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BETWEEN FICTION AND FICTIONALIZATION: NEGOTIATING THE COMMUNIST PAST THROUGH MEDIA AND INSTITUTIONS OF COLLECTIVE MEMORY/ZWISCHEN FIKTION UND FIKTIONALISIERUNG: DIE AUSHANDLUNG DER KOMMUNISTISCHEN VERGANGENHEIT DURCH MEDIEN UND INSTITUTIONEN DES KOLLEKTIVEN GEDACHTNISSES.

Die politischen Umwalzungen von 1989 in Rumanien wurden von der Mehrheit der Bevolkerung als ein mediales Phanomen wahrgenommen. Die Medien und vor allem das Fernsehen haben eine aktive Rolle in der Konstruktion des kollektiven Gedachtnisses, in der Aushandlung der jungsten Vergangenheit ubernommen, die als Antwort auf das offizielle Verschweigen und auf die zersplitterte Zivilbevolkerung kam. Fragmentierte Erinnerungen hauften sich um die Medien (des Gedachtnisses) herum, die trotz ihrer parteiischen, tendenziosen Beschaffenheit, den Zugang einer breiteren Bevolkerung zur politischen Kommunikation bzw. zum Prozess der Gedachtnisbildung ermoglichten.

Daruber hinaus kann die politische Zasur von 1989 aus mehrerer Hinsicht auch als eine mediale Zasur betrachtet werden. Durch die Ubernahme einer aktiven Rolle, in der weniger eine Schilderung und vielmehr eine im Fernsehstudio direkte Inszenierung der Ereignisse stattgefunden hat, sowie durch den Aufruf zur Verteidigung des Fernsehgebaudes als symbolischer Akt der Verteidigung der Meinungsund Pressefreiheit, wurde das "freie Fernsehen" in der Tat als ein Trager der Revolution angesehen. Dieser Bruch war umso starker, wenn man die bisherigen Sehgewohnheiten der Zuschauer und das seit 1985 auf zwei Stunden am Tag eingeschranktes Fernsehprogramm in Betracht nimmt. Die holzerne Sprache und der stark ideologisierte Charakter der in den Vordergrund ruckenden Nachrichten uber Nicolae Ceausescu fuhrten zu einer Abwendung der Zuschauer vom rumanischen Fernsehprogramm. (1) Ferner wurden Mediennutzung und Sehgewohnheiten derart gesprengt, dass die Frage nach Fiktionalisierung, Inszenierung und Farce unumganglich wurde. Die Informationslucken und der politische Schwebezustand, die weiterhin auch nach der durch alte Eliten neu gegrundeten Regierung erhalten blieben und die darauffolgende in Unsicherheit und Enttauschung eingeschlagene gesellschaftliche Euphorie haben diese fiktionale Realitat sowie das auf Mythen basierendes Gegenwarts- und Vergangenheitsverstandnis der Gesellschaft noch mehr verstarkt. Die unterschiedliche Mediennutzung im Vergleich zum kommunistischen Regime ermoglichte sowohl den Intellektuellen als auch den politischen Eliten sich Zugang zu den Medien zu verschaffen, um offentliche Anerkennung zu gewinnen und ihre Machtanspruche zu legitimieren. Das erfolgte weniger wie in den anderen postsozialistischen Staaten in Form einer Konsens erzielenden Aushandlung zwischen den alten und neuen Eliten, sondern vielmehr durch einen auf Ausschaltung der Opposition ausgerichteten Machtkampf. Dabei hatten die Eliten durch den starken Einsatz der Medien eine grossere Moglichkeit gehabt, sich ihres "Kapitalvermogen" zu bedienen, um ihre Einflussmoglichkeiten auszuweiten, (2) jedoch nicht ohne von der Offentlichkeit anerkannt werden zu mussen. Statt einer gegenseitigen Verstandigung fuhrte die gegenseitige Ausschaltung zu einer verspateten offiziellen Vergangenheitsaufarbeitung, die heute noch als ein Makel der politischen Kultur Rumaniens angesehen wird.

Der Ausweg aus dieser Situation, den man seitens der Zivilbevolkerung in der Eroffnung des Securitate-Archivs sah und wodurch sowohl eine Aufklarung als auch eine strafrechtliche Vergangenheitsbewaltigung oder ggf. eine offizielle Stellungnahme ermoglicht werden sollte, erwies sich als ein langwieriger, kontroverser Prozess, der sich beinahe auf funfzehn Jahre ausdehnte. Die kritische Auseinandersetzung mit der jungsten Vergangenheit wurde daher in erster Linie zur Angelegenheit des kulturellen Schaffens. Erinnerungs- oder "Gestandnisliteratur" sowie Theater- und Filmproduktion konnten durch ihre politischen Aussagen dem Bedurfnis der Zivilbevolkerung nach Vergangenheitsbewaltigung entgegenkommen, selbst wenn sie sich vornehmlich auf einzelne Biographien oder Fiktionen stutzten und die Vergangenheit in einer fragmentierten Form darstellen mussten. Das kulturelle Schaffen und die sich herausbildenden burgerlichen Vereine und Organisationen (3) trugen schliesslich zur Aufrechterhaltung des kritischen Diskurses uber das vergangene kommunistische Regime bei. Ihre schwere Durchsetzung auf der politischen Szene ist wiederum auf die fehlenden oppositionellen Gruppierungen in den 1980er Jahren zuruckzufuhren, eine Opposition die im Fall anderer ehemaligen sozialistischen Landern, wie Polen, Tschechien oder Ungarn eine Aushandlung der politischen Macht ermoglichte. Allerdings hinkte Rumanien in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur den anderen ostmitteleuropaischen Landern hinterher. Die unmittelbar nach den Umwalzungen von 1989 sich abzeichnende politische Kontinuitat versetzte die Aushandlung der Vergangenheit von der politischen- auf einer kulturellen Ebene und bewirkte dadurch ein "von unten" gelenktes und auf Mythen basierendes Vergangenheitsverstandnis, das nicht selten zur Verscharfung von Konflikten zwischen der Zivilgesellschaft und der politischen Elite fuhrte.

Die umstrittene Etablierung einzelner "Institutionen des kulturellen Gedachtnisses", wie das Institut zur Erforschung der kommunistischen Verbrechen und der Erinnerung an das Rumanische Exil (IICCMER) und vor allem die Behorde zur Aufarbeitung des Securitate-Archivs (CNSAS) sowie der symbolische Akt des Prasidenten Traian Basescu zur Verurteilung des kommunistischen Regimes im Parlament konnen auch als Beispiel fur die muhsam verlaufende politische Kommunikation in Rumanien herangefuhrt werden. Die Reichweite dieser Kommunikation erstreckte sich bis in die gegenwartige Gesellschaft hinein.

Das Anliegen dieser Arbeit wird sich somit auf zwei grundlegende Aspekte der politischen Kommunikation beziehen: einerseits auf die kulturelle Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit, die als Reaktion auf die offizielle Zuruckhaltung der politischen Elite und auf die Forderungen nach strafrechtlicher Aufarbeitung einer zersplitterten Zivilgesellschaft erfolgte; andererseits auf die muhsame Etablierung der Institutionen des kollektiven Gedachtnisses am Beispiel der CNSAS-Behorde, die nicht nur als Voraussetzung fur ein transitional justice angesehen wurde, sondern vor allem als Ausgangspunkt fur eine wissensbezogene und entfiktionalisierte Vergangenheitsaufarbeitung. Wie diese Institution die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorangetrieben hat, wie sie von der Offentlichkeit aufgenommen wurde und welchen Einfluss auf den politischen und medialen Diskurs hatte, sind Fragen der vorliegenden Arbeit.

Folglich werden in dem ersten Teil gedachtnistheoretische Ansatze von Aleida Assmann und Astrid Erll herangezogen, um die Rolle des kollektiven Gedachtnisses und dessen sozialen und medialen Dimensionen innerhalb der politischen Kommunikation in Rumanien naher zu betrachten. Darauf aufbauend, wird einen Einblick in die mediale Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit gewahrt und dabei ihre substituierende Funktion zum offentlichen Verschweigen der politischen Elite betont. Der langwierige Prozess der Eroffnung des Securitate-Archivs und die darauffolgenden politischen und gesellschaftlichen Implikationen werden anschliessend zuruckverfolgt, um schliesslich die Vergangenheitsaufarbeitung in Rumanien in einer gesamteuropaischen Perspektive zu verorten.

Die Medien des kollektiven Gedachtnisses

Die Aushandlung der Vergangenheit auf der offentlichen Ebene wird als eine kommunikative Wechselwirkung zwischen Politik, Medien und Zivilgesellschaft verstanden und schafft die Voraussetzung fur einen gemeinsamen Orientierungsrahmen, einen Identitatsbezug bzw. fur eine neue Form der Selbstbestimmung. Dieser in das kommunikative Gedachtnis eingebettete Prozess erweist sich eher als unklar und fluchtig im Gegensatz zum kulturellen Gedachtnis, das sich auf "Fixpunkte der Vergangenheit", auf symbolische Figuren, auf Erinnerungen stutzt, (4) die zu einem spezialisierten Trager verbunden und institutionalisiert werden. Dieses (zeitliche) Nebeneinander der beiden Gedachtnisformen schliesst jedoch ihre Uberschneidung nicht aus. (5) So konnen die durch Zeitzeugen ausgehandelten Gedachtnisinhalte auf materielle Trager verfestigt werden, so dass das kommunikative Gedachtnis einer Gesellschaft oft auf Archive, Relikte, auf den Willen zur Form und generell auf das kulturelle Gedachtnis angewiesen ist. Vor allem im hochtechnologisierten Zeitalter wird die Wechselwirkung zwischen kommunikativem- und kulturellem Gedachtnis und weiterhin zwischen dem Speicher- und Funktionsgedachtnis kaum noch uberschaubar. Die Medienbedingtheit der gesellschaftlichen Wahrnehmung kommt mit der Interdependenz zwischen einem materiellen Trager und einem virtuellen Raum einher. Astrid Erll spricht in diesem Zusammenhang von "Medien des kollektiven Gedachtnisses" und stutzt sich dabei auf ein weites Medienverstandnis, auf jedwelche materielle Trager, die weniger eine zeitliche- und vielmehr eine raumliche Reichweite umfassen. Durch ihre materiale Dimension wirken sie einerseits als Kommunikationsinstrumente, wodurch gedachtnisrelevante Informationen externalisiert werden konnen, andererseits als Technologien, die Gedachtnisinhalte verbreiten und tradieren konnen und schliesslich als kulturelle Objektivationen, die aus konkreten Medienangeboten und ihrer formalen Gestaltung entstehen konnen. (6) Doch uber die materiale Dimension der Medien hinaus, die als Voraussetzung fur den Gedachtniskonstruktionsprozess aufgefasst wird, spielt die soziale Dimension eine weitaus wichtigere Rolle. Der soziale Kontext bestimmt uber die aktive, konstruktive Funktion, die eine Gesellschaft oder eine kleinere Gemeinschaft im Erinnerungsprozess aufnimmt und die einen einfachen medialen Trager in einem "Medium des kollektiven Gedachtnisses" umwandeln und validieren lasst. Die soziale Funktionalisierung dieser Medien kommt einerseits mit der bewussten Auslosung von Erinnerungen seitens der Produktion einher. Andererseits kann nur die rezeptionsseitige Funktionalisierung diesen Medien zur gleichen Zeit oder ruckblickend, bewusst oder unbewusst eine erinnerungsbildende Kraft zuschreiben. (7) Ihrerseits bestimmen die Medien des Gedachtnisses die Wahrnehmung und rufen Erinnerungen hervor. Sie ermoglichen den Zugang zu gruppenspezifischem Wissen, zu sozialen "Denk- und Erfahrungsstromungen" (8) und konnen dementsprechend als eine "gedachtnisbildende Macht" (9) agieren.

Die mediale Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als Bestandteil der politischen Kommunikation in Rumanien

Die Rolle der Medien als "gedachtnisbildende Macht" offenbarte sich schon bei der Fernsehubertragung der "revolutionaren Umwalzungen" am 22. Dezember 1989. Diese Bilder pragten nicht nur die gegenwartige kollektive Erinnerung, sondern auch die nachfolgenden medialen Darstellungen. Aus der Perspektive des Zuschauers heraus, erinnert sich die Mehrheit der rumanischen Bevolkerung, auch 20 Jahre danach, an ihr zu jenem Zeitpunkt hausliches Habitat, sowie an die im Fernsehen dargestellten Ereignisse, die nicht selten mit den darauffolgenden Protestaktionen der Bergarbeiter verwechselt werden. (10) Selbst die fiktiven Darstellungen der "Revolution von 1989" werden mit der Allgegenwartigkeit des Fernsehens oder mit den damals medial auftretenden Figurentypologien in Verbindung gebracht, nicht zuletzt um die Manipulierung und Verunsicherung der Gesellschaft zu betonen. (11) Die politische Instrumentalisierung des Fernsehens wird inzwischen nicht nur durch die Prasenz der neuen Machthaber interpretiert, sondern auch durch die technische Handhabung des damaligen Fernsehprogramms, das die fruheren Sehgewohnheiten der Zuschauer sprengte. Im Hinblick auf die damalige politische Kommunikation fuhrte Kristl Philippi das Fernsehen weniger auf Manipulationsintentionen und vielmehr auf dessen Rolle bei der Wirklichkeitskonstruktion zuruck, indem er das auf Stereotype beruhende, unterschwellige Erwartungshorizont der Zuschauer betonte. Fur die kritische Wahrnehmung der damaligen politischen Kommunikation sind ihm zufolge der Inszenierungscharakter bzw. die Sichtbarkeit der im Fernsehstudio arbeitenden Kameramanner sowie die Vorbereitung der zu Wort kommenden Personen, die Strukturierung der Sendungen aber auch die klischeehaften Sehgewohnheiten ausschlaggebend. (12) Doch uber die "Tele-Revolution" (das revolutionare Fernsehen) hinaus, wurde das rumanische Fernsehen den "neuen" politischen Machtstrukturen unterstellt, wahrend die Opposition durch die schriftliche Presse sich Gehor zu verschaffen versuchte. (13) In diesem Zusammenhang versuchten auch rumanische Literatur- und Kulturschaffende schon wahrend den Umwalzungen von 1989 sich in den neu konstituierenden (historischen) Parteien eine Stimme zu verschaffen, (14) doch die konfliktreichen Konstellationen haben die meisten Intellektuellen zum Ruckzug aus der politischen Szene gezwungen. Dem Ressentiment der Zivilbevolkerung ausgesetzt und aus der politischen Szene ausgegrenzt, verlagerte sich der politisierte Diskurs der rumanischen Intellektuellen in der sich immer mehr entwickelnden Medienlandschaft, (15) wo gegenlaufige Diskurse rechtsextremer, nationalistischer- sowie neoliberaler-, pro-westlicher Pragung auch in der Thematisierung der jungsten Vergangenheit oder in der Auswertung historischer Quellen sich uberschnitten. (16) Indem sie erlosende Schlagworter heranfuhrten statt sich auf eine kritische und analytische Anschauung gegenuber der Geschichte zu beziehen, scheiterten die rumanischen Intellektuellen an ihrem Versuch eine alternative, auf demokratische, liberale Werte stutzende politische Kultur zu schaffen. Sie traten nicht als Kritiker der Politik auf, sondern in Konkurrenz mit der politischen Klasse. (17) Der Ruckgriff auf Nationalismen schaffte schliesslich neue Mythen und verhinderte eine kritische Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit.

Als Alternative zum offiziellen Verschweigen und zur fragmentierten Zivilbevolkerung versuchten Wissenschaftler unterschiedlicher Fachausrichtungen von Politikwissenschaftlern uber Soziologen .bis hin zu Physikern, Kultur- und Literaturschaffenden im Bereich der Fiktion, der Memorialistik oder des Feuilletons den Blick auf die Vergangenheit zu offnen. Sie ubernahmen dadurch nicht nur die Aufgabe der Historiker, sondern sie legten auch eine politische- und moralische Aussage in der Konstruktion des kollektiven Gedachtnisses vor. (18) So sind die Debatten um Lucian Boias These der Mythenbildung in der rumanischen Bevolkerung (1997-2000), der Mythos um Nae Ionescu (1993-1995, 2000), die Polemik um Horia-Roman Patapievicis diffamierende Ausserungen in seinem Buch "Politice" (1996), die sezessionistischen Befurchtungen um die klausenburger Zeitschrift "Provincia" (2000-2001) oder die Auseinandersetzung mit den alternativen Lehrbuchern (1999-2000), sowie spater die Enttarnung wichtiger Kulturpersonlichkeiten als Secwr/fote-Mitarbeiter (19) oder als Anhanger des Rechtsextremismus (20) nur einige Brennpunkte in der Auseinandersetzung mit der nahen Vergangenheit, die der Historiker Ovidiu Pecican in seinem Essay aufzahlt. (21) Diese empfindlichen Themen der offentlichen Diskussion, die schliesslich die kollektive Identitat ausformen, sind auf die schleppende Erweiterung des Wissensbestandes durch die historische Forschung als auch auf die gegenwartigen politischen Konstellationen zuruckzufuhren. Die emotionale Herangehensweise an diesen Themen verscharfte sich zusammen mit der verzogerten Offnung der Archive, mit der nachholenden, noch auf alten Strukturen angelegten Geschichtsschreibung und mit den sich immer mehr ausweitenden Verschworungsansatzen um die "Revolution" oder um der rumanischen Securitate. Schliesslich widerspiegeln diese "medialen oder schriftlichen Debatten" einen Meinungsstreit, der sich auf rhetorische Authentifizierungsversuche und nicht, anhand einer analytisch-wissenschaftlichen Herangehensweise, auf nachprufbare Quellen stutzt.

Neben den schriftlichen Veroffentlichungen und der darauffolgenden medialen Debatten erwies sich auch die rumanische Filmlandschaft als eine Plattform fur die Auseinandersetzung sowohl mit der nahen Vergangenheit als auch mit der Transformationsgesellschaft. Die politischen Aussagen der rumanischen Filme waren ursprunglich genauso wenig auf die Aufklarung des vergangenen Regimes angelegt, sondern vielmehr einer gegenwartsbezogenen, emotionalen Herangehensweise unterstellt. Die Informationsfunktion sei es durch Dokumentarfilme oder durch eine sich der Realitat annahernde Schilderung der Ereignisse ruckte zugunsten eines anklagenden, zugespitzteren Tons und einer auf Tater-Opfer-Rollen beruhende, antagonistische Narration in den Hintergrund. Vor allem in den kurz nach der Wende gedrehten Bekenntnisfilmen wird es metaphorisch mit dem Finger auf die politische Kontinuitat und folglich auf die verspatete aufklarende Aufarbeitung der Diktatur gezeigt. (22) Die schon im Kommunismus anerkannten Regisseure fuhrten die auf Anspielungen und Metaphern angewiesene filmische Realitat weiter, indem sie die Verwirrung wahrend der "Revolution" und die Aussichtslosigkeit in der Transformationszeit filmisch andeuteten. (23) Erwahnenswert ist die politische Parabel Hotel de lux (Dan Pita, 1992), eine urteilende Darstellung des kommunistischen Regimes in welcher ein geschlossenes Gebaude mit verwirrenden Raumen ein institutionalisiertes chaotisches System aufzeigt, das einerseits auf das "Haus des Volkes", andererseits auf die gesamte totalitare Herrschaft hinweist. Die Offnung des Hotels bzw. das Ende des Regimes erfolgt durch eine patriarchate Thronfolge, in welcher der Sohn den Thron ubernimmt und das Volk ihn als Erloser begrusst. Die expressionistische, bis hin zum Surrealismus gefuhrte Schilderung eines schwachen, krankhaften Volkes deutet schliesslich auf ein pessimistisches Zukunftsbild hin. Dieses Vergangenheitsverstandnis, das in den Filmen des ersten postkommunistischen Jahrzehnts vermittelt wurde, steht jedoch im Gegensatz zu dem der neuen rumanischen Filmwelle. (24) Der sentenziose, einpragsame Ton wurde zugunsten einer ausgeglichenen Haltung gegenuber der kommunistischen Vergangenheit aufgegeben und die universalistischen Schilderungen der Repressionsgeschichte wurden durch Einzelstudien und tiefgreifendere Fragestellungen ersetzt. Die neue rumanische Filmwelle hat ebenfalls auf das Metaphorische zugunsten der kritischen Distanz verzichtet. Zwar ist in der jungeren Generation von Regisseuren keine unmittelbare Betroffenheit vorhanden, dennoch mindert sich das Interesse an der nahen Vergangenheit nicht, sondern es findet eine Neuausrichtung auf eine kritische und zugleich distanzierende Auseinandersetzung mit der Geschichte statt. Daruber hinaus wird die Transformationsgesellschaft, die gesellschaftlichen Auswirkungen der kommunistischen Diktatur und vor allem die politische Kontinuitat weiterhin, auch von den jungeren Regisseuren filmisch unter die Lupe gezogen. So konzentriert sich die filmische Auseinandersetzung mit der nahen Vergangenheit vornehmlich auf drei Schwerpunkte: auf das Ende der 1980er Jahre und die "Revolution von 1989", (25) auf die unmittelbaren Folgen des Regimewechsels und der Transformation (26) sowie auf das "dunkle Jahrzehnt" der 1950er Jahre. (27) Die internationale Resonanz der neuen rumanischen Filmwelle fuhrte dazu, dass diese Filme auch das Interesse des rumanischen Publikums weckten und folglich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorantrieben. Etwas spater und mit einer geringeren Reichweite als in dem Filmwesen, fing auch das rumanische Theater durch einzelne den Kommunismus problematisierende Theaterstucke (28) als Medium des kollektiven Gedachtnisses zu wirken. Hier zeichnet sich durch eine uberwiegend humorvolle, ironische Inszenierung gesellschaftlicher Zusammenhange eine zur Verfremdung und kritische Distanz neigende Auseinandersetzung ab. Letztendlich traten kulturelle Produkte und Medien des kollektiven Gedachtnisses nicht nur dem offiziellen Verschweigen entgegen, sondern schlossen durch Fiktionalisierung die bestehenden Wissenslucken uber das kommunistische Regime und den Umwalzungen von 1989 und veranderten dadurch die gesellschaftliche Wahrnehmung der Vergangenheit. Zwar wurden dadurch Umfang und Reichweite der Medien des kollektiven Gedachtnisses erweitert, sie blieben dennoch als zusammenhangloses Gefuge vereinzelter Diskurse weiterhin der Fiktionalisierung zugewandt. Was im Prozess der Vergangenheitsaufarbeitung ursprunglich in den fehlenden Wissensbestanden seine Begrundung hatte, verlangerte sich eine Zeitlang auch nach der Offnung der Archive. Gedachtnisinhalte bereicherten sich durch neues historisches Wissen, doch die Erinnerungsformen, die mit der kulturellen Aufarbeitung der Vergangenheit durch Literatur, Theater und Film als kulturspezifische Konfigurationen einhergegangen sind, blieben daruber hinaus bestehen. Zum Vorwurf der Fiktionalisierung kamen noch Fragen zur Authentizitat und mangelnden Glaubwurdigkeit hinzu, die den Diskurs um die Eroffnung der Archive pragten.

Der CNSAS und die Institutionalisierung des Gedachtnisses

Durch ihre neu erworbene Rolle innerhalb der Institutionen des kollektiven Gedachtnisses und der politischen, historischen oder ethischen Kommissionen agierten viele Kulturschaffende und Wissenschaftler weiterhin auf dem "Feld der Macht." (29) Ihre Aufgabe bestand darin, die Erinnerung an die jungste Vergangenheit zu bewahren, den Opfern eine Stimme zu verschaffen und die politische Verantwortung gegenuber dem vergangenen kommunistischen Regime auszuwerten. (30) Als einen Zusammenschluss zwischen der politischen und intellektuellen Sphare wurde der Nationalrat fur das Studium der Securitate-Archive (CNSAS--Consiliul National pentru Studierea Arhivelor Securitatii) betrachtet. Diese staatliche Institution markierte gleichzeitig den Ubergang von der Figur des "politisierten Intellektuellen" zu den "Experten und mediatisierten Intellektuellen", (31) die auch die Zivilgesellschaft zu reprasentieren vermochten. Sie versuchten durch diese Institution des kulturellen Gedachtnisses die Vergangenheitsaufarbeitung, sei es aus strafrechtlicheroder wissenschaftlicher Perspektive voranzutreiben. Im Gegensatz zu den anderen staatlichen Einrichtungen, Stiftungen und Vereine, die gegenlaufige Diskurse aufwiesen und eine vor und nach der Wende zersplitterte Zivilgesellschaft widerspiegelten, trat der Diskurs um die Eroffnung des Securitate--Archivs im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit. (32) Diese Einstellung erfolgte nicht wegen einer vermeintlichen Einstimmigkeit, sondern weil diese Institution durch die Aufdeckung des kommunistischen Kontroll--und Verfolgungsapparats als Voraussetzung fur eine Aufklarung der staatlich verschwiegenen, ambivalenten Ereignisse insbesondere des letzten Jahrzehnts angesehen wurde. Insofern fand zunachst eine mediale Fokussierung auf die Offnung des Securitate-Archivs statt, dann aber versetzte sich die Diskussion auf dessen Kompromittierung.

Allerdings wurden die Securitate-Akten schon seit dem Zerfall des kommunistischen Regimes zum Gegenstand des politischen Machtkampfes instrumentalisiert und dementsprechend unter einem polemischen Vorzeichen gesetzt. Erste Versuche zu einer gesetzlichen Regelung der Aufarbeitung und Aktensichtung wurden 1993 von Ticu Dumitrescu, dem damaligen Senator und Vorsitzender der Organisation der ehemaligen politischen Gefangenen [Asociatia Fostilor Detinuti Politici-AFDP] vorgenommen, doch der Entwurf blieb bis 1997 bei den juristischen Kommissionen des Abgeordnetenhauses und des Senats liegen. Die unter dem Staatsprasident Emil Constantinescu erneut aufgenommenen Diskussionen fuhrten schliesslich zum Erlass des "Gesetzes 187/1999 uber den Zugang zur eigenen Akte und uber die Enthullung der Securitate als politische Polizei" (33) jedoch in einer stark veranderten Fassung. Die fur die Aktenaufarbeitung zustandige Behorde (Nationalrat zum Studium des Securitate-Archivs-CNSAS) wurde durch ein Gremium von elf Mitgliedern geleitet, das, im Gegensatz zu der ursprunglichen gesetzlichen Fassung, nicht aus Vertretern der Zivilgesellschaft bestand, sondern nach politischen Kriterien durch das Parlament gewahlt wurde. Doch uber die fragwurdige Zusammensetzung der Behorde hinaus, erwies sich das Ubergabeverfahren der Akten als ausserst problematisch, da die noch nicht zerstorten Akten unter der Aufsicht des rumanischen Informationsdienstes (Serviciul Roman de Informatii) in unterschiedlichen Einrichtungen gelagert wurden (34) und erst 2005, nur unvollstandig, dem CNSAS ubergegeben wurden. (35) Der vorsatzlichen Aktenvernichtung, die der Arbeitsweise der Securitate innewohnend war, folgte eine "unbewusste" Zerstorung der Securitate-Hinterlassenschaft, die mit der Auffindung ausgebrannter und halb vergrabenen Akten in der Ortschaft Berevoiecti, ausserhalb von Bukarest, den Hohepunkt erreichte. Die noch vorhandenen Akten umfassen letztendlich nur noch rund 24 km, im Vergleich zu den 80 km des polnischen Archivs oder der uber 100 km des Stasi-Archivs. (36)

Die Vernichtung kompromitierender "Spuren", die gesetzliche Regelung der CNSAS-Behorde und die an ihr anhaftende Verwaltung der Securitate-Akten fuhrte nicht nur zu Machtkampfen, Blockaden und zum Ausschluss vieler Intellektuellen aus dem ursprunglichen Leitungsgremium, sondern brachte auch Enttauschung der Initiatoren oder kritische Stimmen und Vertrauensverlust unter der Zivilbevolkerung hervor. (37) Die Lustrationsfrage bzw. die fehlende Umsetzung des Punktes 8. aus der Proklamation von Timicoara, die Nicht-Sanktionierung der betreffenden Personen nach ihrer Enttarnung sowie der doppeldeutige Begriff der "politischen Polizei" bewirkte im Hinblick auf den mehrfachen Vergleich mit dem erfolgreichen deutschen Gauck-Behorde weitere Unzufriedenheit in der rumanischen Offentlichkeit. (38) Die fehlende gesellschaftliche Legitimierung der CNSAS-Behorde ist nicht allein auf die gesetzlichen und organisatorischen Unstimmigkeiten

zuruckzufuhren, die infolge der Politisierung und des Machtkampfes hervorgetreten sind, sondern auch auf die mediale Berichterstattung, die CNSAS-Enthullungen in Form Sensation-erzeugender Aufmacher-Geschichten prasentierte. Die undifferenzierte Untersuchung der Akten, wie zum Beispiel die fehlende oder unklare Unterscheidung zwischen "zufriedenstellenden" und "erpressten" Informanten fuhrte zu Missbrauch und einseitigen Stigmatisierungen, wie auch im Fall bedeutender Kulturpersonlichkeiten und Wissenschaftler wie Adrian Marino, Mihnea Berindei, Constantin Noica u.a., wodurch fuhrende Verantwortungstrager des Kontroll--und Verfolgungsapparats (Securitate-Offiziere) schliesslich in den Schatten gelegt wurden. (39) Dabei setzten interpretative Verzerrungen der Akteninhalte sowie ihre ubersteigerte mediale Schilderung die schon auf der kulturellen Ebene eingeschlagene emotions--und fiktionsbeladene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nur fort.

Eine Erweiterung des Wissensbestandes, die auch eine offizielle Vergangenheitsaufarbeitung ermoglichen sollte, wurde aber erst durch den naher ruckenden Beitritt Rumaniens in die Europaische Union vorangetrieben. Der Prasident Traian Basescu forderte 2006 die komplette Ubergabe der Securitate-Akten der CNSAS-Behorde und errichtete eine prasidentielle Kommission zur Analyse der Kommunistischen Diktatur in Rumanien, dessen Bericht als Grundlage fur eine offizielle Stellungnahme und Verurteilung der kommunistischen Verbrechen im rumanischen Parlament am 22. Dezember 2006 diente. Dieser Akt sollte Rumaniens Zukunsftsorientierung und die Abgrenzung gegenuber der Vergangenheit symbolisieren. Andererseits erfolgte er infolge des Marz-Aufrufs, in dem zivilgesellschaftliche Organisationen und Intellektuelle dem Staatschef eine offizielle Stellungnahme forderten. (40) Jedoch setzten die damaligen Oppositionsparteien PSD (Sozialdemokratische Partei) und PRM (Grossrumanien-Partei) diese neue Dynamik unter heftigen Polemik und erwiderten mit Storaktionen. Die CNSAS-Behorde stand dadurch erneut im Mittelpunkt der offentlichen Diskussion und loste aufgrund ihrer politischen Instrumentalisierung eine weitere "Uberprufungs--und Bedrohungswelle" (41) aus, die als Anspielung auf die "Aktionen der Bergarbeiter" aus den 1990er Jahren (mineriada) unter den Begriff dosariadii (dosar: Akte) gefallen ist. Die im Vergleich zu anderen postsozialistischen Landern spat auftretenden Ereignisse, in der sich weiterhin Machtverhaltnisse abspielten, wurden schliesslich von ihrem aufsehenerregenden Charakter uberblendet. Auch in der Zivilbevolkerung bestand Zweifel daran, dass die Massnahmen zur offiziellen Geschichtsaufarbeitung und zu einer transitional justice angesichts ihrer verspateten Verwirklichung und der anhaltenden Unvollstandigkeit der Archive zur Aufklarung fuhren konnten. (42) In diesem Sinne wurde der im gesellschaftlichen Diskurs auftretende Anspruch auf Gerechtigkeit eben weniger "in Verbindung mit einer Bestrafung der Tater gebracht" und vielmehr als "Forderung nach einem Bruch mit der Vergangenheit und nach Transparenz der gegenwartigen Verhaltnisse" angesehen. (43) Dass auch die rumanischen Machthaber sich fur den CNSAS keine rechtsverbindlichen Kompetenzen wunschten, zeigte die spatere Entscheidung des Verfassungsgerichts uber die Verfassungswidrigkeit des Gesetzes Nr. 187/1999. Diese neue Debatte fuhrte tatsachlich zur Einschrankung legislativer Kompetenzen der CNSAS-Behorde und zu ihrer Umwandlung in einem Feststellungsorgan. (44)

Schliesslich haben sich die jahrelangen kritischen Stimmen eines kleinen Teils der Zivilgesellschaft durch die Offnung des Archivs und die offizielle Stellungnahme des Staatsprasidenten allein nur institutionalisiert. Das lasst vor allem die emotionale und sanktionierende Sprache des Berichts zur Verurteilung der Verbrechen des Kommunismus erkennen, (45) aber auch die zwei Dossariade-Wellen und die darauffolgenden medialen Debatten. Andererseits ruckte die gesellschaftliche Enttauschung gegenuber der Justiz eine durch Kulturschaffende und Wissenschaftler alternative Vergangenheitsaufarbeitung deutlich in den Vordergrund, wobei diese Auseinandersetzung mit der kommunistischen Geschichte einen gewissen transnationalen Charakter annahm. Uber die wachsende Anzahl eingereichter Einzelbeschwerden beim Europaischen Gerichtshof fur Menschenrechte (EGMR) hinaus, die die fehlende transitional justice in Rumanien ausgleichen sollte, ist auch im Fall der kulturellen--oder wissenschaftlichen Vergangenheitsaufarbeitung eine internationale Mitwirkung ersichtlich. (46) Andererseits wird auch der CNSAS, trotz Betonung rumanischer Eigentumlichkeiten, hauptsachlich mit der deutschen GauckBehorde verglichen, die zwar als Modell herangezogen-, jedoch mit wesentlichen Abweichungen angewandt wurde.

Abschliessende Betrachtungen: Vergangenheitsbewaltigung im europaischen Vergleich

Die postkommunistischen Lander im Vergleich standen im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen vor allem nach der Osterweiterung der EU. Die Karte Europas wurde im Hinblick auf die jungste Vergangenheit und ihrer Aufarbeitung "kreuz und quer" eingeteilt. Von einer Teilung zwischen west--und osteuropaischen Erinnerungskulturen ausgehend, die sich auf die Erinnerung an den Holocaust einerseits und an den Gulag andererseits stutzten, betont Stefan Troebst das unterschiedliche Vergangenheitsverstandnis auch innerhalb des Ostblocks, indem er weiterhin zwischen Russlands Erinnerung an den "Sieg uber den Faschismus" in Stalingrad und der Erinnerung anderer ehemaligen sozialistischen Staaten an den "Verrat des Westens in Jalta" unterscheidet. Diese Lander weisen ihrerseits einen unterschiedlichen Vergangenheitsverstandnis auf, das von der kategorischen Ablehnung Sowjetrusslands als fremde Herrschaft (baltische Lander, Kroatien, Slowakei) uber Kontroversen um die Deutung der Vergangenheit (Ungarn, Polen, Tschechien, Ukraine, Slowenien) bis hin zur Verschmelzung von alten und neuen Eliten (Russland, Moldova) reicht. Rumanien habe, Stefan Troebst zufolge, eine ambivalente Einstellung gegenuber dem kommunistischen Regime, das zusammen mit der Zwangsherrschaft auch eine Modernisierung hervorbrachte. (47) Diese Zwiespaltigkeit, die bis in die gegenwartige Gesellschaft hineinreicht, beruht in grossen Zugen einerseits auf den nostalgischen Ruckblick einer damals in ihren Jugendjahren sich befindenden Bevolkerungsgruppe, andererseits auf den emotionalen Antikommunismus der unter repressiven Massnahmen gelittenen Opfer und schliesslich auf die (un)kritische Distanz der Nach-Wende-Generation oder der zur Aufklarung neigenden Bevolkerung. Im offiziellen Diskurs liess sich generell einen von den Machthabern widerspruchlich und stereotyp verwendeten "Antikommunismus" erkennen. Zwar kam dieser Begriff dem offiziellen Verschweigen der Vergangenheit entgegen, trug aber durch seine politische Instrumentalisierung zum Verlust seiner Glaubwurdigkeit in der Offentlichkeit bei. (48)

Eine weitere Trennlinie zwischen Ost und West, zwischen vergessensfreudigen--und erinnerungsfreudigen Gesellschaften Europas wird von Aleida Assmann betont. "Vergangenheitsbewaltigung" statt "Vergangenheitsbewahrung" kennzeichnete die 1989 eingeleiteten Transformationsprozesse, die Bildung von Wahrheitskommissionen und den Wertewandel der Gesellschaft. In Anlehnung an Aleida Assmann ginge es in den postkommunistischen Transformationslander nicht um die "Memorialisierung einer normativen Vergangenheit", sondern um die "Bewaltigung einer Gewaltgeschichte." (49) Auch sei die sozialistische Vergangenheit, ihrem Ansehen nach, nicht zu einer transnationalen Erinnerung geworden, sondern erstens zu einer nationalen Opfer-Erinnerung in den Ostblockstaaten, zweitens zu einem im Schatten der nationalen Tatererinnerung stehenden Gedachtnis in Deutschland und drittens zu einer inoffiziellen Familienerinnerung in Russland. (50) Weiterhin haben sich einerseits Opferkonkurrenzen herausgebildet, die infolge des Wandels des heroisierenden Diskurses in einem viktimisierenden Diskurs (Martin Sabrow), der wachsenden Bedeutung von negativen Erinnerungen und Opferrollen aufgetreten sind. (51) Andererseits entfaltete sich in den letzten Jahren eine "Politik der Reue" (Jeffrey Olick), die, infolge der Verbreitung der Menschenrechte, sich durch das Schuldbekenntnis der Amtstrager kennzeichnete. (52) Doch gerade diese sich abzeichnenden letzten Tendenzen: der viktimisierende Diskurs, die Politik der Reue und die wachsende Bedeutung weltweit agierender Menschenrechtsorganisationen rucken die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Vergangenheit auf einer internationalen Ebene und verbreiten ein Modell der "globalen Opferschaft", das nationale Staaten unter "normativen Druck" stellt. (53) Einen internationalen Einfluss in den Umgang mit der Vergangenheit erzeigt sich dadurch auch in Rumanien. Erinnerungsinhalte bleiben zwar durch vergangene Erfahrungen und gegenwartige soziopolitische Verhaltnisse immer noch auf die betroffene nationale--oder regionale Erinnerungsgemeinschaft eingeschrankt, jedoch wird der Erinnerungsprozess von internationalen Einrichtungen unterstutzt und von externen soziopolitischen Entwicklungen beeinflusst. Selbst die ersten Versuche zur Verwaltung der Securitate-Akten im Sinne der transitional justice oder der Aufklarung der Offentlichkeit wurden durch einen Austausch zwischen Kulturschaffenden und Reprasentanten der jeweiligen Behorden in Rumanien, Deutschland und Ungarn begleitet. (54) Dieser Austausch wurde kurz darauf durch die Unterzeichnung des "Vertrags fur ein Europaisches Netzwerk der fur die Geheimpolizei zustandigen Behorden" auch mit anderen Landern verstarkt. (55) Eine Veranderung in der Konstruktion des kollektiven Gedachtnisses wurde daruber hinaus selbst durch die Europaische Union herbeigefuhrt. Ihre normative und finanzielle Kraft ermoglichte das Vorantreiben der offiziellen und inoffiziellen Vergangenheitsaufarbeitung. Wahrend der rumanische Staatsprasident Traian Basescu einem normativen Druck ausgesetzt wurde, eine offizielle Stellungnahme zum Unrecht des kommunistischen Regimes bereitzustellen und weitere Massnahmen zur offentlichen Aufklarung zu treffen, wurde den staatlichen--und nichtstaatlichen Organisationen durch EU-Gelder finanzielle Unterstutzung angeboten, um Projekte zur wissenschaftlichen oder kulturellen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit durchfuhren zu konnen. Weniger mit der Absicht einen gesamteuropaischen Gedachtnisraum zu schaffen, ermoglichten die europaischen Institutionen ein sowohl vertikal--als auch horizontal verflochtenes Mehrebenen-system, in dem die Vergangenheit selbst durch gegenlaufige Diskurse ausgehandelt werden kann. (56)

Schliesslich wurden durch Medien und Institutionen des kollektiven Gedachtnisses alternative Wege zur Auseinandersetzung mit der Vergangenheit geschaffen, indem es versucht wurde, aufgrund fehlender Wissensbestanden, offene Fragen und Leerstellen durch Fiktionalisierungsstrategien zu schliessen. In dieser Hinsicht sind die widerspruchlichen Erklarungsversionen der Umwalzungen von 1989 ein aufschlussreiches Beispiel. Doch die erinnerungsbildende Kraft, die diesen Medien seitens der Rezeption zugeschrieben wurde, fuhrte wiederum zu einer Akzentverschiebung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Vergangenheit. Die Erinnerungsformen, die zusammen mit der kulturellen Aufarbeitung als kulturspezifische Konfiguration einhergegangen sind, begleiteten durch die emotionale, sanktionierende Sprache auch die Erweiterung des historischen Wissens. Weniger mit anderen Dokumentationseinrichtungen, sondern fast ausschliesslich mit der Offnung des Securitate-Archivs in Verbindung gebracht, erwies sich die Erweiterung der historischen Wissensbestande wiederum als ein langwieriger, von polemischen Auseinandersetzungen gepragter Prozess. Politische und administrative Unstimmigkeiten, der Vertrauensverlust und die allgemeine Fragwurdigkeit gegenuber dem CNSAS, fuhrten dazu, dass schliesslich die Rolle dieser Institution im transitional justice und zum Teil auch in der Aufklarung der Bevolkerung scheiterte. Doch uber die Medien und Institutionen des kollektiven Gedachtnisses lasst sich nach 26 Jahren eine pragnantere internationale, auch europaische Zusammenarbeit abzeichnen, die den Erinnerungsprozess der rumanischen Gesellschaft zwar beeinflusst und vorantreibt, die aber die Frage nach einer transnationalen Erinnerung an das kommunistische Regime jedenfalls noch offen lasst.

Literaturangaben

[1.] Andreescu, Gabriel (2013), Carturari, opozanti si documente. Manipularea Arhivei Securitatii [Gelehrte, Opponenten und Dokumente. Die Manipulation des Securitate-Archivs] Iasi: Polirom.

[2.] Assmann, Aleida (2013), Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, Munchen: C.H. Beck.

[3.] Assmann, Jan (2000), Das kulturelle Gedachtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identitat in fruhen Hochkulturen, Munchen: Beck, [1997].

[4.] Barbu, Daniel (1999), Republica absenta: politica si societate in Romania postcomunista [Die abwesende Republik: Politik und Gesellschaft im postkommunistischen Rumanien] Bucurecti: Nemira.

[5.] Bathory, Dalia (2009), Memoria revolutiei romane din 1989 in film [Die Erinnerung an die rumanische Revolution von 1989 im Film], ClujNapoca: Casa Cartii de Ctiinta.

[6.] Bonacker, Thorsten (2012), "Globale Opferschaft. Zum Charisma des Opfers in Transitional justice-Prozessen" in Zeitschrift fur Internationale Beziehungen, no. 1, vol. 19, 5-36.

[7.] Bopp-Filimonov, Valeska (2009), "Jurnalul din decembrie. Un inventar investigativ" ["Das Dezember-Tagebuch. Eine investigative Bestandsaufnahme"], Ubers. Ovidiu Tichindeleanu, in Petrovszky, Konrad; Tichindeleanu, Ovidiu (Hrsg.), Revolutia romana televizata. Contribuii la istoria culturala a mediilor [Die Revolution im Fernsehen. Beitrage zur Kulturgeschichte der Medien], Cluj: Idea, 219-225.

[8.] Bourdieu, Pierre (1991), Zur Soziologie der symbolischen Formen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 42-75 zitiert nach Niedermuller, Peter (1997), "Umbruch zur Moderne oder die Ruckkehr der Geschichte. Zur kulturellen Logik des Postsozialismus" in Eggeling, Tatjana; van Meurs, Wim; Sundhaussen, Holm (Hrsg.), Umbruch zur "Moderne"? Studien zur Politik und Kultur in der osteuropaischen Transformation, Frankfurt am Main [u.a.]: Peter Lang-Europaischer Verlag der Wissenschaften, 65-76.

[9.] Ciobanu, Monica (2009), "Criminalising the Past and Reconstructing Collective Memory: The Romanian Truth Commission" in EuropaAsia Studies, no. 2, vol. 61, 313-336.

[10.] Ciobanu, Monica (2011), "Rewriting and remembering Romanian communism: some controversial issues" in Nationalities Papers, no. 2, vol. 39, 205-221.

[11.] Codoban, Aurel (2009), "Conditiile de posibilitate mediatica ale unei revolutii" ["Voraussetzungen zur medialen Moglichkeit einer Revolution"] in Petrovszky, Konrad; Tichindeleanu, Ovidiu (Hrsg.), Revolutia romana televizata. Contribuai la istoria culturala a mediilor [Die Revolution im Fernsehen. Beitrage zur Kulturgeschichte der Medien], Cluj: Idea, 63-74.

[12.] Coman, Ioana; Gross, Peter (2012), "Uncommonly Common or Truly Exceptional? An Alternative to the Political-Based Explanation of the Romanian Mass Media" in The International journal of Press/Politics, no. 4, vol. 17, 457-479.

[13.] Das "Europaische Netzwerk der fur die Geheimpolizeiakten zustandigen Behorden" ein Reader zu ihren gesetzlichen Grundlagen, Strukturen und Aufgaben, [http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publikationen/Publikationen/E _netzwerkreader_deutsch.pdf;jsessionid=29C22B7FF9E77A588352BA D27F55EE7B.2_cid319?_blob=publicationFile], 22. Marz 2015.

[14.] Erll, Astrid (2005), Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, Stuttgart: J.B. Metzler.

[15.] Gheorghiu, Mihai Dinu (2007), Intelectualii in cimpul puterii: morfologii si traiectorii sociale [Die Intellektuellen auf dem Feld der Macht: Morphologien und soziale Trajektorien], Iasi: Polirom.

[16.] Gledhill, John (2011), "Integrating the past: regional integration and historical reckoning in Central and Eastern Europe" in Nationalities Papers, no. 4, vol. 39, 481-506.

[17.] Halbwachs, Maurice (1991), Das kollektive Gedachtnis, Frankfurt am Main: Fischer, [1950] zitiert nach Erll, Astrid (2005), Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, Stuttgart: J.B. Metzler.

[18.] hnpovarati de mostcnirea Securitatii si Stasi. Raspunsuri germane, romane si maghiare la o provocare istorica'T'Die Erblast von Stasi und Securitate. Eine Debatte mit deutschen, rumanischen und ungarischen Antworten, Simpozion (2001), Bucurecti: Compania, 2002.

[19.] Niethammer, Lutz (1995), "Diesseits des "Floating Gap". Das kollektive Gedachtnis und die Konstruktion von Identitat im wissenschaftlichen Diskurs" in Dabag, Mihran; Platt, Kristin (Hrsg.), Generation und Gedachtnis. Erinnerungen und kollektive Identitaten, Opladen: Leske + Budrich, 25-50.

[20.] Pecican, Ovidiu (2009) "Eseu: Tabuizare, mitificare, transparenta" ["Essay: Tabuisierung, Mythifizierung und Transparenz"] in Romania literara, no. 34, [http://www.romlit.ro/tabuizare_mitificare_transparen], 11. Dezember 2014.

[21.] Petrovszky, Konrad; Tichindeleanu, Ovidiu (2009), "Sensuri ale Revolutiei Romane intre capital, politica si tehnologie media" ["Deutungen der rumanischen Revolution zwischen Kapital, Politik und Medientechnik"] in Petrovszky, Konrad; Tichindeleanu, Ovidiu (Hrsg.), Revolutia romana televizata. Contribuai la istoria culturala a mediilor, [Die Revolution im Fernsehen. Beitrage zur Kulturgeschichte der Medien], Cluj: Idea, 27-53.

[22.] Philippi, Kristl (2009), "Televiziunea Romana libera--inscenarea unei comunicari de masa democratice?" ["Das freie rumanische Fernsehen Inszenierung einer demokratischen Massenkommunikation?"] Ubers. Ovidiu Tichindeleanu in Petrovszky, Konrad; Tichindeleanu, Ovidiu (Hrsg.), Revolutia romana televizata. Contributii la istoria culturala a mediilor, [Die Revolution im Femsehen. Beitrage zur Kulturgeschichte der Medien], Cluj: Idea, 155-173.

[23.] Rechtlicher Ralmen der CNSAS: [http://www.cnsas.ro/cadrul_legal.html], 3.Februar 2015.

--Legea nr. 187/07.12.1999 privind accesul la propriul dosar si deconspirarea securitatii ca politic politica [Gesetz uber den Zugang zur eigenen Akte und uber die Enthullung der Securitate als politische Polizei], M.O. nr. 603/09.12.1999, pp. 1-5.

--O.U.G. nr. 16/22.02.2006 pentru modificarea si completarea Legii nr. 187/1999 privind accesul la propriul dosar si deconspirarea securitatii ca politic politica [Eilverordnung nr. 16/22.02. 2006 zur Anderung und Erganzung des Gesetzes uber den Zugang zur eigenen Akte und uber die Enthullung der Securitate als politische Polizei], M.O., nr. 182/27.02.2006, pp.1-8.

--O.U.G. nr. 24/05.03.2008 privind accesili la propriul dosar si deconspirarea securitatii [Eilverordnung nr. 24/05.03.2008 uber den Zugang zur eigenen Akte und uber die Enthullung der Securitate], M.O. nr. 182/10.03.2008.

--Legea nr. 293/14.11.2008 pentru aprobarea O.U.G. nr. 24/2008 privind accesili la propriul dosar si deconspirarea securitatii [Gesetz nr. 293/14.11.2008 zur Genehmigung der Eilverordnung nr. 24/2008 uber den Zugang zur eigenen Akte und uber die Enthullung der Securitate], M.O. nr. 810/03.12.2008.

[24.] Sirbu, Adrian T.; Polgar, Alexandru (Hrsg.) (2009), Genealogii ale postcomunismului [Genealogien des Postkommunismus], Cluj: Idea.

[25.] Tileaga, Cristian (2012), "Communism in retrospect: The rhetoric of historical representation and writing the collective memory of recent past" in Memory Studies, no. 4, vol. 5, 462-478.

[26.] Tismaneanu, Vladimir (2008), "Democracy and Memory: Romania Confronts Its Communist Past" in The Annals of the American Academy of Political and Social Science, no. 1, vol. 617, 166-180.

[27.] Trappe, Julie (2009), Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit. Eine Untersuchung aus strafrechtlicher Perspektive, Gottingen: Wallstein.

[28.] Troebst, Stefan (2005), "Jalta versus Stalingrad, GULag versus Holocaust. Konfligierende Erinnerungskulturen im grosseren Europa" in Berliner Journal fiir. Soziologie, no. 3, vol. 15, 381-400.

[29.] Verdery, Katherine (2014), Secrets and Truths. Ethnography in the Archive of Romania's Secret Police, Budapest/New York: CEU Press.

[30.] "Ancheta CNSAS" in "22", Nr. 785, 22.-28.03.2005, pp. 4-5 in Julie Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit. Eine Untersuchung aus strafrechtlicher Perspektive, Gottingen: Wallstein, 2009, p. 238.

[31.] "Institutii CNSAS" in "22", Nr. 813, 4.-10.10.2005, p. 13 in .Julie Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit. Eine Untersuchung aus strafrechtlicher Perspektive, Gottingen: Wallstein, 2009, p. 238.

(1) Vgl. Aurel Codoban, "Conditiile de posibilitate mediatica ale unei revolutii", ("Voraussetzungen zur medialen Moglichkeit einer Revolution"], in Konrad Petrovszky, Ovidiu Tichindeleanu, (Hrsg.), Revolutia romana televizata. Contribuii la istoria culturali a mediilor, [Die rumanische Revolution im Fernsehen. Beitrage zur Kulturgeschichte der Medien], Cluj: Idea, 2009, p. 64.

(2) Pierre Bourdieu, Zur Soziologie der symbolischen Formen, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1991, pp. 42-75 zitiert nach Peter Niedermuller, "Umbruch zur Moderne oder die Ruckkehr der Geschichte. Zur kulturellen Logik des Postsozialismus", in Tatjana Eggeling, et al. (Hrsg.), Umbruch zur "Moderne"? Studien zur Politik und Kultur in der osteuropaischen Transformation, Frankfurt am Main [u.a.]: Peter Lang-Europaischer Verlag der Wissenschaften, 1997, p. 70.

(3) VgI. staatliche Organisationen: Institutul National pentru Studiul Totalitarismului [Nationales Institut fur die Erforschung des Totalitarismus/ unter der Schirmherrschaft der Rumanischen Akademie]; Consiliul National pentru Studierea Arhivelor Securitatii [Nationalrat fur das Studium der Sccuritatc-Archive]; Institutul de Investigare a Crimelor Comunismului si Memoria Exilului Romanesc [IICCMER, Institut zur Erforschung der kommunistischen Verbrechen und der Erinnerung an das rumanische Exil]; Institutul Rcvolutici Romane din Dccembrie 1989 [Institut der rumanischen Revolution von Dezember 1989]; Comisia Prezidentiala pentru Analiza Dictaturii Comuniste din Romania [Prasidialkommission fur die Analyse der kommunistischen Diktatur in Rumanien]; NGOs: Crupul pentru Dialog Social [Gruppe fur den Sozialen Dialog]; Asociatia Fostilor Detinuti Politici [Verein ehemaliger politischer Gefangenen]; Academia Civica [Stiftung Burgerakademie]; Institutul Roman de Istorie Recenta [Das mmanische Institut fur Zeitgeschichte], Comitetul de Reprezcntare a Victimelor Comunismului [Vertretendes Komitee fur die Opfer des Kommunismus], in: Konrad Petrovszky, Ovidiu Tichindeleanu, "Sensuri ale Revolutiei Romane intre capital, politica ci tehnologie media" ["Deutungen der Rumanischen Revolution zwischen Kapital, Politik und Medientechnik"], in Petrovszky/Tichindelcanu (Hrsg.), Revolutia romana televizata [Die rumanische Revolution im Fernsehen], p. 32.

(4) Jan Assmann, Das kulturelle Gedachtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identitat in fruhen Hochkulturen, Munchen: Beck, 2000/1997, p. 52.

(5) Lutz Niethammer und Astrid Erll bestreiten den "floating gap", die zeitliche Leerstelle zwischen dem kommunikativen- und kulturellen Gedachtnis und befurworten ihr Nebeneinander als eine Frage der Option, vgl. Astrid Erll, Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, Stuttgart: J.B. Metzler, 2005, p. 115 und Lutz Niethammer, "Diesseits des "Floating Gap." Das kollektive Gedachtnis und die Konstruktion von Identitat im wissenschaftlichen Diskurs", in Kristin Platt; Mihran Dabag (Hrsg.), Generation und Gedachtnis. Erinnerungen und kollektive Identitaten, Opladen: Leske + Budrich, 1995, pp. 25-50.

(6) Erll, Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, pp. 132-134.

(7) Erll, Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, pp. 134-135.

(8) Maurice Halbwachs, Das kollektive Gedachtnis, Frankfurt am Main: Fischer, 1991, [1950], p. 50, zitiert nach Erll, Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, p.141.

(9) Erll, Kollektives Gedachtnis und Erinnerungskulturen, p.142.

(10) Vgl. Valeska Bopp-Filimonov, "Jumalul din decembrie. Un inventar investigativ" ["Das Dezember-Tagebuch. Eine investigative Bestandsaufnahme"], Ubers. Ovidiu Tichindeleanu, in Petrovsky; Tichindeleanu (Hrsg.), Revolutia romana televizata [Die rumanische Revolution im Fernsehen], pp. 219-225.

(11) Vgl. Dalia Bathory, Memoria revolu {tei romane din 1989 in film [Die Erinnerung an die rumanische Revolution von 1989 im Film], Cluj-Napoca: Casa Cartii de Stiinta, 2009. Die Untersuchung beruht auf die Herausarbeitung bestimmter Gestaltentypologien durch den Vergleich originaler Fernsehaufnahmen uber die "Revolution" mit unterschiedlichen rumanischen Spielfilmen.

(12) Kristl Philippi, "Televiziunea Romana libera--inscenarea unei comunicari de masa democratice?" ["Das freie rumanische Fernsehen--Inszenierung einer demokratischen Massenkommunikation"], Ubers. Ovidiu Tichindeleanu, in Petrovsky; Tichindcleanu (Hrsg.), Revolutia romana televizata [Die rumanische Revolution im Fernsehen], pp. 155-173.

(13) Eine auf Kultur basierende Erklarung des Mediensystems nach 1989 in: Ioana Coman, Peter Gross, "Uncommonly Common or Truly Exceptional? An Alternative to the Political-Based Explanation of the Romanian Mass Media" in The International journal of Press/Politics, no. 4, vol. 17, 2012, pp. 457-479.

(14) Siehe die Unterstutzung der FSN [Front der Nationalen Rettung] durch Kulturschaffende wie der Dichter Mircea Dinescu, der Regisseur Sergiu Nicolaescu, die Schriftstellerin Doina Cornea oder der Schauspieler Ion Caramitru usw.

(15) Mihai Dinu Gheorghiu, Intelectualii in cimpul puterii: inorfologii si traiectorii sociale [Die Intellektuellen auf dem Feld der Macht: Morphologien und soziale Trajektorien], Iasi: Polirom, 2007, p. 256.

(16) Vgl. Adrian T. Sirbu, Alexandru Polgar (Hrsg.), Genealogii ale postcomunismului [Genealogien des Postkommunismus], Cluj: Idea, 2009.

(17) Vgl. Gheorghiu, Intelectualii in cimpul puterii [Die Intellektuellen auf dem Feld der Macht], p. 330; Daniel Barbu, Republica absenta: politica si societate in Romania postcomunista [Die abwesende Republik: Politik und Gesellschaft im postkommunistischen Rumanien] Bucuresti: Nemira, 1999, p. 198.

(18) Einige Autoren, die sich mit der Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit beschaftigen sind: die Literatin Ruxandra Cesereanu, die Schriftsteller Stelian Tanase und Caius Dobrcscu, der Dichter Marius Oprca usw. Der Anglizist Mircca Mihaicf, der Literaturkritiker Ion Bogdan Lefter, der Physiker H.-R. Patapievici oder die Arztin Alina Mungiu-Pippidi ubernahmen diese Aufgabe auch als Journalisten, in: Ovidiu Pecican, "Eseu: Tabuizare, mitificarc, transparent" ["Essay: Tabuisicrung, Mythifizicrung und Transparenz"] in Romania literara, Nr. 34, 2009, [http://www.romlit.ro/tabuizare_mitificare_transparen], 11. Dezember 2014.

(19) z.B. Sorin Antohi, Stefan Augustin Doinas, der Mitropolit Bartolomeu Anania oder Balaceanu Stolnici.

(20) Die bekanntesten Personlichkeiten sind Mircea Eliade und Emil Cioran.

(21) Pecican, "Eseu: Tabuizare, mitificare, transparent", ["Essay: Tabuisierung, Mythifizicrung und Transparenz"], [http://www.romlit.ro/tabuizarc_mitificare_transparen], 11. Dezember 2014.

(22) Diese anklagende, kritische Tendenz in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist auch in den unmittelbar nach der Wende erschienenen, deutschen Filmen der ehemaligen DEFA-Nachwuchsregisseure zu erkennen: siehe Letztes aus der DaDaR [Jorg Foth, 1990], Stilles Land [Andreas Dresen, 1992], Das Land hinter dem Regenbogen [Herwig Kipping, 1991/1992], u.a.

(23) Vgl. Spielfilme, die mit der kommunistischen Vergangenheit und mit den Umwalzungen von 1989 abrechnen: Stare de fapt [Stere Gulea, 1995], Vulpe vanator [Stere Gulea, 1993], Dupa amiaza unui tortionar [Lucian Pintilie, 2001], Binecuvantata fii tu inchisoare [Nicolac Margineanu, 2002], u.a.

(24) Vgl. Cum mi-am petrecut sfarsi tu I lumii [Catalin Mitulcscu, 2006], A fost sau n-a fost [Corneliu Porumboiu, 2006], 4 luni, 3 saptamani si 2 zile [Cristian Mungiu, 2007], Caravana cinematografica [Titus Muntean, 2010], Quod erat demonstrandum [Andrei Gruzsniczki, 2013] u.a.

(25) Vulpe vanator [Stere Gulea, 1993]; Stare de fapt [Stere Gulea, 1995]; 15 [Sergiu Nicolaescu, 2005]; Cum mi-am petrecut sfarcitul lumii [Catalin Mitulescu, 2006], A fost sau n-a fost [Corneliu Porumboiu, 2006], u.a.

(26) Balanta [Lucian Pintilie, 1992], Asfalt tango [1995, Nae Caranfil], Prea tarziu [1996, Lucian Pintilie], Terminus Paradis [Lucian Pintilie, 1998], Moartea domnului Lazarescu [2005, Cristi Puiu] u.a.

(27) Ccl mai iubit dintre pamantcni [Serban Marinescu, 1993], A 11-a porunca [Mircca Daneliuc, 1990].

(28) Siehe das ganze Band Procesul comunismului in teatru von Matei Vicniec: Povcstea comunismului povestita bolnavilor mintal, Despre senzatia de elasticitate cind pacim peste cadavre; Complexul Romania (Mihaela Michailov); X mm din Y km (Gianina Carbunariu); Amalia respira adine (Alina Nelega) u.a.

(29) Gheorghiu, Intelectualii in cimpul puterii, [Die Intellektuellen auf dem Feld der Macht], p. 349.

(30) Ebenda, p. 344.

(31) Ebenda, p. 344.

(32) Vgl. auch andere Beitrage uber Institutionen des kollektiven Gedachtnisses: Monica Ciobanu, "Rewriting and remembering Romanian communism: some controversial issues" in Nationalities Papers, no. 2, vol. 39, 2011, pp. 205-221.

(33) Legea 187/1999 privind accesul la propriul dosar si deconspirarea securitatii ca politie politica, M.O., 1. Teil, Nr. 603, 9.12.1999; Weitere Veranderungen des Rechtsrahmens siehe: lhttp://www.cnsas.ro/cadrul_legal.html], 3. Februar 2015.

(34) Rumanischer Informationsdienst; Ausseninformationsdienst (Serviciul de Informatii Externe), Justizministerium; Verteidigungsministerium und Innen--und Verwaltungsministerium, in: Katherine Verdery, Secrets and Truths. Ethnography in the Archive of Romania's Secret Police, Budapest/New York: CEU Press, 2014, p.32.

(35) Weitere Probleme im Ubergabeverfahren betrafen die Unvollstandigkeit der Akten: von ca. 20.000 Meter wurden dem CNSAS nur ca. 7000 Meter ubergegeben; das Fehlen der Listen mit den Decknamen; die Lagerung der Akten ausserhalb des CNSAS-Gebaudes, wo die SRl-Mitarbeiter noch Zugang haben und die zeitaufwandige Ubergabe jedes einzelnen Blattes separat, in: "Ancheta CNSAS" in "22", Nr. 785, 22.-28.03.2005, pp.4-5 und "Institutii CNSAS" in "22", Nr. 813, 4.-10.10.2005, p. 13 in: .Julie Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit. Eine Untersuchung aus strafrechtlicher Perspektive, Gottingen: Wallstein, 2009, p. 238.

(36) Verdery, Secrets and Truths, p. 33. Fruhere Verweise auf den Aktenbestand deuten auf insgesamt 20 km hin. Vgl. Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 238.

(37) Vgl. Veroffentlichung der Listen mit den ehemaligen Kollaborateuren und Uberprufung des Politikers Comeliu-Vadim Tudor, in: Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 235.

(38) Der Begriff "politische Polizei" war deswegen umstritten, weil man dadurch eine Differenzierung zwischen Personen vornahm, die in der politischen Polizei tatig waren und diejenigen, die es nicht waren, also zwischen einer Securitate, die dem Land nutzte, und einer anderen Securitate, die repressiv war. Der Begriff wurde spater durch eine Eilverordnung [O.U.G., nr. 16/22.02.2006] geandert, ohne aber das Problem zu losen, in Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 239.

(39) Vgl. Gabriel Andreescu, Carturari, opozanti si documente. Manipularea Arhivei Securitatii [Gelehrte, Opponenten, Dokumente], laci: Polirom, 2013.

(40) Vgl. Aufruf an den Prasidenten Rumaniens Traian Basescu vom 10.3.2006, in: Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, pp. 240-241; pp. 249-250. In diesem Zusammenhang siehe auch: Cristian Tileaga, "Communism in retrospect: The rhetoric of historical representation and writing the collective memory of recent past" in Memory Studies, no. 4, vol. 5, 2012, pp. 462-478; Vladimir Tismaneanu, "Democracy and Memory: Romania Confronts Its Communist Past" in The Annals of the American Academy of Political and Social Science, no. 1, vol. 617, 2008, pp. 166-180; Monica Ciobanu, "Criminalising the Past and Reconstructing Collective Memory: The Romanian Tmth Commission" in Europa-Asia Studies, no. 2, vol. 61, 2009, pp. 313-336.

(41) Die erste Uberprufungswelle wurde im Jahr 2000 durch die Aufnahme der Tatigkeit durch die CNSAS herbeigefuhrt, in: Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 240.

(42) Vgl.Verdery, Secrets and Truths, p. 33; Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, pp. 240-241.

(43) Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 244.

(44) Vgl. Eilverordnung/O.U.G. nr. 24/05.03.2008 und das Gesetz nr. 293/14.11.2008, in: Andreescu, Carturari, opozanti si documente [Gelehrte, Opponenten, Dokumente], pp. 167-168.

(45) V.a. in Verbindung mit der emotionalen und sanktionierenden Sprache des Berichtes zur Verurteilung der Verbrechen des Kommunismus, in Trappe, Rumaniens Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit, p. 257.

(46) Vgl. die Unterstutzung der Gedenkstatte der Opfer des Kommunismus in Sighet durch den Europarat und durch deutsche politische Stiftungen (Konrad Adenauer-Stiftung, Friedrich Ebert-Stiftung); die Zusammenarbeit des Instituts fur die Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus und des Gedachtnisses des rumanischen Exils (IICCMER) mit der Konrad Adenauer-Stiftung; Grundung und Finanzierung des Rumanischen Instituts fur Zeitgeschichte durch das niederlandische Aussenministerium, sowie unterschiedliche Koproduktionen im Filmbereich, usw.

(47) Stefan Troebst, "Jalta versus Stalingrad, GULag versus Holocaust. Konfligierende Erinnerungskulturen im grosseren Europa" in Berliner Journal fur Soziologie, no. 3, 2005, pp. 381-400, hier: pp. 385-386.

(48) Siehe vor allem die ersten 4 Mineriaden ("Proteste der Bergarbeiter") der 1990er und 1991er Jahre und Ion Iliescus Einstellung dazu.

(49) Aleida Assmann, Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur. Eine Intervention, Munchen: C.H. Beck, 2013, p. 116.

(50) Ebenda, p. 122.

(51) Ebenda, p. 144.

(52) Ebenda, p. 165-169.

(53) Uber den Begriff "globale Opferschaft" in: Thorsten Bonacker, "Globale Opferschaft. Zum Charisma des Opfers in Transitional Justice-Prozessen" in Zeitschrift fur Internationale Beziehungen, no. 1, vol. 19., 2012, pp. 5-36.

(54) Vgl. Impovarati de mostenirea Securitatii si Stasi. Raspunsuri germane, romane si maghiare la o provocare istorica/Die Erblast von Stasi und Securitate. Eine Debatte mit deutschen, rumanischen und ungarischen Antzvorten, Simpozion (2001), Bucurefti: Compania, 2002.

(55) Vgl. Das "Europaische Netzwerk der fur die Geheimpolizeiakten zustandigen Behorden" ein Reader zu ihren gesetzlichen Grundlagen, Strukturen und Aufgaben, in: [http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publikationen/Publikationen/E_netzwerkreader_deut sch.pdf;jsessionid=29C22B7FF9E77A588352BAD27F55EE7B.2_cid319?_blob=publicationFile], 22. Marz 2015.

(56) Vgl. John Gledhill, "Integrating the past: regional integration and historical reckoning in Central and Eastern Europe" in Nationalities Papers, no. 4, vol. 39, 2011, pp. 481-506. John Gledhill zieht Rumanien, Polen und die Tschechische Republik als Fallbeispiele heran, um durch die EU unterstutzte Vergangenhcitsaufarbeitung auf der regionalen Ebene aufzuzeigen.

Antonela Gyongy studierte Journalismus und Vergleichende Politische Studien (Deutschland und Osteuropa) an der Universitat Babes-Bolyai. Sie ist seit 2011 Doktorandin und ZEWI-Fellow an der Fakultat fur Europastudien in Klausenburg und befasst sich mit dem Thema der filmischen Konstruktion des kollektiven Gedachtnisses in Rumanien und in der DDR. Ihre Forschungsinteressen liegen in dem Feld der Kulturgeschichte und ihre Publikationen umfassen Analysen zur Zeitgeschichte und visuellen Erinnerungskultur. Kontakt: gy_antonela@yahoo.com
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Article Details
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Author:Gyongy, Antonela
Publication:Studia Europaea
Article Type:Report
Geographic Code:4EXRO
Date:Jun 1, 2016
Words:7805
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