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Bemerkungen zum Hethitischen Worterbuch aus Chicago--CHD S/2.

Im selben Jahr (1980), als in Heidelberg bereits die 5. Lieferung der Neuauflage von Johannes Friedrichs lexikalischem Werk Hethitisches Worterbuch ([HW.sup.1]) publiziert wurde, erschien in Chicago der erste Faszikel des Hittite Dictionary (CHD) unter der Herausge berschaft von Hans G. Guterbock und Harry A. Hoffner, Jr.

Die "zweite, vollig neu bearbeitete Auflage" ([HW.sup.2]) des erstgenannten Worterbuches war von der Munchener Hethitologin Annelies Kammenhuber "auf der Grundlage der edierten hethitischen Texte" (1) in Angriff genommen worden. Es handelte sich dabei angesichts der ge-waltigen Fortschritte in der hethitologischen Forschung, des stetigen Zunehmens der edierten Texte und der standig sich vermehrenden Fachliteraturum ein mutiges, fur eine Einzelperson schwer zu bewaltigendesUnternehmen.Stellte doch Friedrichs Worterbuch aus dem Jahr 1952 (mit drei Erganzungsheften von 1957, 1961 und 1966)--dem damaligen Forschungs-stand entsprechend--nur "eine kurzgefasste kritische Sammlung der Deutung hethitischer Worter" dar, wie schon der Untertitel desselben besagte.

Sehr forderlich fur die noch immer junge Disziplin Hethitologie war es daher zweifellos, dass das amerikanische Projekt (CHD), das neben den edierten Texten auch noch unpubli-ziertes Material verwerten konnte und kann, nicht in gleicher Weise wie das deutsche ([HW.sup.2]) mit dem Beginn des Alphabets einsetzte. Es startete vielmehr mit Buchstabe L. So konnen die Benutzer beider Lexika heute bereits auf bearbeitete Lemmata zuruckgriefen, die in [HW.sup.2] von A-H (H noch nicht abgeschlossen) und in CHD von L-S (S noch nicht beendet) reichen.

Bislang sind insgesamt neun Faszikel von CHD (1980-2005) erschienen. Von [HW.sup.2] liegen 17 Lieferungen (1975-2007) vor. Beide Worterbucher konnten trotz des Todes von Annelies Kammenhuber ([dagger]1995) und von Hans G. Guterbock ([dagger]2000) ohne groBere Unter-brechungen erfolgreich weitergefuhrt werden, und zwar [HW.sup.2] durch Inge Hoffmann, CHD durch Harry Hoffner und Theo van den Hout. Zur Orientierung des Lesers sei hier ein Uberblick uber den bisherigen zeitlichen Verlauf der Publikationen beider Worterbuchprojekte sowie die fur die juweiligen Faszikel zustandigen Herausgeber geboten:
CHD (HW.sup.2)

Volume L-N (1980-1989); Band I:A (1975-1984);
H.G. Guterbock/ J: Friedrich[dagger]/
H.A. Hoffner A. Kammenhuber
 kammenhuber

Fascicle 1: 1980 Lieferung 1: 1975

Fascicle 2: 1983 Lieferung 2: 1977

Fascicle 3:1986 Lieferung 3: 1978

Fascicle 4: 1989 Lieferung 4: 1979

 Lieferung 5: 1980

Volume P (1994-1997); H.G.Guterbock/H.A.Hoffner Lieferung 6/7: 1982

Fascicle 1: 1994 Lieferung 8:1984

Fascicle 2: 1995

Fascicle 3: 1997 Band II: E(1988);
 J.;Friedrich[dagger]/
 A.Kammenhuber
 Lieferung 9/10; 1988

Volums $ (2002--); H.G. Guterbock[dagger]/
H.A.Hoffner/Th.P.J.van den Hout

Fascicle 1:2002 Band III: H (1991--);
 J.Friedrich[dagger]/
 A. Kammenhuber

Fascicle 2: 2005 Lieferung 11: 1991

Fascicle 2: 2005 Lieferung 12: 1994

 Lieferung 13:1998

 Lieferung 14:2000

 J.Friedrich[dagger]/
 A.Kammenhuber
 [dagger]/ I.Hoffmann

 Lieferung 15: 2001

 Lieferung 16:2004

 Lieferung 17:2007


Anfabgsscgwierigkeiten aber auch deutliche Schwachen, die A. Kammenhubers Projekt schon nach Erscheinen der ersten Lieferungen des [HW.sup.2] von Rezensenten angelastet wurden, (2) Konnten beim CHD weitgehend vermieden werder (3) --nicht zuletzt wohl augfrund der gut funktionierenden Zusammenarbeit der beiden aufeinander folgenden Herausgeber-Duos und deren Unterstutzung durch ein wesentlich groBeres Team wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Der neuste, im Jahr 2005 erschienene und hier zu rezensierende 2. Faszikel von Band S des CHD halt an den von der Fachwelt positiv aufgenommenen Standards der vorausge-henden acht Hefte weitgehend fest. Wie wohl jeder Benutzer mit Dankbarkeit feststellen durfte, zeichnet er sich vor allem durch die gute Ubersichtlichkeit bei der Anordnung der Lemmata, eine zumeist klare Gliederung bei der Behandlung der Stichworte selbst, deren moglichst straff gefasste, jedoch prazise Darstellung und schlieBlich auch einen relativ hohen Grad an Zuverlassigkeit bei der Bewertung und Deutung der Worter aus.

Es sollen nun zunachst allgemeine Erlauterungen zu Inhalt und Durchfuhrung dieses Faszikels (sub 1.) und anschlieBend einige Anmerkungen zu einzelnen Lemmata (sub 2.) erfolgen. Bei letzteren handelt es sich im Wesentlichen um Erganzungen und Korrekturvorschlage. Ich beschranke mich bei den kritischen Anmerkungen (sowohl sub 1. als auch sub 2.) nur auf wenige Beispiele, eingedenk einer klugen AuBerung von Harry Hoffner, die er in einer Rezension zu [HW.sup.2] getroffen hat."It is much easier to criticize a dictionary than it is to write one." (4)

1. ZU INHALT UND DURCHFUHRUNG

Das 2. Heft von CHD Band S enthalt auf den ersten Blick 179 Lemmata--angefangen von dem schon grbBtenteils am Ende von Band S/Fasc. 1, 208 behandelten, jedoch erst zu Beginn von S/Fasc. 2, 209 beendeten hapax legomenon saptamenzu, bei dem es sich vermutlich u, ein Adjektiv handelt, bis hin zum enklitischen Possessivpronomen -si-. Von diesen 179 Lemmata werden 14 ausgesondert, indem sie im Gegensatz zu den ubrigen in Fettdruck erscheinenden Stichworten in Dunndruck, meist innerhalb von eckigen Klammern dargestellt werden. Weshalb sie nicht lexikalisch bestimmt werden konnten, wird an Ort und Stelle begrundet. Entweder handelt es sich namlich um nicht existente, Worter, die aufgrund von verfehlten Lesungen in diversen Publikationen, zum Teil auch in [HW.sup.1],umher geisterten, oder um hinsichtlich ihrer Existenz fragliche Worter oder bestenfalls--wie im Falle von sas (= su + -as)--nicht um ein einziges Wort, sondern um eine Komposition aus zweien, von denen jedes gesondert am entsprechenden alphabetischen Platz behandelt werden wird. Weitere 23 Stichworter werden ebenfalls nicht an Ort und Stelle abgehandelt, sondern es finden sich Querverweise auf die jeweiligen Lemmata, denen sie zugeordnet wurden, z.B. sarip-see sarap- oder (SI) sawitra- see (SI) sawatar. Da ferner das zweifellos "gewichtige" Nomen, sargawatar, "eminence, high standing"--wohl aufgrund eines redaktionellen Versehens--gleich zwei Mal in gleicher Form dargestellt wird; namlich S.265 [nach sargan(n) iya-, und vor sarkanti-] und S.267 [nach (:) sarqatt- und vor sarkiyawar], stellt Faszikel S/2 dem Benutzer letztlich insgesamt 141 bearbeitete Stichworte zur Verfugung.

Be iet wa 67% von diesen konnte teils nur eine ungefahre oder eine recht vage (daher mit Fragezeichen versehene) Deutung erfolgen, wie z.B. beim Nomen sadayan, "(a garden plant or flower)," und dem Verb sarhiya-, "to press upon(?), maul(?)," oder aber eine nicht voll-standige, das heiBt, eine nicht im Hinblick auf den gesamten Bedeutungsbereich gesicherte, wie z.B. beim Verb, sart-, sartai-, sartiya-, "to smear(?), to wipe." Teils jedoch erwies sich eine semantische Kalrung uberhaupt als unmoglich, wie z.B. beim Verb sarupp- order beim Nomen satti-. Dies lag keinesfalls an den dafur zustandigen Wissenschaftlern, sondern am Stand der Uberlieferung der betreffenden Worter. Viele von diesen sind sehr sparlich (2-3mal) belegt oder liegen sogar nur als hapax legomena vor. Zudem treten sie haufig in stark zerstortem Kontext auf.

Somit konnte nur bei ca. 33% der bearbeiteten Stichworter, fur die meist quantitativ wie qualitativ gutes Belegmaterial zur Verfugung steht, eine Deutung ohne grb'Bere Einschran-kungen vorgenommen werden.

Dennoch ist--wie kaum anders zu erwarten--der Fortschritt gegenuber dem vor mehr als einem halben Jahrhundert begonnenen und 1966 mit dem 3. Erganzungssheft beendeten Worterbuch aus der Feder J. Friedrichs ein betrachtlicher. Allein die Zahl der in CHD S/2 aufgenommenen Lemmata hat sich gegenuber [HW.sup.2] um etwa 45% vergroBert und manche damals nur fragend erwogene, unsichere Deutung beziehungsweise nur vage Bestimmung, wie im Falle von sarap-, "nippen?" ([HW.sup.1] 2. Erganzungsheft, 22b (5)) oder (GIS) sarpa-, "Gerat; vergoltlicht neben dem Pfluge" ([HW.sup.1] 187b) konnte in CHD S/2 sub sara(p)p-, sarip-, "to sip," und sub (GIS) sarpa- B; 1. "(sharp) point, 2. harrow," geklart werden.

Abgesehen von dem bereits oben erwahnten doppelten Auftreten des Nomens sargawatar (S.265 und 267) seien hier noch einige Mangel und kleinere Versehen allgemeiner Art, die dem Benutzer ins Auge fallen durften, aufgefuhrt:

a) Bei der Unterscheidung der Schreibungen mit und ohne Determinativ wird in CHD wohl nach wie vor etwas zu wenig Sorgfalt angewandt. (6)

Zu (NINDA) saraman und Varianten (S. 239b-243a) siehe unten S.(l14);

sarli- (S. 277b--278a): hier ware wegen des einen von insgesamt nur zwei Belegen, namlich(NINDA) sar-li-in-n(a) in VBoT 24 III 24, doch analog zu ahnlichen Fallen zu erwarten, daB das Determinativ NINDA in Klammern vor dem Lemma sarli-(S.277b-278a) stunde; (:)sarunta/i- (S.299a-b): wegen (TUL) saruntaz in KUB 29.4 III 46 ware ebenfalls eine Positionierung des Determinativs (in Klammer) vor dem Lemma sinnvoll.

b) Es kommt mitunter vor, dass eine noch umstrittene Interpretation einer Textpassage, in der das jeweils behandelte Stichwort auftritt, gleichsam als gesichertes Paradigma aufgefuhrt wird, wie beispielsweise S. 269b sub sarku-. Dieser Abschnitt betrifft das in seiner Deutung unproblematische Wort sarku- als Adjektiv ("high in rank or stature, eminent, outstanding, illustrious, powerful") in attributiver Verwendung, und zwar bezogen auf Konige (b,), und hier (sub b. 2') speziell "said of kings under the Hittite emperor;'' Als einziges Paradigma wird fur letztgenannte Anwendung eine inhaltlich viel diskutierte Stelle aus dem sog. Tawagalwa-Brief vorgefuhrt, KUB 14.3 I 74: UL=as sarkus LUGAL-us esta, "Was he not an eminent/powerful king?" Uneinigkeit herrscht freilich nach wie vor dariiber. auf wen diese Frage ("War er nicht ein machtiger Herrscher?") zu beziehen ist. CHD S/2 legt hier zweifellos I. Singers Interpretation (7) als gesichert zugrunde, der unter dem sarkus LUGAL-us denim Text kurz vorher (KUB 14.3. I 73) genannten Kurunta (Kuruntiya), wahrscheinlich identisch mit dem Konig der heth. Sekundogenitur Tarhuntassa, verstehen wollte. Doch dagegen sprachen sich schon vor Jahren Ph. H. J. Houwink ten Cate (8) und H. G. Guterbock (9) aus. Ersterer bezeichnete es sogar als hochst unwahrscheinlich, dass ein Vassalen-Konig als sarkus LUGAL-us bezeichnet worden sei. Je nach Interpretation der vorausgehenden Zeilen I 71-73 in KUB 14.3 wurde der sarkus LUGAL-us auch mit dem Absender des Schreibens, dem heth. GroBkonig (10) oder mit dem in I 71 genannten Tawagalawa, (11) der hier wahrscheinlich ebenfalls als GroBkonig bezeichnet wird, identifiziert.

c) Manchmal ware im formalen Bereich ein konsequenteres Vorgehen wunschenswert. So werden zum Beispiel grobe Bestimmungen von Stichworten meist in runder Klammer dargestellt, wie etwa S. 296b saru B, "(an evil force)," oder S. 297a saru- C, "(an anatomical term)," oder S. 297a [.sup.NINDA]sarwa-, [.sup.NINDA] sarruwa-, "(a type of bread or pastry)." Aus unerfindlichen Grunden jedoch fehlt eine solche Klammer bei [.sup.NINDA] sarruwant-, "a type of bread or pastry" (S.297b), oder sariyanni-, a coat of scale armor" (S.259b).

d) Nicht selten musste(n) die Bedeutung(en) eines Stichwortes ganz oder teilweise mit Fragezeichen versehen werden. Jedoch hin und wieder geschieht es dann in CHD, dass ein weiteres Lemma, das zur gleichen Wortfamilie wie eines der genannten mit fraglicher Bedeutung gehort, zu einem solchen mit gesicherter Bedeutung mutieren kann. Dies geschieht beispielsweise im Fall von:

(SISKUR/SISKUR).[sarlatta-.sup.[(SISKUR)] n.neut., "1. exaltation(?) 2. praise offering" (S.275b), und sarlat(t)assi- Luw. genitival adj. "related to, of praise/exaltation" (letzteres ohne Fragezeichen, S.277a und b), oder [.sup.(GIS]sarhuli- n. com., "pillar(?)" (S.254b-256b), und sarhula-adj., "pillared" (ohne Fragezeichen, S.254b).

2. EINEGE ANMERKUNGEN UND ERGANZUNGEN ZU EINZELNEN LEMMATA

sard B (S.210a-228a): Im Gegensatz zu den Kopfzeilen uber den Spalten a wird in denen der Spalten b (mit Ausnahme von S.210b und S.217b) versehentlich sara B statt korrekt sara B geschrieben.

sard da- (S.218b): Hier werden als Beispiele fur den Gebrauch der Redenwendung, die das "Aufnehmen" bzw. das "sich Aneignen" der Beute nach der Vernichtung eines Landes oder Ortes durch den siegreichen KonigKo'nig von Hatti betrifft, zwei Stellen in den sog. Annalen Hattusilis I. aufgefuhrt. Bei der Beute handelt es sich entweder um die Gotter (wohl Statuen) des besiegten Ortes oder Landes (KBo 10.2 I 10// KBo 10.3 I 8': nu=ssi DINGIR.MES=SU sa-ra-a dahhun, "and I took up its gods" [wobei KBo 10.2 I 11 nach den Gottern noch drei MADNANU-Wagen erwahnt]), oder um profane Guter (KBo 10.2 I 19-20: assu=ma=ssi sa-ra-a dahhun "I took up their [lit. its] goods"). Die Gotter wurden, wie sich auch aus einer spateren Stelle im Text nochmals eindeutig ergibt, zur Sonnengottin von Arinna geschafft (siehe KBo 10.2. Ill 4-5//IBoT 4, 264 Z.6'-7'). Uber die als Guter bezeichnete profane Beute dagegen erfahrt man aus dem Bericht Hattusilis, dass er sein Haus damit anfullte (siehe KBo 10.2 I 20-21) bzw. sie "nach Hattusa in seine Stadt brachte" (siehe KBo 10.2 III 8-10).

Aus CHD S/2 wird leider nicht ersichtlich, dass die in Verbindung mit mm da- verwende-ten Floskeln fiber das Beutemachen bei siegreichen hethitischen Feldzugen einem gewissen Wandel unterliegen. So findet sich beispielsweise in den Annalen Mursilis II. (12) mehrmals im Anschluss an den Bericht uber die Eroberung oder Vernichtung von Orten bzw. Landern eine stereotype Wendung, die in etwa laulete: "Ich nahm sie mit Zivilgefangenen, Rindern und Schafen auf (sara dahhun) und brachte sie nach Hattusa heim" (zum Beispiel: KBo 3.4 I 33-34 [AM 22] oder KBo 3.4 IV 31-32 [AM 128-131]). (13) Vermutlich ist ein Hinweis hierauf falschlich in das Stichwort sarra- B hinein geraten (siehe nachfolgend!) und zwar in dessen 2. Abschnitt sub taksan sarra-, "half part, half."

sarra- B 2 (S.229b): Die hier zitierte Wendung aus den Annalen Mursilis II. (KBo 3.4 I 33-34, AM 22f.): n=as ISTU NAM.RA GUD.HI.A UDUHI.A [s]a-ra-a dahhun n=as URUKU.BABBAR-.si arha udahhun ist an dieser Stelle ebenso fehl am Platze wie der Hinweis auf einen weiteren so gearteten Topos in diesen Annalen (KBo 3.4 IV 31-32, AM 128-131). In beiden Floskeln findet sich nicht sarra-, sondern sara (siehe oben).

[s.up.NINDA]saraman,,[.sup.NINDA]saramman-, [.sup.NINDA]saramn-, [.sup.NINDA]saram(m)a- (S.239b-243a): Das Stichwort gehort zu den wenigen Beispielen, die trotz nicht geringen Belegmaterials--zumindest vorlaufig--kein endgultig gesichertes Ergebnis zulassen. Dass die Bearbeiter ihren Deutungsversuch "bread allotment?)," (auf deutsch) "Brotzuteilung, Brotzuwendung", selbst als fraglich erachten, wird schon aus dem Fragezeichen deutlich, mit dem sie ihn versehen haben. Es ware meines Erachtens sinnvoll gewesen, in einigen Fallen klarer zu differenzieren zwischen den mit Determinativ NINDA ("Brot") versehenen Belegen und solchen, bei denen das Determinativ fehlt. Dies scheint mir vor allem im Hinblick auf einige Belege im Ablativ sinnvoll zu sein. Sowohl in den Annalen Mursilis II. (KBo 3.4 II 69: sa-ra-am-na-az, [II 73] (14) //KBo 16.1 IV 25: sa-r[a-[a.sup.?]-am-na-az], IV 29: sa-ra-a-am-na-za (15)) als auch in einem Fragment aus Suppiluliumas I. eigenem Tatenbericht (KBo 19.53 III? 5': sa-ra-am-ma-na-az) (16) erscheint das Wort in Zusammenhang mit kriegerischen Ereignissen. Diese fuhrten offenbar dazu, dass Personen, die sich auf einem hoher gelegenen, belagerten Ort befanden, von dort (und zwar: saramnaz/sardmnaza) zu gehen veranlasst und--zwecks Flucht--hinab gebracht (kalta pehute-) oder als Gefangene (sarammanaz) weggeschafft wurden (arnu-).

Im erstgenannten Fall ist es die von Mursili belagerte, wohl hochgelegene Stadt Puranda (in Arzawa), aus der Tapalazunawali, der Sohn des Konigs von Arzawa, seine Familie und dort berindliche Zivilgefangene nachts zum herabgehen veranlaBte, um sie--freilich vergebens--vor den Eroberern in Sicherheit zu bringen. Im zweiten Fall--es handelt sich ebenfalls um einen Kriegsschauplatz im Arzawa-Bereich--ist von einem Ort (KBo 19.53 III? 2') die Rede, wo es Suppiluliuma I. offenbar nicht gelang, seine Gegner (3'-4') zu finden und ergreifen, von wo er jedoch vermutlich Zivilgefangene und Vieh wegschaffen konnte (5'-6'). Falls hier mit ser tarnahhun (7') gemeint ist: "ich (be-)lieB oben", ware wohl auch hier die Lage des fraglichen Ortes auf einer Anhohe, einer hochgelegenen Stelle, gesichert.

Schon Friedrich stellte in [HW.sup.1] (S.184b) die Uberlegung an, ob saramnaz an der oben genannten Stelle in den Mursili-Annalen (KBo 3.4 II 69) nicht einfach als Adverb im Sinne von "von oben herab" zu betrachten sei. Nun wird in CHD S/2 ja ein Adverb saramnaz mit der Bedeutung "from above" angesetzt (S.243b). Auch hier findet sich nicht nur die Schreibung sa-ra-a-am-na-za/az, wie die Darstellung der insgesamt drei Belege zunachst suggeriert, sondern noch die Variante [sa-r]a-am-na-az (hierzu noch unten) wie im oben genannten KBo 3.4 II 69. Ich hielte es daher fur nahe liegend--zumindest solange uns neue Belege nicht eines Besseren belehren--Friedrichs Erwagung in [HW.sup.1] (S.184b) und [HW.sup.1] Beiheft 3 (S.28a) beziiglich saramnaz bzw. Saramnaz den Vorzug zu geben, und hier beide Schreibvarianten adverbiell mit "von oben (herab)" zu ubersetzen.

saramnaz (S.243b): Die Auffuhrung der nur drei dem (den) Bearbeiter(n) des Stichwortes bekannten Belege erweckt zunachst den Anschein, als traten sie nur in der Schreibung sa- ra-a-am-na-az/za, also nur mit langem a in der zweiten Silbe auf. Doch bei der an-schlieBend gebotenen Transliteration der diese Belege enthaltenden Satze wird im Falle von KBo 14.116 (IV 9' [na-at sa-r]a-am-na-az parsiyanzi) der Edition entsprechend die kurze Schreibung der zweiten Silbe geboten. Hier sei nur noch auf Sara B (S.210b) verwiesen, wo neben der ublichen Schreibung mit auslauiendem a (sa-ra-a) auch einige Beispiele fur Kurzschreibung des Endvokals angefuhrt werden.

* sarikuwar, [.sup.(LU.MES/ERIN.MES)]sari(ku)wa- (S.260): Das Lemma ist zwar mit nachste-hendem Symbol, namlich: [dagger] (17), versehen. Doch erganzend lasst sich hier noch ein weiterer, wohl unter "Akkadographic" zu verbuchender Beleg anfuhren: KBo 18.12 Vs.?3': [s]a-ri-ku-wa. (18) Zu Recht wird anhand der Belege dargelegt, dass die sarikuwa-Truppe einen wichtigen Bestandteil des hethitischen Heeres darstellte und nicht ohne weiteres--wie haufig ange-nommen wurde--als eine Gruppe von Menschen niedrigen Ranges definiert werden kann.

sarni(n)k- (S.282a): Hier ware zu pret. pl. 1 noch die Schreibvariante [sar-]ni-in-ku-u-e-en KUB 58.101 Rs. III? 5, (7) hinzuzufiigen. (19)

sart-, sartai-, sartiya- C (S.290b-291b): Weshalb befindet sich hinter dem Lemma ein C? Es steht doch lautlich in keinem direkten Bezug zu den beiden vorausgehenden Lemmata, die mit den Buchstaben A und B gekennzeichnet werden, da sie gleichlautend sind, namlich: sarpassi- A (S.289b-290a) u. [.sup.KUS/GIS]sarpassi- B (290a).

saru A (S.296a-b): statt sa-a-ru-w[[a.sup.?]] lese ich .sa-a-r[u([-.sup.?]) in KBo 14.3 IV 36 (Ed. von H. G. Guterbock). Erganzend sei noch auf KBo 19.51 Rs. 7' sa-a-r[u([-.sup.?)] hingewiesen, eine Stelle in einem Fragment aus dem eigenen Tatenbericht Suppiluliumas I., wo oftenbar von "viel Beute" (mekki sar[[u.sup.?]]) die Rede ist. (20)

AbschlieBend sei den Verfassern von CHD Vol. S Fasc. 2 nochmals herzlich fur ihre Muhe gedankt und eine weiterhin erfolgreiche Fortsetzung ihrer Arbeit gewtinscht.

This is a review article of The Hitttite Dictionary of the Oriental Insitute of the University of Chicago, vol. S. fase. 2; saptamenzu to -si. Edited by HANS G. GUTERBOCK[dagger], HARRY A. HOFFNER, JR., and THEO P. J. VAN DEN HOUT, Chicago: THE ORIENTAL INSTITUTE, UNIVERSITY OF CHICAGO, 2005. $25 (paper). [Distrib. by David Brown Book Co., Oakville, Ct.]

(1.) So auch der Untertitel von [HW.sup.2]

(2.) Im Zentrum der Kritik standen vor allem

(a) eine zu groBe Ausfuhrlichkeit: etwa bei der thesaurusartigen Prasentierung aller gesammelten Belege der behandelten Lemmata, bei der Diskussion muncher semanlischen oder grammatisehen Problemc, bei einschlagigen Literaturhinweisen, bei Exkursen zu kulturellen und historischen Sachverhalten. bei etymologischen Problemen und so weiter;

(b) eine zu unubersuchtlich Darstellung insgesamt und eine oft unklare Gliederung bei diversen ausfiihrlich be-handcllcn Lemmata, wobci erstgenanntcs Problem teilweise auch auf das gegenuber CHD wesentlich kleinere Formal von [HW.sup.2] zuruckzufuhren ist; hierzu auch H. Otten. "Bemerkungen zum Hethitischen Worterbuch IV," ZA 72 (1982): 281;

(c) eine zu groBe Subjektivitat und Emotionalitat bei der Bewertung kontroverser Standpunkte in diversen Fragen, etwa der Datierung herangezogener Texte oder der sprachlichen und inhaltlichen Interpretation problematischer Textpasssagen;

(d) haufige Verlesungen und Mangel im philologischen Bereich.

Genannt seien hier nur einige der ersten kritischen Stellungnahmen in a;phabetischer Reihenfolge der Autoren, wie zum Beispiel von G. Beckman, BiOr 48 (1991): 210-15; H. Eichner, Die Sprache 22 (1976): 81 Nr. 127; 29 (1983): 81 Nr. 129; H.A.Hoffner, BiOr 35 (1978): 242-46; BiOr 37 (1980): 198-202; und BiOr 40 (1983): 407-17; E.Neu, IF 81 (1976): 298-305; H. Otten. ZA 66 (1976): 89-104; 71 (1981): 135-220; 81 (1991): 108-19 [vgl. aber auch Ottens recht kritische Bemerkungen zu CHD Fasc. 1 in ZA 72 (1982): 280-88, wobei teilweise Bezug auf [HW.sup.2] genommen wurde]; B. Rosenkranz, Kratylos 21 (1976): 95-97. Allerdings kann auch auf positive und wohl wollende Beurteilungen des [HW.sup.2], wie die von A. Archi, Or 46 (1977): 148-50; Or 49 (1980): 114-16; Or 55 (1986): 340-45, hingewiesen werden.

(3.) Hierzu z.B. F. Starke, Rezension zu CHD Vol. 3, Fasc. 1, BiOr 39 (1982): 356-60.

(4.) H. A.Hoffner, Jr., "Rezension zu J. Friedrich - A. kammenhuber, Hethitisches Worterbuch, Zweite, volligneu bearbeitete Auflage auf der Grundlage der edierten hethitischen Texte. Lieferung I. Heidelberg, Carl winter, Universitats verlage, 1975." BiOr 35 (1978): 242.

(5.) Die linke Spalte einer Worterbuchseite wird in dieser Rezension mit a gekennzeiehnet, die rechte Spalte mit b.

(6.) Hierzu schon H. Otten, "Bemerkungen zum Hethitischen Worterbuch IV;" ZA 72 (1982): 284.

(7.) I. Singer, ''Western Anatolia in the Thirteenth Century B.C. according to the Hittite Sources," AnSt 33 (1983): 212.

(8.) Ph. H. J. Houwink ten Cate. "Sidelights on the Ahhiyawa Question from Hittite Vassal and Royal Correspondence," JEOL 28 (1985): 37-38 Anm. 17.

(9.) H. G. Guterbock. "Wer war Tawagalawa?" Or 59 (1990): 163.

(10.) So z.B. S. Heinhold-Krahmer, "Untersuchungen zu Piyamaradu (Teil II)," Or 55 (1986): 55.

(11.) Hierzu zuletzt J. Miller, "Ein Konig von Hatti an einen Konig von Ahhijawa (der sogenannte Tawagalawa-Brief)," TUAT NF 3 (2006): 244 mit Anm. (31.

(12.) A. Gotze, Die Annalen ties Mursilis (Leipzig, 1933): fortan abgekiirzt: AM.

(13.) Weitere Belege bei Gotze. AM, Indices 309a sub Sara.

(14.) Gotze. AM 62 und 64.

(15.) In CHD findet sich die Schreibung sa-ra-am-iui-za im Gegensatz zur Edition (KBo 16.I IV 29), die sarci-a-am-iia-zci bietet. Mir den Benutzer stellt sich die Frage, oh die Schreibung in CHD nach Autopsie der Tontatel crl'olgie oder nur auf einem Versehen basiert.

(16.) S. Heinhold-Krahmer, Arzawa. Unlersuchungen zu seiner Geschichte nach den helhitischen Quetleii (Heidelberg. 1977). THeih 8, 287-88.

(17.) Mit diesem Symbol [dagger] soll laut der "Provisional List of Abbreviations" (CHD L-M/1, XXXI b) zum Ausdruck kommen. dass in dem betreffenden Stichwort alle den Autoren des CHD bekannten Belege zitiert wurden.

(18.) Diesen Beleg konnte ich dem Munchner Thesaurus entnehmen. wofur ich dem Team von [HW.sup.2] zu danken habe.

(19.) Siehe P. Taracha, Ersetzen und Entsuhnen: Das mittelhethitische Ersatzritual fur den GroBkonig Tuthalija (CTH *448.4) und venwandte Texte (Leiden, 2000), 252 (Indices).

(20.) Hierzu S. Heinhold-Krahmer, "Drei Fragmente aus Beriehten uber die Taten Suppiluliumas I.?", in Tabularia Hethaeorum. Hethitologische Beitrage: Silvin Kosak zum 65. Geburtsag, ed. D. Groddek und M. Zorman (Wiesbaden, 2007), 373 Anm. 33.

SUSANNE HEINHOLD-KRAHMER

UNIVERSITAT SALZBURG
COPYRIGHT 2008 American Oriental Society
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Article Details
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Author:Heinhold-Krahmer, Susanne
Publication:The Journal of the American Oriental Society
Article Type:Critical essay
Geographic Code:1USA
Date:Jan 1, 2008
Words:3735
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