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"THE DISCOVERY OF THE PEOPLE'S SOUL". EAST EUROPEAN LINGUISTIC MINORITIES BETWEEN DEFENCE OF IDENTITY AND SEPARATISM. THE EXAMPLE OF THE CARPATHO RUSYNS/"DIE ENTDECKUNG DER VOLKSSELLE": OSTEUROPAISCHE SPRACHMINDERHEITEN ZWISCHEN IDENTITATSPFLEGE UND SEPARATISMUS: DAS BEISPIEL DER KARPATHO-RUTHENEN.

Der nicht mehr so neue Regionalismus muss nach wie vor mit dem unterschwelligen und auch offen geausserten Verdacht des Separatismus leben. Er mache dem Nationalstaat Konkurrenz, der zwar einerseits, nach herrschendem Diskurs, ausgedient hatte, andererseits manchem nolensvolens als Ruckhalt gegen Auflosungstendenzen und neue ethnische Differenzierung erscheint, bevor man ein europaisches Bewusstsein erreicht hatte, in dem sich alle Differenzen auflosen. Dagegen steht die Auffassung, dass die friedliche ethnische Differenzierung und Pluralitat eine Tugend Europas ist, die nach dem politischen Missbrauch des Ethnischen durch die Ideologien des 20. Jahrhunderts dringend wiederentdeckt werden musse. Dass regionales Selbstbewusstsein, sprachliche Ausdifferenzierung, gar die Entdeckung neuer Sprachen als Separatismus, als anachronistische, artifizielle Neuschaffung kritisiert werden, hatte auch damit zu tun, dass die Geister des katastrophalen 20. Jahrhunderts noch lange nicht gebannt seien. Das lange 20. Jahrhundert wirke auch hier nach. In der Regionalismus-Debatte schwingen trotz des eifrigen Bekenntnisses gegen den angeblich uberholten Nationalstaat Begriffe wie Zersplitterung, Provinzialismus, Balkanisierung mit, es werden ungute Erinnerungen an die jugoslawischen Burger- und Separationskriege der 1990er Jahre geweckt. Europaweit ist indes ein wachsender Trend festzustellen zu jener Grosse, die uberschaubar ist, die die Identitat der Menschen langer als der Nationalstaat gepragt hat, die Region. Der Regionalismus geniesst vor dem Hintergrund der Globalisierung keinen unbedingt guten Ruf. Man raumt zwar ein, dass die globale Ambition die Kultur uniform und austauschbar gemacht hat, aber dem Vertrauten, dem "Umhausten" haftet dennoch der Geruch des Ruckstandigen an. (1) Wer sich nach der Region sehnt, nach der regionalen Sprache, wunsche das Uberschaubare, er werde mit der komplizierten, unubersichtlichen modernen, globalisierten Welt nicht fertig, er versuche das Storende, das Andere auszugrenzen. Eine Identitat zu definieren sei gefahrlich, meint etwa die Soziolinguistin Katharina Brizic. (2) Gerade regionale Identitaten, die vielfachen Einflussen ausgesetzt sind, mussen sich jedoch auf einen mehr oder weniger definierten Grundbestand verlassen konnen, um sich nicht zu entgrenzen und aufzulosen. Schweizer im Aargau und im Wallis oder Russinen in der Ostslowakei oder der Westukraine leben in Ubergangsregionen, die vielfaltigen Einflussen ausgesetzt waren und sind, und mussen sich uber konkrete Identitaten definieren, uber Sprache, Trachten, die regionale Geschichte. Minderheiten haben stets mit Nachbarn gelebt, waren ihren Einflussen ausgesetzt, was ihre Identitat bereicherte, aber auch festigte. Heute ist es der Streit gegen die Ubermacht der Standardsprache, ihre Allgegenwart im Fernsehen, in Radiosendungen und in der Presse. Fruher war es die gewaltsame Unterdruckung durch die Mehrheitskultur, ob im postrevolutionaren Frankreich, das uberzeugt war, dass der Aberglaube bretonisch sprache, ob im kommunistischen Osteuropa, das jede Sonderidentitat als konterrevolutionar verurteilte. Das Jugoslawien Titos stellte in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar. Die Russinen bzw. Karpato-Ruthenen --von denen in diesem Aufsatz vor allem die Rede sein soll--in der jugoslawischen bzw. serbischen Vojvodina durften nicht nur ihre Sprache in der Offentlichkeit sprechen--was etwa in der ukrainischen Sowjetrepublik strikt verboten war--sie erhielten auch ein eigenes Universitatsinstitut, wo das Russinische Gegenstand der Wissenschaft war und bis heute ist. Die aktuelle Rivalitat zwischen Standardsprache bzw. Mehrheitssprache und ,Minderheitensprache' gilt fur das Russinische in der Region Transkarpatien im Westen der Ukraine genauso wie fur den bayerischen Dialekt im Suden Deutschlands oder das Banater Bulgarische im Banat. Fur Letzteres freilich weniger, da der Gegensatz zwischen dem slawischen Bulgarisch und dem vorwiegend romanischen Rumanisch grosser ist als der zwischen dem slawischen Karpato-Russinisch und dem ebenfalls slawischen Ukrainisch. Der Osteuropa-Historiker Karl Schlogel definiert Mitteleuropa als Raum, der uber eine unglaubliche Vielfalt an Regionen, Ethnien und Sprachkulturen verfugt, und er stellt die Frage, ob sich dieses Mitteleuropa, "der Raum mit den wandernden Grenzen, der Verflechtung der diversen Kulturen, Sprachen und Bekenntnisse, der Nichtubereinstimmung von Staat und Nation, die Mischzone aus ebenso produktiven wie explosiven Ubergangs- und Grenzlandschaften, lasst sich dieses Mitteleuropa uberhaupt more geometrico definieren?" (3) Der Klagenfurter Verleger Lojze Wieser, der sich im osterreichischen Karnten einen Namen mit der Herausgabe slowenischer Literatur gemacht hat, ging einen Schritt weiter, als er die aktuelle Entwicklung kritisierte. Wir wurden um die "Kuh Nationalstaat" kreisen "und sehen nicht, dass das vermeintliche Friedensprojekt Europa nur Zukunft haben wird, wenn es auch den Sprachen und Kulturen ohne Territorium Raum gibt und nicht zu einem Supra-Nationalstaat mutiert" (4).

Die Angst, die Regionalkulturen konnten, nachdem sie sich in den letzten 25 Jahren von historischer und ideologischer Bedruckung befreit und einen kulturellen und sprachlichen Freiraum geschaffen haben, in einer Europaischen Union untergehen, die die kleinen Sprachen und Kulturen im Zuge der weitgehend englischsprachigen Globalisierung ubergeht und ignoriert, diese Angst artikuliert sich unter Sprachminderheiten in Westeuropa ebenso wie unter den Ruthenen in Serbien, Kroatien, Polen oder der Slowakei.

Milde positiv stimmen diesen Kulturpessimismus bzw. pessimistischen Realismus die sich mehrenden Gegenindizien, dass beispielsweise Schottland ein Referendum abhalten konnte, das zwar scheiterte, wenn auch knapp; dass Wales sein Regionalparlament erneuern durfte, und die Region Katalonien wohl schon langst mehr als autonom ware, wenn nicht das spanische Verfassungsgericht in letzter Minute ein Referendum uber die Unabhangigkeit untersagt hatte. Die Bretonen in Frankreich organisieren regelmassig Feste, auf denen die regionale Musik und Kultur gefeiert wird. Auf Sommeruniversitaten wird die bretonische Sprache analysiert und erlernt, und im Suden Frankreichs erlebt das Okzitanische eine Renaissance gerade unter der jungeren Generation, die der zentralistischen Arroganz uberdrussig ist. Diese Renitenz gegen das scheinbar Faktische ist auch die Folge einer leidvollen Geschichte von Unterdruckung und Verfolgung, und wurde erreicht trotz einer offiziellen franzosischen Politik, die bis heute die europaische Sprachenkonvention nicht unterzeichnet hat. Das Nationalstaatliche beherrscht das Denken. Mancher franzosische Regionalpolitiker, der es in die Nationalversammlung geschafft hat, begehrt dagegen auf und muss teils heftige Gegenreaktionen verkraften. Nicht anders und teils heftiger fallen die Reaktionen in Osteuropa aus, das seit 1989 eine Entwicklung verkraften muss, fur die Westeuropa zwei Jahrhunderte und vor allem das katastrophale 20. Jahrhundert gebraucht hat. In der autonomen Provinz Vojvodina verfugen die dortige Volksgruppe der Ruthenen oder Russinen zwar uber ein funktionierendes Schulsystem bis hinauf zur Universitat--in Novi Sad gibt es seit 1970 ein Institut zur Erforschung der russinischen Sprache und Kultur--, was vor allem dank der toleranten Politik Tito-Jugoslawiens erreicht wurde. Doch in den Jahren des Burgerkriegs mussten die Russinen sich den Vorwurf der Illoyalitat gefallen lassen. Auch heute werden die zweisprachigen Ortschilder der russinischen Hauptorte Ruski Kerestur und Ruski Kocur immer wieder beschmiert, das heisst: die russinische Version des Ortsnamens durchgestrichen. Doch allgemein hat sich ein hohes Mass kultureller Autonomie durchgesetzt. Ganz anders in der Westukraine. Als die dort beheimateten Karpatho-Ruthenen zusammen mit den anderen ruthenischen Volksgruppen aus der Vojvodina, der Slowakei, Rumanien oder Polen 2004 ihren Weltkongress im westukrainischen Uzhorod abhielten, reagierte die ukrainische Presse mehrheitlich negativ. Hier wurde ein Professor aus Kanada, gemeint war der Ruthenen-Experte Paul Robert Magocsi, den Separatismus einer kleinen Volksgruppe fordern, um sich personlich und wissenschaftlich eine Bedeutung zu erschaffen, die weder ihm noch den Ruthenen zukame. Die Idee einer ruthenischen Nation sei schlicht ein Hirngespinst, im schlimmsten Falle eine Verletzung der Unteilbarkeit der ukrainischen Nation, also ein justiziables Verbrechen. Eine regionale, gerade auch sprachliche Identitat hatte es jedoch, so wendet die russinische Seite ein, in der Region Transkarpatien seit Langem gegeben, nicht erst seitdem Magocsi die Ruthenen fur sich entdeckte. Auch fuhle man sich eindeutig Mitteleuropa bzw. Westeuropa zugehorig. Die Uhren werden nach mitteleuropaischer Zeit gestellt, und jeder Besucher bekommt irgendwann zu horen, hier sei nicht die Ukraine. Umso mehr betrubt es die Ruthenen aus der Transkarpatho-Ukraine, dass etwa Kroatien sich die Klassifizierung der ruthenischen Minderheit von der offiziellen ukrainischen Linie vorschreiben liess, nach der es eine ruthenische Volksgruppe nicht gebe, sondern nur Ukrainer bzw. Ruthenen-Ukrainer. Was die mangelnde Wahrnehmung der besonderen europaischen Identitat der Ruthenen angeht, ist die Tatsache, dass die katholische Kirche im Zuge der neuen Ostpolitik bereit war, zugunsten der Orthodoxie die Rolle der Unierten zu relativieren, ein weiterer Grund zur Klage.

Die Ukraine hatte, bemangeln russinische Vertreter, nicht nur ihre Probleme mit der russischen Minderheit. Die ethnischen Mehrheits- und Minderheitsverhaltnisse sind je nach Region verschieden, in der West-, der Zentral- oder der Ostukraine. Wahrend in Letzterer der russische Bevolkerungsteil stark ist, gibt es in der Westukraine eine Vielzahl an ostslowakisch-westukrainischen Dialekten und kleinen slawischen Ethnien wie die Lemken, Bojken oder Huzulen. Die westukrainische Region Transkarpatien bzw. die historische subkarpathische Rus ist einerseits heute unbestrittener Teil der Ukraine. Man pflegt jedoch ein Sonderbewusstsein vergleichbar dem des Freistaates Bayern. Sprache und Kultur seien zwar mit jenen der Ukrainer verwandt, aber eigenstandig, autochthon. Diese These einer karpatho-ruthenischen oder karpatho-russinischen Identitat wurde und wird von ukrainischen Nationalisten bis heute, und heute aus naheliegenden Grunden verstarkt, bestritten. Sie sei ein Konstrukt westlicher, vor allem US-amerikanischer Exil-"Ruthenen" und ihrer Fursprecher, unter denen der im kanadischen Toronto lehrende Historiker Paul Robert Magocsi hervorragt. Magocsi, den seine Verehrer wie Verachter "mohucyj Magocsi" (ukr.: der machtige/einflussreiche Magocsi) nennen, hatte den Russinen die Idee, eine eigene Nation zu sein, eingeimpft, um sie, die doch eigentlich Ukrainer seien und immer gewesen waren, von der ukrainischen Nation zu trennen--Separatismus durch nachgeholte Konstruktion einer Identitat. Doch diese eigenstandige, separate Identitat ist kein "Konstrukt" des ausgehenden 20. Jahrhunderts, keine von der historischen Entwicklung losgeloste Neuentdeckung. Im Siedlungsgebiet der Ruthenen, das sich uber die an die Karpatenregion angrenzenden Staaten erstreckt, uber die Westukraine, die Ostslowakei, Serbien, Rumanien und Polen--weshalb sich die Karpato-Ruthenen auch als die Nation ohne Land, als die "Kurden Europas" verstehen--traten bereits im 19. Jahrhundert Intellektuelle, vor allem Geistliche auf, die von der kulturellen und sprachlichen Eigenstandigkeit der Ruthenen sprachen (5). Der nationale Aufbruch der anderen slawischen Nationen der Donaumonarchie, der Serben und Kroaten, der Polen und Bohmen, war fur den slowakischen Ruthenen, den Dichter, Historiker, Ethnologen, Volksaufklarer, Padagogen und unierten Geistlichen Aleksandar Duchnovyc (1803-1865) genauso Vorbild wie fur Havrijil Kostel'nik (1886-1948), ebenfalls griechisch-katholischer Geistlicher und Ruthene, in diesem Fall aus der heute serbischen Backa in der Vojvodina. Kostel'nik musste sich von einem Redakteur einer Zeitung, fur die er schrieb, abfallige Kommentare anhoren, weil er seine Gedichte in seiner Heimatmundart gedruckt sehen wollte. Kostel'nik wurde im Nachhinein von den sogenannten Ukrainophilen in der Vojvodina in Anspruch genommen, weil er zwar auf der Besonderheit der ruthenischen Kultur und Sprache seiner Heimatregion bestand--er verfasste auch eine Grammatik des Backa- oder Vojvodina Ruthenischen--, aber die Vojvodina-Ruthenen nicht von den verwandten Ukrainern trennen wollte. Die gegensatzliche Position der Russino- oder Ruthenophilen ist im Grunde eine Folge der Politik im kommunistischen Osteuropa. In Polen oder erst recht in der Ukraine schloss die politische Fuhrung kategorisch aus, dass es so etwas wie eine ruthenische oder russinische Ethnie gebe. Im blockfreien Jugoslawien, unter Staatsprasident Josip Broz Tito, galt dagegen eine im Vergleich zu den kommunistischen Nachbarstaaten, von denen sich Tito abzugrenzen suchte, liberale Minderheitenpolitik, die es den Ruthenen freistellte, sich als jugoslawischer Ruthene oder jugoslawischer Ukrainer zu deklarieren. Da man damit auch den entsprechenden Kulturvereinen angehorte, war es im Interesse einer Forderung und Vertiefung der lokalen ruthenisch-russinischen Kultur geraten, sich der russinophilen Position anzuschliessen, wenn auch die ukrainische Flerkunft nie ernsthaft in Zweifel gezogen wurde. Doch gibt es auch strikte Russinophile, die die Russinen in der Backa bzw. in der Vojvodina als authochthon betrachten. Die Deklarationsfrage, ob man sich als Ruthene/ Russine oder Ukrainer betrachtet, das mangelnde, durch die einseitig an der ukrainischen Mutternation orientiere historische Nationalitaten-Politik eingeschrankte Bewusstsein sei auch die Ursache, klagen Vertreter der russinischen Linie, warum in Rumanien die Zahl derer, die sich als Russinen deklarieren, verschwindend gering ist. Von den 61.091 Ukrainern, die sich im rumanischen Zensus von 2002 als solche bekannten, mogen einige Russinen sein. Die Volkszahlung von 1992 ermittelte gerade einmal 350 Personen, die sich als Russinen bezeichneten, wobei inoffizielle Schatzung von bis zu 40.000 rumanischen Russinen sprechen, die vor allem im Nordwesten des Landes, in den Landkreisen Satu Mare, Maramures und in der Bukowina leben. Als anerkannte ethnische Minderheit haben sie Anspruch auf einen von 19 den Volksgruppen vorbehaltenen Sitzen in der Abgeordnetenkammer, den aktuell der Kulturverband der Ruthenen in Rumanien (Uniunea Culturala a Rutenilor din Romania, UCRR) besetzt. (6) Damit sei eine der kleinsten russinischen Gemeinden in Europa politisch weit besser vertreten als ihre Konationalen in der Westukraine, wo die Mehrheit der geschatzt zwei Millionen Karpatho-Ruthenen lebt.

Inwieweit man von einer eigenen russinischen Ethnie sprechen konne, hangt primar mit der Frage zusammen, inwieweit sich die in der Westukraine, der Ostslowakei, in der Vojvodina oder im Nordosten Rumaniens gesprochenen slawischen Ubergangsdialekte als eigenstandig, abgegrenzt vom Ukrainischen beschreiben lassen. Ist ihr Sprachstand so weit gediehen, dass von einer ausdifferenzierten Sprache im Gegensatz zu einem auf bestimmte Alltagsbereiche beschrankten Dialekt gesprochen werden konne? Die politischen und sozialen Bedingungen waren in der Vojvodina, wie gesagt, so gunstig, dass diese Frage in Bezug auf den dort gesprochenen ukrainisch-ruthenisch-russinischen Dialekt am ehesten bejaht werden kann, (7) wie auch unter Umstanden fur die in der Ostslowakei in der Region um Presov gepflegte Variante des Russinischen. Die ausgebaute Schriftsprache der Vojvodina-Russinen steht hinter der These, dass es sich im Falle des Russinischen um die jungste slawische Literatursprache handele. Um sie als Standardsprache gelten zu lassen, musste der staatliche Rahmen, etwa eine autonome Region in einem foderalen Staat hinzukommen, in dem das Russinische als Verkehrssprache anerkannt ware. Im westukrainischen Transkarpatien, der "Wiege der Ruthenen", wo die Mehrheit der Karpatho-Ruthenen lebt, ist man von diesem Zustand nach wie vor am weitesten entfernt. Transkarpatien galt in den kommunistischen Jahrzehnten und gilt bis heute als das negative Gegenbeispiel zur Vojvodina. Der danische Anthropologe Tom Trier erklarte nach einem Forschungsaufenthalt 1999, dass "nur in der Republik Ukraine [...] die Russinen nach wie vor alle grundlegenden Rechte als Volksgruppe entbehren, das heisst, aller Rechte beraubt sind, als eigene Ethnie bezeichnet zu werden. Man kann die Probleme der Russinen in der Ukraine kaum ignorieren, wenn man bedenkt, dass die uberwiegende Mehrheit der Russinen in Europa in der ukrainischen Region Transkarpatien konzentriert sind." (8) Auf dem funften Weltkongress der Russinen, der 1999 im ukrainischen Uzhorod, unter dem Protest der ukrainischen Nationalisten gegen die "amerikanischen Separatisten und Imperialisten", die russinische Pseudo-Nation stattfand, erklarten die Russinen aus den benachbarten osteuropaischen Staaten zusammen mit ihren ukrainischen Verwandten, sie wurden nun fuhlen, dass sie ein Volk seien, "eine Kraft, und dass wir unsere Krafte vereinen mussen mit allen Russinen in der Welt". Man wollte in der Ukraine vor allem die erzwungene Ukrainisierung ruckgangig machen, die etwa in der kommunistischen Tschechoslowakei die Russinen der slowakischen Mehrheit assimiliert hatte. Ressentiments gegen die russinischen Ambitionen, die in erster Linie kulturell und sprachlich sind, weckten Spekulationen uber angebliche politische Ambitionen der russinischen Gemeinde. In den fruhen 1990er Jahren gingen in der tschechischen, slowakischen und transkarpatho-ukrainischen Presse Geruchte um, politische Aktivisten aus den Grenzregionen wurden eine Ruckgliederung Transkarpatiens, der historischen subkarpathischen Rus', an die Tschechoslowakei fordern, in deren Staatsverband sich die Rus' in der Zwischenkriegszeit befunden hatte. Es war sogar die Rede davon, Transkarpatien konnte an Ungarn zuruckgegeben werden oder zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei aufgeteilt werden. Die Tschechoslowakei distanzierte sich umgehend, und keine der russinischen Organisationen, die sich seit 1990 gegrundet hatten (9), und ebensowenig der Weltkongress der Russinen, der 1991 zum ersten Mal zusammentrat, machte sich Forderungen nach Grenzanderungen zu eigen. Was man dagegen sehr bald anstrebte, war eine Anerkennung als eigenstandige Ethnie mit allen kulturellen und sprachlichen Rechten, wie sie die unabhangige Ukraine in ihrer Verfassung, die erst im Juni 1996 verabschiedet wurde, den nationalen Minderheiten zusicherte. 1992 war bereits ein Gesetz fur die nationalen Minderheiten verabschiedet und ein bilaterales Abkommen zwischen der Ukraine und Ungarn unterzeichnet worden, das die ungarische Minderheit in Transkarpatien zum Gegenstand hatte. Diese Rechtssetzungen trugen der Ukraine international Zuspruch ein. Doch zwischen Theorie und Wirklichkeit klaffte schon damals eine Lucke, die Minderheitenvertreter kritisierten. Die Russinen hofften ebenfalls als Volksgruppe anerkannt zu werden, was Prasident Leonid Kucma mit US-amerikanischer Unterstutzung in Aussicht stellte. Doch dieses Versprechen blieb genauso uneingelost wie das des Prasidentschaftskandidaten Viktor Juscenko. Anklagen russinischer Aktivisten, Kiev wurde die Verfassung verletzen, die den muttersprachlichen Unterricht garantiert, ebenso wie das Europaische Dokument zu Regionalund Minderheitensprachen, das die Ukraine 1992 ratifiziert hatte, verhallten ungehort. Kievs Haltung gegenuber Minderheiten konne nicht als europaisch gelten, klagten Vertreter der russinischen Minderheit. Der zweite Europaische Kongress der Russinen im Oktober 2008 konstatierte sogar, die antirussinische Politik der ukrainischen Regierung hatte mittlerweile eine Situation geschaffen, die es den Russinen unmoglich mache, als eigenstandige Volksgruppe innerhalb der Ukraine zu leben. Konsequenterweise forderte der Kongress Kiev auf, die Autonomie der Subkarpatischen Rus' bis zum ersten Dezember anzuerkennen. Diese Forderung war von weiteren affirmativ-exzessiven Ausserungen begleitet, die die desparate politische Lage der russinischen Volksgruppe offenbarten. Die offizielle Politik Kievs sei auf die "Zerstorung und Diskriminierung" der russinischen Ethnie gerichtet, sie hatte Zuge eines Genozids in ihrer eigenen Heimat angenommen. (10) Zwiespaltig erschien ihnen Viktor Juscenkos Versuch, den Holodmor, den Hunger-Genozid der Sowjetunion an den Ukrainern in den Jahren 1932/33, in das allgemeine Bewusstsein zuruckzuholen, aber die Leiden der Minderheiten, historisch und aktuell, zu ubergehen. Als das Regionalparlament der Region Transkarpatien in Uzhorod ankundigte, es wurde die Autonomie verkunden--dass Kiev nicht reagieren wurde, war klar--wurden alle Abgeordneten gewarnt, dass das Parlament sofort aufgelost und ihre Entschlusse annulliert werden wurden. Die russinischen Wortfuhrer, Erzpriester Dimitri Sidor und Zupan, wurden sogar nach Kiev beordert, zu "Informationsgesprachen" mit dem Ukrainischen Geheimdienst. Sie wurden angeklagt, gegen die territoriale Integritat des Landes zu arbeiten, womit man im Grunde jede Selbstbestimmung, wenn auch nur kulturell, durch Einschuchterung im Keim ersticken wollte. (11) Auch nach diesen Vorgangen sah Kiev keine Veranlassung, zum Beispiel in ein Dokument des Aussenministeriums, das auch das Ziel formulierte, die Ukraine in die Europaische Union zu bringen, im Kapitel uber den "Schutz der Rechte ukrainischer Burger" die Russinen wieder einmal mit keinem Wort erwahnte. Kiev verletze damit nicht nur die Rechte der ruthenischen Minderheit, sondern die aller Minderheiten auf ukrainischem Boden. Das Gesetz fur die hohere Ausbildung, das das ukrainische Kultusministerium im Dezember 2008 vorlegte, drohte mit neuem Ungemach. Dass Ukrainisch als offizielle Verkehrs- und Unterrichtssprache festgelegt wurde, drohte das Recht der Minderheiten auf Unterricht in ihrer Muttersprache, ob Russinisch, Rumanisch oder Ungarisch, einzuschranken. Wahrend der Proteste auf der Halbinsel Krim wurden Puppen des Ministers fur Erziehung, Wissenschaft, Jugend und Sport, Ivan Vakarcuk, verbrannt. Minderheiten Vertreter warfen Kiev eine systematische Pauperisierung des industrialisierten Ostens und Sudostens vor, indem es die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland unterband. Als im Januar 2006 und zwei Jahre spater, im Januar 2008, Kiev den Transport von russischem Gas nach Transkarpatien blockierte, richtete Uzhorod Klagen an die Hauptstadt, sie wurde damit die Existenz der Region Transkarpatien und der dort lebenden Russinen gefahrden. Die Gasleitungen liefen zwar auch durch die Region, womit zumindest ein kleiner Teil dort bleiben sollte, gingen die Erlose vollstandig nach Kiev, was fur zusatzlichen Unmut sorgte.

Der selbsternannte Premierminister der Region Subkarpatische Rus, Petar Gecko, klagte gegenuber der in Moskau erscheinenden Rossijskaja Gazeta, Transkarpatien wurde der Ukraine ein Viertel des nationalen Budgets einbringen. "Die Gaspipelines nach Europa fuhren uber die Region Transkarpatien. Unser Transitkoeffizient ist dreimal hoher als der der baltischen Region und zweimal hoher als der anderer benachbarter Lander. [...] Eine halbe Ewigkeit haben wir die Autonomie gefordert, die ganzen letzten Jahre, fast jeden Monat. Und niemand horte uns auch nur zu", erklarte Gecko, und fugte hinzu: "Sollte die Autonomie nicht Wirklichkeit werden, dann werden wir fur unsere Unabhangigkeit kampfen. Die Subkarpatische Rus hat sich an Russland gewandt mit der Bitte, die Unabhangigkeit der Subkarpatischen Rus von der Ukraine anzuerkennen." Die Unzufriedenheit nicht allein der Russen in der Ukraine ist also durchaus keine Erscheinung unserer Tage, die Moskau hatte eigens provozieren mussen. Sie ist auch eine direkte Folge der halbherzigen bis indifferenten Minderheitenpolitik des offiziellen Kiev. Da Kiev plante, Ukrainer aus anderer Landesteilen bewusst in den russinischen Gebieten Transkarpatiens anzusiedeln--was auch mit Blick auf die mehrheitlich russische Krim geschehen war--, richtete der "Sojm", das Regionalparlament Transkarpatiens, eine Hilferuf an die Regierungen und Parlamente der Tschechischen Republik, die Europaische Union und die Russische Foderation. Man bat den Europarat, die OECD und andere internationale Organisationen, die Defizite der Ukraine in Minderheitenfragen, in ihrem Verhaltnis zu Nicht-Ukrainern offiziell zu evaluieren, auch im Hinblick auf die ganz andere, positivere Lage der Karpato-Russinen in Tschechien der Slowakei, in Ungarn oder Serbien. 2006 hatte die UN-Kommission fur ethnische Diskriminierung erklart, sie sei uber die Lage der Russinen in der Ukraine besorgt und rate Kiev dringend, "die Anerkennung der Russinen als eigene nationale Minderheit zu uberdenken". Abschliessend bemerkte die Kommission sogar, es gebe "betrachtliche Unterschied zwischen Russinen und Ukrainern". Kiev liess sich davon nicht beeindrucken, auch davon nicht, dass russinische Aktivisten andeuteten, die Kiever Politik sollte zumindest beschamt sein, wenn selbst Serbien, das fur seinen Umgang mit seinen Minderheiten heftigst gescholten wurde, ein um vieles besseres Zeugnis erhielt, was die russinische Minderheit auf seinem Staatsgebiet betrifft. In der Ukraine war und ist Kritik an der forcierten Ukrainisierung der Russinen bis heute kein Thema, wahrend es, wie gesagt, in der Vojvodina, den Russinen uberlassen blieb, sich als Ukrainer oder autochthone Vojvodina-Russinen zu deklarieren. Nur wahrend des jugoslawischen Burgerkrieges hatten serbische Nationalisten die Loyalitat der Russinen angezweifelt. In Kroatien gelang es der Ukraine zeitweise, die Regierung zu uberreden, die kroatischen Russinen mit der ukrainischen Minderheit in einer Gruppe zu vereinen und den dortigen Russinen damit eine eigene nationale Reprasentanz zu verweigern.

Die ukrainischen Karpatho-Russinen reagierten begeistert, als sie die Russische Foderation 2004 als eigene ethnische Gruppe anerkannte, obwohl die Russinen mit Russland historisch und kulturell relativ wenig zu tun haben. Die ukrainische Regierung warf Russland vor, ethnische Spannungen zu fordern, obwohl sie, gerade im russinischen Fall, selbst wenig bis gar nichts getan hatte, um das Verhaltnis zu entspannen. Das ist auch bedauerlich aus einem kulturellen Grund, der die Russinen eigentlich zu den naturlichen Verbundeten der westlich orientierten Orangenen Revolution gemacht hatte. Die westukrainischen Russinen gehoren mehrheitlich der unierten, griechisch-katholischen Kirche an und rechnen sich kulturell eindeutig zu Westeuropa. Dennoch fuhlen sie sich als Teil der Ukraine, ungeachtet aller lokalpatriotischen Gefuhle. Eine Stimmung dafur, sich vom ukrainischen Staatsverband abzuspalten, ist erst dadurch entstanden, dass Kiev sich allen Bitten und selbst klaren Abstimmungen zugunsten einer Autonomie bzw. Foderalisierung konsequent verweigerte. Als im Dezember 1991 ein Referendum uber die Unabhangigkeit der Ukraine stattfand, wurde zugleich in Transkarpatien uber die Autonomie fur die Region abgestimmt. 92,6 Prozent sprachen sich in Transkarpatien fur die Unabhangigkeit der Ukraine aus und 76,8 Prozent fur die Selbstverwaltung (12). Das positive Verhaltnis der Bevolkerung Transkarpatiens zur ukrainischen Staatlichkeit bei gleichzeitigem Zuspruch zur Autonomie der Region hatte versichernd wirken konnen. Doch die Angst uberwog in Kiev. Es konne nicht sein, dass man um die territoriale Integritat furchten musse, kaum dass die Unabhangigkeit errungen sei.

Die so grundverschiedenen Erfahrungen der Russinen in Serbien und der Ukraine wirken sich auf ihre Sicht der Majdan-Revolution aus. Die sich als Ukrainer identifizierenden serbischen Russinen protestierten lautstark gegen die "Lugen Putins uber die Krim und die Ukraine", die die "russische Propaganda" verbreiten wurde. Die ukrainischen Russinen waren tief gespalten. Der Gesamtkarpatische Verband der Russinen erklarte, die ukrainischen Russinen konnten keinesfalls den sowjetischen Terror vergessen, der mit der Okkupation und Annexion des Jahres 1944 und in den Jahrzehnten danach uber die Russinen gekommen ware. Daher verurteile der Verband auch die "Okkupation der Krim". Andererseits waren die westukrainischen Russinen wahrend des Zweiten Weltkriegs den Verdachtigungen der ukrainisch-nationalistischen UPA ([phrase omitted], Ukrainische Aufstandsarmee) ausgesetzt, die uberall Separatisten und Verrater witterte. Im ukrainischen Parlament sitzen nach wie vor ukrainische Nationalisten, die sich auf den ukrainischen Freiheitskampf der Weltkriegsjahre berufen, die die Kollaboration mit der deutschen Besatzung einschloss. Daher blicken die Karpatho-Russinen mit gemischten Gefuhlen auf die post-revolutionare Ukraine. Der selbsternannte subkarpathischrussinische Premier Gecko nannte die Mitglieder der Ubergangsregierung und deren Vertreter in Transkarpatien "galizische Faschisten". Vertreter des Gesamtkarpatischen Verbandes schimpften ihn darauf einen Agenten Moskaus, der die karpatho-russinische Gemeinde zu spalten versuche. In einem offenen Brief hatte Gecko den russischen Prasidenten gebeten, die Staatlichkeit der Repbulik Subkarpathische Rus anzuerkennen und wie in Syrien auch in der Ukraine seine "friedensstiftende Rolle" wahrzunehmen. Der Verband wiederum bekraftigte seine Position, dass nur eine europaische Integration der Russinen Transkarpatiens zukunftsweisend sei.

Man ist gespalten. Nachdem sich die Europaische Union in der Vergangenheit gegenuber Kiev nicht durchsetzen konnte und die karpathorussinischen Ansuchen auf taube Ohren stiessen, erscheint manchem ukrainischen Russinen Russland als (vorlaufiger) Hoffnungstrager. Die Annexion der Krim stosst bei ihnen auf verhaltenen Neid. Was die Russinen in den letzten zwei Jahrzehnten nicht erreicht hatten, nicht einmal in der kleinen Gestalt einer regionalen Autonomie, hatten die Russen auf der Krim dank der starken Unterstutzung Russlands innerhalb kurzester Zeit erreicht. Freilich wissen auch die Russinen, dass ihre Anerkennung durch Russland 2004 reine Symbolpolitik, ein symbolischer Fingerzeig an Kiev, war, der eigentlich Richtung Ostukraine und Richtung Krim deutete. Moskau wurde auch nach dem Krim-Abenteuer niemals ein Eingreifen zugunsten der Karpatho-Russinen in Erwagung ziehen, mag man im Westen auch furchten, Russland konnte seine Expansionspolitik auch gegen die baltischen Staaten, Polen und Rumanien richten. Das Tragische ist, dass die kleine Nation der Russinen, nachdem sie weder von der Orangenen Revolution noch vom pro-europaischen Maidan praktische Fortschritte gesehen hat, sich diese von Russland erwartete. Die offizielle ukrainische Politik tut sich nach wie vor schwer, vertrauensbildende Signale an die Minderheiten zu senden. Vertrauen liesse sich durch eine Foderalisierung der Ukraine, durch Autonomielosungen zuruckgewinnen, der freilich die traditionelle Angst vor neuen Separatismen beigemengt ist. (13) Platte man die Foderalisierung schon vor Jahren angegangen, hatte sich die vorhandene Spaltung der Ukraine, ihre ethnische Zerrissenheit vielleicht nicht derart zugespitzt, dass selbst Russland fur eine westlich, mitteleuropaisch orientierte Minderheit wie die Karpatho-Russinen, die ihre Uhr demonstrativ nach der mitteleuropaischen Zeit stellen, als neuer Hoffnungstrager erscheint.

Klassische, zentralistisch verwaltete Nationalstaaten wie Frankreich, Rumanien oder die Ukraine sehen die wachsenden Minderheiten als Bedrohung der Einheit, der Unteilbarkeit und Souveranitat des Staates und wehren sich gegen eine Ausweitung der Volksgruppenrechte, ob im Falle der Bretonen, Ungarn oder Ruthenen. Sie konnte anderen Staaten dazu dienen, die Staatlichkeit benachbarter Lander zu unterminieren--wie mit Verweis auf die ukrainisch-russische Krise oder die Einflussnahme Ungarns auf die ungarische Volksgruppe in Rumanien argumentiert wird. Man kann aber auch dagegenhalten, dass ein klares und umgesetztes Volksgruppenrecht einer Eskalation wie in der Ostukraine oder einer politischen Instrumentalisierung vorgebeugt hatte. Vielfach kritisiert wurde bekanntlich die Vergabe der doppelten Staatsburgerschaft in der Slowakei, in Rumanien oder der Westukraine an dort lebende Ungarn, was etwa vor den ungarischen Parlamentswahlen geschah (14). Die Politisierung von Kulturen, vor der etwa die Politologin Sabine Riedel warnt (15), kann indes nur verfangen, wenn es berechtigten Grund zur Klage gibt. Der rumanische Historiker Lucian Boia verweist etwa auf die Lage der Rumanien in Siebenburgen, die vor dem Kriegseintritt Rumaniens 1916 an der Seite der Entente durchaus nicht so einheitlich ihre Befreiung vom "ungarischen Joch" wunschten, weil es ihnen schlicht in Siebenburgen weit besser ging als zum Beispiel ihren Konationalen im russisch beherrschten Bessarabien. (16) Nach Ansicht Riedels ware mit der Einigung Europas ein vordemokratisches Nationsmodell wiederbelebt worden, das Burgerrechte nach kulturellen Zugehorigkeiten gewahrt. Die Politisierung kultureller Differenz schwache die Staaten in ihrem sozialen Zusammenhalt und bedrohe ihre Souveranitatsrechte.

Europa werde als Friedenprojekt nur dann uberleben, "wenn es Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als Kulturleistungen bewahrt und sein Bekenntnis zur Nichteinmischung und territorialen Integritat von Staaten erneuert". (17) Der Sohn des letzten Kaisers von Osterreich-Ungarn, des Vielvolkerstaates per se, und Europaparlamentarier Otto von Habsburg sagte 1995 in Wien, es werde notwendig sein, "dass wir endlich [...] ein europaisches Volksgruppenrecht durchsetzen". (18) Nach Ansicht Habsburgs ist der Regionalismus, die Aufwertung der Volksgruppenrechte kein Anschlag auf die Souveranitat, kein Ruckfall in vormoderne Modelle, sondern ein Fortschritt hin zu dem, was Europa historisch ausgemacht hatte--die Vielfalt seiner autochthonen Volker, Sprachen und Kulturen.

[Please note: Some non-Latin characters were omitted from this article.]

Bibliography

1. Boia, Lucian (2014), Die Germanophilen. Die rumanische Elite zu Beginn des Ersten Weltkrieges, Berlin: Frank&Timme.

2. Boia, Lucian (2014), Primul Razboi Mondial. Controverse, paradoxuri, reinterpretari, Bucuresti: Humanitas.

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5. Krafcik, Patricia (Hrsg.) (1994), The Rusyns. East European Monographs., New York City: Columbia University Press.

6. Magocsi, Paul Robert (1978), Shaping of a National Identity: Subcarpathian Rus', 1848-1948, Cambridge: Harvard University Press.

7. Magocsi, Paul Robert (1994), [phrase omitted] (1848-1948), Uzhorod.

8. Magocsi, Paul Robert (1988), Carpatho-Rusyn Studies: An Annotated Bibliography, Bd. 1. New York City: Garland Reference Library of the Humanities.

9. Magocsi, Paul Robert (1994), Our People: Carpatho-Rusyns and Their Descendants in North America, Toronto: Society of Multicultural Historical.

10. Magocsi, Paul Robert (1994), The Rusyns of Slovakia, East European Monographs, New York City: Columbia University Press.

11. Magocsi, Paul Robert (1996), A Neiv Slavic Nation is Born, East European Monographs, New York City: Columbia University Press.

12. Magocsi, Paul Robert (2000), Of the Making of Nationalities There Is No End, East European Monographs, New York City: Columbia University Press.

13. Magocsi, Paul Robert (2002), Encyclopedia of Rusyn History and Culture, Toronto: University of Toronto Press.

14. Magocsi, Paul Robert (1995), "The Rusyn Question", in: Political Thought, 1995, Nr. 2-3 (6), S. 221-231.

15. Magocsi, Paul Robert (2007), Ukraine. An Illustrated History, Seattle: University of Washington Press.

16. Mayer, Maria (1998), Rusyns of Hungary. Political and Social Developments, 1860-1910. East European Monographs, New York City: Columbia University Press.

17. Petrov, Aleksei (1998), Medieval Carpathian Rus'. The Oldest Documentation about the Carpatho-Rusyn Church and Eparchy, East European Monographs, New York City.

18. Riedel, Sabine (2014), Die kulturelle Zukunft Europas. Demokratien in Zeiten globaler Umbruche, Wiesbaden: Springer.

19. Rusinko, Elaine (2003), Straddling Borders. Literature and Identity in Subcarpathian Rus', Toronto: University of Toronto Press.

20. Stegherr, Marc (1998), Das Russinische in der Vojvodina, (Magisterarbeit, LMU Munchen).

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22. Stegherr, Marc (2003), Das Russinische. Kulturhistorische und soziolinguistische Aspekte, Munchen: Otto Sagner.

23. Teutsch, Alexander (2001), Das Rusinische der Ostslowakei im Kontext seiner Nachbarsprachen, Frankfurt a. M.: Heidelberger Publikationen zur Slavistik: A, Linguistische Reihe; 12.

24. Trier, Tom (Hrsg.) (1999), Focus on the Rusyns. International Colloquium on the Rusyns of East Central Europe, Kopenhagen: The Danish Cultural Institute.

Marc Stegherr *

* Dr. Marc Stegherr ist Dozent fur Politikwissenschaften an der Fakultat fur Europastudien der Universitatea Babes-Bolyai Ouj/Klausenburg und Lehrbeauftragter fur sudslavische Landeskunde an der Ludwig-Maximilians-Universitat Munchen. Seine Forschungsgebiete sind (Kultur)Ceschichte und Politik Osteuropas, slavische Non-Standardsprachen; letzte Veroffentlichungen: Ungarischer Regionalismus im rumanischen Siebenburgen; Zwischen Verfolgung und vorsichtiger Emanzipation: Die Karpatho-Ruthenen im Ersten Weltkrieg; Hasard-Politik mit Erfolg: Rumanien im Ersten Weltkrieg; Die Renaissance der katholischen Tradition. Die Reform der Reform Benedikts XVI. und die Gemeinschaften der Tradition. Contact: marc.stegherr@netpol.at

(1) "Ruckkehr zum Taramtaram". Vor ein paar Jahren war der Bayerische Rundfunk noch drauf und dran, die Volksmusik und ihre Begleiterscheinungen aus dem Programm zu verbannen: zu altmodisch, zu regional. Doch die Sehnsucht der Horer nach dem Vertrauten ist nach wie vor gross, sie wachst sogar. Deshalb gibt cs jetzt den digitalen Radiosender "Bayern Heimat"--rund um die Uhr. In: Suddeutsche Zeitung, Nr. 51, 3. Marz 2015, S. 31. Obwohl sonst neue Angebote, etwa fur Minderheiten, als Zeichen der Pluralitat gelten, sieht der Autor den neuen Sender als Indiz einer Spaltung der Gesellschaft, die nicht ideal sei: "Die Programme spalten sich auf, damit auch Horer mit bestimmten Neigungen erreicht werden. Die Aufgabe des offentlich-rechtlichen Rundfunks, der Gesellschaft eine Klammer zu geben, wird dadurch nicht einfacher. Neue Formate wie "BR Heimat" zeigen eben auch, dass der Kampf um die Quote die Frage nach den gesellschaftspolitischen Zielen der Programmgestaltung uberdeckt." ln einem Artikel uber den neuen Sender "Bayern Heimat" des Bayerischen Rundfunks, der v.a. bayerische Volksmusik sendet, werden der altbackene Musikgeschmack, den der Rundfunk der 1970er Jahre pflegte, und die Wunsche der Horer nach der Ruckkehr in diese heile, umhauste Welt, dem der Bayerische Rundfunkt mit dem neuen Sender entgegenkommt, in einem Atemzug genannt. Die Karikatur der Verhaltnisse der 70er Jahre tut ein Ubriges: "Fruher war das Radiohoren am Morgen ein zuverlassiges Vergnugen. Die Zahl der Sender war uberschaubar, schatzungsweise in der Halfte der bayerischen Haushalte lief nach dem Aufwachen Bayern 1. Blasmusik drohnte in allen Variationen durch die Zimmer [...]. Radio, das bedeutete fur die meisten Horer Volks- und Marschmusik, interpretiert durch Jodeldiplomierte und juchzende Schuhplattler. Der Tag fing schon krachfidel an."

(2) "Es ist gefahrlich, Identitaten zu definieren", in: Der Standard, 20. Febr. 2015 [http://dastandard.at/2000011905443/Tag-der-Mutterprache].

(3) K. Schlogel, Die Mitte liegt ostwarts. Die Deutschen, der verlorene Osten und Mitteleuropa, Berlin: Siedler, 1986, S. 13.

(4) Schreiben zum Fruhjahrs-Katalog 2015 des Wieser Verlags Klagenfurt.

(5) Als etwa 1866 in Mukacevo (heutige Westukraine, Transkarpatien) die "Gesellschaft des Hlg. Basilius des Grossen" ("Obscestvo sv. Vasiliia Velikogo") gegrundet wurde, deren Ziel in der "Forderung der geistigen und moralischen Bildung der griechisch-unierten Katholiken" bestand, diskutierte man die Frage, in welcher Sprachform die eigenen Publikationen herauszugeben seien. Sahen sich die ostslawischen Einwohner im Berggebiet Nordostungams als Teil der russischen oder der ,kleinrussischen'/ukrainischen Nation, oder machte sie der Umstand, dass sie seit tausend Jahren in Ungarn lebten, zu einer eigenen ruthenischen Nation, mochten ihre Dialekte auch ukrainisch sein? Vielleicht waren sie auch nur griechisch-katholische Magyaren, "die eine Reihe von magyarisierten slawischen Dialekten sprachen, ahnlich wie in griechischen Publikationen die slawischen Mazedonier nicht viel mehr als slawophone Griechen waren?" [Paul Robert Magocsi, "Ruthenische kulturpolitische Organisationen", in: Die Habsburgermonarchie 1848-1918, Bd. VIII. Politische Offentlichkeit und Zivilgesellschaft. 1. Teil., Wien, 2006, S. 1354],

(6) Der 2000 gegrundete Verband trat im selben Jahr in den Parlamentswahlen an, und obwohl er nur 6.942 Stimmen erhielt (0,06 %), gewann er einen Sitz in der Abgeordnetenkammer dank der gesetzlichen Regelung, die Parteien, die ethnische Minderheiten bzw. Volksgruppen reprasentieren, von einer Prozenthurde ausnimmt, vorausgesetzt, sie erhalt zehn Prozent der Stimmen, die fur einen einzelnen Sitz in der Kammer notig sind. Seit 2000 hat der Verband in jeder Wahl den der ruthenischen Minderheit vorbehaltenen Sitz gewonnen.

(7) In Novi Sad, der Hauptstadt der autonomen Provinz Vojvodina, gibt es seit den spaten 1970er Jahren einen eigenen Lehrstuhl fur russinische Sprache und Literatur. Die Vojvodina-Russinen verfugen uber einen eigenen Schulbuch- und Literaturverlag, einen Bildungsweg, der von der Grundschule bis zur Universitat in russiniseher Sprache fuhrt, vorausgesetzt, man studiert anschliessend am russinischen Universitatsinstitut. Grundlage war und ist die ausgebaute russinische Literatur- und Schriftsprache, die fur alle wesentlichen gesellschaftlichen Bereiche einen entsprechenden Wortschatz bereitstellt. Dass das von einer relativ kleinen, v.a. bauerlich strukturierten russinischen Gemeinschaft in der Vojvodina geleistet wurde, ist beachtlich.

(8) T. Trier, "Introduction: Rusyns, Minority Rights and the Integration of Europe", in: T. Trier (ed.), Focus on the Rusyns. International Colloquium on the Rusyns of East Central Europe, Copenhagen: The Danish Cultural Institute, 1999, S. 3.

(9) Vor dem Ende der 1990er Jahre wurden insgesamt funf neue russinische Organisationen in den Gebieten, in denen Russinen leben, gegrundet: neben der "Gesellschaft der Karpato-Russinen" in Transkarpatien die "Gesellschaft der Russinischen Wiedergeburt" (Rusynska Obroda) in Medzilaborce, Tschechoslowakei (gegrundet im Marz 1990), der "Verband der Lemken" (Stovarysynja Lemkiv) im polnischen Legnica (gegrundet im April 1990), die "Gesellschaft der Freunde der Subkaraptischen Rus'" (Spolecnost pfatel Podkarpatske Rusi) in Prag (gegrundet im Oktober 1990), und die "Ruska Matka" (Russinische Mutter) in Ruski Kerestur, Jugoslawien (Dezember 1990). Im Mai 1991 wurde eine sechste Organisation gegrundet, die "Organisation der Russinen in Ungarn" (Magyaroszagi Ruszinok Szervezete) in Budapest. Die Mehrzahl dieser Organisationen hat ihre eigenen russinisch-sprachigen Zeitungen, Zeitschriften oder Zugang zu bestehenden Publikationen. Alle funf Organisationen haben die prinzipiell gleichen Forderungen erhoben: die Anerkennung als eigene Volksgruppe, die Kodifizierung des Russinischen als Literatursprache und ihr Gebrauch an Schulen, und die Garantie aller Rechte einer nationalen Minderheit fur die Russinen in den Landern, in denen sie beheimatet sind. Im Falle Transkarpatiens sollten die Russinen als die dominante autochthone Volksgruppe anerkannt werden. [Vgl. P. R. Magocsi, "The Rusyn Question", in: Political Thought, 1995, Ne 2-3 (6), p. 221-231].

(10) Ausfuhrlicher Bericht uber den Zweiten Europaischen Kongress der Russinen unter: www.lenta.ni/artides/2008/10/27/rusvns/.www.zaxid.net/newsru/2008/10/27/122003, 28.05.2015.

(11) [phrase omitted] No 4818, 23. Dez. 2008. Moskau.

(12) P. R. Magosci, "Rusyns Regain Their Autonomy", in: Ukrainian Canadian Herald, 16. Marz 1992, S. 7.

(13) So die Meinung des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schroder in einem Interview mit der deutschen Tageszeitung "Die Welt" [vgl.: Stefan Aust, Daniel Friedrich Sturm, "Seit mehr als 14 Jahren begrussen wir uns so". Gerhard Schroder feierte auf dem Hohepunkt der Ukraine-Krise seinen 70. Geburtstag mit dem russischen Prasidenten. Im Interview erklart er, warum man Wladimir Putin besser zuhoren sollte. In: Die Welt, 11. Mai 2014].

(14) Das Gesetz zur ungarischen Staatsburgerschaft wurde nicht nur auf den Oblast Transkarpatien, der einmal zu Ungarn gehorte, angewendet. Heute leben dort etwa 150.000 ethnische Ungarn, die etwa 12 Prozent der Gesamtbevolkerung der Region stellen. Ungarn besitzt eine sehr grosse Diaspora-Gemeinde in der ganzen Welt, die etwa drei Millionen Menschen umfasst. Die Mehrzahl der ethnischen Ungarn lebt in Rumanien (etwa 1,6 Millionen), in der Slowakei (mehr als 500.000) und in Serbien (etwa 290.000). Die ungarischen Politiker, die vor den ungarischen Parlamentswahlen in die Karpato-Ukraine fuhren, verhehlten ihre Hoffnung nicht, dass sie sich eine hohe Wahlbeteiligung von der Mehrheit der westukrainischen Ungarn mit ungarischem Pass erwarten wurden. Einige lokale ungarische Organisationen riefen ihre Mitglieder und Sympathisanten direkt dazu auf, an den Parlamentswahlen im Nachbarland teilzunehmen. Wie das Oberhaupt der Gesellschaft fur ungarische Kultur der Transkarpaten (OWKS), Miklos Kovacs, erklarte, warb seine Gesellschaft fur die Fidesz-Partei des amtierenden Premiers Viktor Orban, dem es die ungarischen Transkarpatier die ungarische Staatsburgerschaft zu verdanken hatten. Nach den Listen stammt die Mehrheit derjenigen, die an den Wahlen teilnehmen wollten, aus Rumanien (mehr als 100.000), aus Serbien (etwa 30.000) und aus Deutschland (mehr als 2.000), wobei die Ukraine nicht auf der Liste aufgefuhrt war. Der uberwiegende Teil der Transkarpatier folgte jedoch nicht einem "Ruf des Herzens" (NZZ), sondern einem zutiefst utilitaristischen Grund. Sie beantragten die ungarische Staatsburgerschaft weniger aus Interesse an den ungarischen Parlamentswahlen sondern vielmehr mit Blick auf die Freizugigkeit und die offizielle Arbeitsplatzvermittlung in der Europaischen Union.

(15) Vgl. S. Riedel, Die kulturelle Zukunft Europas. Demokratien in Zeiten globaler Umbruche, Wiesbaden: Springer, 2014.

(16) Vgl.: L. Boia, Die Germanophilen. Die rumanische Elite zu Beginn des Ersten Weltkrieges, Bucuresti: Humanitas, 2010. Th. Kahl, L. Schippel (Hrsg.), Forum Rumanien, Bd. 22. Berlin 2014; L. Boia, Primul Razboi Mondial. Controverse, paradoxuri, reinterpretari, Bucuresti: Humanitas 2014.

(17) Vgl. Sabine Riedel, Die kulturelle Zukunft Europas. Demokratien in Zeiten globaler Umbruche, Wiesbaden 2014. Verlagstext [http://www.springer.com/us/book/9783658062774].

(18) Rede von Otto von Habsburg 1995 in Wien "Heimat in Europa. Die Rechte der Volksgruppen im Jahrhundert der Vertreibungen" [Impulsvortrag des Beauftragten der Bundesregierung fur Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, auf dem "Andechser Europatag" zum Thema "Volksgruppen in Gefahr", gehalten am 22. Marz 2015, Kloster Andechs, http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Reden/AUSB/DE/kloster-andechs-christlicher-europatag.html], 29.05.2015.
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Author:Stegherr, Marc
Publication:Studia Europaea
Date:Jun 1, 2015
Words:6397
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