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Lebens- und Todesauffassung bei Max Frisch: Triptychon. Drei Szenische Bilder.

ENGLISH ABSTRACT

The themes of Max Frisch's works include youth, crises of identity and culture, and relationships between humans and technology. These themes are ultimately tied to the conception of life and death he explored throughout his career, from before 1945 until his death in 1991, especially in his late play Triptychon (1978). As the title suggests, Frisch connects three scenes in a triptych: a funeral service, a scene in the underworld, and a man's imagined conversation with his deceased lover about their life together. Frisch enthusiastically illustrates the importance of experiencing different spiritual transformations in life as a strategy for facing the inevitable truth of death. This essay first surveys Frisch's overall engagement with the theme of life and death. Secondly, it examines the operation of this theme in Triptychon, comparing published versions of the text with Frisch's own draft in Max Frisch--Archiv Zurich. Finally, it draws some conclusions about Frisch's philosophical intentions in this literary work.

Einleitung

Wenn man in den Werken von Max Frisch die Thematik "Jugend" oder "Jung-sein, "Rolle and Identitat" oder "Bildnis" eingehend studiert, ist es nicht schwer zu entdecken, dass er sich stitndig mit den existentiellen Elementen beschsftigt and versucht hat, in seinen Werken mit dem. Gedanken uber die Moglichkeit, ein authentisches Leben zu fuhren, in dem das innere wahre Wesen eines Individuums ausgedruckt wird, zu spielen: ob es uberhaupt ein "Heilmittel" (evtl. Moglichkeit) gegen das nichtauthentische Leben gibt, ein Leben, das leer und sinnlos ist. Dieser Themenkreis hangt unmittelbar mit seiner Lebens- und Todesauffassung zusammen, er zieht sich wie ein roter Faden durch seine Werkc hindurch. Das wird besonders deutlich in seinem spfiten Drama Triptychon. Drei szenische Bilder, (1) das jedoch in der Forschung noch nicht genfigend berucksichtigt wurde. (2) Mir scheint das Thema besonders wichtig zu sein, zumal der "Tod" die Schriftsteller des 20. Jahrhunderts sehr stark bewegt, so Magda Motte, ,vielleicht mehr als in Zeiten allgemeinen Seinsvertrauens und christlicher Glaubensgewissheit" ("Der Mensch vor dem Tod" 489).

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, anhand des Dramas Triptychon von Frisch herauszufinden, wie die Thematik "Leben Tod" in seinem Spatwerk fungiert. Zu fragen ist auch, wie Frisch seine Lebens- und Todesanschauung darstellt und ob und wie er mit fiktionaler Problembehandlung gegen die Ratlosigkeit im Leben angeht angesichts der allgemeingfiltigen Kontingenzprobleme wie Leben und Tod, mit denen jeder konfrontien wird. Unter Berucksichtigung der im Max Frisch-Archiv Zurich gesammelten Unterlagen versuche ich herauszuarbeiten, wie dieses Drama als ein Dokument der Lebensphilosophie Frischs verstanden werdcn kann.

Max Frisch und das Thema "Tod"

Frischs Beschaftigung mit dem Thema "Tod" lasst sich in drei Phasen gliedern: die erste Phase umfasst den Zeitraum von 1931 bis vor dem Zweiten Weltkrieg, in der hauptsuchlich das Erstlingswerk Jurg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt (1933/34) als ein literarisches Beispiel fur seine Auseinandersetzung mit dem Tod dient, (3) da dieses Werk den Schmerz der Schwerkranken zur Aussprache bringt, in dem er anhand des Gesprachs zwischen dem Protagonisten und der Schwerkranken die Euthanasie thematisiert. (4) Zu dieser Zeit war es, so wie Dimitris Depountis festgestellt hat, ein Versuch Frischs, fiber das bisher tabuisierte Thema "Tod" zu schreiben, um sich "von traditionsgegebenen Formen des Umgangs mit dem Tod" (5) zu losen. Wenn man aber seine spaten Werke eingehend studiert, scheinen die Sensibilisierung fur politisch gesellschaftliche Zusammenhange und die Darstellung von Zeitproblemen, also vom Verdrungen des Todes, massgebend fur seine Art des Schreibens uber den Tod zu sein. Solche Sensibilisierung nennt Adolf Muschg ,Empfindsarnkeit" bei Frisch, die er als "Versicherung gegen das Erstarren, [...] das Steifwerden" und als Schutz eingesetzt hat, "gegen Arten von Reife," die er mehr furchtet als den Tod, weil er, so Muschg, den "Tod im Leben" darin fuhlt ("Hunger nach Format" 162).

Bei Frisch wird die Darstellung des Todes in der zweiten Phase, so stellt Depountis fest, als "vom Tod zum 'Todbringenden'" (Depountis 65) gekennzeichnet. Das Phanomen des Todes im Nachkriegswerk spielt nicht mehr im Bereich des Personlichen, behandelt also nicht mehr das Verhaltnis des Einzelnen zum Tod, sondern der Autor fragt nach dem Sinn and der Akzeptanz des Todes, um so die Schonheit des Lebens zum Bewusstsein zu bringen. (6) Motive and Gedanken, die fruher auch in den Werken auftauchten, werden zwar immer wieder aufgegriffen, jedoch haben sich seine Darstellungsweise and seine dichterische Intention verhndert. Die Darstellung des Todes (des Alterns, des Sterbens sowie des Selbstmords) in der dritten Phase zeigt sich in seinen spateren Werken, wie z.B. Homo faber, Stiller, Mein Name sei Gantenbein, Tagebuch 1966-1971, Montauk, in dem in der vorliegenden Arbeit zu behandelnden Spatwerk Triptychon and in Der Mensch erscheint im Holozan. Darin werden nicht nur das Phanomen des Alterns, des Sterbens, sondern auch das der Todesangst, des Totenreichs and der Fortexistenz des Menschen durch den Tod dargestellt mittels erprobter dramaturgischer Varianten and Montagetechniken (Zitate, Auszuge aus den Lexika, Fragebogen). Dies ist ein Indiz dafur, dass Frisch sich bis zu seinem hohen Lebensalter standig bewusst mit dem Sinn des Lebens befasst hat. Bereits im Tagebuch 1946-1949 hat Frisch seinen Enthusiasmus gezeigt: "Es wird Zeit, nicht bloss an Tod zu denken, sondern davon zu reden." (7) Was er mit dem "Tod" meint, wird anhand des Dramas Triptychon erlautert.

Das Drama Triptychon. Drei szenische Bidder

Das 1978 erschienene Drama Triptychon beginnt Frisch bereits im September 1976, and zeitweilig arbeitet er bei dem mit ihm befreundeten Maler Gottfried Honegger, (8) dem das Drama Triptychon in Freundschaft gewidmet ist. Die erste Fassung schrieb Frisch im Oktober 1977, die zweite im November des selben Jahres (9) and die dritte, die Druckfassung, im Januar 1978. (10) Die Erstauffuhrung war am 10. 10. 1979 in franzosischer Sprache in Lausanne; (11) die Inszenierung in Warschau folgte im April 1980 und die deutsche Erstauffuhrung war erst am 1. Februar 1981 am Wiener Burgtheater. (12) Es geht darin um nichts anderes als um das religiose Problem der Fortexistenz des Menschen nach seinem Tod und der Tod ruckt als Inbegriff der Unveranderbarkeit in den Mittelpunkt des Stuckes. Frisch hat nicht nur an die ursprungliche Bedeutung des Wortes gedacht, sondern die Konnotation eines Altargemaldes ist darin durchaus beabsichtigt. Im Gesprach mit Fritz J. Raddatz erklart Frisch seine dichterische Intention:
 Es geht in diesem Stuck um das Todliche vor unserem klinischen Tod.
 Und der fangt eben schon fruh an [...] Das Todliche beginnt, wenn
 jemand nicht mehr umdenken kann. (13)


Die drei szenischen Bilder Triptychon handeln vom Tod im Leben und Leben im Tod, d. h. von der Untrennbarkeit von Tod und Leben, und wie in anderen Werken greift Frisch auch hier auf die bestimmenden Grunderlebnisse zuriick, die auch seinen anderen Werken Fundament und Aussagekraft geben, wie im Folgenden eingehend dargestellt wird.

Die Verdrangung des Todes

Obwohl es sich im ersten Bild des Dramas Triptychon tatsachlich um den naturlichen Tod eines Menschen handelt, hier des alten Matthias Proll, und weil deshalb die Trauerfeier nach seinem Begrabnis als der hauptsachliche Hintergrund erscheint, ist mit dem Tod fur Frisch nicht nur der naturliche Tod gemeint, ein "biologisches Faktum, das etwas Triviales" (14) ist, wie er durch den Trauergast Roger zu verdeutlichen versucht. Der Tod wird als das 'Todliche' im Gesellschaftlichen sowie im Zwischenmenschlichen entlarvt. Das Gesellschaftliche wird daran gezeigt, wie sich bei der Trauerfeier die Trauergaste und die Familienmitglieder (die Witwe Sophie und die Tochter Ilse) unbeholfen, krampfhaft, oder auch ubermassig emotional (wie z.B. der Invalide) verhalten. (15) Sobald der Tod ins Gesprach kommt, wird das Thema geschickt gewechselt und die Trauer beherrscht, als ware der Tod eine private Angelegenheit, die nur denjenigen betrifft, der nun im Sarg liegt: Es ist nur der Tod des alten Proll, es ist nur SON TOD, und man vergisst dabei das Mahnwort "Memento mori," dass der Tod jeden betrifft. In dieser Hinsicht hat Frisch 1984 in seiner "Rede an junge Arztinnen und Arzte" auf die Erzahlung Eine traurige Geschichte von Anton Tschechow hingewiesen und die Entwicklung der Medizin als Folge der Verdrangung des Todesbewusstseins im Gesellschaftlichen dargestellt:
 Die Uberalterung unsrer Gesellschaft ist mehr als ein
 soziologisches Problem und ubrigens nicht der Medizin anzulasten;
 die Entwicklung der Medizin ist ja ihrerseits eine Konsequenz
 davon, dass unsere Gesellschaft, die technologische, die zwar Tod
 produziert in einem Ausmass wie keine Pest je zuvor, sich
 kennzeichnet durch Verdrangung des Todesbewusstseins. (GW, Bd. VII:
 84)


Frisch redet hier bei einmr Abschlussfeier der Mediziner vom Tod, weil er meint, dass nur aus unserem Todesbewusstsein "das Leben als Wunder" offenbart wird (GW, Bd. VII:84). Der Tod dient im Werk von Max Frisch "als Indikator der Lebensmoglichkeit" und der Umgang mit dem Tod "als Ursprung der Kurzlebigkeit des Todesbewusstseins" (Depountis 38). Obwohl ein Trauergast im ersten Bild des Dramas sagt: "Sterben mussen wir alle" (GW, Bd. VII: 97) und kurz darauf die Witwe Sophie die Aussage "Sterben mussen wir alle" (GW, Bd. VII: 106) wiederholt, wird der Tod fur sie noch lange keine Mahnung sein, dass wir "einander in Liebe [...] jeden Tag" begegnen sollen (GW, Bd. VII: 105), so wie der junge Pastor bei der Trauerfeier gesagt hat. Sophie beschwert sich uber ihr bisheriges Leben: "Was habe ich mir alles gefallen lassen, Matthias, bloss damit wir zusammenleben bleiben" (GW, Bd. VII: 108). Diese Klage druckt viel uber ihr anscheinend nichtauthentisches Leben mit Proll aus, namlich, dass das "Todliche" in der Ehe herrscht. An den Beschwerden erkennt der Zuschauer, weshalb Proll u. a. nach sechsundzwanzig Jahren Ehe behauptet hat, Sophie sei ihm "intellektuell unsympathisch" (GW, Bd. VII: 108), wahrend Katrin--der Zuschauer erfahrt es im zweiten Bild--im Gegensatz zu Sophie Proll intellektuell sehr sympathisch war, da sie die "Augenblicke" immer "gelebt" hat.

Im Selbstgesprach Sophies lasst sich der Tod als eine Privatheit betrachten, als ginge es nur um Sophies personliche Tragik. Diese Privatisierung und die Vereinzelung in der Konfrontation mit dem Tod kommt auch im dritten Bild im Triptychon vor. (16) Es handelt sich namlich um "Dialoge" eines Lebenden, Roger, mit der Toten, Francine, (17) der ehemaligen Geliebten, jedoch werden diese Dialoge weder als richtige Dialoge mit der Toten noch als vollwertige Gesprache (18) betrachtet, denn die Tote spricht nicht aus sich heraus, sondern aus der Gedankenwelt Rogers. Es ist auch eine Art Selbstgesprach von Roger (wie es bei der Witwe Sophie im ersten Bild der Fall ist). Er versucht mit ihr uber das Geschehene zu diskutieren, es zu rechtfertigen und zu rekonstruieren, ohne jedoch mit ihr uber den Tod oder das Ungluck angesichts ihres Todes durch die Krebskrankheit zu sprechen. Im Drama wird sozusagen eine gesellschaftliche Realitat widergespiegelt, namlich die Privatisierung und Vereinzelung in der Konfrontation mit dem Tod, hier dient der Sprechende und Lebende Roger als Beispiel. Die Verefinzelung zeigt sich bei Roger, wie er Francine seine Isolation nach deren Tod im Kreis der Bekannten folgendermassen schildert:
 Ab und zu ist es komisch gewesen, ihr Schweigen [...j
 sobald ich deinen Namen ausgesprochen habe: Was sie
 wissen uber unsere Geschichte, das habe ich nie erfahren.
 Sie haben ja Takt, die meisten. Damals habe ich auf
 einige Bekanntschaften verzichtet. (GW, Bd. VII: 176)


Nach Norbert Elias ist das gesellschaftliche Problem des Todes deswegen besonders schwer zu bewaltigen, weil "die Lebenden es schwer finden, sich mit den Sterbenden zu identifizieren" (Elias 10), denn nicht eigentlich der Tod, sondern "das Wissen vom Tode" (Elias 12) ist es, das fur Menschen Probleme schafft. Vorstellungen vom Tode und die dazugehorigen Rituale werden jeweils selbst zu einem Moment der Vergesellschaftung, so wie im Drama gezeigt wird, daher verdrangen die Anwesenden den Tod, indem sie sich mit alltaglichen belanglosen Dingen beschaftigen. Ein Beispiel ist die dreimal wiederholte Aussage der Tochter: "Zu trinken gibt es im Garten," (GW, Bd. VII: 100, 101, 103) als ginge es um etwas Anderes als eine Trauerfeier. Oder auch wie der folgende belanglose "Dialog" zeigt, der mit der Trauerfeier nichts zu tun hat:

Francine: Hier ist ein Aschenbecher.

Roger: Oh vfielen Dank.

Francine: Es ist der einzige hier. (GW, Bd. VII: 101)

Auch die folgende Szene druckt deutlich aus, wie sich die Trauergaste verhalten haben, da sie ja nichts zu sagen wissen. Sie mussen aber einfach bei der Trauerfeier sein, damit sie "vertreten" sind, weil es sich gehort:

Es kommen zwei Manner.

Erster: Schauen Sie mich an! Zwei Kilo in einer Woche. Sie konnen essen, soviel Sie wollen, nur keine Kohlehydrate. Fleisch so viel Sie wollen, sogar Speck. Nur keine Kartoffeln, kein Brot, keine Teigwaren. Und Schwimmen nutzt uberhaupt Nichts.

Zweiter: Speck hat am meisten Kalorien.

Erster: Es kommt nicht auf die Kalorien an--

Sie treten zur Witwe.

Erster: Du rufst uns an? Indem sie weggehen.

Erster: Ihre Schwester ist aber sehr gefasst. (19)

So wie die Witwe zu ihrem verstorbenen Mann Herrn Proll sagt: "Ich muss zu den Gasten--schliesslich sind sie meinetwegen gekommen ..." (GW, Bd. VII: 109). Hier wird ausgedruckt, dass es nur um ein Ritual geht und es sich gehort, dass man zu der Begrabnisfeier geht, auch wenn man sich nicht viel zu sagen hat und sich auch nicht zu verhalten weiss. So stellt etwa Norbert Elias fest, der "Anblick von Sterbenden und Toten (sei) [...] nichts Alltagliches mehr" und man konne "im normalen Gang seines Lebens" den Tod leichter vergessen (Elias 12). Man spricht deshalb davon, dass Menschen den Tod "verdrangen."

Der verstorbene Proll, der sich verlassen in den weissen Schaukelsessel setzt, "ohne von der Witwe und dem Trauergast beachtet zu werden und [...] reglos mit offenen Augen" verbleibt (GW, Bd. VII: 99), "wird nicht wahrgenommen" (GW, Bd. VII: 101). Die Begrabnisfeier ist lediglich das Ritual, als ginge es nicht um den Verstorbenen. Der Tod gilt eindeutig fur die Lebenden bei der Trauerfeier nur noch als "biologisches Faktum," und der Tod ist "etwas Triviales, eine Bestatigung der Gesetze, denen alle Natur unterworfen ist" (GW, Bd. VII: 102). Aber der Tod als "metaphysisches Faktum," also dass er "von Anbeginn ohne Ende" ist, dass wir die Erfahrung von Zeit als" Vergangnis" haben und dass das Leben immerzu eine "Todesrichtung" (GW, Bd. VII: 83) hat und der Tod schliesslich eine Wahrheit uber das Leben und "nicht als Pendant zum Leben" (Petersen 166) ist, wird nicht begriffen. So hat Frisch auch spater in seiner "Rede an junge Arztinnen und Arzte" argumentiert, denn die Rede uber den Tod ist fur Frisch nicht mehr ein Tabu und der Tod wird nicht mehr mit Euphemismen umgeben (GW, Bd. VII: 82).

Der Tod des Einzelnen wird deshalb stets als eine Privatheit betrachtet, so dass der Uberlebende allein mit der Trauer und Isolation konfrontiert wird. Dass der Tod als "Mystifikation" erscheint, die ein ganz anderes Phanomen vertritt und darin besteht, dass der Tod "letztlich die Wahrheit uber unser Leben ist: Wir leben endgultig" (GW, Bd. VII: 102), wird ganzlich im ersten Bild bei der Begrabnisfeier sowie auch im dritten Bild wie in der oben dargestellten Passage verschwiegen. Roger ist der einzige und derjenige, der die Wahrheit des Lebens postuliert: "Es gilt, was wir leben. Ich meine: die einzelnen Ereignisse unsres Lebens, jedes an seinem Platz in der Zeit, verandern sich nicht. Das ist ihre Ewigkeit" (GW, Bd. VII: 102). Was Roger fur Gedanken uber den Tod bzw. das Leben vertreten hat, beruht auf dem Aufsatz "Der Tod als Mystifikation" (20) des schwedischen Schriftstellers Lars Gustafsson, (21) den Frisch in Triptychon verarbeitet hat. Frisch hat den Aufsatz namlich im "Styx," dem von ihm selbst gegebenen Titel des zweiten Bildes, und zwar in der Version Okt. 1977, ganz am Schluss der Mappe als "Zitate" zusammengeheftet. Da das Zitat sehr aufschlussreich fur die durch die Figur Roger dargestellte Todesauffassung Frischs ist, (22) wird das von Frisch getippte Zitat von Gustafssons Aufsatz im Folgenden wiedergegeben:
 -ob wir nun an ein Leben nach diesem glauben oder nicht.
 wie jedes andere Ereignis liegt es fest in der Welt verankert,
 und einmal stattgefunden, bleibt es ewig auf seinem Platz
 in der Zeit, unveranderlich und unerschutterlich in dem
 Sinne, wie jeder Augenblick, wenn er stattgefunden hat,
 unerschutterlich und unverandert bleibt. / [...] / Mag sein,
 dass die Vorstellung eines ewigen Lebens unhaltbar ist.
 Aber sie ist ein ausgezeichnetes Bild von etwas Verwirrendem
 und Handgeiflichem, das sich vollauf erleben lasst: die
 einzelnen Ereignisse, jedes an seiner Stelle in der Zeit,
 verandern sich nicht. / Als physiologisches Faktum ist der
 Tod etwa Triviales, eine Auswirkung derselben Begrenzung
 durch Raum und Zeit, die fur alle bekannten Erscheinungen
 in der physikalischen Welt gilt. Als metaphysisches Faktum
 ist der Tod entscheidend, nicht dessentwegen, was er uber eine
 Welt jenseits unsrer selbst aussagt, sondern dessentwegen, was
 er uber unsere eigenen Leben aussagt: dass sie von vornherein
 als verloren empfunden werden, als durchdrungen von Bitterkeit,
 bis zum Rande gefullt mit dem Gefuhl unrettbar verlorener
 Moglichkeit. / Das Mystifikatorische am Tod besteht darin,
 dass er letztlich eine Wahrheit uber das Leben ist.


Hier ist darauf hinzuweisen, was Frisch zur "Verdrangung des Todes" allgemein bekundet anhand eines Gesprachs zwischen dem alten verstorbenen Proll und Xaver, das jedoch nur im "Styx"--Manuskript, Okt. 1977, skizziert wurde:

Alter: Als Kind habe ich gefragt: Was machen die Toten? Spater habe ich begriffen.

Xaver: Was haben Sie begriffen?

Alter: Und ich begann das Leben zu achten, fast jede Art von Leben, auch meines. Was wir da versaumen, das holen wir in der Ewigkeit nicht auf ...

In der gedruckten Fassung wird dieses Gesprach gestrichen, statt dessen steht das folgende Gesprach:

Xaver: Im Gymnasium musste ich einmal aus der Masse gehen und fur den Rest der Stunde draussen im Korridor warten, weil ich gefragt hatte, ob es im Styx denn auch Fische gebe. Das hielt ich fur eine sachliche Frage, aber weil die ganze Klasse laut lachte, war der Professor beleidigt, denn er wusste es auch nicht.

Alter: Es gibt keine. (GW, Bd. VII: 166)

Wenn man beide Gesprache vergleicht, ist zu erkennen, dass Frisch durch das Thema Tod und das Gesprach daruber die Verdrangung des Todes in der konventionellen Gesellschaft unterstreichen mochte, indem er die unadaquate Verhaltensweise der Erwachsene kritisiert--als evtl. Folge der Todesfurcht uberhaupt. (23) Diesbezuglich hat Frisch festgestellt, die Todesbilder in der heutigen Gesellschaft seien "etwas Kosmetisches, ein Nichtwahrhaben--Wollen" (GW, Bd. VII, 85).

Das "Todliche" in der Wiederholung

Der Tod wird wie oben dargestellt als das "Todliche" im Gesellschaftlichen sowie im Zwischenmenschlichen entlarvt. Es wird in den Werken von Frisch deutlich thematisiert, dass das "Todliche" (im Leben) besonders in der Wiederholung (im Leben) fixiert ist. In der Rede Frischs anlasslich der Schillerpreis-Verleihung 1965 versuchte er, seine Dramaturgie der Permutation im Drama zu erlautern, wobei er auch auf die Unwandelbarkeit des Todes hinweist: "Der einzige Vorfall, der keine Varianten mehr zulasst, ist bekanntlich der Tod" (GW, Bd. V: 367). In einem Gesprach mit Peter Ruedi sieht Frisch den Tod da, "wo die Repetition kommt." (24) In Stiller heisst es: "Meine Angst: die Wiederholung--!" (25) und im Spatwerk Montauk steht die Aussage: "MY GREATEST FEAR: REPETITION" (GW, Bd. VI: 628). Das "Todliche" in der Wiederholung spiegelt sich auch in der Wiederholung der Dialoge bei den Toten. So spricht Katrin im zweiten Bild im Drama Triptychon zu ihrem ehemaligen Freund Xaver: "Wir sagen uns, was wir schon einmal gesagt haben. Langsam weiss man es, Xaver: es kommt nichts mehr dazu" (GW, Bd. VII: 159). Da sich die selben Vorgange immer wieder reproduzieren, erstarrt das Leben zu einem "inhaltentleerten Ritual" (Depountis 81). Jurgen H. Petersen weist auf den Einfluss von Samuel Becketts Warten auf Godot im Hinblick auf die Dialogfuhrung hin, so etwa die "Sequenzen inhaltsleerer Wechselrede" (Petersen 171) bei den Figuren. Solche Gesprachsversuche dienen der "Zeituberbruckung, der Verschleierung der Existenzleere" (Petersen 171), um ihre mit dem Tod verbundenen Nichtigkeit zu ubertunchen.

Im zweiten szenischen Bild wird das Dasein der Toten am Styx im Totenreich dargestellt. Viele gelebte und erlebte Ereignisse der Toten werden durch die langsam versiegenden Gesprache wiederholt und nochmals dem Leser vor Augen gefuhrt--eine Versinnbildlichung der Unmoglichkeit des Umdenkens bei den Toten und der Unzumutbarkeit der Erwartung. Die Aussagen und die scheinbaren Fragen mit irrelevanten Antworten, die aber keine richtigen Dialoge bilden, provozieren eine "spontane, vehemente Zuwendung zum Leben" (Motte, "Der Mensch vor dem Tod" 501). Das Dasein des Toten sagt eigentlich viel uber das Leben aus. Die Toten konnen nicht mehr "umdenken," nur die Lebenden haben die Moglichkeiten, im Leben zu Veranderungen in jeglichen Beziehungen unter den Menschen zu fuhren. Als Beispiel dient dafur die Liebesbeziehung im Drama Triptychon zwischen Katrin und Xaver, wenn sie zu ihm sagt: "Wir verletzen uns nicht mehr, Xaver, wir sind tot, Xaver, und es bleibt, dass wir einander nicht erkannt haben." (26)

Das "Todliche" in der Wiederholung bedeutet auch die Wiederholung bei den Toten und die Unwandelbarkeit des Todes an sich. Das Naturwesen und das Leben sind verganglich, jedoch wird die Anderung im Totenreich nicht bemerkbar, es wird lediglich "Es ist wieder April" wiederholt, da April sich als wichtiger Hintergrund abspielt, (27) doch bleibt alles beim Alten. Es wiederholt sich nur alles, was gewesen ist. Wie Roger sagt: "Es gilt, was wir leben [...] die einzelnen Ereignisse unsres Lebens, jedes an seinem Platz in der Zeit, verandern sich nicht. Das ist ihre Ewigkeit" (GW Bd. VII: 102-3). So wiederholen sich auch bei den ublichen Toten die gewohnlichen Verhaltensmuster, z. B. stellt der Pastor sich standig Fragen bei fast jedem, denn "es ist sein Amt gewesen, die Leute zu vertrosten auf das Leben nach dem Tod ..." (GW, Bd. VII: 158), wie Katrin versichert. Oder der alte Proll angelt standig, ohne jemals einen Fisch zu fangen wie fruher, und was er fruher uberhort hat, das kann er nicht wiederholen; der Nachbar mit der Flote versucht wie fruher, Musik zu machen, es gelingt ihm aber wieder nicht; und die Greisin, Mutter des Alten, erzahlt immer wieder die gleiche Geschichte, oder der Invalide versucht vor und nach seinem Tod (28) standig, die versaumte Freundschaft mit dem alten Proll aufrechtzuerhalten. Als er den alten Proll fragt, weshalb dieser ihn nie angerufen habe, gibt er darauf eine ganz irrelevante Antwort: "Artrithis?" (GW, Bd. VII: 163) Das "Todliche" wird hier daran gezeigt, wie die toten Figuren in ihrem Dasein die eigenen Lebensmoglichkeiten nicht wahrgenommen und versaumt haben--das "Todliche" im zwischenmenschlichen und "im engsten Ich-gebundenen Erlebensbereich" (Depountis 75). Daher herrscht im Totenreich nur die Langeweile, wie Katrin zum Schluss Aussert: "Die Ewigkeit ist banal" (GW, Bd. VII: 171). So merkt auch Katrin im zweiten Bild an: "Wir gehen im Kreis herum" (GW, Bd. VII: 154)--die Wiederholung der tddlichen Langeweile versinnbildlicht die Art eines Totentanzes.

Die Unmdglichkeit des Umdenkens bei den Toten im dritten Bild bei Roger und Francine drilckt noch krasser die Unwandelbarkeit des Todes aus, wenn Katrin auf diese Unmoglichkeit hinweist: ,Du kannst umdenken, ich kann umdenken. Wir sind nicht tot gewesen, Roger, das nicht!--wie jetzt" (GW, Bd. VII: 195). Den Tod versteht Frisch also nicht nur als Tod des physischen Korpers, sondern als "Tod des Denkens, der Erkenntnisse und der Freiheit" (Rowinska-Januszewska 124). Wenn beide Partner sich nicht darum bemuhen, noch in ihrem Dasein mit den Auseinandersetzungen und Zerwurfnissen klarzukommen, sind die Auseinandersetzung oder Rechtfertigung im Totenreich nicht mehr mdglich und es gibt nur die todliche Wiederholung, die sie immer erlebt haben. Sehr aufschlussreich ist die folgende von Frisch in seinem Entwurf zitierte Stelle, die er in der Version Okt. 1977 fur das zweite Bild "Styx" formuliert, das er ursprunglich als Kernszene des Stuckes gedacht hat. Frisch hat in Triptychon im Hinblick auf die Unverwandelbarkeit des Todes Walter F. Ottos (29) "Die Goetter Griechenlands" (30) in seiner Unterlage zitiert:
 Der Tote kann kein handelndes Subjekt mehr sein, aber die Gestalt
 des Gewesenen ist nicht ausgeloscht. I Denn das ist das zweite:
 auch druben ist der Tote kein tatkraftiges Wesen wie fruher,
 sondern nur ein dunner Hauch, der die Gestalt des einstigen Lebens
 besitzt, aber keines seiner Vermogen. / Da steht auf den
 Grabskulpturen das abgeschlossene Leben in seiner naturlichen
 Haltung, ruhrend-liebenswurdig oder in ernster Wurde, und das Auge,
 das durch nichts in die Zukunft gewiesen wird, schaut ergriffen die
 Ewigkeit des Vergangenen. / Freunde im Leben sind auch als Schatten
 beieinander. / Wenn der Mensch das Ziel seines Lebens erreicht hat,
 ist es in dieser Welt mit ihm zu Ende. Er wird im Tode nicht
 wachsen.


Damit weist Frisch auf unser Dasein hin, in dem man noch die Moglichkeiten der Veranderung und Abanderung hat, wenn man sich darum bemuht, Augenblicke und Zufalle im Leben wahrzunehmen. Denn im Totenreich ist nichts mehr neu, es ist nur "Wiederholung und Stillstand." (31) Was gewesen ist, was vergangen ist, bleibt zwar in Ewigkeit, jedoch wird alles wiederholt als Reproduktion des Lebens und es kommt nichts mehr dazu in der Ewigkeit, das Ende ist nAmlich "ein fur allemal," es gibt "keine Erwartung mehr, auch keine Furcht, keine Zukunft" (GW, Bd. VII: 167), wie der alte Proll auf die von Xaver gestellte Frage ,Haben Sie gelebt?" (GW, Bd. VII: 167) antwortet.

Leben nach dem Tod oder Augenblicke im Leben?

Das Verhaltnis zwischen Leben und Tod, wie man im Angesicht der Verganglichkeit der Zeit den Augenblick im Leben schatzen lernt, hat Frisch bereits im Homo faber dargelegt, das Thema hat er fur das Drama Triptychon (auch spater in der Erzahlung Montauk in Blockschrift wiederholt) erneut aufgegriffen und verarbeitet. In der Version von Okt. 1977 (Frisch-Archiv), und zwar im zweiten Bild des Triptychon, hat Frisch das folgende Zitat aus Homo faber am Schluss zusammengeheftet:
 Auf der Welt sein: Im Licht sein. Irgendwo [...]
 --aber vor allem: standhalten dem Licht, der Freude
 (wie unser Kind, als es sang) im Wissen, dass ich erlosche
 im Licht uber Ginster, Asphalt und Meer, standhalten
 der Zeit, beziehungsweise Ewigkeit im Augenblick.
 Ewig sein: gewesen sein. (32)


Dieses von ihm spater in der "Rede an junge Arztinnen und Arzte" als "literarische[s] Stenogramm" (GW, Bd. VII: 92) bezeichnete "Todesbewusstsein" gilt als "Dimension der Lebensfreude, der grossen, der Freude an einem Dasein in der Zeit" (GW, Bd. VII: 92). Was Frisch damit postuliert, ist nicht nur das Wissen um den Tod allein, dass man mit der Natur und in der Natur sowie auch in der Zeit erlischt, dass man dem Tod nicht ausweichen kann, sondern es wird auch betont, dass die Augenblicke und das Gewesene ewig in Erinnerung bleiben. Das, was Frisch festhalten will, ist ahnlich wie der Ausspruch von Horaz: "Carpe diem quam minimum credula postero" (Nutze den Tag, koste den Augenblick) (Condrau 200). Es ist eindeutig das Gegenteil von dem, was der Pastor im ersten Bild bei der Begrabnisfeier uber das Leben nach dem Tod mit den positiven Bildern der ewigen Zukunft in Gluckseligkeit und in gottlicher Gnade und Liebe gepredigt hat:
 Es wird kommen ein Licht, anders als wir es je gesehen,
 und eine Geburt ohne Fleisch; anders als nach unsrer
 ersten Geburt werden wir sein, weil wir gewesen sind,
 und ohne Schmerzen und ohne Todesfurcht werden wir
 sein, geboren in Ewigkeit. (GW, Bd. VII: 103)


Frisch hat in seinem Brief an Norbert Oellers, datiert vom 27.1.1978, uber das erste Bild "Begrabnisfeier" im Triptychon geaussert, es sei fur ihn eine Exposition, die die Thematik andeute. Er wollte sich nicht lustig machen uber die Trauergemeinde, sondern "in einem kurzen Aufriss" zeigen, "wie verlegen wir (ausgenommen der Pastor) vor dem Faktum des Todes" (33) stehen. Darin zitiert Frisch Ernst Bloch: "Ein Leben der Person nach dem Tod konne er nicht denken, aber er konne sich auch nicht vorstellen, dass nach dem Tod einfach gar nichts ist." (34) Weiterhin schreibt er: "Der Triptychon-Autor weiss es auch nicht; das Evangelium ist ihm. bekannt--(das gesungene TE DEUM steht genau in der Mitte des Triptychons)--aber er glaubt nicht; eine Art von Hades ist ihm vorstellbar." (35) Solche Todesauffassung naher sich der der Existenzphilosophen, wie beispielsweise Heidegger oder Kierkegaard. Es geht ihnen nicht um die Frage, was nach dem Tode geschehe, sondern vielmehr um die "Abklarung des Verhaltnisses des menschlichen In-der-Welt-Seins zum Tode" (Condrau 209). Der Tod ist gewiss, sein Zeitpunkt aber ungewiss. Daher ist der Tod "unbestimmbar" und damit verweist der zukunftige Tod auf die Gegenwart: "Das Vorlaufen zum Tode" ermoglicht namlich das "Sich-Ergreifen im Heute." (36)

So gesehen fallt Frisch leichter, sich ein Leben nach dem Tod an einem "kummerlich stillstehenden Styx in endloser Wiederholung des Gewesenen" vorzustellen als "im christlichen Himmel" (Steiner 188). Wie wir in seiner "Rede zum Tod von Peter Noll" (1982) lesen, bezeichnet er sich selbst als "Agnostiker" (GW, Bd. VII: 74). Die Vorstellung einer Auferstehung scheint daher in diesem Bezug fur Frisch unertraglich, denn es ist "der Zwang, noch einmal leben zu mussen und [...] die Angst, es werde nicht ohne neue Schuld abgehen" (Steiner, "Leben als Haltung 188). Denn Leben nach dem Tod gilt fur Frisch so viel wie eine Art von ,todlicher' Wiederholung im Leben. Dies wird im Zusammenhang mit einer langen Passage in seinem Manuskript uber das "Licht-Erlebnisc" (37) der Toten, das im Frisch-Archiv autbewahrt ist, fur uns besonders interessant und aufschlussreich; es ist fur Frischs Beschfiftigung mit dem Thema "Tod" sowie fur die Diskussion der 70er Jahre uber das Leben nach dem Tod nicht ohne Bedeutung, weshalb ich es im folgenden zitiere:
 Es gibt Berichte von Menschen, die gestorben sind--sozusagen--aber
 dann sind sie nochmals erweckt worden. Kurz vor dem Hirntod.
 Ein junger Russe, der sich auf dem Roten Platz erhangt hat: er hat
 Blumen gesehen, grosser als je, unvergleichbar, und Farben wie noch
 nie. Auch wenn unsere Sprache nicht ausreicht dafur, das sind
 merkwurdige Berichte. Ein Licht-Erlebnis, davon berichten fast
 alle, Glaubige und Unglaubige. Und von Farben, die ein
 Glucksempfinden auslosen. Und dass sie sich ausserhalb ihres
 Korpers befunden haben, offenbar froh daruber, ein oder zwei Meter
 uber ihrem Korper, den sie genau gesehen haben. Einige haben
 gehort, wie sie fur tot erklart worden sind. Dabei haben sie
 erkannt, wer in diesem Augenblick zugegen gewesen ist. Einer zum
 Beispiel, der auf der Strasse verungluckt ist, hat spater den
 fremden Arzt wieder erkannt. Ubrigens scheint es zu stimmen, dass
 den Sterbenden, wie oft gesagt worden ist, die Stationen ihres
 Lebens erscheinen. Zeitlos. Nicht alle haben den Tunnel-Schrecken
 erfahren, hingegen das Licht-Erlebnis, das nicht zu beschreiben
 ist, ein Bewusstsein der Schwerelosigkeit. Und die meisten die
 nochmals zum Dasein erweckt worden sind, bedauern das ...


Wo hat Frisch vom "Licht-Erlebnis" gelesen? Vermutlich handelt es sich um die Berichte uber die "Nahtod-Erfahrungen" (Jones 84), die er moglicherweise als Forschungsergebnisse aus den USA kennen gelernt und zu Rate gezogen hat. Denn die USA waren in den 70er Jahren, was die Forschungen uber das Leben nach dem Tod betrifft, fuhrend in der Publizistik. Elisabeth Kubler-Ross und Raymond A. Moody mit seiner "Reinkarnationsforschung" (38) dienen als Beispiele dafur. (39) In der "Rede zum Tod von Peter Noll" erzahlt Frisch u. a. von den "modischen Bestseller-Thesen": "Licht-Effekte beim Sterben usw. als Garantie fur ein Leben nach dem Tod--" (GW, Bd. VII: 76). Das kann als ein Indiz fur seine Beschaftigung mit dem Thema ,Tod' in Anknupfung an die aktuelle zeitgemasse philosophische und thanatologische Forschung gewertet werden.

Widerstand gegen die Erstarrtheit im Leben

Dass Frisch eher an der These "Ewigkeit im Augenblick" festhalt und kaum an ein "Leben nach dem Tod" glaubt, sagt sehr viel uber seine dichterische Intention aus, um im Triptychon die Mittel gegen das nichtauthentische Leben zu postulieren, sei es durch die Bildnisproblematik im zwischenmenschlichen Verhaltnis, in der Liebesbeziehung oder im Eheleben. Das nichtauthentische Leben versinnbildlicht die Erstarrtheit im Leben, in dem das "Todliche" in der Wiederholung zum Vorschein kommt und das Umdenken im Leben deshalb verhindert wird. Der verstorbene Proll dient ein Beispiel dafur. Er ist lebenslustig, trotzig und eigensinnig gewesen, hat anscheinend gewusst, in den "Augenblicken" zu "leben." Das ist das entscheidendste fur ihn im Leben. Deshalb hat er keine Angst vor dem Tod gehabt (GW, Bd. VII: 105) und auch nicht an ein "Leben nach dem Tod" (GW, Bd. VII: 101) geglaubt. Der Zuschauer gewinnt einen Einblick in sein bisheriges Leben, und zwar durch die Beschwerde seiner Frau Sophie sowie seine Gesprache mit anderen Toten: dass sein Eheleben mit Sophie nicht besonders erfreulich gewesen war, erfahrt der Zuschauer durch das Jammern der Witwe schon im ersten Bild. Vielleicht aus diesem Grund sagt er, er habe "manchmal" (GW, Bd. VII: 167) gelebt, weil er in seinem Leben doch immer wieder versucht hat, zu leben und irgendetwas zu erwarten, und es hat fur ihn dann auch manchmal im "Leben" Zukunft gegeben. Im zweiten Bild erfahrt der Zuschauer, dass Katrin, die Proil intellektuell wohl sehr sympathisch war--im Gegensatz zu seiner eigenen Frau--, ihn als ,Vaterchen" (GW, Bd. VII: 140) liebt. Fur ihn hat Katrin "gelebt."

Wie ist eigentlich das Leben? Wie soil man sich vor dem "Todlichen im Leben", der Wiederholung im Leben schutzen und den Widerstand gegen die Erstarrtheit im Leben leisten, wo nichts Neues vorkommt und infolgedessen Alltagstrott und Stillstand herrschen? Das wird auch durch einige Figuren im Drama angesprochen. Roger hat im ersten Bild auf den Tod als die Mystifikation in dem Sinne hingewiesen, dass der Tod viel uber das Leben sagt und zugleich die Wahrheit uber das Leben ist, obwohl seine Predigt bei allen nicht ankommt. Auch wenn man im Totenreich lebt, hat man moglicherweise auch im eigenen Leben vor dem Tod gelebt; im Gegensatz zu dem toten Ende--dem Tod ein fur allemal--soil das (lebendige) Leben voller Spannungen und Erwartungen sein, so wie sich der alte Proll zum "Leben" geaussert hat:
 Irgendetwas haben sie erwartet an diesem Vormittag.
 [...] Ein Wunder oder kein Wunder oder was weiss ich.
 Irgend etwas erwartet man unentwegt, solange man lebt,
 von Stunde zu Stunde ... (GW, Bd. VII: 167)


Im zweiten Bild des Dramas wird anhand des Gesangs und der Rezitation der Figur Clochard der Kontrast zwischen Leben mit sussen Erinnerungen und Tod mit seinem nichtauszuweichenden Ende demonstriert:

Er singt: In jungen Tagen ich lieben tat, Das dunkte mir so suss. Die Zeit zu verbringen, ach fruh und spat, Behagte mir nichts wie dies. [...]

Clochard: Obs edler im Gemut, die Pfeil und Schleudern Des wutenden Geschicks erdulden, oder, Sich waffnend gegen eine See von Plagen, Durch Widerstand sie enden--(GW, Bd. VII: 156)

Auch Katrin fragt: "Wie ist das, Herr Proll, wenn man alt ist? Mochte man alles noch einmal erleben und immer wieder?" (GW, Bd. VII: 134) Oder der alte Proll fragt seine Mutter, die Greisin, ob sie mit ihrem Leben zufrieden sei (GW, Bd. VII: 158). In dem Stuck wird die "Ehe nach dem Tod" (40) problematisiert, es wird angedeutet, wie sich die Einstellung einer Witwe zu ihrem verstorbenen Mann wandeln konnte. Hier denkt man an das Gesprach zwischen dem alten Proll im zweiten szenischen Bild von Triptychon mit dessen fruh verstorbenem Vater, dem Tankwart, der sich auch im Totenreich befindet. Als dieser sich bei Proll nach dem Leben seiner eigenen Frau, d. h. der Mutter von Proll, erkundigt, sagt Proll:
 Sie war tuchtiger, als du gemeint hast. Spater hatte sie einen
 Kiosk und machte jedes Jahr eine Reise. So eine Gesellschaftsreise
 mit Car. Zum Beispiel ins Tirol oder nach Venedig. Nach deinem Tod
 bluhte sie richtig auf. Das sagte sie selber: Ich habe mehr vom
 Leben, seit ich Witwe bin. (GW, Bd. VII: 123)


Was steht hinter dieser Aussage? Wenn man sich stfindig ein fixiertes Bild von andem macht, kann sich der Mensch nicht wandeln--ein alles, haufig von Frisch behandeltes Thema: "Du sollst Dir kein Bildnis machen." Mit diesem Gesprach zeigt Frisch zugleich, dass ein Umdenken im Leben und das Bewusstsein der Sterblichkeit und des Todes uns eher das gegenwartige Leben, das, jetzige Dasein menschlich machen kann, so dass wir eher zum Aufbruch bereit sind. Es ist auch eine Art von Widerstand gegen die Ratlosigkeit und Unzumutbarkeit des Alterns und den allgegenwartigen Tod, den man nicht verdrangen kann. Sich jung fuhlen, das Leben wahrnehmen, Augenblicke geniessen und das abenteuerliche Leben wagen, das ware in diesem Fall die mogliche Losung fur das Leben angesichts des nahen Todes. Diesbezuglich wird im Tagebuch 1966-1971 unter dem Titel "Ehe nach dem Tod" (GW, Bd. VI: 55) verdeutlicht, wie sich die Einstellung einer Witwe zu ihrem verstorbenen Man wandeln konnte. So gesehen handelt es sich in Triptychon um eine ganz "unverkennbare Warntafel," wie Michael Butler es formuliert hat, da Frisch auf die "Entmythologisierung," die "Entmystifikation des Todes" ("Die Damonen an die Wand" 95) zielt. Im Tagebuch 1946-1949 hat Frisch u. a. seine Lebens- und Todesauffassung dargelegt, wobei er die Tatsache, dass die Menschen sterblich sind und der Tod allgegenwartig bleibt, als ein "Geschenk" sieht, das uns mehr zur "Zuwendung zum Leben" (Motte, "Der Mensch vor dem Tod" 501) zwingt, um ein mogliches bewusstes Leben zu gestalten; so schreibt er:
 Das Bewusstsein unserer Sterblichkeit ist ein kostliches
 Geschenk, nicht die Sterblichkeit allein, die wir mit den
 Molchen teilen, sondern unser Bewusstsein davon; das
 macht unser Dasein erst menschlich, macht es zum
 Abenteuer und bewahrt uns vor der vollkommenen
 Langeweile der Gotter ... (GW, Bd. 11: 648)


In Triptychon wird insbesondere der "Tod" zu einem eigenen Thema, das aber offensichtlich als ein Teil der Realitat im Leben inbegriffen ist. In den drei szenischen Bildern versucht Frisch, den Bezug zwischen Tod und Leben im gesellschaftlichen, im zwischenmenschlichen und im engsten Ich-gebundenen Erlebensbereich darzustellen, als Heilmittel gegen die Erstarrtheit und den Stillstand im Leben. Das heisst, gegen das "Todliche" im Leben, in dem man sich dessen Zeitlichkeit bewusst ist und den nahen Tod ohne Furcht und Rechtfertigung akzeptiert. Der Grund fur Rogers Selbstmord im dritten Bild nach seinem in seiner inneren Welt gefuhrten Gesprach mit der toten Francine liegt so gesehen darin, dass das bisherige Leben fur ihn sinnlos erscheint, dass ohne Wandelbarkeit und Veranderbarkeit ein Stillstand herrscht. Durch die wiederholten Vorwurfe und Erkenntnisse von Francine, von deren Freundin Marieluise sowie von Rogers geschiedener Frau Ann wird diese Realitat seines Lebens von ihm schliesslich wahrgenommen: "Du hast nie jemand geliebt, dazu bist du nicht imstande, Roger, und du wirst auch nie jemand lieben" (GW, Bd. VII: 203). Die menschliche Existenz erscheint Roger sinnlos und die so begrundete Sinnleere des menschlichen Lebens wird dann in der Vorstellung durch das Wissen besiegelt, dass jeder Mensch sterben muss. Roger wahlt schliesslich den Weg zum Tod. Triptychon sollte, Michael Butler zufolge, als die "Mahnung eines immer noch vitalen Moralisten" ("Die Damonen an die Wand" 96) aufgefasst werden. Im Interview mit Peter Ruedi anlasslich Triptychon kommentiert Frisch:
 Meine Hoffnung ware gewesen (ob das zum Ausdruck kommt, weiss ich
 heute noch nicht), dass das nicht etwa eine Absage an das Leben
 ist, sondern im Gegenteil: was stattfindet, findet in dieser Zeit
 statt, also vor dem Jenseits oder der Ewigkeit. Das ist eine
 Bejahung der Existenz als einzigem Zeitraum, in dem etwas sich
 verwandeln, in dem man umdenken kann. ("Gesprach mit Max Frisch")


Schluss

Bereits in den fruhen Werken von Max Frisch wird das fur damalige Zeiten im gesellschaftlichen Leben tabuisierte Thema "Tod" dargestellt. In den spateren Werken wird immer wieder das Thema "Tod" in Zusammenhang mit der Bildnisproblematik, der Liebe, dem Altern, dem Bewusstseinsleben sowie dem Sterben aufgegriffen. Sie werden ineinander verschmolzen und zu einem Komplex geformt, der das Leben und den Tod der Menschen verkorpert. Durch das Begrabnisritual und das Verhaltensmuster im ersten Bild von Triptychon. Drei szenische Bilder wird die Verdrangung des Todes in der Gesellschaft und die Trivialisierung des Todes deutlich zum Ausdruck gebracht. Im zweiten Bild am Styx im Totenreich lasst Frisch durch die toten Figuren die Erwartung einer Wandlung als unmoglich erkennen, da das Gewesene sich permanent wiederholt, wobei die Aussichtslosigkeit von Veranderungen im zwischenmenschlichen Bereich veranschaulicht wird. Im dritten Bild werden die von einem Lebenden mit einer Toten gefuhrten "Gesprache" vorgefuhrt--eine Versinnbildlichung der Erinnerungen an das vergangene Leben, das im Gedachtnis des Lebenden zuruckbleibt und seine inneren Bedurfnisse vertritt. Dabei wird das von dem Einzelnen als bisher sinnvoll/sinnlos gefuhrte und gelebte Leben als entscheidender Punkt fur das Weiterleben oder den Tod "erlebt." Denn die Erstarrtheit und der Stillstand, das "Todliche" und zugleich die Fesseln der Realitat (u. a. durch das Bildnisproblem) im Leben sind nichts anders als der "Tod im Leben," da es keine "lebendige" Wandlungsmoglichkeit gibt. Konvention und Erstarrung stehen deshalb fur den Tod.

Frisch versucht, durch die Aussagen, die Gesprache in den Handlungen, in den Fabeln, ein Umdenken im Leben nahe zu legen, das ist jedoch im Totenreich nicht mehr erreichbar. Er will zur Zuwendung zum bewussten Leben provozieren, sei es im Hinblick auf die in die Bruche gegangene Liebesbeziehung oder auf das durch den Alltagstrott in die Krise geratene Eheleben, oder auch in Hinblick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Es geht ihm nicht lediglich um die Themen "Liebe," "Bildnis," "Verganglichkeit," "Leben," und "Tod," die auch in anderen Werken im Mittelpunkt stehen und auf die er in Triptychon zuruckgreift, sondern es geht auch um seine Grunduberzeugungen in Hinblick auf seine Lebens- und Todesauffassung als Reaktion auf das naturwissenschaftlich-technologische Weltbild unserer Industriegesellschaft. Es geht ihm schliesslich darum, uns ein authentisches wahres Leben, gepragt durch das Todesbewusstsein, vor Augen zu fuhren. Dadurch, dass er sich in Triptychon mit seinen vielfaltigen Variationen und literarisch erprobten Fiktionen und Entwurfen auch mit den zeitgemassen soziologischen und philosophischen Todesbildern auseinandersetzt, ist das Stuck in diesem Sinne cin Werk von Frischs Literatur gewordener Lebensphilosophie. Triptychon fungiert heute als Botschaft des 21. Jahrhunderts, die uns das von Frisch postulierte Todesbewusstsein als Aufforderung zu bewussterem Leben noch deutlicher vor Augen fuhrt.

Benutzte Literatur

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--. "Jurg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt. Roman" (1933/34). Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bande. Bd. I: 225-386.

--. "Tagebuch 1946-1949". Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Blinde. Bd. II: 347-750.

--. "Stiller" (1953/54). Gesammelte Werke in zeitdicher Folge. Sieben Bdnde. Bd. III: 359-780.

--. "Tagebuch 1966-1971". Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bdnde. Bd.VI: 5-404.

--. "Montauk" (1974/75). Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Blinde. Bd.VI: 617-714.

--. "Triptychon" (1976/79). Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bdnde. Bd. VII: 93-204.

--. "Rede zum Tod von Peter Noll" (1982). Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bdnde. Bd. VII: 74-9.

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Anmerkungen

(1) Der Forschungsaufenthalt zum Thema wurde im Sommer 2005 durch ein Forderungsstipendium des DAAD und des National Science Council Taipei an der Friedrich-Wilhelms-Universitat Bonn und im Max Frisch-Archiv ETH, Zurich ermoglicht. An dieser Stelle mochte ich meinem Dank dafur ausdrucken.

(2) In Themen und Motive in der Literatur. Ein Handbuch v. Horst S. und Ingrid G. Daemmrich wurde Frischs Triptychon nicht dargestellt, sondern lediglich in der Quellenangabe als Literatur aufgelistet; siehe zweite, uberarbeitete und erweiterte Auflage. Tubingen und Basel: Francke, 1995, 351. In der Anthologie Der Tod in Dichtung, Philosophie und Kunst (hrsg. v. Hans Helmut Jansen. 2., neu bearb. u. erw. Aufl. Darmstadt: Steinkopff, 1989) wird das Drama Triptychon kurz erwahnt; siehe Magda Motte, "Der Mensch vor dem Tod in ausgewahlten Werken der Gegenwartsliteratur" 487-502. In Dimitris Depountis' Dissertation Zur Darstellung eines tabuisierten Themas. Das Schreiben uber den Tod im Werk von Max Frisch wird nur das zweite Bild des Dramas Triptychon behandelt. Unveroffentliche Lizentiatsarbeit der philosophischen Fakultat I der Universitat Zurich, 1986, Sammlung des Max Frisch-Archivs, ETH, Zurich. Cornelia Steffahns Dissertation dient als ein informatives Werk uber Frischs Todes- und Lebensauffassung, besonders in seinen spaten Werken. C. S. Altern, Sterben und Tod im Spatwerk von Max Frisch. Schriftenreihe Poetica; Bd. 53. Hamburg: Kovac, 2000. Dissertation Univ. Hamburg 2000. Zu den Themenbereichen "Jugend," "Bildnis" oder "Rolle und Identitat" gibt es bereits genugend Untersuchungen, wie dies der Leiter des Max Frisch-Archivs Zurich Herr Obschlager versichert hat; er hat daher abgeraten, weitere Forschungen uber "Bildnis" und "Identitat" in Frischs Werken durchzufuhren.

(3) Siehe Max Frisch. Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bande. Bd. I, 225-385; andere Werke waren: Blatter aus dem Brotsack (1939), Die Schwierigen oder J'adore ce que me brule (1942), Bin oder Die Reise nach Peking (1944), Santa Cruz--eine Romanze (1944).

(4) Es ist das Bild des "Sich-Auflosens, des zunehmenden Zerfalls, des menschlichen Korpers" bei Frisch, wie Armin Arnold festgestellt hat. Arnold, "Naher mein Ich zu Dir: Die Problematik des Alterns, des Sterbens und des Todes bei Max Frisch" 250. Man denke in Zusammenhang mit Frischs Gedanken uber den Tod an sein Tagebuch 1966-1971, in dem er Reflexionen uber den "Freitod" aufgezeichnet hat; auch elf Jahre spater hat Frisch sich mit dem sputer am Krebs gestorbenen Zurcher Professor Peter Noll daruber auseinandergesetzt; siehe ,Die letzten Tage. Nach Erinnerungen von Rebekka Noll und Max Frisch," Diktate uber Sterben und Tod von Peter Noll 276.

(5) Depountis, Zur Darstellung eines tabuisierten Themas 38.

(6) Wie z.B. in den Werken Die Chinesische Mauer, Als der Krieg zu Ende war, Santa Cruz und Nun singen sie wieder.

(7) Frisch, Tagebuch 750. Nach folgender Ausgabe zitiert: Max Frisch. Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Blinde (1931-1985). Hrsg. v. Hans Mayer unter Mitwirkung von Walter Schmitz. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986. Bd. 11: 347-750; zit. als GW, Bd. II.

(8) Lioba Waleczek. Max Frisch, 145; siehe Frischs Brief an Uwe Johnson, datiert vom. 16. M5rz 1976; zit. n. Waleczek, Max Frisch 146.

(9) Unveroffentlichter Brief von Frisch an Norbert Oellers, Professor an der Univ. Bonn, datiert vom 07.12.1977.

(10) Wenn man die erste und zweite Version, die Frisch 1977 skizziert hat, mit der gedruckten Fassung vergleicht, entdeckt man Differenzen, d. h. einige Stellen, die er gestrichen oder auch anders formuliert hat. Es gibt keine von Frisch selbst angegebenen Grunde fur die Anderungen. Man kann lediglich aus dem Kontext heraus sagen, dass er stets versucht hat, die Inhalte ohne viele Wiederholungen wiederzugeben. Einige Streichungen, die fur die vorliegende Arbeit relevant sind, werden an den betreffenden Stellen herangezogen und interpretiert.

(11) Und zwar am Genfer See, in einem "Theatre du Vidy;" siehe Zeitungsbericht von Dieter Bachmann, Frankfurt Allgemeine Zeitung, 20.10.1979.

(12) Siehe Rezension von Joachim Kaiser, Suddeutsche Zeitung, Feuilleton, Di., 3. Febr. 1981; vgl. auch Volker Hage, Max Frisch 117.

(13) "Ich singe aus Angst ... das Unsagbare. Ein Zeit-Gesprach mit Max Frisch." Die Zeit, 17. April 1981; zit. n. Waleczek, Max Frisch 145.

(14) Triptychon, 102; nach folgender Ausgabe zitiert: Max Frisch. Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Sieben Bande (1931-1985). Hrsg. v. Hans Mayer unter Mitwirkung von Walter Schmitz. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986. Bd. VII: 93-204; zit. als GW, Bd. VII.

(15) Uber sein Verstandnis des Problemfeldes "Tod" hat sich Max Frisch in der "Totenrede" fur den Zurcher Professor fur Strafrecht Peter Noll geaussert: "Einen Verstorbenen offentlich zu loben und offentlich zu versichern, dass man ihn vermissen werde, ist der ubliche Ausdruck unsrer redlichen Trauer in Ahnungslosigkeit, was Tod ist. Kein Antlitz in einem Sarg hat mir je gezeigt, dass der Eben-Verstorbene uns vermiss. Das Gegenteil davon ist uberdeutlich" (GW, Bd. VII: 78). Wenn man diese Rede mit dem Verhalten der Trauergaste sowie der Familienmitglieder vergleicht, ist es nicht schwer, Frischs Todesauffassung zu verstehen, namlich, der Tod werde sakularisiert, zur privaten Angelegenheit und es sei der Tod des Toten selbst.

(16) In der Version Mai 1977, Mappe A, tragt das dritte Bild den ursprunglich in der Typographie angegeben Titel "Place des Pyramides. Eine szenische Skizze" Der Schauplatz war Paris auf der "Place des Pyramides." Genauer gesagt spielt sich das dritte szenische Bild in einem Cafe ab, daher wird in der Version August 1977 die Rolle eines Kellners mitgeplant, der zwischendurch Roger, dem lebenden 50jahrigen, und Francine, der toten 33jahrigen, Wasser bringt und Tische vor dem Feierabend aufraumt. In der gedruckten Version wird der Schauplatz auf eine Allee in Paris verlegt. Die ganze Verinnerlichung des "Gesprachs" (Monologs) von Roger, der auf der Bank sitzt, vollzieht sich in einem Park; siehe Mappe A, 23. Auch in der Mappe B, 2. Version August 1977 fragt Francine: "Warum dieser Platz so heisst, weiss ich eigentlich auch nicht, und dabei steht hier eine Jeanne d'Arc." Mappe A, 29; siehe auch Mappe C, und D, gestrichen ist ausserdem der folgende Satz: "Ich sehe dich und hore, wie Du franzosisch sprichst."

(17) Frisch hatte ursprunglich vor, die Tote (Francine) auch im zweiten Bild darzustellen, hat das dann aber in der gedruckten Fassung gestrichen. Der Grund dafur ist meines Erachtens, dass Frisch stets versucht hat, wenig Wiederholungen zu verwenden, da man ohne weiteres im dritten Bild schon erfahren kann, dass Francine eine Tote ist, siehe Version Nov. 1977, 47 (Max Frisch-Archiv im ETH-Gebaude, Zurich). Es werde ausserdem dargestellt, wie Francine ins Krankenhaus gekommen ist und ein Gesprach mit dem Pastor gefuhrt hat, in dem der Pastor, der im ersten Bild auch bei der Begrabnisfeier des Proll gewesen ist, sie wieder erkannt hat, und den Tod als biologisches Faktum und etwas Triviales erwahnt hat. Francine ist zum zweiten Mal aufgetreten und wird von Clochard in der Allee in Paris mit Roger (im dritten szenischen Bild) zusammen gesehen. Clochard hat sie namlich erkannt. Auch in dieser Version wird ein Gesprach zwischen Francine und dem alten Proll skizziert, in dem die beiden uber Roger gesprochen haben.

(18) So ahnlich fuhrt der Protagonist Jurg Reinhart seine "Gesprache" mit der toten Inge in der gleichnamigen Erzahlung Jurg Reinhart. Dimitris Depountis stellt dar, dass die Tote "nicht als eine" 'autonome' Aussere (man konnte sagen: objektive) Erscheinung" konzipiert ist, sondern als eine Figur, die "das Hirn" von Roger "bewohnt." Depountis, Zur Darstellung eines tabuisierten Themas 34. Man denke in diesem Zusammenhang an die Farce Die Chinesische Mauer von Frisch, in der alle historischen Figuren auftauchen, die in unserem Bewusstsein existieren und unser Gehirn "bevolken." Magda Motte bezeichnet daher die Darstellung des Todes in Frischs Triplychon als "surreale Darstellung" des Todes. "Der Mensch vor dem Tod in ausgewahlten Werken der Gegenwartsliteratur" 501.

(19) GW, Bd. VII:110; in der Version Nov. 1977, die Frisch am 07.12. 1977 zum Lektorat an den Bonner Prof Norbert Oellers geschickt hat, wird sogar noch unter drei Trauergasten ein Gesprach uber einen "Wahlkampf" gefuhrt -- ein evidentes Beispiel fur die Privatisierung des Todes, vgl. Version Nov. 1977, 27.

(20) Bei meinen Nachforschungen im Max Frisch-Archiv, August 2005, fanden sich in der Mappe vom zweiten Bild Triptychon (Version Okt. 1977) zusatzlich zwei mit der Uberschrift "Zitate" versehenen Seiten, ausser Walter F. Ottos "Die Goetter Griechenlands," eine zitierte Stelle aus Homo faber und Lars Gustafssons Aufsatz "Der Tod als Mystifikation," den Max Frisch fur das Drama Triptychon verarbeitet hat; vgl. auch die von Frisch an Norbert Oellers geschickte Version Nov. 1977.

(21) Lars Gustafsson (1936-), Lyriker, Philosoph und Romancier, Prof. an der Universitat Austin/Texas, schloss Freundschaft in Berlin mit Max Frisch und Hans Magnus Enzensberger, der seine Gedichte ins Deutsche ubersetzt hat. Gustafsson beschaftigt sich in seinen Werken viel mit der Frage nach der Identitat des Menschen und nach der Unabhangigkeit der Personlichkeit eines Menschen; es sind Fragen, die durchgehend eine philosophische Komponente haben. Schreiben ist fur ihn ein "Kampf gegen Zeit und Tod;" Silke Behl, "Gesprach mit Lars Gustafsson; Nov. 2004," Radio Bremen.de; siehe auch Uwe Wittstock, "Lars Gustafsson 70. Gluckwunsch," Welt.de 1995-2006.

(22) Auf die Frage von Joachim Kaiser, weshalb Roger im ersten Bild "uber Tod und Materialismus" doziere, erwiderte Frisch, dass Roger gerade seine erste Leichenrede gehalten habe. Jedoch kam sie offenbar nicht an. Daher wiederholt er es eifrig, um verstanden zu werden; siehe Suddeutsche Zeitung, Feuilleton, Di., 3. Febr. 1981 anlasslich der deutschen Erstauffuhrung des Trlptychon am Burgtheater in Wien.

(23) Nach Norbert Elias sei "Nichts [...] charakteristischer fur die gegenwartige Haltung zum Tode als die Scheu der Erwachsenen, Kinder mit den Fakten des Todes bekannt zu machen." Und als Symptom fur die Gestalt der Verdrangung des Todes auf der individuellen wie auf der sozialen Ebene ist sie, so Elias, besonders bemerkenswert. Uber die Elnsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen 31.

(24) Peter Ruedi im "Gesprach mit Max Frisch, Abschied von der Biografie." Die Weltwoche 16 vom 19.4. 1978; siehe auch "Ich schreibe fur Leser: Antworten auf vorgestellte Fragen," (1964) GW, Bd. V: 351. Es handelt sich um Fragen nach dem Roman Mein Name sei Gantenbein.

(25) "Stiller" (1953/154), GW, Bd. III: 420. Der Protagonist Stiller im gleichnamigen Roman erzahlt weiter: "Wiederholung! Dabei weiss ich: alles hangt davon ab, ob es gelingt, sein Leben nicht ausserhalb der Wiederholung zu erwarten, sondern die Wiederholung, die ausweglose, aus freiem Willen (trotz Zwang) zu seinem Leben zu machen, indem man anerkennt: Das bin ich! ... Doch immer wieder (auch darin die Wiederholung) genugt ein Wort, eine Miene, die mich erschreckt, eine Landschaft, die mich erinnert, und alles in mir ist Flucht, Flucht ohne Hoffnung, irgendwohin zu kommen, lediglich aus Angst vor Wiederholung--." GW, Bd. III: 421.

(26) Triptychon, GW, Bd. VII: 164. Vergleicht man die Version in der Typographie mit der gedruckten Fassung, lasst sich feststellen, dass die Gesprache und die Auseinandersetzungen zwischen Roger und Francine ursprunglich viel aggressiver und direkter sind; siehe Manuskript, 1. Version Mai 1977, Mappe A, 11. Francine rat sogar Roger, einen bestimmten Typus von Frau anzuschaffen, die dessen Zweifel nicht herausfordert. Darauf hin antwortet Roger: "Wie ihr Frauen immer wisst, dass ihr liebt!" Francine verteidigt: "Ihr Frauen." Roger erwidert: "Entschuldige." Dabei wird gezeigt, wie wenig Roger Frauen und sich selbst kennt, oder auch wie Roger sich ein Bild von Frauen macht und dass er ein Egoist ist und "vor andern Leuten ein Rad wie ein Pfau" schlagt. Mappe B, 2. Version August 1977, 26.

(27) In der 2. Version der Typographie hat Frisch den Geburtstag von Francine erwahnt. Es war schon der "dritte April," schreibt er. Auch im Bezug auf Francines Alter wird statt 33 in der Mappe C u. D 36 in der Typographie skizziert, vgl. GW, Bd. VII: 182: "Francine, im nachsten Jahr werde ich funfzig, du bleibst dreiunddreissig."

(28) Der Invalide taucht namlich bereits im ersten szenischen Bild auf, in dem er zu den Trauergasten beim Begrabnis des alten Proll gehort. Er versuchte der Witwe Sophie Proll von seiner Bekanntschaft mit dem alten Proll zu erzahlen. Im zweiten szenischen Bild gehort er dann auch zu den Toten am Styx.

(29) Adolf Muschg zahlt Otto Walter, Peter Bichsel, Jorg Steiner und Max Frisch zu einer guten Gesellschaft fur die Holle. Muschg, "Hunger nach Format" 158.

(30) Die Typographie befindet sich im Max Frisch-Archiv, Zuricher Univ. Der Titel wurde von Frisch in Blockschrift getippt.

(31) Comelia Steffahn, Altern, Sterben und Tod im Spatwerk von Max Frisch 104. Die Rede vom Hades sowie die Vorstellung von der Unterwelt ist auch an einer anderen Stelle des Tagebuchs 1966-1971 zu finden: "Wie sich die Griechen den Hades vorgestellt haben:--ein altliches Paar aus Zollikon, das Muhle spielt, [...] andere vereint die Langeweile nach unaufdringlicher Verbeugung [...]" GW, Bd. VI: 229.

(32) Die Typographie im Max Frisch-Archiv, ETH-Gebaude, Zurich.

(33) Zit. nach dem unveroffentlichen Brief an Norbert Oellers (Privatbesitz v. Oellers).

(34) Privatbesitz v. Oellers; diese Stelle hat er spater in seiner "Rede zum Tod von Peter Noll" nochmals wiederholt, GW, Bd. VII: 74.

(35) Brief an Norbert Oellers (Privatbesitz v. Oellers).

(36) Gion Condrau, Der Mensch und sein Tod 209. Condrau verweist auf eine weitere Erkh rung dazu von G. Scherer: "Kann es namlich jeden Augenblick vorbei sein, so ruft uns das Vorlaufen in den Tod zum Handeln in der unmittelbaren Gegenwart auf. Einmal wird alles vorbei sein, aber heute ist es nicht vorbei, im Gegenteil, die Tatsache, dass einmal alles vorbei sein wird, wirft den Menschen darauf zuruck, dass es heute nicht vorbei ist." Scherer: Das Problem des Todes in der Philosophie. Darmstadt, 1979; zit. n. Condrau, Der Mensch and sein Tod 209.

(37) Siehe Mappe B, 2. Version, August 1977, 21; auch Mappe C and D, 2. Version, 20. Diese Passage wurde von Frisch in der gedruckten Fassung gestrichen.

(38) Siehe Condrau, "Funftes Buch. Menschlich sterben in unmenschlicher Zeit," Der Mensch and sein Tod. certa moriendi condicio. Uberarbeitete Auflage. Zurich: Kreuz, 1991, 466, Anm. 18.

(39) Nach Philippe Aries sei das Buch On Death and Dying von Elisabeth Kubler-Ross, das im Jahre 1969 erschien (New York: McMillan; dt. Interviews mit Sterbenden. Zweite Auflage. Berlin: Kreuz Verlag, 1971), Amerika and England aufruttelte and es dort bald auf mehr als eine Million verkaufter Exemplare brachte. Aries, "Geschichte des Todes" 754. In den 70er Jahren wurden Raymond A. Moodys in Englisch erschienenen Werke uber das Leben danach in vielen Landern Bestseller; vgl. Raymond A. Moody. Life after Life: The Investigation of a Phenomenon -- Survival of Bodily Death. Georgia: Mockingbird Books, 1975; R. A. Moody: Reflections on Life after Life. New York, 1977. Die deutschsprachigen Ausgaben der beiden Bucher sind bereits in den 70er Jahren in Deutschland erschienen: R. A. Moody: Leben nach dem Tod. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1977 u. ders.: Nachgedanken uber das Leben nach dem Tod. Reinbek bei Hambug: Rowohlt, 1978; vgl. auch Constance Jones: Der Tod. Alles uber Leben and Sterben. Aus dem Amerikanischen von Anni Pott. Munchen: Piper, 2000, 84 (Titel der ameikanischen Originalausgabe: R.I.P.: The Complete Book of Death and Dying). Frisch musste sie gekannt oder soltar gelesen haben, da er in den 70er Jahren, also noch vor der Buchausgabe des Dramas Triptychon zweimal USA-Aufenthalte (1970 u. 1972) durchgefuhrt hat.

(40) Dies wird auch in seinem Tagebuch 1966-1971 and zwar im Jahre 1966 deutlich; GW, Bd. VI: 55.
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Author:Mei-ling Wang, Luzia
Publication:Fu Jen Studies: literature & linguistics
Article Type:Essay
Geographic Code:4EUGE
Date:Jan 1, 2006
Words:9783
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