Ein Jahr wie tausend Tage--Ein Leben mit Alzheimer.[ILLUSTRATION OMITTED] Ein Jahr wie tausend Tage--Ein leben mit Alzheimer Berit Degnaes, Dusseldorf, Patmos Verlag, 2006, 170 Seiten, ISBN 3-530-42201-0, kartoniert, EUR 14,90 Im Alter von nur 52 Jahren wird Richardt mit der Diagnose "Alzheimer" konfrontiert. Die Nachricht ist nicht nur fur ihn ein Schock, sondern auch fur seine Lebensgefahrtin Berit und die gesamte Familie. Richardt ist berufstatig, hat finanzielle Verpflichtungen und mochte sich mit seiner neuen Lebenspartnerin Berit gerade eine Zukunft aufbauen, als er und sein Umfeld zunehmend bemerken, dass etwas nicht in Ordnung ist. Er verfahrt sich beispielsweise auf seinem alltaglichen Arbeitsweg, braucht langere Zeit, um auf Fragen zu antworten, hat standig Kopfschmerzen und sieht einfach mude und gealtert aus. Lange will Berit nicht wahrhaben, dass ihr einstmals so selbststandiger Partner an einer rasch fortschreitenden Krankheit leidet und nun bei ganz alltaglichen Dingen von ihrer Hilfe und Fursorge abhangig ist. Als sie die Pflege und Betreuung ihres Lebensgefahrten nicht mehr allein bewaltigen kann, sucht sie ihm ein Zimmer in einem Pflegeheim. Auf sehr emotionale Weise erzahlt Berit von den Schwierigkeiten, angefangen von der weitverbreiteten Unkenntnis uber die Erkrankung und ihre Folgen bis zur oft mangelhaften Fahigkeit der Pflegekrafte, sich in diese kranken Menschen und ihre Bedurfnisse hineinzuversetzen. Daruber hinaus kampft Berit gegen die in ihr selbst aufsteigenden Gefuhle wie Wut, Verzweiflung, Trauer und Selbstmitleid an. Trotzdem setzt sie sich unermudlich fur Richardt ein. Sie sieht die Welt durch seine Augen und hilft ihm, einerseits Momente des Glucks zu erleben und andererseits unertragliche Situationen durchzustehen. Das vorliegende Buch wird durch einen praktischen Adressteil abgerundet. Es ist vor allem Angehorigen von an Alzheimer erkrankten Menschen und den Mitarbeitern besonders in geriatrischen Einrichtungen zu empfehlen. Neben den leiblichen Bedurfnissen der Betroffenen werden die seelischen Bedurfnisse nach Geborgenheit und alten Gewohnheiten oft vergessen. Es fallt vor allem bei Demenzkranken schwer, den Menschen in seiner Individualitat zu erkennen, weil der Betroffene gerade durch seine Erkrankung daran gehindert wird, sich selbst mitzuteilen. "Ein Jahr wie tausend Tage" ist ein fesselndes Buch uber kleine Siege und grosse Verluste, uber Frustrationen und Durchstehvermogen. Nicht zuletzt ist es ein beruhrendes Zeugnis der Liebe, die starker ist als das Vergessen. Katrin Naglo, Ergotherapeutin |
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