sie sogar lettische Folkloretexte, das Volkslied (Daina), Marchen und religose Aufzeichnungen einbezieht. In der Untersuchung wird vielfach auf den Volksglauben zuruckgegriffen, mit dessen Hilfe sich Erklarungen fur Bezeichnungen von Naturerscheinungen oder fur die semantische Motivierung von damit verbundenen Phraseologismen finden liessen. Bei der Analyse so manchen Nebenthemas des Wortschatzes boten volkstumliche Wettervorhersagen einen zusatzlichen Stutzpfeiler, so auf S. 125, wo es um Wolkenbezeichnungen und Vorhersagen fur Ernteertrage geht. Bereits in den Jahren 1999-2004 hat die Autorin kurzere eigenstandige Darlegungen zu einigen Fragmenten dieser Begriffsgruppe, wie etwa die unterschiedlichen Bezeichnungen fur Eiszapfen, Wolken, Nieselregen, Eis usw' publiziert. Fur ihre Einbeziehung in der Monografie wurden diese Untersuchungen erneut kritisch beleuchtet. Dass die Monografie ihren Titel nach einer Zeile aus dem beruhmten Volkslied erhielt, ist ebenso kein Zufall, denn in der lettischen Sprache (Dialekte und Schriftsprache insgesamt), finden sich mehr als 120 Lexeme (incl. phonetische und morphologische Varianten), die sich um den Begriff '(es regnet) Nieselregen' ranken.

B. Laumane analysiert von allen Seiten und mit hochstem Sachverstand die Morphologie des Wortschatz zu lettischen Witterungserscheinungen. Interessant ist dabei ihre Feststellung, dass bei der Bildung von diesbezuglichen Benennungen die Kompositumstruktur die Aufmerksamkeit auf sich zieht (diese Wortbildungsweise ist ansonsten nicht so typisch fur die baltischen Sprachen) und dies besonders in livischartigen Mundarten des Lettischen. In die systematische Untersuchung werden auch Verben, die meteorologische Prozesse ausdrucken, einbezogen.

Der uberwiegende Teil des lettischen volkstumlichen meteorologischen Wortschatzes ist genuin. Lexikalische Entlehnungen haben zu meist ortsbezogenen Charakter: litauische Lehnworter kennt man hauptsachlich im sudlichen Kurland, livische und estnische Lehnworter in Vidzeme und im nordlichen Kurland sowie weissrussische und russische Lehnworter vorwiegend in Lettgallen.

In der vorliegenden Besprechung soll die Widerspiegelung der lettisch-ostseefinnischen Kontakte im meteorologischen Wortschatz in den Vordergrund geruckt werden, denn die Autorin fuhrt uns in ihrer Forschung viele livische und/oder estnische Lehnworter vor Augen. So meint sie sei tipa 'Eiszapfen' livischen Ursprungs (vgl. liv. ti'B 'zapfenartiges Gehange in der Tur', est. tiba 'Tropfen; Ausguss'). Der Unterzeichnete halt jedoch eine estnische Herkunft fur glaubwurdiger, im Gegensatz zu der seinerzeit von Valdis Zeps proponierten livischen Etymologie. Estnischen Ursprungs sollen nach B. Laumane die folgenden Worter sein: ?lorcis 'nasser Schnee', lorcet 'es schneit nassen Schnee, Schlackeschnee' (vgl. est. lort's(akas) u.a. 'dicker Regentropfen, breite Schneeflocke'), sinags u.a. 'feinfadiger Regen' (est. soon : soona 'Wolkenstreifen, -strich', soonene (ilm) 'trubes Wetter', soonetama 'zu Regen hinreissen', vgl. auch liv. soonetama 'etwas anschimmeln'; S. 179, 397 fehlerhafte Lautgestalt soonene pro soonene), tiilaka 'Eiszapfen' (vgl. est. til'l' 'kleine Eisscholle', die Lehngrundlage ist eher das von Hiiumaa und Saaremaa stammende Wort (jaa)tila u.a.), tilaens 'Eiszapfen' (vgl. est. tila u.a.; da dieses Wort in der Gegend um Bauska registriert ist, schliesst B. Laumane auf ein krewinisches Lehnwort, ohne auf eine konkrete Wortform zu verweisen, s. S. 313; es sei hier erwahnt, dass sich unter krewinischen Belegen tilziNn dem. 'Tropfen' findet, s. E. Winkler, Krewinisch. Zur Erschliessung einer ausgestorbenen ostseefinnischen Sprachform, Wiesbaden 1997 (Veroffentlichungen der Societas Uralo-Altaica 49), S. 336), tos igs 'schwul' (< est. toss 'Schwule'), tunga 'Eisstau > das Eisgedrange beim Abfliessen des Eises', tung aties 'mit Eis verstopft sein > sich drangen, sich ansammeln, anstauen (Eis)' (< est. tung 'Druck', tungima 'drucken, drangen').

Von den Lehnwortern livischer oder estnischer Herkunft sind noch die folgenden aufgefuhrt: liv. ikaekas 'auf der Wasseroberflache schwimmende Eisschollen, Eisstucke' (< liv. kakk 'Eisstuck', est. kakk 'Schneeball'), ik ilas // ikilas 'auf der Wasseroberflache schwimmendes Eis' (< liv. k'il'acz(jei) 'glattes Eis', est. kiilas(jaa)), mulks 'dunkle Flecken in dem den Mond oder die Sonne umgebenen Ring' (< est. mulk, liv. mulk 'Durchgangsoffnung im Zaun, Zauntur'), soga // suga u.a. 'auf der Wasseroberflache schwimmendes Eis' (< liv. soga 'Schnee mit Wasser gemischt; Eiskruste', est. (jaa)soga 'Eis mit Wasser gemischt'), tilka 'Eiszapfen' (< liv. tilkka id., est. tilk; auf den S. 313, 352, 397, 400 und 406 wurde das livische Wort in fehlerhafter Form gegeben). Naturerscheinungen bezeichnende Worter mit estnischer und livischer Herkunft sind Lokalismen mit beschrankter Verbreitung. Hinter so manche livisch-estnische Etymologie konnte man ein Fragezeichen setzen. Die Ableitung des lettischen Dialektwortes pennes 'Eiszapfen' von der estnischen Lehngrundlage penn 'Querbalken' erschient nicht sehr glaubwurdig (dies habe ich bereits fruher angemerkt, s. L. Vaba, Laanemeresoome leksika baltoloogi vaatevaljas.--KK 2005, S. 670). Gegen diese Gegenuberstellung spricht die vielfach bestatigte Tatsache, dass man bei monosemen Lehnwortern, die konkrete Gegenstanden oder ahnliches bezeichnen, eine identische oder der Semantik der Lehnquelle ganz nahe liegende Bedeutung festgestellt hat. In fuheren Untersuchungen (Janis Endzelins, Valdis Zeps) wurde das im 19. Jahrhundert in der lettischen Lexikografie auftauchende tore 'Eiszapfen' unter Anzweiflung mit dem estnischen Wort tori 'Rohre, Rinne, Dachrinne; Strom' in Verbindung gesetzt. Die Autorin tendiert wohl auch zu dieser Erklarung (S. 313-314). Der Vergleich scheint aber nicht ganz zu uberzeugen, denn in das Blickfeld der lettischen Forscher ist nicht liv. tor // tora 'Eiszapfen' (L. Kettunen, Livisches Worterbuch mit grammatischer Einleitung, Helsinki 1938 (LSFU V), S. 427b) gelangt, das fur das zur Rede stehende lettische Wort eine mogliche Lehnbasis hatte sein konnen; eine passende Erganzung an der Stelle ware noch das etymologisch gesehen offensichtlich zur gleichen Familie gehorende estnische Dialektwort torikas 'Rotztropfen'.

Fur die eine dunne Eisschicht bezeichnenden lettischen Dialektworter juma //jums 'dunnes, zuweilen mit Schnee gemischtes Treibeis auf Flussen' und kirza //ikirze bringt B. Laumane eine estnische Etymologie: als Lehngrundlage fur juma wird est. juhim 'Verwirrung, verwirrter Zustand' und fur kirza 'dunne Eisschicht auf dem Wassser' das est. kirs 'dunne Eisschicht' angegeben. Die Herkunft des lett. jume sollte man nochmals uberdenken: Unschlussigkeit verursachen sowohl die phonetische Substitution als auch die ausserst seltene Zugehorigkeit dieses lediglich im estnischdeutschen Worterbuch von F. J. Wiedemann registrierten Wortes juhim(us) zu anderen Begriffsgruppen. An dieser Stelle mochte der Unterzeichnete den estnischen Wortstamm jumi- ins Rampenlicht rucken, der u.a. mit den in Parnumaa aufgezeichneten Benennungen fur Eiszapfen jum(m)ikas und jumi/kara in Verbindung steht und der sich auch im Worterbuch von Heinrich Goseken aus dem Jahre 1660 "Manuductio ad Linguam Oesthonicam. Anfuhrung zur Ohstnischen Sprache" (S. 171) in der Form Jummick, Junkara findet (s. auch: A. Saa-reste, Eesti keele moisteline sonaraamat I, Stockholm 1958, Sp. 822 sub Jaa). Die Etymologie dieses estnischen Wortes ist aber noch nicht geklart (s. EEW II, S. 569; der Stamm jumi- ist unter Anzweiflungen fur ein baltisches Lehnwort gehalten worden, s. SKES I, S. 123, auf das in SSA I, S. 247 verzichtet wurde.) Die chronologischen Beziehungen von liv. kirz und kirt' sind fehlerhaft gedeutet worden: kirz ist keine altere Wortform als kirt' (S. 319). Osfi. kirsi ist baltischen Ursprungs und somit handelt es sich bei dem lettischen Dialektwort um ein zuruckentlehntes Wort.

In der Forschung wird auf gemeinsame lettische und estnische Parallelentlehnungen mit deutscher Herkunft aufmerksam gemacht: lett. (ledus) klipa 'schwimmendes Eisstuck', est. klipp, auch lipp 'Steinsplitter' (S. 322; S. 397 falschlicherweise liv. klip). Sicher konnen das Lettische und Estnische auch auf gemeinsame Parallelentlehnungen aus dem Russischen verweisen; beispielsweise lett. sipinat--est. Vastseliina sipatamma 'tropfeln; zu regnen beginnen'.

Fur einen gewissen Teil des lettischen meteorologischen Wortschatzes ist typisch, dass sich darunter viele Wortern mit deskriptivem Charakter finden. Hier scheint es wiederum wichtig zu erwahnen, dass sich in der lettischen und estnischen sowie in der livischen Sprache ein Grossteil der deskriptiven Lexik in ihrem Phonemaufbau und der Semantik sehr nahe steht, wobei jedoch der genetische Zusammenhang ziemlich unklar ist. Dies sollen einige Beispiele verdeutlichen: lett. grabinat--est. rabistama 'mit Geprassel regnen', lett. ccabinat--est. sabistama 'fein regnen, Nieselregen', lett. piloncka--est. lonts 'Schneeregen', lett. slaepa // zlaepa--est. lapp 'nasser Regen', lett. slocka u.a.--est. lots u.a. 'nasser Regen', lett. c zilaga, zlaega, slaegi (? < mnd. slagge)--est. (jaa)loga 'Eissuppe', laga, lett. zloga, sloga--est. loga usw' Andererseits gibt es aber reichlich Falle, die schwer(er) als deskriptiv definiert werden konnen. Im Moment ist noch nicht ganz klar, worin beispielsweise die etymologische Beziehung der folgenden Gegenuberstellungen besteht: lett. drepen et 'langsam schneien'--Vastseliina, Rapina raputamma (rapotamma) u.a. 'es regnte Schneeregen, tropfeln', Parnu-Jaagupi, Aksi raps 'Tropfen', lett. gale u.a. 'Glatteis' und/oder at/kala u.a. id.--est. kolaks u.a. 'gefrorene Erdschicht', kolt 'Eisstuck' koljak(as) (kollak(as)), kolle 'Eisscholle', kolss 'Eisstuck', kolt 'Eisstuck', lett. lite // lits u.a. 'Eisscholle'--Kihnu liit: liidu 'Eis, das zwischen dem Festland und einer Untiefe festliegt', Jamaja liit 'grosse oder kleine Eisscholle im Meer', Haademeeste liit 'eine durch Wind entstandene Spalte oder breite Eisspalte im Meer', lett. s aera 'Regenwolke', saerains laikas 'Gewitter'--liv. sar 'Schauerwolke, Regen-, Hagel-, Schneeschauer', pit'kis-s arod 'Gewitterschauer', est. (Lut) saaris/paa 'kleine Wolke am klaren Himmel, die vielleicht Regen bringt', Voru ?saar 'vihmasagar', saaris/ paa 'Regenschauer' (?< sagar), lett. tiens: tiens gaiss 'klares stilles Wetter'--est. tuune // toone u.a.: t. ilm 'stilles Wetter'.

Die Autorin hat sich auch nach semantischen Parallelen von lettischen Naturerscheinungen auf Nachbargebieten umgesehen, denn semantisch ahnliche Bezeichnungen konnen uber Sprachund Kulturkontakte Auskunft geben, konnen aber auch auf ahnlichen, unabhangig voneinander vorhandenen Assoziationen basieren, so wie etwa die Ableitung von Benennungen fur den Eiszapfen von Wortern mit der Semantik 'Tropfen' und 'tropfen'. Bei der Bildung von Bezeichnungen der Naturerscheinungen nehmen semantische Wortbildungen einen bedeutenden Platz ein. Interessant sind phraseologische Wortverbindungen, die der Bezeichnung von Wettererscheinungen dienen. Hervorgehoben wurden ebenso semantische Parallelen mit den ostseefinnischen Sprachen, so z.B. wird bei den Tabu-Benennungen des Gewitters--gestutzt auf die Werke von Elga Kagaine--als semantische Parallele vanamees 'alter Mann' (S. 209) vorgebracht; hier sollte man nicht vergessen zu erwahnen, dass noch allgemeiner gesehen im estnischen Sprachraum die gleichbedeutenden aike(ne) und kou Verbreitung finden. Semantische Parallelen hatte man noch wesentlich mehr ins Blickfeld rucken konnen. Als Beleg hierfur sei der ideomatische Ausdruck fur den Sonnenuntergang angefuhrt, buchstabl. 'die Sonne geht zum Gott': saule iet pie Dieva // saule iet Dieva--in Sudostestland und in der Mundart der Ludza-Esten jummalado u.a. [minema], in Wolkenbenennungen (lett. debecsu gabali--est. pilve tukid, liv. pila-kabal 'Wolkenstuck', lett. lietus laiva--est. vihma lae(v) 'Wolke, buchstabl. Regen-schiff') usw.

Die Belege aus der estnischen Sprachen sind hauptsachlich den folgenden Quellen entnommen: dem Sprachatlas ALE (Atlas Linguarum Europae), J. Magistes EEW, dem "Estnisch-deutschen Worterbuch" von F. J. Wiedemann und der Dissertation von V. Zeps "Latvian and Finnic Linguistic Convergences". Das livische Material entstammt dem "Livisches Worterbuch mit grammatischer Einleitung" von Lauri Kettunen und der Monografie "Die jungen lettischen Lehnworter im Livischen" von Seppo Suhonen. Es ist schon recht schade, dass die Autorin nicht auf das Worterbuch von Andrus Saareste "Eesti keele moisteline sonaraamat" zuruckgegriffen hat.

Im estnischen Sprachraum findet sich reichlich Wortschatz zu Naturerscheinungen, der dem Baltischen entsprungen ist, wie etwa aur 'Dampf', hall, -a 'Reif', harm(atis) 'Reif, Rauhreif', karss 'Glatteis', kirme 'Hauch, dunne Schicht', kirs 'dunne Eisschicht', kou 'Gewitter', marg 'Vollmond', rahe 'Hagel(korn)', roud 'gefrorene Erdoberflache', rand 'nasser Schnee', tara: kuu t. 'Lichtring um den Mond', paikese t. 'Ring um die Sonne', tere 'Strahl', terendama 'in der Luft widerspiegeln', videvik 'Dammerung, Halbdunkel'. Jungere lettische Lehnworter gibt es im angestammten estnischen Sprachgebiet nur sehr wenige (?kapl 'Schnee-, Eisklumpen', ?laas 'grosser Regentropfen', rautsima 'ankleben (bezuglich nassem Schnee)'; s. L. V a b a, Uurimusi lati-eesti keelesuhetest, Tallinn--Tampere 1997). Zahlreich sind sie hingegen in der Mundart von Leivu: Leivu badebeNsNsi Pl. 'Nebel', dutsend 'gewittern', gaissa 'Luft', kaavi // kavoidzo Pl. 'Nordlicht', kupan 'Schneewehe', ladu 'Eisschicht', paarkun 'Donner, gewittriges Wetter', rout's 'gewittern', slaak 'Schlackeschnee, Schneeregen' und Ludzi latak 'Eiszapfen'.

In der livischen Sprache gibt es in dieser Begriffsgruppe in massigem Umfang Worter mit lettischer Herkunft, die auch von B. Laumane aufgezeigt werden, so wie bula 'heisses und trockenes Wetter; schwul und trocken (Wetter); Dunstschicht', sloga, slo'ddor (auf S. 194 falschlicherweise sl'od'e, r) und sla'ddor 'nasser Schnee', vi'sssol 'feiner Nebelregen', liv. Salis varviks 'Regenbogen'. An der Stelle sollte man unbedingt darauf hinweisen, dass sich sogar im krewinischen Sprachgut meteorologische Lexik lettischer Herkunft entdecken lasst, so wie etwa *mukoli 'Wolke', *saule 'Sonne', cziben 'Blitz', *varuviksni 'Regenbogen' und einige andere (s. E. Winkler, Krewinisch. Zur Erschliessung einer ausgestorbenen ostseefinnischen Sprachform, Wiesbaden 1997 (Veroffentlichungen der Societas Uralo-Altaica 49), S. 355 ff.).

Die im vorliegenden Werk ausfuhrlich erfasste Lexik ist im Estnischen und in anderen ostseefinnischen Sprachen in keiner Weise gleichsam systematisch untersucht worden und demzufolge konnte die Monografie von Benita Laumane gute Anhaltspunkte fur eine analog geartete Forschung bieten.

LEMBIT VABA (Tampere--Tallinn)

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Author:Vaba, Lembit
Publication:Linguistica Uralica
Date:Dec 1, 2007
Words:2486
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