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Am Sabbat bleibt das Stadion leer (JMD quoted in Die Zeit).

Am Sabbat bleibt das Stadion leer

Israels Orthodoxe nehmen es mit mEnchtigen Gegnern auf: dem FuE-ball und seinen Fans. Am Samstag soll nicht mehr gespielt werden, das wE-rde den Verband auch Geld kosten.

8. Oktober 2015, 10:50 Uhr 2 Kommentare

Fans von Beitar Jerusalem [c] AFP/Getty Images

Der Samstag ist in Israel den ruhigen Dingen gewidmet. Es ist Familienzeit, Soldaten kehren nach Hause, einem Besuch in der Synagoge folgt ein ausgedehntes Mahl mit der Familie. Am Ende des heiligen Sabbats wird in vielen Familien FuE-ball geschaut. FuE-ball am Sabbat, diese Gewohnheit ist Enlter als der Staat Israel selbst.

Doch die Feiertagsroutine hat einen Riss bekommen. Der ProfifuE-ball stand kurz vor einem Verbot und steht es noch immer ein bisschen. Fromme FuE-baller aus der Zweiten Liga hatten geklagt. FE-r sie ist ihr Beruf nicht mit der strengen Auslegung einer Sabbat-Ruhe vereinbar. Die Spieler zogen vor ein Arbeitsgericht und bekamen UnterstE-tzung von der mEnchtigen Histadrut-Gewerkschaft.

Ende August gab das Gericht den FuE-ballern Recht und entfachte eine Debatte E-ber den wachsenden Einfluss der Religion auf Leben und Alltag. Die Sabbat-Ruhe ist schon lange ein Konflikt. Im Sommer regten orthodoxe KrEnfte an, in Jerusalem die letzten geE[micro]ffneten Kioske zu schlieE-en. EinschrEnnkungen im E[micro]ffentlichen Nahverkehr waren ebenfalls Teil der Auseinandersetzung.

In kaum einem anderen Gesellschaftsbereich aber attackierte die wachsende Zahl der orthodoxen Israelis die SEnkularen so direkt wie es die FuE-baller versucht haben. Israels Gesellschaft fragt sich nun, ob eine Minderheit einer Mehrheit ihren Willen aufzwingen darf.

Streng genommen ist FuE-ballspielen am Samstag nun eine kriminelle Handlung. Denn, so will es das jE-dische Recht, wer am Sabbat arbeiten mE[micro]chte, benE[micro]tigt eine Ausnahmegenehmigung. Der Wirtschaftsminister Arye Deri ist aber nicht bereit, diese fE-r FuE-baller zu geben. Seine orthodoxe Schas-Partei kEnmpft fE-r die Einhaltung des jE-dischen Rechts.

Wirtschaftliche Interessen des Verbands betroffen

Der israelische FuE-ballverband griff zu einem drastischen Mittel und drohte mit einem Boykott aller Spiele, weil er ein Ende des FuE-balls am Samstag nicht akzeptieren will. Sogar der StaatsprEnsident Reuven Rivlin schaltete sich ein und forderte eine Fortsetzung der Spiele am Sabbat. Erst durch den Schiedsspruch des Generalstaatsanwalts Yeuhda Weinstein vor vier Wochen wurde der Boykott abgewendet, FuE-ball am Sabbat wird erst mal fortgesetzt.

Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Die Frage, wie der Profisport mit religiE[micro]sen Feiertagen umgeht, ist fE-r James Dorsey Teil des groE-en Konflikts der israelischen Gesellschaft. "Die Drohung eines Boykotts ist eine neue Stufe", sagt er. Der Politikwissenschaftler und Co-Direktor des Instituts fE-r Fankultur in WE-rzburg analysiert Politik und Sport im Nahen und Mittleren Osten auf seinem Blog Mideastsoccer . FuE-ball sei in Israel immer politisch gewesen, sagt er, "ein Ringen zwischen religiE[micro]sem und weltlichem Einfluss auf den FuE-ball aber ist neu".

Geht es nach dem FuE-ballverband, soll sich der FuE-ball auch kE-nftig dem religiE[micro]sen Zugriff entziehen. "Tausende spielen jede Woche, Zehntausende verdienen ihr Geld damit und hunderttausend verfolgen den Sport am Samstag", EnuE-erte sich der Verband in einer Videobotschaft auf dem HE[micro]hepunkt der Auseinandersetzungen. FE-r ihn stehen auch wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Nur am arbeitsfreien Sabbat werden die Stadien voll und die TV-Quoten blieben hoch.

Die Fifa befasst sich mit Israels Verband

Eine endgE-ltige Entscheidung steht aus, der israelische FuE-ball ist in einem Zustand der Unsicherheit. Das Verbot des Arbeitsgerichts gilt weiterhin, genauso wie der vom Generalstaatsanwalt ausgerufene Status quo, es zu ignorieren. Zwei Monate hat sich ein Ausschuss unter der Leitung der Kultur- und Sportministerin Miri Regev gegeben, um eine LE[micro]sung zu erarbeiten.

Regev lieE- durchblicken, dass sie einen Kompromiss anstrebt, der es frommen Spielern ermE[micro]glicht, selbst zu entscheiden, ob sie spielen wollen oder nicht. Das wirft Fragen auf: Bleiben nur einzelne Spieler den Spielen fern, wie es schon vereinzelt geschieht? Oder tritt das ganze Team nicht an? FE-r den Verband ergEnben sich enorme Probleme bei der Terminansetzung. Von einem FuE-ballverbot am Sabbat wEnren auch mehr als 30.000 Amateurspieler betroffen.

Der Verband hat Mitstreiter. Die liberale Zeitung Haaretz wertet das Gerichtsurteil als einen Eingriff in das sEnkulare Leben und fordert, auch den von Regev geplanten Jeder-wie-er-mE[micro]chte-Kompromiss zu verwerfen. Nur dann wEnre die Bedrohung des sEnkularen Lebens abgewendet. Doch Dorsey sagt: "Warum sollten die ReligiE[micro]sen nun den Ball fallen lassen? Sie erleben gerade etwas wie einen Aufstieg."

Konflikt mit PalEnstina

Der Lieblingsverein des StaatsprEnsidenten Rivlin, Beitar Jerusalem, hat hingegen angekE-ndigt, seine Spiele diese Saison nicht mehr am Sabbat auszutragen. Traditionell ist der Klub die Heimat vieler Konservativer. Andere Klubs kE[micro]nnten dem Beispiel folgen, fE-rchten sEnkulare KrEnfte. AuffEnllig wurde der Klub auch deshalb, weil seine mEnchtige Fangruppe La Familia Muslime rassistisch beleidigte.

Der Verein ist deshalb einer der GrE-nde, warum sich der Weltverband Fifa mit dem israelischen FuE-ball beschEnftigt. Seit einem Monat E-berwacht ein Komitee unter anderem, ob der israelische Verband konsequent gegen den Rassismus von Beitar Jerusalem vorgeht. Der Klub weigert sich, muslimische Spieler zu verpflichten.

Das von der Fifa eingesetzte Komitee ist das Ergebnis eines Deals, den der scheidende Fifa-PrEnsident Sepp Blatter initiiert hat. PalEnstina hatte Israels Ausschluss gefordert, "dafE-r gab es sogar eine beachtliche, wenn auch nicht entscheidende Mehrheit", sagt Dorsey. Auf dem Kongress Anfang Juni aber machte Israel den PalEnstinensern weitreichende ZugestEnndnisse, PalEnstina zog seinen Antrag zurE-ck. Obwohl PalEnstina kein von den Vereinten Nationen anerkannter Staat ist, besitzt es eine Fifa-Mitgliedschaft. Und die nutzt es zur Politik. Eine der Forderungen: Spieler aus dem Gazastreifen sollen ins besetzte Westjordanland fahren dE-rfen, um Spiele auszutragen.

PalEnstina fordert noch mehr und im Februar findet der nEnchste Fifa-Kongress statt. Neben der Wahl eines neuen PrEnsidenten wird es auch um die Ergebnisse des Komitees gehen, das Israel E-berwacht. Israel kann sich eigentlich keine Verfehlungen erlauben. "Die moralische Messlatte, die man an andere anlegt, wEnre mit einer Fifa-Sanktion enorm beschEndigt", sagt James Dorsey. Der Verband muss handeln. Und nehmen auch die Einflussversuche der religiE[micro]sen Gruppen weiter zu, stehen dem israelischen FuE-ball schwierige Zeiten bevor.

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Publication:The Turbulent World of Middle East Soccer
Date:Oct 8, 2015
Words:998
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